PC-Spielsucht meines Mannes

Sogenannte "nicht substanzbezogene" Süchte wie Internetsucht, Computersucht, Fernsehsucht, Kaufsucht u.dgl. können hier diskutiert werden.
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Daenerys
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PC-Spielsucht meines Mannes

Beitrag Sa., 15.06.2013, 22:56

Hallo,

ich bin neu hier und habe mich gerade aus Verzweiflung über meine Situation angemeldet.
Ich weiß einfach nicht mehr, was ich tun soll...
Wo soll ich nur anfangen? Ich werde versuchen, die Situation von Anfang an zu beschreiben, sodass ihr einen kleinen Einblick in das Problem bekommt.
Vor über 3 Jahren haben wir uns kennengelernt. Es hat für uns beide ein Blitz eingeschlagen und ich habe nicht nur einen Liebhaber gefunden, sondern auch meinen besten Freund und meinen engsten Vertrauten. Probleme wie es bei anderen Paaren Alltag ist, hatten wir nie. Es gab nie ein Streitthema, das immer wieder aufkommt, nie irgendwelche Reibereien. Wir waren von Anfang an total harmonisch. Wir haben total viel unternommen, er war ein offener und spontaner Mensch. Und allein das, dass ich "er war" schreiben muss, bringt mich zum Weinen. Er war immer für mich da. Wir haben so viele tolle Dinge miteinander erlebt. Er konnte es nie erwarten, aus der Arbeit nach Hause zu kommen, um einfach bei mir zu sein. Wir waren eines dieser Paare, die Augenverdrehen bei anderen Menschen auslösen. Wir wollten ja nicht einmal eine Nacht ohne einander verbringen.
Wir haben geheiratet und wir haben ein Kind miteinander bekommen, das unser Leben einfach perfekt gemacht hat.
Bis vor ein paar Monaten waren PC-Spiele bei uns überhaupt kein Thema. Es hat mich auch absolut nicht gestört, wenn er ab und zu einen Abend am PC verbracht hat. Das kam ja auch nur alle paar Wochen einmal vor.
Irgendwann kam dann ein Spiel heraus, auf dessen Erscheinung mein Mann schon lange gewartet hatte. Natürlich war auch das kein Problem, dass er dieses neue Spiel unbedingt ausprobieren und durchspielen wollte. Er hat mir damals auch gesagt, dass er ungefähr 1 Woche recht viel Freizeit investieren wird, es aber dann auch wieder genug sei und er sich wieder voll und ganz seiner Familie widmen würde.
Nur blieb es nicht dabei. Mein Mann war damals in Karenz und hatte Zeit. Er ist total hineingekippt. Ich bin eine Frau, die immer sagt, wenn ihr etwas nicht passt und nicht still vor sich hin leidet und darauf wartet, dass der Mann draufkommt, was los ist. Also hab ich ihn immer wieder darauf angesprochen. Meistens hat er sehr aggressiv reagiert und meine Bedenken als Blödsinn abgetan. Dass er wirklich ein Problem hat, ist mir bewusst geworden, als er eines Tages beim Einkaufen total nervös geworden ist und furchtbar gedrängelt und gestresst hat. Er wollte unbedingt so schnell wie möglich wieder nach Hause - an den PC. Dabei fällt mir auf, dass wir Einkäufe früher immer zusammen erledigt haben (weil es einfacher ist) und ich das jetzt eigentlich hauptsächlich alleine mache.
Als ich bemerkt habe, dass das Spielen Überhand nimmt, habe ich versucht, Zeiten mit ihm zu vereinbaren. zBsp 3 Std pro Tag, oder nur jeden 2. Abend spielen usw. Er konnte sich auf Dauer an keine Abmachung halten. Es hat mich immer sehr gestört, Abends alleine ins Bett zu gehen (was an meiner Angststörung liegt >anderes Thema<und die kennt er ganz genau!). Meine Angststörung hat sich dadurch massiv verschlimmert, dass ich viele Abende alleine im Bett wach liege. Das hab ich ihm auch gesagt und er sagt, das ist Blödsinn. Wie oft hab ich schon gehört: "Ich spiele nur noch 1 Spiel und dann komm ich" und dann bin ich die halbe Nacht alleine gewesen.
An freien Tagen ist es so, dass (wenn ich nichts anderes geplant habe, denn er plant schon lange nichts mehr!) er aufsteht und an den PC geht. Wenn ich Frühstück gemacht habe, kommt er manchmal und isst mit. Nach spätestens 20 Min ist er aber auch schon wieder weg (am PC). Dann spielt er durchgehend, bis ich ihn zum Mittagessen auffordere. Gleiches Prozedere wie beim Frühstück. Danach gleich wieder an den PC. Wenn ich zwischendurch etwas von ihm brauche, gelingt es mir nicht, ihn vom PC wegzuholen. Falls doch, nur unter sehr mürrischem Protest. Was wirklich schlimm ist: Wenn die Kleine schreit, lässt er sie schreien, bis ich hingehe. Würde ich nicht hingehen, würde er sie weiter schreien lassen. Oft steht sie neben ihm am PC und will seine Aufmerksamkeit und er schickt sie eiskalt weg. Ich weiß, wie sehr er sie liebt und ich weiß, dass er auch mich liebt. Aber diese Sucht macht alles kaputt. Das habe ich ihm auch schon öfter gesagt. Er glaubt nicht, dass er ein Problem hat. Er meint, ich soll ihm sein einziges Hobby nicht abspenstig machen. Haha. Manchmal geht er mit mir ins Bett, steht aber dann noch einmal auf, um doch nochmal an den PC zu gehen. Ich weiß einfach nicht weiter.

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Beitrag So., 16.06.2013, 01:06

Liebe Daenerys

Erstmal gut, dass er nicht mit Geld spielt. Das muss ich jetzt sagen, weil es noch krassere Geschichten gibt.

Es könnte sein, dass er mit der Zeit selbst genug hat. Wie lange ist er schon so spielsüchtig? Mein Neffe hatte auch eine solche Phase, aber irgendwann fand er selbst, dass er zu süchtig sei. Ich wartete einfach ab und dachte mir, dass auch das irgendwann seinen Reiz verliert, womit ich Recht hatte. Ich schaute sogar mit, damit er irgendwo nicht ganz den Zugang zur Familie verliert. Er erklärte mir, wie die Spiele funktionieren, was er nun tun muss. Das hat sich positiv ausgewirkt auf uns, so wollte er eigentlich nicht mehr immer allein sein, holte mich öfter dazu, wenn keine Kumpels da waren. Und irgendwann war es eben doch nicht mehr so spannend. Er wollte wieder mal raus an die frische Luft, setzte sich an den Fluss, genoss die Natur. Das Gamen hatte bei ihm auch viel mit Verdrängung zu tun, er wollte die Probleme in der Lehre verdrängen.

Vielleicht hat Dein Partner auch Probleme mit der Arbeit. Könnte das sein, dass er etwas verdrängen will?
Lieben Gruß
elana

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Daenerys
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Beitrag Do., 20.06.2013, 21:46

Hallo,

ja, wäre noch schlimmer, wenn es uns auch noch finanziell schaden würde. Aber ich finde, dass es so sehr der Ehe schadet, ist auch furchtbar genug.
Wie lange er schon spielsüchtig ist, weiß ich gar nicht. Vielleicht 1 Jahr?
Dass er mit der Zeit genug hat, wird nicht passieren... Wenn er keine Lust mehr auf ein Spiel hat, fängt er einfach ein neues an. Und es kommt ja ständig etwas neues auf den Markt.
Probleme in der Arbeit hat er nicht mehr. Weil er seinen Job verloren hat. Ganz unschuldig war die Zockerei daran mMn auch nicht, weil mein Mann ja immer wieder total übermüdet zur Arbeit gekommen ist, weil er die Nacht fast durchgemacht hat. Tja und jetzt macht er überhaupt nichts mehr.
Ich hab ihn noch einmal zu Rede gestellt und ihm ehrlich gesagt, wie sehr mich seine Spielerei mitnimmt und dass er damit alles kaputt machen wird, wenn sich nichts ändert. Er war (wie immer) sehr verärgert, dass ich seine Spielerei kritisiere und hat dann doch gemeint, er wird sich zurück nehmen. Bis jetzt hat er sich zumindest an meine dringende Bitte gehalten, nicht mehr zu spielen, wenn die Kleine noch auf ist. Nachdem wir seit Tagen deswegen streiten, hat er nichts besseres zu tun, als nun wieder den ganzen Abend am PC zu sitzen und zu spielen. Ich bin wirklich am Ende und weiß einfach nicht mehr, was ich machen soll. Er glaubt nicht, dass er ein Problem hat. Er dreht es immer so, dass ich über alles bestimmen will und dass ich maßlos übertreibe. Aber mal ehrlich, das ist ja nicht normal, dass man 8h/Tag zockt und findet, dass das nicht (zu) viel ist. Vor allem als Familienvater finde ich das wirklich daneben. Wenn er ein alleinstehender Student wäre, wäre es sein Problem. Jetzt ist es unser aller Problem. Ich kann nicht auf Dauer so weitermachen. Ich fühl mich immer so, als würde ich gegen den PC ankämpfen und den Kampf ständig verlieren. Irgendwann kann ich einfach nicht mehr. Ich fange bald auch eine Therapie an wegen meiner Angst/Panikstörung und werde das Thema wohl einfließen lassen müssen. Ich verliere meinen Mann an eine virtuelle Welt.... Unglaublich!

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Beitrag Do., 20.06.2013, 21:59

Sucht er denn keine Arbeit? Verlangen die Ämter keine Nachweise, dass er sucht?

Wer bezahlt denn jetzt die Miete?

Hast Du denn das Gefühl, dass er sich für die Spiele und gegen Dich entscheiden würde, wenn Du ihm die Pistole auf die Brust setzt?
Lieben Gruß
elana

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Sunny75
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Beitrag Fr., 21.06.2013, 07:09

Hallo Daenerys!

Wow, das ist wirklich schockierend. Aggressivität und Verleugnung scheinen die typischen Reaktionen zu sein, wenn Gefahr besteht, dass ein Süchtiger sein "Spielzeug" verliert. Wie ein, in die Enge getriebener, Dämon. Ein Vordringen bis zum Verstand deines Mannes, ist bei diesem Thema unmöglich.

Über kurz oder lang, wird es wohl auf eine Trennung hinauslaufen, und das Arge ist - er wird nicht mal checken, WARUM!!!

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Daenerys
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Beitrag Sa., 22.06.2013, 00:15

Elana,

aktiv nach Arbeit sucht er nicht. Er versucht, eine Fortbildung zu bekommen... Miete müssen wir zum Glück nicht bezahlen, weil unsere Wohnung Eigentum ist. Wir bekommen vom Amt Geld und es geht sich Gott sei Dank alles aus...
Ich hab heute wieder einmal mit ihm geredet und ihn auch damit konfrontiert, dass ich sein Spielverhalten wirklich als Sucht sehe. Seine Antwort: "Na und?"
Nach einigem Hin und Her hat er dann gemeint, er spielt jetzt "nur mehr" Nachts, damit wir tagsüber etwas zusammen machen können. Naja, was soll ich sagen... Er hat es nicht einmal geschafft, sich heute daran zu halten. Und wo ist er jetzt? Genau, richtig. Am PC. Was passieren würde, wenn ich ihm "die Pistole an die Brust halte"? Ich hab ihm ja schon oft gesagt, dass ich mich von ihm trennen MUSS, wenn sich nichts ändert. Daraufhin kommt von ihm immer nur Sarkasmus und ein "Jaja, wenn du meinst...". Er gibt sich also so, als ob er das überhaupt nicht ernst nehmen würde. Für ihn bin ich ja die Schuldige. Denn wenn ich ihn "einfach damit in Ruhe lassen würde", gäbe es seiner Meinung nach ja überhaupt kein Problem.

Sunny75,

Aggresivität und Verleugnung... genau das ist es. Wie oben beschrieben sieht er ja überhaupt nicht, dass es ein Problem gibt. Er hat heute sogar behauptet, ich würde über ihn bestimmen wollen und er würde sich nicht an Abmachungen bzgl des Spielens halten wollen, weil er nicht nach meiner Pfeife tanzen will. Was für ein Schwachsinn.... Ich hab ihm klipp und klar gesagt, dass dieser Blödsinn noch unsere Ehe zerstören wird. Daraufhin hat er die Augen verdreht und etwas sarkastisches gemurmelt.

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Sunny75
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Beitrag Sa., 22.06.2013, 09:53

Nun ja, jetzt wäre es an der Zeit, deinen Worten (die er anscheinend nicht ernst nimmt) Taten folgen zu lassen. Tagesplanung und Unternehmungen ausschließlich nur noch OHNE ihn! Wenn ihm das immer noch nicht zu denken gibt: Scheidung einreichen. Ich meine, was lebt ihr eurer Tochter denn für ein Ehemodell und Männerbild vor, wenn ihr so weitermacht wie bisher?!

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Rubeus Darko
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Beitrag Do., 18.07.2013, 23:37

Daenerys,

ich kenne die Situation auch. Allerdings von der anderen Seite. Ich war auch mal so ein Computerspielsüchtiger. Ich denke mal, die Sucht ist nur das Symptom und nicht die Ursache. Ich war ziemlich unglücklich/depressiv (trotz Beziehung). So ein Computerspiel gibt einem Erfolgserlebnisse und ermöglicht die Flucht vor der grauen realität.

So wie ich das sehe, ist seine realität in machen Punkten nicht so toll. Er ist arbeitslos und hat offensichtlich keine Freunde. Zufrieden ist er mit seiner Situation sicherlich nicht. Mit dem Spielen kann er die realität verdrängen und sich schöne Erfolgserlebnisse beim Spielen abholen. Vielleicht gibt es ja ein paar gute Websiten gegen Spielesucht, wo ein paar Tipps stehen, wie man jemanden davon abbringen kann.

Ich würde wohl versuchen, ihm mal bewusst machen, wie mal Zeit drauf geht. Du könntest dir mal für eine Woche aufschrieben, wie lange er spielt.

Er braucht eine Aufgabe. Als Arbeitsloser hat man oft keine Tagesstruktur mehr, keine Ziele, keine Hoffnung. Er braucht eine Struktur, eine Aufgabe. Soll mal Sport machen, Ehrenamt oder sich um euer Kind kümmern.

Diskutieren, wenn er gerade am Spielen ist, macht nicht so viel Sinn. Er hört dann überhaupt nicht zu und ist nicht aufnahmebereit. Wenn du mit ihm darüber redest, dann am besten, wenn er die Kiste mal nicht an hat. Vielleicht auch draußen außerhalb der Wohnung. Am besten auch nicht mit der von vielen Frauen praktizierten "Nörgelei" oder Vorwürfen. Dann schaltet er erst recht auf "Durchzug". Frage ihn doch mal, wie er sich sein Leben in nächster Zeit vorstellt. Welche Ziele er hat und wie sie zu verwirklichen gedenkt.

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Pitt
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Beitrag Fr., 19.07.2013, 00:22

Interessanter Thread!

Ich selbst bin ja nun eher simpel gestrickt, - insofern ist mein Beitrag eher Küchentischphilosophie.

Irgendwie, - geht's wie so oft bei vielen Menschen im Leben um Anerkennung, und in deinem/euren Fall um Erfolgserlebnis.
Dein Gatte "sonnt" sich in der Anerkennung beim seinem PC-Spiel, in der community des PC-Spiels, - ein "toller Hecht" zu sein. Ein heroe der "Highscore-Liste".

Letztlich funktionieren viele "Motivationen" über das Anerkennungs-Bedürfnis.
Selbst hochseriöse berufliche Karrieren.
Aber auch "Hobbies".
Manch einer, der beruflich einen nachgeordenten Beruf bekleidet ist die große Nummer im Angelverein und viele "Urkunden" des "Angelerfolgs" zieren sein Zimmer.

Im Grunde ist Anerkennung ein hochproblematisches Feld menschlicher Motivation.

Aber das würde zu weit führen...
Viel zu weit...

Lg
Pitt

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haluro
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Beitrag Fr., 19.07.2013, 07:19

Hallo Daenerys!

Die anfängliche Verliebtheit hält meistens zwei bis drei Jahre, von da an gehts bergab.

Diese Verliebtheit bewirkte, dass er den "Spiel"-"Trieb" kompensieren konnte. Jetzt geht das halt nicht mehr.

Ich kenne das Spielen auch, gelegentlich verfalle ich ihm wieder, mittlerweile ist es durch die Betätigung in Foren ersetzt worden. Es ist echt schade, dass man in seinem Leben so wenig tun kann und meistens ist es das Falsche.

Mfg
haluro

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Tyrion
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Beitrag Fr., 19.07.2013, 13:25

Ach herrje, das ist ja übel :( Ich hab ja nix gegen PC-Spiele, ich zocke selber gern, aber halt nur am Wochenende, einfach aus Zeitgründen - wenn ich an einem Wochentag anfangen würde, wäre ich viel zu lang auf und am nächsten Tag komplett übermüdet im Büro. Das hat früher mit anderen Arbeitszeiten geklappt (da hab ich um 10.30 oder 14 Uhr angefangen - war eine Tageszeitung), aber das war einmal. Wenn jemand rund um die Uhr zockt, dann ist das bedenklich, und Spielsucht kann sich durchaus auf PC-Spiele erstrecken. Ich kannte mal eine Frau, die nur World of Warcraft gezockt hat, mit der konnte man über nichts anderes mehr reden. Sowas ist extrem mühsam, erst recht, wenn man selber mit Spielen so gar nichts anfangen kann. Ich denke, dass deinem Mann einfach auch Struktur fehlt. Wenn man arbeitslos ist, neigt man eher dazu, sich ein bissl gehen zu lassen; man verpasst ja schließlich nichts. Und Spiele lassen einen in eine andere Welt abtauchen, in der man sich nicht mit dem Alltag auseinandersetzen muss. Da gibt's kein Kleinkind, das betreut werden will und keine Ehefrau, die auch Zuwendung braucht. Da gibt's nur einen Charakter, den man durch die Spielewelt steuert, um Abenteuer zu bestehen und um Erfolgserlebnisse einzufahren. Siehe dazu auch das Posting von Rubeus Darko.

Was kannst du tun? Ich würde, auch wenn's sicher nicht einfach ist, beinhart deine Drohung, ihn zu verlassen, wahrmachen und zumindest für ein paar Tage ausziehen - zu Verwandten, zu Freunden oder dergleichen. Dann sieht er, dass du's ernst meinst und wacht hoffentlich auf. Es geht ja schließlich nicht nur um eure Ehe, sondern auch um euer Kind.

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Sinarellas
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Beitrag Fr., 19.07.2013, 15:12

Das Gelaber gegen Spiele und die Sucht und so weiter finde ich hier wirklich ätzend, daher ignoriere ich das mal komplett (ziemlich engstirnig das ganze..)

Was aber leider Fakt ist: Das was du beschreibst, also Partner der sich einer Sache mehr hingibt als "sein Leben in den Griff bekommen" (was auch immer das für jeden einzelnen heißt, ich mein wenn jemand mit seinem Leben glücklich ist und seinen Lebensunterhalt selbstständig bestreiten kann irgendwie ists völlig Hupe), das kenn ich sehr gut aus zwei Beziehungen.
Und bei beiden Fällen wars der gleiche "Werdegang" und der war ähnlich dem von dir beschriebenen (und der Name der "Sache" ist mal völlig wurscht finds albern das auf eine Richtung hinzueigen). Die Konsequenz ist, dass man sich selbst etwas klar werden muß: Will ich so mit diesem Menschen an meiner Seite leben? Ja? Dann aufhören an ihm rumzumeckern. Nein? Dann ihm das mitteilen und die eigenen Grenzen ziehen (und die ihm unbedingt auch sagen!). Wenn die Grenzen laufend überschritten werden die Konsequenzen ziehen.

Kann so aussehen:
"Schatz, ich bin so nicht glücklich, weder mit dem Leben was du führst noch mit deinen Handlungen. Ich komme damit nicht klar und habe eine gänzlich andere Vorstellung vom gemeinsamen Leben als du. Wir müßen daran gemeinsam etwas ändern, tun wir dies nicht muß ich die Konsequenz der Trennung ziehen".
Das Ding ist: Konsequenzen auch druchrziehen. Das ist auch keine Drohung, sondern das Aufweisen von eigenen Grenzen und die müßen nicht dauernd überschritten werden (und du mußt das nicht ständig zulassen, das ist kein deut besser).

Ehe hin oder her, Kind hin oder her, wenn die Eltern nicht glücklich miteinander sind merkt das das Kind und das ist meist sehr viel schlimmer als eine gesunde Trennung zu durchleben und zwei glückliche Eltern zu erleben.

Fakt ist: SO kanns nicht weiter gehen, ihn kannst du nicht ändern, ergo mußt DU was an der Situation ändern und an deiner Einstellung zu ihr.
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d/c
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Beitrag Di., 23.07.2013, 01:03

Liebe Daenerys,

das Verhalten Deines Mannes ist ziemlich sicher Flucht. Eure Gefühle haben sich verändert, die Schwangerschaft und die nachfolgende Zeit war sicherlich nicht einfach für euch beide. Auch fehlt ihm jetzt sicher einiges an Aufmerksamkeit, der Verlust des Jobs und die fehlende Verantwortungsübernahme als Ernährer und die Vaterrolle sind symptomatisch - er fühlt sich wahrscheinlich nicht mehr ausreichend geliebt, sondern vom Kind verdrängt.

Wenn in diese Geburtsphase das Ende der Verliebtheitsphase fällt und damit eine der problematischsten hormonellen Veränderung in der Partnerschaft sollte sein Verhalten nachvollziehbarer sein, er ignoriert diesen Verlust an Intimität, er will das nicht wahrhaben, ist überfordert.

Das ist nicht Deine Schuld. Du bist Mutter geworden und der Vater Deines Kindes erfüllt seine Pflicht nicht. Und das ist sein Problem, das er diese Pflicht nicht erfüllen will, weil er sich wohl weniger geliebt, als Rolle, statt als Mensch fühlt?

Das Arrangement scheint einseitig und fixiert, Du solltest diese Struktur auch in seinem Interesse nicht akzeptieren, er wird so nicht glücklich werden, sondern spätestens bei der Scheidung feststellen (denn Du wirst so offensichtlich nicht glücklich), das er jetzt euch beide verloren hat. Das wäre sehr traurig.
Ihr müsst da raus, alle drei.

Habt ihr euch nach der Geburt überhaupt noch Zeit für euch als Paar genommen? Paarzeit ist integral, ebenso wie ein festes Beziehungsgespräch, das strukturiert gemeinsam.

Ein temporärer Beziehungsabbruch ist eine teilweise sehr aphrodisierende Möglichkeit, manchmal leider mit sehr unvorhersehbaren Faktoren. Aber da von seiner Seite keine Dialogbereitschaft besteht, bleibt Dir fast nur diese Möglichkeit, oder hättest Du Hoffnung auf eine seinerseitige Zustimmung zu einer Moderation durch einen Therapeuten?

Nur solltest Du vor der Umsetzung des temporären Beziehungsabbruchs Deine Rückkehrbedingungen klar definieren und wiederholt kommunizieren, am besten schriftlich.

Auch ist nicht alles hoffnungslos, denn immerhin wurde eure große Verliebtheit eine wunderbare Tochter und das ist eine lebenslange Verbindung, ob so oder anders. Nur Mut, Deine Beziehung darf Dich nicht unglücklich machen. Vielleicht fragst Du Dich auch, was Du für ihn verändern kannst? Das wäre berechtigt, und eigentlich solltest Du Deinen Mann ausreichend kennen, zumindest wenn er von der Flucht PC-Spiel runter ist.
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Raziel
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Beitrag Fr., 16.08.2013, 23:05

N'abend, Daenerys

Wurde ja schon einiges an Tips gegeben. Ein paar Dinge kann ich auch noch beisteuern.

Weißt du welche Art von Spielen er spielt? Bei Online-Spielen, also jede Art von Spielen, wo man mit anderen Spielern interagiert bzw. deren elementarer Bestandteil es ist (z. B. das schon erwähnte World of Warcraft), kann der Knackpunkt seine Community innerhalb des Spiels sein. Besteht diese überwiegend aus Gelegenheitsspielern, stehen die Chancen gut, dass diese deinem Mann irgendwann den Kopf waschen (so einen Fall gab es in meiner Gilde auch schon). Besteht sie aber aus anderen "Suchties", stehen die Chancen eher schlecht, da er mit dieser Community einen Ersatz für seine Real-Life-Freunde gefunden hat.

Spielt er dagegen Singleplayer-Spiele (also Spiele, die man in erster Linie allein spielt), dürfte es definitiv eine Sucht sein. Ich bin mit Computerspielen aufgewachsen - vor allem mit Singleplayergames - und hab dabei etliche Spieler kennengelernt. Und mir ist noch niemand begegnet, der sich stundenlang mit einem PC- oder Konsolenspiel nach dem anderen beschäftigt hat und KEINE Abhängigkeitserscheinungen zeigte. Egal ob es mehrere Spiele an einem Tag waren oder ein Spiel in das nächste überging.

Was du dagegen machen kannst, wurde dir hier ja schon vorgeschlagen. Ich bin auch dafür, eure Ehe zumindestens erstmal auf Eis zu legen (scheiden lassen kannst du dich immer noch). Er muss merken, dass sein "Hobby" zunehmend seinen Preis fordert. In eurem Fall wäre das eure Ehe bzw. seine Familie. Bevor er die nicht verliert, wird sich GAR nichts ändern. Vermutlich liegt sein Problem tatsächlich ganz woanders und die Spiele sind nur ein Symptom dafür. Nur dann muss er anfangen zu reden und das wird nicht passieren, wenn keine ernsthaften Konsequenzen drohen.
Man liest sich
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Tradition ist nicht das Bewahren der Asche,
sondern die Weitergabe des Feuers.


Ikaru
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Beitrag Mi., 12.12.2018, 10:57

Liebe Forumsgemeinschaft, da hier länger niemand geschrieben hat und mein Problem in die gleiche Richtung geht möchte ich euch hier mein Problem schildern. Ich bin seit fast 4 jahren glücklich mit meinem Freund zusammen. Wir haben unsere Streitpunkte (immer gehabt) wegen Kommunikation aber das immer ausdisskutiert und langsam Fortschritte dabei gemacht. Wir sind beide Gamer. ich spiele mehr um Spaß zu haben, mein Freund ist sehr viel Ehrgeiziger. Ich mag Minecraft und the Forest, er Fallout, Quake und Zeugs ala the Division. Er mag also ernstere Spiele die auch etwas Skill erfordern. Wir haben aber immer Kompromisse gefunden und viel zusammen gemacht.

Bis wir ein sogenanntes hardcore PVP Horror Game gefunden haben. Ich muss an dieser Stelle sagen, dass ich eine Angststörung habe. Ich bin in Behandlung und mache Fortschritte aber mein Charakter ist halt etwas langsamer und empfindlicher.

Dieses Spiel ist nun kein Ponyhof, wenn man einen Fehler macht wird man angegriffen, erschossen und verliert den müßsam aufgebauten Chara. Das stresste mich sehr aber ich wollte ihm den Gefallen tun und weiter spielen. seitdem hatten wir unzählige Auseinandersetzungen wegen diesem Spiel, wie ich mich verhalte, warum ich jetzt diesen Fehler gemacht habe und und und.... mein Freund kann inzwischen kaum einen Tag verbringen ohne sich in diesem Spiel einzuloggen. Ziehe ich nicht mit wird er unglücklich, sucht Streit und meidet andere Aktivitäten die ihm Zeit für das Spiel rauben könnten.

Am Anfang hatt es ja noch gereicht wenn ich trotzdem mitgespielt habe, aber wir sind jetzt soweit, dass er dauernd unser Tempo steigert. Lief die letzte Runde gut soll ich in der nächsten plötzlich alleine nach vorne laufen und Monster töten, Ich muss ja die Map besser kennenlernen. Das funktioniert für mich überhaupt nicht, wir verlieren eine Runde nach der anderen (ich kann nicht mit den Waffen zielen weil ich mich dauernd erschrecke). Und schon gibts wieder Streit und Unfrieden. Ich höre schon auf die Nächte zu zählen die wir nun im Streit eingeschlafen sind wegen diesem Shit.

Liebe Leute ich bin am Ende. Immer wieder bin ich trotzdem auf ihn zugegegangen und habe Lösungen gesucht. Kompromisse, denn wir können ja nach dem ersten Kill auch das Spiel verlassen. Ein mapwipe (alle Spieler auf der Karte töten) ist ja gar nicht notwendig. Soll ich das Spiel deinstalieren? Unsere Beziehung ist doch sonst so glücklich, wir basteln auch viel zusammen und gehen boldern. Ich weiß nicht mehr weiter.