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Tochter
neu an Bord!


1
Bremen W, 39
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Fri, 20.May.05, 23:07 Trennung von der Mutter? |
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Liebe Nessa,
habe hier einige deiner Antworten gelesen, was mich motiviert hat, mit dir in Kontakt zu treten. Ich habe folgendes Problem:
Ich fühle mich mein Leben lang ungeliebt von meiner Mutter. Sie hatte mich mit 19 geboren, mein leiblicher Vater ist aber nicht bei ihr geblieben, wie sie geglaubt hatte. Dann hat sie mich ein Jahr lang in ein Säuglingsheim geschickt (am WE hat sie mich immer nach Hause geholt oder besucht). Nach diesem ersten Lebensjahr holte sie mich ganz zu sich nach Hause und hatte wohl auch schon meinen Stiefvater kennengelernt (meiner Meinung nach hat sie ihn für mich gesucht, denn eine warmherzige Beziehung zwischen den beiden konnte ich nie feststellen). Als ich 10 Jahre alt war, sagte sie mir, dass er nicht mein Vater sei. Ich hatte es wohl schon immer geahnt. Beide haben mir im Grunde ein ordentliches Leben gegeben. Es war alles geregelt und alles da, was man so brauchte - nur keine Nestwärme.
Meine Mutter hatte mich das erste Mal zur Begrüßung etwas umarmt und ein Bussi gegeben, als sie sah, dass meine (damals zukünftigen Schwiegereltern) mich so herzlich begrüßten. Bei uns zu Hause gab es keine körperlichen Zärtlichkeiten usw. Für mich war das alles so normal, denn ich kannte es ja nicht anders. Die Fröhlichkeit und Zuneigung, die es zwischen meinen Schwiegereltern gab, hat mich damals ziemlich verwundert.
Als ich vor 16 Jahren meine Tochter geboren hatte, bin ich ein paar Wochen später in ein sogenanntes Loch gefallen, weil mir da das erste Mal bewusst wurde, wie eine Mutter-Tochter-Beziehun normalerweise ist - und wie kalt es bei uns zu Hause zuging. Wohlgemerkt, es war nur sehr kalt - nicht unordentlich, nicht schmutzig, kein Alkohol und keine Zigaretten, nach außen hin, alles in Ordnung.
Meine Mutter mischt sich ständig in mein Leben ein, in dem sie z.B. überall Kommentare zugibt, ob das die Erziehung meiner Tochter war, ob das die Wahl meines Mannes war (von dem ich inzwischen 10 Jahre geschieden bin), andere Partner, wie ich mit Geld umgehe usw.
Sie behandelt mich, wie ein kleines Kind. Und worüber ich mich am meisten ärgere, ich verhalte mich dann auch so. Ich rechtfertige mich vor ihr, ich ärgere mich schon vorher, weil ich weiß, was kommt, wenn ich mich nicht nach ihren Vorstellungen verhalte. Letztendlich habe ich ständig versucht, mich nach ihren Wünschen zu verhalten, um endlich mal ihre Liebe zu bekommen. Aber das ist einfach nicht möglich. Ich habe auch nicht das Gefühl, dass ich ihr völlig egal bin - und trotzdem ertrage ich sie nicht mehr - bzw. ich will es nicht mehr.
Nun wird sie 60 Jahre alt und ich habe abgesagt. Das erste Mal in meinem Leben, dass ich solch eine weitreichende und sicherlich konsequenzreiche Entscheidung gegen meine Mutter treffe. Mein Gefühl gibt mir dabei allerdings Ruhe.
Nun bin ich wegen Nackenprobleme in Akkupunkturbehandlung. Der Arzt (überzeugter TCM) mahnt mich allerdings, dass ich trotzdem zum Geburtstag fahren sollte, um später nicht noch mehr Schwierigkeiten zu haben. Ich will keinen Krieg mit meiner Mutter - ich will einfach nur ganz ganz viel Abstand.
Was denkst du darüber. Ich bin schon jetzt neugierig auf deine Reaktion. Herzlichen Dank im Voraus!
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Nessa
Forums-Gruftie


609
Germany W, 54
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Sat, 21.May.05, 10:43 Re: Trennung von der Mutter? |
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Hallo Tochter,
ich bin etwas überrascht, dass du mich so direkt ansprichst, es freut mich natürlich auch, dass du auf meine Antwort wert legst... aber es hätte gut sein können, dass ich deinen Beitrag gar nicht lese, denn ich kann hier bei der Unmenge von Posts nicht alles lesen. Außerdem gibt es sehr viele Mitglieder hier, die dir genau so gut oder sogar besser als ich eine Antwort geben könnten.
Ich kann sehr gut verstehen, dass du dich von deiner Mutter distanzieren möchtest. Während deines ersten Lebensjahres (ein ganz wichtiges, was die Mutter-Kind-Beziehung betrifft) warst du hin- und hergerissen zwischen deiner Mutter und dem Heim. Ich finde es zwar bemerkenswert, dass sich deine Mutter am Wochenende um dich gekümmert hat, aber eine richtige Beziehung konntest du wohl nicht aufbauen. Ganz klar, die Nestwärme hat dir gefehlt... das macht sich sehr wahrscheinlich heute noch bemerkbar. Wenn ich lese, wie es weiterging, dann scheint deine Mutter zwar dafür gesorgt zu haben, dass alles funktioniert, du ein Zuhause und ein geregeltes Leben hattest, aber wirklich wesentliche Dinge sind dabei auf der Strecke geblieben. Vielleicht hatte deine Mutter aber selbst keine Geborgenheit in ihrer Kindheit? Vielleicht hat sie selbst nie viel Zuneigung und Wärme bekommen... weißt du etwas darüber?
| Quote: | | Sie behandelt mich, wie ein kleines Kind. Und worüber ich mich am meisten ärgere, ich verhalte mich dann auch so. Ich rechtfertige mich vor ihr, ich ärgere mich schon vorher, weil ich weiß, was kommt, wenn ich mich nicht nach ihren Vorstellungen verhalte. |
Das wundert mich nicht. Du entsprichst genau den Erwartungen deiner Mutter. Du bist in deiner Rolle gefangen, so wie sie in ihrer. Vielleicht will sie heute unbewusst etwas nachholen, was sie früher, als du klein warst, versäumt hat. Es wird ziemlich Energie kosten, diese eingefahrenen Muster zu durchbrechen. Vielleicht hilft es tatsächlich, wenn ihr euch eine Zeitlang aus dem Weg geht. Vielleicht gibt das den Anstoß, dass deine Mutter nachdenkt. Aber: Du solltest nicht erwarten, dass deine Mutter sich ändert. Ändern kannst du nur an dir selbst etwas, an deiner Einstellung und deinem Verhalten. Daraus könnten sich dann auch Änderungen in eurer Beziehung ergeben.
| Quote: | | Nun wird sie 60 Jahre alt und ich habe abgesagt. Das erste Mal in meinem Leben, dass ich solch eine weitreichende und sicherlich konsequenzreiche Entscheidung gegen meine Mutter treffe. Mein Gefühl gibt mir dabei allerdings Ruhe. |
Wie hat deine Mutter denn darauf reagiert? Akzeptiert sie deine Entscheidung so einfach? Dein Gefühl gibt dir Ruhe... das heißt, du hast kein schlechtes Gewissen und fühlst dich wohl damit (was ich mir bei mir nicht vorstellen könnte). Ich frage mich nur, warum du gerade den 60. Geburtstag zum Anlass nimmst, ihr zu zeigen, dass du Abstand brauchst. Du könntest es auch weniger "dramatisch" einleiten. Wahrscheinlich aber hast du innerlich, für dich, die Distanzierung schon vollzogen, diese Absage ist nun die Konsequenz nach außen, für alle sichtbar. Wenn es für dich so in Ordnung ist, du auch mit den Konsequenzen klar kommst, dann solltest du es so machen. Die Bedenken deines Arztes kann ich aber verstehen, er denkt vielleicht noch etwas weiter in die Zukunft und meint, dass durch so einen abrupten Abruch der Beziehung weitere Schwierigkeiten vorprogrammiert sind...
Liebe Grüße
Nessa
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