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Walou
neu an Bord!


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Bayern W, 21
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Tue, 29.Mar.05, 15:49 Hysterische Mutter - herzloses Kind? |
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Hallo,
vielleicht sind einige unter euch dazu bereit, meinen - leider recht langen - Beitrag zu lesen; ich wäre froh, wenn sich einige Antworten finden lassen würden.
Zu meinem Problem:
Ich bin 21, studiere und wohne noch bei meinen Eltern. Mein Vater ist ein sehr gemächlicher und überlegter bis misstrauischer, oft übermäßig besorgter Mensch. Meine Mutter dagegen erlebe ich zunehmend als ein hysterisches Nervenbündel. Wenn sie nicht gerade an ihrem Arbeitsplatz ist, ist sie vom Putzteufel besessen. Gönnt sie sich dann doch einmal eine kurze Auszeit, dann hauptsächlich, um die Todesanzeigen im Wochenblatt durchzugehen oder sich TV-Serien nach dem Schema „die Reichen, Schönen und Glücklichen“ anzusehen und sich, angesichts strahlender Villen und ebenso strahlender Filmstars, schäbig zu fühlen. Sie leidet an jeder erdenklichen Allergie, bekommt von jeder Kleinigkeit Durchfall und Schweißausbrüche und hat offenbar ein masochistisches Vergnügen daran, immer bedenklichere Bilder der Krankheit und des Elends an den Tag zu legen und, als Sahnehäubchen, jegliches Anraten, einen Arzt aufzusuchen, abzulehnen, denn „wie soll der mir schon helfen?“, „der kann doch eh nichts tun“.
Seit nun mein Freund in unserer Nähe wohnt, hat der Terror deutlich schlimmere Ausmaße angenommen: Das Kind ist oft nicht mehr von den elterlichen Mauern umschlossen und kann folglich nicht mehr ausreichend überwacht werden. Nun wird man also zunehmend mit Symptomen unerträglichsten Kummers konfrontiert, hauptsächlich wohl zu dem Zweck inszeniert, mir ein schlechtes Gewissen einzureden. Und es wirkt.
Ich bin ängstlich, verstört, fühle mich, als wäre ich ein abscheulicher Mensch, der die alleinige Schuld am Leiden meiner Mutter trägt. Ich schrieb ihr also einen sechs Seiten langen Brief und teilte ihr, so einfühlsam wie möglich, mit, dass es mich sehr stark belastet, wenn sie sich so verhält.
Eine Weile schien auch alles ganz gut zu funktionieren, doch bereits nach wenigen Tagen ging der Terror wieder los. Als Beispiel, um meine Lage etwas verständlicher zu machen, möchte ich den letzten Vorfall kurz schildern.
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Walou
neu an Bord!


2
Bayern W, 21
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Tue, 29.Mar.05, 15:51 Re: Hysterische Mutter - herzloses Kind? |
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Gestern Abend erwähnte ich in einem Nebensatz, dass ich heute Morgen eventuell zur Universität fahren möchte. Übernachtet habe ich bei meinem Freund, allerdings verschlief ich den völlig belanglosen, beliebig verschiebbaren Termin und erschien heute Vormittag zu Hause. Sofort war klar: Es gibt eine Theatervorstellung. Und dann das Übliche: Das Haus wird geräuschvoll geputzt, der Kühlschrank lärmend durchwühlt, in Mini-Intervallen übertrieben laut geschnieft und geschluchzt, bis dann endlich – ich saß gewiss eine halbe Stunde gelähmt und mit Herzklopfen auf einem Stuhl – die Zimmertür aufgerissen wird und meine Mutter mich verheult anklagt: Ich kümmere mich nicht um sie, ich habe kein Brot für sie gekauft (weil sie am Vorabend auch fröhlich verkündet hatte, dass sie das tun würde und weil ich aufgrund meiner Sozialphobie schon seit vielen Jahren nicht mehr zum Bäcker gehe), ich habe sie den ganzen Vormittag mit dem Hund alleine gelassen und das ängstliche Mädchen, das ich ihr in den sechs Seiten beschrieben habe, gebe es vielleicht in einem Roman, aber nicht in diesem Haus – ich nämlich sei in erster Linie egoistisch und gefühllos.
Das mag vielleicht alles recht banal wirken, aber es belastet mich persönlich sehr stark. Ich liebe mein Studium und lebe zum ersten Mal in einer glücklichen Beziehung, aber letztere sehe ich dadurch bedroht, dass ich mich nun wieder körperlich verletzt habe, und was das Studium und den Rest betrifft, so ziehe ich zunehmend die Option in Erwägung, alles hinzuschmeißen mit meinen letzten kärglichen Ersparnissen das Weite zu suchen.
Ich bin sehr verzweifelt und ratlos, weiß nicht, wie ich mich verhalten soll und ob ich nicht tatsächlich im „Unrecht“ und ein egoistisches Biest bin, daher würde ich mich freuen, durch die Sicht Außenstehender etwas Klarheit zu gewinnen.
Vielen Dank fürs Lesen!
Grüße,
Walou
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Black Bauer
Helferlein


70
in da Hut M, 23
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Wed, 30.Mar.05, 7:40 Re: Hysterische Mutter - herzloses Kind? |
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Guten Morgen Walou,
Ich möchte dir gerne ein paar Fragen stellen: Wie lange wirst du vorraussichtlich noch in deinem Elternhaus wohnen und hast du dort ein Refugium, das auch respekiert wird? Hast du deine Eltern schon mit deren Verhalten konfrontiert? Wenn ja, in welcher Form?
...und bist du eigentlich in Therapie?
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_________________ "you ain't got enough calcium to have a bone to pick" - Ras Kass |
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chilli5
neu an Bord!


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Wien W, 36
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Thu, 31.Mar.05, 11:39 Re: Hysterische Mutter - herzloses Kind? |
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hi,
lass dir bitte nicht einreden, du wärst ein herzloser mensch oder abscheulich oder ähnliches. ich kenne ein ähnliches verhalten meiner mutter und es wurde erst besser als ich von zuhause ausgezogen war. meiner meinung nach tyrannisiert deine mutter die ganze familie - zunächst mit ihren krankheiten - man muss permanent nur auf sie rücksicht nehmen, sie will beachtung (die würde sie doch auch anders bekommen, oder? ohne negativen touch). oder sie hat gemerkt, dass sie die anderen herumkommandieren kann, wenn die auf sie rücksicht nehmen (wegen ihrer leiden). sie sie tut zwar nichts gegen ihre, wahrscheinlich nur eingebildeten krankheiten, denn sie geht ja auch nicht zum arzt. wenn man eine besserung will, sollte man sich doch einmal durchchecken lassen (vielleicht findet sie ja doch einen arzt, der ihr helfen kann). weiters übt sie druck auf dich aus, da sie dich nicht loslassen kann - kinder werden nun einmal erwachsen, haben ihre eigenen interessen und müssen lernen auf eigenen füssen zu stehen. auch wenn manche entscheidungen, sich im nachhinein als falsch erweisen, aber davon lernt man auch. da nützt auch keine überwachung, die meine mutter z.b. bis zum exzess betrieben hat - bis ins kleinste detail wollte sie alles wissen: wo ich war, wer dabei war, was wir gemacht haben,... - und dann ihre besserwisserischen ansagen - meistens mit negativer wertung, sodass ich bald gar nichts mehr erzählen wollte. ich kann mir gut vorstellen, dass es nicht einfach ist, das eigene kind ins leben zu 'entlassen', aber so egoistisch sollte deine mutter auch nicht sein. vielleicht traut sie dir auch nicht viel zu, aber ich glaube eher, sie fürchtet dich zu verlieren und versucht dich somit gefühlsmässig unter druck zu setzen, dich noch weitere zeit an sie zu binden. ich könnte mir auch gut vorstellen, dass sie mit ihrem leben unzufrieden ist - für mich wäre es auch kein lebensinhalt: arbeiten, haushalt, fernsehen und aus. ich weiss nicht, wie die beziehung deiner eltern zueinander ist, vielleicht haben sie sich auseinender gelebt und sie 'fürchtet' sich nun vor der bevorstehenden zeit alleine nur mit ihrem mann oder vor der vorstellung, dass sie, wenn sie mit ihrem leben unzufrieden ist, selbst eine änderung vornehmen muss.
ich möchte deine mutter nicht nur als eigennützig hinstellen - vielleicht handelt sie nur aus tiefster unsicherheit und ist sich ihrer worte und taten gar nicht bewusst, was sie damit bei dir 'anrichtet', wie sehr dich das unter druck setzt und nervt. ich bin aber auch überzeugt, dass dich deine mutter sehr liebt. du könntest deiner mutter versuchen klarzumachen, dass dich ihre art und weise mit dir umzugehen eher dazutreibt von zuhause wegzubleiben/auszuziehen, da sie dich psychisch sehr unter druck setzt. dass du ihr nichts 'böses' antun willst, nur wenn du einmal bei deinem freund übernachest. dass du gerne nach hause kommst, wenn sie nicht jedesmal so ein theater veranstalteten und dir ein schlechtes gewissen einreden würde. dass du gerne mit ihr normal - vielleicht ein mutter-tochter-gespräch führen würdest - oder sie als freundin sehen möchtest(?!). sag ihr, wie du dich fühlst (niedergeschlagen, gefühllos, egoistisch ..) - dass sie das so vermittlet hat und ob sie es dir auch so vermitteln wollte. frag sie, wie sie sich den tag (an dem du sie sooo lange 'alleine' gelassen hast) vorgestellt hätte - wie hätte der tag verlaufen sollen, damit sie nicht gemeckert hätte. dass sie auf den punkt kommen soll, der ihr nicht passt und nicht über, an den haaren herbeigezogenen, nebensächlichkeiten herummeckern soll (ist auch die spezialität meiner mutter: wie die katze um heissen brei) - wo liegt das konkrete problem, was passt ihr nicht....
alles gute für ein klärendes gespräch mit deiner mutter,
martina
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