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sieben
neu an Bord!
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Wohnort Deutschland
M, 26


Post Wed, 23.Feb.05, 21:20      Globalisierung, Zentralisierung, Rationalisierung... Reply with quoteBack to top

Hallo!

Bin Neuling hier. Befinde mich zeitgleich bereits in Therapie.

Möchte erst einmal eine Einleitung finden. Bin 26 Jahre und seit 10 Jahren in einem Angestelltenverhältnis. Eigentlich bin ich sehr stolz darauf das so hier schreiben zu können. Schliesslich gehöre ich zu einer Generation voll von faulen Studenten" (es gibt Ausnahmen!) und voll von Arbeitslosen/-suchenden.
Da kann nicht jeder mit 26 bereits behaupten seit 10 Jahren im Beruf zu stehen. Es kommt dazu, das ich auch bereits mit 24 eine Familie gegründet habe, was ich für meine Generation auch nicht für üblich halte.
Leider!

Nun, warum ich aber hier schreibe. 8 von 10 Jahren habe ich eine gesunde Firma genossen, welche mir Möglichkeiten auch ohne ein verbohrtes theoretisches Studium geboten hat. Ich wurde gefordert, bin mit meinen Aufgaben gewachsen. Irgendwann kam dan ein Punkt wo fast alles ausgereizt war. Habe es geschafft in den 8 Jahren innerhalb der Filiale in der ich lernte auch im Anschluss Fuß zu fassen und nicht der ewige Azubi zu sein. War im Betriebsrat und kann behaupten das ich
mehr od. weniger beliebt war.

Es ergab sich eine Situation, in der ich in eine andere Filiale wechseln konnte. Verantwortungsvollere Position, Assistenzaufgaben für die leitende Ebene, Vertrauen usw. Ich habe mich innerhalb von 1-2 Tagen für diese Aufgabe entschieden und wollte mich nach 8 Jahren auch für
die Firma flexibel, dynamisch und einsatzbereit zeigen. Die Führung war
sehr angetan. Dieser Zustand ging ein halbes Jahr trotz Anfangsschwierigkeiten (Integration, Akzeptanz, Unterstützung) recht gut.

Doch dann geschah es, woran ich leider/verflixter Weise noch heuer mit zu kämpfen habe.

Es fingen Gerüchte an über eine neue Marktsituation/Marktpositionierung.
Die oberste Führung erteilte allen involvierten Personen eine Maulsperre über anstehende Änderungen. Entsprechend nervös und angespannt reagierte das Personal. Ein Gerücht jagte das andere. Die Nerven lagen langsam blank. Nach knapp 2 Monaten wurde das neue Konzept vorgestellt. Es zog mir den Boden unter den Füssen weg. Die bis dahin, meinen Kollegen(innen) und mir vorgesetzte Leitung, wurde gestrichen. Alle Leitungen für Filialen wurden gestrichen. Als Ersatz wurden 2-3 Personen mit zentralem Standort für mehrere Filialen benannt. Zeitgleich wurden Aufgabenbereiche zentralisiert. Meine bis dahin so tolle Stelle mit Perspektiven brach zusammen. Aus sicheren Quellen erfuhr ich, das meine Person für eine Stelle in einem Callcenter im Gespräch war! Ich wurde nicht von einem Manager od. Personalleiter darauf hingewiesen. Nein, leider nicht.
Ich blieb aber dann doch an meinem Platz, der nun einige qualitativ hochwertige Arbeiten weniger hatte, ganz nebenbei für mich das 10fache an Anfahrtsweg zu vorher bedeutet, einfache Schreibarbeiten beinhaltet und zeitgleich Arbeiten an einer Telefonzentrale beinhaltet.

Verdammt ja, ich habe noch Arbeit und kann meine Familie ernähren - ich jammere vielleicht für den ein od. anderen auf hohem Niveau. Aber es belastet mich nun mal. War immer strebsam, loyal zur Firma, flexibel usw.. Warum tun die mir das an?

Den neuen Chef sehe ich durchschnittlich einmal in zwei Wochen. Ich schaffe es nicht eine gewisse Beziehung zu ihm aufzubauen. Habe den Eindruck das er ein falsches Bild von mir und meinen Leistungen hat. Dabei angemerkt das meine Leistungen stark gelitten haben wegen dieser "Degradierung". Die vorherige Leitung ist weg. Interessiert sich nicht mehr für Vergangenes. Man bekommt weder mal eine Anerkennung für eine gute Leistung, noch mal eine neue Aufgabe mit Qualität zu gesteckt. Nichts!

Jedenfalls ist es mittlerweile so, das ich meine Arbeit nicht mehr ordnungsgemäß ausführe. Sie ist erheblich zeitlich verzögert, von keiner guten Qualität...voll von Bagatell-Fehlern usw..

Ich habe Selbstzweifel, traue mir nichts mehr zu und habe Angstzustände.

Bin Froh über jede Zeile die mir jemand schreiben wird.
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mitch
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Wohnort Pforzheim
M, 38


Post Thu, 24.Feb.05, 10:48      Re: Globalisierung, Zentralisierung, Rationalisierung... Reply with quoteBack to top

Hallo sieben!

Ich kann mich voll und ganz in Deine Situation versetzten. Mir ist es ähnlich ergangen. Um es kurz zu sagen - Loyaliät und vor allem Idealismus sind die größten Killer für das Arbeitsleben in unserer Zeit. Es ist herrlich solange alles schön funktioniert, aber irgendwann ist die große Entäuschung da und das tut verdammt weh. Bei mir hat es 5 Jahre gedauert bis ich desillusioniert wurde. Seither kämpfe ich immer noch mit den Symptomen.

Ich kenne viele die Arbeit nur als Broterwerb sehen und keine weiteren Gefühle investieren. Ich wurde schon mal blöd angeschaut, als ich gesagt habe dass Arbeit doch Spaß machen muß.

Mache Dich nicht abhängig von Anerkennung fremder Menschen. Erledige Deine Arbeit so dass Du auf Dich stolz sein kannst. Nur Deine eigene Meinung zählt. Sonst hängst Du am Belohnungstropf Deiner Kollegen und Vorgesetzten - wie Du gespürt hast, kann das auch nach hinten los gehen.

Smile
Mitch
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