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startafresh
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Post Fri, 15.Jun.07, 17:05      Jetz kommt alles hoch. Was soll ich tun? Einfach weg? Reply with quoteBack to top

Hi, weiß gar nicht so recht wie ich hier anfangen soll.
Zuerst muss ich sagen dass nach lesen einiger Beiträge es mir irgendwie doch Hoffnung und Mut aus einem eigentlich bizarren Grund: Es tut gut zu fühlen dass man nicht die Einzige ist die sich so fühlt.

Ich glaube ich habe Depressionen seitdem ich denken kann. Ich kann mich noch an Zeiten in der Unterstufe erinnern...
Ich habe mir aber irgendwie immer gesagt, 'Das gibts doch nicht, ich kann doch nicht so schwach sein, ich bin stärker als das! und ich komm da allein durch'

Ich bin aber nun an einem Punkt angelangt wo ich nicht mehr weiter kann. Ich bin vor 2 Monaten nach 5 Jahren in England wieder zurück in Österreich, habe gleich wieder zu arbeiten angefangen.
Die letzen 3 Jahre gingen eigentlich ok. So richtig glücklich war ich zwar nie, aber ich hatte Arbeit die mir eigentlich recht gut gefiel und einen Freund der mich zu sehr liebt. D.h. in den letzten 3 Jahren hab ich eigentlich auch nur das gemacht; arbeiten-schlafen-arbeiten, die Beziehung hab ich sowieso kaputt gemacht.
Als dann die Firma den Bach runter ging, hab ich innerhalb kürzester Zeit wieder meine Sachen gepackt und bin zurück (ohne Freund).
Soziale Kontakte hier habe ich natürlich total vernachlässigt in der Zeit und eigentlich habe ich mit niemandem über meinen seelischen Zustand seit Jahren bis vor kurzem gesprochen.
Ich muss sagen ich hab ein paar wenige aber sehr sehr gute Freunde, die komischerweise nach der langen Zeit der Vernachlässigung trotzdem noch da sind und ich bin nach Problemen mit meiner Familie bei einer Freundin eingezogen.
Das Problem ist, dass ich mich doch sehr schuldig fühle, weil es mir echt mies zurzeit geht und ich habe das Gefühl alles an ihr abzuladen. Außerdem is es sowieso so dass soviele Leute immer alles an ihr abladen und sie oft selbst deshalb zu depressionen neigt.
Ich mein wie egoistisch wär es von mir das jetzt von ihr zu erwarten. Es ist schon ein Wahnsinn, dass sie mich sozusagen vor der Obdachlosigkeit gerettet hat und mich jetz in ihrem Zimmer erdulden muss.
Aber es kommt einfach alles hoch jetzt, speziell nachdem ich seit Jahren nicht über meine Probleme geredet habe. Ich hab das Gefühl ich kann nirgends hin und würd am liebsten schon wieder meine Sachen packen und weg.
Bei neuen Bekanntschaften glaub ich immer dass die mich eh nur komisch finden und ich denk ich rede auch dauernd Schwachsinn. D.h. neue Freundschaften zu schließen is für mich auch extrem schwer.
Das allerschlimmste is nach der langen Zeit nicht über mich nachdenken, kann ich jetz nichts anderes und denke dass ich auch viel zu unterentwickelt bin.
Kann meine Gedanken gar nicht mehr ordnen und weiß eigentlich gar nicht wer ich bin, und das was ich weiß kann ich nicht leiden. Ich denke ich bin einfach viel zu egoistisch, unaufmerksam und selbstbezogen.
Ich wünschte ich könnte einfach nur ausschalten und wieder 'stark' sein. Was soll ich tun? Soll ich wieder ausziehen und wo anders hin? Aber dann hab ich wieder Angst einfach alleine zu sein. Außerdem weiß ich gar nicht wohin. Zu meiner Familie kann ich auch nicht.
Bin für jeden Rat dankbar, speziell auch von Leuten denen es ähnlich geht.
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Engerl70
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Post Sat, 16.Jun.07, 2:55      Re: Jetz kommt alles hoch. Was soll ich tun? Einfach weg? Reply with quoteBack to top

Hallo Startafresh,

was Du da so schreibst, kommt mir sehr vertraut vor. Ich kenn das aus meiner eigenen Vergangenheit und bin froh, dass das mittlerweile alles viiieeel besser ist - nein, ganz anders, kein Vergleich!

Also, wenn Du eine Empfehlung von jemandem haben möchtest, dems auch mal so ging: Mut zusammenkratzen und ab zur Therapie. Auch Selbsthilfegruppen als sinnvolle Ergänzung dazu würd ich Dir ans Herz legen.

Alles Liebe, Engerl70

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Post Sat, 16.Jun.07, 18:03      Re: Jetz kommt alles hoch. Was soll ich tun? Einfach weg? Reply with quoteBack to top

Hi Engerl70,

Danke für deinen Rat und Anteilnahme. War dann gestern auch so weit dass ich echt bei einem Psychologen (sogar auf Krankenkasse, weil finanziell wär sich das bei mir net ausgegangen) angerufen hab.
Und siehe da hab am Freitag auch schon meinen ersten Termin. War echt komisch dass es so einfach ging, und was am aller komischten war, dass ich aufgelegt hab und einfach nur zu heulen anfing, aber aus hoffnung und erleichterung heraus, ein echt überwältigendes gefühl, das ich schon lange nicht mehr hatte, weil irgendwie fühl ich mich normal taub.
Es war auch ein gewisses gefühl des bereuens, warum ich das nicht schon vor jahren gemacht habe.
Auf jeden fall fühl ich mich jetz echt ein wenig hoffnungsvoller, ich weiß dass ich endlich mit jemanden sprechen kann ohne dabei ein schlechtes gewissen zu haben, und der mir vielleicht wirklich helfen kann.

Werde auf jeden fall updates geben wie es mir so geht damit, weil ich denke (wie bei mir), brauchen viele viel zu lange, bis sie sich endlich den ruck geben und die benötigte hilfe aufsuchen.
Muss aber zugeben, ein bisschen Angst is auch dabei. Was ist wenn sie mir nicht weiterhelfen kann?

Lg
Startafresh
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Engerl70
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Post Sun, 17.Jun.07, 0:54      Re: Jetz kommt alles hoch. Was soll ich tun? Einfach weg? Reply with quoteBack to top

Hallo Startafresh,

das klingt ja super, freut mich echt für Dich! Very Happy

>Werde auf jeden fall updates geben wie es mir so geht damit, weil ich denke (wie bei mir), brauchen viele viel zu lange, bis sie sich endlich den ruck geben und die benötigte hilfe aufsuchen.<

Ja, bitte tu das. Interessiert mich wirklich zu hören/lesen.

Ich selbst habe übrigens auch - und noch viiieeel länger allein weiter gekämpft und verzögert, meine Energie und Zeit in großen Mengen verschwendet. Offenbar hab ich die Zeit gebraucht, um draufzukommen, dass das so keinen Erfolg bringt und es so nicht weiter gehen kann. Naja, die Vergangenheit kann man nicht ändern, nur die Haltung, die man ihr gegenüber einnimmt.

Und ich habe auch schon festgestellt, dass viele Menschen lange keine Hilfe suchen wollen. Ich glaube, letztlich deshalb, weil: Wer will schon Hilfe brauchen? Ist doch eine uralte Angst, hilflos zu sein und Hilfe zu brauchen, oder? Und dann noch die Angst, am Ende könnt man sie vielleicht doch nicht bekommen! - Igitt! Lieber sagt man sich doch: Das brauch ich noch lange nicht, ich bin ja nicht am Ende/doch nicht deppert/hilflos/etc. - Oder?

>Was ist wenn sie mir nicht weiterhelfen kann?<

Wann und woran wirst Du denn den Erfolg überprüfen und welche Konsequenzen planst Du für den Fall, dass Du dann nicht zufrieden mit ihr wärst? - Ich denke, das sind die wesentlichen Fragen.

Ich wünsch Dir einen guten Therapiestart am Freitag!

Alles Liebe, Engerl70

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Nachtvogel
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Post Mon, 18.Jun.07, 11:39      Re: Jetz kommt alles hoch. Was soll ich tun? Einfach we Reply with quoteBack to top

Hallo,
ich finde es super, dass du zum Psychologen gehst. Du hast dich derart nur auf die Arbeit konzentriert und alles "Leben" nebenbei vernachlässigt -das kommt schon einer Flucht gleich. Wäre gut, das mithilfe vom Therapeuten zu untersuchen.

LG Nachtvogel
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Post Mon, 25.Jun.07, 11:23      Re: Jetz kommt alles hoch. Was soll ich tun? Einfach weg? Reply with quoteBack to top

Hallo Engerl, Hallo Nachtvogel!

Am Freitag war meine erste Therapiestunde. Die Therapeutin ist denke ich sehr nett.
Vielleicht sollte ich mal zusammenfassen was so war. Das Erste, das sie sagte war, dass sie mir nicht helfen könnte; Sie könnte mich nur unterstützen mir selbst zu helfen.
Dann hat sie mich natürlich gefragt, warum ich zu ihr komme, dass ich etwas über mich erzählen solle.
Ich habe dann einfach losgequasselt, über die Probleme die ich in letzter Zeit hatte, mein schlechtes Verhältnis zu meiner Mutter und Schwester, mein gutes Verhältnis zu meinem Vater und meiner Freundin, meinem Freund, England. Dass es mich getroffen hat, als die Firma in der ich arbeitete zugesperrt hat, mein Fluchtverhalten usw.
Sind dann sogar etwas über die Zeit gekommen und hatte dann ein schlechtes Gewissen...
Doch zum Schluss habe ich noch zwei "Hausaufgaben" gestellt bekommen:

Bis zum nächsten Mal soll ich mir überlegen was ich mir wünschen würde, hätte ich drei Wünsche frei. (Aber nicht so etwas wie "Keine Depressionen mehr zu haben", sondern etwas Positives und etwas Spezifischeres. So habe ich es zumindest aufgefasst)
Und ich solle versuchen Sachen kleine Dinge, die mir unbedeutend oder unwichtig erscheinen bewusst wahrzunehmen.

Bin dann mit einem eher unbefriedigtem, enttäuschen Gefühl nach Hause. Und das nicht wegen der Therapeutin, sondern wegen mir und was ich erzählt hatte. Ich hatte das Gefühl, dass ich einfach nur die alte Leier von wegen, Job, familiäre Verhältnisse, Zurückkommen von England blah, blah gelabert habe, und das hängt sogar mir zu Genüge aus meinem Hals heraus. Viele haben ähnliche oder viel größere Probleme und kommen besser damit zurecht.

Ich hab mir dann auch überlegt, dass es gar nicht diese individuellen Dinge sind, die mir zu schaffen machen und ich habe dann weiter über meine Hausaufgabe nachgedacht - also was ich mir wünschen würde.

Und siehe da, bin auf so viele Sachen draufgekommen, die ich nächstes mal bereden möchte, an denen ich arbeiten möchte und die ich gedanklich ordnen muss, die rein gar nichts mit den Sachen zu tun haben über die ich eigentlich geredet hatte.
Vieles kam eben durch diese Aufgabe:
1) Das erste das ich mir wünschen würde ist mehr Selbstvertrauen;
2) Mich selbst zu mögen und von anderen gemocht zu werden
3) Aufmerksamer zu sein (speziell anderen gegenüber)

Diese Liste kann sich natürlich noch ändern, aber alleine das Nachdenken hat mir einiges Aufgezeigt:
z.B. bin ich draufgekommen, dass ich seit jeher, Gefühle als Schwäche sehe, aber eigentlich nur positive Gefühle, wie Liebe, das Gefühl jemanden zu brauchen etc.
Das habe ich an mir noch nie wirklich bewusst erkannt. Aber es stimmt. Ich habe immer ein schlechtes Gewissen gehabt wenn ich Entscheidungen von Gefühlen abhängig machte, habe dann oft absichtlich eine andere getroffen oder es war mir peinlich zuzugeben (sogar vor mir selbst) dass ich etwas von so etwas abhängig gemacht habe und nicht von logischem Verstand.
Wenn man fühlt, kann man verletzt werden; wenn man verletzt ist zeigt man Schwäche, davor habe ich Angst. Natürlich ist es dann ja doch passiert; unglücklich verliebt, verletzt worden von einem Freund/in. Das bestätigte dann natürlich meine Ansicht. Gefühle zu haben, oder zu zeigen = Schwäche.
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Post Mon, 25.Jun.07, 11:25      Re: Jetz kommt alles hoch. Was soll ich tun? Einfach weg? Reply with quoteBack to top

Dieses Verhalten hat natürlich dazu geführt, dass ich zu einem ziemlich unaufmerksamen, gefühlskaltem Menschen wurde, echte Freunde vernachlässigt habe oder neue nicht an mich ran gelassen habe. In Beziehungen (sobald die ersten Hormone verschwunden sind), zu einem Eisblock geworden bin.
"Wenn ich keine Gefühle habe, können sie nicht verletzt werden"

Mein blödes Unterbewusstsein, hat natürlich nicht weiter gedacht Laughing

"Wenn ich keine Gefühle zeige/habe, werde ich mich trotzdem bald wahnsinnig alleine und ungeliebt fühlen"

Tolles Paradoxon!

Jetzt braucht man nur mehr auf meine ersten drei Wünsche schauen...

Obwohl es mir jetzt in meinem Verstand klar geworden ist, dass eines meiner Probleme ist; Gefühle nicht zuzulassen, weiß ich trotzdem nicht wie ich es schaffen soll, das zu ändern.
Ich hab es mir echt überlegt. Ja das ist es. Ab jetzt einfach Gefühle zulassen und zeigen.
Haha, wenn sich aber das so viele Jahre in dein Gehirn eingebrannt hat...
Es ist einfach so, wenn ich Gefühle zulasse bin ich schwach, nur wenn ich "cool" bin habe ich Stärke und es kann mich nichts treffen und verletzen.
Naja, zumindest bin ich auf den Punkt gekommen.
Hatte wieder letztes mal ein Gespräch mir meiner Freundin, und ich hab mich noch gewundert, warum sie so ausrastet:
Hab wiedermal, darauf bestanden, dass ich z.B. nie Kinder haben möchte, lieber Karriere will. Nie heiraten möchte und seit kurzem auch nie mehr mir einem Mann zusammen wohnen möchte...

Die eiskalte, erfolgreiche Karriere-Powerfrau. Das ist es was ich will...
Das macht mich glücklich har har..

Wie soll ich es schaffen, plötzlich 99% meiner ursprünglichen Lebenseinstellungen und Überzeugungen über Board zu werfen?
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