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Quebueno
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Post Sat, 12.May.07, 16:51      Was ist mit mir los? Reply with quoteBack to top

Hallo liebe Forumsteilnehmer

Ich habe diese Seite vor ein paar Jahren entdeckt und komme nun ganz spontan darauf hier zu schreiben. Ich weiß im Moment nicht weiter und stelle mir immer wieder dieselben Fragen. Wann hört das endlich auf.

Ich bin 30 Jahre und habe zwei Schwestern eine jüngere Schwester (24) und eine ältere (33). Nachdem ich im März mein Studium beendet habe, wohne ich übergangsweise wieder bei meinen Eltern. Das ist nun seit fast 6 Wochen. Das Ende ist aber abzusehen da es mit einem Job gut aussieht. Der Anlass hier zu schreiben war die Geburt eines Sohnes meiner großen Schwester. Meine Eltern und ich fuhren in die Klinik um meine Schwester und ihren Sohn zu besuchen. Die Fahrt dorthin, der Aufenthalt dort und die anschliessende Rückfahrt waren eine Tortur. Ich fühlte mich hinterher, als hätte ich einen Knoten im Gehirn. Ich muss nebenbei erwähnen, dass ich mit 21 Jahren meinen Eltern bzw. meiner Familie für 7 Jahre den Rücken zugekehrt habe. der Anlass damals war eigentlich kein greifbarer, es muss ein Reflex gewesen sein. Ich konnte nicht mehr. Ich war innerlich von einem traurigen Wesen erfüllt und im ganzen Wesen kraftlos. Mein vater schlug mich damals öfter, und wenn, dann mit einer solch brachialen Gewalt und Wut die ich als kleines Kind nie verstand und ich heute noch eine große innerliche Angst vor meinem Vater habe. Meine Mutter fungierte immer irgendwie als Brücke, die den Schein einer lieben und fürsorglichen Familie aufrechterhalten wollte. Sie kompensiert bis heute immer noch das alles wozu mein Vater nicht im Stande ist. Er ist wortkark, ernst, sehr konservativ, berschlossen, unberechenbar, zynisch, sarkastisch, besserwisserisch, belehrend und kann weiß es, mit wenigen Worten oder einem Satz extrem beleidigend und verletzend zu sein und im Bruchteil einer Sekunde einem von ganz oben ganz weit herunterzuholen.

Jedenfalls habe ich seit dem Krankenhausbesuch wieder richtig schlechte Laune. Ich hab mich erstmal wieder abgeseilt, verkrieche mich in der wenigen Privatsphäre dir mir geblieben ist und versuche äußerlich -wie immer- cool zu bleiben. In der Familie hat man echt gelernt seine Gefühle abzuspalten und ein künstliches Spiel zu spielen. Jegliche Lebensfreude, Spontaneität hat nie existiert. Immer nur alles sehr Vernünftig, belehrend und auf der kognitiven Ebene. Bis heute umarmen wir uns alle nur sehr selten und wenn, dann nur ganz kurz und mit innerlicher Distanz. Ich hasse es wenn meine Mutter: mein lieber Sohn sagt, oder mich streichelt. Zu meinem 30. geburtstag hat sie mein Knie gestreichelt. Hinterher danach hat sich so eine Wut aufgebaut, dass ich versucht hatte diese Aktion von meinem Knie wegzuwischen. Klingt ganz schön krank ich weiß. Auch als wir im Krankenhaus waren und ich sah wie meine Mutter das kleine baby liebevoll mit ihren Händen gestreichelt hat, konnte ich nicht hinsehen und hab mich geekelt. Wir Kinder haben zu den Eltern und auch untereinander kaum eine intensive oder liebevoll, gefühlvolle Beziehung. Wir sind in dem Punkt irgendwie Analphabeten. Wenn ich eine Beziehung zu einer Frau habe, dann sauge ich den Körperkontakt wie einen Schwamm in mich auf. Ich würde gerne zu meier Mutter sagen, dass wir eine kranke Familie sind und ihr das alles erzählen, aber ich habe versucht schon sooft mit Ihnen darüber zu reden, aber es ist als ob wir aneinander vorbeireden. In ihren Augen bin ich zu sensibel und alles ist doch gar nicht so schlimm. Meine Mutter ist auch überfragt. Sie meinte, dass das Schlagen früher doch gar nicht sooft war, und es auch keine sexuellen Übergriffe gab. Sie ist total überfragt, und ist verzweifelt weil Sie selbst nicht weiss wie man das rückgängig machen kann. Stattdessen versucht sie durch ständiges Betutteln und kümmern das zu kaschieren.

Ich weiß alles klingt irgendwie kompliziert, aber ich schreibe gerne mehr wenn Ihr genaue Fragen habt. Ich fühle mich im Moment ganz dolle schlecht. Was ist mit mir los.

Gruß
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Caypuh
Helferlein
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M, 28


Post Sun, 13.May.07, 21:10      Re: Was ist mit mir los? Reply with quoteBack to top

Du bist einfach ganz scheisse sauer auf deine Eltern und die liebevoll Behandlung des Kindes ist das was du von deiner Mutter vermisst hast.
Genau wie mich manchmal anekelt wenn Päärchen sich in der Bahn ablecken, in andere Bahnen gelenkte Sehnsucht.

Alle erfüllen ihre Aufgabe - den Schein wahren. Die Abwiegeleien deiner Mutter sind aus der verdrehten Realität der Familie heraus formuliert - in der halt Gefühlskälte und Schläge irgendwie in den Alltag und die Normalität eingebaut wurden. War der Akt der Zuneigung an deinem Geburtstag für dich vielleicht auch nur Show? Der nagende Verdacht, dass sie dich nur fürs Publikum gestreichelt hat, statt aus eigenem Wunsch Antrieb, eigenem Wunsch nach Nähe zu ihrem Sohn heraus?

Das mag jetzt albern klingen, aber bei meinem ersten intensiven klärenden Gespräch mit meiner Mutter hatte ich mir einen Zettel fertiggemacht mit allen Punkten, die ich ansprechen wollten. Mit allen Anklagen, die ich mir im letzten Moment dann doch verkniffen habe, weil ich sie nicht mehr formulieren konnte. So konnte ich mich überlisten - musste ja nur ablesen bis die wichtigsten Punkte ausgesprochen im Raum standen.
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Quebueno
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M, 30


Post Tue, 15.May.07, 17:56      Re: Was ist mit mir los? Reply with quoteBack to top

Was ist eigentlich von der Aussage zu halten:

"Hau ab Du Penner Dir gehört hier nichts, Du wohnst hier nur zur Miete."

Diesen Satz hat mir mein Vater entgegengeschleudert als ich 13 war. Das hab ich seitdem nie wieder vergessen.
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Syrrah
sporadischer Gast
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Post Tue, 15.May.07, 18:53      Re: Was ist mit mir los? Reply with quoteBack to top

hi quebueno!

ich denke ich geb caypuh recht ...
und auch dir - es wäre schön für dich und eine famile wenn sie irgendwas unternehmen könnten um geheilt zu werden ... leider ist das wohl ein schwieriges wenn nicht gar unmögliches verlangen vor allem für deinen vater.

als dein vater das zu dir gesagt hat ("Hau ab Du Penner Dir gehört hier nichts, Du wohnst hier nur zur Miete.") war er da bei klarem verstand oder war er irgendwie grad extra-sauer oder alkoholisiert oder sowas?

auf jeden fall ist eine solche aussage sehr, sehr verletzend, die frage ist nur: wen meinte er denn wirklich mit dem "penner"? ich habe oft den verdacht dass menschen, die andere beschimpfen in wirklichkeit das alles zu sich selbst sagen ... nur das was man sich gewissermassen selbst antut kann man auch anderen antun.

deine mutter hat wohl auch sehr leiden müssen ... na ja - vermute ich halt. im grunde denke ich dass in der kindheit deiner eltern auch sehr viele dinge die deine eltern verletzt haben geschehen sein müssen, so dass sie es selbst nie anders gelernt haben ... *hm*
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Quebueno
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Post Wed, 16.May.07, 0:01      Re: Was ist mit mir los? Reply with quoteBack to top

an Syrrah:

Ich kann mich erinnern, dass mein Vater extrem in Rage gewesen sein muss. ER ust der Typ, der seine Gefuehle nicht "angemessen" ausdruecken kann, und reagiert damit total ueber. Das stimmt wohl dass er es nicht anders gelernt hat usw. -das ewige Problem. Nur ist dem Adressaten damit nicht geholfen. Auch wenn dem so gewesen ein muss, kann man sich damit niemals rechtfertigen. Ich spuere, dass diese Wut noch heute in ihm schlummert, er aber heute mehr denn frueher gehemmt ist diese Wut rauszulassen. Dies habe ich besonders frueher sehr hart zu spueren bekommen....dann hab ich ihn immer schon gehoert wenn er die Treppe "raufgeschnellt" ist...immer zwei Stufen auf einmalnehmend. Wemm ich dies vernahm, zog sich schon alles in mir zusammen und ich war wie gelaehmt. Er kamm dann rein in mei Zimmer und trat mich regelrecht zusammen. Mit den Fuessen trat er dann zu. Ich Schlug dann schuetzend meine Haende vor mir zusammen und konnte in dem Moment auch nicht mehr vernuenftig denken. Einmal, da muss ich sehr klein gewesen sein, denn ich kann mich daran erinnern....lag ich in meinem Gitterbett und schrie. Mein Vater kam dann rein und schuettete mir meinen vollurinierten Nachttopf ueber den Kopf. Diese Geschichte sprach ich irgendwann mal an. Ich erinnere mich dass meine Eltern bzw. mein Vater darueber gelacht hat. Meine Mutter reagierte eher beschwichtigend und tat es ab als ob es ja nicht so schlimm gewesen war. Auch sperrte mich mein Vater oefter mal in mein Zimmer ein. Manchmal einen ganzen Tag oder auch mal die Nacht hindurch. So musste ich mein Geschaeft im Zimmer verrichten. Meine Mutter habe ich eher immer hilflos in Erinnerung. Ich kan mich nihct erinnern dass Ihre Hilfe mich gerettet hat. Das muss wohl auch der Grund sein, warum ich Ihre "Streicheleien" bis heute nicht mag bzw. mir sehr unangenehm ist. Oder wenn sie sagt: "Mein lieber Sohn" oder "Wir lieben Dich doch". Ich denke sie ist eher hilflos und moechte lieber nichts mehr wissen. Stattdessen ueberkompensiert sie bis heute sehr, und kuemmert sich umd macht und tut. Oder sie gibt mir Geld oder erfuellt mir viele Wuensche. Eiegntlich ja nicht schlecht und in der Abhaengigkeit (Studium, kein eigenes Geld etc.) sehr hilfreich. Aber ich nehme es dann eher mit Widerwillen an, weil ich es ja brauche/brauchte.

Die Sache mit dem "Penner hau ab......usw." Der Grund war wie gesagt seine Wut auf mich. Dem vorausgegangen war, dass meine Mutter irgendwie mein Zimmer durchsucht hatte und viele verschummelte Schulbrote fand, die ich bis dahin gehortet hatte. Als ich nach Hause kam, war mein komplettes Zimmer auf den Kopf gestellt und meine Mutter schrie mich an usw. Dabei fiel auch die Drohung mich ins Heim zu geben.

Dieser Satz meines Vater hat sich jedoch sehr eingebrannt. Bis heute habe ich extreme Schwierigkeiten mit meien Eltern. Alles laeft eher kognitiv ab. Kommunikation besteht eher aus Frage+Antwort. Gefuele lasse ich eher nicht zu. Ich versuche meistens durch eine "professionelle" Lockerheit und Selbstbewusstheit die Barrieren zu durchbrechen. Es ist ein Kampf gegen eine Uebermacht wie mir scheint. Im Moment bin ich eher wieder resigniert. Aber bald ist es ja hoffentlich vorbei, dann habe ich endlich einen tollen Job gefunden und endlich FREI!!! Aber so richtig frei ist man ja niemals, weil dieses unsichtbare "Band" der Familie immer bestehen wird. Auch nach dem Tod von Familienmitgliedern.

Ich danke Euch bis dahin dafuer, dass Ihr mich lest.

Lieben Gruss
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