Selbstsüchtige Eltern

Alle Themen, die in keines der Partnerschafts-Foren passen, bei denen es aber in weitestem Sinne um Beziehungen, soziale Kontakte usw. geht, Adoption, Pflege usw.
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Nico
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Beitrag Mi., 09.12.2015, 05:55

Broken Wing hat geschrieben:Aha. Beides trifft zu, beides soll man dem Kind aber nicht spüren lassen. Ich verstehe die Welt nicht mehr. .
Ja Broken, das Gefühl habe ich bei dir öfters.
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Broken Wing
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Beitrag Mi., 09.12.2015, 10:53

Hallo Möbius!

Nun ja, ich bin in Therapie und da ist (m)eine Familie öfter ein Thema.
Um mich gibt es viele Kinder meiner Geschwister, denen ich gerne mit Hausübungen behilflich bin und kostenlos Nachhilfe gebe. Das stört mich nicht. Aber ich bekomme eben mit, dass sie leiden. Meistens sind sie nicht froh darüber, in die Schule gehen zu müssen und danach mit einem Packen Übungen sich nochmal hinzusetzen. Insgeheim denke ich mir, dass das noch das geringste Übel ist und bin froh, dass sie (noch) nicht gemobbt werden. Begriffe wie Sozialisierung und Gruppe haben bei mir immer schon Brechreiz und Gedanken an "Wollt ihr den totalen Krieg?" ausgelöst.
Ich gebe mir Mühe, ihnen zu vermitteln, dass sie das Beste aus ihrem Leben machen sollen, verheimliche aber nicht meine pessimistische Grundhaltung.

Auch als Kinderlose trage ich also freiwillig eine bestimmte Verantwortung für andere Kinder, daher besteht bei mir durchaus Austauschbedarf.

Mir wäre es, wie geschrieben, um die unrealistischen Anforderungen an Eltern gegangen, die durch die Medien vermittelt werden, wie bei der Schönheit eben.
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Nico
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Beitrag Mi., 09.12.2015, 10:56

Broken kannst du diese unrealistischen Anforderungen ein bisserl präzisieren ?
Meiner Meinung nach werden viel eher von den Eltern an die Kinder unrealistische Anforderungen gestellt.
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Broken Wing
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Beitrag Mi., 09.12.2015, 12:32

@ Nico: Ja, aber nur a Bisserl.
Klar werden an Kinder hohe Anforderungen gestellt, die aber durch die Eltern weitergereicht werden. Wir reden jetzt von Eltern, die Ihre Kinder nicht missbrauchen oder bewusst misshandeln, um Härtefälle unberücksicht zu lassen.
Um beim Schulbeispiel zu bleiben: Durchschnittlich und günstigenfalls geht die Mutter 5-8 Stunden täglich arbeiten und soll dann kostenlos Nachhilfelehrerin spielen. Nach einem Job, der ja keine Erholung sein soll. Der Haushalt erledigt sich leider auch nicht von selbst.
Was Eltern alles falsch gemacht haben sollen, müssen sie am Elternsprechtag erfahren, gelegentlich auch mit Androhungen der Behörden, wenn das Kind mit dem Stoff nicht mitkommt. Also wirklich nicht Elternjob, aber egal. Dafür mischt sich die Schule sich liebend gern in die Erziehung ein, wo sie nicht mal ihre Pflicht, nämlich den Stoff zu vermitteln, erfüllt.

Man vergisst aber vollkommen oder möchte es vergessen, dass der Mensch auch nur ein Tier ist und darauf aus, seine unmittelbaren Bedürfnisse zu befriedigen und zu vermehren, nicht groß zu analysieren, zu arbeiten oder zu lernen.

Die Schule war nur ein Beispiel, den Mechanismus findet man aber überall. Letzten Endes fällt das Natürlich auf den Kopf der Kinder, aber man sollte nicht vergessen, mit welchen Mitteln versucht wird, dass die Eltern an die Gesellschaft denken und gesellschaftskonforme Früchte hervorbringen. In der Straßenbahn unauffällig, wenig Platz verbrauchend, aber auf jeden Fall Kinder haben, dafür gibt's ja Prämien.
Immer schön aufpassen, dass nicht die Hand ausrutscht, gut gelaunt sein, auch wenn Existenzängste an einem Nagen und Schule, div. Behörden etc. Druck machen. Das Kind könnte traumatisiert werden.
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Schnuckmuck
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Beitrag Mi., 09.12.2015, 12:48

Brocken Wing,

ist das nicht etwas zu viel Schwarzmalerei?


Schnuckmuck

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Nico
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Beitrag Mi., 09.12.2015, 12:55

Interessant welche Vorgänge du da beschreibst.
Die meisten sind mir ehrlich gesagt völlig unbekannt.
In meiner Familie gibt es einen ganzen ( von mir nicht sehr geschätzten) Zweig aus Lehrern und Schuldirektoren.
Ich habe noch NIE gehòrt, dass auch nur einer davon jemals mit irgendeiner Behörde gedroht hätte wenn ein Schuler den Lehrstoff nicht bewältigt.
Aus meiner Erfahrung wird da viel mehr herumüberlegt ihm die positive Note " nachzuschmeissen" weil eine endgültige negative Benotung relativ viel Papierkram bedeutet und arbeiten tun Lehrer nunmal nicht sonderlich gerne.
Ich kenne da schon viel eher den Fall, dass Eltern die Lehrer dahingehend unter Druck setzen, ihren Kindern gefälligst jene Noten zu geben die dem Kindchen ermöglichen in den gewünschten Schultyp zu wechseln. Dass Kindchen dann unter garantie überfordert ist und jede Menge Kohle in Nachhilfe investiert werden muss um dem Kind ein überleben in dieser Wunschschule zu ermöglichen sorgt dann wiederum fùr Elternfrust und wird von denen den unfähigen Lehrern angehängt.
Über das Handausrutschen diskutiere ich mit dir garantiert nicht, denn das ist für mich sowieso ein absolutes NO GO und da dann den Behòrden einen Strick daraus drehen zu wollen, kann auch nur dir einfallen.

Wie hättest du es denn gerne ?
Sollte Vater Staat seine Bürger also als Tiere sehen und sie entsprechend behandeln ?
So ala Grundversorgung: Vater Staat wirft Essen und Trinken ein und sorgt für Stall incl. Ausmistung damit Mensch seinen Grundbedürfnissen nachkommen kann ?
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mio
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Beitrag Mi., 09.12.2015, 13:00

Hallo Broken Wing,

da sprichst Du aber eher ein gesellschaftliches Problem an. Ich habe eine Freundin die Gymnasiallehrerin ist und regelmässig darüber klagt Schüler "durchschleppen" zu müssen die den Anforderungen des Gymnasiums im Grunde von ihren Fähigkeiten her nicht gewachsen sind. Sie allerdings wird sogar von der Schulleitung dahingehend gedrängt die Kinder "durchzuschleppen", weil bestimmte "Quoten" erreicht werden müssen. Und ja klar: Sowas fällt auf den Kopf der Kinder und kann auch nicht von allen Eltern aufgefangen werden.

Nichts desto trotz liegt die Hauptverantwortung fürs Kind bei den Eltern und das meint meiner Meinung nach nicht, dass Eltern immer "perfekt" sein müssen sondern einfach nur, dass sie ihrs bei sich lassen. Es ist kein Drama für ein Kind wenn Eltern von einer Lebenssituation überfordert sind solange diese sich selbst darum kümmern und ganz klar auf dem Schirm haben und auch mitteilen, dass es nicht am Kind liegt. Und damit landen wir hier:
Broken Wing hat geschrieben: Bitte was soll das Kind sonst fühlen?
Das Kind soll nicht irgendwas der Eltern fühlen sondern lernen mit den Gefühlen die bei ihm selbst entstehen und da sind konstruktiv umzugehen. Nimm zum Beispiel Frustrationstoleranz. Die erwirbst Du nur dann, wenn Dir nicht dauernd erzählt wird dass Du irgendwas gleich und sofort perfekt können musst sondern man Dir mitteilt dass es auch ok ist, wenn was mal nicht gleich beim ersten Mal klappt. Dann probiert man es eben ein zweites Mal, oder ein drittes etc. pp. Und wenn es dann immer noch nichts wird, na ja, dann war es vielleicht einfach nix für einen. Auch das kein Beinbruch, macht man halt was anderes.

Lieben Gruss,

mio

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Nico
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Beitrag Mi., 09.12.2015, 13:21

Broken Wing hat geschrieben:
Die Schule war nur ein Beispiel, den Mechanismus findet man aber überall. Letzten Endes fällt das Natürlich auf den Kopf der Kinder, aber man sollte nicht vergessen, mit welchen Mitteln versucht wird, dass die Eltern an die Gesellschaft denken und gesellschaftskonforme Früchte hervorbringen. In der Straßenbahn unauffällig, wenig Platz verbrauchend, aber auf jeden Fall Kinder haben, dafür gibt's ja Prämien.
.
Öhm - sag mal WER oder WAS ist denn deiner Meinung nach " die Gesellschaft" die ja so vehement auf " gesellschaftskonforme" Früchte drängt ?
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Broken Wing
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Beitrag Mi., 09.12.2015, 15:53

@ Schnuckmuck: Nein, ich male nicht schwarz, ich kann gar nicht malen.


@ Mio: Schön wär 's, wenn die Praxis auch der Theorie Recht gäbe. Schreibst ja selbst mit dem Gymnasium. Schule ist ein blödes Beispiel, aber ein die Kindheit sehr prägendes. Da ist nix mit Wiederholen und im schlimmsten Fall es sein lassen. Wieso muss man jemanden durchschleppen, weil er zB in Mathe gut, sonst aber schlecht ist? In dem Fall würde ihm der Weg zum Mathematikstudium sogar verbaut werden.
Aber selbst wenn er nur in Mathe schlecht ist, muss man ihm einen Vierer schenken, damit er nicht alles nachholen muss.
Zu Hause bedeutet das Quälerei, manches, was deswegen bei der Hausübung abläuft, würde ich sogar als gesellschaftlich verlangte Kindesmisshandlung bezeichnen. Aber schlagen darf man nicht. Voll traumatisierend. Und dann kommen die Oberg'scheiten Pädagogen mit Erziehungstipps daher. Ich habe mich mal gefragt, warum die meisten Amokläufer noch im Erwachsenenalter in der Schule amoklaufen. Vermutlich deshalb, weil, wie der Staat das Gewaltmonopol, die Schule das Züchtigungs- und Erziehungsmonopol an sich gerissen hat. Aber das ist nur meine Theorie.


Mir fällt nichts ein, wo es das gibt mit dem Versuchen und, falls es nichts wird, sein lassen. Das sehe ich als ein gutes Beispiel für graue Theorie.
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candle.
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Beitrag Mi., 09.12.2015, 16:07

Broken Wing hat geschrieben: Was Eltern alles falsch gemacht haben sollen, müssen sie am Elternsprechtag erfahren, gelegentlich auch mit Androhungen der Behörden, wenn das Kind mit dem Stoff nicht mitkommt. Also wirklich nicht Elternjob, aber egal. Dafür mischt sich die Schule sich liebend gern in die Erziehung ein, wo sie nicht mal ihre Pflicht, nämlich den Stoff zu vermitteln, erfüllt.
Du gibst jetzt ein Alter an, das von meinem nicht weit weg ist. Und ich kann nur von mir sagen, dass es zu meiner Zeit niemanden interessiert hat was da so in der Schule passierte, abgesehen davon, dass Ämter sich da nicht so eingemischt haben wie sie es vielleicht heute tun.
Das ist bei dir widersprüchlich und schätze dich jetzt mal Mitte 20 ein.

Du hast meine kurzen Antworten moniert, antwortest mir aber dann doch nicht.

Wie auch immer: Du bleibst schwammig. Aber was willst du hier für dich erreichen außer Dampf abzulassen?
Aber das ist nur meine Theorie.
Eben! So oder so: Deine Schulzeit ist ja nun auch eine Weile vorbei.

candle
Now I know how the bunny runs! Bild

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Nico
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Beitrag Mi., 09.12.2015, 16:55

Ok Broken dann von mir ein Schulbeispiel vom Versuchen, nix werden und halt später nochmal machen.
Ich wollte damals dass mein Sohn die HTL macht, er wollte angeblich auch aber es klappte nicht und er stieg in der 2. Klasse aus.
Er machte dann eine Lehre, später die Meisterprüfung und jetzt !!! macht er die Abend - HTL.
So schaut die Praxis aus wenn man Kinder machen lässt und sie bei IHREM Weg unterstützt.
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mio
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Beitrag Mi., 09.12.2015, 19:24

Hallo Broken Wing,

ich verstehe ehrlich gesagt auch nicht so ganz worum es Dir eigentlich geht?

Du sagst Hausaufgaben sind "Kinderquälerei". Nun, das kann schon sein. Vor allem werden sie es dann sein, so das Kind damit dauerhaft überfordert ist. Da stellt sich dann die Frage: Warum ist das Kind überfordert? Was überfordert das Kind? Und welche Möglichkeiten haben die Eltern darauf Einfluss zu nehmen? Schulwechsel? Förderung? Elternbeirat oder ähnliches? Die Eltern sind da ja nicht vollkommen "ausgeliefert" sondern können durchaus Einfluss nehmen so ihr Kind überfordert ist. Wenn sie das nicht tun, dann ist das die Sache der Eltern, nicht die Sache der Schule. Und das Bedürfnis "schlagen" zu wollen dürfte ja eher einer Überforderung der Eltern geschuldet sein, weniger einer Überforderung des Kindes. Wenn ich als Eltern mit meiner Erziehungsverantwortung überfordert bin dann wäre es sinnvoll sich das einzugestehen und sich entsprechende Hilfe zu holen. Das hierzu leider nicht alle Eltern in der Lage sind sondern diese Verantwortung lieber gedanklich in Richtung "Institution/Gesellschaft" verschieben um selbst nicht aktiv werden zu müssen? Auch das kommt leider vor. Und dann kann ein Kind nur froh sein, wenn jemand darauf aufmerksam wird und nicht alle aus der selben Bequemlichkeit oder auch Unfähigkeit aus der heraus auch die Eltern nicht zum Wohle des Kindes handeln die Augen vor diesem Umstand verschließen.

Wenn Du ein Kind in eine Schule gibst, dann gibst Du ja nicht Deinen Erziehungsauftrag ab sondern Du erteilst der Schule einen Bildungsauftrag; im Rahmen Deines Erziehungsauftrags. Wenn die Schule diesem Bildungsauftrag nun nicht nachkommt dann kann das daran liegen dass die Schule nix taugt oder aber daran dass die Schulform für das Kind ungeeignet ist. Beides ist möglich und sollte im Bedarfsfall zum Wohle des Kindes von den Eltern geprüft werden.

Auf mich wirkt es ein wenig als wolltest Du unbedingt einen "Schuldigen" finden um keine Eigenverantwortung übernehmen zu müssen und drehst Dir nun die Realität argumentativ so hin, dass Du das auch nicht musst.

Du schreibst eingangs, dass Dir die Feststellung das Eltern ihren Kinder über die Erziehung schaden können nicht einleuchtet, weil es doch klar ist, dass die Eltern ihre Kinder sowieso nur ausnutzen wollen und dieser "Vorwurf" damit unsinnig wird. Eltern sind etwas von Haus aus missbräuchliches und deshalb ist dieser Missbrauch kein Missbrauch sondern die Realität. Die Gesellschaft ist genauso missbräuchlich. Es gibt also so oder so kein Entkommen aus dieser missbräuchlichen Realität. Besser man erkennt das an und sondert sich von ihr ab. Liest sich ziemlich düster. Und klingt stark nach Vermeidungsverhalten.

Lieben Gruss,

mio

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Möbius
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Beitrag Mi., 09.12.2015, 20:01

Hallo Broken Wing !

Mein Literaturtip für Dich - natürlich vom Hl. Sigmund v.d. Neurose: "Das Unbehagen in der Kultur" !

Das Büchlein ist von 1930 und bewußt auf den Goethepreis hingeschrieben - Freud hat darin sprachlich sein Bestes gegeben, gepflegtestes Thomas-Mann-Deutsch in der Qualität von 1er Cru classé ! Den Goethepreis hat Freud in jenem Jahr voll zurecht bekommen - ich kenne, ausser Carl Schmitt, keinen anderen wissenschaftlichen Autor, der sich zu derartiger sprachlicher Brillianz hätte aufwerfen können. Nicht umsonst gibt es heute einen Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa.

Man wirft seit längerem der Psychoanalyse vor, pessimistisch zu sein, und dieser Vorwurf ist voll berechtigt; für jemanden, der unabhängig von der Psychoanalyse kulturpessimistisch ist, ist dieser Vorwurf indess ein großes Kompliment.

Der moderne Mensch, homo sapiens sapiens, ist IMMER das Produkt einer Neurose - einen psychisch "wirklich" gesunden Menschen gibt es nicht, kann es nicht geben, weil das, was homo sapiens sapiens genannt wird, nur auf dem Wege einer kulturell habitualisierten Vergewaltigung von Kindern, Heranwachsenden und Erwachsenen durch "die Gesellschaft", auch die "offene Gesellschaft", jede Gesellschaft, "Gesellschaft an und für sich" hervorzubringen, oder genauer: hervorzuquälen ist. Insbesondere gibt es keine "natürliche" Entwicklung zum homo sapiens sapiens - er ist und bleibt das Produkt von Traumatisierungen, der unglücklich sein muß, damit ein hoher Bestandteil an Libido - an Energie - übrig bleibt, der "nützlichen gesellschaftlichen Zwecken" zugeführt werden kann, wofür dann das Bewußtsein, "das Richtige getan zu haben", nämlich sich für Führer, Volk und Vaterland (heutzutage: Menschenrechte, Klimaschutz und künftige Generationen) aufgeopfert zu haben, eine Art von masochistischer Ersatzbefriedigung bietet. Und als kollektiven Ersatz gibt es die phantastischen Leistungen unserer Kultur, wie Atombomben und Atomkraftwerke, camsex und LSD. Ohne diesen Prozeß würde aus dem, was den Mutterleib verlässt, so eine Mischung aus "Nackt unter Kannibalen" und "Am Anfang war das Feuer". Selbst die Freudianer scheuen vor diesem "düstersten Buch" (so der Verfasser der Einleitung in meiner Ausgabe, ich glaube, es ist Riemann, zum nachschlagen bin ich zu faul) Freuds oftmals zurück.

Ich gebe mich der Hoffnung hin, mich für die Antwort auf meine indiskrete Frage damit hinreichend erkenntlich gezeigt zu haben, und verbleibe

mit freundlichen Grüßen

Möbius

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Broken Wing
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Beitrag Mi., 09.12.2015, 22:39

@ Möbius: Ich danke dir für deinen Tipp und freue mich schon auf Hirnfutter.

@ Rest: Ist egal, ich werde den Thread nicht mehr in die richtige Richtung lenken können. Trotzdem gab es ein paar gute Impulse für mich, nicht nur den, dass ich meine Argumentationsmesser schärfen sollte. Zeitweise war er sogar lustig.

Danke fürs mitstreiten.
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Möbius
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Beitrag Do., 10.12.2015, 10:15

Hallo Widow !

Zuförderst wünsche ich Dir, daß Du beim "Unbehagen" ebensosehr vor Freude und Vergnügen mit den Beinen zappeln werdest, wie ich !

Hinsichtlich Deiner Intention zu diesem thread wäre es vielleicht sinnvoll gewesen, diese ganz konkrete Intention, das konkrete Interesse, von Anfang an klar zum Ausdruck zu bringen, anstatt von vorneherein eine höhere Abstraktionsebene anzupeilen.

Es ist kein Zufall, daß wir es seit gut zwanzig Jahren mit dem Phänomen der Schulamokläufer zu tun haben, die in diesem unserem bundesdeutschen Lande schon mehr Todesopfer gefordert haben, als die seelige Rote-Armee-Fraktion - von den kümmerlichen Erfolgen des islamischen Terrorismus in der BRD mal ganz zu schweigen. Die Panzer der Bundeswehr sollten nicht in Syrien oder Afghanistan stehen, sondern vor den weiterführenden Schulen, die weitaus gefährlichere Ort sind, als Bahnhöfe und Flughäfen - geradezu eine permantene Quelle von Lebensgefahr. Es ist verständlich, daß sich niemand freut, sich tagtäglich zwangsweise an diesen Orten aufhalten zu müssen.

Es dürfte auch kein Zufall sein, daß die Experten von Ballerspielen am PC schwafeln und schärfere Waffengesetze fordern. Letzteres tut man ja bei allen Gewaltverbrechen, und das gutmenschlich-verdummte Volk glaubt es. Zu meinen Zeiten, als wir Kinder noch mit den perhorreszierten Spielzeugwaffen im ganz realen Leben aufeinander zielten und Platzpatronen abschossen, als Kleinkaliberwaffen in jedem Tabaksladen (nota bene: alles Übele kommt vom rauchen, da sieht man's mal wieder!) an jeden Volljährigen frei verkäuflich gewesen waren, sind Schulamokläufe merkwürdigerweise nicht vorgekommen. Aber da gab es auch noch keine Reformpädagogik und keine "gewaltfreie" Erziehung, welche an die Stelle von Schulhofprügeleien und erzieherlichen Ohrfeigen einen allumfassenden Psychoterror, eine Art von "Slain Trauma" gesetzt hat, deren sensationelle Folgen wir dann alle paar Jahre in den Medien mitverfolgen dürfen. Was Du, liebe Widow, möglicherweise bei Deinen Nachhilfestunden erlebst, gehört vielleicht auch zu den negativen Folgen dieser schönen neuen Reformpädagogik. Aber es sind keinesfalls die einzigen stillen und schleichenden Folgen dieser traumatisierenden Erziehungsmoden, die man sich in Elfenbeintürmen ausgeklügelt hat und in bewußter politischer Aktion umgesetzt hat - und diejenigen, die von Erziehung Ahnung hatten, die hat man vorsichtshalber erst garnicht gefragt. Es war ja eh klar, daß sie gewaltverherrlichend, restaurativ, machistisch, chauvinistisch, faschistisch, neoliberal, strukturalistisch usw usw gewesen waren - "nicht konsensfähig". Heute haben diese Erzieher alter Schule immerhin einen Vorzug: sie sind in Pension, und damit ausser Lebensgefahr, weil sie die Schulen nicht mehr betreten müssen.

Die traditionelle humanistische Pädagogik, die der Reformpädagogik vorangegangen war, war als "liberalisierte schwarze Pädagogik" sicherlich nicht die beste aller möglichen Erziehung gewesen. Bedauerliche Auswüchse und grobe Fehler gab es auch seinerzeit. Aber die "Vor-Reform-Pädagogik" produzierte wenigstens Abiturienten, die lesen und schreiben konnten, meist sogar tatsächlich Hochschulreife besassen - und keine Amokläufe veranstalteten. Sie konnten sich sogar artikulieren, ihre eigenen Wünsche und Ziele in die Gesellschaft hineintragen, dieselbe sogar in gewisser Weise verändern. Leider haben Teile dieser ehemals selbstbewußten Jugend das im Bereich der Pädagogik auch in besonders effektiver Art und Weise tun können.

Aber auch soetwas darf man nicht sagen, weil es gegen die Paradigmen unserer Zeit verstößt - politicaly incorrect ist.

Gruß
Möbius

PS: Dem shitstorm der GralshüterInnen der political correctness wird mit Gelassenheit entgegengesehen, die meisten befinden sich eh schon auf meiner ignore-Liste.

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