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joana
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Post Wed, 17.Mar.04, 13:35      (längere) Auslandsaufenthalte - eure Erfahrungen ?! Reply with quoteBack to top

Hallo !

Tja, der Titel sagt schon einiges: Nach dem Abi werd ich erstmal für ein Jahr nach Ecuador gehen und dort nen Freiwilligendienst machen (vergleichbar mit einem Sozialen Jahr) Cool ! Ich bin überglücklich, dass ich diesen Platz noch bekommen habe nach monatelangem Aufwand, aber ein bisschen mulmiges Gefühl hab ich schon.... Rolling Eyes ....in so eine völlig fremde Welt einzutauchen, ist immer ein Wagnis und furchtbar spannend -

Darum wär ich noch doppelt gespannt, was ihr zu erzählen habt, ob ihr vielleicht ähnliches schon gemacht habt, welche Erfahrungen ihr während so einem langen Auslandsaufenthalt gesammelt habt, was schön war, was schwer, gab's neue Erkenntnisse....und alles was euch sonst noch dazu einfällt.....!

Liebe Grüße !
joana
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marsil
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Post Wed, 17.Mar.04, 15:50      Re: (längere) Auslandsaufenthalte - eure Erfahrungen ?! Reply with quoteBack to top

Hi Joana

War ein Jahr in den USA.
(Damals, noch vor der ganzen Anschlagserie)

Ok, da ist der Kulturschock vielleicht nicht so groß wie bei
einem Jahr in Ecuador, aber auch nicht zu unterschätzen.

Also:

1. Viel Vergnügen!. Das wird großartig!

Das mulmige Gefühl vor dem Umzug ist ja ganz normal, das legt sich
aber sehr rasch. Fängt ja schon an, wenn Du bei offenem Fenster mit
dem Taxi vom Flughafen zu Deiner Unterkunft fähst. Es riecht anders,
die Luft fühlt sich anders an, alles ist neu und vor lauter Aufregung
vergißt Du erst einmal die ganzen Sorgen. Du bist da! Wink

Dieses Hochgefühl hat bei mir einige Wochen angehalten, so daß die
ersten Erledigungen (v.a. Wohnung suchen, an der Uni melden, Konto
einrichten, und der ganze Kleinkram) erstaunlich leicht von der Hand
gingen. So ist die Zeit, über die ich mir zuhause die meisten Sorgen
gemacht habe, eigentlich wie im Flug vergangen.

Erst danach beginnt so langsam durchzusickern, daß einige Dinge
tatsächlich anders laufen als bei uns. Und es macht einen Unterschied,
ob man in Reiseführern und Ratgebern davon gelesen hat, oder es dort
täglich, und ohne sich dessen immer bewußt zu sein erlebt.

Was aber meist kein Problem ist, wenn man höflich nachfragt,
wenn man grad wieder in ein Fettnäpfchen getreten ist.
Für den Alltag reicht das.

Ansonsten würde ich zwei Dinge im Auge behalten, die Dir das Erlebnis
noch schmälern könnten: Heimweh & Abkapselung. Aber mehr dazu
später, sonst komm ich über 4000 Zeichen... Wink

Grüße, Marsil

_________________
VIRTVTIS RADIX AMOR
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joana
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Post Thu, 18.Mar.04, 17:40      Re: (längere) Auslandsaufenthalte - eure Erfahrungen ?! Reply with quoteBack to top

Hallo Marsil,
na das klingt ja schonmal gut, was Du so erzählt (gern mehr davon !!!!) Wink ! Die Befürchtung, mich jetzt zu sehr auf was zu freuen, was sich dann am Ende als gar nicht so toll herausstellt (z.B. was es so zu lesen gibt über Menschen, Kultur, Landschaften etc.), hatte ich auch schon, obwohl ich mir immer wieder auch bewusst mache, dass nicht nur schöne Zeiten auf mich zukommen werden, gerade wenn ich mit dem Elend dort konfrontiert werde. Aber nichts desto trotz, ich freu mich !!!

marsil wrote:

Ansonsten würde ich zwei Dinge im Auge behalten, die Dir das Erlebnis
noch schmälern könnten: Heimweh & Abkapselung.


Ist ein bisschen oder auch ein bisschen mehr Heimweh vor allem am Anfang nicht normal ....? Ich denk doch, es gehört genauso zu so einem Aufenthalt dazu wie alles andere auch...denn auch daran kann man wachsen, ich mein zu sehen, mit diesen Gefühlen gut umgehen zu können....wie war das für Dich, hast Du Dich denn oft wieder nach Hause gewünscht ? Was hast Du am meisten vermisst ? Hattest Du regelmäßig Kontakt zu Deinen Freunden und zu Deiner Familie ?
Und wie kann es einem passieren, sich in dieser neuen Umgebung abzukapslen...das versteh ich noch nicht so ganz, ich glaub, ich werde alles dafür tun, dass ich viel in Kontakt bin mit meiner Gastfamilie und all den anderen Menschen, denn das Schlimmste, stell ich mir so vor, was mir dort passieren kann, ist Einsamkeit !
So, hoff ich hab Dich nicht mit meinen vielen Fragen überfordert Cool
Liebe Grüße,
joana
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pepe404
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Post Thu, 18.Mar.04, 18:28      Re: (längere) Auslandsaufenthalte - eure Erfahrungen ?! Reply with quoteBack to top

Hallo Joana,

ich habe einen längeren Auslandsaufenthalt (über 1/2 Jahr) hinter mir, nicht an einem Ort, sondern als Reise. Was soll ich sagen - Tipps für Auslandsaufenthalte dieser Länge kann ich dir keine geben, da es sowieso immer ganz anders kommt als erwartet. Smile
Das ist ja doch irgendwie auch der Reiz einer solchen Unternehmung, nicht wahr?! Laß es einfach auf dich zukommen!
Befasse dich mit dem Land, lies Reiseberichte über Ecuador, perfektioniere deine Spanisch-Kenntnisse, mache dich mit den sozialen Gepflogenheiten dort vertraut. Das ist wichtig, damit du dich dort möglichst wohlfühlen kannst. Wie du es aber persönlich erleben wirst, mit welchen persönlichen Problemen du zu kämpfen haben wirst und was dir dort besonders gefällt, das kann nur jemand ansatzweise abschätzen, der dich und natürlich auch das Land persönlich gut genug kennt. Es kann ein absoluter Alptraum werden oder das Highlight deines Lebens.

Ganz allgemein war's bei mir so, daß ich überrascht war, wie einfach alles - erst einmal dort angekommen - war. Die Menschen in Entwicklungsländern sind es gewohnt, sich mit wesentlich "lebensnaheren" (und oft weit lebensbedrohlicheren) Problemen auseinanderzusetzen als wir. Wichtig ist, daß du nicht mit deinem westlichen Anspruch hinfährst, alles müsse schnell, einfach und unkompliziert gehen. Nimm dir Zeit und schwing dich erst mal auf die dortige Geschwindigkeit ein. Sei dir bewußt, daß du dort als (geld)gestopft angesehen wirst, verstärke also das Gefühl der Menschen, in einem armen Land zu leben, nicht noch durch Herumwerfen von Geld und großzügigen (nicht ortsüblichen) Trinkgeldern und Spenden.

Das mit dem Kontakt zu daheim ist heutzutage dank Internet und billigen Übersee-Telefontarifen kein Problem mehr. Will man den Kontakt, kann man ihn auch herstellen und halten. Ich zB. hatte mit meinen Eltern während meines Auslandsaufenthaltes sogar intensiveren Kontakt als davor und danach.

Was sich als viel schwieriger herausstellen könnte, ist das Zurückkehren. Unsere Kultur ist verglichen mit der in Südamerika, Asien und Afrika sehr kühl, distanziert und kontrolliert. Vielen passiert es, daß sie sich nach einem so langen Aufenthalt in diesen Kulturkreisen hier nicht mehr richtig wohlfühlen können, sich richtiggehend verloren vorkommen und dann entweder lebenslang vom Fernwehvirus infiziert sind oder Europa überhaupt verlassen "müssen".
Aber das ist ja auch eine Erfahrung - wenn man merkt, daß man sich auch anderswo "zu Hause" und geborgen fühlen kann als im "trauten Heim" ... Wink

Was genau wirst du denn in Ecuador machen und wer organisiert das?

Liebe Grüße und viel Spaß
Pepe
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joana
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Post Thu, 18.Mar.04, 20:39      Re: (längere) Auslandsaufenthalte - eure Erfahrungen ?! Reply with quoteBack to top

Hallo Pepe !

Was ich da mache ? Also das ganze nennt sich Freiwilligendienst, in diesem Rahmen gibt es mehrere Möglichkeiten: Ich kann in Nationalparks aushelfen, z.b. Tierschutzprojekte begleiten, aber der Schwerpunkt liegt doch im sozialen Bereich, d.h. die Arbeit mit Straßenkindern, in Heimen, auch Altersheimen, den Ureinwohnern, oder allgemein mit Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind, von denen es dort ja leider eine ganze Menge gibt.... Das Projekt kann ich zwischendurch auch mal wechseln, ein Monat von den 12 ist zum Reisen gedacht, da werde ich dieses wundervolle Land erkunden !
Wo genau ich lande, entscheidet sich erst noch, wenn mir die Organisation (ICJA = Internat. Christlicher / Kultureller Jugendaustausch) die Projektliste zugeschickt hat.

Das versteht sich von selbst: Meine Ansprüche werde ich um einiges runterschrauben müssen, aber ich denk, das wird mir nicht allzu schwer fallen. Und als Touri oder typisch Deutsche möchte ich dort schon gar nicht auftreten, das wär mir sogar sehr unangenehm, denn immerhin suche ich ja gerade den Kontakt zu den Einwohnern - und den würde ich kaum finden, wenn ich mich so verhalte, das baut im Gegenteil nur Distanz auf, und das will ich ja gerade nicht.
Wo genau bist Du denn umhergereist, auch in Südamerika ?

Über das Zurückkommen hab ich ehrlich gesagt noch nicht soviel nachgedacht, aber das, was Du schreibst, klingt schon einleuchtend irgendwie........ Rolling Eyes hm, so hab ich das noch gar nicht gesehen, bisher dachte ich nämlich immer, eher werd ich mich freuen, wieder in meine vertraute Umgebung zurückzukehren.....andererseits, wenn ich merke, wie unwohl ich mich hier in dieser Gesellschaft jetzt schon oft fühle, dann könnte es tatsächlich sein, dass ich gar nicht mehr hierher zurückwill.......wer weiß Wink

Lieben gruß,
joana
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pepe404
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Post Fri, 19.Mar.04, 10:34      Re: (längere) Auslandsaufenthalte - eure Erfahrungen ?! Reply with quoteBack to top

Liebe Joana,

Quote:
in diesem Rahmen gibt es mehrere Möglichkeiten:

wow, das klingt ja toll! Besonders gut finde ich, daß du auch wechseln kannst und sogar ein Monat völlig zur freien Verfügung hast.

Weniger gut gefällt mir die christliche Ausrichtung (wobei ich nicht weiß, wie stark sie bei der ICJA ist) - ich mag diese Missionierungs- bzw. "Bekehrungs"-Ambitionen der Kirche überhaupt nicht. Die Menschen dort haben ihre eigene Kultur und sollen sie auch - inclusive ihrem Glauben - behalten können.

Quote:
Und als Touri oder typisch Deutsche möchte ich dort schon gar nicht auftreten

das wirst du aber, ob du's willst oder nicht (selbst, wenn Du dir die Haare schwarz färbst und ständig mit Ponchos rumläufst! Wink). Und du bist es auch. Von daher haben die Menschen ganz spezifische Erwartungen an dich, und dazu gehört nun auch mal, daß du in ihren Augen REICH bist. Man läßt sich sehr leicht verleiten, mal großzügig aufzurunden oder einen größeren Schein statt normalem Wechselgeld oder einer Münzspende zu geben - für die Menschen dort ist das mitunter ein Monatsgehalt. Die Auswirkungen sind leicht auszumalen...
Das heißt nicht, daß man nicht helfen sollte - im Gegenteil. Aber nicht mit Geld, sondern so, wie Du es tust (solang du nicht missionierst natürlich Wink).
Meine Meinung ist da sicherlich ein bisschen hart und extrem, aber ich hab mich damit (u.a. mit den Auswirkungen des Einflusses des Kapitalismus auf Entwicklungsländer) schon sehr viel beschäftigt und schaffe es kaum, das nicht bei jeder Diskussion über solche Themen dranzuhängen. Sorry...

Quote:
Wo genau bist Du denn umhergereist, auch in Südamerika ?

nein, ich war bisher immer nur im Osten (Asien) unterwegs, aber ich habe viele Freunde, die schon in Südamerika waren und schon viel darüber gehört und gelesen. Auch die Landschaften dort sind wirklich unglaublich. Ich beneide dich! Wink

Quote:
hm, so hab ich das noch gar nicht gesehen, bisher dachte ich nämlich immer, eher werd ich mich freuen, wieder in meine vertraute Umgebung zurückzukehren.....andererseits, wenn ich merke, wie unwohl ich mich hier in dieser Gesellschaft jetzt schon oft fühle, dann könnte es tatsächlich sein, dass ich gar nicht mehr hierher zurückwill.......wer weiß

unwohl kannst du dich überall auf der Welt fühlen - da wie dort! Jeder Gesellschaftsentwurf hat seine Geschichte, seine Berechtigung, seine Stärken und Schwächen. Es kommt halt immer darauf an, was man sucht - und auch auf das, was in einem ist .. und einem fehlt.

Alles Liebe
Pepe
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joana
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Post Fri, 19.Mar.04, 14:42      Re: (längere) Auslandsaufenthalte - eure Erfahrungen ?! Reply with quoteBack to top

Hallo pepe grinsend !

Deine Bedenken beim Namen der Organisation kann ich gut nachvollziehen, anfangs dachte ich auch, das könnte was mit Missionierung zutun haben (dann hätte ich mich woanders beworben), aber das tut es definitiv nicht. Ich war Ende Januar auf einem Wochenendseminar und da haben die Teamer erklärt, dass das "christlich" im Prinzip nur für bestimmte christliche Werte stehen soll, wie soziales Engagaement z.B.; mehr steckt nicht dahinter, im Moment wird die Bedeutung des "C" auch von christlich zu kulturell umwandelt. An den drei Tagen kam jedenfalls kein einziger religiöser Satz geschweige denn Gebete oder sonst was; ich denke, hätten die wirklich die Absicht, uns zum Missionieren dahin zu schicken, würden wir das hier auch schon gemerkt haben. Außerdem hab ich Erfahrungsberichte gelesen von vielen, die schon an diesem Programm teilgenommen haben, und von Bekehrungsversuchen war da nie die Rede.

Hm, also wird das Kontakteknüpfen mit den Einwohnern wohl doch nicht so leicht, wie ich es mir erhofft habe...... Rolling Eyes Aber wie kann ich das erleichtern, ich meine da ich ja nun wahrscheinlich unweigerlich als Reiche angesehen werde, ob ich will oder nicht...?? Ich mein, wie kann man am besten diese Grunddistanz abbauen ? Ich weiß, es gibt natürlich dafür kein Patentrezept, das wäre wohl zu einfach, aber vielleicht kannst Du mir auch in dem Punkt noch ein bisschen von Deinen Erfahrungen berichten, das wär lieb !

Dann mach's gut, liebe Grüße !
joana hallo
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marsil
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Post Fri, 19.Mar.04, 16:24      Re: (längere) Auslandsaufenthalte - eure Erfahrungen ?! Reply with quoteBack to top

hi joana, hi pepe!

Quote:

Ist ein bisschen oder auch ein bisschen mehr Heimweh vor allem am Anfang nicht normal ....?


Hehe, am Anfang gibt es doch sooo viel Neues und Interessantes und
Wichtiges. Das Heimweh hatte ich in der Zeit glatt vergessen. Wink
Nee, bei mir fing es an, als es bald wieder heimging (so 1-2 Monate vorher.)

Quote:

wie war das für Dich, hast Du Dich denn oft wieder nach Hause gewünscht ? Was hast Du am meisten vermisst ? Hattest Du regelmäßig Kontakt zu Deinen Freunden und zu Deiner Familie ?


Es sind die eben die vielen kleinen Dinge, die man vermißt. Mit Ver-
wandten und Freunden kann man ja telephonieren und e-mailen, oder
Briefe schreiben. Ist eher so ein leises Grundgefühl, daß man halt doch
fremd in der Fremde ist, das einen bedrückt. Das steht in fröhlicher
Wechselwirkung mit dem "Abkapseln". Mußte trotzdem lachen, als ich
-gerade wieder daheim- am Frankfurter Flughafen nem Typen fast den
Döner aus der Hand gerissen hätte Wink

Quote:

Und wie kann es einem passieren, sich in dieser neuen Umgebung abzukapslen...das versteh ich noch nicht so ganz, ich glaub, ich werde alles dafür tun, dass ich viel in Kontakt bin mit meiner Gastfamilie und
all den anderen Menschen, denn das Schlimmste, stell ich mir so vor,
was mir dort passieren kann, ist Einsamkeit !


Das passiert so: je mehr Dir klar wird, (nicht so sehr vom Verstand,
sondern vom Gefühl her), daß Du Dir mit Einheimischen jedesmal erst
eine gemeinsame Wellenlänge erarbeiten mußt, desto mehr "fremdelst"
Du. Man ermüdet auf die Dauer. Irgendwann will man einfach wieder mal
auf Leute treffen, die man "einfach so" versteht, und die einen "einfach
so" verstehen (auch wenn man sie nicht mag Wink ), sprich: Europäer.

Klar, wenn man dauerhaft in die Fremde geht, lernt das man auch irgend-
wann einmal, und ist dann eben nicht mehr "fremd". Aber ein Jahr ist
dafür einfach zu knapp. Und das ist frustrierend!

Das Dumme ist auch: Wenn weitere Europäer in Reichweite sind, trifft
man sich mit denen auch mehr, man macht mehr gemeinsam, und
übersieht leicht, daß man sich immer weniger darum kümmert, Ein-
heimische wirklich kennenzulernen. Ich finde es z.B. echt schade, daß
ich jetzt vor allem noch Freundschaften zu Europäern pflege, die zu der
Zeit auch dort waren, ansonsten noch zwei waschechte Amis, das wars :/

Bei einer Gastfamilie (die das vielleicht auch gewohnt ist) muß das alles
nicht so schlimm sein. Trotzdem würd ich darauf achten, daß ich Ein-
heimische nicht ebenso auf eine bestimmte Rolle (als "Kollege", "Be-
kannter", aber eben nicht als "Freund") beschränkt wahrnehme, wie
Einheimische das mitunter mit Fremden -wie pepe schon beschieb- tun.

Grüße, Marsil

_________________
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pepe404
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Post Fri, 19.Mar.04, 23:51      Re: (längere) Auslandsaufenthalte - eure Erfahrungen ?! Reply with quoteBack to top

Hey Joana,

joana wrote:
Hm, also wird das Kontakteknüpfen mit den Einwohnern wohl doch nicht so leicht, wie ich es mir erhofft habe......

nee, so habe ich das nicht gemeint. Kontakte zu knüpfen ist ja sogar viel leichter als bei uns. Du bist da immerhin "Exotin". Wink

Quote:
da ich ja nun wahrscheinlich unweigerlich als Reiche angesehen werde, ob ich will oder nicht...?? Ich mein, wie kann man am besten diese Grunddistanz abbauen ?

mir ging's eher immer so, daß ich mir oftmals nicht sicher war, ob die Freundlichkeit der Menschen eine ehrliche war oder ob es ihnen letztlich nur um mein Geld ging ('my friend, just give me a few dollars for my sick mama'...).

Liebe Grüße auch Dir!
Pepe
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Post Sat, 20.Mar.04, 2:33      Re: (längere) Auslandsaufenthalte - eure Erfahrungen ?! Reply with quoteBack to top

Hi Joana!

Hm, ich hab nochmal ne andere Frage:
Bist du dir sicher, in dir selbst genug Stabilität zu haben, so ein Abenteuer einzugehen - und das für ein Jahr, nicht einfach als Urlaubsreise?

Ich habe selbst viel Auslandserfahrung, ziemlich viel Lateinamerika, auch ein bisschen in Afrika. Ich habe selbst in Entwicklungshilfeprojekten mitgearbeitet. Und ich habe dort auch immer wieder junge Leute in deinem Alter getroffen.
Und da waren auch welche dabei, die psychisch einfach nicht stabil genug waren für diese harten Erfahrungen, für die Begegnung mit einer so verschiedenen Kultur.
Man braucht selbst eine klare Identität, um dem so anderen wirklich begegnen zu können.
Da geht es nicht nur (aber schon auch) um Armut, um ein anderes Verständnis von Zeit und Zuverlässigkeit und Höflichkeit, um Abhängigkeit und einen anderen Freundschaftsbegriff. Auch nicht nur um Heimat. Wenn du ein Jahr in einer so anderen Kultur lebst, geht es um interkulturelle Begegnung, um ein Eintauchen in etwas so anderes, dass du das nur kannst, wenn du in dir selbst genug gefestigt bist, so dass du weder weggeschwemmt wirst und völlig im Fremden, in der anderen Kultur mit ihren Werten aufgehst bzw. versuchst, auf zu gehen, noch völlig dicht machst und das Andere, das Fremde abwerten musst, um dein Eigenes bewahren zu können.
Ich weiss grad nicht, ob rüberkommt, was ich meine.
Ich habe neben vielen jungen total begeisterten Leuten auch welche erlebt, die wirklich an ihre Grenzen kamen. Und dadurch auch zu einer Belastung ihrer Bezugspersonen im Einsatzland wurden. Und ich habe Leute in Basisprojekten erlebt, die es nun ablehnen, junge Leute aus Europa auf zu nehmen, weil sie sagen, die machen mehr Arbeit, belasten mehr das Projekt, nehmen mehr Betreuungszeit in Anspruch, als dass sie irgendwie nutzen.

Ich kenne dich nicht, Joana, hab nur ein paar deiner Beiträge gelesen. Ich will absolut nicht über dich urteilen. Aber ich will schon kurz hinterfragen, ob du auch diesen Punkt mit überdacht hast.

Lieber Gruss, und ich hoffe, du nimmst mir meine Direktheit nicht übel. Sie kommt aus Erfahrung.

ashira
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joana
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Post Sat, 20.Mar.04, 13:54      Re: (längere) Auslandsaufenthalte - eure Erfahrungen ?! Reply with quoteBack to top

Hallo ashira,

nein, ich nehm Dir gar nichts übel, keine Sorge Cool .
Natürlich hab ich mir über die Punlte, die Du aufgezählt hast, auch Gedanken gemacht, sehr viele sogar. Hab mich oft gefragt, was wird, wenn es mir dort schlecht geht, ob ich dort zurechtkommen werde, wie ich mit diesem Schlecht-gehen dann umgehen kann...und zwar anders als durch Selbstverletzung und so. Weißt Du, mittlerweile bin ich aber voller Zuversicht, und je mehr ich drüber nachgedacht hab, desto sicherer wurde ich mir, dass es das Richtige für mich ist. Ich hab schon so viel durchgestanden in meinem Leben, eine Magersucht, den Tod meiner Mutter, die Krankheit meines Vaters, Psychiatrie- und Klinikaufenthalt - und nach allem bin ich wieder aufgestanden, ich habe meinen Lebensmut nicht verloren. Das gibt mir den Mut und die Zuversicht, dass ich mich auch dort wieder aufrappeln könnte, ich weiß, dass ich es kann, ich hab es so oft geschafft. Außerdem glaub ich, der Umgebungswechsel wird mir sehr gut tun, ich denk, da ist die Gefahr wesentlich geringer, in solche Verhaltensmuster, wie eben das SVV, zu verfallen, wie ich sie hier anwende.
Ich hatte drei Jahre lang Therapie, habe gelernt, mit schwierigen Situationen umzugehen, viel Selbstvertrauen gewonnen und die Hemmschwelle beim Kontaktknüpfen mit fremden Menschen ist erheblich gesunken.
Ich lese die ganze Zeit schon Bücher über dieses Land.....ich weiß, dadurch werde ich die Andersartigkeit noch lange nicht begreifen, aber ich kann mich zumindest mental darauf einstellen...Der stabilste Mensch bin ich nicht gerade, das hast Du schon richtig erkannt, aber ich fühle mich dem wirklich gewachsen. Das meine ich ehrlich, sonst würde ich es nicht schreiben.

Magst Du denn noch ein bisschen über Deine Erfahrungen erzählen ? Würde mich sehr interessieren, gerade da Du ja nun schon eine Lateinamerika-Expertin bist Wink In welchen Ländern dort warst Du denn ? Und in welchen Projekten hast Du gearbeitet, wie war das Zusammensein mit den Menschen dort, wie haben sie Dich aufgenommen ?

Liebe Grüße,
joana
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foxy
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Post Wed, 07.Apr.04, 17:51      Re: (längere) Auslandsaufenthalte - eure Erfahrungen ?! Reply with quoteBack to top

Hey,ja ich war mit meiner Familie 3 Jahre in der Karibik!Ich bin zwar wieder froh hier zu sein,aber es war schon eine tolle Erfahrung.Sicher es werden Momente kommen wo Du dich nach Hause sehnen wirst,aber nach jedem Niedeschlag gibt es wieder einen Lichtblick.Wünsche Dir alles Gute, Laughing foxy
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