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idea
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Post Mon, 19.Jan.04, 20:52      Schizophrenie- Wie selbst damit umgehen? Reply with quoteBack to top

Hi!

Ich stecke gerade in einem Loch und weiss mir eigentlich nicht zu helfen.. nun muss ich aber etwas weiter ausholen um die Situation zu erklären:

Mein Vater "leidet" seit seinem 18.ten Lebensjahr an Schizophrenie. Diese hat sich natürlich das Alltagsleben und besonders seine "GEschäfte" sehr beeinträchtigt ( viele unnötige Geldausgaben, verrückte Investitionen , usw.). Er hat in gewissen Zeiten Haldol genommen, auf jeden Fall wie er die Ehe mit meiner Mutter erhalten hat musste er die MEdikamente nehmen.(4 Kinder-wir wussten es nicht) Seine richtigen "anfälle" (mit Psychiatrie - Aufenthalt & Co) kamen immer in Abständen von ca. 2-5 Jahren, spätestens aber im 5ten Jahr kam so ein Zustand,natürlich ab dem Zeitpunkt wo er nicht mehr verheiratet war. Ich(22) selbst habe es durch so einen anfall erfahren, war 14 Jahre alt und habe eine sehr eigenartige Situation mit ihm erlebt und musste leider mitbekommen wie er abtransportiert worden ist. ( ein schrecklicher Anblick) Sietdem kauere ich an dem herum. Viele Therapiestunden & Co habe ich hinter mir, jedoch nun ist eine Situtaion eingetreten wo ich einfach nicht mehr wieter weiss. Mein Vater hat mit 55, also vor einem Jahr, mit einer Überlebenschance von 30% , 3- Bypässe bekommen. Er hat es "Gott sei Dank" überlebt. Danach kamen 3 Monate des "relativen normalen Lebens", also kein Alkohol, keine Zigaretten , keine lange Nächteusw. Da ging es ihm auch ganz gut. Jetzt beginnt jedoch alles von vorne. Er schläft nicht, er trinkt und raucht, er gibt Sätze von sich die man nicht als logisch nachvollziehbar sehen kann , hat eine GEfühlswelt die unkontrollierbar ist, usw. Ich weiss dass ich das nicht ändern kann, ich habe meinen Vater wegen der Krankheit zum Slebtsschutz in gewisser weise irgendwann "auf eine gefühlsneutrale Ebene" gesetzt, wobei das natürlich nur in bestimmten Zeiten geht, wenn viel zu tun ist und man nicht zu viel grübelt.
Ich weiss jeodch nicht wie ich damit fertig werden soll. Dass er wohl seinen 60ger nicht erleben wird, ist ziemlcih wahrscheinlich.. aber der GEdanke daran dass er das nicht tun wird, weil er einen seiner "Anfälle" bekommt, ist grauenvoll für mich.

Jetzt wüsste ich gerne von Angehörigen wie ihr damit umgeht. Wie ihr die Schizophrenie und die eigentliche Selbtszerstörung verarbeiten könnt?
Ich kann es nämlich nicht, obwohl ich wirklich viel dafür getan habe dass ich es lerne und viel versuche, es holt mich immer wieder ein. Muss dazu sagen, dass mein Vater nicht im gleichen Land wohnt und wir duns sehr selten sehen. Seine Krankheit bestimmt jedoch mein Leben.. und das ist einfach nicht machbar.. ein GEdanke der nie los lässt und mich nicht leben lässt. Wie kann man das so betrachten, dass es nicht das eigene Leben so beeinflusst?

Würde mcih um ANtwort sehr freuen!
LG
idea
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Phobi
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Post Fri, 23.Jan.04, 19:11      Re: Schizophrenie- Wie selbst damit umgehen? Reply with quoteBack to top

Hallo idea
Zunächst mein tief empfundenes Mitgefühl.
Ich bin kein Arzt und deswegen kann ich zu der Krankeheit eigentlich nichts sagen. Mir ist in deinem Text nur ein Satz ganz schrecklich aufgefallen:
Quote:
ich habe meinen Vater wegen der Krankheit zum Slebtsschutz in gewisser weise irgendwann "auf eine gefühlsneutrale Ebene" gesetzt


Schrecklich deswegen, weil auch mir etwas ähnliches mit meinem Vater passiert ist: Ich habe ihn, vor dem ich immer Angst hatte, weil er mich als Kind eben geschlagen hat, innerlich besiegt und "habe mich über ihn gesetzt"
Was dann in einer NLP-Sitzung passiert ist, treibt mir noch heute die Tränen in die Augen.
Es ging um das Bild, das ich von meinem Vater hatte, am tag bevor er gestorben ist - im Krankenhaus. In einer Art Trance habe ich es beschrieben, wie er als Schatten seiner selbst dagesessen ist und ich habe auf ihn herabgesehen. Mein Begleiter hat mich aufgefordert, ich möge ihn doch aufrichten lassen (im Gedanken) und die Schultern zurücknehmen. ----------- Das Bild ist wie von selbst nach oben gewandert. Seitdem schaue ich wieder auf zu meinem Vater und von dem Tag an war ein Druck in meiner Brust verschwunden, der mich schon jahrelang begleitet hatte.

Ich habe das deswegen so ausführlich erzählt, weil ich aus deinem Schreiben herauszulesen glaube, dass du deinen Vater leibst, trotz aller Dinge die du erlebt hast. Ich möchte dir sagen, nein zurufen, vergrabe nicht deine Liebe, lass sie zu.
In Tränen aufgelöst - Phobi
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Naomi
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Post Sun, 25.Jan.04, 15:51      Re: Schizophrenie- Wie selbst damit umgehen? Reply with quoteBack to top

Lieber Phobi,

Phobi wrote:
Das Bild ist wie von selbst nach oben gewandert. Seitdem schaue ich wieder auf zu meinem Vater und von dem Tag an war ein Druck in meiner Brust verschwunden, der mich schon jahrelang begleitet hatte.



Entschuldigung, dass ich mich hier "einmische". Aber ich denke, wir sind heute darüber hinweg, dass wir zu unseren Eltern "aufschauen". Mich zumindest befremdet diese "Lösungsstrategie" etwas. Ich denke, erwachsene Menschen sollten ihre Eltern so sehen können, wie sie eben sind, aber nicht mehr zu ihnen "aufschauen".

LG

Naomi

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Post Sun, 25.Jan.04, 16:07      Re: Schizophrenie- Wie selbst damit umgehen? Reply with quoteBack to top

Liebe idea,

idea wrote:
Ich weiss jeodch nicht wie ich damit fertig werden soll. Dass er wohl seinen 60ger nicht erleben wird, ist ziemlcih wahrscheinlich.. aber der GEdanke daran dass er das nicht tun wird, weil er einen seiner "Anfälle" bekommt, ist grauenvoll für mich.



Wie geht eigentlich deine Mutter damit um?
Ich kann dich sehr gut verstehen, dass das alles sehr schwer auszuhalten ist, aber vielleicht solltest du mit deiner Mutter darüber sprechen. Es ist aber wohl sehr, sehr schwierig, wenn er selber nicht bereit ist zu einer Therapie und zur Medikamenteneinnahme.

Ich kann ein Lied davon singen, da mein Bruder unter paranoider Schizophrenie leidet und ich gar nichts für ihn tun kann, weil er Hilfe konsequent ablehnt. Es ist auch schon seit Jahren kein Kontakt mehr zu ihm möglich. Ich beruhige mich nur damit, dass er, wenn´s ihm ganz schlecht geht, doch zum PSD geht, zumindest war´s früher so. Doch auch die kommen nicht an ihn ran. Vor Jahren hatte mich eine Ärztin angerufen, damit ich ihr was über meinen Bruder erzähle, weil er selbst nichts von sich erzählrte, was ich dann auch getan habe. Nur wusste ich genau, es bringt ihm nichts, wenn er das selbst nicht erzählt.

Wie ich damit umgehe? Ich kann nur auf mich selbst schauen, und mein eigenes Leben leben. Aber eigentlich weiß ich selber nicht so genau, wie ich es schaffe, damit eingermaßen umzugehen. Aber es geht irgendwie. Ich hab auch oft Angst, dass die Leute mir Vorwürfe machen, weil ich meinem Bruder nicht helfe, aber Fakt ist, er läßt sich nicht helfen. Ich k a n n a b s o l u t n i c h t s für meinen Bruder machen.

Vielleicht solltest du dich zum Beispiel an die HPE Österreich (Hilfe für Angehörige psychisch Erkrankter, gibt´s vielleicht in Deutschland auch) wenden. Erfahrungen damit kann ich dir aber nicht berichten, war selbst nicht dort, aber ich glaube, die haben dort recht gute Leute.

Alles Gute wünsche ich dir.

LG

Naomi

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Post Sun, 25.Jan.04, 19:35      Re: Schizophrenie- Wie selbst damit umgehen? Reply with quoteBack to top

Hi Naomi:

Also meine Mutter: Sie sind seit ca 14 Jahren geschieden, seit 14 Jahren leben wir nicht mehr zusammenudn seit 10 Jahren in verschiedenen Ländern. MEine mutter hat sich dazu entschlossen: Sie hat ihn geheiratet obwohl sie es wusste und in gewisser Weise gewusst was auf sie zukommt. Sie hat dafür gesorgt, dass er seine MEdis nimmt und versucht ein geregeltes Leben zu führen, damit die Gefahr eines "Anfalles"geringer wird. ( Hier muss ich sagen: In Teneriffa gibts und gabs nicht eine gute ärtlihce VErsorgug, noch weniger im psychiatrischen Bereich. Ende 70-ger/ Anfang 80ger wars dort noch so, dassman eingewiesen worden ist und nicht mehr rauskam- so ca.) Meine Mutter hat durch die Scheidung diesen Abstand geschaffen, irgendwie hat sie es geschafft die richtieg Distanz aufzubauen. Bei der Betrachtungsweise hat sie von mir gelernt , wobei sie es wohl besser verinnerlicht hat als ich. ( Das hat wohl mit der Lebenserfahrung zu tun)
Ich mache ja immer wieder große Schritte in die richtige Richtung.. aber oft holt es mich wieder zurück. Das ich nichts dafür kann, dass er sich um,bringt: ist mir voll klar. Vielleicht hab eich einfach Angst dass ich mit so einem Vorwurf nach seinem Tod konfrontiert werde. Es wissen ja nur wenige Menschen was wirklich mit ihm los ist.. und schon heute kommen Vorwürfe die ich schlucken muss, weil ich in gewisser Weise auch nciht will dass jeder weiss was er hat.. einerseits wegen ihm, andereseit wegen mir: Menschen sind unfair, wenn es um etwas geht was sie nicht verstehen wollen..oder einfach nicht können..

Ich habe dieses Wochenende angefangen mir einen GEdanken zu suchen, der mich mal daran hindert zu viel an das alle szu denken, bzw. mich von der Last befreit Es hat funktioniert in gewisser Weise.. Ich muss es nur ausformulieren. Wenn man so drinnen ist , dann braucht man was wo man sich festhalten kann.. vielleicht ist so ein ausformulierter GEdanke, etwas wasmir helfen kan..

Danke für eure antworten!
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Naomi
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Post Sun, 25.Jan.04, 21:24      Re: Schizophrenie- Wie selbst damit umgehen? Reply with quoteBack to top

Liebe idea,

idea wrote:

Ich habe dieses Wochenende angefangen mir einen GEdanken zu suchen, der mich mal daran hindert zu viel an das alle szu denken, bzw. mich von der Last befreit Es hat funktioniert in gewisser Weise.. Ich muss es nur ausformulieren. Wenn man so drinnen ist , dann braucht man was wo man sich festhalten kann.. vielleicht ist so ein ausformulierter GEdanke, etwas wasmir helfen kan..
Danke für eure antworten!


Es würde mich sehr interessieren, wie deine ausformulierten Gedanken lauten. Du hast schon recht, dass man was braucht, wo man sich anhalten kann. Und gerade, wenn man mitten drin steckt und vielleicht nur diesen einen Tag überstehen möchte. War bei mir früher
so.

idea wrote:
Ich kann es nämlich nicht, obwohl ich wirklich viel dafür getan habe dass ich es lerne und viel versuche, es holt mich immer wieder ein. Muss dazu sagen, dass mein Vater nicht im gleichen Land wohnt und wir duns sehr selten sehen. Seine Krankheit bestimmt jedoch mein Leben.. und das ist einfach nicht machbar.. ein GEdanke der nie los lässt und mich nicht leben lässt.


Wenn du möchtest, kannst du beschreiben, wie es dich einholt? Und wieso es dich nicht leben läßt?

Es ist aber sehr gut, dass du dich intensiv mit der Situation auseinandersetzt. Sonst würde es dich später treffen wie ein Hammerschlag. Mir hat die Auseinandersetzung damit schon auch sehr viel geholfen. Hab eine lange Therapie gemacht, weil ich starke Depressionen hatte. Vielleicht ist es auch ein innerer Glaube, dass die Dinge besser werden können, wenn ich nur dran bleibe. Oder der Glaube an eine ausgleichende Gerechtigkeit. [Denn immerhin ist dir dein Vater (wenn auch durch seine Krankheit bedingt) vieles schuldig geblieben, vermute ich mal.] Und es ist mir tatsächlich gelungen. Natürlich kann niemand seine Geschichte einfach abstreifen, aber ich habe eine große innere Ausgeglichenheit, die mir vielleicht immer schon dabei geholfen hat. Und heute geht es mir im Verhältnis zu früher sehr gut.

Wünsche dir auf jeden Fall viel Kraft.

LG

Naomi

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wolke86
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Post Tue, 03.Feb.04, 11:27      Re: Schizophrenie- Wie selbst damit umgehen? Reply with quoteBack to top

HALLO!
Du kennst mich ja schon aus meinen persönlichen Nachichten, daher unterlasse ich jetzt mal weitere ausführungen. Du weißt, dass wir vielleicht ähnliches erlebt haben. Du hast nach deinem "Erlebnis" damals eine Therapie gemacht, oder? Um aufzuarbeiten? WIe ist das abgelaufen?
Würdest du das empfehlen? Tut mir leid, dass ich dir nicht weiter geschrieben habe, aber ich hatte das Gefühl zu viel aufzuwühlen, bei dir und bei mir... liebe Grüße
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