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nicXX
sporadischer Gast
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Post Thu, 03.Mar.05, 19:40      Begleitung in den Tod? Reply with quoteBack to top

Hallo!

Mein Vater ist krank und sein Tod rückt unaufhaltsam näher.
Als ich vor einem Jahr von seiner Krankheit und deren Konsequenz erfuhr
brach für mich eine Welt zusammen. Ich bekam Depressionen und alles erdenkliche an psychosomatischen Beschwerden unter denen ich heute noch leide. Da ich zu meinen Eltern insbesondere zu meiner Mutter nie ein wirklich gutes Verhältnis hatte und aufgrunddessen in ein anderes Bundesland gezogen bin,habe ich meinen Vater 5 mal seit bekanntwerden der Krankheit gesehen. Es war von Mal zu Mal schlimmer...er wird immer dünner,immer gebrechlicher....ich habe mittlerweile das Bild meines gesunden Vaters völlig verdrängt und sehe nur noch den Tot in ihm.
Ich bin mittlerweile sogar fast schon froh,wenn ein Treffen,aus welchen Gründen auch immer, nicht zustande kommt...damit ich ihn nicht sehen muß. Ich kann nicht gerade behaupten das es mir dadurch besser geht,denn Gedanken habe ich immer noch und die lassen sich eben nicht abschalten Sad Mein Problem ist das ich nicht am Sterbebett meines Vaters sitzen möchte. Leider stoße ich damit auf ziemlich viel Unverständnis.
Vielleicht hat hier jemand diese Erfahrung schon hinter sich und mag sich mitteilen!
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Zita
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Post Thu, 03.Mar.05, 20:02      Re: Begleitung in den Tod? Reply with quoteBack to top

Hallo,

ich hatte das gleiche Problem. Meiner Großmutter gegenüber, welche an Lungenkrebs starb, hatte ich genau Deine Haltung. Die Krankheit und ihren Zustand hätte ich nicht ertragen können, auch da ich zudem sehr große Angst vor Krankheit und Krankenhäusern habe. Ihren Tod habe ich jahrelang verdrängt, versucht, ihn als ihre Erlösung zu sehen, sie litt sehr, konnte kaum noch atmen.
Wenn ich mich erinnerte, tat es jedoch sehr weh. Ich würde mir im nachhinein wünschen, anders gehandelt zu haben - mich von ihr verabschiedet zu haben. Aber ich weiß nicht, ob ich das geschaftt hätte...
ich versuchte, es nachzuholen, für mich, in einem "Ritual", jedoch ist es imemr noch schlimm, nicht zur richtigen Zeit dagewesen zu sein.

Kurz vor ihrem Tod hatte ich einen Traum, ich besuchte sie in ihrem Haus, das sie zu meiner Kindheit hatte, brachte ihr Blumen, sie war gesund wie damals. Ein paar Tage darauf starb sie und mein schlechtes Gewissen - denn der Traum hatte mich vorgewarnt - das habe ich heute noch. Damit muss ich leben.

Ich will hier nicht allgemeingültige Weisheiten oder moralische Reden von mir geben. Sondern nur erzählen, wie ich es empfand. Ich wünsche Dir alles Gute und dass Du das Richtige für Dich und Deinen Vater tust.

lieben Gruß - Zita

_________________
Nur der Schein trügt nie.

(O.Wilde)
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nicXX
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Post Thu, 03.Mar.05, 20:36      Re: Begleitung in den Tod? Reply with quoteBack to top

Hi Zita!

Erstmal vielen lieben Dank für Deine Antwort. Aber was glaubst Du denn hätte sich für dich geändert hättest du Dich von ihr verabschiedet?
Ich leide so schon genug...hab kaum einen Tag an dem es mir mal so richtig gut geht. Als mein Vater operiert wurde und ich ihn im Krankenhaus besucht habe und all die Schläuche an seinem Körper sah bin ich erstmal umgekippt...allein dieses Bild bekomme ich nicht mehr weg und schon allein der Gedanke daran lässt mich fast wieder in Ohnmacht fallen...ich komme mit der ganzen Situation nicht zurecht. Zum einen denke ich das ich somit keine Unterstützung bin und zum anderen habe ich auch einfach die Angst die Bilder nie wieder loszuwerden.
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Susanne45
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Post Thu, 03.Mar.05, 21:03      Re: Begleitung in den Tod? Reply with quoteBack to top

hallo unbekannter oder bekannter, mein papa ist gestern verstorben an krebs und glaub mir ich hatte einen wahnsinns kontakt zu meinen eltern, und hab ihn fast begleiten können und es beruhigt
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bunny
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Post Thu, 03.Mar.05, 23:26      Re: Begleitung in den Tod? Reply with quoteBack to top

@susanne

ich möchte dir herzlich kondolieren.

@nicXX

meine mutter ist vor einem jahr leider gestorben. sie litt an einer schnell fortschreitenden unheilbaren krankheit. ich hatte von jeher ein sehr schwieriges verhältnis zu meinen eltern. ich besuchte meine mutter während der krankheit ca alle 2 monate, mehr hätte ich nicht verkraftet, zumal das verhältnis sehr gespannt war. in der zwischenzeit haben wir uns sms geschrieben, das war eine sehr gute idee, ist unverbindlich und man bleibt doch in kontakt. am schluss konnte sie nicht mehr schreiben, da habe ich ihr ca jeden monat einen brief geschrieben, woran sie grosse freude hatte.

es war für mich wichtig, mich von ihr zu verabschieden, das habe ich in einem brief getan. zwischendurch hatte ich ein schlechtes gewissen, dass ich sie nicht öfter besucht hatte, dass ich sie nicht gepflegt hatte. doch im nachhinein muss ich sagen, es lag nicht mehr drin, auch von der vorgeschichte her nicht.

hoffe das hilft dir was.

lg bunny
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schwarze_perle
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Post Fri, 04.Mar.05, 8:41      Re: Begleitung in den Tod? Reply with quoteBack to top

Hallo nicXX,

ich kann Dir nur von meiner eigenen Erfahrung berichten: Vor etwa 1,5 Jahren ist ein sehr guter Freund von mir an Krebs gestorben. Ich war am Sterbe- bzw. Totenbett und muß rückblickend sagen, ich hätte es besser nicht getan. Werde mein Lebtag nicht diesen Anblick vergessen können. Ich denken in Deiner Situation, solange Dein Vater noch lebt, solltest Du ihn vielleicht ganz ehrlich fragen, ob er das überhaupt möchte, dass Du ihn so siehst. Der Umgang mit Sterbenden erfordert sehr viel Stärke. Zumal es natürlich sehr schwer ist, einen so nahstehenden Menschen wie den eigenen Vater sterben zu sehen (egal wie zerrüttet das Verhältnis auch ist). Wenn Du gar keine Kraft mehr hast, ihn zu sehen, dann schreibe ihm doch einen Brief. Habe den Beitrag von bunny gelesen, und fast das eigentlich eine sehr schöne Geste.
Liebe Grüße, viel Kraft

schwarze_Perle
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electra
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Post Mon, 07.Mar.05, 22:05      Re: Begleitung in den Tod? Reply with quoteBack to top

Hallo nicXX

Erstmal möchte ich dir mein aufrichtiges Mitgefühl entgegen bringen und dir mitteilen, dass ich genau weiss wie du dich fühlst.
Vor 6 Jahren hat meine Mutter den Kampf gegen den Lungenkrebs verloren und ich war zwar immer in ihrer Nähe, wir haben uns jedoch nicht mehr ausgesprochen. Das ist im Nachhinein unwiederbringlich und sehr schmerzhaft.
Meiner Meinung nach sollte gerade, wenn das Verhältnis zu dem nahen Angehörigen schwierig war ein erlösendes Abschiedsgespräch geben.
Derjenige der gehen muss erlebt dies auch als sehr, sehr schmerzhaft (damit sind nicht die pysischen Schmerzen gemeint) kann aber vielleicht von sich aus noch nicht "aufmachen".
Ich würde sehr vorsichtig versuchen ein Vier-Augen-Gespräch mit ihm zu führen. Vielleicht hilft dir der Gedanke dass sein danhinsiechender Körper nur eine Hülle ist und darunter derselbe Mensch steckt.
Mir haben damals die Bücher von Elisabeth Kübler Ross sehr viel Trost gespendet. Darin wird die Auseinandersetzung mit Sterbenden auf eine äusserst liebevolle und einfühlsame Art Weise beschrieben.
Ich kann dir aus eigener Erfahrung ein Gespräch ans Herz legen, denn sonst musst du es vielleicht in mühevollen Therapiestunden mit einem Therapeuten nachholen?!
Kann deine Gefühle wirklich nachvollziehen und wünsch dir sehr viel Kraft dabei.

lg electra
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lui
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Post Tue, 08.Mar.05, 8:20      Re: Begleitung in den Tod? Reply with quoteBack to top

nicXX wrote:

Ich leide so schon genug...hab kaum einen Tag an dem es mir mal so richtig gut geht.

ich komme mit der ganzen Situation nicht zurecht. Zum einen denke ich das ich somit keine Unterstützung bin und zum anderen habe ich auch einfach die Angst die Bilder nie wieder loszuwerden.


Hallo NicXX,

Für mich wird an dieser Aussage: Ich leide schon genug das ganze Thema sehr deutlich. DU leidest!

Es ist ganz wunderbar möglich, seine sterbenden Eltern bis zu ihrer Todesstunde zu begleiten, wenn Du das Augenmerk von DIR wegrichtest und es auf den Menschen richtest, um den es dabei eigentlich geht!
Es geht hier um Deinen Vater, er ist schwer krank und wird sterben. ER ist es, es bist nicht DU!
Du stellst absolut Dein eigenes Leiden in den Vordergrund und siehst nur DICH, aber es geht um den anderen, es geht um IHN.
Da ist ein leidender und sterbender Mensch, den Du liebst, dann hilf ihm doch, sei doch für ihn da. Streichle ihn doch, zeige ihm, dass Du ihn liebst, reiche ihm etwas zu trinken, wenn er Durst hat, wische ihm den Schweiß von der Stirn, lies ihm etwas vor, schau einfach, was Du für IHN tun kannst, stell Dich ganz auf IHN ein. Wenn Du das tust, dann garantiere ich Dir, es wird Dir besser gehen mit seinem Leiden und seinem Sterben. Es wird nichts daran ändern, das er sterben wird, aber es ändert auch nichts daran, wenn Du nicht zu ihm gehst und wenn Du umkippst an seinem Bett.

Also richte Deinen Blick von Dir weg, schau auf ihn, tue etwas für ihn, zeige ihm Deine Liebe und Deine Fürsorge.

Ich wünsche Dir von ganzem Herzen, dass Dir das gelingen möge

Lieben Gruß

lui
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Betty
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Post Tue, 08.Mar.05, 18:29      Re: Begleitung in den Tod? Reply with quoteBack to top

@ lui:
Quote:
Es ist ganz wunderbar möglich, seine sterbenden Eltern bis zu ihrer Todesstunde zu begleiten

Ganz wunderbar?! Hast du deine schwerkranken Eltern begleitet?! Also als wunderbar würde ich das nun beim besten Willen nicht bezeichnen!! Evil or Very Mad Entschuldige, aber solche Aussagen machen mich wütend!
Meine Mutter ist an der Sterbepflege ihrer Mutter zerbrochen. Und ich fühle mich jetzt, da ich meine Mutter auf ihrem letzten Weg begleitet habe auch nicht gerade "wunderbar"...

Sicher leidet ihr Vater auch, aber SIE muß nachher damit weiterleben! Sie muß einen Weg finden, ihren Frieden mit ihrem Vater und sich selbst zu machen, um nachher weiterleben zu können!
Eine liebe Freundin von mir erlebt gerade ähnliches, ihr Vater ist ebenfalls sterbenskrank und auch sie weiß nicht, wie sie sich verhalten soll. Das Verhältnis zu ihren Eltern war immer schwierig, um nicht zu sagen unmöglich und nun stellt sich auch noch die querulante Mutter zwischen sie und ihren Vater.
Ich konnte ihr auch nur raten, sich mit ihrem Vater auszusprechen, aber sie will die Wohnung nicht betreten, solange ihre Mutter zugegen ist. Was ich verstehen kann.
Nicht jeder Mensch kann seine Gefühle an- und ausschalten, wie eine Taschenlampe. "Ach, wenn mein Vater stribt, dann vergess ich mal für diese Zeit meine verkorkste Kindheit, den Hass, den meine Eltern mir entgegengebracht haben und die bleibenden psychischen Schäden, die sie mir beigebracht haben (und natürlich auch meine mir höchsteigenen Gefühle betreffs Blut, Spritzen, medizinischen Maschinen usw), und pflege meinen Vater mit meiner Mutter zusammen, bis er tot zusammenbricht" Wie wunderbar...

@ NicXX
Ich kann auch dir (so wie meiner Freundin) nur raten, dich zumindest jetzt noch einmal mit deinem Vater auszusprechen. Sag ihm alles, was du ihm noch sagen willst und hör dir an, was er dir noch zu sagen hat. Du mußt nicht an seinem Sterbebett sitzen, aber wenn du dich jetzt nicht von ihm verabschiedest, wird es bald für alles zu spät sein. Ich leide jetzt schon darunter, meiner Ma nicht zum Schluß nochmal gesagt zu haben, daß ich sie lieb habe... Wie mag jemand leiden, der noch so viel mehr zu sagen gehabt hätte?! Jetzt ist es schon schlimm für dich, aber vielleicht würde ein solches Gespräch dich auch erleichtern!? Vielleicht würde es dir eine Riesenlast von der Seele nehmen?!
Ich kann und will dich zu nichts überreden, nur dazu, darüber nachzudenken...

Betty
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nicXX
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Post Tue, 08.Mar.05, 18:52      Re: Begleitung in den Tod? Reply with quoteBack to top

hallo lui!

ich weiß das sich all das was ich schreibe ziemlich egoistisch anhört! nur stellt sich für mich eben auch die frage warum ich so leide! und ich weiß auch noch nicht einmal ob ich sowas wie liebe für meinen vater empfinde!
er war nie wirklich für mich da,und das einzige was mich wirklich mit ihm verbindet ist die opferrolle meiner mutter gegenüber. ich kann eben auch nicht einfach heim fahren und mich an das bett meines vaters setzen da sie mir ständig im nacken sitzt, mich haßt und mich auch nicht duldet.
als mein vater die diagnose erhielt,bekam ich einen anruf von ihr und wurde für diese zur verantwortung gezogen...bin also wieder mal schuld...wie an so vielem was in ihrem leben falsch gelaufen ist!
außerdem verstehe ich auch nicht warum immer ich anfangen muß ein gespräch oder sonstiges zu suchen. man hat mich mich mit der diagnose völlig allein gelassen,sich nie danach erkundigt wie es mir damit geht.
ich weiß nur das ich wahnsinnig mitleide......
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lui
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Post Tue, 08.Mar.05, 20:14      Re: Begleitung in den Tod? Reply with quoteBack to top

Hallo Betty!

*****Ganz wunderbar?! Hast du deine schwerkranken Eltern begleitet?! Also als wunderbar würde ich das nun beim besten Willen nicht bezeichnen!! Entschuldige, aber solche Aussagen machen mich wütend! *****

Ja, ich habe meine beiden Eltern begleitet und ich saß bei meinen beiden Eltern am Bett, als sie ihre letzten Atemzüge getan haben. Und ich bin unendlich dankbar dafür, dass das so gewesen ist. Ich kann nichts dafür, dass Dich solche Aussagen wütend machen.
Natürlich fand und finde ich es auch heute noch nicht wunderbar, dass meine Eltern gestorben sind, aber ich bin für jede Minute dankbar, die es mir möglich war. in ihrer Sterbephase bei ihnen sein zu können. Und auch ich habe natürlich die ganze Trauer erlebt, die eine Tochter nur erleben kann, wenn ihre Eltern sterben. Die Trauer wird nicht weniger dadurch, dass man einen Menschen begleitet hat.

Und Dir, liebe NicXX kann ich nur das selbe raten, was Betty Dir schon geschrieben hat. Ist Dein Vater erst tot, dann hast Du keine Gelegenheit mehr, mit ihm zu reden, ihm vielleicht etwas zu vergeben, ich vielleicht doch zu sagen, dass Du ihn liebst. Wage einfach diesen Schritt.

Alles Liebe für Dich in dieser Situation

und liebe Grüße an Euch beide

lui
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Betty
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Post Thu, 10.Mar.05, 13:06      Re: Begleitung in den Tod? Reply with quoteBack to top

Hallo Lui!
Auch ich habe meine Mutter in ihren Tod begleitet. Ich hab sie zuhause gepflegt (die ganze Familie hat sie gepflegt) und es hat mich meine ganze Kraft gekostet. Es waren nur ein paar Wochen, von der Diagnose bis sie starb, aber mir kam es vor, als wären es Monate gewesen.
In mir kämpfen nun zwei Gefühle, einerseits bin auch ich glücklich, daß ich für sie da sein konnte, andererseits bin ich nun am Ende meiner Kräfte und wäre froh darüber, diese Erinnerung nicht in meinem Herzen tragen zu müssen. Nicht, daß sie sterben mußte ist das Schlimme, sondern WIE! Natürlich ist ihr Tod schon tragisch genug, aber sie so leiden sehen zu müssen, war grauenvoll.
Und genau deswegen kann ich jeden verstehen, der das nicht ertragen kann. Gerade wenn man eine solche Kindheit hatte... Und auch deshalb macht es mich wütend, wenn jemand so unsensibel wie du hier reagiert.
Gruß Betty
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Sira
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Post Thu, 10.Mar.05, 14:01      Re: Begleitung in den Tod? Reply with quoteBack to top

@Betty, Du hast falsch verstanden im Überschwang Deiner Gefühle.
Wink
Sie war nicht unsensibel, sondern ist dankbar für das wunderbare Gefühl, dass sie sich noch verabschieden konnte und durfte, dass sie begleiten durfte... Das finde ich übrigens auch wunderbar...

(@Lui, ich hoffe es ist ok, dass ich was dazu geschrieben habe!)
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lui
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Post Thu, 10.Mar.05, 14:04      Re: Begleitung in den Tod? Reply with quoteBack to top

Betty wrote:
Hallo Lui!
Und auch deshalb macht es mich wütend, wenn jemand so unsensibel wie du hier reagiert.
Gruß Betty


Liebe Betty, ich denke, dass ich keineswegs unsensibel reagiert habe, sondern dass Du meine Worte auf eine bestimmte Schiene bekommst und dadurch überempfindlich reagierst.

Ich kann auch wiederum nur zu Dir sagen, und ich sage es, weil es wahr ist und weil ich es selber so erfahren konnte:

Wenn es möglich ist, das Augenmerk von sich selber und dem eigenen Leid, das man hat, wenn man einen anderen Menschen und sicher auch besonders seine Eltern sterben sieht, zu lösen, wenn es möglich ist, sich ganz in Liebe diesem sterbenden Menschen zuzuwenden, denn ER ist es ja, der stirbt, ER ist es ja, der leidet, dann ist es wunderbar und auch ganz einfach, einen sterbenden Menschen wirklich zu begleiten.
Vielleicht ist es überhaupt nur dann möglich, ihn wirklich zu BEGLEITEN.

Es ist die Liebe zum anderen, die es möglich macht.
Ich habe auch schon Eltern ihre Kinder begleiten sehen, und es war immer die Liebe, die es ihnen möglich gemacht hat, dem Kind beizustehen, für das Kind da zu sein.
Zerfließen Eltern in solchen Lebensphasen in Selbstmitleid, wie sollten sie für das Kind da sein können?

Und ich weiß aus eigener Erfahrung, immer dann, wenn ich mich und mein Leid im Vordergrund hatte, dann ging es mir schlecht, ich konnte nicht so für den anderen da sein. Wenn ich aber voller Liebe für den anderen war, dann schob sich mein eigenes Leid automatisch in den Hintergrund und ich konnte für den anderen da sein.

Liebe Grüße an Dich

lui
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Post Thu, 10.Mar.05, 14:05      Re: Begleitung in den Tod? Reply with quoteBack to top

Danke, Sira, hast mich gut verstanden Smile

Lieben Gruß

lui
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