Neues Forum! [Info]
Post new topic Reply to topic    Print
Author Message
Julia28
sporadischer Gast
sporadischer Gast


Posts 8
Wohnort Dresden
W, 28


Post Wed, 18.Oct.06, 9:16      Hospitalismus? Reply with quoteBack to top

Hallo,

ich würde mich sehr freuen, wenn jemand diesen Beitrag lesen & bestenfalls verstehen könnte - bin mir nämlich nicht sicher, ob ich hier richtig bin, aber man findet so fast gar nichts an persönlichen Berichten im Netz über das Thema...

Also mal ein Erklärungsversuch meiner Siuation:
Bin seit fast einem Jahr bei einer Psychologin, die bereits ziemlich am Anfang thematisieren wollte, dass ich nach meiner Geburt als Frühgeburt auf einer Säuglingsstation war. Das fand ich doch abwegig und dachte, dass kann doch nicht der Grund meiner Probleme sein. Nun bin ich nicht mehr so sicher und denke, die Symptome und Probleme, die mich zur Aufnahme der Therapie bewegt hatten, haben vielleicht doch damit zu tun. Augenscheinliche Probleme habe ich seit ca. 5 Jahren. Da war ich 23, hatte arge Studienprobleme und alle meine Freunde haben zur gleichen Zeit die Stadt verlassen. Hatte so eine Art Depression (hat niemand so festgestellt) und seitdem Phasen des Auf und Abs. Mit der Trennung von meinem letzten Freund vor ca. 2 Jahren (waren 5 Jahre ein Paar) nach meinem Studienabschluß und dem Umzug allein in wieder eine neue Stadt wurde meine Situation immer schlimmer und seitdem ich mein 2. Staatsexamen (Jura) vor ca. 5 Monaten vergeigt habe, noch schlimmer....In der Therapie gings fast immer nur um meine Eltern und Kindheit, obwohl ich zuerst immer dachte, nur das Studium wäre "schuld"...Nun habe ich seit ein paar Tagen das Gefühl, der Kreis schließt sich - bin aber total unsicher. Also habe die ersten 4 Wochen meines Lebens auf der Frühgeborenenstation gelegen und war bis zum Alter von 3 oft krank und mit 2 jahren nochmal im Krankenhaus zum Trommelfell durchstechen. Habe wohl als Baby immer geschrien, wenn meine Mutter den Raum verließ, habe aber auf Körperberührungen gar nicht reagiert. Krippe ging auch nicht, weil immer gebrüllt. Kindergarten mit 3 ging dann, habe angeblich gesagt "da muss ich jetzt durch" und so habe ich meine Kindheit in Erinnerung: stark sein und Leistung zeigen. Mit diesem Leistung-zeigen habe ich mir Zuneigung geholt, habe mich bei "Versagen" (war bei mir schon bei der Note 2) nicht angenommen gefühlt. Wurde in der Schule auch oft gemobbt, Streberin u.s.w. und wußte nicht warum und habe mich irgendwie immer ausgeschlossen gefühlt. In Beziehungen hatte ich auch immer ein Näheproblem. Das Schlimme ist ja: bis heute glaubt mir absolut niemand. Denn meine Eltern haben mich eigentlich immer verwöhnt - Geschenke u.s.w. - und sind bis heut noch für mich da - aber irgendwie nicht, wenn ich emotional nach Hilfe schreie. Meine Mutter fühlt sich angegriffen, wenn ich Fragen nach der Familiengeschichte stelle und sagt schon immer "kannst du nicht mal normal sein"- i.S.v. die Welt müßte sich immer nur um mich drehen. Dachte auch immer, ich sei undankbar und egoistisch. Aber ich rede mir meine Gefühle doch nicht ein, oder!? Habe schon mit 16 angefangen, meine Ängste mit Alkohol zu lösen und das hat sich immer mehr verschäft...für mich ein Zeichen, da muß was sein und auch nur deswegen bin ich ja zur Psychologin. Heute denke ich, ich habe immer nur funktioniert und verdrängt und nun erschlägt mich der ganze Mist, obwohl ich doch einen so perfekten Lebenslauf habe.

Hm, irgendwie habe ich das Gefühl, das war jetzt alles sehr durcheinander...aber vielleicht erkennt sich ja jemand wieder?

Ganz liebe Grüsse an alle!!!
Find all posts by Julia28
Werbung
scouty
Forums-InsiderIn
Forums-InsiderIn


Posts 193
Wohnort Nürnberg
W, 31


Post Wed, 18.Oct.06, 10:02      Re: Hospitalismus? Reply with quoteBack to top

Hallo Julia,

will mal versuchen Dir zu antworten. Ich habe mir auch immer durch Leistung die "Zuneigung" meiner Eltern gesichert. Und bin vor lauter Leistung und "gut funktionieren" und immer die Vorzeige-Tochter zu sein in eine Suchterkrankung (polytoxisch) abgeglitten. In diesem Rahmen habe ich natürlich auch so meine Erfahrungen mit Therapeuten gemacht. Bei mir wurde viel auf das Elternhaus geschoben und meine letzte Therapeutin war beim Abschied ganz geknickt, weil sie als einzigen ihrer Erfolge bei mir sehen konnte, dass ich nun wieder einwandfrei "funktioniere", also so wie vor der Sucht. Für sie war das äußerst unbefriedigend, aber ich bin glücklich. Da ich nicht ganz dumm bin habe ich auch nicht alles angenommen was sie gesagt hat. Z.B. habe ich meine Eltern immer außen vor gehalten, denn sie sind auch nur Menschen und haben daher auch Fehler, aber ich bin erwachsen und es ist ja nu irgendwann an der Zeit sein Leben selbst bestmöglich zu meistern. Funktionieren gehört für mich unbedingt dazu, denn ich möchte nicht dass ich nicht klar komme ohne Therapeut. Ich finde egal was in der Kindheit alles schief gegangen ist sollte man irgendwann aufstehen und das tun was man eben tun muß. Ich möchte nicht mein Leben damit verbringen darüber zu grübeln, was war und wer an was schuld hat. Rolling Eyes
Man sollte seine Eltern so nehmen wie sie sind und sie respektieren. Und gute Leistungen zu bringen ist doch etwas schönes ? Finde ich, aber wie gesagt meine Therapeutin war ganz unglücklich dass ich so denke. Hmm, in diesem Zusammenhang finde ich schade dass Du Dein zweites Staatsexamen vergeigt hast, kannst Du das denn wiederholen ? Mir wollten auch viele Therapeuten einreden dass ich mein Studium abbrechen soll, aber das habe ich selbstverständlich nicht gemacht und habe es auch irgendwann geschafft.
Was wünscht Du Dir denn ? Mit was genau bist Du unzufrieden ? Was könntest Du selbst daran ändern ?

Alles liebe scouty (sorry wenn die Antwort vielleicht nicht ganz Deinen Erwartungen entspricht Embarassed , wäre trotzdem schön wieder von Dir zu hören)
Find all posts by scouty
spätzündi
Forums-InsiderIn
Forums-InsiderIn


Posts 305
Wohnort Ostholstein
M, 43


Post Wed, 18.Oct.06, 13:51      Re: Hospitalismus? Reply with quoteBack to top

Hallo, Scouty!

Tut mir leid, dir das mal so direkt sagen zu müssen, aber deine Antwort hat mich sehr ärgerlich gemacht! Durch deine Worte höre ich deine Eltern, du identifizierst dich total mit ihren Ansichten vom Leben (sie haben wahrscheinlich auch immer nur funktioniert), wie mir scheint. Deine Sucht scheinst du für einen "dummen Betriebsunfall" zu halten, der gar nix mit dir zu tun hat. Mich wundert, dass du zur Thera gegangen bist, wo doch alles so toll läuft und du mit dir so zufrieden bist! Ich finde, du machst dir was vor, und zwar, um nur ja deine Eltern zu schonen. Falls du sie noch nicht kennst, lies doch mal Alice Miller (www.alice-miller.com oder die Bücher)!
Niemand verlangt von dir, dass du deine Eltern total dämonisieren sollst, aber sie haben nun einmal Fehler gemacht bei dir, und das Verleugnen dieser Fehler bringt dich nicht weiter - und deine Eltern übrigens auch nicht! Was du aber m.E. noch nicht so recht verstehst - trotz deiner Intelligenz! - ist der Unterschied zwischen Leben und Funktionieren. Und den zu begreifen oder nicht hat leider nichts mit Schlauheit oder Dummheit zu tun.
Zum Glück habe ich endlich diese gegen mich selbst gnadenlose Schonung meiner Eltern aufgeben können, es war schwer genug, aber notwendig! Ich spürte immer dieses Unbehagen... Es kostet immense Energie, deine emotionale Wahrheit den Eltern zuliebe zu unterdrücken, Energie, die dir zum Lebendigsein dann fehlt. Mir kam es immer so vor, als ob mein Faß an Lebenskraft irgendwo ein geheimes Loch hat, durch den es ständig fast leer ist. Jetzt weiß ich, wo das Loch ist.

Liebe Grüße
Rainer

PS: mein Bruder hat auch Hospitalismus-Symptome, weil er als Kleinkind lange Wochen im KH in einem Gibsbett verbringen musste. Vernachlässigung und Einsamkeit im KK-Alter hinterlässt IMMER Spuren, ob man das nu wahrhaben möchte oder nicht. Finde ich auch absolut logisch!
Find all posts by spätzündi
scouty
Forums-InsiderIn
Forums-InsiderIn


Posts 193
Wohnort Nürnberg
W, 31


Post Wed, 18.Oct.06, 14:15      Re: Hospitalismus? Reply with quoteBack to top

Hallo Spätzündi,

war mir klar dass ich mir mit meiner Antwort nicht nur Freunde mache ! Aber ich denke das Forum ist dazu da Gedankenaustausch zu betreiben. Ich habe auch mit keinem Wort gesagt dass meine Meinung und mein Weg der einzig richtige ist und dass das jeder so sehen muß ! Wollte niemanden bewußt provozieren, aber ich denke umso vielfältiger die Meinungen sind umso ein größeres Spektrum hat man zur Hand um das Problem zu betrachten. In sofern habe ich mich ehrlich gesagt auch über Dich geärgert weil Du scheinst zu glauben dass Dein Lebensweg das non-plus-ultra ist, sozusagen der einzig richtige Weg, finde ich ziemlich anmaßend. Außerdem unterstellst Du mir ein nicht lebendig-sein, womit Du völlig falsch liegst, da ich eigentlich ganz glücklich und munter bin. Energie kosten würde es mich wenn ich meinen bisherigen Lebensweg bereuen würde und mich auf die Suche nach schuldigen Menschen und Ereignissen machen würde. Menschen sind nunmal unterschiedlich, akzeptiere das bitte !! Mad Zum Hospitalismus, den es sicher gibt und der bestimmt eine schlimme Sache ist, habe ich mich nicht geäußert, ergo habe ich niemals seine negativen Auswirkungen angezweifelt. Ich sprach ausschließlich über Leistungsdenken und über Eltern-Kindbeziehungen im Erwachsenenalter.

scouty
Find all posts by scouty
Werbung
scouty
Forums-InsiderIn
Forums-InsiderIn


Posts 193
Wohnort Nürnberg
W, 31


Post Wed, 18.Oct.06, 14:27      Re: Hospitalismus? Reply with quoteBack to top

@spätzundi

Schon mal drüber nachgedacht was passieren würde wenn kein Mensch mehr funktionieren würde ? Dann würde die ganze Gesellschaft zugrunde gehen und denjenigen die gerade wirklich nicht funktionieren können könnte keine Hilfe zukommen. So einfach sehe ich das. Muß deswegen nicht jeder zustimmen !
Find all posts by scouty
spätzündi
Forums-InsiderIn
Forums-InsiderIn


Posts 305
Wohnort Ostholstein
M, 43


Post Wed, 18.Oct.06, 17:03      Re: Hospitalismus? Reply with quoteBack to top

Hallo Scouty!

Das soll hier man kein Streit unter uns 2 werden, das ist ja nicht unser Thread zwinkernd..

Aber ich find es eben merkwürdig, wenn du einerseits Suchtverhalten an dir beklagst und immerhin genug Leidensdruck verspürtest, deswegen einen Therapeuten aufzusuchen, und andererseits dann so tust, als sei ja sonst in deinem Leben und deiner Familie alles bestens. Das passt für mein (und sicherlich nicht nur mein) Empfinden alles nicht zusammen. Das riecht alles sehr nach Selbstverleugnung und Bagatellisierung der eigenen Probleme bzw. Schonung der Eltern. Schon die Bibel hat ja dem Kind verboten (im 4. Gebot), die Eltern anzuklagen - EGAL WAS DIE IHM ANTUN! Wer hat wohl die Bibel geschrieben, ein Erwachsener oder ein Kind....???
Und sagtest du nicht selber, du habest deine Eltern immer da raus halten wollen? Warum? Hast du Schuldgefühle, wenn du sie anklagst? Und wenn ja, wer hat dir die eingeimpft?

Es ist sicher nicht jeder gleich, Scouty, aber ich habe schon so oft Menschen erlebt, die unglücklich und depressiv sind, aber nie auf die Idee kommen, das mal mit ihrem gnadenlosen Zwang zum immer brav sein (andere Formulierung für Funktionieren) in Verbindung zu bringen...
Wenn man da mal genauer hinsieht, dann findet man fast immer Eltern, die dem Kind von klein auf vermittelten, es sei als solches, also ohne Leistung, nichts wert. Später ersetzen dann diese Menschen die Stimme der Eltern durch eine innere Stimme und glauben, da seien ihre eigenen Wertmassstäbe am Werk. Und fertig ist die Mühle der Schuldgefühle...
Aber das hat sicher auch deine Thera schon alles erzählt. Allein, dir fehlt der Glaube.

LG
Rainer

PS: ein gewisser aggressiver Unterton ist mir bewusst. Er gilt aber nicht dir, sondern dieser Scheisse, die millionenfach passiert auf der Welt, dass sich immer die Opfer schuldig fühlen und die Täter die Hände in Unschuld waschen und damit durchkommen, auf Kosten andrer ihre Defekte ausleben. Das macht mich wütend!
Find all posts by spätzündi
Werbung
Julia28
sporadischer Gast
sporadischer Gast


Posts 8
Wohnort Dresden
W, 28


Post Wed, 18.Oct.06, 18:07      Re: Hospitalismus? Reply with quoteBack to top

Hallo ihr 2!

Also erstmal habe ich mich gefreut, dass ich Reaktionen bekommen habe Smile Aber ich finde es doch auch etwas schade, dass ihr euch gegenseitig so angegriffen habt! Hab nix gegen Diskussionen und finde sie super anregend, aber beim lesen eurer Beiträge hatte ich das beklemmende Gefühl, dass da zwei Seiten meiner selbst zum Vorschein kommen Confused ...und außerdem gehts hier um Eingeständnisse im Leben, die niemandem leicht fallen bzw. sucht sich jeder seinen Weg. Ich bin absolut nicht (jedenfalls nicht mehr) auf der Suche nach Schuldigen - die gibts sowieso nicht...eher eine Verkettung ungünstiger Umstände und die Eltern, die Fehler machen, haben es selbst nicht anders erfahren, sind also auch irgendwie Opfer...Gruß an Alice Miller Smile War ein Tip meiner Psychologin und hat mir zum großen Teil die Augen geöffnet. Aber zum Thema: ich suche vielmehr nach Erklärungen! Und ich will auch keinesfalls mein Leben lang zur Psychologin rennen. Bin auch absolut der Meinung, da geht ein Mensch erst hin, wenn er absolut nicht weiter weiß und niemand sonst helfen kann, was bei schwierigen Themen grundsätzlich so ist, da man hierbei Partner oder Freunde gnadenlos überfordert. Die Psychologin hat mir auch kaum neue Sachen gesagt, sondern war sehr erstaunt wie schnell (was ich bei einem Jahr ja nicht finde - hier ist ja wieder der Leistungsgedanke Wink )bei mir alles geht...denke nämlich selbst viel nach und rede auch mit anderen darüber - nur manchmal hilft nur der Anstoß eines "objektiven Dritten". Wie gesagt, es kam einfach ein Punkt in meinem Leben, wo nix mehr ging und ich denke, da meldet sich der Überlebenswille oder das Unterbewußte...der richtige Zeitpunkt, Schmerzen endlich zuzulassen, ist da. Dass ich mein Examen vergeigt habe, habe ich irgendwie unbewußt provoziert, da ich kaum gelernt habe...vielleicht ein letzter Protest in Richtung meiner Eltern...ihnen hat es den größten Schlag versetzt....sie haben sich geschämt Razz Schreibe im Dezember nochmal und denke, ich schaffe es, wenn ich bei klarem Verstand bin...vielleicht brauchte ich diese selbst verursachte Extremsituation, um endlich loszulassen...Ich will nicht mehr funktionieren, ich möchte glücklich sein, so oft es geht, keine permanente Angst und Unsicherheit mehr verspüren, die man mir selten ansieht, da ich "durchhalte und durchhalte" und schließe ich die Tür hinter mir, bin ich das kleine schwache Kind was zur Flasche greift, um zu betäuben...ich wäre auch entsetzt gewesen, wenn ich die Prüfung bestanden hätte, obwohl ich da oft mit Kater / Restpromille hin bin...Übrigens denke ich, eine "Sucht" hat immer eine Ursache...kommt wohl von "suchen"...Mir ist auch gerade heute klar geweorden, dass alles kein Zufall ist - der Beginn meines "Versagens" gegen Ende des Studiums = die Erkenntnis und Angst nun erwachsen werden zu müssen, wo ich doch immer wieder Kind sein wollte und mich gegen Verantwortung gesträubt hab...warum, ist mir jetzt auch klar - ich wollte meine kindlichen Bedürfnisse stillen! Nun, das wird mir nie mehr gelingen. Sehr traurig...werde wohl auch noch die eine oder andere Träne vergießen....ging mir schon als Kind so, wenn ich in mein Babyalbum schaute und wußte nicht warum...aber wenn man weiß, dass man nicht heute als Erwachsener etwas sucht, sondern stellvertretend für das Kind, was man mal war und diese Suche aussichtslos ist, kann man vielleicht auch akzeptieren und man hat keinen Grund mehr, Angst und dergleichen zu haben - denn nur das Kind hat Angst, nicht der Erwachsene - jedenfalls die Angst, von der ich rede. Ich hatte übrigens auch immer riesige Schuldgefühle - aber warum? Bringt keinem Was! Und es besteht nicht nur die Wahl zwischen Schuldgefühlen oder einen Schuldigen suchen....niemand ist schuld. Deswegen muss ich mich aber nicht weiter quälen. Zumal man damit nichtmal ein Opfer bringt, was den Eltern etwas gibt - denn was die suchen, finden sie ebenfalls nicht mehr im Kind, auch nicht im funktionierenden....
Find all posts by Julia28
Julia28
sporadischer Gast
sporadischer Gast


Posts 8
Wohnort Dresden
W, 28


Post Wed, 18.Oct.06, 18:10      Re: Hospitalismus? Reply with quoteBack to top

...Sorry, war so viel Rolling Eyes ...Ach ja, ich rede mir grad viel von der Seele Razz Jedenfalls ist mein Anliegen einfach nur, zu verstehen und vor allem zuzulassen und mich zu lösen und ich denke, wenn man eine Art Trauma hat (sehe da nen Unterscheid zu einer organisch bedingten psychischen Krankheit, mit der man umgehen lernen kann - die aber bleibt), klappt das auch, was das Ende der Psychoschiene bedeutet. Kann sich zwar später wieder was Unverarbeitetes ansammeln...aber heißt ja nicht, dass man nun ewig einen Therapeuten braucht, wenn man das Handwerkszeug mitkriegt. Übrigens wollte ich auch in der vorletzten Sitzung alles hinschmeißen, weil ich gedacht hab "was soll der Mist - bin gesund und werd hier noch bekloppter". Komischerweise habe ich mit dem Ansprechen meiner Zweifel wahrscheinlich Verantwortung übernommen mit positivem Ergebnis, dass mir seitdem permanent die Schuppen von den Augen fallen....Will auch nicht krank sein und jammern und mir auch keine Tabletten reinpfeifen! Aber vielleicht sollte man die Psychotherapie nicht so krass sehen...zum Arzt geht man ja schließlich auch Razz

So, ich glaube, das war genug Very Happy Außer da fällt mir noch ein bzgl. Hospitalismus: ist doch egal, welchen Namen man dem Kind gibt...sind ja nur Erklärungsversuche Smile

Würd mich über Rückmeldungen sehr freuen

Ganz liebe Grüsse an Euch und alles Liebe!!! Katharina
Find all posts by Julia28
scouty
Forums-InsiderIn
Forums-InsiderIn


Posts 193
Wohnort Nürnberg
W, 31


Post Wed, 18.Oct.06, 19:13      Re: Hospitalismus? Reply with quoteBack to top

Lieber spätzundi, liebe Julia,

so jetzt bin ich beruhigt. Wollte auch nicht streiten Wink und habe extra so spät doch noch mal reingeschaut ob sich was getan hat. Jetzt bin ich erleichtert, da Julia unsere Diskussion nicht gestört hat. Razz
Werde mich morgen wieder melden (der Computer den ich abends habe ist eine alte Krücke), nur noch soviel liebe Julia, habe mich durch meine létzte Examensprüfung auch extra durchfallen lassen weil ich einfach Angst hatte nicht mehr Student zu sein. Meine Eltern haben sich auch geschämt Rolling Eyes Meine Mutter hat ihren Bekannten erzählt ich hätte schon lange einen Superjob ?! Question Aber so ist das Leben, jetzt ist ja alles in trockenen Tüchern, aber ich kann Dich gut verstehen mit später Rebellion und so. Irgendwann, bei uns halt später, kommt nun mal die Trotzphase. Alles Liebe, auch an spätzündi

Eure scouty
Find all posts by scouty
spätzündi
Forums-InsiderIn
Forums-InsiderIn


Posts 305
Wohnort Ostholstein
M, 43


Post Wed, 18.Oct.06, 19:20      Re: Hospitalismus? Reply with quoteBack to top

Hallo, Katharina!

Ich bin froh, dass du dich nicht "deines Threads beraubt fühlst". Smile

Und es klingt gut, was du so sagst, größtenteils. Ich möcht nochmal klarstellen, dass es nicht um einseitige Schuldzuweisungen geht, um sich billig reinzuwaschen, sondern darum, endlich mal das Kind in sich zu entlasten, das ständig auf sich herumgehackt fühlt, erst von den realen Eltern, später dann vom Über-Ich. Dieses hoffnungslose, ungeliebte Kind erzeugt die Depressionen und die Kraftlosigkeit und Sucht. Meine Meinung.
Man muss irgendwann mal aufhören, sich ständig unbarmherzig zur Leistung anzutreiben und sich gleichzeitig die Erfüllung menschlicher Bedürfnisse zu versagen. Wieviele "Leistungsbereite" sind unfähig, sich mal zu entspannen oder sich eine notwendige Pause zu gönnen, erst wenn sie auf dem Zahnfleich kriechen ist Schluss, notgedrungen. Das finde ich so furchtbar: diese Unbarmherzigkeit mit sich selbst! Und die sucht sich kein Mensch freiwillig aus, das wird uns eingeimpft durch verständnislose, egozentrische und überanspruchsvolle Eltern meistens.
Wenn ich höre, dass sich deine Eltern schämen, weil du das Studium nicht geschafft hast, dann ist für mich klar, für wen du das alles vor allem tust. Aber damit stehst du nicht allein. Ich hatte nach der Schule auch das Gefühl, alle Ausbildungsversuche nur für andere zu machen, vorrangig zur Ruhigstellung meines Vaters - aber nicht für mich. Hat dann ja auch alles nicht geklappt, kein Wunder aus heutiger Sicht.

Gute Nacht!
Rainer,
der sich über seinen Laptop und neuen UMTS Netzzugang auf Arbeit freut Laughing
Find all posts by spätzündi
Werbung
Julia28
sporadischer Gast
sporadischer Gast


Posts 8
Wohnort Dresden
W, 28


Post Wed, 18.Oct.06, 21:22      Re: Hospitalismus? Reply with quoteBack to top

Hallo ihr beiden Smile

Also erstmal zu spätzündi: stimme dir völlig zu. Ich weiß jetzt, dass sich mein bisheriges Leben zwischen dem Versuch, die Erwartungen der Eltern zu erfüllen (aus dem tiefen Bedürfnis, doch mal durch Anerkennung echte Zuneigung zu erfahren) und mich dagegen aufzulehnen (leider soooo oft mit dem Ergebnis, doch wieder nen Rückzug zu machen) , bewegt hat. Mich würde aber mal die Geschichte deines Bruders interessieren - falls du darüber reden magst??? Denn ich bin gerade erst dabei, alles zu verstehen (erst seit ein paar Tagen) und oft ergibt eine ähnliche Geschichte eines anderen Menschen so einen Aha-Effekt. Würde mich wirklich sehr freuen und will auch niemandem die Schuld zuweisen Wink

Zu scouti: wie kam es denn zu der positiven Wandlung? Glaube ja, ich mache seit Mitte 20 eine verspätete Pupertät durch Rolling Eyes Aber spät als nie Very Happy Was genau war denn deine Sucht und die Entwicklung dazu? habe das nicht ganz verstenden Rolling Eyes

Wünsche Euch eine gute Nacht und hoffe, ich habe nicht wieder eine zwar erkenntnisreiche, aber schlaflose Nacht Shocked Hatte nun schon zwei davon und war erstaunlich frisch danach - weil seeelischen Ballast abgeworfen Idea Aber muß ja morgen auch wieder lernen...naja, wird schon Laughing

Bis bald hoffentlich Smile LG, Katharina
Find all posts by Julia28
spätzündi
Forums-InsiderIn
Forums-InsiderIn


Posts 305
Wohnort Ostholstein
M, 43


Post Wed, 18.Oct.06, 21:51      Re: Hospitalismus? Reply with quoteBack to top

Hallo, Katharina!

Zu meinem Bruder: er fiel als Kind und bis in die Pubertät (vielleicht heute noch, weiss ich nicht?) durch sogenannte Jaktation auf, das heisst, durch seitliche Rollbewegungen beim Liegen. Ich nannte das damals immer "Juggeln". Erst als Erwachsener erfuhr ich, dass es dafür einen Fachausdruck gibt und das keine besondere, komische Angewohnheit meines Bruders ist, sondern Folgeerscheinung von sog. sensorischer Deprivation, also zu deutsch Reizmangel bzw. Einsamkeit/Vernachlässigung.
Von meinen Eltern hörte ich als Jugendlicher mal die Erklärung, er habe als Kleinkind längere Zeit wegen einer Rüchgratverkrümmung im Gipsbett liegen müssen. Bei Besuchen hätten sie ihn dann immer in seiner Gipsschale hin und her gerollt. Allerdings ist das wohl nur die halbe Wahrheit. Da es damals sowas wie "Rooming in" noch nicht gab, gab es auch keine Rund-Um-Die-Uhr-Anwesenheit der Mutter, und mein Bruder dürfte als Kleinkind erhebliche Verlustängste auszustehen gehabt haben. Der Begriff "Hospitalismus" kommt also nicht von ungefähr.
Später zeigte mein Bruder ein ziemlich passives Wesen, hatte wenig Interessen oder Hobbies, konnte kaum echte Kontakte aufbauen, hatte immer "falsche Freunde", d.h. er konnte Ar***löcher einfach nicht von guten Menschen unterscheiden. In der Pubertät geriet er dann in Kiffer- und Drogenkreise, wurde psychotisch und manifest manisch-depressiv bis schizophren. Er wird dauernd medikamentös behandelt (erst Haldol, dann mit Fluanxol glaub ich) und steht unter Betreuung - auf gut deutsch also ein ziemlich beschissenes Leben! Sad

Gruss zur Nacht,
Rainer
Find all posts by spätzündi
Julia28
sporadischer Gast
sporadischer Gast


Posts 8
Wohnort Dresden
W, 28


Post Thu, 19.Oct.06, 8:59      Re: Hospitalismus? Reply with quoteBack to top

Hallo Rainer,

vielen Dank für deine offene, wenn auch sehr traurige, Antwort. Habe in letzter Zeit auch sehr viel über die möglichen Auswirkungen einer frühen Mutter-Kind-Trennung gelesen....das ist wirklich sehr beunruhigend. Zum Glück scheint man es heute ja besser zu machen. Zu meiner Zeit war es völlig üblich, die Kinder getrennt von den Müttern "aufzubewahren" und nur zum stillen "reinzukarren" und ich hatte da noch zusätzlich Pech, dass noch nicht mal letzteres möglich war. Einige der von dir beschriebenen Dinge kenne ich auch....habe schon immer strarke Verlustängste, habe zeitweise fast täglich mit ner Todesnachricht bzgl. meiner Eltern gerechnet, und andererseits auch Bindungsängste (habe noch niemals jemandem völlig vertraut obwohl ich mir gerade das immer so gewünscht habe). In meiner Jugend habe ich auch immer den Kontakt zu zwielichtigen Personen gesucht...Kriminelle, Drogendealer...glücklicherweise half mir da wohl meine auch vorhandene permanente Angst und Übervorsichtigkeit, dass ich nicht zu tief wo reingerutscht bin, und vielleicht auch, dass ich mich auch unter diesen Leuten irgendwie anders empfunden habe...Das mit der Passivität ist heut auch noch ein Problem - ich weiß einfach nicht, was mir wirklich Spaß macht....Aber naja, ich bin da gerade echt guter Hoffnung, dass sich das alles bessern wird - brauch nur noch etwas Geduld, was eigentlich nicht meine Stärke ist Confused

Wünsch dir alles Liebe! Katharina
Find all posts by Julia28
Werbung
spätzündi
Forums-InsiderIn
Forums-InsiderIn


Posts 305
Wohnort Ostholstein
M, 43


Post Thu, 19.Oct.06, 14:05      Re: Hospitalismus? Reply with quoteBack to top

ja, mit Nähe zulassen und Vertrauen hab ich auch meine Probleme. Ich lag zwar nicht im Gipsbett, aber meine Mutter wollte keine Kinder, ich wurde per Zange geboren, und nach Aussage meiner Mutter habe ich mich "schon als ganz kleiner Junge" nicht mehr von ihr in den Arm nehmen lassen wollen.
Natürlich betrachtet sie das nicht als Zeichen, dass da ganz früh was falsch gelaufen ist, sondern als Entschuldigung für ihr distanziertes und kaltes Verhalten mir gegenüber. Ich soll schuld an ihrer Gleichgültigkeit und Kälte sein! Als ob Kleinkinder kleine Teufel wären, die in der Lage sind, aus reiner Boshaftigkeit die Mutter von sich zu stoßen! Solche Realitätsverleugnung kenn ich von meinen Eltern nur. Sad

Ich hab ihnen deswegen nach 42 Jahren endlich total den Rücken gekehrt und verschwende keine Energien mehr mit der Hoffnung auf Verstanden- und Akzeptiertwerden. Ich muss mit der traurigen Realität leben lernen, dass meine Eltern eigentlich Fremde sind und ich ihnen auch fremd bleiben werde für alle Zeit. Aber es gibt ja zum Glück nicht nur meine Eltern auf der Welt! Das ist das Porsitive...

War heute bei der zweiten Therapeutenadresse, und bei dieser Frau habe ich ein gutes Gefühl, da mache ich weiter, glaube ich. Ich werde jetzt endlich jede Möglichkeit nutzen, die sich mir bietet, Therapien zu machen, mir helfen zu lassen, auch wenns schwer fällt, die Kontrolle aufzugeben. Die Thera heute meint sogar, dass ich eine mehrwöchige psychosomatische Kur bräuchte. Und obwohl mich das überraschte, hatte ich das Gefühl, das in Anspruch nehmen zu wollen, wenn es die Kasse übernimmt. Ich fühlte mich ernst genommen mit meinen Problemen. Das war ein sehr gutes Gefühl. Das Sonnenwetter draußen nahm ich nach dem Gespräch gleich viel intensiver wahr. Ich war erleichtert und mit neuer Hoffnung erfüllt.
Therapien sind sicher kein Allheilmittel, und man kann auch an Scharlatane und Stümper geraten, vor allem, wenn man instinktunsicher ist, was Menschen angeht, aber ich persönlich bedauere bis jetzt nur, dass ich das alles nicht schon 10 oder 15 Jahre früher gemacht habe!

Lieben Gruß,
Rainer
Find all posts by spätzündi
Julia28
sporadischer Gast
sporadischer Gast


Posts 8
Wohnort Dresden
W, 28


Post Thu, 19.Oct.06, 17:59      Re: Hospitalismus? Reply with quoteBack to top

Hallo Rainer,

für deine Therapie wünsche ich dir das Beste und besser spät als nie Razz Meine Psych. (sag das Wort zwar nicht gern - aber ist ja so Wink ) meinte, dass es vorher einfach noch nicht der richtige Zeitpunkt war. Das denke ich auch. Wahrscheinlich hätte man sich vorher gar nicht geöffnet und ich merke sogar jetzt, dass ich unbewußt irgendwie das Tempo bestimme...alles kommt so hoch, wie man es wohl verktraften kann. Und ich glaube auch, dass es auch auf das Zwischenmenschliche mit dem Psych. ankommt - meine war mir (im Gegensatz zu zweien vorher) gleich super sympathisch, da sie mir nichts aufdrängt, Verständnis zeigt (wahrscheinlich das erste Mal jemand) und vor allem auch mal Klartext redet, wenns angebracht ist - braucht man ja manchmal auch Wink Das mit den Eltern kenne ich und du sagtest ja auch, dass du Alice Miller (das Drama des begabten Kindes?) gelesen hast - sie trifft dem Nagel auf den Kopf. Habe auch immer Schuldgefühle eingeimpft bekommen, wie undankbar ich doch wäre (wegen materieller Hilfen), sie hätten nur mein Bestes gewollt (Leistung und "schlechte Freunde haben mir ins Gehirn GESCHISSEN") und ich hätte meine Mutter krank gemacht....wenn schon, war sie es vorher schon, wenn sie die "Ablehnung" eines kleinen Kindes als persönlichen Angriff betrachtet und ihren Lebenstraum ("ich wollte doch eine Tochter, die mir beste Freundin ist") zerplatzen sieht. Aber sich das einzugestehen ist natürlich hart. Ich habe vorher immer von glücklicher Kindheit geredet, weil ich bei der Behauptung des Gegenteils ein schlechtes Gewissen gehabt hätte und außerdem will man ja auch an was festhalten....das wäre ja ok, aber nicht, wenn es krank macht. Habe auch oft versucht, den Kontakt abzubrechen, mir gings dabei schlecht (Gewissen) und dann bin ich doch wieder weich geworden bis zum nächsten Crash. Meine Mutter bringt mich in Sekunden zur Weißglut..."warum hast du nicht mal angerufen?"(obwohl sie täglich anruft), "ach du hast aber zugenommen ne"...ach, ich will das am liebsten alles vergessen. Da bist du schon einen Schritt weiter - ich bringe es nicht übers Herz, es endgültig abzubrechen, obwohl es mir schon oft geraten wurde...aber sie können einem auch immer wieder Honig ums Maul schmieren...wie die Spinne & die Fliege Wink Das mit der Kur entscheide doch einfach aus dem Bauch raus - das ist das Richtige!

Hast du denn ne eigene Familie, die dir Halt gibt?

Liebe Grüße & alles Gute, Katharina
Find all posts by Julia28
Display posts from previous:      
Post new topic Reply to topic