Oct 11
angst stress immunsystem genetik epigenetik

Angst – eine Belastung nicht nur für die Psyche, sondern auch für den Körper. (Image: Getty)

Angst entsteht, wenn auf auslösende Reize eine übermäßige Stressreaktion folgt – das ist ein wichtiger Schutzmechanismus des Körpers … sofern die Reaktion angemessen ist.

Erfolgt sie jedoch unkontrollierbar und sind Betroffene länger solch extremen Stressreaktionen ausgesetzt, führt dies vermutlich sogar auch zu epigenetischen Veränderungen, die sich ungünstig auf den Körper auswirken. Forscher des Helmholtz Zentrums München und des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie gingen den Zusammenhängen auf den Grund, indem sie Daten aus breiten Bevölkerungsgruppen mit denen von Patienten verglichen. So konnten sie ihre Ergebnisse im klinischen Umfeld replizieren. Zusätzlich überprüften sie ihre Erkenntnisse im Tiermodell.

In einem Teil der Studie (KORA F4 an 1.522 Erwachsenen im Alter von 32 bis 72 Jahren) entnahmen die Forscher zufällig ausgewählten Personen mit und ohne Angststörung Blutproben, um mehr über die sogenannte DNA-Methylierung (Teil der Epigenetik, ein wichtiger Vermittler zwischen Genen und Umwelt) zu erfahren. Bei an Angststörungen leidenden Personen wurde hierbei eine Zunahme der DNA-Methylierung des Gens ASB1 um fast 50 Prozent festgestellt, welches für das Nervensystem wie auch das Immunsystem eine wichtige Rolle spielt.

In zwei weiteren Teilen der Studie wurden epigenetische Effekte zur Regulierung des stressempfindlichen ASB1-Gens im klinisch-psychiatrischen Bereich nachgewiesen. Diese Ergebnisse fanden danach sogar auch in Tierversuchen mit Mäusen Bestätigung.

Die betreffenden Ergebnisse können für die Diagnose, Therapie und Prävention von Angststörungen und Stress-Syndromen eine wichtige Rolle spielen – insbesondere werfen sie aber einen Blick auf die erheblichen Auswirkungen dieser Störungsbilder, die u.U. sogar erblich weitergereicht werden könnten. Die Resultate wurden vor Kurzem in der renommierten Zeitschrift „Neuropsychopharmacology“ veröffentlicht.

(Quelle: MedAustria; Anxiety Associated Increased CpG Methylation in the Promoter of Asb1: A Translational Approach Evidenced by Epidemiological and Clinical Studies and a Murine Model; Neuropsychopharmacology advance online publication June 2017; doi: 10.1038/npp.2017.102)

Oct 11
Pupillen Sexuelle Reaktionen Männer Frauen

Was unsere Pupillenreaktionen über uns aussagen…
Image src: S. Cartwright, popsci.com

Überraschende Ergebnisse erbrachte eine Untersuchung von Pupillen-Reaktionen auf Pornographie an der University of Sydney in Australien (bereits im Jahre 2012).

Bei heterosexuellen Männern erweiterten sich die Pupillen am meisten, wenn sie in Pornofilmen oder -bildern weibliche Darstellerinnen beim Masturbieren sahen. Bei homosexuellen Männern erweiterten sie sich am meisten, wenn sie dabei Männer zu sehen bekamen, und bei bisexuellen Männern mehr als bei anderen Männern, wenn sie Darsteller beider Geschlechter sahen”, schreiben die Autoren Rieger & Savin-Williams.

Dasselbe gilt aber nicht für Frauen. Im Durchschnitt erweiterten sich die Pupillen heterosexueller Frauen stärker beim Betrachten von Abbildungen und Videos mit männlichen Darstellern als von neutralen Bildern, aber sie reagierten auch stärker auf Bilder von masturbierenden Frauen im Vergleich zu heterosexuellen Männern, die Männer beobachteten.

Die Pupillen-Reaktionen lesbischer und bisexueller Frauen ähnelten in der Studie tendenziell jenen männlicher Reaktions-Muster.

Die Erkenntnis, dass heterosexuelle Frauen mehr als heterosexuelle Männer von beiden Geschlechtern erregt werden, könnte den Überlegungen der Autoren zufolge durch die Evolutionstheorie erklärt werden: in der Frühgeschichte der Menschheit kam es häufig zu Gewalt, sexuellen Übergriffen und Ausschweifungen. Während sich dabei die körperlich überlegenen Männer erlauben konnten, sich voll auf ihre (i.d.R. heterosexuellen) Vorlieben zu konzentrieren, mußten sich Frauen vor Verletzungen im Intimbereich schützen – Frauen, die hier unabhängiger von rein heterosexuellen Stimuli waren und unabhängig davon sexuelle Erregung (z.B. Feuchtwerden des Scheideneingangs) entwickeln konnten, waren evolutionär im Vorteil. Dies deckt sich auch mit diversen theoretischen Arbeiten zu diesem Thema, die sich mit der größeren Offenheit von Frauen in Richtung homosexueller Kontakte beschäftigten.

(Quellen: Rieger G, Savin-Williams RC (2012) The Eyes Have It: Sex and Sexual Orientation Differences in Pupil Dilation Patterns. PLoS ONE 7(8): e40256., [PopSci])

Sep 29

Bild: Shutterstock

Wenn es um das Thema Datenschutz geht, wählen viele Menschen die bequeme Position “Ich habe nichts zu verbergen.” Das ist jedoch leichtsinnig, denn schon seit Jahren sammeln Unternehmen unermüdlich unsere Daten – diese werden analysiert und weiterverkauft – und sie bleiben vermutlich zum größten Teil ewig gespeichert. “Big Data” heißt das Phänomen, bei dem es längst nicht mehr nur um optimierte Facebook-Streams (“Das könnte Sie interessieren:”) und personalisierte Werbung geht. Zunehmend interessieren sich einschlägige Firmen auch für den Gesundheitszustand und die Kreditwürdigkeit ihrer Kunden.

Täglich hinterlässt jeder Internet- und Smartphone-Nutzer dutzende Daten-Spuren: jeder Zahlvorgang im Web, jede Kreditkarten-Zahlung, jeder NFC- (“bargeldlose Zahlung), Wifi- und Bluetooth-Kontakt über das Smartphone, jedes Posting in sozialen Netzwerken wird registriert – und häufig auch von dafür zahlenden Unternehmen gespeichert und ausgewertet. “Big Data” bedeutet dabei nicht nur, möglichst viele Daten zu sammeln: der Verkauf der betreffenden Daten wird besonders in den USA (in die aufgrund der Marktdominanz der USA im IT-Bereich große Mengen unserer Daten übertragen werden) hochaktiv betrieben, und einschlägige Unternehmen verbinden die Daten aus diesen Datenbanken dann mit ganz anderen Informationen über uns. Was mit all diesen Informationen passiert, läßt sich nur ansatzweise erahnen. Der US-Security-Pionier John McAfee formuliert es sinngemäß in einschlägigen Interviews und Vorträgen so: “Wir sind Menschen, und wir alle haben Dinge, die uns unangenehm sind, oder Lebensphasen, in denen es uns schlecht geht. Die menschliche Gesellschaft hat Privatheit deshalb als elementares Fundament für ein harmonisches Zusammenleben entwickelt. Wir alle haben ein elementares Bedürfnis nach Privatheit – gibt es sie nicht, gäbe es Blut auf den Straßen und unermeßliches Leid in unseren Beziehungen.”

Der zunehmende Entzug unserer Privatheit durch die intransparenten Wege der Datenverarbeitung durch Unternehmen kann ernste Folgen haben. So wurde in den USA der Fall eines Kreditkartenunternehmens bekannt, das Kunden das Limit kürzte, die eine Paartherapie mit ihrer Kreditkarte bezahlt hatten. “Die haben festgestellt, dass Menschen, die wegen einer Ehekrise eine Paartherapie brauchen, mit hoher Wahrscheinlichkeit später einen Kreditausfall haben oder zumindest finanziell stark belastet sind”, erklärte das IT-Magazin c’t in einem diesbezüglichen Artikel.

Weiterführende Links für Interessierte:
Wie “Big Data” gegen uns eingesetzt wird, ohne, dass wir davon merken
John McAfee über den Trugschluß von Datensicherheit

Sep 23
Psychotherapie mit Bitcoins bezahlen.

(img: Coindesk.com)

Eigentlich besteht die Möglichkeit bereits seit Monaten, doch erst jetzt fand ich Zeit, darüber einen Blog-Beitrag zu verfassen. 🙂 Wie schon bei dem von mir vor beinahe 20 Jahren ins Leben gerufenen Selbsthilfe-Forum handelt es sich dabei wieder einmal um eine “Pionier-Aktion” innerhalb meines Berufsfeldes, auch hier bin ich auf Ihre Rückmeldungen und Gedanken gespannt.

Im Sinne meiner KlientInnen und höchstmöglicher Vertraulichkeit, aber auch als Beitrag zur weiteren Etablierung von Kryptowährungen (=verschlüsselter und sicherer elektronischer Zahlungsalternativen) biete ich als erster Psychotherapeut und Coach im deutschsprachigen Raum seit Jahresbeginn die Bezahlung mit Bitcoins (BTC) sowie Monero (XMR) an.

“Wer braucht das?”, könnte man fragen. Ein Hauptgrund könnte z.B. die Möglichkeit sein, die Online-Beratung der Website 100%-ig anonym zu nutzen. So kann unter Verwendung der hochsicher verschlüsselnden Währung Monero (XMR) für diese Leistung bezahlt und danach eine komplett anonymisierte Beratung etwa über verschlüsselte Emails oder Video-Kanäle (Telegram Messenger & Co.) in Anspruch genommen werden.

Doch auch die Rolle von Bitcoin & Co. als alternatives Zahlungsmittel finde ich faszinierend, und ich möchte dieses im Rahmen meiner Tätigkeit fördern, auch wenn es mir im Grunde keinen Vorteil bringt.

Es ist heutzutage bereits recht einfach, herkömmliches Geld in Crypto-Geld zu wechseln. Sogar die österr. Post und Trafiken bieten entsprechende Coupons an, die man nach einer Einlösung bei einschlägigen Firmen (für die genannten: online bei Bitpanda) in Bitcoins wechseln kann. Was viele Anbieter noch daran hindert, diese zusätzliche Zahlungsmöglichkeit anzubieten, ist das vielerorts noch fehlende technische Verständnis dafür (vergleiche “Internet-Revolution” der 90er-Jahre), die noch relativ kompliziert abzuwickelnden Zahlungsvorgänge (obwohl es sogar bereits Kreditkarten gibt, die ausschließlich auf Bitcoin beruhen, aber “reguläres” Geld auszahlen, z.B. BitPay, TenX,..) sowie die bis dato noch relativ hohen Kursschwankungen. Die Gründe für meine Entscheidung des Anbietens waren, dass ich mir das erforderliche technische Wissen angeeignet habe 😉 , die Transfers relativ einfach online abgewickelt werden können, sowie die Einschätzung der Crypto-Wertentwicklung insgesamt: diese steigt seit Jahren kontinuierlich an, etwaige Kursverluste werden durch weitere Anstiege i.d.R. spätestens nach einigen Wochen wieder ausgeglichen. Und für meine Klienten ist das Honorar tagesaktuell ja exakt dasselbe wie der tägliche Umrechnungskurs vorgibt: es wird auf meiner Website transparent angeführt. Vor allen Dingen aber möchte ich die Implikationen dieses neuen Zahlungssystems fördern und unterstützen: vollkommen frei und unabhängig von Banken, Zahlungsdienstleistern oder staatlichen Regulierungsbehörden, absolut sicher, transparent, schnell, geringe Gebühren, inflationssicher, dezentral und demokratisch.

Wer also bereits Bitcoins oder Monero einsetzt oder eine Überweisung auf diesem Wege versuchen möchte, ist herzlich dazu eingeladen, von diesem neuen Zahlungsweg Gebrauch zu machen! 🙂

Sep 10

Ein derartiges Eingeständnis durch einen kirchlichen Würdenträger wäre vor einigen Jahrzehnten noch undenkbar gewesen. Hut ab vor dem Mut des Papstes, dies mit der Öffentlichkeit zu teilen.

Papst Franziskus: Psychotherapie hat mir sehr geholfen.

Papst Franziskus: “Therapie hat mir sehr geholfen.”

Jul 25
Autismus Schwangerschaft Antidepressiva

Erhöhtes Risiko bei Antidepressiva-Einnahme der Mutter während der Schwangerschaft (Bildquelle: Fotolia)

Schon seit vielen Jahren wird ein Zusammenhang zwischen psychischen Erkrankungen (besonders Depressionen) von Müttern und der Wahrscheinlichkeit derer Kinder, an Autismus zu erkranken, vermutet. Nun scheint eine im British Medical Journal veröffentlichte Studie der Universität Bristol diese Vermutung – wenn auch auf andere Weise – zu erhärten.

So scheint der Konsum von Antidepressiva während der Schwangerschaft zumindest teilweise mit dem späteren Auftreten von Autismus bei Kindern zusammenzuhängen. Kinder, deren Mütter während der Schwangerschaft zu Antidepressiva greifen, tragen den gefundenen Zahlen zufolge ein höheres Autismus-Risiko als Kinder, deren psychisch erkrankten Mütter auf diese medikamentöse Intervention verzichten. Dieses Risiko ist – dieser Studie zufolge – allerdings nur leicht erhöht.

In der Studie wurden 250.000 zwischen vier und 17 Jahre alte schwedische Kinder und Jugendliche, unter denen sich mehr als 5.000 Menschen mit Autismus befanden, untersucht. Ihre Mütter waren entweder psychisch unbelastet oder von Depression betroffen, manche der letzteren nahmen Antidepressiva ein oder verzichteten auf Medikamente. Die Kinder der Mütter, welche während ihrer Schwangerschaft Antidepressiva einnahmen, waren später zu 4,1% von Autismus betroffen, jene von Müttern, die keine entsprechenden Medikamente einnahmen, nur zu 2,9%.
Demnach brachten mehr als 95% der Mütter, die Antidepressiva einnahmen, keine autistischen Kinder zur Welt.

Bemerkenswert ist allerdings, dass andere Studien mit ähnlichen Fragestellungen teils deutlich höhere Wahrscheinlichkeiten für Autismus-Entwicklung der Kinder ergaben (bis zu einer Verdopplung des Risikos bei der Einnahme von SSRI’s, selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern, während des 2. und 3. Trimesters der Schwangerschaft im Zuge einer Studie der Unversität von Montreal 2015 (p=145.000), teils auch gar keinen Zusammenhang fanden (z.B. 2015).

Aus den zur Verfügung stehenden Forschungsergebnissen ist nach Meinung des Autors somit keine generelle Warnung hinsichtlich der Einnahme von Antidepressiva abzuleiten: ist also eine unterstützende Einnahme von Antidepressiva rechtzufertigen (z.B. bei erheblich belastenden und trotz regelmäßiger Psychotherapie nur wenig veränderlichen Depressionsformen), sollte diese durchaus auch während der Schwangerschaft fortgesetzt werden – sofern sich die damit verbundene hormonelle Umstellung nicht ohnedies bereits positiv auf die Depression auswirkt!

Dec 18

Dies ist ein “Sammeleintrag” ähnlich meinen Blog-Einträgen zu den Themen “Partnersuche“, “Suizid” oder “Autismus“, in denen ich Forschungsergebnisse zum persönlichen, gesellschaftlichen oder sozialversicherungsmäßigen Gewinn durch Psychotherapie sammle. Falls Ihnen einschlägige Studien bekannt sind, die hier noch nicht gelistet sind, füge ich sie nach einer kurzen E-Mail gerne hinzu.

  • Rund 20% der Kinder und Jugendlichen in Europa leiden an psychischen Erkrankungen, die einschränkend wirken und daher als krankheitswertig und behandlungsbedürftig zu bezeichnen sind (WHO 2005). Man darf auf Basis des heute verfügbaren Wissens über Ätiologie, therapeutische Beeinflussbarkeit und den Verlauf psychischer Störungen jedoch davon ausgehen, dass der Großteil dieser psychischen Störungen erfolgreich psychotherapeutisch behandelbar wäre (Mattejat F (2004): Perspektiven einer entwicklungsorientierten Psychotherapie. In: Lehmkuhl U, Lehmkuhl G (Hrsg). Frühe psychische Störungen und ihre Behandlung. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen; Schmidt MH (2004) Verlauf psychischer Störungen bei Kindern und Jugendlichen. Deutsches Ärzteblat 101: 38)
  • 1 Euro für Therapie = 4 Euro “Gewinn”: jeder Euro, der in die Behandlung von Depression und Angststörungen fließt, stehen 4 Euro “Gewinn” durch die Aufrechterhaltung der Erwerbsfähigkeit und Vermeidung von Folgekosten (von Arbeitsplatzverlust über physiologische Erkrankungen, Gewalt, Drogenmißbrauch etc.) gegenüber. In der Lancet-Studie (04/2016) wurden unter “Therapie” alle Maßnahmen von ausschließlich medikamentöser Behandlung über psychosoziale Maßnahmen bis Psychotherapie zusammengefaßt.
  • Frühe Psychotherapie wirkt im “Journal of Clinical Child & Adolescent Psychology” publizierten Studien zufolge besser als Medikamente für Kinder, die an ADHS leiden (Details, Studie 1, Studie 2).
  • Die meisten psychischen Störungen sind wiederkehrend und chronifizieren, wenn sie unbehandelt bleiben (Baltesberger C., Grawe K (2001): Psychotherapie unter gesundheitsökonomischem Aspekt. Zeitschrift für Klinische Psychologie und Psychotherapie 30 (1): 10-21, Hogrefe-Verlag, Göttingen). Margraf fasst die epidemiologischen Daten v.a. der Angststörungen und Depressionen mit den Kostendaten in Deutschland und der Schweiz so zusammen: “Statt früh, ambulant und kostengünstig werden psychische Störungen spät, stationär und teuer behandelt.”
  • Die Nicht-Durchführung bzw. Nicht-Miteinschließung von Psychotherapie im Versorgungssystem kommt teuer: den Milliardenkosten (geschätzt 2,8 Mrd. Euro laut Arbeiterkammer (Juli 2008), die in Österreich durch psychische Störungen jährlich verursacht werden, stehen Aufwendungen für Psychotherapie von rund 45 (!) Millionen Euro gegenüber.
  • Laut Hauptverband der Sozialversicherungsträger sind die Verschreibungen für Antidepressiva für die Alterstruppe von 5-19 Jahren allein vom Jahr 2006 bis 2007 um 11.461 gestiegen, auch im Bereich der Anxiolytika (Angst-Medikamente) war in dieser Altersgruppe ein Anstieg innerhalb nur eines Jahres um 1.916 Verschreibungen zu verzeichnen. Eine psychotherapeutische Behandlung würde in vielen dieser Fälle nicht nur eine Alternative zur rein psychopharmakologischen Behandlung darstellen, sondern sie wäre, da in der Psychotherapie grundlegend an der Problemanalyse, -bewältigung und Verbesserung der Entwicklungsbedingungen gearbeitet wird, auch aus ethischen Gesichtspunkten vorzuziehen. Auch ein “Immunisierungseffekt” gegen psychische Störungen gelingt in aller Regel deutlich besser über Psychotherapie denn über die symptombezogene Einnahme von Medikamenten.

Falls Sie evt. relevante Studienergebnisse über den Nutzen von Psychotherapie fanden, die hier noch nicht angeführt sind, wäre es im Sinne der allgemeinen Nützlichkeit dieses Artikel nett, wenn Sie auf diese im Kommentarbereich hinweisen könnten. Danke!

 

Dec 17

Hyperhidrose kann eine schwere Belastung für die Betroffenen darstellen (Bild: dermnetz)

Nach einer Studie in der Dezember-Ausgabe des Journal of the American Academy of Dermatology ist Hyperhidrosis bzw. Hyperhidrose (HH), also das verstärkte Schwitzen, mit einer erhöhten Prävalenz von Angst und Depression verbunden.

Wirklich wahr! Nun, diese Erkenntnis bestätigt etwas, das in der Psychotherapie der diesbezüglichen Störung schon seit jeher die gängige Arbeitshypothese darstellt: das Schwitzen der Hyperhydrose-Betroffenen ist in aller Regel ein Zeichen chronischer (nicht immer bewußter) Stress-Spannung. Angst und psychische Spannung aber erzeugen über das sympathische (im Gegensatz zum parasympathischen) System eine erhöhte Produktion der Schweißdrüsen. Die Hyperhidrose-Betroffenen leiden im Alltag oder spezifischen (z.B. sozialen) Situationen also unter erhöhten Angst- und Stressgefühlen, häufig leiden die Betroffenen darüber hinaus auch an einer depressiven Symptomatik.

In der Studie untersuchten Dr. R. Bahar von der Universität von British Columbia in Vancouver, Canada, und Kollegen die Prävalenz von Angst und Depression bei Patienten mit oder ohne Hyperhidrose. Insgesamt wurden 2.017 Dermatologie-Patienten mit standardisierten psychologischen Testfragebögen auf Depression und Angst hin getestet.

Das Vorkommen von Angst wurde bei 21.3% und Depressionen bei 27.2% der Hyperhidrose-Patienten vorgefunden, verglichen mit 7.5% und 9.7% bei Patienten ohne Hyperhidrose (beide p<0,001). Positive Korrelationen wurden für Hyperhydrose-Intensität und Angst- und Depressions-Vorkommen gefunden. In der multivarianten Analyse war die Hyperhidrose-assoziierte Zunahme des Vorkommens von Angstsymptomen und Depression unabhängig von demographischen Faktoren und bereits vorhandenen Hauterkrankungen.

“Sowohl einzelvariante als auch multivariable Analysen zeigten eine signifikante Assoziation zwischen Hyperhidrose und dem Vorliegen von Angst- und Depressionssymptomen je nach Intensität der Hyperhidrose-Symptomatik”, schreiben die Autoren.

Quelle: Prevalence of anxiety and depression in patients with or without hyperhidrosis (HH) in: Journal of the American Academy of Dermatology , Volume 75 , Issue 6 , 1126 – 1130

Dec 16
Reizmagen- und Reizdarm-Syndrom können das Leben zur Qual machen (Bildquelle: findhomeremedies.com)

Reizmagen- und Reizdarm-Syndrom können das Leben zur Qual machen (Bildquelle: findhomeremedies.com)

Weltweit leiden etwa 1 von 10 Erwachsenen unter der häufig schmerzhaften und schwächenden Erkrankung namens Reizdarmsyndrom (engl.: irritable bowel syndrome / IBS), eine Erkrankung, welche nicht nur die Betroffenen, sondern auch die Gesundheitskassen enorm belastet: in den USA schätzungsweise mit 1 Mrd. US-Dollar pro Jahr.

Eine Meta-Analyse, welche im Dezember 2015 in der Zeitschrift Clinical Gastroenterology and Hepatology veröffentlicht wurde, hat nun festgestellt, dass die positiven Auswirkungen von Psychotherapie langanhaltend sind (in der Analyse der Ergebnisse von insgesamt 41 klinischen Studien aus einer Reihe von verschiedenen Ländern mit mehr als 2.200 Patienten konnte hierbei ein Zeitraum von bis zu 12 Monaten geprüft werden). Schon frühere Studien stellten fest, dass Psychotherapie mindestens genauso wirksam wie Medikamente bei der Verringerung der Symptomatik dieser gastrointestinalen Störung ist.

“Unsere Studie ist die erste, die langfristige Auswirkungen betrachtet hat”, sagte einer der Autoren, Lynn S. Walker, Professor für Pädiatrie am Vanderbilt University Medical Center. “Wir haben festgestellt, dass der moderate Nutzen, den Psychotherapie kurzfristig vermittelt, langfristig anhält.” Dies ist von Bedeutung, da das Reizdarmsyndrom eine chronische, intermittierende Erkrankung ist, für die es keine gute medizinische Behandlung gibt.
Sie ist durch chronische Bauchschmerzen, Unwohlsein, Blähungen, Durchfall oder Verstopfung gekennzeichnet und als Störung der “Gehirn-Darm-Achse” klassifiziert. Für sie ist heute keine medizinische Heilung verfügbar, es gibt jedoch Behandlungen zur Linderung der Symptome wie diätetische Anpassungen, Medikamente und psychotherapeutische Interventionen.

“Westliche Medizin betrachtet den Geist als getrennt vom Körper, das Reizdarmsyndrom ist jedoch ein perfektes Beispiel dafür, wie die beiden miteinander verbunden sind”, sagte einer der Mitautoren K. Laird. “Denn Magen-Darm-Symptome können über Stress und Angst die Intensität der Symptome erhöhen: dies ist ein Teufelskreis, den psychotherapeutische Behandlung zu durchbrechen unterstützen kann.

In einer separaten Studie untersuchten die Psychologen der Vanderbilt University verschiedene psychotherapeutische Methoden hinsichtlich ihrer Verbesserung der Fähigkeit der Reizdarmsyndrom-Patienten, an täglichen Aktivitäten teilzunehmen. Sie fanden zum einen, dass Psychotherapie bessere Erfolge zeitigte als andere Verfahren. Als besonders effektiv erwiesen sich hierbei konfrontative Verfahren (wie sie z.B. in der Verhaltenstherapie und der Systemischen Psychotherapie bzw. Kurzzeittherapie eingesetzt werden), bei denen die Betroffenen mit unangenehmen Situationen konfrontiert bzw. diesen ausgesetzt werden. Schließlich sollen bei fortschreitendem therapeutischem Behandlungserfolg auch wieder lange Autofahrten, das Essen in Restaurants und Besuche von Orten, an denen nicht jederzeit Toiletten verfügbar sind, möglich sein.

“Die Bewertung der täglichen Funktion ist wichtig, weil sie zwischen jemandem unterscheidet, der körperliche Symptome erlebt, sich aber voll und ganz für Arbeit, Schule und soziale Aktivitäten engagieren kann – und jemand, der das nicht kann”, sagte K. Laird, die Hauptautorin der Studie “Comparative efficacy of psychological therapies for improving mental health and daily functioning in irritable bowel syndrome”, welche im November 2016 veröffentlicht wurde.

Quellen: [1, 2]

Dec 07
Photo: Reset.me

Photo: Reset.me

Die Nahrungs- und Arzneimittel-Behörde FDA in den USA könnte bis zum Jahr 2021 die chemische Substanz MDMA als Arzneimittel zur Behandlung posttraumatischer Belastungsstörungen legalisieren, wenn der Nachweis positiver Wirkungen unter kontrollierter Dosierung in Kombination mit Psychotherapie gelingt.

Die FDA hat damit grünes Licht für die sog. “Phase 3” der Versuche mit MDMA gegeben, die abschließende Phase der Validierung, die erforderlich ist, um der Partydroge den Status einer im staatlichen Gesundheitssystem anerkannten Arzneimittels zu verleihen.

Die Behandlung beinhaltet die insgesamt 3-malige Verabreichung der Droge (1x pro Monat) ergänzt durch wöchentliche Psychotherapie-Sitzungen. Frühere Studien rund um die Substanz, welche derzeit von der DEA (Drug Enforcement Administration) gemeinsam mit Heroin und LSD in der Drogenkategorie 1 enthalten ist, zeigten ermutigende Ergebnisse für Patienten mit hartnäckigen Formen posttraumatischer Belastungsstörungen (PTBS). “Wir haben signifikante Hinweise darauf, dass sich MDMA in der unterstützenden Behandlung von PTSD als wirksam erweist,” sagte Brad Burge von der Multidisciplinary Association for Psychedelic Studies (MAPS), einer gemeinnützigen Organisation in Santa Cruz, Kalifornien, die sich bemüht, MDMA medikamenten-Status zu verleihen: “Dass die FDA nun die Einleitung der Phase 3 bewilligte, ist ein starker Hinweis darauf, dass die Behörde dies genauso sieht”.

Etwa 50% der in “Phase 3” eingereichten Medikamente versagen. Passiert dies mit MDMA bei der Verwendung in der Therapie von PTBS-Patienten jedoch nicht, könnte die Substanz bereits im Jahre 2021 zur Verwendung eingereicht werden. Das Medikament wäre dann nicht auf Verschreibung für die Patienten zu Hause (ähnlich wie Marihuana in vielen US-Bundesstaaten) verfügbar, sondern gemäß dem Design der Studien würde es von ausgebildeten Psychotherapeuten in lizenzierten Zentren verwaltet und verabreicht werden. “Die Menschen kommen in eine Klinik, erhalten eine MDMA-Pille vom Arzt und nehmen sie sofort für ihre Therapiesitzung. Sie nehmen die Pille nicht nach Hause”, so Burge.

MDMA ist per se nicht mit der Partydroge Ecstasy oder “Molly” vergleichbar. “Weniger als die Hälfte der auf der Straße erhältlichen Ecstasy- oder Molly-Pillen enthält überhaupt MDMA, sondern in der Regel schädliche Ersatzstoffe”, erklärt Burge. Das bedeute aber im Umkehrschluß nicht, dass MDMA ungefährlich sei. Die Droge kann unter bestimmten Bedingungen zu Überhitzungssymptomen und Organversagen führen. Die MDMA-Pillen, die Patienten während der Versuche verabreicht werden, haben pharmazeutische Qualität mit einer festgelegten Dosis des Wirkstoffs und werden für die Versuchsreihe in Nordengland hergestellt.

11.10.17