Selbstsüchtige Eltern

Alle Themen, die in keines der Partnerschafts-Foren passen, bei denen es aber in weitestem Sinne um Beziehungen, soziale Kontakte usw. geht, Adoption, Pflege usw.
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Wandelröschen
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Beitrag Di., 08.12.2015, 00:14

Mia Wallace hat geschrieben: So wie ein Schwuler mit uns beiden kompetent und lebenserfahren über unser beider heterosexuellen Beziehungen diskutieren kann, so kann ein Kinderloser selbstverständlich etwas zum Thema Eltern-Kind Beziehung beitragen.
Da vergleichst du aber jetzt zwei paar verschiedene Schuhe.
Ein Schwuler, der mit seinem gleichgeschlechtlichen Partner zusammen lebt, hat selbstverständlich eine Paarbeziehung und kann sehr wohl auch über andere Paarbeziehungen mitdiskutieren, denn sehr viele Facetten sind dort bestimmt identisch.
Ein Kinderloser hat selbstredend keine Eltern-Kind-Beziehung, kennt diese allerhöchstens aus der Beobachterperspektive, und das ist definitiv etwas anderes als eine Eltern-Kind-Beziehung, egal wie intensiv/gesund/dysfunktional.

Mia Wallace hat geschrieben: Mein Stiefelternteil hat jahrelang Therapie gemacht und sich, wenn das überhaupt möglich ist, dadurch zu einer nur NOCH größeren Nervensäge entwickelt
Jauo, solche Leute kenne ich auch, die drei hatten allesamt eine Analyse-Therapie hinter sich.
Mia Wallace hat geschrieben: Meine Nachbarin macht seit zig Jahren Therapie, gängelt aber trotzdem ihre Kinder mit ihrer Angststörung. (…) Die erwachsenen Kinder einer Bekannten, die unter einer Persönlichkeitsstörung leidet und seit vielen Jahren in diversen Therapien ist
Vermute mal, war auch bei jeden von denen mindestens auch eine Analyse dabei …
Gruß
Wandelröschen

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Möbius
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Beitrag Di., 08.12.2015, 00:16

Hallo mio nochmal !

Ich halte mich für einen Pragmatiker - eine Theorie oder Schule muß auf den jeweiligen Fall passen. Wenn's passt, dann gibt es keinen Grund, sie zu wechseln - wenn's nicht passt, dann sollte man's passend machen, und zwar nicht den "Fall", sondern die Theorie, in dem man sie entweder modifiziert oder wechselt. Mir sind die Ansätze, die Du in Bezug nimmst, allenfalls oberflächlich und lexikalisch bekannt, aber wenn Du Dich "darin wiederfindest", die Dichtomie zwischen Autonomie und Bindung "passt" für Dich - never change a wining theory ! Für mich ist Bindung aktuell völlig bedeutungslos - weil ich "amtlich" völlig beziehungsunfähig bin und das mit hoher Wahrscheinlichkeit bis zu meinem Lebensende auch bleiben werde. Als schizoider, ja schizoid gestörter Typ mit auch sehr stark autoerotisch geprägter Sexualität ist das ja nicht so schlimm - "ein Problem weniger!"

@ Broken Wing

"Dem Jurist - ist nichts zu trist!" - auch über Sexualität lässt sich mit den Kathegorien der Jurisprudenz nicht schlecht nachdenken. Man findet sie übrigens auch bei meinem Guru Freud gelegentlich - sein ältester Sohn war Jurist geworden, hat sogar promoviert, und sein Berufsleben im englischen Exil als geachteter Besitzer eines Tabaksladens mit angeschlossenem Frisörsalon beenden können. Das juristisches Denken so praktisch ist, ein Schweizer Offiziersmesser sozusagen, hat einen tieferen Grund: Juristen gehören zu den wenigen, die heutezutage noch die klassische Dialektik lernen - Aristoteles und so. Daraus besteht nämlich das juristische Denken zum überwiegenden Teil, und die Juristen lernen diese klassische Dialektik meist "kryptisch" - sie wissen nichts davon, weil man es ihnen normalerweise nicht sagt. Rechtsphilosophie nur ein Wahlfach ist, und zu meiner Zeit zumindest war es nicht sehr beliebt weil prima facie nicht karrieretauglich. So pervers ist es also m.E. nicht, auch mit diesen Kathegorien an Sexualität heranzugehen.

Es freut mich, daß Dich mein trockener Stil erheitert. Den pflege ich bewußt. Mein durchaus vorhandener, aber etwas eigenwilliger Humor hat mir in meinem Leben schon viele gute Feinde eingebracht und hier unter psychisch teilweise nicht vollständig stabilen Menschen möchte ich es insbesondere peinlichst vermeiden, dieselben mit meinen meist recht präzise unter die Gürtellinie oder auf andere Schwach- und Weichstellen des jeweiligen Selbstbewußtseins gezielten Witzen in die Drogenabhängigkeit oder gar in den Selbstmord zu treiben.

Gruß an Euch beide

von

Möbius


mio
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Beitrag Di., 08.12.2015, 00:33

Hallo Möbius,
Möbius hat geschrieben: Ich halte mich für einen Pragmatiker - eine Theorie oder Schule muß auf den jeweiligen Fall passen. Wenn's passt, dann gibt es keinen Grund, sie zu wechseln - wenn's nicht passt, dann sollte man's passend machen, und zwar nicht den "Fall", sondern die Theorie, in dem man sie entweder modifiziert oder wechselt.
da bin ich absolut bei Dir. Plump liese sich auch sagen: Jedem das seine. Ist nicht schlimm. Tut nicht weh. Macht individuell zufrieden. Meine Oma sagte in solchen Fällen: "Jetzt lass ihn halt mal gehen." Mein - wesentlich älterer (ältester) Bruder mit wie ich finde auch eindeutig schizoiden Tendenzen (ich mag ihn) - machte daraus bereits als Kleinkind ein schreiendes: "Lass ihn eh, lass ihn eh.." so meine Mutter mal wieder zu sehr "rumzöbelte" an ihm. Ich kann es gut nachfühlen.

Lieben Gruss,

mio

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Candykills
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Beitrag Di., 08.12.2015, 07:07

@Widow
Ich finde es legitim von sich selbst zu behaupten, keine gute Mutter sein zu können. Trotzdem bin ich fest davon überzeugt, dass auch Kinder aus zerrütteten Familien später gute Mütter werden können. Wir unterliegen ja letztendlich einem freien Willen und grade in der heutigen Zeit versuchen viele die einstigen Muster zu durchbrechen und an sich zu arbeiten. Es käme einer Säuberung gleich, wenn alle Mütter aus belasteten Familien auf Kinder verzichten würden (und müssten), weil sie der Meinung wären nur Schädliches an die Sprösslinge weiterzugeben. Menschen sind so vielfältig und weitaus mehr, als das was ihre Mütter aus ihnen machten. Wir haben Hitler zum Glück inzwischen hinter uns gelassen und auch daraus im besten Fall gelernt.
Ich bin wie einer, der blindlings sucht, nicht wissend wonach noch wo er es finden könnte. (Pessoa)

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Nico
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Beitrag Di., 08.12.2015, 08:22

Eigentlich würde ja ein einfaches " ich möchte und werde keine Kinder haben" durchaus reichen.
Wie groß muss wohl der eigene Zwiespalt sein, wenn man zu solchen " Argumenten" greifen muss um sich vor sich selbst zu bestätigen ?
Nicht das schwarze Schaf ist anders, sondern die weißen Schafe sind alle gleich ;)


Tränen-reich
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Beitrag Di., 08.12.2015, 09:19

Ich würde einfach mal tippen, dass keine Eltern ne Glaskugel besitzen, um "heute" zu sehen, was das Kind "morgen" mitnehmen wird. Wer diese Glaskugel besitzt möge sich bitte bei mir melden, ich leihe sie mir gern aus.
Ich für meinen Teil halt mich an diesem Spruch: die Rechnung - wie auch immer sie ausfällt - bekomme ich später. Und erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.
Ich hab dazu schon zu viele Eltern "dumm" aus der Wäsche gucken sehen.
Ich denke, man steckt als Eltern nicht gänzlich drin.
Eine in meine Familie hat sich nen Schei.ßdreck für ihre Kinder interessiert und gehen einen recht anständigen Weg, hingegen andere Kinder, die ich kenne in guten Verhältnissen aufwuchsen, nen Ding an der Klatsche haben. Ich denke, alles ist im Leben möglich.
Woran ich glaube ist, dass es keine defizitfreien Menschen gibt. Die Frage wäre, wie ein Mensch mit seinen Defiziten umgehen kann..... sei auch noch mal individuell zu unterscheiden...
Zuletzt geändert von Tränen-reich am Di., 08.12.2015, 10:10, insgesamt 1-mal geändert.

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Nico
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Beitrag Di., 08.12.2015, 09:35

Tränen-reich hat geschrieben:.
Woran ich nicht glaube ist, dass es keine defizitfreien Menschen gibt...

Oje das ist wieder so ein Ding mit der doppelten Verneinung

Aber mich betrifft es zum Glück ja nicht, oder doch ???

Naja jedenfalls bin ich garantiert nicht defizitfrei.
Nicht das schwarze Schaf ist anders, sondern die weißen Schafe sind alle gleich ;)


Tränen-reich
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Beitrag Di., 08.12.2015, 10:09

Ja Tschuldigung.... das sollte natürlich keine doppelte Verneinung geben, denn ich glaube, dass es keine defizitfreien Menschen gibt.

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Nico
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Beitrag Di., 08.12.2015, 10:32

Warum sollte es auch ?
Wäre ja schön langweilig und würde im konkreten Fall die Kinder gehörig unter Druck setzen.
Gefährlich werden ihnen allerdings Eltern die ihre eigenen Defizite nicht akzeptieren können und dann mit aller Gewalt an den Kindern herumdoktern müssen,
Nicht das schwarze Schaf ist anders, sondern die weißen Schafe sind alle gleich ;)


Tränen-reich
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Beitrag Di., 08.12.2015, 11:01

Ja es hilft ungemein, selbstreflektiert zu sein, mir jedenfalls.
Wer weiß was ich noch für blinde Flecken habe, die er schon abbekommen hat... auf jeden Fall war mir vor drei Jahren schon klar: ich will nicht, dass er ne Kopie von mir wird. Völlig bekloppt, aber ich wusste damals noch nicht mal, weshalb ich den Wunsch hatte, so verkorkst wie ich war, ich bin nur nach Gefühl gegangen...naja....

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Wandelröschen
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Beitrag Di., 08.12.2015, 11:41

Hi Tränen-reich,
Tränen-reich hat geschrieben: um "heute" zu sehen, was das Kind "morgen" mitnehmen wird. Wer diese Glaskugel besitzt möge sich bitte bei mir melden, ich leihe sie mir gern aus.
Frag mal Widow, sie hat diesbezüglich eine Glaskugel
Gruß
Wandelröschen

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Tränen-reich
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Beitrag Di., 08.12.2015, 11:44

Naja wandelröschen, diesen Beitrag hättest dir aber auch sparen können. Ich steh nicht so auf sticheln.
Jedem seine Meinung, so ist das nunmal.

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Broken Wing
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Beitrag Di., 08.12.2015, 11:54

Naja eben. Alle Eltern glauben, gut genug zu sein. Genau so wie jeder meint, über ausreichend Hirnschmalz zu verfügen. Ganz anders bei Geld.
Und die paar Macken, die man hat, gehören selbstverständlich zum Mensch sein dazu und machen die Welt noch interessanter. Im Umkehrschluss bedeutet das, die Welt wäre ohne man selbst ein langweiligerer Ort, ein kleiner Größenwahn eben.

@ Tränenreich: Ich habe mich da unmissverständlich ausgedrückt. Ich gehöre nicht zur Fraktion, die perfekte Eltern fordern. Ich behaupte sogar, man könne gar nicht anders sein als man ist. Durch das Befolgen von Erziehungsratgebern und sich Verstellen handelt man sich noch mehr Probleme ein als man schon hat.
Der Thread ist davon abgekommen, stört mich aber nicht. Offenbar bestand weniger Diskussionsbedarf über überzogene Forderungen (sich völlig fürs Kind aufopfern, für Schwierigkeiten im Leben verantwortlich gemacht werden) an Eltern als über Elternschaft generell. Und dazu habe ich klar eine Position.
Das unangenehme Lebensende ist gewiss, da braucht man keine Glaskugel. Das allein wäre schon grund genug, sich zu überlegen, warum man unnötigerweise eine weitere Generation dem aussetzt. Letzten Endes ist bisher alles darauf hinausgelaufen, dass es die Natur so will und man Opfer seiner Triebe wurde.
Und natürlich, dass man selbst froh sei, geboren worden zu sein. Ich erlaube mir kein Urteil über die Wahrheit dieser Argumente, obwohl die Postings mancher User, die solches von sich geben, arg zum Widerspruch und Zitieren aufrufen. Aber nur, weil man selbst froh darüber ist, muss das Kind nicht auch automatisch froh werden.
Beginne den Tag mit einem Lächeln, dann hast du es hinter dir. [Nico Semsrott]

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Nico
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Beitrag Di., 08.12.2015, 12:09

Nein ein Kind muss nicht automatisch froh werden, hat das jemand behauptet ?
Aber zumindest ich kenne bedingt durch meinen Sohn ziemlich viele junge Menschen die die meiste Zeit ihres bisherigen Lebens einen glücklichen und zufriedenen Eindruck machen.
Natürlich gab es kleine ( Trennungen) und große ( Todesfälle) Tragödien und es wird weitere geben.
Aber es gibt viel Spaß, viel Lachen, viele schöne Momente.
Mein Leben bereichern diese jungen Menschen ungemein.
Ich verstehe einige der hier getätigten Gedankengänge einfach nicht, es wird einfach alles ins Negative gezogen und dann beschwert man sich dass eh alles negativ ist.
Warum seid ihr Negativisten nicht heilfroh dass angeblich eh alles so beschi.... ist? Dann wird ja endlich alles was ihr so verabscheut und verachtet den Bach runtergehen und vernichtet werden. Was gibts schöneres für euch ?
Nicht das schwarze Schaf ist anders, sondern die weißen Schafe sind alle gleich ;)


Widow
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Beitrag Di., 08.12.2015, 12:35

mio hat geschrieben:Von mir selbst ausgehend kann ich (kinderlos, ohne auffälligen Kinderwunsch, aber auch nicht mit kategorischer Abneigung) sagen, dass ich immer dann das stärkste Bedürfnis nach "Elternschaft" hatte, wenn die Bindung zum Partner eine emotional sehr starke war. Bei weniger starken Bindungsgefühlen hatte ich dieses Bedürfnis (also wirklich rein das emotionale Bedürfnis, den emotionalen Wunsch) nie, weshalb ich da für mich einen Zusammenhang sehe zwischen "Bindungswunsch", "Bindungsverhalten" und bestehender "Bindung" zum Partner. Neben diesem "Bindungsaspekt" wird bei Frauen sicher auch die "zeitliche Begrenzung"[...].
Ich habe das nicht verstanden: Sprichst Du, mio, von Dir (so glaubte ich anfänglich) oder denkst Du, dass das "bei Frauen" generell so sei (der Eindruck entstand bei mir am Schluss)?
Solltest Du doch zu verallgemeinern geneigt sein, möchte ich Dir mitteilen, dass ich Deine Erfahrungen nicht teilte.
wandelröschen hat geschrieben:Frag mal Widow, sie hat diesbezüglich eine Glaskugel
Das ist mal wieder eine dieser Unterstellungen, die zustande kommen, wenn man nicht lesen kann. Ich habe weder eine Glaskugel noch andere 'Hilfsmittel', um in die Zukunft zu sehen, und ich habe dergleichen auch nirgends behauptet - ich habe aber das, was 'der Engländer' common sense nennt, und ich teile mit selbigem eine Wettleidenschaft; vor allem dann, wenn jemand etwas steif und fest (und am besten noch von sich selbst ... und für andere ..., gern dann die eigenen Kinder) und 'für alle Ewigkeit' behauptet: da muss ich einfach gegen setzen.

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