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nachttau
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Post Mon, 15.Dec.03, 16:51      Borderline - auffällig oft diagnostiziert Reply with quoteBack to top

Hallo zusammen, ich hoffe mal daß meine Frage hier richtig platziert ist:

Ich bin in verschiedenen Foren "unterwegs", auch in ganz allgemeinen Foren ohne besonderen Themenschwerpunkt. In letzter Zeit fällt mir immer häufiger auf, daß die Bezeichnung Borderline mehr und mehr zur "Allgemeindiagnose" verkommt - Leute die von psychischen Erkrankungen herzlich wenig Ahnung haben, bezeichnen Bekannte oder Familienangehörige als "Borderliner", sobald deren Verhalten für sie undurchsichtig oder "nicht normal" wirkt. Und ab und an lese ich dann auch noch, daß "Ratgebende" immer wieder betonen, wie "gefährlich" der Umgang mit Borderlinern sei.

Ich weiß nicht so recht damit umzugehen, mein Eindruck ist daß diese Erkrankung ohnehin nicht so ohne weiteres zu diagnostizieren ist. Daß Borderliner für andere gefährlich sein sollen leuchtet mir nicht ein - das ist doch eher selten der Fall, soweit mir bekannt dominiert doch gerade dort eher das selbstschädigende Verhalten, oder nicht? Ich hoffe daß Ihr mir ein paar Argumentationshilfen geben könnt, denn mir mißfällt es sehr, wie "Borderline" mittlerweile geradezu als abwertende Bezeichnung mißbraucht wird.

Anmerkung Admin: Betreffzeile von "Frage hinsichtlich Borderline" auf obige präzisiert.

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Denken ist oft schwerer, als man denkt.
(Werner Mitsch)
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Seraphine
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Post Mon, 15.Dec.03, 17:19      Re: Frage hinsichtlich Borderline Reply with quoteBack to top

Hallo Nachttau,

ich empfinde das ebenso wie Du. Angeblich hab ich Borderline, ich glaube das aber nicht und für solche Leute wie meiner einer hat man sich dann ganz praktisches überlegt, dann unterstellt man nämlich, dass man eine schizophrene (schreibt man das so?) Form davon hat. Was aber ist, wenn es dem, der Betroffenen gerade mal eben einfach nicht gut geht? Selbst dieser Test auf der Seite finde ich vollkommen überflüssig - zumal dort mind. 2-3 Mal gefragt wird, ob man unter Langeweile leidet - alles Quatsch - nur weil ich mein Leben temporär nicht so spannende finde, bin ich dann krank! Aha - ist ja interessant! Aber so kann man dann in seiner Opferrolle aufgehen und alle können zum Thera rennen. Alles Quatsch!!!! Meine Meinung!

LG, die Sera
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tanzendes_irrlicht
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Post Mon, 15.Dec.03, 19:05      Re: Frage hinsichtlich Borderline Reply with quoteBack to top

Hi,

nachttau wrote:
"Ratgebende" immer wieder betonen, wie "gefährlich" der Umgang mit Borderlinern sei.


"gefährlich" muss wirklich in Anführungsstriche gesetzt werden...

Der Umgang mit "Borderlinern" kann für "gesunde" etwas sehr anstrengendes und psychisch belastendes darstellen.
"Bler" können sehr launenhaft und hart in ihrem Nähe-Distanz-Verhalten sein. Das ist für das Umfeld manchmal ein ziemliches heiß-kalt-Wechselbad der Gefühle. Gefühle die da entgegekommen und die eben dann auch im "Gesunden" entstehen.
So kann der "Gesunde" psychisch (somatisch) krank werden.

Dies muss aber natürlich überhaupt nicht sein. Nicht alle "Bler" sind so extrem in ihrem Nähe-Distanz-Verhalten. Und manch eine Beziehung funktioniert auch eben mit der Zuverlässigkeit der Unzuverlässigkeit Wink

Das "Borderline" im Gesellschaftsdenken so extrem negativ belastet ist, hängt mit den ursprünglichen Diagnosekriterien zusammen. Um die 80er rum, hieß Borderline Grenzfall zwischen Neurose und Psychose, wobei die Psychose eben stark negativ belegt ist im Gesellschaftsdenken ("die Irren", "Verrückten", "Wahnsinnigen" ) ... von Borderline ging irgendwann mal durch die Medien, dass "die einfach unberechenbar sind", "sich aus Fenstern stürzen" und sowas....alles sehr dramatisch!
Gesellschaft, nein, Idividuum, reagiert auf alles, was es nicht versteht, erstmal ablehnend.
Mittlerweile umfasst "Borderline" viel mehr.

Gruß,

Tanzendes_Irrlicht

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Toleranz ist, wenn sich die Menschheit in die Menschlichkeit verliebt. C.M.
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PoppyRed
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Post Mon, 15.Dec.03, 20:54      Re: Frage hinsichtlich Borderline Reply with quoteBack to top

Hallo...
Finde ich erstmal ziemlich gut, dass du dich so kritisch mit dem Thema auseinandersetzt, und das hinterfragst.
Ich weiß gerade gar nich, wo ich beginnen soll.
Ich hab meine Seminarfacharbeit über BL geschrieben, und das Thema ist extrem komplex und dadurch schwer zusammenfassend zu beschreiben oder ähnliches.
Jedenfalls sind BLer nicht mehr und nicht weniger "Bedrohung" oder "Gefahr" für andere!!!
Die Symptome reichen von (Auto)Aggession über Essstörungen, Ängste und Suchtmittelmissbrauch bis zu gestörtem Selbstbild, ...

Der Grund für denn saloppen Gebrauch des Wortes liegt eventuell in der Geschichte der Störung. Hier mal ein Auszug aus meiner Arbeit:
"Im Jahr 1884 wurde die Störung erstmalig durch HUGHES unter dem Begriff „borderland“ erwähnt. Nach neun darauffolgenden Jahren führte 1893 KRAEPELIN die Bezeichnungen „Dementia praecox“, „Katatonie“ und „Dementia paranoides“ (wäre heute Schizophrenie) für eine Untergruppe der Psychosen ein. Somit war also schon zu Ende des 19. Jahrhunderts klar, dass das heute als „Borderline“ bekannte Krankheitsbild eine Art Psychose ist.
Im selben Jahr veröffentlichten BREUER und FREUD ihre „Studien über Hysterie“, bei denen auffällt, dass etliche der damals als hysterisch eingeschätzten Menschen nunmehr als Borderliner diagnostiziert würden.
Es kam zur Entstehung zweier verschiedener Strömungen, von denen die eine Borderline als zu den „Psychopathien“; die andere als zu den Hysterien gehörig zuordnete.
1938 berichtete STERN über die psychoanalytische Diagnostik, sowie die Therapie der „border line group of neuroses“. Somit war der Grundstein zur weiteren Erforschung der Krankheit gelegt.
HOCH und POLATIN gingen von der Existenz einer pseudoneurotischen Form der Schizophrenie aus, und beschrieben daraufhin im Jahr 1949 jene heute als „Borderline-Störung“ benannte Erkrankung. [...]"
Ich denke, dass es ähnlich wie auch die Verwechslung von Schizophrenie und multipler Persönlichkeitsstörung. ... ist.
Ein dehnbarer (weil vielschichtiger) Begriff, den jeder für sich auslegt.

Und: was tanzendes_irrlicht schreibt stimmt genau!

Letztens hatten wir in der Schule als Vorbereitung auf die Vorstellung der Seminarfacharbeit noch ein paar Stunden mit verschiedenen "Typen". Einer war von der AOK, und meinte dann zu mir: Ach! Thema Borderline. Da hab ich erst neulich von gehört. Mir wurde gesagt: Borderline hat im Moment jeder."
Da hab ich mir auch gedacht: Klar!!!
Da kommt auch durch, dass einige dämliche Menschen diese schwere psychsche Störung für eine Art "Lebenseinstellung" halten (siehe auch http://www.borderlinekunst.de/nonbpd.htm)...

Viele Grüße
PoppyRed
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r.l.fellner
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Post Tue, 16.Dec.03, 21:49      Re: Borderline - auffällig oft diagnostiziert Reply with quoteBack to top

Liebe Nachttau,

Sie haben hier ja schon einige Antworten erhalten, denen ich mich weitgehend anschließen kann. Nun, jede Zeit hat ihre "Modediagnosen" (oder, andere Sichtweise: Auslöser für bestimmte psychische Probleme). Zu Zeiten Freuds war es die Hysterie (diese Diagnose existiert heute in dieser Form nicht einmal mehr!), heute sind es unter anderem Borderline (für Erwachsene) und AD(H)S (für Kinder und Jugendliche).

Ich glaube jedoch nicht, daß man die überwiegende Anzahl von durch Fachpersonen vorgenommenen Borderline-Diagnosen einfach als "Verlegenheitsdiagnose" oder dergleichen abtun kann - dazu sind die Diagnosekriterien (mehr dazu siehe auch in meinem Artikel über Borderline) heute zu genau abgegrenzt. Vielmehr bin ich der Ansicht, daß die Borderline-Symptomatik eine Auswirkung der gesellschaftlichen Verhältnisse ist, die bis heute weite Teile unserer Kultur bestimmt. Die extreme Haltlosigkeit, die großen emotionalen Schwankungen und die tiefsitzenden Ängste von "Borderlinern" sind höchstwahrscheinlich in vielen Fällen Auswirkungen einer auch emotional instabilen Kindheit, in der es in bestimmten Bereichen wenig Grenzen, wenig Sicherheit, aber viel Grund für Ängste (insbesondere emotionale Verlustängste und/oder emotionalen Terror) gab. Die geliebten Eltern waren und sind da oft auch die gehaßten* Eltern - weil sie nicht wirklich für ihre Kinder da sind oder Ihnen nicht die Sicherheit geben, die ein Kind nun einmal benötigt.
Auch heutzutage ist auffällig, daß viele Kinder zwar schon (sehr!) früh emotional reif und abgeklärt wirken (weil sie es in ihren instabilen und/oder karrieregeprägten Familien auch sein müssen!), aber auf emotionalen Streß häufig unadäquat (entweder deutlich überzeichnet und unkontrolliert oder andererseits gefühskalt, scheinbar kaum berührt und nüchtern) reagieren. Gelingt es diesen Kindern nicht, sich selbst und ihre Bedürfnisse besser zu spüren (häufig ein schwieriges, durch sie allein kaum lösbares Unterfangen), dann werden das später jene "Borderliner", die sich auch als Erwachsene nie wirklich dauerhaft geborgen und angenommen fühlen können.

Ich habe recht häufig mit Borderline-Betroffenen zu tun (jene, die ihre Symptome gerade als "Spleens" umdeuten, kommen naturgemäß nicht in die Therapie), insofern mag mein Blick ein wenig subjektiv geprägt sein, aber ich bin schon der Ansicht, daß BL heutzutage (natürlich in verschiedenen Ausprägungsgraden) tatsächlich ein überdurchschnittlich häufig anzutreffendes Beschwerdebild darstellt.

Herzliche Grüße
Richard L. Fellner

* (allerdings nur selten in vollem Ausmaß bewußt, derart massive Verstörungen müssen gut verdrängt werden)

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SusanneM
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Post Mon, 22.Dec.03, 20:00      Re: Borderline - auffällig oft diagnostiziert Reply with quoteBack to top

Dass die Borderline-Störung auffällig oft diagnostiziert wird, liegt wohl daran, dass viele Patienten, bei denen sich Ärzte oder Therapeuten nicht mehr sicher sind, was es überhaupt ist, das er hat, "einfach" diese Diagnose bekommen (es passt dann ja alles zu der Diagnose, egal wie genau)

Mir hatte mal eine Ärztin gesagt "IHRE Borderlinestörung ist ja eine ganz andere als die, die in den Diagnosenrichtlinien drinsteht, sie haben diese ... und diese Symptome zwar nicht, aber die anderen ja doch - also haben sie diese Diagnose, auch wenn sie bei weitem nicht mit den Borderlinestörungen der anderen Patienten vergleichbar ist."

Drückt wohl aus, dass es wohl sonst nichts anderes gegeben hatte, wo man mich diagnostisch einordnen hätte können. (Bei meiner Psychotherapeutin, die ich mittlerweile seit etwa acht Jahren habe - hatte ich übrigens nie diese Diagnose, eher: rezidiv. depressive Störung, sie war auch immer entsetzt, wenn sie die Diagnosen las, die ich von KH-Aufenthalten "mitbrachte". Einmal "bekam" ich sogar die Diagnose "schizoaffektive Psychose" - wirklich haarsträubend.)

Zurück zu den Fehldiagnosen:
Seit zwei Jahren habe ich die Diagnose ADHS und werde erfolgreich behandelt. (wie durch ein Wunder haben sich alle jene Symptome, die vorher dauernd auf Borderline geschoben wurden, gebessert bzw. teilweise total verflüchtigt.)

Ich kann mir durchaus vorstellen, dass vielen Erwachsenen, die in Wirklichkeit ein ADHS haben, die Diagnose Borderline sicherlich recht rasch gestellt ist. (was soll so ein Arzt schon anderes machen, als die Diagnose zu nehmen die er kennt?? Kennt der kein ADS, dann kann der Patient sowas auch gar nicht haben - stattdessen wird er jahrelang danebenbehandelt, am eigentlichen Problem vorbeibehandelt.
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Fanny
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Post Tue, 23.Dec.03, 10:29      Re: Borderline - auffällig oft diagnostiziert Reply with quoteBack to top

Mir fällt auf, daß Leute mit Pottraumatischer Belastungsstörung (nach Mißbrauch) häufig diese Diagnose bekommen.
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Jürgen
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Post Tue, 23.Dec.03, 18:11      Re: Borderline - auffällig oft diagnostiziert Reply with quoteBack to top

Jetzt macht mal halblang !!

@susanneM Dein Supi Thema "ADHS und Diagnose Borderline" hast du dir schon mal die Therapie genauer angeschaut ? ist wie schupfen oder tropfende Nase ! beides wird gleich behandelt TT , VT , Klink, und wenn du als BLer Retalin als bessere Wahl ansiehst dann aber Hallo ! Retalin mach dich Platt , selbst ein BL geht es dann besser macht nur Süchtig ist Morphin ganz zu schweigen dann eine Thrapie zu machen ! OK .

Für mich ist ADS eine ausweichdiagnose um sich nicht mit BL zu beschäftigen ! ( macht auch kein Therapeut )

@all

"Es gibt heute mehrere sogenannte
diagnostische Instrumente
, mit denen von geschulten Fachkräften mit relativ hoher
Sicherheit
eine Aussage darüber gemacht werden kann, ob diese Störung vorliegt oder nicht.
Das bekannteste Instrumentarium ist das DSM-IV (Diagnostisches und Statistisches Manual
IV). Es werden neun Verhaltensmuster beschrieben, von denen fünf erfüllt sein müssen, um die
Diagnose einer "Borderline-Störung" stellen zu können."

wer anderes erzählt hat Angst vor der Diagnose das er BL hat oder Lügt sich selbst was vor !!!

und auch noch so ein absatz aus meinen Information Blatt der Klinik für Betroffene

Es ist wichtig zu wissen, dass Borderline-Störungen nicht selten sind, in der
Gesamtbevölkerung dürfte etwa 0,5-1% unter dieser Störung leiden (auch wenn viele Betroffenen
fürchten, dass sie mit ihrem Leiden ein Einzelfall sind). Man kann davon ausgehen, dass
10-15% aller ambulant und fast 20% aller stationär in psychotherapeutischen oder psychiatrischen
Einrichtungen behandelten Patienten die Kriterien einer Borderline-Störung erfüllen. Es
gibt also weit mehr Betroffene als gemeinhin angenommen wird. Dennoch sind nicht nur die
Betroffenen, sondern häufig auch Ärzte und Therapeuten über dieses Störungsbild nur unzureichend
informiert.

Hört bitte mit dieser unsäglichen Diskussion der Fehldiagnose bei BL auf oder bringt nachvollziehbare und überprüfbare fakten ! nicht ich hab mal gehört ,

Jürgen Lieber hab ich BL als andauernd im Drogenrausch und ohne Drogenpsychosen !
r.l.fellner
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Post Wed, 24.Dec.03, 13:28      Re: Borderline - auffällig oft diagnostiziert Reply with quoteBack to top

Liebe Fanny,
Fanny wrote:
Mir fällt auf, daß Leute mit Pottraumatischer Belastungsstörung (nach Mißbrauch) häufig diese Diagnose bekommen.

Borderline? Ja, und aus gutem Grund - weil Borderline-Betroffene in ihrer Lebensgeschichte verhältnismäßig häufig Mißbrauchserfahrungen haben.

@Jürgen: ADS und Borderline sind sehr wohl unterschiedliche Krankheitsbilder mit unterschiedlicher Symptomatik. Es gibt aber häufig Fälle, wo eine Einordnung schwierig ist. Auch aus meiner Sicht sollte man sich als Betroffene(r) aber (so gut vermeidbar und möglich) nicht auch noch mit Diagnoseproblemen belasten, das ist mitunter selbst für die jahrelang ausgebildeten Fachleute schwierig genug.

Liebe Grüße
Fellner

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Post Thu, 08.Jan.04, 11:37      Re: Borderline - auffällig oft diagnostiziert Reply with quoteBack to top

Hallo zusammen, gerade habe ich den Link "eigene Beiträge" entdeckt und so diesen Thread wiedergefunden - danke für die vielen Antworten grinsend

Ich selbst habe im Laufe meiner Therapiegeschichte auch schon 2 oder 3 x die Diagnose "Borderline-Syndrom" verpaßt bekommen und habe weder damals noch heute dem zustimmen können (auch wenn zweifellos etliche Symptome FÜR diese Diagnose gesprochen haben). Von FACHleuten sollte man schon erwarten können, daß sie einigermaßen sicher in ihrer Diagnosestellung sind. Aber danke für Ihre Beiträge, Herr Fellner - ich war nicht mehr ganz auf dem neuesten Stand, was Borderline angeht.

Worum es mir mit meiner Ausgangsfrage vor allem ging war der Umstand, daß es mittlerweile sehr häufig auftaucht, dieses "Borderline" - und mir will scheinen, daß das häufig mit nicht mehr "Wissen" als dem aus Talkshow-Beiträgen und Frauenmagazinen geschieht. So Pi mal Daumen: "Die schneidet sich und trinkt Alkohol, also ist die Borderlinekrank". Und: "Borderliner werden aggressiv, wenn sie dich nicht mehr lieben werden sie gefährlich" - sowas in der Art. Solchen Vorurteilen zu begegnen ist wirklich nicht ganz einfach Sad

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Post Sun, 08.Feb.04, 16:57      Re: Borderline - auffällig oft diagnostiziert Reply with quoteBack to top

Hier wird ja schwer über ADS und BL diskutiert!

Also erstmal muss ich mich auch heftigst dagegen wehren das BL und ADS in einen Topf geworfen wird. Bei psychischen Erkrankungen ist eine Diagnose immer nicht ganz einfach und die Symptomatik geht oft fließend ineinander über, aber trotzdem sind es unterschiedliche Erkrankungen.

Ich bin nun seit ungefähr 4 Monaten bei einem Arzt in Behandlung und seine in Frage kommenden Diagnosen gingen von ADHS bis Manie und irgendwie passen eben immer viele Symptome auf mehrere Krankheiten, andere wiederrum passen nicht ins Bild einer Krankheit, was aber das bestehen dieser Krankheit nicht unmöglich macht.
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Post Sun, 08.Feb.04, 17:57      Re: Borderline - auffällig oft diagnostiziert Reply with quoteBack to top

Wen wundert es, daß die Diagnosen häufig unsicher sind? Der Mensch ist ein kompliziertes Wesen, ständig dem Wechselspiel seiner Umwelt ausgesetzt und unheimlich dynamisch. Die Psyche eines Menschen zu durchschauen stelle ich mir sehr sehr schwer vor, ich für meinen Teil analysiere mich selber immer wieder und verstehe trotzdem so einige Dinge kaum.
Die Diagnose psychischer Probleme ist halt wesentlich vielschichtiger als ein Knochenbruch, und auch Psychologen können sich irren.
Ich denke, ähnlich wie Herr Fellner, daß die Menschen durchaus Kinder ihrer Zeit sind, und es an den äußeren Umständen liegen kann daß die Symptomatik von Boderline so häufig zu finden ist.
Ich habe beim Psychiater meinen Verdacht auf Borderline angegeben (und der ist schon recht konkret, soweit ich das mit meinem Wissen beurteilen kann), er vermutetet erst ADS, als sich das erledigt hatte sagte er was von BL oder schizoide Persönlichkeitsstörung.
Auch da überschneiden sich wieder bestimmte Kriterien... nur schade für mich, daß ICH gerne eine klare Diagnose hätte (und selbst sowas "furchtbares" wie Borderline kann mich net schocken, dafür bin ich zu gefühllos).
Wer will sich schon ein absolutes Urteil über das Seelenleben eines Menschen erlauben?

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I've seen the light of suicide, and I'm dying
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