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Franziska
sporadischer Gast
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Post Sat, 30.Aug.03, 22:49      schwarz weiß denken Reply with quoteBack to top

Mich beschäftigt in letzter Zeit was man unter dem Schwarz Weiß denken in zusammenhang mit Borderline versteht,

bin grad dabei mich ein bissl besser zu verstehn, und kann mir darunter eigentlich nix vorstellen.

Würd mich sehr über Erfahrungen bzw. Antworten darüber freuen,

Lieber Gruß Franziska

PS. weiß leider nicht ob ich bei diesem Thema richtig bin mit meiner Frage.
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r.l.fellner
Psychotherapeut
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Wohnort Wien
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Post Sat, 30.Aug.03, 23:54      Reply with quoteBack to top

Hallo Franziska,

weiß / schwarz: dieser Farbvergleich soll "Gegensätzlichkeit" ausdrücken.

Beispielsweise in Bezug auf die stark wechselhaften Stimmungen, in die "Borderliner" geraten können:
in Bezug auf die Beziehung zu Ihren Partnern, Eltern, Vorgesetzten, Freunden etc. (das Gegenüber sieht sich sodann einem Wechselbad der Gefühle ausgesetzt, dessen Ursache es häufig nicht nachvollziehen kann), in Bezug auf das, was ihnen wichtig ist (laufende Veränderung von Prioritäten im Leben - was heute wichtig und vielleicht sogar Lebensziel ist, ist morgen vielleicht schon unwichtig) und einigen anderen Bereichen.

Borderlinern fällt es schwer, über einen gewissen Zeitraum hinaus Stabilität in einem Lebensbereich aufrechtzuerhalten: schon recht kleine Anlässe können genügen - danach beginnt das gesamte System gleich einem zu labil erbauten Turm zu wanken und bricht letztendlich zusammen. Plötzlich sind danach ganz andere Dinge wichtig, nicht selten das genaue Gegenteil der vorigen Position. Bis zur nächsten Änderung - vielleicht sogar noch am selben Tag...
In den Beziehungen zu den emotional wichtigsten Bezugspersonen (zB. Beziehungspartner, Eltern, Chef u.dgl.) findet häufig ein Wechselspiel "Liebe - Haß" statt. In guten Momenten gibt es da große Nähe, ein Gefühl von Geborgenheit und Vertrauen in die Zukunft, kurze Zeit später können in einem heftigen Streit plötzlich Teller durch die Wohnung fliegen oder verletzendste Vorwürfe auf den anderen einprasseln.
Das Schlimme und Belastende dabei ist, daß die Betroffenen neigen, sich völlig in diesen Gefühlen zu verlieren, und keine "Brücke" zum anderen Zustand mehr herstellen können. Das ist nicht nur ein großes Problem für sie selbst (da sie meist weit länger als nötig oder für sie günstig in einer bestimmten Stimmungslage "hängenbleiben"), sondern auch speziell in ihren Beziehungen und Partnerschaften - viele Partnerschaften zerbrechen daran, weil der/die Partner/in das ständige Wechselbad der Gefühle einfach nicht mehr aushält und nie wirklich "Ruhe" (im Sinne von Entspannung und innerer Stabilität) in die Beziehung einkehren kann.

Ich hoffe, meine Zeilen konnten ein wenig zur Klärung beitragen,
vielleicht hilft dabei ergänzend auch mein Artikel über die Borderline-Persönlichkeitsstörung (siehe "Archiv"-Link unten in der Fußzeile dieses Beitrags) weiter.

Beste Grüße
Richard L. Fellner

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