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paula01
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Post Sat, 05.May.07, 22:30      Rolle des Chefs nach der Krise eines Mitarbeiters Reply with quoteBack to top

Hallo zusammen,

ich bin neu in diesem Forum, weil ich auf der Suche nach Antworten bin, wie ich mich verhalten kann-soll-muss …

Nachtrag: Habe auf berechtigten Hiweis von Aluna die Überschrift korrigiert, hatte Kriese statt Krise geschrieben!


Vor 3 Wochen habe ich als Führungskraft die Leitung einer Gruppe von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern übernommen. Es gibt mehrere Teams, die jeweils in einem Großraumbüro sitzen. Schon von meinem Vorgänger und per „Flurfunk“ erfuhr ich, dass es in einem Büro ein „schlechtes Klima“ gibt und mir wurde eine Person als Ursache benannt.
Ich habe in den ersten Tagen mit allen Mitarbeitern/-innen Einzelgespräche geführt und schnell feststellen können, dass die Ursachen für die zwischenmenschlichen Probleme nicht allein von einer Person ausgehen. Hier scheint es vielfältige Ursachen zu geben, die mir aber durchaus lösbar erschienen und erscheinen. Wie meist der Fall, haben viele Faktoren zu den Störungen im Team geführt. Da niemand offen drüber sprach, zogen sich über Monate hin alle zurück. Eine Person schien aufgrund der nun bestehenden Ruhe zufrieden zu sein, während alle anderen sich unwohl fühlten. Durch meine Einzelgespräche ist der scheinbar zufriedenen Person nun offensichtlich bewusst geworden, dass sie die Probleme verdrängt aber nicht wirklich gelöst hatte. In der Folge ist sie mit einer Psychose zusammengebrochen und wird nun klinisch behandelt. Ich bin sicher, dass die von mir geführten Gespräche richtig waren – ich habe übrigens keiner Person Vorwürfe gemacht, sondern lediglich die Ursachen für die Teamstörungen herausgearbeitet und begonnen, an deren Lösung zu arbeiten.

Ich fühle mich nicht schuldig, denn die seit Monaten aufgestauten Probleme im Team waren nur im Team selber und dem früheren Vorgesetzten sowie dessen Chef bekannt. Ich selber hatte bis vor drei Wochen gar nichts mit den Mitarbeiter/innen zu tun und bin ihnen erst seit kurzer Zeit vorgesetzt.

Dennoch bin ich nun unsicher, was ich tun kann, um die erkrankte Person und zu unterstützen, oder lassen muss, um ihr nicht zu schaden. Da die Psychose zumindest wesentlich durch die beruflichen Probleme verursacht wurde, weiß ich nicht, wie ich mich verhalten soll.

Hat jemand ähnliche Erfahrungen und kann mir davon berichten?


Last edited by paula01 on Sun, 06.May.07, 10:52; edited 2 times in total
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Aluna
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Post Sat, 05.May.07, 23:03      Re: Rolle des Chefs nach der Kriese eines Mitarbeiters Reply with quoteBack to top

Hallo,

also, erstmals stört es mich das du als "Führungskraft" das Wort Krise nicht richtig schreiben kannst… aber war wahrscheinlich ein versehen.

Fehler passieren.
Ich find es immer wieder bewundernswert wenn sich Menschen so sicher sind, das sie keine Fehler machen. Das macht wohl eine Führungsposition aus… Vorallem wenn man grad mal 3 Wochen neu is. Sehr angerschiert.



gut

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paula01
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Post Sun, 06.May.07, 10:48      Re: Rolle des Chefs nach der Kriese eines Mitarbeiters Reply with quoteBack to top

@ Aluna

Danke für deine Rückmeldung.
Hilft mir zwar in der Sache nicht wirklich weiter, aber insofern schon, als dass ich versuchen muss, noch besser darauf zu achten, ob meine Worte das ausdrücken, was ich sagen will.

1. Ich glaube nicht, frei von Fehlern oder die perfekte Führungskraft zu sein. Sonst würde ich nicht hier um Rat suchen.

2. ob Kriese oder Krise, … ich bin wirklich neu in diesen Themen. Statt mir allerdings über korrekte Rechtschreibung Gedanken zu machen, möchte ich lieber schnell ins Thema kommen, um nicht (noch mehr?) falsch zu machen und vor allem, um nicht wirklich schwerwiegende Fehler zu machen.

Wie beschrieben, bin ich nicht verantwortlich für die Probleme im Team, die leider zu der schweren Erkrankung der Mitarbeiterin geführt haben. Als ich die Gruppenkonflikte erkannte, versuchte ich zu helfen, was monatelang unterblieben war. Die betroffene Kollegin hat bis zum Zeitpunkt des Zusammenbruchs vor vier Tagen keinerlei Anzeichen für eine drohende psychotische Krise gezeigt. Zumindest so weit ich das aus eigenen Begegnungen und in Gesprächen mit den Kollegen und dem Ehemann herausbekommen konnte.

Alle, auch ich selber, beklagen sich - zu Recht! - dass sich viele Führungskräfte sich um nix kümmern. Ich möchte es besser machen, bin zum Beginn meiner "Führungskarriere" gleich mit so einer Situation konfrontiert und suche Hilfe von Betroffenen oder solchen, die Erfahrungen weiter geben können.

Daher weiß ich nicht, was du mir vorwirfst. Wenn du Anhaltspunkte hast, die mir helfen meine Fehler zu erkennen oder zu vermeiden, lass es mich wissen, darum poste ich hier.
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igel65
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Post Sun, 06.May.07, 11:00      Re: Rolle des Chefs nach der Krise eines Mitarbeiters Reply with quoteBack to top

hallo paula...

ich könnte hier viel dazu schreiben....allerdings glaube ich, dass du dich möglichst schnell professionell coachen lassen solltest- und zwar im rl
....zum einen wird es dir helfen, dich in deine neue rolle als führungskraft einzufühlen, zum anderen kannst du den aktuellen inneren konflikt bearbeiten....

viel erfolg
igel

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Anastasius
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Post Sun, 06.May.07, 11:53      Re: Rolle des Chefs nach der Krise eines Mitarbeiters Reply with quoteBack to top

Hallo aluna,

also wenn ich die Wahl hätte, ich hätte einen Chef, der das Wort Krise nicht richtig schreiben kann, sich dafür aber für seine Mitarbeiter mehr als üblich verantwortlich fühlt, oder umgekeht. Ich glaube, nee ich bin mir sogar sicher, ich würde mich für ersteren entscheiden.

Viele Grüße.
Anastasius

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sm
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Post Sun, 06.May.07, 12:15      Re: Rolle des Chefs nach der Krise eines Mitarbeiters Reply with quoteBack to top

Hallo,

Quote:
ich habe übrigens keiner Person Vorwürfe gemacht, sondern lediglich die Ursachen für die Teamstörungen herausgearbeitet und begonnen, an deren Lösung zu arbeiten.

Das erscheint mir ein richtiger Weg zu sein... danneben alle möglichen Arten von teambildenden Maßnahmen... angefangen z.B. bei einem Abteilungsausflug, etc. Hierzu dürfte es genügend Literatur geben, was Führungskräfte tun können, um ein Team zusammenzuschweißen und Konflikten in Gruppen gegenzusteuern.
Quote:
Dennoch bin ich nun unsicher, was ich tun kann, um die erkrankte Person und zu unterstützen, oder lassen muss, um ihr nicht zu schaden. Da die Psychose zumindest wesentlich durch die beruflichen Probleme verursacht wurde, weiß ich nicht, wie ich mich verhalten soll.

Insbes. nicht über Kündigung nachdenken!
Quote:
Ich fühle mich nicht schuldig, denn die seit Monaten aufgestauten Probleme im Team waren nur im Team selber und dem früheren Vorgesetzten sowie dessen Chef bekannt.

Bereits die Funktion einer Führungskraft bringt mit sich, dass man für Dinge verantwortlich (nicht "schuldig") ist - auch für die, die man selbst nicht verursacht hat (sondern z.B. die Mitarbeiter)... wobei ich gar soweit gehe zu sagen:
Quote:
Alle, auch ich selber, beklagen sich - zu Recht! - dass sich viele Führungskräfte sich um nix kümmern.

Für die Grupenkonflikte sind die Führungkräfte verantwortlich, die sich ihrer Position, welche eben eine erhöhte Verantwortung tragen, nicht bewusst zu sein scheinen: Untersuchen könnte man zuerstalso: Was läuft in der Führungsetage schief... wobei Anklagen bzw. Abwälzen von Verantwortlichkeiten (auf die anderen Führungskräfte bzw. die Mitarbeiter) die bestehenden Probleme eher nicht lösen dürften.


Last edited by sm on Sun, 06.May.07, 13:36; edited 1 time in total
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comus
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Post Sun, 06.May.07, 13:15      Re: Rolle des Chefs nach der Krise eines Mitarbeiters Reply with quoteBack to top

Hallo paula,

Verdrängung findet unbewusst statt und gehört zu einer der vielen Abwehrmechanismen die wir alle besitzen um "gut zu funktionieren". Insofern trifft da meiner Meinung weder dir noch der betroffenen Mitarbeiterin eine Schuld für das was passiert ist. Das war sicher nicht vorhersehbar welche Eigendynamik durch die "Neustrukturierung dieser Gruppe" entsteht.

Wenn du ein wenig mit Gruppenprozessen und den Gruppenphasen vertraut bist, weißt du das Gruppen in ständigem Wandel sind. Speziell wenn du als neue Führungskraft in ein bestehendes Team kommst bricht das alte zuerst einmal auseinander um sich dann wieder neu zusammenzufinden. Das ist ein ganz natürlicher Prozess, der professionell geleitet und untestützt gehört, damit er gut gelingt.

In diesem bestehenden Team hat es in der Vergangenheit allem Anschein nach massive Schwierigkeiten gegeben, dennoch hat es "irgendwie" funktioniert. Stell dir das mal so wie ein altersschwaches Auto vor, solange der Motor läuft passt es aber den Motor darfst du nicht abstellen sonst springt er sicher nicht mehr an. Und du hast in diesem Team genau das getan, Motor abstellen und in die Motorhaube reinschauen. Das war natürlich kein Fehler sondern sehr nötig, dennoch ist jetzt ein guter Mechaniker gefragt der das Auto wieder flott macht.

Daher würde ich dir auf alle Fälle wie auch schon erwähnt die Unterstützung eines Coachs empfehlen, am Besten ein Teamcoaching. Hilfe von außen ist immer gut da das eine gewisse "Betriebsblindheit" vorbeugt und möglicherweise haben dir deine Mitarbeiter auch nicht "alles" erzählt, aus Angst um ihren Arbeitsplatz wenn sie bestimmte Personen kritisieren etc. Da kann ein externer Coach schon mal Wunder wirken. Exclamation

LG, comus

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Aluna
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Post Mon, 07.May.07, 20:13      Re: Rolle des Chefs nach der Krise eines Mitarbeiters Reply with quoteBack to top

Hallo,

erstmals muss ich sagen das es etwas hart von mir ausgedrückt war, aber bei dem Wort Führungskraft und Führungskarriere bekomm ich schnell mal die K…e. Aber das ist mein Problem, sorry.
Für mich klingt es so als ob du in den 3 Wochen gleich mal richtig losgelegt und auf Leute gehört hast, die dir per "Flurfunk" was gesteckt haben. Ich denk mir das man bei solchen Dingen vorsichtiger sein und sich mal selber ein Bild machen sollte.
Das hast du in Einzelgesprächen in den ersten Tagen ja gemacht, aber in so kurzer Zeit ohne "Coaching-Erfahrung" – das hätt ich mir nicht getraut.

Ich kann das nicht ganz nachvollziehen, hoff aber das sich das Betriebsklima bald zum positiven ändern wird.

LG

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paula01
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Post Mon, 07.May.07, 20:28      Re: Rolle des Chefs nach der Krise eines Mitarbeiters Reply with quoteBack to top

@ all

Lieben Dank für eure Beiträge und die Ratschläge.

Da bei uns (öffentlicher Dienst) niemand um seinen Arbeitsplatz bangen muss, schon gar nicht die erkrankte Kollegin und mein "Vorgänger" im Ruhestand ist, erlebe ich erstaunlich viel Offenheit im betroffenen Team. Daher bin ich zuversichtlich, dass sich die Situation im Team mit externer Unterstützung beruhigt und die bestehenden Konflikte gelöst werden können.

Bestärkt durch euere Ratschläge werde ich, einen Termin - zunächst für mich alleine - bei der Konfliktberatungsstelle machen, die es bei uns gibt.

Danke!
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Hasenfuss
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Post Thu, 24.May.07, 0:09      Re: Rolle des Chefs nach der Krise eines Mitarbeiters Reply with quoteBack to top

Das erste, was man gerade als Führungskraft lernen muss, ist das PAL-System. PAL heisst Problem Anderer Leute.
Je weniger du dir an die Backe binden lässt, desto besser.
Die Indianer versuchen einen immer abzuschiessen und einem Fehler nachzuweisen. Sie wollen nicht kooperieren im Grunde, sondern faulenzen.
Deinen breiten Rücken als Ruheraum missbrauchen.
Deinen naturgegebenen Überblick kostenlos missbrauchen.
Sie wollen immer Sand ins Getriebe bringen, weil passive Macht, die einzige Form ist, die sie kennen.
Nie in private Geschichten reinziehen lassen.
Die Banalität der Indianergeschichten bringt dich um.
Es geht in dieser Reihenfolge um dich, die Firma und dann erst die anderen.
Mitleid hilft niemand, dir selbst am wenigsten.

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Fusselhirn!
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