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Jessie
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Post Sat, 14.Jun.03, 22:09      Psychologiestudium mit Anorexie ??? Geht das ? Reply with quoteBack to top

Hallo an alle, die dies hier lesen ! Bin heute zum ersten Mal hier und daher noch etwas verunsichert. Hoffe, daß mir irgendjemand von Euch Tips oder Ratschläge geben kann.
Also dann fang ich einfach mal an. Bin 25 Jahre alt, habe eine Lehre als Rezpetionstin abgeschlossen, dann einige Jahre für einen Rechtsanwalt gearbeitet und nebenbei die Abend-HAK besucht und steck grad mitten in der Matura. Smile (Bitte alle Daumen drücken)

Vor einiger Zeit, eigentlich schon letztes Jahr habe ich plötzlich beschlossen, im Herbst mit einem Psychologiestudium beginnen zu wollen, allerdings habe ich noch keine Ahnung, in welche Richtung, da ich nicht unbedingt in der klinischen oder Gesundheitspsychologie arbeiten möchte.

Allerdings gibts da seit 10 Jahren etwa noch die Magersucht, mit der ich mittlerweile mehr oder weniger lebe. Ich bin zwar nun wieder in Therapie, bekomme es aber trotzdem nicht auf die Reihe und im Moment ists wieder ziemlich drastisch.
Und daher bin ich auch jetzt am Zögern, ob ich tatsächlich geeignet bin für ein Psychologiestudium. Irgendwie kommt es mir unästhetisch vor, als selbst "Kranke" ein derartiges Studium zu machen.
Ich möchte es wahnsinnig gern, nicht um mir selbst zu helfen, sondern, weil es mich interessiert und weil ich hoffe, daß ich irgendwann vielleicht doch noch von der Anorexie loskomme und dann auch in einem derartigen Beruf arbeiten kann.
Aber was ist, wenn ich es nicht schaffe ? Dann war das Studium umsonst, weil mit Sicherheit niemand eine magersüchtige Psychologin einstellt.
Kann mir jemand seine Meinung dazu schreiben ?
Danke
Liebe Grüsse
Jessie
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Schokonudel
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Post Sat, 14.Jun.03, 23:03      Psychologiestudium mit Anorexie? Reply with quoteBack to top

Hallo Jessie,

ich finde es schwierig pauschal zu beantworten, ob du für dieses Studium geeignet bist.

Ich denke mal, da gibt es zwei Seiten.

Die eine ist, du hast während dieses Studiums ganz neue Möglichkeiten dich selber zu entdecken und vielleicht rägt das sogar zu einem Heilungsprozess bei. Auf jedem Fall denke ich, dass du dich besser verstehen lernen wirst und das kann auch schon sehr hilfreich sein. Auch denke ich ich Leute, die selber krank sind mit einem ganz anderem Verständnis und Engagement an ihre Arbeit gehen und dadurch viel einfühlsamer sind.

Auf der anderen Seite ist da natürlich das Problem, dass gerade psychisch kranke Menschen sehr verletzend sein können und da braucht man schon ein dickes Fell um das aushalten zu können. Auch kann es leicht zur Selbst - Identifikation kommen, es kann schwierig sein die nötige Distanz zu finden, was sich sehr belasten auswirken kann.

Ichhabe einige Jahre als Erzieherin gearbeitet und musste dieses aufgeben, weil meine Persönlichkeitsstörung doch zu heftig für diesen Beruf war, und das war sehr frustrierend für mich.

Ich hoffe, dass ich dir ein wenig weiterhelfen konnte.

Liebe Grüße, Schokonudel
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Grobi
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Post Sun, 15.Jun.03, 9:55      Reply with quoteBack to top

Hallo Jessie,

ich studiere selber Psychologie und habe vor kurzem eine Fragebogenuntersuchung gemacht. Dabei hatten von 65 Studenten und Studentinnen der Psychologie (ein paar auch Psychologie Nebenfach) 7 eine Magersucht. Eine psychische Störung ist kein Hindernis für ein Psychologiestudium, wenn dann vielleicht eher ein Problem für ein Studium im allgemeinen, da man schon sehr viel Kraft darür braucht und eine psychische Störung meist sehr viel Kraft kostet.
Ansonsten ist die Psychologie ein sehr breites Feld mit so vielen späteren Berufsmöglichkeiten, dass es auch für Personen mit Störung geeignet ist. Nicht unbedingt empfehlen würde ich Dir eine therapeutische Karriere, da hier eine Anorexie hinderlich sein kann, aber nicht muss. Es gibt ja auch hier wieder die unterschiedlichsten Bereiche. Solange Du nicht Therapeutin für Essstörungen werden möchtest, glaube ich, ist das kein Problem.
Schau vor allem, ob Du denkst, dass Du das Studium schaffen kannst.

Viele Grüße
Stefan
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Jessie
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Post Sun, 15.Jun.03, 13:29      Reply with quoteBack to top

Liebe Schokonudel ! Lieber Stefan !

Danke für Eure Antworten/Meinungen. Im Grunde bin ich ja überzeugt davon, daß es das richtige für mich ist und daß ich mir eigentlich nur noch ein Feld innerhalb der Psychologie suchen muß, das für mich paßt.
Ich fands nur irgendwie unästhetisch, ich weiß nicht.
Der Aspekt mit dem Verständnis das stimmt allerdings. Seitdem ich selbst schon mal einige Zeit in der Psychiatrie war, sehe ich vieles auch ganz anders als früher

Für mich waren Psychologen immer so eine Art Halbgötter, Menschen, zu denen ich aufgeblickt habe und vielleicht paßt die Vorstellung mit dem Studium deshalb nicht so ganz in meinen Kopf, obwohl die Psychologie eigentlich so ziemlich das einzige ist, was mich wirklich interessiert.

Welchen Beruf übst du jetzt aus, Schokonudel ? Und gehts dir da jetzt besser ? Erzieherin stelle ich mir wirklich nicht einfach vor. Ich arbeite nämlich zur Zeit grad ein paar Wochenstunden in einem Nachhilfeinstitut (ist zwar ein bisschen was anderes Smile ) und merk zum Beispiel sehr stark, daß ich mich eher mit Kindern und Jugendlichen identifiziere als mit älteren Menschen, vielleicht auch, weil ich immer noch an einer Krankheit leide, die normalerweise eher Jugendliche haben, ich weiß nicht.
Und daß ich den Problemen Jugendlicher innerlich auch um einiges gereizter begegne als denen von älteren Menschen und daß mich das dann noch stärker belastet.
Besonders dann, wenn es jugendliche Anorexiepatienten sind.
Kennst Du das auch so ähnlich ?
lg
Jessie
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Schokonudel
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Post Sun, 15.Jun.03, 21:18      Psychologiestudium mit Anorexie? Reply with quoteBack to top

Hallo Jessie,

das, was du beschrieben hast kenne ich sehr gut, dass es einem näher geht, wenn kinder oder Jugendliche so viele Probleme haben. Meine eigene Kindheit ging eigenltich noch, aber meine Jugend - die war zum Kotzen, viele Erinnerungen habe ich nicht mehr daran. Ich glaube, das war es auch, was mich zur Bordi gemacht hat. Ich hatte allerdings sehr viele Probleme mit Hänseleien und reagiere heute äußerst gereizt auf provokative Jugendliche.

Beruflich mache ich z. Zt. gar nichts. Dazu kannst du auch meinen Beitrag "Ohne Perspektive?!" lesen. Ich würde so gerne eine neue Ausbildung machen, aber ich bin einfach unwahrscheinlich instabil. Wegen jedem Mist kippe ich aus den Latschen. Interessieren würde mich etwas im Gesundheitswesen, aber das lehnt das Arbeitsamt ab, die möchten dass ich etwas im kfm - Bereich mache. Das kann ich mir wieder um überhaupt nicht vorstellen. Hinzu kommt, dass ich einäugig bin und nur sehr begrenzt am PC arbeiten kann, für einen Büroberuf ist das eine scheiß Voraussetzung.

Nun werde ich demnächst nochmal einige Monate nach Tiefenbrunn gehen und hoffen, dass ich da gute Arbeitsversuche habe. Ich habe echt eine richtige Panik vor meiner Zukunft.

Dir wünsche ich erstmal alles Gute. Es wäre schön, wenn wir uns nochmal hören würden.

Liebe Grüße, Schokonudel
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