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Nachthimmel
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Post Thu, 16.Aug.07, 16:22      Meine Geschichte Reply with quoteBack to top

Hallo!

Tja, tagelang habe ich überlegt, ob es nicht vielleicht Sinn machen würde, hier einfach mal kundzutun, was mir so alles wiederfahren ist? Einfach um es mir mal von der Seele zu reden? Um Zuspruch zu bekommen?
Immer wieder frage ich mich, ob ich mich einfach nur zu sehr anstelle und ob das alles eigentlich gar nicht so schlimm ist?
Aber wo fängt man an? Ich schreibe einfach mal drauf los....

Mit meinem Bruder (4 Jahre älter) gabs totale Spannungsverhältnisse. Wir haben uns als Kinder regelrecht geprügelt und mein Vater hat uns immer gegeneinder ausgespielt und immer einen auf extremste Weise bevorzugt. Erst mich (bis ich in die Pupertät kam, dann später ihn. Mein Vater war nach außen hin, immer der coole und von all meinen Freunden geliebt, zu mir doof, ich weiss nicht, er wollte mir immer vorschreiben, was ich sogar zu denken habe. Oft habe ich in Streitereien mit ihm sogar hyperventiliert.

Eine Clique von Jugendlichen ist mir immer aufgelauert, hat mich beklaut und geschlagen und bedroht. Selbst anflehen, sie mögen mich in Ruhe lassen hat nicht geholfen. In der Schule wurde ich immer gehänselt und hatte nur 2 - 3 wirkliche Freundinnen, die anderen Klassenkameraden sind mir aus dem Weg gegangen oder haben mir zu verstehen gegeben, dass ich einfach hässlich bin.

Mit 15 habe ich mich total verknallt in einen 19jährigen, der hat sich nur mit mir getroffen, damit ich an ihm rumfummele, bis er zum Orgasmus kam. Ich selbst hatte gar nix davon. Das ging 1,5 Jahre so. In dieser Zeit war ich auch im Urlaub und bin da auf einen Typen gestoßen, da ich ja ne "große Klappe" hatte, hab ich verschwiegen, dass ich noch Jungfrau war. Tja als ich ihm dann sagte, dass er mir weh tut, ist er auch net drauf eingangen und hat mir einfach den Mund verschlossen. Als es dann mit diesem anderen Typen in den ich so verknallt war, zum Sex kam, durfte ich mich auch nicht bewegen. Mir wurde gesagt einfach ganz ruhig da zu liegen und nix zu tun. Ab da an, hab ich mir immer wieder Affären gesucht und war doch ernsthaft der Meinung, dass ich ja die Männer ausnutze und nicht umgekehrt. So im Nachhinein war mir aufgefallen, dass ich sexuell ne totale Macke habe. Ich kann zwar viel geben, aber mir selbst bringt das nix, es stimuliert mich nicht wirklich. Wenn mich aber jemand festhält, dann stimuliert mich das ungemein. Ist das nicht total verrückt? Natürlich ist mir das erst jetzt Jahre später klar..........und es schockiert mich. Habe da auch noch mit niemanden drüber geredet. Tja dann hatte ich mal ne Beziehung für fast 3 Jahre, die mir dann einfach zu langweilig wurde. Der Typ hatte mich einfach nur noch genervt und gelangweilt, obwohl er doch so nett war.

Und dann traf ich den Fehler meines Lebens. Einen Typen, der gleich nach 2 Monaten zu mir gezogen ist. Ende der Geschichte war, der hat viel gesoffen, hat gekifft, hat mich oft bedroht, er bringt mich um, hat mich vor den Brustkorb geschlagen, hat mir telefonisch mit dem Leben gedroht, hat meine Katze durch die Luft geworfen, in der Badewanne geduscht etc. und ich durfte zuschauen, ich hatte dann SVV entwickelt und als Bestrafung hat er mir gedroht, nachts zu meiner Mutter zu gehen, es ihr zu erzählen, er sich mit der Schere verletzt und ich sollte zusehen, dann hat er gedroht er bringt sich um. Hat mich auf nen Wäscheständer geschmissen. Ständig habe ich die Worte in meinen Ohren: ich töte Dich, ich töte Dich. Besteck ist nach mir geworfen worden. Wenn ich ihn gebeten hatte zu gehen, hat er mir das Telefon in die Hand gedrückt und gesagt: Ruf doch die Polizei an, bis die da sind hab ich Dich schon erwürgt. So ging das jeden Tag.........über Monate hinweg. Niemanden habe ich mich anvertraut. Wenn ich nachts im Bett lag, hatte ich Angst er bringt mich um. Wenn ich von der Arbeit kam, hatte ich Angst ich finde meine Katze tot auf. Das war 2000-2002. 2003 Agoraphobie und Akne Inversa. Jetzt sagt man PST? Stell ich mich einfach nur zu sehr an? War das alles nicht schlimm?
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wirbelpower
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Post Mon, 20.Aug.07, 8:40      Re: Meine Geschichte Reply with quoteBack to top

hallo,
ich deke mal wie die meisten hier, weis man jetzt garnicht, was man dir antworten soll. es ist schockierend für mich, deine geschichte zu lesen und ehrlich gesagt, muss ich mich jetzt erst mal ein bisschen sammeln. uff...
wie lebst du heute ?
bist du in therapie ?
hast du noch kontakt zu deienr familie ?
lg

_________________
Bin ich nur glücklich wenn es schmerzt ?
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Post Mon, 20.Aug.07, 9:47      Re: Meine Geschichte Reply with quoteBack to top

Quote:
Stell ich mich einfach nur zu sehr an? War das alles nicht schlimm?

Nein, du stellst dich ueberhaupt nicht an - es ist wirklich schockierend, deine Geschichte zu lesen - was du alles durchgemacht hast. Bist du den Typen inzwischen endlich losgeworden? Ich hoffe ja ...
Wenn du jetzt im Nachhinein alle möglichen psychosomatischen Beschwerden bekommst, ist das kein Wunder. Du bist damit psychisch längst nicht durch - und spuehrst jetzt sozusagen das Nachbeben. Hast du schon mal daran gedacht, dir psychologische Hilfe zu holen, um mit allem besser fertigzuwerden?

Lg, Nachtvogel
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Nachthimmel
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Post Mon, 20.Aug.07, 10:33      Re: Meine Geschichte Reply with quoteBack to top

Hallo,

danke für Eure Antworten. Ich wollte Euch nicht schockieren. Ich wollte noch viel mehr schreiben, aber leider haben die Zeichen nicht ausgereicht *lach* Ich weiss, dass ich vieles knallhart einfach offen gelegt habe, aber ich wollte es einfach mal "loswerden".

Ende 2002 bin ich den Typen durch nen Trick los geworden. Habe drauf geachtet, dass er keinen Schlüssel mitnimmt und ihn weit weg zu seiner Familie auf nen "Urlaub" geschickt und ihm natürlich gesagt, dass ich ja bald nachkomme. Leider hat er mich dann noch telefonisch tyrannisiert. Ich steckte mitten in Ausbildungsprüfungen und einen Tag vor der Prüfung rief er mich mitten in der Nacht an und sagte, er sei am nächsten Morgen da, nicht nur um mich "platt" zu machen sondern auch meine Ausbildungs-Freunde.

Dann hat er mal plötzlich vor der Tür gestanden an meinem Geburtstag.
Aber seit Dez. 2002 ist jetzt endgültig Ruhe und ich höre nix mehr.

Tja ich hab die ganze Sache dann schön unter den Teppich gekehrt, sozusagen aus den Augen aus dem Sinn. In 2003 hab ich extreme Panikattacken bekommen, die mehrere Stunden anhielten. 2 mal mit Verdacht auf Herzmuskelentzündungen im Krankenhaus gelandet. Es hat dann über 8 Monate gedauert, bis mal ein Arzt auf die Idee kam, es könnte ja vom vegetativen Nervensystem kommen. Dann kam noch die Akne-Inversa dazu. 2004 Klinikaufenthalt für 9 Wochen. Und seit Ende 2004 auch in Therapie. Aber ich habe mich immer wieder auf andere Dinge fixiert, dass ich eigentlich kaum über die Geschehnisse gesprochen habe. Es wurde auch nie wirklich drauf eingegangen. Bis jetzt mal der Gutachter vom Versorgungsamt gesagt hat, ich hätte ne PST.

Naja jetzt werde ich wohl zu ner Traumatherapie gehen und nochmal in eine Klinik.

Ich stecke irgendwie immer in ner Zwickmühle. Mein Verstand sagt mir die ganze Zeit: "Mensch Mädchen stell Dich net so an, anderen ist schlimmeres passiert und es ist jetzt schon Jahre her, es muss doch mal gut sein" aber meine Seele blutet immer weiter so scheint es *sniff* Und immer wieder komme ich an den Punkt, wo ich denke, ich will das alles nicht mehr, ich will einfach meine Sachen packen und fliehen vor allem.

Mit meiner Familie habe ich guten Kontakt. Der habe ich letztes Jahr zum ersten mal auszugsweise erzählt, was überhaupt abgelaufen ist. Und es kam nur raus, weil man mich erstmal aufgrund meiner Gesundheit in Frührente schicken wollte und die konnten das überhaupt nicht verstehen. Ich glaube mittlerweile haben sie es akzeptiert. Aber es stört sie natürlich immer noch, dass ich nicht arbeiten gehen kann im Moment, weil man ja damit aus der Norm fällt.

Naja es ist schon traurig, ich fühle mich genauso wie am Anfang, als wäre ich nach all den Jahren nicht wirklich weitergekommen. In Therapie habe ich mich immer wieder auf andere Dinge versteift, wie die Akne Inversa, wie die Panikattacken, die Arbeit, der Verlust meines Vaters (gestorben Silvester 1996) etc. Aber hätte nicht doch mal jemand auf die Idee kommen müssen, dass es einfach daran liegt, was mir alles widerfahren ist? Es kommt mir so vor, als wird das alles als gar nicht so schlimm gewertet.........
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Nachtvogel
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Post Mon, 20.Aug.07, 13:16      Re: Meine Geschichte Reply with quoteBack to top

Quote:
Mein Verstand sagt mir die ganze Zeit: "Mensch Mädchen stell Dich net so an, anderen ist schlimmeres passiert und es ist jetzt schon Jahre her, es muss doch mal gut sein"

Tja, wenn das so einfach wäre, wuerde hier wohl kaum jemand noch schreiben und sämtliche Psychiater, Psychologen, Klinikpersonal etc. wären arbeitslos Wink Nein, man kann leider nicht einfach entscheiden, dass nun Schluss ist und alles unter den Teppich kehren - da macht einem frueher oder später die Psyche einen Strich durch die Rechnung und alles bricht hervor, sei es nun in Form von Depressionen, Ängsten oder psychosomatischen Erkrankungen. Los werden wird man das eigentlich nur, wenn man sich damit auseinander setzt, am Besten noch mit professioneller Unterstuetzung.
Ich selbst habe z.B. unter starken Depressionen gelitten und auch einen Selbstmordversuch hinter mir, obwohl doch alles "ok" war. Konnte niemand verstehen, ich am wenigsten. Was eigentlich los war und was sich so im Laufe der Jahre angestaut hatte (an schlimmen Erfahrungen, Verhaltensweisen, Missinterpretationen meinerseits etc.) kam erst im Laufe einer psychoanalytischen Therapie heraus. Auch jetzt bin ich immernoch in dem Prozess, meinen jetzigen Gefuehlen auf den Grund zu gehen, langsam zu lernen, mich selbst zu verstehen und dadurch auch mit mir + meiner Umwelt besser klarzukommen.
Vermutlich möchtest du auch einmal eine innere Ruhe und Zufriedenheit erlangen? Sowie Vertrauen in Männer und Beziehungen erlangen?

Quote:
Es kommt mir so vor, als wird das alles als gar nicht so schlimm gewertet.........

Jemand, der sowas nicht erlebt hat (inklusive der psychosomatischer Krankheiten), kann es meist schlecht nachvollziehen. Warum ein Therapeut allerdings nicht die Zusammenhänge sieht - das spricht nicht gerade fuer den Therapeuten. Mal daran gedacht, zu wechseln?

LG, Nachtvogel
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vita
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Post Mon, 20.Aug.07, 20:50      Re: Meine Geschichte Reply with quoteBack to top

Hallo Nachthimmel,

du hast meiner Meinung nach viel Schlimmes erlebt, was aufgearbeitet werden muss. Es tut mir leid, von deiner Geschichte zu hören.

Vielleicht kann dir die Idee ein wenig weiterhelfen, dass ich damals aus meiner Erfahrung heraus, meine Geschichte auch so rübergebracht habe, als wäre alles gar nicht so schlimm gewesen. Ich war mir nämlich selber nicht sicher, ob das schlimm war oder nicht.

So wie ich das heute sehe, haben die Menschen einfach entsprechend auf mich reagiert. Ich nahm mich selber nicht wichtig genug.

Ich bin ebenso aufgetreten wie du, nach außen hin die Starke, die nichts umhauen kann, und innerlich geblutet. Ich habe das durch meine Therapie geändert.

Wie Nachtvogel schon andeutete, müsste ein Therapeut dies jedoch merken und entsprechend ernst nehmen. Mein Therapeut hat mir damals erst die Augen geöffnet, wie schlimm es mir ergangen ist. Vielleicht wäre ein Wechsel tatsächlich nicht schlecht oder zumindest eine offene Frage an den Therapeuten, ob er dich überhaupt ernst nimmt.

lg
vita
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Nachthimmel
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Post Wed, 22.Aug.07, 0:04      Re: Meine Geschichte Reply with quoteBack to top

Danke für Eure Antworten. Tja ich hab mich immer gut drauf verstanden, mich in den Therapie-Stunden auf andere Sachen so zu fokusieren, die mich auch fertig gemacht haben, dass alles andere einfach irgendwie immer mehr in Vergessenheit geraten ist. Ich kann da dem Therapeuten nicht wirklich einen Vorwurf draus machen, ich suche da die Schuld doch eher bei mir.

Wenn man nix sagt, kann er es doch net wissen oder?

Ach ich weiss nicht........alles nen bißchen schwer für mich einzuorden, gerade weil ich sowieso nicht gerade einen Zugang zu meinen Gefühlen habe und meistens eigentlich immer nur "nichts" fühle.

Bin jetzt auf der Liste für die Klinik Heiligenfeld. Ich hoffe, dass die mir weiterhelfen können.

Aber ich falle immer wieder in das Raster rein, wo ich nach außen hin und auch mir selbst vorspiele, ach ich bin doch cool, alles is doch irgendwie ok ;(

Drückt mir mal die Daumen!
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