Selbstsüchtige Eltern

Alle Themen, die in keines der Partnerschafts-Foren passen, bei denen es aber in weitestem Sinne um Beziehungen, soziale Kontakte usw. geht, Adoption, Pflege usw.
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Möbius
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Beitrag Mo., 07.12.2015, 16:51

Hallo Mio !

Die Diskussion um Freuds Thesen zur Sexualität der Frau wurde schon einmal hier geführt, nämlich in diesem thread:

viewtopic.php?f=41&t=30901

Ich halte es für ein verhältnismässig unergiebiges Unterfangen, irgendjemand anderen, natürlich auch nicht Dich, von der Wahrheit und Richtigkeit der Thesen Freuds überzeugen zu wollen. Sie haben für mich ihre Überzeugungskraft dadurch gewonnen, daß zunächst seine "Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie" mir nicht nur eine plausibele Erklärung für meine eigenen sexuellen Eigenheiten geliefert haben, und weiter mit den Beobachtungen und Erfahrungen bei meiner recht intensiv gelebten Sexualität problemlos in Einklang zu bringen sind, mir, etwas überspitzt formuliert, noch heute bei so manchem Szenebesuch das eine oder andere Lichtlein aufstecken über zuweilen recht merkwürdige Verhaltensweisen meiner "Mitspieler". Sie haben weiter an Überzeugungskraft "unglaublich" dadurch gewonnen, daß sie mir meine Selbstanalyse ermöglicht haben und noch weiter ermöglichen. Diese Autorität der funktionierenden, für mich lebensrettenden und identitätsstiftenden Praxis ist gegen eine rein rationale Kritik einerseits imun, andererseits kann ich diese Erfahrungen und Erlebnisse mit Freud nicht "intersubjektivieren", zumindest nicht in einem Internet-Forum.

Es verbleiben mir nur noch ein paar Anmerkungen:

Zunächst ist es mein Kenntnisstand, daß die Zusammenhänge zwischen agierter Sexualität - vaginaler Penetration - und Fortpflanzung erst vor ca. 6000 Jahren den Menschen "aufgedämmert" sind. Bis in die allerjüngste Vergangenheit hat man auch immer noch indigene Mini-Kulturen antreffen können, die diesen Zusammenhang nicht kannten. Erst recht Kinder erwerben auch heute diese Kenntnisse erst zu einem relativ späten Zeitpunkt - zu dem nämlich die wesentlichen Prozeße schon gelaufen sind, also nach der Ödipalen Phase, sagen wir mal: in der Grundschulzeit. Aber darüber bin ich nicht sehr gut informiert.

Es ist aber evident, das die Lust an der Sexualität von einer Kenntnis der Fortpflanzungsfunktion unabhängig ist. Sie entsteht unmittelbar, auch autoerotisch, bei Berührungen der Haut, insbesondere der Schleimhäute im Bereich von Mund, Genitalien und After. Diese Berührungen können auch von unbelebten Gegenständen herrühren, wie man an den "toys" gut ablesen kann. Sogar die biologische Anatomie hat inzwischen die Ansammlung von Nervenenden, die diese Erregung produzieren und weiterleiten, inzwischen aufgefunden, soweit ich weiß. Diese als lustvoll wahrgenommene Erregung ist ja auch Gegenstand der infantilen Sexualität, bei der eine Fortpflanzungsfunktion nicht besteht, nicht bestehen kann, weil die für die Fortpflanzungsfunktion erforderlichen Organe und deren Funktionalität erst in der Pubertät entstehen bzw. in funktionsfähigen Zustand kommen.

Ich gestehe durchaus, daß die These von der Zentralität der Fortpflanzungsfunktion auch von mir geteilt worden ist, bis ich durch die ersten Freud-Lektüren eines besseren belehrt worden bin. Warum ich diesen mir selbst auch heute noch immer wieder befremdlich vorkommenden Thesen Glauben schenken konnte, habe ich versucht, kurz zu skizzieren.

Gruß

Möbius

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kaja
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Beitrag Mo., 07.12.2015, 16:57

Meister, Penisneid....wenn ich mir nicht sicher wäre das Möbius wirklich daran glaubt, wäre es fast amüsant.
After all this time ? Always.

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Mia Wallace
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Beitrag Mo., 07.12.2015, 18:55

mio hat geschrieben: In der Psychologie wird dieses Phänomen mit dem Abhängigkeits-Autonomie Konflikt umschrieben. Ein Grundkonflikt menschlichen Daseins.

Einer von 7 bzw. 8 der in der Operationalisierten Psychodynamischen Diagnostik beschriebenen Grundkonflikte.


Gleichrangig mit den anderen Konflikten.
Lange nicht jeder hat diesen angeblichen Grundkonflikt menschlichen Daseins. Es gibt, wie gesagt, noch 6 bzw. 7 weitere.

Ein wichtiger Punkt scheint mir zu sein, dass Menschen, die vom psychischen Strukturniveau her so "gesund" sind, dass sie Konflikte (nach OPD) haben können, sind -so denke ich- nicht die Eltern, über die wir hier reden.
Die sind nämlich viel zu gesund, da einfach nur normal neurotisch, um schlimmen Schaden bei ihren Kindern anzurichten.

Wirklich emotional oder psychisch missbrauchende und misshandelnde Eltern sind in der Regel viel schwerer gestört und weisen eine ausgeprägte Strukturpathologie auf.
Sprich: sie haben eine (schwere) Persönlichkeitsstörung und können per definitionem gar keine Konflikte

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Mia Wallace
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Beitrag Mo., 07.12.2015, 19:13

leberblümchen hat geschrieben: Ich werde hier ganz sicher nichts Intimes über das Elternsein schreiben, weil das viel zu wertvoll ist, um es breitzutreten; die, die es selbst kennen, wissen es sowieso. ..
Das klingt ein bisschen schwurbelig idealisierend und glorifizierend.
Als könnte in so einer Eltern Kind Beziehung nicht auch ganz gewaltig was schief gehen
(Übrigens geht besonders gerne in solchen Eltern-Kind Beziehungen etwas schief, in denen idealisiert wird )
leberblümchen hat geschrieben: Und die, die es nicht kennen, aber ganz sicher sind, es DOCH zu kennen, weil sie ja immerhin selbst mal Kind waren (klar, und deshalb kennt auch jeder Schüler das Lehrersein und jeder Passagier im Flugzeug weiß genau, wie Fliegen geht), würden es gar nicht verstehen WOLLEN. Dazu ist mir dieses Thema viel zu wichtig. ..
Leberblümchen, es geht ganz simpel um Beziehung.
Und da kann jeder mitreden, der in irgendeiner Form von Beziehung steht.

Erinnerst Du Dich? Wir hatten mal eine hitzige Diskussion mit jemandem, der Homosexuellen das Recht absprach, sich ratgebend (oder überhaupt irgendwie ) an einer Diskussion eine heretosexuelle Beziehung betreffend zu beteiligen.

Das hat mich und - daher erwähne ich das Beispiel- damals auch
Dich ganz schön in Harnisch gebracht .
Eben weil es auch da um Beziehung an sich geht.

So wie ein Schwuler mit uns beiden kompetent und lebenserfahren über unser beider heterosexuellen Beziehungen diskutieren kann, so kann ein Kinderloser selbstverständlich etwas zum Thema Eltern-Kind Beziehung beitragen.
leberblümchen hat geschrieben: Ich kenne auch schwierige Gefühle, aber ich bin in der Lage - anders als meine Mutter -, diese zu sortieren und zu reflektieren, muss sie also glücklicherweise nicht ausagieren.
Klar ist schon (viel?) geholfen, wenn jemand eine Therapie macht.
Nur: Einsicht ist ja bekanntlich nicht alles.
Mein Stiefelternteil hat jahrelang Therapie gemacht und sich, wenn das überhaupt möglich ist, dadurch zu einer nur NOCH größeren Nervensäge entwickelt .

Meine Nachbarin macht seit zig Jahren Therapie, gängelt aber trotzdem ihre Kinder mit ihrer Angststörung.

Die erwachsenen Kinder einer Bekannten, die unter einer Persönlichkeitsstörung leidet und seit vielen Jahren in diversen Therapien ist, sind inzwischen beide selbst psychiatrisch krank.


Denkst Du denn wirklich, dass Du in der Realität -anders als im Forum- nie agierst???
(Du wärst vermutlich der einzige Mensch und erst recht der einzig psychisch kranke Mensch auf Erden, der nie agiert .)
Und dass Deine Kindern nicht unter Deiner psychischen Erkrankung zu leiden haben, bloß weil Du in Therapie bist?

Falls Du das wirklich denkst.........: puh

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Nico
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Beitrag Mo., 07.12.2015, 20:05

Ich kann mich sehr gut an einen Verwandten erinnern der sich, solange er kinderlos war immer fürchterlich aufregte, dass alle ihre Kinder viel zu sehr verwöhnen würden.
Und dann wurde er Vater ......

Ich hab noch nie einen Vater erlebt der seine Tochter derart vergöttert hat!
Nicht das schwarze Schaf ist anders, sondern die weißen Schafe sind alle gleich ;)

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Ephraim
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Beitrag Mo., 07.12.2015, 20:30

Du könntest deine Eltern natürlich auch einfach sagen, daß deren Bedürfniß nach Enkeln, nicht deine Sache ist, nichts mit dir zu tun hat.

(aber mach mich nicht für mögliche Folgen verantwortlich; gefallen würde es ihnen wohl nicht)
"Sometimes we battle to protect someone, sometimes we battle to protect someones honor" Ichigo Kurosaki; Ich stelle keine rhetorischen Fragen

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Möbius
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Beitrag Mo., 07.12.2015, 20:34

Im obigen Beitrag von Mia Wallace ist ein Themenkreis angeschlagen worden, zu dem ich - obschon Kinderlos und sehr stark schwul orientiert - meine, etwas beitragen zu können, nämlich eine bestimmte Form inzestuösen Mißbrauchs (nicht im strafrechtlichen Sinne), die von Mathias Hirsch in "Realer Inzest" als "Terrorismus des Leidens" bezeichnet worden ist, und die wohl recht häufig zu sein scheint.

Das ist eine spezielle Form eines latenten Inzests - einer inzestuösen Zuneigung, die nicht "manifest", dh durch sexuelle Handlungen im engeren Wortsinne, agiert wird, sondern andere Ausdrucksformen erlangt. Einer dieser Ausdrucksformen besteht darin, daß der inzestuös begehrende Teil - in der Praxis wohl meist ein Elter - durch eine tatsächliche oder vorgeschobene Krankheit oder eine "krankheitsähnliche" Notlage Aufmerksamkeit, Zeit und Zuwendung seines "Objektes der Begierde" - meist ein Kind - zu erpressen sucht. Das Kind soll gezwungen werden, weitaus mehr Zeit mit dem Elter zu verbringen, als es von sich aus bereit wäre, auch körperlich-zärtlich zu trösten, Krankenpflege - ebenfalls körperlich - zu betreiben und im weitestgehenden Fall sogar dazu, die Wohn- und Lebensgemeinschaft mit dem Elter beizubehalten bzw. wieder aufzunehmen und dafür eigene Lebensziele und -inhalte zurückzustellen bzw. aufzugeben. "Ich lebe mit meiner Mutter zusammen - sie ist schwer krank und ich kann sie nicht alleine lassen." Diesen Satz hört man immer wieder - gerade von Schwulen, deren notorische Affinität zur Mutter auch ausserhalb schwuler Kreise vielleicht bekannt sein könnte. Bei "planet-romeo" (dem früheren "gay-romeo"), der bedeutensten schwulen Kontaktplattform im deutschsprachigen Internet, heißt sogar die Hilfefunktion "Mutti". Diese Affinität wird übrigens auch durch Freud erklärt: in ihr hat nämlich die "Inversion", wie er exklusive oder nahezu exklusive Homosexualität zu nennen pflegt, ihre Ursache in einer mehr (bei Frauen oft die gesamte Persönlichkeit) oder weniger (bei Männern oft nur den "Sexualcharakter") umfassenden Introjektion des gegengeschlechtlichen Elters aufgrund einer "kurzen aber sehr intensiven" Beziehung zwischen Kind und gegengeschlechlichen Elter. Vor der Bezeichnung Inzest scheut Freud zurück - seine Familie war selbst hochgradig inzestuös gewesen. Die Kultur des europäischen Judentums scheint ein entspannteres Verhältnis zum Inzest zu haben - sehr bekannt ist die Endogamie der Familie Rothschild, deren Abkömmlinge bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts nahezu ausschließlich Angehörige der eigenen Familie geheiratet haben. Diese Endogamie geht auf den expliziten und hoch in Ehren gehaltenen Rat des Stammvaters Meyer Anschelm Rothschild zurück, den dieser sogar testamentarisch bekräftigt hatte. Das habe ich zumindest der Geschichte der Familie Rothschild von Niel Fergusson entnommen, einem britischen Historiker. Auch diese Annahme Freuds zur Genese der Homosexualität ist aus heutiger Sicht ähnlich dem Penisneid-Komplex "politcally absolutly incorrect" und wird daher vehement angefeindet, ist durch die aktuelle Psychologie und Sozialforschung "überholt", partiarchalisch, diskriminierend usw usw.


mio
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Beitrag Mo., 07.12.2015, 21:35

Hallo Möbius,

danke für den Link, ich habe nicht alles gelesen, muss aber sagen, dass es mir auch da schwer fällt "mitzugehen". Als Pathologie, ok, verständlich. Als "Symbolkonzept" auch. Aber darüber hinaus nicht. Aber da waren wir glaube ich schon mal und ich lasse Dir da auch gerne Deine Überzeugung. Nicht jedes "Theoriekonzept" dürfte jedem gleich zugänglich sein und vor allem nicht in jedem dürfte jeder sich selbst "widerfinden" können.
Möbius hat geschrieben: Es ist aber evident, das die Lust an der Sexualität von einer Kenntnis der Fortpflanzungsfunktion unabhängig ist. Sie entsteht unmittelbar, auch autoerotisch, bei Berührungen der Haut, insbesondere der Schleimhäute im Bereich von Mund, Genitalien und After. Diese Berührungen können auch von unbelebten Gegenständen herrühren, wie man an den "toys" gut ablesen kann. Sogar die biologische Anatomie hat inzwischen die Ansammlung von Nervenenden, die diese Erregung produzieren und weiterleiten, inzwischen aufgefunden, soweit ich weiß. Diese als lustvoll wahrgenommene Erregung ist ja auch Gegenstand der infantilen Sexualität, bei der eine Fortpflanzungsfunktion nicht besteht, nicht bestehen kann, weil die für die Fortpflanzungsfunktion erforderlichen Organe und deren Funktionalität erst in der Pubertät entstehen bzw. in funktionsfähigen Zustand kommen.
Das ist meiner Meinung nach so eine "Huhn oder Ei" Frage. Natürlich muss einem sich erfolgreich fortpflanzenden Wesen nicht bewusst sein, dass es bestimmte Dinge ausschließlich deshalb tut, weshalb das für mich auch kein Widerspruch ist. Gedanklich lässt sich sogar soweit gehen, dass die sexuell weniger (nicht "Fortpflanzungssex" betreibenden) aktiven Menschen zwangsläufig eine Minderheit bilden, da sie sich eben nicht fortpflanzen.

Ich betrachte das auch eher als Frage des "Bindungsverhaltens" im Sinne der Bindungstheorie, die soweit ich weiss nicht sehr "Freud konform" war in dem Punkt. Vor allem wenn ich das Bedürfnis nach Elternschaft als zentralen Aspekt betrachte.

Von mir selbst ausgehend kann ich (kinderlos, ohne auffälligen Kinderwunsch, aber auch nicht mit kategorischer Abneigung) sagen, dass ich immer dann das stärkste Bedürfnis nach "Elternschaft" hatte, wenn die Bindung zum Partner eine emotional sehr starke war. Bei weniger starken Bindungsgefühlen hatte ich dieses Bedürfnis (also wirklich rein das emotionale Bedürfnis, den emotionalen Wunsch) nie, weshalb ich da für mich einen Zusammenhang sehe zwischen "Bindungswunsch", "Bindungsverhalten" und bestehender "Bindung" zum Partner. Neben diesem "Bindungsaspekt" wird bei Frauen sicher auch die "zeitliche Begrenzung" durch die Biologie mit rein spielen, zumindest beobachte ich dies bei vielen Frauen, stärker auf alle Fälle als bei Männern, und diese damit dann den ein oder anderen "Kompromiss" eingehen lassen bzw. die Bereitschaft zu "Zweckgemeinschaften" erhöhen.

Missbräuchliche, instrumentalisierende Eltern kompensieren meiner Meinung nach über die Kinder eine Störung im eigenen Bindungsverhalten. Da kann ich dann auch gedanklich die Idee des "Penisneids" oder "weiblichen Masochismus" mit einordnen, so ich mir die Rolle und Stellung der Frau in der damaligen Gesellschaft betrachte. Natürlich in einem "biologischen, ursprünglichen Sinne" erscheint mir das aber nicht, eher als "Auswuchs" der Gesellschaft und Folge kultureller Gegebenheiten.

Lieben Gruss,

mio

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Broken Wing
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Beitrag Mo., 07.12.2015, 21:38

@ Candle: Naja noch stehe ich am Anfang der Therapie. Ich denke, den Verlauf kann die Therapeutin qualifizierter beurteilen als du. Das Forum ist kein Therapieersatz und auch keine Fortsetzung, von daher werde ich mich bei sachlichen Diskussionen philosophischer Argumentation bemühen müssen.

Irgendwann sind die 300 Stunden herum, ich werde dann in den tiefen meiner Psyche gewesen sein und deiner Meinung.

Bis dahin bitte ich dich zu berücksichtigen, dass ich deine tiefschürfenden Beiträge nicht verstehen kann und sich das Interesse daran in überschaubarem Ausmaß hält.
Beginne den Tag mit einem Lächeln, dann hast du es hinter dir. [Nico Semsrott]

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Möbius
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Beitrag Mo., 07.12.2015, 22:39

Hi Mio !

Die "Bindungstheorie" geht wohl auf Melanie Klein zurück, nach der eine heute recht bedeutsame psychoanalytische Schule benannt ist, die quantitativ die klassische Psychoanalyse nach Freud zumindest eingeholt zu haben scheint. Freud mochte diese Erweiterung der menschlichen Triebe garnicht, und doch haben sich bis heute sich eine unübersehbare Vielfalt von "Motivationen" aufgetan ...

Ich sehe keinen Grund dafür, über die 2 Grundtriebe Freuds, den Liebes- und Todestrieb, hinauszugehen, tendiere sogar ein bischen in die Richtung C.G. Jungs, der auf den Todestrieb verzichtet hat, und Destruktivität pp schlicht durch die Verkehrung des Liebestriebes ins Gegenteil, also einen Abwehrmechanismus. Auf jeden Fall hängen diese beiden Triebe auch bei Freud miteinander zusammen - jeder enthält etwas vom anderen.

Das Bestreben nach Bindung, das ja auch in der nichtanalytischen Psychotherapie und Psychologie eine große Rolle spielt, kann m.E. recht zwanglos aus der Sexualität und ihrer Sublimation erklärt werden. Danach steckt also in jeder Bindung, auch derjenigen, die bewußt als nicht-sexuell - "platonisch" - empfunden wird, eine ursprünglich sexuelle Lust an dem oder den anderen.

Der Kinderwunsch braucht m.E. nicht bewußt wahrgenommen zu werden. Ich hatte schon vor meiner Beschäftigung mit Freud im Verlaufe des Lebens den Eindruck gewonnen, daß sehr viele Kinder nicht "direkt vorsätzlich" gezeugt werden - von den Vätern schon gleich garnicht, und auch von vielen Müttern nicht. Die geläufige Handlungsform beim "Zulassen der Befruchtung" durch die Mütter kam mir stets gut mit den juristischen Begriffen der "groben Fahrlässigkeit" bzw. des "bedingten Vorsatzes" umschrieben vor. Man hofft, daß es schon gutgehen wird oder ist bereit, die Schwangerschaft, wenn sie denn eintritt, "billigend in Kauf zu nehmen". Diese Form des Kinderkriegens würde ich heute als "Fehlleistungen" ansprechen, mit denen sich ein latenter Kinderwunsch seine Erfüllung verschafft.

Gefühle entspringen dem Über-Ich - in meiner Interpretation Freuds. Es sind Impulse kürzerer oder längerer Art, die aus unserer Lebensgeschichte stammen, häufig (aber durchaus nicht immer) von Elementen der Lebensgeschichte, die uns nicht bewußt sind. "Emotionale Zuneigung", Verliebtheit - das ist regelmässig eine Re-Inszenierung der inzestuösen Elter-Kind-Geschichte aus dem Ödipus-Komplex, und das Ziel ist die Wiederholung der Beziehung der Eltern, so wie es das Kind, daß an die Stelle des gleichgeschlechtlichen Elters treten, diesen verdrängen wollte, erlebt und wahrgenommen hat - eventuell auch modifiziert durch Wünsche, es anders oder besser machen zu wollen in dieser oder jener Hinsicht. Das bei einer sehr starken emotionalen Zuneigung in diesem Sinne, also einer großen Ähnlichkeit zwischen jener verdrängten Ödipus-Geschichte und dem aktuellen "Objekt", das zu einer "Objektbeziehung" werden soll oder geworden ist, irgendwann auch der Wunsch nach kompletter Re-Inszenierung der elterlichen Beziehung entsteht, der ja auch die Produktion von Kindern - "Vatermutterkind" - beeinhaltet, ergibt sich insofern ganz zwanglos.

Deine Beschreibung eigener Wahrnehmungen von Kinderwünschen ist also zumindest mit dieser Theorie Freuds ohne weiteres zu erklären - sozusagen: der Normalfall.

Das Du diesen Wunsch niemals verwirklicht hast, ist dagegen für mich nicht ohne weiteres zu erklären und das ist auch nicht notwendig, daß ich das erklären kann. Ich glaube, daß eine landläufige Formel: "Ich hab einfach nie den/die Richtige(n) gefunden!" - gemeint ist: der richtige Partner für nicht nur Beziehung, sondern auch Familiengründung - kann eine sehr treffende Erklärung sein: man ist niemals jemandem begegnet, bei dem die Kraft dieser Re-Inszenierung stark genug war, um sich gegenüber anderweitigen Lebensinhalten positiver oder negativer Natur durchzusetzen. Daß natürlich auch Du zu denjenigen Frauen gehören könntest, denen eine Clitoris-Diskriminierung in ihrer Kindheit und somit jener Penisneid (ein unglückliches Wort auch meiner Meinung nach) erspart geblieben ist, versteht sich nach obigem ja von selbst.

Gruß

Möbius

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Möbius
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Beitrag Mo., 07.12.2015, 22:53

Vielleicht sollte ich "in eigener Sache" auch einmal erwähnen, daß ich selbst nie den Wunsch nach Vaterschaft oder Familiengründung verspürt habe, eher im Gegenteil. Die Mißhandlungen v.a. durch meine Mutter, die dem eigentlichen Mißbrauch folgten, waren größtenteils stets erinnert geblieben, meine Mutter war mir zeitlebens Gegenstand von zeitweise bis zum Hass reichender Abneigung, "Vermeidungsverhalten". Es wäre mir unerträglich erschienen, Kindern ein liebender und sorgender Vater zu sein, die sich eventuell nach meiner Mutter entwickelt hätten - so sagte ich es zumindest stets. Als Jurist mit den Fesseln des Unterhaltsrechts auch wohl vertraut gemacht, habe ich auch stets die Verantwortung der Vaterschaft gescheut - und klopfe heute dreimal auf Holz, daß mir dieses Schicksal erspart geblieben ist: denn eine "eigene Familie" hätte mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit dazu geführt, daß ich meine eigenen Kinder mißbraucht und/oder mißhandelt hätte. Sexuelle Gewalt gegen Kinder pflanzt sich tragischerweise nur allzuoft fort.

Ich hätte es ja nicht gewußt, wenn ich, wie unter Juristen üblich, in der Referendarszeit oder kurz nach dem 2. Examen eine auf Dauer angelegte Beziehung eingegangen wäre, Vater geworden wäre. Ich hätte dann wahrscheinlich auch kaum die Gelegenheit gehabt, meine Libido regelmässig abzuführen, meine Paraphilien zu entfalten und einzuhegen - die Ehen von Juristen sind in sexueller Hinsicht regelmässig ultra-konservativ. Es hätte mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Stau von Libido ergeben, der sich zwangsläufig irgendwann in die pathologischen destruktiven Bahnen ergoßen hätte. Mir gruselt es immer wieder über mich selbst, wenn ich solchen Gedanken nachhänge. Es ist kein schönes Bewußtsein, eine Psyche zu haben, aus der unter nur etwas anderen Lebensumständen ein Kinderschänder, Serienkiller oder gar Massenmörder hätte werden können.

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Solage
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Beitrag Mo., 07.12.2015, 23:09

Widow hat geschrieben: Oder glaubst Du, Solange, ganz persönlich an die Wichtigkeit dessen, dass Du Dich vermehrt hast? Dann wüsste ich gern, welche Vorstellungen Du damit verbindest.
Denkst Du, in drei Generationen würde aus Deiner Keimbahn (und der Deines Sexualpartners) ein Friedensbotschafter hervorgehen?
Denkst Du, in vier Generationen würde aus Deiner Keimbahn (und der Deines Sexualpartners) eine molekularbiochemische Viszeralkrebsbesiegerin hervorgehen?
Denkst Du, in acht Generationen würde aus Deiner Keimbahn (und der Deines Sexualparntners) eine neue Welt hervorgehen?
Das fragt Dich
Widow, ganz entspannt, weil aus unserer - meiner und der des Liebsten - Keimbahn weder Glück noch Unglück hervorgegangen sind, und das auch nicht mehr tun können.
Ich denke nicht so und kann deshalb Deine Fragen nicht beantworten. Das ist mir fremd.

Warum stellst Du mir eigentlich immer wieder solche "Fragen"? Bist Du ernsthaft an meinen Vorstellungen interessiert? Das glaube ich nämlich nicht, weil sich in Deinen Fragen für mich zeigt, dass Du ja schon die Antworten für Dich hast....

Bist Du an einem echten Austausch interessiert und nimmst da auch was an evtl. neuen und hilfreichen Erkenntnissen mit? Interessiert es Dich tatsächlich wie es ist Mutter zu sein, wie sich meine Kinder fühlen? Wie wir als Familie miteinander umgehen?

Wenn Du schreibst, dass Du mit mir wettest, dass meine Kinder in 10 Jahren auch therapeutische Hilfe benötigen, dann weißt Du es ja besser! Ich weiß das nämlich nicht, aber DU weißt es.
Das heißt, dass du mir hier lediglich sagen willst, dass Du mehr weißt als ich, meine Kinder auch besser kennst und einschätzen kannst....ja sogar in die Zukunft sehen kannst.

Ich werde hier auch nichts mehr dazu schreiben. Es geht hier ja um die selbstsüchtigen Eltern.


mio
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Beitrag Mo., 07.12.2015, 23:19

Hallo Möbius,

ich beziehe mich eher auf John Bowlby und Mary Ainsworth, Melanie Klein war in Bezug hierauf soweit ich weiss eher eine "psychoanalytische" Kritikerin.

http://www.alexander-miro.de/Publikatio ... hn_Bowlby/

In Bezug auf "Reinszenierungen" stimme ich Dir in sofern zu, als dass ich bei allen Männern in die ich mich sozusagen "reinszenierend" verliebte (das waren die mit dem Kinderwunschgefühl ) mittlerweile ein gemeinsames, klar erkennbares "Muster" im Geschehen erkennen kann das 1:1 zu meinen Erfahrungen als Kleinkind - sozusagen meinem "Bindungsverhalten/-system - passt. In Bezug auf das "Nichtzustandekommen"? Da wird es schon komplizierter...

In Bezug auf die "Grundtriebe" so lassen sich eben genau diese meiner Meinung nach in jenen "Abhängigkeits-Autonomiekonflikt" übersetzen. Ich "liebe" (genieße/begrüße/brauche) die "Abhängigkeit", "hasse" (will mich von ihr befreien, sie überwinden) sie aber auch im gleichen Atemzug. Denn nur wenn ich sie hasse (hassen, ablehnen, autonom sein darf), kann ich mich aus ihr lösen um dann sozusagen aus "freien Stücken" zurückzukommen.

Und genau da hakt es wohl häufig.

Lieben Gruss,

mio

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Broken Wing
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Beitrag Mo., 07.12.2015, 23:20

Hallo Möbius!

Deine Beiträge erheitern mich durchaus. Erst mal, weil du das alles ernst zu meinen scheinst. Punkt zwei ist, dass ich vieles durchaus Teile, im Ergebnis jedenfalls.
Mit den Frauen habe ich auch so meine liebe Not. Gerade die Juristen behandeln sie milde, im Strafrecht jedenfalls. Manchmal denke ich, wenn als Täterin eine Frau ist, überlegt man sich, wie man mit unmündigen umgehen würde, dann kommt man zum richtigen Ergebnis. Müsste das auch mal ausprobieren, also bitte nicht gleich anwenden, falls selbst Student.

Naja das juristische Vokabular beim Sex finde ich witzig.
Bedenkt man:
a) Dass keine Aufforderung für die Zeugung erfolgte (Geschäftsführung ohne Auftrag),
b) einige unter ihrem Geschenk Leben leiden und es unter hohem Aufwand zurückgeben,
c) jemanden bewusst in eine tödliche Lage bringen verboten ist und durch die Zeugung dieser jemand eben in diese Lage gebracht wird,
könnte man es von mehreren Seiten juristisch angehen.

Das übrigens meine ich nicht allzu ernst, bevor hier jemand anfängt, mir die Welt zu erklären.
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mio
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Beitrag Mo., 07.12.2015, 23:26

Broken Wing hat geschrieben: c) jemanden bewusst in eine tödliche Lage bringen verboten ist und durch die Zeugung dieser jemand eben in diese Lage gebracht wird,
Danke dafür Broken Wing, You made my day!

(Ernst gemeint, nicht ironisch.)

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