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Katrischa
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Post Mon, 04.Dec.06, 7:06      Ständig "krank" und angespannt! Reply with quoteBack to top

Hallo an Alle,
kurz zu mir. Seit ca. 1997 leide ich an psychischen / psychosomatischen Störungen. Angefangen mit Panikattacken -mit stationärem Aufenthalt- bis hin zu Zwangsgedanken, Depressionen und und und. Nach dem stationären Aufenthalt habe ich einige ambulante Therapien gemacht. Doch ich stehe still und komme nicht weiter. Ständig bin ich krank. Bluthochdruck, immer wiederkehrende Blasenentzündungen, Juckreiz im Genitalbereich und nun habe ich zu guter letzt auch noch Asthma (durch Hausstaub) bekommen. Tja,.. die Ärzte kennen mich schon und wissen, dass meine Krankheiten immer wieder Art Hilfeschrei von meinem Körper und meiner Seele sind. Was die Gründe hierfür sind, weiß ich aber nicht... naja, gut, in der Kindheit ist wohl ziemlich viel schief gelaufen. Vater Alkoholiker -aggressiv- usw. Aber das muss doch mal aufhören?! Ich kann es ja nun mal nicht aus meiner Vergangenheit "löschen".

Es ist wie ein Teufelskreis... diese Symptome verselbständigen sich und ich bin ständig unruhig, bleibe angespannt usw. Ich bin schon gar nicht mehr in der Lage zu entspannen.... habe es regelrecht verlernt. Etliche Entspannungstechniken habe ich schon versucht.... aber es klappte nicht, außer dass ich noch nervöser wurde. Ich merke mit jedem Tag mehr wie mein Körper nach Entspannung und Ruhe "ruft" aber ich kriege es einfach nicht hin, nicht mal mit Sport. Selbst danach bin ich noch angespannt.

Mein Partner, den ich gerade seit Mai 2006 habe, versteht die Welt nicht mehr. Er kann einfach nicht verstehen was das heißt, wenn ich ihm sage, ich hätte starke "Beklemmunge" im Brustkorb usw. Ich habe oft das Gefühl, dass er denkt, ich bin "launisch" oder so... er kennt es halt nicht. Habe versucht es ihm zu erklären, er ist sehr lieb und versucht zu verstehen, doch ich merke, dass er es irgendwie nicht hinbekommt... eben halt, weil er es nicht kennt und nicht nachvollziehen kann.

Sich auf die Coach legen und einfach mal alle Viere von sich zu strecken und innere Ruhe genießen, kenn ich gar nicht mehr. Ständig habe ich was, grübel über belangloses Zeug, so daß ich einfach keine Ruhe mehr kriege. Selbst im Schlaf, bin ich jetzt nicht mehr entspannt, weil ich ständig durch mein Asthma husten muss....

Wer hat ähnliche Erfahrungen bzw. Tipps, die mir irgendwie helfen könnten, mal wieder ein wenig zur Ruhe zu kommen. Noch ne Therapie? Um ehrlich zu sein, möchte ich das nicht so gern, wie gesagt, ich habe schon einige hinter mir, die immer nur zeitweise helfen, auch im
nachhinein, es dauert dann nicht lang und dann bin ich wieder da, wo ich jetzt bin.

Danke Euch!
Katrischa
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Hiob
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Post Mon, 04.Dec.06, 23:34      Re: Ständig "krank" und angespannt! Reply with quoteBack to top

Hallo Katrischa.

Vielleicht nimmst du dir mal einen Tag, an dem du nur das machen kannst, was du willst, an dem du frei hast und auch allen Freunden vorher sagst, du hast Urlaub. Ein tag, an dem du nichts leisten musst und keine Rolle spielen musst. An dem du keinen guten Eindruck machen musst. Vielleicht an einem Wochenende. Ich weiß nicht, ob du für meinen Vorschlag offen bist, er verlangt etwas Hingabe und einfach mal Ausprobieren. Vom bloßen Einschätzen her, kann man keine Wirkung „erdenken“.

Du könntest früh mal ganz bewusst langsam aus deinem Bett krabbeln, im Schneckentempo zum Bad gehen. Dich immer wieder daran erinnern, wie schnell du wieder schneller wirst. Dich dann gaaaanz langsam anziehen, langsam essen, langsam kauen. Wenn du ein Glas oder die Kaffeetasse anhebst, sie so anfassen, als wenn du sie ganz lieb haben würdest, ganz sanft anheben und so absetzen, wie du es tun würdest, wenn sie rand voll währe. Immer wieder auf die Geschwindigkeit achten. Denkst du schon wieder ans nächste? Dann wieder darauf besinnen, dass du diesen tag mal nur das tun wirst, was dir in den Sinn kommt, was du magst und was keinen Sinn braucht.

Wenn du läufst, versuch mal, deine Knie nicht vollkommen durchzudrücken, versuch sie mal ein paar „Millimeter“ gebeugt zu lassen. Vielleicht auch mal schön tief Luft holen dabei. Mal riechen, wonach es riecht. Wenn es draußen regnet, warum nicht mal rausgehen und kucken, was passiert, wenn du pitsch nass wirst...versuch in dem Moment mal zu spüren, dass du das „furchtbar findest“ und schnell weg willst...aber warum? Hast du dich das schon mal gefragt?

Wenn du dich solltest wollen in die Badewanne legen, könnest du mal deine Beine anwinkeln und versuchen, den Oberkörper schwimmen zu lassen, ja richtig tief eintauchen lassen, ganz ruhig halten. Vielleicht bemerkst du, wie fest deine Halsmuskeln sind. Vielleicht bemerkst du, dass du im Wasser etwas tiefer „eintauchst“, wenn du ausatmest und dass dein Kopf etwas weiter aufsteigt, wenn du tief einatmest. Lass dich mal eine Weile schweben. Aber ohne Kneipsche Baderegeln, sondern solange wie du in dem Moment empfindest. Ungeplant. Vielleicht spürst du deinen Puls, vielleicht hörst du das Blut in deinem Kopf pulsierend rauschen. *schmunzel * ja, das kann man manchmal hören.

Und wenn du dann noch deinen Freund erwischst, umso besser. Vielleicht schnappst du ihn dir mal und versuchst diese Langsamkeit und dieses bewusste erleben der Bewegung und das Erfühlen an ihm „auszuprobieren“. Leg ihm mal deinen Zeigefinger auf seine Lippen. Nichts sagen. Immer wieder daran erinnern, dass dieser tag anders ist. Ihn ganz sanft streicheln, ohne etwas damit zu erreichen. Achte mal darauf, dass du den ganzen Tag über immer wieder da rein rutschst, dass du etwas tust, aus einem bestimmten Motiv heraus. Etwas schaffen, etwas planen musst. Merkst du das? Solltest du gerade wieder in die Schnelligkeit und Getriebenheit hineinrutschen, frag dich doch mal mit lauter Stimme, wo du hin willst. Ich hab da ein einziges Mal zur Antwort bekommen „nach Hause“. Das klang sehr schön. Und es war hilfreich. Der Rest bleibt deiner Phantasie überlassen. Ein ganz langsamer Tag, in dem du jede kleine Bewegung spürst.

Vielleicht entdeckst du etwas für dich dabei.
Einen Tipp, der dir Linderung verschafft, kenne ich nicht. Das was ich hier beschreibe, ist eine der Varianten, die dich etwas spüren lassen kann, der Tipp kommt dann von dir selber. Und der ist besser als meiner. Es verlangt dabei nur deine Bereitschaft, mir zu glauben DASS dabei etwas geschehen wird. Ob sofort oder später, spielt keine Rolle. Aber es ist nicht steuerbar.

Viele Grüße
Hiob
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Katrischa
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Post Tue, 05.Dec.06, 17:29      Re: Ständig "krank" und angespannt! Reply with quoteBack to top

Hallo Hiob,
vielen Dank für Deine tollen sensiblen Zeilen. Ich kann Dir gar nicht sagen wie schön Du geschrieben hast. Ja, das werde ich versuchen. Vielen herzlichen Dank für ALLES. Woher hast Du so wundervolle Gedanken? Bist/Warst Du selbst betroffen?

Lieben Gruß
Katrischa
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Hiob
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Post Tue, 05.Dec.06, 23:02      Re: Ständig "krank" und angespannt! Reply with quoteBack to top

Ich weiß nicht. *Schultern heb * Rolling Eyes

Liebe Grüße
Hiob


Last edited by Hiob on Wed, 06.Dec.06, 18:26; edited 1 time in total
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thorn
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Post Wed, 06.Dec.06, 5:46      Re: Ständig "krank" und angespannt! Reply with quoteBack to top

Hallo Katrischa,

Katrischa wrote:
Was die Gründe hierfür sind, weiß ich aber nicht...


Solange du die Gründe für ein Problem nicht kennst, wird es vermutlich schwer werden, es zu lösen. In welche Richtungen hast du denn bisher geforscht, um den Ursachen näher zu kommen?

Katrischa wrote:
naja, gut, in der Kindheit ist wohl ziemlich viel schief gelaufen. Vater Alkoholiker -aggressiv- usw.


Das klingt durchaus nach einem möglichen Grund für dein ständiges Kranksein. Was ist denn damals noch so alles schief gelaufen? Wurdest du geschlagen? Wie war dein Verhältnis zu deiner Mutter? Und was für eine Beziehung hast du heute zu deinen Eltern? Wie geht es dir, wenn du über diese Fragen nachdenkst?

Katrischa wrote:
Aber das muss doch mal aufhören?!


Mit dieser Einstellung, die verneint, dass dich das, was damals geschehen ist, noch immer stark beschäftigt und womöglich belastet, erstickst du die Hilfeschreie deiner Seele. Du zwingst deine Seele, sich immer wieder andere Wege (über den Körper) zu suchen, um auf sich aufmerksam zu machen und das Problem oder die Probleme, die noch immer auf ihr lasten.

Was hast du denn in den bisherigen Therapien für dich herausgefunden?

Ich finde das auch richtig gut, was Hiob geschrieben hat. Möchte dir aber darüber hinaus zu einem Blick in die Vergangenheit (oder auch auf versteckte Probleme in der Gegenwart) raten. Denn dadurch, dass man sich etwas einfach nicht ansieht, geht es leider nicht weg ...


Viele Grüße,

thorn
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Katrischa
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Post Fri, 08.Dec.06, 7:12      Re: Ständig "krank" und angespannt! Reply with quoteBack to top

Hallo...

ja, es ist verdammt schwer das genaue Problem zu greifen, schätze bei mir kommt so einiges zusammen. Da ich auch ein sehr ängstlicher Mensch bin... also Angst vor Neuem, eher weniger so gut wie gar nicht selbstbewußt usw. da fangen die Sorgen ja schon an. Darauf baut viel auf, wenn die Basis nich stimmt, hängt der Rest... Habe aber auch eher das Gefühl, dass ich in so nem Teufelskreis stecke und ich/mein Körper schlicht weg verlernt hat zu entspannen, eben weil ich schon zu lange mit psychosomatischen Beschwerden zu kämpfen habe. Sprich, der Körper weiß nicht mehr wie sich Ruhe anfühlt.

Bin aber auch Verdrängungskünster -leider- kann also wirklich nicht packen, was mich wann belastet. Merke das wohl kurz, denk dann aber, ach komm is doch nicht schlimm und am Ende glaub ich es auch, wohl aber nur "oberflächlich" und dann fängt der Körper irgendwann wieder an zu rebellieren, doch ich weiß nicht warum, weil das "angebliche" Problem dann schon wieder weit weg geschoben ist.

Zu meiner Mutter hab ich ein tolles Verhältnis. Mein Vater ist an Alkoholsucht gestorben, da war ich 4. Heut weiß ich noch wie er auf dem Boden lag, doch ich denke nicht täglich dran oder so. Dennoch, so eingeprägte schreckliche Bilder sind ja auch irgendwie Ballast aus der untersten Schubladen.

In meinen bisherigen Therapien ging es mehr um Verhaltenstherapie, wie gehe ich mit meinen Ängsten um usw.... vermutlich sollte ich an eine Psychoanlayse ran? Keine Ahnung. Hab einfach nur manchmal das Gefühl, es geht mir die Luft aus. Ständig höre ich nur Arzt Arzt Arzt, Therapie Therapie Therapie, reagiere wohl mittlerweile schon allergisch/abelehnend drauf, weil es mir einfach an die Nerven geht, ständig wegen irgendwas irgendwo hin zu müssen.

Im nächsten Jahr möchte ich eine Psycho-Soma Kur beantragen, aber da gehts schon wieder los. Angst solange von zu Hause weg zu sein, ohne Freund usw.... Also kann ich mich ja schon wieder nicht richtig drauf konzentrieren, mal zu lernen wie ich entspannen kann... hmm. Naja, mal schauen...

Lieben Gruß
Katrischa
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