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baerin
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Post Mon, 10.Oct.05, 21:19      Die Mauer in den Köpfen... Reply with quoteBack to top

... ich komme aus sachsen und studiere seit einigen jahren in nordrhein-westfalen. als ich herkam, stand ich einer menge vorurteilen und blöden kommentaren gegenüber... angefangen von: 'Hattet ihr denn wirklich keinen Bananen?' über 'Ausm Osten? Das sieht man dir gar nicht an?!' Shocked und denkweisen die wirklich unglaublich sind. es ist beispielsweise für viele westdeutsche immernoch unvorstellbar, die neuen bundesländer zu besuchen - sie halten die menschen dort für dumm oder weniger wert. das habe ich mir wirklich!!!! anhören müssen! Evil or Very Mad
mittlerweile habe ich mir ein dickes fell angeschafft und gute sprüche gesammelt, die ich kontern kann, denn merkwürdigerweise kommen häufig diesselben sprüche.
und ich finde, es müssten bestimmte vokabeln einfach aus der deutschen sprache gestrichen werden - die diese ganze thematik nur noch schüren: wie beispielsweise "drüben" und "ossi/wessi"... es geht auch anders...
es gibt aber natürlich auch positive meinungen über ostdeutsche: wir sind beispielsweise freundlicher und weniger arrogant wurde mir mal gesagt... Rolling Eyes Smile

mich würde nunmal interessieren: hat jemand auch solche erfahrungen gemacht? (es gibt ja genügend menschen, die pendeln oder umgezogen sind...) ist bei euch die mauer denn auch noch in den köpfen? glaubt ihr, daß sich das mit der nächsten generation schon ändert - oder erst dann wenn es keine generation mehr gibt, die ihre vorurteile weitergeben kann?
und an die leser aus österreich: wie seht ihr deutschland? seht ihr es auch als zweigeteiltes oder als ein land? oder sind es nur die deutschen, die sich damit schwer tun? Rolling Eyes
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Hiob
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Post Mon, 10.Oct.05, 23:29      Re: Die Mauer in den Köpfen... Reply with quoteBack to top

Liebe Bärin,

in meinen Augen verhalten sich die Menschen so, wie sie es bei ganz vielen Themen machen. Sie sind nicht in der Lage, sich eine eigene Meinung zu bilden. Daher triffst du auch bei diesem Thema immer auf die „gleichen Formulierungen“. Die Meinungsmacher streuen geschickt Meldungen, die die Menschen nicht durchschauen. Einzelfälle werden verallgemeinert, sodass der „steuernsparende Zahnarzt“ aus dem Westen als Abzocker und der neureiche Ostdeutsche als (logischerweise faule) Einheitsgewinner ...schließlich scheinbar für alle gelten. Ein Sündenbock als Projektionsfläche für eigene Enttäuschungen ist dann recht schnell gefunden. (Wir Deutschen haben Erfahrung damit.)

Leider stinkt die in den Medien geführte Diskussion und die Lügen, bis hin zu „Kosten der Einheit“ bis zum Himmel, sadass es dem ruhigsten Gemüt schwer fällt, hier sachlich zu bleiben. Ich finde jedoch, dass man endlich aufhören sollte gegenseitig Vorwürfe und Besitzansprüche auszutauschen und sich den anderen mal als Mensch anschauen kann. Einen Menschen hab ich mir von „drüben“ schon genauer angeschaut...und er ist verdammt lieb und entspricht nicht den gängigen Vorurteilen. *lächel* Obwohl ich deine Erfahrungen teile, liebe Bärin, ist das nicht das einzige „positive Gegenbeispiel“, was ich erlebe.

Eines sollte vielleicht noch erwähnt werden...man kann keine Region befrieden, wenn man dem Verlierer zu verstehen gibt, dass er nichts wert ist. Die Demütigungen, die du täglich erfährst, sind das im Kleinen, was im Großen geschah. Die Lebensleistung von 16 Mio Menschen wurde auf einen Schlag ausgelöscht, ihre Kultur und Sprache verhöhnt und ihre Lebensweise als primitiv belächelt. Hier liegen große Versäumnisse in der Politik und das ist ein menschlicher Fehler unter dem nun Menschen im gesamten Bundesgebiet leiden und deren Sorgen von ach so weit entwickelten Intellektuellen in Medien und Wirtschaft immer wieder mit neuen Lügen gefüttert werden. Ich fürchte, es wird noch Generationen dauern, bis die Mauern allerorts bröckeln, daran werden auch die Imagekampagnen der neuesten Generation nichts ändern. Naja, meine bröselt jedenfalls.

Es liegt an uns, wenigstens den Teil dazu beizutragen, dass sich daran etwas ändert..aber vielleicht, wie bei so vielem, nicht durch unser geschwollenes Gerede, sondern durch unser Verhalten. Es liegt an uns, heute noch, mit der Arroganz und dem trotzigen Neid aufzuhören. Ich glaube nicht an einen christlichen Gott, aber wie Jesus gesagt haben soll, wenn dich einer auf die eine Seite schlug, sollst du die andere noch hinhalten...dann tue ich das... nicht aus einem Glauben, sondern damit er mein ganzes Gesicht mal sieht. *spitzbübisch kuck * Verstehst du, was ich mit dem letzten Satz meine? Rolling Eyes

Grüße
Hiob
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ronja räubertochter
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Post Thu, 13.Oct.05, 18:03      Re: Die Mauer in den Köpfen... Reply with quoteBack to top

hallo bärin!
mir geht es auch so. ich studiere zwar als ossi ooch noch im osten, aber hab zufällig fast nur mit "wessis" hier zu tun und bin sozusagen ein bisschen ein "unikat"... Wink

naja, die fragen und vorurteile fand ich erstmal recht witzig, weil ich ja auch welche habe Mr. Green . aber als ich mir dann anhören musste:
"ihr ossis wollt ja eh alle nur die mauer zurück. ihr redet ja nur von eurer guten alten ddr und seid allesamt rote socken. das ist nicht zum aushalten hier!" war mir das nicht mehr egal! ich hab mich richtig beleidigt gefühlt!

ja, irgendwie gibt es diese mauer noch - auch in unserer generation - leider. ich spüre sie auch manchmal in meinem kopf, wenn mir jemand besonders egoistisch entgegenkommt, oder nur aufs äußere achtet, oder sich so furchtbar geziert ausdrückt, dann denke ich gern: "ach, wessi!"
obwohl ich genau weiß, dass das vielleicht dumm ist.
andererseits hatten wir wirklich eine "andere" kindheit.


aber ich weiß auch was lustiges zu berichten:
eine kommilitonin bekommt von ihrer großmutter alle 2 wochen ein "westpäcken" geschickt mit süßkram und maggi-beutelchen usw. auch warme socken und so sind da drin. weil die omi immer noch glaubt, dass es hier nichts süßes gibt und wir noch alle mit kohle heizen. auf alle einsprüche ihrer enkelin antwortet die gute frau: " ach kindchen, du warst schon immer so bescheiden. dass du nun auch noch da drüben studieren musst!" Laughing

liebe grüße von ronja
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baerin
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Post Thu, 13.Oct.05, 19:15      Re: Die Mauer in den Köpfen... Reply with quoteBack to top

Laughing Laughing Laughing Laughing das is ja süß von der oma... Laughing Laughing Laughing Laughing
schöne anekdote (schreibt man das so? Confused ) - aber irgendwie auch traurig.

ich frag mich, was man genau "gegen" sowas tun kann. aus ner lieben omi ist sowas nicht mehr rauszubekommen, aber wie gesagt, man merkt es ja auch an unserer generation.

erschreckend finde ich, daß es selbst bei den jüngeren so ist. Rolling Eyes wann wird das besser...
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Sanguine
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Post Fri, 14.Oct.05, 19:21      Re: Die Mauer in den Köpfen... Reply with quoteBack to top

Hallo ihr,

ich komme aus dem Westen, habe 1 Semester im Osten studiert und bin jetzt wieder für ein anderes Studium "zurück im Westen" (was nichts mit dem Osten zu tun hatte, nur mit der Entfernung von meinem Freund und dem Studienfach).
Bei beiden Städten bin ich niemandem begegnet, der Sprüche über "Ossis" bzw. "Wessis" abgelassen hat. Ich weiß nicht, ob es an der Uni Leute gab (oder an meiner neuen FH gibt), die in der Hinsicht anders waren, ich habe wie gesagt nur Leute getroffen, denen es egal war, wo du herkommst.
Als ich so um die 13 war, kann ich mich noch daran erinnern, dass ich als einziges "Westmädchen" in einem Ferienlager im Osten einige nicht gerade witzige Sprüche abbekommen habe und damals gar nicht kapiert hab, was die damit meinen Rolling Eyes . Aber das war die einzige negative Erfahrung bis jetzt und ist auch schon etwas her Wink .

Lg, Sanguine

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Louisa
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Post Mon, 12.Dec.05, 14:14      Re: Die Mauer in den Köpfen... Reply with quoteBack to top

Hallo baerin

mit 17 lebte ich für ein Jahr in München, zwecks Ausbildung. Damals fand iich diese "Zweiteilung" und diese Sprüche auch schrecklich. Anschluß fand ich auch keinen richtigen. Also bin ich dann wieder zurück in den "Osten".
Mittlerweile lebe ich seit gut fünf Jahren wieder im "Westen" (erst bei Augsburg, jetzt Rosenheim) und muß sagen, daß sich meine und mittlerweile auch die Meinung der Westdeutschen geändert hat. Im Gegenteil, ich habe nur positive Erfahrungen gemacht. Und in den letzten Jahren habe ich erfahren, daß die Münchner im Allgemeinen ein Völkchen für sich sind (natürlich nicht alle! Smile ) und der bayerische Humor auch so seine Eigenheiten hat. Vielleicht habe ich es damals auch deshalb überbewertet.
Es wird sicherlich noch sehr lange Zeit dauern, ehe das mal ganz aus den Köpfen raus ist. Gerade jetzt vor und nach den Wahlen, war das Thema Ostdeutschland und die damit verbunden Kosten der Einheit, die hohe Arbeitslosigkeit in den neuen Ländern wieder sehr hoch im Kurs. Das hat natürlich wieder ein kleines Feuerchen entfacht. Aber das hat wohl weniger mit den Ostdeutschen, als mit der allgemeinen Unzufriedenheit und der Zukunftsangst zu tun.
Generell würde ich sagen, daß die, die solche Sprüche ablassen, vom Charakter und vom Typ Mensch her auch nichts für uns wären, wenn sie z.Bsp. Ostdeutsche wären. Mit anderen Worten, es gibt überall solche und solche.

LG
Luisa
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Bärchen
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Post Thu, 15.Dec.05, 16:07      Re: Die Mauer in den Köpfen... Reply with quoteBack to top

baerin wrote:

und an die leser aus österreich: wie seht ihr deutschland? seht ihr es auch als zweigeteiltes oder als ein land? oder sind es nur die deutschen, die sich damit schwer tun? Rolling Eyes

Dazu muß ich sagen, daß meine beiden Exfreundinnen Deutsche waren (Rheinland- Pfalz/ Bayern), und ich nur gute Erfahrungen mit Deutschen gemacht habe.
Dieses Ost- West Getue will ich nicht spezieller beurteilen, da ich aufgrund meiner politischen Tätigkeit befangen bin. Für die einen zählt halt Egoismus, Konkurrenzdenken, Kapital, und für die anderen der Mensch.
Der Film "Goodbye Lenin" bringt es auf den Punkt.
"Die Grenzen werden für Flüchtlinge aus dem Westen geöffnet, denn nicht jeder kommt mit Konsumterror und Ellbogenmentalität zurecht...." Very Happy

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Post Thu, 15.Dec.05, 16:27      Re: Die Mauer in den Köpfen... Reply with quoteBack to top

öhm...

Quote:
Dieses Ost- West Getue will ich nicht spezieller beurteilen, (...). Für die einen zählt halt Egoismus, Konkurrenzdenken, Kapital, und für die anderen der Mensch.


Wer sind die einen und wer die anderen? So spontan lese ich da ein ziemliches schwarz-weiß Urteil heraus?

Zum Thema fiel mir der Dialekt ein. Wird über Dialekte geredet, kann der eine den Rheinländer nicht "hören", der andere den Hessen nicht usw...Ich kenne niemanden (wobei ich ja relativ gesehen nur wenige Menschen der 80 Mio kenne), der Sächsisch als einen wohlklingenden Sprachakzent beurteilt. Vielleicht hat die Mauer in den Köpfen auch damit etwas zu tun?

Lg,

Irrlicht

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Post Thu, 15.Dec.05, 16:45      Re: Die Mauer in den Köpfen... Reply with quoteBack to top

Wissenschaftliches Denken geht a priori von einem Schwarz- Weiß Denken aus. Die ganzen Schattierungen kommen erst später dazu.
Der Mensch wird durch das soziale Umfeld so wie er ist. Da gibts dann wieder Unterschiede. Politisch gesehen ist es entscheidend, welches System welchen Menschen schaffen will.
Will man einen braven, dummen Konsumenten, oder einen intelligenten, sozialen Bürger. Smile

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Post Thu, 15.Dec.05, 17:11      Re: Die Mauer in den Köpfen... Reply with quoteBack to top

[quote="Bärchen"]
Quote:
Wissenschaftliches Denken geht a priori von einem Schwarz- Weiß Denken aus.


??????

hast du mal was von divergentem Denken gehört?

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Bärchen
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Post Thu, 15.Dec.05, 17:16      Re: Die Mauer in den Köpfen... Reply with quoteBack to top

Nein, aber ich hab auch noch nie von tanzenden Irrlichtern gehört. Very Happy Inwiefern kann divergentes Denken zu einem konstruktiven Ergebnis führe? Auf den ersten Blick erinnert mich das ein bißchen an den Revisionismus der Menschewiki. Aus welchem Bereich kommt dieser Ausdruck?
Sollten wir die wissenschaftliche Diskussion nicht wo anders hinposten?

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Post Fri, 16.Dec.05, 9:49      Re: Die Mauer in den Köpfen... Reply with quoteBack to top

Hi,

nein, ich möchte den Thread nicht abspalten, weil ich denke genau hier gehört es rein, wie Menschen zu Vorurteilen gelangen.
Divergentes Denken als Begriff kommt aus der Erkenntnistheorie (aber nat. auch wichtig in der Kognitionspsycholgie). Frei umschrieben ist damit gemeint, dass man sich nicht elektizistisch auf eine mögliche Theorie oder Hypothese stürzt und diese als gültige Wahrheit betrachtet, sondern in die verschiedensten Richtungen sieht. Wissenschaft die, wie du schreibst, a priori dichotom ist, ist in meinen Augen keine und ich kenne niemanden, der so arbeitet *g
Vielleicht reden wir auch aneinander vorbei und ich versteh dich falsch. Aber die Aussage "die einen Menschen sind immer so und so und die anderen immer so und so" ist ein Vorurteil in Reinform Wink

Den Prozess der Vorurteilsbildung und mögliche Gründe dafür hat meiner Meinung nach Adorno sehr gut beschrieben. Seine Studien zum autoritären Charakter kann ich echt zum Lesen empfehlen Smile

Lg,

Irrlicht

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Post Fri, 16.Dec.05, 11:02      Re: Die Mauer in den Köpfen... Reply with quoteBack to top

privjet,

man muß natürlich in verschiedenste Richtungen forschen, die Frage ist, inwiefern man dann zu einem Ergebnis kommen kann, wenn es sich nicht um eine naturwissenschaftliche Wissenschaft handelt? Sobald ein Faktor auftritt, der die These nicht erfüllt, scheitert die Theorie schon.
Zurück zum Thema: Gerade bei Menschen gibt es verschiedene Varianten, und man kann nie ein Urteil abgeben, wahrscheinlich nicht einmal über eine Person, da das wieder von der Tagesverfassung abhängt, und vielen anderen Komponenten.
Leben wir dann in einer Gesellschaft voller Individuen, die sich, jeder für sich selbst, der Handwerklerei verschreiben, und inwiefern ist dann politische Philosophie relevant?
Inwiefern kann man Theorien aufstellen, die auf die Mehrheit einer Gruppe zutreffen? Shocked

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Post Sat, 17.Dec.05, 10:00      Re: Die Mauer in den Köpfen... Reply with quoteBack to top

Guten Morgen,

Quote:

Sobald ein Faktor auftritt, der die These nicht erfüllt, scheitert die Theorie schon.


Richtig!
Exakt das ist der Sinn von Wissenschaft Smile
Eine Wissenschaft, die sich nicht versucht zu widerlegen, ist keine!

Quote:
Gerade bei Menschen gibt es verschiedene Varianten, und man kann nie ein Urteil abgeben, wahrscheinlich nicht einmal über eine Person, da das wieder von der Tagesverfassung abhängt, und vielen anderen Komponenten.

Genau!
Für menschliche Eigenschaften kann von einer Funktion aus genetischen Bedingungen und Umweltbedingungen ausgegangen werden. D.h. also, dass Menschen nie exakt vorhersehbar handeln, weil es viel zu viele beeinflussende Faktoren gibt. Sinn der Psycholgie ist es aber, Prognosen über menschliches Verhalten aufzustellen: und - in einem gewissen Rahmen ist dies auch möglich. Zum Beispiel wenn ein Mensch Angst hat: die physiologische Veränderung läuft immer gleich ab (zB Erhöhung des Herzschlages, Gedankenflucht usw usf). Auch ist es wahrscheinlich, dass Menschen in bestimmten Situationen alle Angst haben (zB Bedrohung des Lebens). Wie stark diese Angst ist und welche Handlungen dementsprechend folgen ist wiederum persönlichkeits- und situationsbedingt.
So kann man auch Theorien über das Zustandekommen von Vorurteilen (die sich dann ja auf eine Gruppe von Menschen beziehen) bilden, die über das Individuelle hinausgehen.
Menschen suchen einerseits die Bindung zu einer sozialen Gruppe. Diese Gruppe hat bestimmte Gemeinsamkeiten (Lorenz sagt dazu "Scheinartenbildung"). Gemeinsamkeiten wiederum bedeuten, sich von anderen Gruppen abzugrenzen - und dies geschieht dem Grunde nach aus Angst vor Fremden, die eigene Gruppe möglicherweise bedrohlichem (ob nun rational oder nicht ist dabei egal). Wenn die Christen also neidisch auf die Juden waren, weil diese mit Geld handeln durften und zugleich Angst vor den fremden Ritualen haben, sind die Juden also die Bösen. Wenn deutsche Jugendliche Angst um ihre berufliche Existenz haben und neidisch auf die (vermeintliche oder tatsächliche) Unterstützung anderer Menschengruppen haben, suchen sie fremdenfeindliche Gemeinsamkeit untereinander.

Was nun die hier angesprochene "Mauer in den Köpfen" angeht, kann man auch schauen: wo sind die Neid-Anteile? Wo sind die Angst-Anteile? Wo sind die Scheingruppenbildungsprozesse?
Natürlich ist meine Darstellung sehr arg verkürzt, ich hoffe aber der Kern meiner Aussage kommt durch Smile

Lg,

Irrlicht

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Naomi
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Post Sat, 17.Dec.05, 23:43      Re: Die Mauer in den Köpfen... Reply with quoteBack to top

hallo bärin,

es tut mir leid, dass du solche erfahrungen machen musstest. ich fürchte, dass tatsächlich viele leute aus w-deutschland sich einfach nur überlegen fühlen, ohne nachzudenken, welche ideen aus dem ehemaligen osten denn gut gewesen sind. hier geht´s ums liebe geld...

baerin wrote:
und ich finde, es müssten bestimmte vokabeln einfach aus der deutschen sprache gestrichen werden - die diese ganze thematik nur noch schüren: wie beispielsweise "drüben" und "ossi/wessi"... es geht auch anders...


ja, der meinung bin ich auch.

Quote:
es gibt aber natürlich auch positive meinungen über ostdeutsche: wir sind beispielsweise freundlicher und weniger arrogant wurde mir mal gesagt... Rolling Eyes Smile


naja, über positive vorurteile freut man sich dann natürlich.
ich habe aber im grunde sehr nette leute aus ostdeutschland aber auch aus westdeutschland kennengelernt. und vor allem aus westdeutschland auch sehr überhebliche. vermutlich steigt die überheblichkeit statistisch gesehen tattsächlich mit dem pro-kopf-einkommen. was keine aussage über einzelne menschen sein soll...

Quote:
und an die leser aus österreich: wie seht ihr deutschland? seht ihr es auch als zweigeteiltes oder als ein land? oder sind es nur die deutschen, die sich damit schwer tun? Rolling Eyes


ich tue mich damit nicht schwer, österreich ist aber auch eine eigenes land. allerdings kennen wir in österreich solche bezeichnungen wie "ösi" sehr gut, ich kann dir also nachempfinden. bei nachfragen ist das alles dann ganz lieb gemeint, aber meiner meinung nach drückt es etwas aus, dass man die da eben nicht ernst nehmen müsse. daher mag ich solche bezeichnungen auch nicht, und lehne so wie du so ossi/wessi-bezeichnungen auch ab.

es freut mich jedenfalls, dass du dich jetzt schon wohler fühlst und gelernt hast, mit diesen vorurteilen gut umzugehen.

lg, naomi

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