Mar 21

Covid 19 strategy study Phot Copyright: Imperial College London

Studie zu Strategien gegen den Covid-19 / Corona-Virus

Eine Studie, die verschiedene Ansätze der Beeinflussung der Ausbreitung und Auswirkungen des COVID-19 – Virus in mathematischen Modellen untersucht, wurde am London Imperial College durchgeführt und im aktuellsten WHO-Bericht zum sog. “Coronavirus” veröffentlicht. In der Studie wurden 4 unterschiedliche Strategien für den Kampf gegen den Virus analysiert: (1. nichts tun 2. Maßnahmen zur Verlangsamung der Infektionsraten 3. Maßnahmen zur Unterdrückung des Virus wie z.B. strikte Ausgangssperren und 4. eine Kombination von 3 & 4). Das Ergebnis war, dass die Strategie “Verlangsamung + Unterdrückung” (massive Reduktion des öffentlichen Lebens und der Sozialkontakte, bis die Spitäler die Zahl der schwer Erkrankten wieder bewältigen können, dann wieder graduelle Erleichterung der Maßnahmen solange, bis die Spitalsbetten wieder voll sind – dann wieder eine Phase massiver Einschränkung usw.) der erfolgversprechendste Ansatz sein dürfte.

Dennoch würde es die heute noch fast unvorstellbare Dauer von 2 Jahren benötigen, bis auf diese Weise eine ausreichende Immunisierung der Bevölkerung erreicht ist.

Es ist für die korrekte Einschätzung der Perspektiven allerdings wichtig, zu berücksichtigen, dass dieses Modell nicht die Strategie, zuvor stattgefundene Sozialkontakte der infizierten Patienten ausfindig zu machen, die Verbesserung und Verfügbarkeit von Schnelltest-Kits, sowie die weltweite Verfügbarkeit einer wirksamen Schutzimpfung berücksichtigt (welche unter idealen Bedingungen weniger als 2 Jahre dauern könnte). Jeder dieser Faktoren könnte die Dauer der massiven Auswirkungen des COVID-19 – Virus auf unser soziales und wirtschaftliches Leben reduzieren. Andererseits zeigt das Modell jedoch auch auf, dass es sehr unwahrscheinlich ist, dass wir schon innerhalb weniger Monate wieder mit unserem “gewohnten” Leben fortfahren können.

Englischsprachiger Artikel mit Links zur Studie: https://www.imperial.ac.uk/…/covid-19-imperial-researchers…/
Deutschsprachiger Presseartikel: https://www.businessinsider.de/…/londoner-forscher-haben-i…/ Bildrechte: Imperial College London, imperial.ac.uk

Jan 31
Luftverschmutzung und Wasserverschmutzung als Grund für Depression?

Luftverschmutzung und Wasserverschmutzung als Grund für Depression?

Einer Ende 2019 erschienenen Studie von Khan/Plana-Ripoll/Antonsen/Brandt et.al. zufolge welche im wissenschaftlichen Journal PLOS publiziert wurde, ist Umweltverschmutzung – konkret schlechte Luft- und Wasserqualität – mit einem erhöhten Auftreten von Depression und bipolaren Störungen “signifikant assoziiert”. Damit wird die Annahme in den Raum gestellt, dass Umweltverschmutzung zu spezifischen pychischen Störungen führen kann.

Die Studie wurde mit großen Datensets durchgeführt: die Erkrankungsdaten von 151 Millionen Einwohnern auf der Basis von Versicherungsansprüchen in den USA, und von 1,5 Millionen Einwohnern aus dem Dänischen Patientenregister wurden herangezogen. Die Umweltverschmutzung wurde anhand der Environmental Protection Agency (EPA) environmental quality indices (EQIs) der US-Bundesstaaten und den individuellen Werten der Luftverschmutzung in Dänemark bemessen.

Als mögliche Gründe für die Korrelation (und vermuteten Zusammenhänge) wurden Neologismen und/oder noch wenig erforschte Phänomene wie “neuroinflammation”, “Excitotoxizität” oder “oxidativer Stress” herangezogen. Aus wissenschaftlicher Sicht stellt dies insofern ein Problem dar, als dadurch die Zusammenhänge nicht direkt und kausalistisch überprüft werden können, sondern zwischen einer Mutmaßung und sichtbaren Veränderungen Vorgänge in einer “black box” bemüht werden müssen, um eine bestimmte theoretische Annahme zu argumentieren. In gewisser Weise ähnelt dieser Ansatz der Grundhaltung: “In der Hand von Uri Geller, welcher möglicherweise über telekinetische Kräfte verfügt, verbog sich ohne sichtbare Krafteinwirkung eine Gabel” -> durch mir bekannte Möglichkeiten nicht zu erklären -> ist dann vermutlich “Telekinese”. Zudem existieren auch in der Wissenschaft immer wieder Trends – mitunter bedingt durch Fortschritte in gewissen Bereichen, die dann neue Sichtweisen eröffnen, häufig sind diese Trends aber auch durch gesellschaftliche Trends beeinflußt: war es früher die Genetik, so sind derzeit gender-bezogene Schwerpunkte und Umweltverschmutzung /Klimaveränderung sehr ‘en vogue’ in der Forschung, und sie erhalten häufig auch eher Forschungsgeld zugesprochen als andere.

Wie sonst aber ließen sich die gefundenen Korrelationen erklären?

“Fooled by randomness”, so könnte man die Studienergebnisse ebensogut interpretieren. Als mögliche Erklärung der Korrelation wäre die Hypothese, dass die Korrelation zwischen psychischen Erkrankungen und der Luftqualität durch soziodemographische Faktoren besteht, aus meiner bescheidenen Sicht wesentlich besser argumentierbar als in seiner Auswirkung auf die Psyche (!) in keiner Weise näher erklärter “oxidativer Stress”. So könnte man beispielsweise davon ausgehen, dass es eher das Leben in einer Industrieregion und die damit verbundene wirtschaftliche und allgemeine emotionale Situation der Einwohner es ist, die diese depressiv macht, als die Qualität der Luft. Ja man könnte noch weitergehen und vermuten, dass es sich sowohl bei den psychischen Erkrankungen, als auch bei der Luftqualität um Symptome ähnlicher Ursachen handelt…

Ich möchte mit diesem kurzen Impulsartikel wohlgemerkt keineswegs ausschließen, dass die hergestellten Zusammenhänge korrekt sind, oder sich eine bessere Luftqualität nicht auch auf die allgemeine Befindlichkeit auswirken kann – selbstverständlich tut sie das. Sehr vorsichtig allerdings sollte man damit sein, vorschnell Zusammenhänge herzustellen, wo nicht unbedingt welche bestehen müssen – womöglich sogar, um plakative Medieneffekte zu erzielen, weitere Forschungsgelder zu lukrieren oder “Ergebnisse” präsentieren zu können, für die wenig substanzielle Evidenz vorliegt.

Jan 25
Fasten könnte mitunter eine Alternative zu Psychopharmaka darstellen. (Foto: Fotolia)

Fasten hat sehr häufig einen längerfristigen Effekt von Stimmungsaufhellung, Verbesserung des Selbstwertgefühls und mitunter sogar Gefühlen von Euphorie. Diese können bei leichten Formen von Depression, aber auch schwereren Formen positiv unterstützen. Bei schwereren Depressionserkrankungen könnte Fasten mitunter die zusätzliche Einnahme von Psychopharmaka neben einer Psychotherapie unnötig machen oder erlauben, deren Dosis zu reduzieren. Dies sind mögliche Schlußfolgerungen aus einer bereits im Jahr 2013 im Journal Elesier veröffentlichten Studie von Guillaume Fond et.al.

Diese Studie steht in ihren Ergebnissen im Einklang mit einigen anderen mit ähnlichen Fragestellungen. In einer Studie von Teng (2011) brachte eine Kalorienreduktion von 300-500 kcal/Tag “signifikante Zunahme von Energie”, Tavakkoli (2008) zufolge brachte Intervall-Fasten während des Ramadans eine signifikante Reduktion von Angst-Scores, nach Kanazawa (2006) brachte 10-tägiges Fasten signifikante Verbesserungen für die Problembereiche Anorexie, Angstsymptome und Stimmungsschwankungen, Michalsen (2009) fand signifikante Stimmungsverbesserungen nach 1-wöchigem medizinischen Fasten per Kalorienreduktion, Faaroq nach Intervallfasten signifikante Reduktion der Scores von “Manie” (YMRS) und Depression (HDRS).

Für Depressionspatienten wie auch deren Psychotherapeuten und Psychiater wäre es somit definitiv empfehlenswert, diätetische Ergänzungen zum Therapieprogramm anzudenken – ja es ist aus meiner Sicht sogar verwunderlich, dass diese nicht bereits zum therapeutischen Standard beim erweiterten Störungskomplex Affektiver Störungen sowie durchaus auch des neurotischen und somatoformen Störungskreises gehören. Hier können und sollen durchaus auch Mediziner und/oder Ernährungsberater (etwa zur Einstellung einer persönlich passenden Fasten-Variante sowie medizinischer Begleitung, wenn erforderlich) beigezogen werden.

So könnten neben den positiven körperlichen Effekten des Fastens vermehrt auch die offenbar sehr häufigen psychischen positiven Effekte gezielter genützt, und die für den Stoffwechsel häufig belastende Nutzung von Psychopharmaka dagegen teils signifikant reduziert (oder sogar unnötig) werden.

Sep 01

(image src: wikimedia.org)

Wie der US-Psychologe Irving Kirsch von der Harvard Medical School im Zuge zweier Meta-Analysen zwischen 2002 und 2008 herausfand, dürfte der Nutzen von Antidepressiva vor allem auf einem Placeboeffekt beruhen. 82% der antidepressiven Wirkung lassen sich demnach auch nach der Verabreichung von Placebos feststellen. Diese Ergebnisse wurden nun auch von einer deutschen Studie aus dem Jahr 2018 bestätigt, derzufolge AD’s in jeder zweiten klinischen Studie nicht wesentlich besser als eine Behandlung mit Placebos abschneiden.



Bemerkenswert auch eine andere Beobachtung im Zuge der Studie: manche Antidepressiva senkten den Serotonin-Spiegel, andere erhöhten ihn, bei anderen Medikamenten wiederum blieb er gleich. Die antidepressive Wirkung war jedoch im Großen und Ganzen die gleiche.

Die Schlußfolgerung von Dr. Kirsch: da Antidepressiva ein großes Risiko für unerwünschte Nebenwirkungen aufweisen, “sollten sie nur als letztes Mittel bei extrem schweren Depressionen und nur, falls alle anderen Behandlungsformen versagt haben, eingesetzt werden”.

Quelle: Placebo Effect in the Treatment of Depression and Anxiety

Jun 25

(image src: indiatimes.com)

Laut einer Meta-Analyse einschlägiger US-Studien aus dem Zeitraum von 1987-2013 durch Forscher der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) und der Universitätsklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Salzburg steigt das Suizidrisiko unter der Anwendung von Antidepressiva verglichen mit einer von Scheinmedikamenten (Placebos) um den Faktor 2,5.

In allen analysierten Studien begingen 0,8 Prozent der Patienten, die ein Antidepressivum erhielten, Suizid oder einen Suizidversuch, während es in der Kontrollgruppe mit Placebo lediglich 0,3 Prozent waren. Die Verläßlichkeit der Datenerhebung ist hoch, da es sich bei den Studien um sogenannte “Doppelblindstudien” handelte, bei denen weder die Ärzte, noch die Patienten wußten, wer Antidepressiva und wer Placebos erhielt.



Eine Konsequenz aus der Untersuchung sollte sein, noch mehr Vorsicht beim (während der letzten Jahre massiv angestiegenen) Verschreiben von Antidepressiva – insbesondere durch Hausärzte – walten zu lassen. Nicht selten seien nicht einmal alle Dignoasekriterien für Depressionen oder Angstörungen erfüllt, oder es wären nur unspezifische Symptome vorhanden, und Antidepressiva würden dann “auf Verdacht hin” verschrieben.

Auch sollten PatientInnen noch besser über die Risiken aufgeklärt werden. “Gerade zu Beginn der Behandlung, bei abrupten Dosisänderungen und beim Absetzen muss man mit einem erhöhten Suizidrisiko rechnen”, so einer der Studienautoren. Bei schweren Depressions-Formen jedoch stünde die Behandlung mit Medikamenten außer Frage, wichtig sei jedoch eine kontinuierliche und enge Überwachung. Parallel zur medikamentösen Behandlung sollten auch Psychotherapie oder Sport zur Anwendung kommen.

(Quelle: Newer-Generation Antidepressants and Suicide Risk in Randomized Controlled Trials: A Re-Analysis of the FDA Database)

Jun 10
Depression und Demenz-Symptome

Häufig versteckt sich hinter dem Verlust von Merkfähigkeit eine Depression (pic: newscientist.com).

Bei schweren Depressions-Formen können derart starke kognitive Einschränkungen entstehen, dass man in bestimmten Fällen vom Auftreten einer Pseudo-Demenz spricht. Doch im Unterschied zu anderen Demenz-Formen verbessert sich das Erinnerungsvermögen wieder, sobald die depressive Phase abklingt.

Dies wurde kürzlich in einem Computermodell, das in Bochum entwickelt wurde, nachgewiesen. Wie bei echten Patienten wechselten sich auch in dem Computermodell depressive Phasen und Phasen ohne Symptome ab. Das Computermodell konnte Erinnerungen genauer abrufen, wenn der zuständige Teil des Gehirns viele neue Nervenzellen bilden konnte – ähnlich wie während Depressionsphasen mit geringerer Symptomatik. Wurden dagegen weniger neue Nervenzellen gebildet (ähnlich, wie das bei schwereren Depressionsphasen passiert), war es schwieriger für das Gehirn, ähnliche Erinnerungen zu unterscheiden und getrennt abzurufen.

Im Modell wurde auch aufgezeigt, dass es schwer fallen kann, auf Erinnerungen zurückzugreifen, die vor der Depression entstanden waren. Je länger eine depressive Phase andauerte, desto weiter zurückliegende Erinnerungen waren betroffen. Untersuchungsleiter Sen Cheng: “Bisher geht man davon aus, dass nur während einer Depression Gedächtnisstörungen auftreten. Wenn unser Modell recht hat, hätten Depressionen weitreichendere Konsequenzen. Alte Erinnerungen könnten bleibend geschädigt werden, selbst wenn die Depression bereits abgeklungen ist.”

Quellen: Virtual brain gives insights into memory deficits in depression

Jun 10
Schlaganfall und Depression

Nur ein kleiner “Unfall” im Gehirn – aber die Auswirkungen können dramatisch sein (pic: webmd.com).

Schlaganfall-Patienten sind nach dem Hirnschlag meist nicht nur motorisch eingeschränkt, sondern etwa jeder Dritte entwickelt auch eine Depression, die sogenannte Post-Stroke-Depression (PSD) – während sonst nur jede fünfte Person an Depression erkrankt. Doch wie kommt es dazu?

Grundsätzlich gilt: Menschen, die ein erhöhtes genetisches oder soziales Risiko haben, an einer Depression zu erkranken, werden auch nach einem Schlaganfall leichter von der psychischen Erkrankung erfaßt. Die körperlichen Einschränkungen tun ihren Teil: wenn die Beweglichkeit von Gliedmaßen oder der Gesichtsmuskulatur eingeschränkt ist, Sprachstörungen oder Lähmungen auftreten, ist dies eine massive Belastung für die Psyche. Den Betroffenen wird bewußt, dass sie Grundfertigkeiten wieder neu erlernen müssen und ihren Job nicht mehr weiter ausüben können.

Eine weitere Ursache könnten Veränderungen im Gehirn darstellen: denn Schlaganfälle werden durch Blutgerinnsel ausgelöst, die Gefäße im Hirn verschließen. Die mangelhafte Versorgung mit Sauerstoff führt zu nachhaltigen Hirnschäden, die umso größer sind, je länger die Unterversorgung anhält. Diese Schäden können die Ausschüttung von Hormonen verändern und dadurch die Entwicklung einer Depression begünstigen.



Erste Anzeichen einer Post-Stroke-Depression sind wie bei der Depression Antriebslosigkeit, Schlafstörungen sowie Traurigkeit, die länger als zwei Wochen andauern. “Für das Erkennen der PSD ist es von Vorteil, dass insbesondere schwer betroffene Patienten nach dem Schlaganfall engmaschig betreut werden”, erklärt Franz Fazekas, Neurologe von der Medizinischen Universität Graz: “Gerade während der Rehabilitation bekommen Ärzte, Pflege und Physiotherapeuten hautnah mit, wie sich die Stimmung der Patienten entwickelt.” Schwieriger wird es, wenn die Depression später auftritt, also wenn der Patient die Reha bereits beendet hat und wieder zu Hause ist.

In der Depressions-Therapie Betroffener kommen vor allem dann hauptsächlich Medikamente zum Einsatz, wenn die mentale Kapazität der Patienten eingeschränkt ist – Psychotherapie kann dann nur beschränkt ihr Potenzial entfalten. Ebenso wichtig sind für Psychotherapien die Sprachfähigkeit sowie das Sprachverständnis.

(Source: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21216670)

Mar 09

Im Sinne der geistigen Gesundheit ist es besser, öfters auch mal “nein” zu sagen… (pic: andybhatti.com)

Bis zu 39% aller Demenz-Erkrankungen könnten laut einer kürzlich im Fachmagazin “The Lancet Public Health” veröffentlichten langjährigen Studie zufolge auf übermäßigen Alkoholkonsum zurückzuführen sein.



Für die Studie wurden die Daten von 57.000 Personen, welche an Hirnschäden, vaskulärer Demenz und anderen Demenz-Erkrankungsformen (wie z.B. Alzheimer) in französischen Spitälern ausgewertet. 39% dieser Fälle ließen sich auf alkoholbedingte Hirnschäden zurückführen. 18% litten an weiteren Erkrankungen im Zusammenhang mit Alkohol. So gesehen verdreifache sich das Erkrankungsrisiko, an einer Form von Demenz zu erkranken, durch übermäßigen Alkoholkonsum: “Höchstwahrscheinlich führt Alkohol zu dauerhaften strukturellen und funktionellen Hirnschäden”, sagte Studienautor Michael Schwarzinger vom Translational Health Economics Network. Außerdem erhöht Alkoholkonsum das Risiko an Bluthochdruck, Diabetes, Schlaganfällen, Vorhofflimmern und Herzinsuffizienz zu erkranken, was wiederum das vaskuläre Demenzrisiko erhöht.

Der Studie zufolge ist das Risiko durch übermäßigen Alkoholkonsum für damit verbundene Hirnschäden viel größer als bisher angenommen, Schwarzinger fordert, Alkohol als Hauptrisikofaktor für alle Arten von Demenz einzustufen. Hinzu kommt, dass starker Alkoholkonsum häufig mit Rauchen, Depressionen und niedrigem Bildungsstand korreliert – all dies sind weitere Risikofaktoren für Demenz.

Hintergrundwissen: von vorzeitiger Demenz sprechen Mediziner, wenn die Erkrankung vor dem 65 Lebensjahr auftritt. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) leiden weltweit rund 47 Millionen Menschen an Demenz. Bei 60 bis 70 Prozent handelt es sich demnach um Alzheimer. Von “chronisch starkem Trinken” ist laut WHO die Rede ab dem Konsum von mehr als 60 Gramm reinem Alkohol pro Tag für Männer (= ca. 4-5 Flaschen Bier á 330ml oder 7 “Achterl”-Gläser Wein á 100ml pro Tag) und mehr als 40 Gramm pro Tag bei Frauen (= 3 Flaschen Bier oder 4-5 Gläser Wein).

Weiterführende Informationen:

Alkohol-Selbsttest auf dieser Website

Literatur-Tipps zum Thema Alkoholismus

(Sources: Contribution of alcohol use disorders to the burden ofdementia in France 2008–13: a nationwide retrospectivecohort study; Image source: andybhatti.com)

Oct 11
angst stress immunsystem genetik epigenetik

Angst – eine Belastung nicht nur für die Psyche, sondern auch für den Körper. (Image: Shutterstock)

Angst entsteht, wenn auf auslösende Reize eine übermäßige Stressreaktion folgt – das ist ein wichtiger Schutzmechanismus des Körpers … sofern die Reaktion angemessen ist.

Erfolgt sie jedoch unkontrollierbar und sind Betroffene länger solch extremen Stressreaktionen ausgesetzt, führt dies vermutlich sogar auch zu epigenetischen Veränderungen, die sich ungünstig auf den Körper auswirken. Forscher des Helmholtz Zentrums München und des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie gingen den Zusammenhängen auf den Grund, indem sie Daten aus breiten Bevölkerungsgruppen mit denen von Patienten verglichen. So konnten sie ihre Ergebnisse im klinischen Umfeld replizieren. Zusätzlich überprüften sie ihre Erkenntnisse im Tiermodell.

In einem Teil der Studie (KORA F4 an 1.522 Erwachsenen im Alter von 32 bis 72 Jahren) entnahmen die Forscher zufällig ausgewählten Personen mit und ohne Angststörung Blutproben, um mehr über die sogenannte DNA-Methylierung (Teil der Epigenetik, ein wichtiger Vermittler zwischen Genen und Umwelt) zu erfahren. Bei an Angststörungen leidenden Personen wurde hierbei eine Zunahme der DNA-Methylierung des Gens ASB1 um fast 50 Prozent festgestellt, welches für das Nervensystem wie auch das Immunsystem eine wichtige Rolle spielt.



In zwei weiteren Teilen der Studie wurden epigenetische Effekte zur Regulierung des stressempfindlichen ASB1-Gens im klinisch-psychiatrischen Bereich nachgewiesen. Diese Ergebnisse fanden danach sogar auch in Tierversuchen mit Mäusen Bestätigung.

Die betreffenden Ergebnisse können für die Diagnose, Therapie und Prävention von Angststörungen und Stress-Syndromen eine wichtige Rolle spielen – insbesondere werfen sie aber einen Blick auf die erheblichen Auswirkungen dieser Störungsbilder, die u.U. sogar erblich weitergereicht werden könnten. Die Resultate wurden vor Kurzem in der renommierten Zeitschrift „Neuropsychopharmacology“ veröffentlicht.

(Quelle: MedAustria; Anxiety Associated Increased CpG Methylation in the Promoter of Asb1: A Translational Approach Evidenced by Epidemiological and Clinical Studies and a Murine Model; Neuropsychopharmacology advance online publication June 2017; doi: 10.1038/npp.2017.102)

Oct 11
Pupillen Sexuelle Reaktionen Männer Frauen

Was unsere Pupillenreaktionen über uns aussagen…
Image src: Deavita.com

Überraschende Ergebnisse erbrachte eine Untersuchung von Pupillen-Reaktionen auf Pornographie an der University of Sydney in Australien (bereits im Jahre 2012).

Bei heterosexuellen Männern erweiterten sich die Pupillen am meisten, wenn sie in Pornofilmen oder -bildern weibliche Darstellerinnen beim Masturbieren sahen. Bei homosexuellen Männern erweiterten sie sich am meisten, wenn sie dabei Männer zu sehen bekamen, und bei bisexuellen Männern mehr als bei anderen Männern, wenn sie Darsteller beider Geschlechter sahen”, schreiben die Autoren Rieger & Savin-Williams.

Dasselbe gilt aber nicht für Frauen. Im Durchschnitt erweiterten sich die Pupillen heterosexueller Frauen stärker beim Betrachten von Abbildungen und Videos mit männlichen Darstellern als von neutralen Bildern, aber sie reagierten auch stärker auf Bilder von masturbierenden Frauen im Vergleich zu heterosexuellen Männern, die Männer beobachteten.

Die Pupillen-Reaktionen lesbischer und bisexueller Frauen ähnelten in der Studie tendenziell jenen männlicher Reaktions-Muster.



Die Erkenntnis, dass heterosexuelle Frauen mehr als heterosexuelle Männer von beiden Geschlechtern erregt werden, könnte den Überlegungen der Autoren zufolge durch die Evolutionstheorie erklärt werden: in der Frühgeschichte der Menschheit kam es häufig zu Gewalt, sexuellen Übergriffen und Ausschweifungen. Während sich dabei die körperlich überlegenen Männer erlauben konnten, sich voll auf ihre (i.d.R. heterosexuellen) Vorlieben zu konzentrieren, mußten sich Frauen vor Verletzungen im Intimbereich schützen – Frauen, die hier unabhängiger von rein heterosexuellen Stimuli waren und unabhängig davon sexuelle Erregung (z.B. Feuchtwerden des Scheideneingangs) entwickeln konnten, waren evolutionär im Vorteil. Dies deckt sich auch mit diversen theoretischen Arbeiten zu diesem Thema, die sich mit der größeren Offenheit von Frauen in Richtung homosexueller Kontakte beschäftigten.

(Quellen: Rieger G, Savin-Williams RC (2012) The Eyes Have It: Sex and Sexual Orientation Differences in Pupil Dilation Patterns. PLoS ONE 7(8): e40256., [PopSci])

21.03.20