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camilla
neu an Bord!


2
Baden Württemberg W, 20
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Sun, 10.Apr.05, 12:56 Probleme mit der Mutter - fühle mich wie ein Monster |
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Ich bin fast 21 Jahre alt, komme ursprünglich aus Russland und lebe nun seit 3 Jahren in Deutschland. Als ich noch in Russland lebte, war ich eigentlich ein sehr braves Kind. Ich habe den Eltern noch nie irgendwelche ernste Probleme bereitet und habe meiner Mutter immer alles erzählt.
Bis ich 17 wurde, haben meine Eltern immer versucht uns allen (wir sind 3 Kinder) die heile Welt vorzuspielen. Ich habe natürlich schon ab und zu mitgekriegt, dass es doch nicht so toll war. Sie haben sich oft gestritten. Allerdings haben sie sich immer nach ein paar Tagen wieder versöhnt und alles war in Ordnung. Als ich dann 17 wurde, haben sie uns (den Kindern) eines Tages mitgeteilt, dass sie sich scheiden lassen. Für mich war die ganze Welt zusammengebrochen. Ich muss sagen, dass ich es mir manchmal gewünscht habe, sie trennen sich endlich und streiten nicht so. Das eigentliche Problem war nur, dass ich einige Tage später von meiner Mutter erfahren habe, dass es nie so toll mit den beiden war. Mein Vater sei eigentlich schon immer ein Schwein gewesen und sie wollte es uns einfach nicht sagen. Sie tat mir so leid...
Als mein Vater dann weg war, verbrach ich noch zwei Monate mit meiner Mutter und meiner Schwester zusammen. Meine Mutter hat mir fast jeden Tag noch weitere Geschichten über meine Vater erzählt und ich fing an ihn zu hassen. Ich wollte ihn nie wieder sehen.
Dann bin ich nach Deutschland gefahren (zu meinem Freund). Nach einem Jahr habe ich mitgekriegt, dass manche Sachen, die mir meine Mutter über den Vater erzählt hat, maßlos übertrieben waren. Zusätzlich hatte ich das Gefühl, dass sie mir nie richtig erlaubt hat eigene Meinung zu haben. Sie kann sehr gut sprechen. Jedes mal, wenn sie mit meiner Meinung nicht einverstanden war, hat sie alle meine Argument so hingebogen, dass ich doch unrecht habe. Am Ende habe ich immer das getan, was sie sagte. Nur habe ich das vorher nicht gemerkt, weil ich es für normal hielt, dass meine Mutter alles für mich entscheidet. In Deutschland habe ich dann plötzlich festgestellt, dass ich gar keine Meinung habe und keine Probleme selbst lösen kann. Außerdem teilte sie mir so nebenbei mit, dass sie in Russland regelmäßig mein Zimmer durchgesucht hat um sicher zu gehen, dass ich nichts schlimmes tue...
Da fing es an, dass ich ihr nicht mehr so richtig vertrauen kann. Ich erzähle ihr nicht mehr alles über mich. Wenn wir telefonieren, will ich einfach, dass es bald zu Ende ist. Es ihr sagen konnte ich aber nicht... Das ging jetzt seit einem Jahr so.
Gestern hat sie es mitbekommen. Sie fragte mich, ob mein Vater mich angerufen hat (mittlerweile habe ich wieder langsam Kontakt zu ihm). Ich sagte ihr: frag mich bitte nicht danach, weil ich mit dir nicht darüber sprechen will. Sie war enttäuscht und sagte, sie hätte das Gefühl, dass ich ihr nicht vertraue. Außerdem versteht sie nicht, warum ich eine Psychotherapie mache. Sie tut es doch auch nicht, obwohl es ihr noch viel schlechter geht als mir. Als eine Mutter mit drei Kindern und einem grausamen Ehemann hat sie auch alles überstanden. Sie hat alles für uns getan. Sie sagte, meine Probleme kommen vom „Nichtstun“. Dann sagte sie, dass ich jetzt sehr fremd bin und mich nicht für sie interessiere. Wenn sie jetzte sterben würde, würde ich es gar nicht merken. Genauso wie in Russland – ich hätte sie immer (wie auch alle anderen) wie ein Möbelstück behandelt. Ich würde sie nur dann brauchen, wenn ich Probleme habe...
Sie wird mich jetzte nicht mehr anrufen. Sie sagte, ich soll es tun, wenn ich Lust habe. Ich fühle mich schrecklich: einerseits will ich Abstand von ihr, andererseits fühle ich mich grausam und egoistisch. Ich weiß nicht, was ich tun soll... Ich kann mich mit ihr nicht streiten, ich kann ihr nicht widersprechen... Als ich versucht habe, ihr gestern zu erklären, was mit mir los ist, wollte sie gar nicht richtig zuhören – sie hat dann immer wieder davon angefangen, wie schlecht ich sie behandle. Und ich fühle mich wie ein Monster...
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Nessa
Forums-Gruftie


609
Germany W, 54
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Mon, 11.Apr.05, 15:19 Re: Probleme mit der Mutter - fühle mich wie ein Monster |
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Hallo camilla,
| Quote: | | Und ich fühle mich wie ein Monster... |
Ich glaube, genau das möchte deine Mutter erreichen (und es ist ihr ja auch schon gelungen). Sie tut alles, damit du Schuldgefühle bekommst und dich möglichst viel mit ihr beschäftigst. Das können manche Mütter sehr gut... du bist nicht die einzige, deren Mutter sich so verhält.
| Quote: | | Als ich versucht habe, ihr gestern zu erklären, was mit mir los ist, wollte sie gar nicht richtig zuhören – sie hat dann immer wieder davon angefangen, wie schlecht ich sie behandle. |
Das kommt mir bekannt vor. Du sollst ein schlechtes Gewissen bekommen, damit du dich mehr um deine Mutter kümmerst... eigentlich ist es traurig, wenn eine Mutter zu solchen Methoden greift. Für Außenstehende entsteht der Eindruck, dass deine Mutter nur an sich selbst denkt, für dich aber wenig Interesse hat.
| Quote: | | Sie wird mich jetzte nicht mehr anrufen. Sie sagte, ich soll es tun, wenn ich Lust habe. Ich fühle mich schrecklich: einerseits will ich Abstand von ihr, andererseits fühle ich mich grausam und egoistisch. |
Wahrscheinlich weiß deine Mutter genau, wie du dich fühlst. Das ist ihre Taktik... An deiner Stelle würde ich mich an das halten, was sie dir gesagt hat, und nur anrufen, wenn du dazu Lust und das Bedürfnis hast. Da du ja selbst etwas Distanz möchtest, kommt dir diese Aussage doch entgegen. Vorwerfen kann sie dir das nicht, denn sie hat es ja selbst vorgeschlagen.
Die andere Sache ist, dass du mit deinen Schuldgefühlen nicht so recht klar kommst. Versuch doch einfach, die ganze Angelegenheit etwas sachlicher zu betrachten... Du hast nichts getan (jedenfalls kann ich aus deinem Beitrag nichts herauslesen), was du dir vorwerfen müsstest. Dass du kein Vertrauen mehr zu deiner Mutter hast, hat sie selbst zu verantworten. Du hast jetzt erkannt, dass vieles in eurer Familie nicht so großartig war wie du immer dachtest. Aus diesen Gründen ist es verständlich, dass du Abstand möchtest - den brauchst du meiner Meinung nach auch.
| Quote: | Außerdem versteht sie nicht, warum ich eine Psychotherapie mache.
...
Sie sagte, meine Probleme kommen vom „Nichtstun“. |
Probleme vom Nichtstun? So einfach ist das eben nicht, sonst wärst du nicht in Therapie. Aber dass deine Mutter das versteht, kannst du nicht erwarten, denn dazu müsste sie sich ja mit sich und mit dir und all dem, was früher war, auseinandersetzen...
Ich kann dir nur raten: Geh deinen Weg und tu das, was für dich in Ordnung ist. Du bist volljährig und musst dich nicht für alles vor deiner Mutter rechtfertigen. Vielleicht findest du ja nach der Therapie (oder wenn eine gewisse Zeit verstrichen ist) wieder mehr Zugang zu deiner Mutter, und euer Verhältnis kann sich neu entwickeln und besser werden.
Liebe Grüße
Nessa
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Nora87
sporadischer Gast


11
Hessen W, 19
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Mon, 11.Apr.05, 15:42 Re: Probleme mit der Mutter - fühle mich wie ein Monster |
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Hallo camilla,
ich kann Nessa nur zustimmen.
Ich denke, dass es genauso ist wie sie es beschrieben hat.
Geh deinen Weg denn du bist nicht für deine Mutter verantwortlich sondern in erster Linie für dich selbst.
Das mit den Schuldgefühlen kenne ich nur zu gut...sie sind sinnlos.
Aber ich finde es total klasse, dass du eine Therapie machst, lass dir das bloß nicht von deiner Mutter ausreden!
Ich wünsche dir viel Kraft und Mut und natürlich auch viel Glück
Liebe Grüße
Nora
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camilla
neu an Bord!


2
Baden Württemberg W, 20
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Mon, 11.Apr.05, 16:42 Re: Probleme mit der Mutter - fühle mich wie ein Monste |
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Hallo,
danke für Ihre Antworten. Ich versuche mich jetzt seit diesem Gespräch am Samstag zu beruhigen und die Dinge klar zu sehen. Es hilft mir sehr die Meinung von jemandem zu hören, der nichts mit der Sache zu tun hat. Danke!
Gestern habe ich meiner Mutter einen Brief geschrieben; ich habe versucht ihr alles zu erklären. Ich schrieb, dass es mir weh tut, wenn sie meine Probleme nicht für wichtig hält. Ich dachte, auf dieser Weise muss sie mir zuhören. Ich hoffe nur, dass sie dann immernoch mit mir redet...
Ich weiß, dass ich jetzt eigentlich nicht mehr auf meiner Mutter angewiesen bin (auch nicht finanziell), aber ich traue mich trotzdem nicht den Kontakt völlig abzubrechen. Ich habe Angst davor. Ich verstehe nicht, warum ich das nicht tun kann - als würde es mir gefallen mich selbst zu quälen...
Danke nochmal,
camilla
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Nora87
sporadischer Gast


11
Hessen W, 19
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Wed, 13.Apr.05, 13:16 Re: Probleme mit der Mutter - fühle mich wie ein Monster |
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Hallo camilla,
du musst den Kontakt ja nicht ganz abbrechen.
Und was mir noch aufgefallen ist, dass du deiner Mutter alles erklären möchtest aber du musst dich nicht vor ihr rechtfertigen.
Wenn du sagst, dass du nicht mit ihr sprechen möchtest ist das eben so und sie muss es akzeptieren.
Dahinter stecken wohl die Schuldgefühle....
LG
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Elumina
sporadischer Gast


23
W, 33
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Wed, 27.Apr.05, 17:42 Re: Probleme mit der Mutter - fühle mich wie ein Monste |
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Hallo Camilla,
hör auf dich selbst und geh deinen eigenen Weg. Lass dich nicht erpressen.
Es gibt Mütter, von denen muss man sich distanzieren. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass sich euer Verhältnis dann normalisiert, wenn sie klar sieht, was sie bei dir angerichtet hat.
Sie ist für sich selbst verantwortlich, auch für ihre Fehler. Klar kann sie dich um Hilfe bitten, aber Vorwürfe und Schuldzuweisungen würde ich eher als Erpressungsversuche ansehen, denn als Hilfsgesuche.
Dein Vertrauen muss sie sich erst wieder verdienen. Eltern sind auch nur Menschen und machen Fehler. Haben sie uns nicht immer beigebracht, dass man Fehler auch wieder gut machen kann? Ich denke, du hast das auch so gelernt. Dann würde ich vorschlagen, deine Mutter kann sich mal bei dir entschuldigen für die Spionage in deinem Zimmer. Dir fallen sicher noch mehr Sachen ein, oder?
Also, lass dich nicht entmutigen, auch wenn es irre schwer ist. Und denke immer daran: Es ist dein Leben. Du hast jedes Recht, es nach deinen Vorstellungen zu leben und musst niemanden um Erlaubnis fragen.
Liebe Grüße
Elumina
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