Psychotherapie in Wien bei Richard L. Fellner

Wie finde ich eine(n) gute(n) Psychotherapeuten(in)?

Wer psychotherapeutische Unterstützung sucht, sieht sich einem kaum überschaubaren Dschungel gegenüber: zu einer Vielzahl von psychotherapeutischen Richtungen und Methoden gesellen sich auch noch unterschiedliche Berufsgruppen wie Psychiater, Psychologen, Heilpraktiker sowie verschiedene sonstige "Therapeuten" bzw. "Therapeutinnen" mit mehr oder weniger aussagekräftigen und vertrauenswürdigen Qualifikationen.
An wen soll man sich nun sinnvollerweise wenden, wenn man für "sein" Problem die optimale Hilfe sucht?

Geht es in erster Linie um die Arbeit an sich selbst und persönliche Weiterentwicklung, kann es fallweise durchaus hilfreich sein, einfach einmal ein Selbsterfahrungs-Seminar oder einen Workshop zu einem Thema zu besuchen, das einen interessiert. Oder auf "gut Glück" einen Therapeuten kontaktieren, der einem aus einer Broschüre entgegenlacht. Während der letzten Jahre hat auch das Internet an Bedeutung für die Therapeuten-Suche gewonnen. Besonders in schwierigen Lebensphasen, bei persönlichen Krisen oder konkreten Problembereichen im täglichen Leben mag es aber sein, dass Sie sich auf keine Suche nach der "Stecknadel im Heuhaufen" einlassen wollen, sondern möglichst rasch und direkt an die "passende Adresse" gelangen möchten.
Ich habe daher versucht, hier einige Orientierungspunkte zusammenzutragen, die bei dieser Suche helfen sollten.

Titel und Berufe: wer kann was?

Psychotherapie: die Berufsbezeichnung Psychotherapeut bzw. Psychotherapeutin ist in Österreich und Deutschland ein geschützter Titel*), d.h., nicht jeder darf sich so nennen. Insbesondere seit der Etablierung des Österr. Psychotherapiegesetzes ist die Voraussetzung für die Erlangung des Titels eine mehrjährige, sehr intensive Ausbildung, die die Basis für verantwortliche und seriöse Psychotherapie schafft.

Psychotherapie unterscheidet sich von folgenden Berufsfeldern:

Psychotherapiewissenschaft: diesem Spezifikum der österreichischen Therapielandschaft liegt ein entsprechendes Studium an der Sigmund Freud Privatuniversität (SFU) zugrunde, die daraus hervorgehenden sog. "M.pth." (Master of Psychotherapy) sind jedoch aufgrund ihrer weniger praktischen als vielmehr forschungsorientierten Ausbildung anders, als die Berufsbezeichnung es vermuten ließe, nicht zur Ausübung von Psychotherapie berechtigt, sondern zur Forschung hinsichtlich Psychotherapie (etwa: Wirksamkeitsforschung etc).

Psychiatrie und Neurologie: ein Psychiater bzw. Neurologe (Facharzt für Psychiatrie und Neurologie) verfügt nicht unbedingt über eine psychotherapeutische Ausbildung, sondern ist auf die Diagnose, Behandlung, Prävention und Rehabilitation schwerer psychischer und neurologischer Erkrankungen (wie Persönlichkeitsstörungen und Psychosen) spezialisiert, wobei er hauptsächlich auf medikamentöse Behandlung (Psychopharmaka) setzt.

Psychologie: PsychologInnen beschäftigen sich mit dem Erleben, Verhalten und Bewusstsein des Menschen, und erforschen seelische Vorgänge. Die Arbeitsgebiete Klinischer PsychologInnen betreffen die Prävention seelischer Störungen, die klinisch-psychologische Diagnostik und die psychologische Beratung und Begleitung bei somatischen und psychischen Erkrankungen. Sie haben nicht unbedingt auch eine psychotherapeutische Ausbildung.

Coach: ein Coach unterstützt vorwiegend bei der Klärung beruflicher Ziele und bei der Erarbeitung von Möglichkeiten, diese zu erreichen.

Heilpraktiker: in Österreich ist die Ausübung der Heilkunst Ärzten und Psychotherapeuten (siehe oben) vorbehalten, die Ausübung des Berufes des Heilpraktikers ist verboten. In Deutschland und der Schweiz sind Heilpraktiker (Deutschland: "Therapeuten mit Heilkundeerlaubnis nach dem Heilpraktikergesetz (HPG)") zwar formal zur Ausübung von Psychotherapie berechtigt, allerdings schwankt in beiden Ländern die Intensität, fachliche Tiefe und Dauer der hinter diesem Berufstitel stehenden Ausbildungen erheblich und ist in etwa vergleichbar mit der professionellen Schwankungsbreite bei Österreichs Lebens- und Sozialberatern.

Sonstige "Therapie"formen: grundsätzlich läßt sich sagen: "was sich anders als Psychotherapie nennt (oder aufgrund der gesetzlichen Regelungen vielleicht auch anders nennen muss..), ist nicht Psychotherapie".

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Österreich Österreich: über das Psychotherapiegesetz (PThG) ist sowohl die Berufsbezeichnung Psychotherapeut als auch die Berufsumschreibung "Psychotherapie" gesetzlich geregelt und von der psychiatrischen und der psychologischen Berufsausübung deutlich abgegrenzt.
Deutschland Deutschland: die Rechtslage ist für PatientInnen unübersichtlich, aber durch das deutsche Psychotherapiegesetz (PsychThG) geregelt. Der Berufstitel "Psychotherapeut(in)" ist geschützt, nicht aber "Psychotherapie", was zu einer Vermengung mit teils unseriösen Angeboten führt, die von PatientInnen teils nur schwer durchschaubar ist. Von den zwei gesetzlich anerkannten Berufszweigen dürfen "Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen" Personen bis zum vollendeten 21. Lebensjahr behandeln, "Psychologische PsychotherapeutInnen" das ganze Altersspektrum. Die dt. Krankenkassen erkennen trotz aufwändiger Anerkennungsverfahren bis heute lediglich 3 Therapiemethoden an: Verhaltenstherapie, Analytische Psychotherapie-Methoden (Psychoanalyse, Analytische Psychologie und Individualpsychologie) und "Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie". Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung und Hypnose können als Einzelbehandlung genehmigt und finanziert werden.
Schweiz Schweiz: ein eidgenössisches Psychotherapiegesetz, das Bewilligungs- und Ausbildungskriterien festlegt, ist für 2013 geplant. Aktuell regeln die meisten Kantone die Ausübung der Psychotherapie a) durch die Erfordernis einer Praxisbewilligung und b) durch entsprechende Weiterbildung von ÄrztInnen. Gemäss geltendem Recht übernimmt die Grundversicherung nur dann ambulante Psychotherapie, wenn sie von ÄrztInnen durchgeführt oder an Hilfspersonen delegiert wird und in einer Arztpraxis stattfindet. Kriterium für die Kassenpflicht ist also weder die Qualifikation der LeistungserbringerInnen noch die Qualität der Psychotherapie, sondern der Durchführungsort "Arztpraxis". Vom Schweizer Psychotherapeuten-Verband (SPV) und der Föderation der Schweizer Psychologinnen und Psychologen (FSP), den maßgeblichen Dachverbänden der qualifizierten Psychotherapeutinnen und -therapeuten, wird gefordert, daß zukünftig einzig PsychotherapeutInnen mit einer anerkannten Aus- und Weiterbildung bei der Grundversicherung der Krankenkassen zugelassen werden.
ECP-Zertifikat Europäisches Zertifikat für Psychotherapie (ECP): der Europäische Dachverband für Psychotherapie (EAP) legt Standards für die Ausübung professioneller Psychotherapie fest und verleiht auf dieser Basis Zertifikate an entsprechende Psychotherapeuten und Psychotherapeutinnen. Eingetragene Therapeutinnen und Therapeuten sind auf der Website des EAP abrufbar.

Methoden: welche für mich?

Seit der von Sigmund Freud etablierten Psychoanalyse haben sich hunderte von "psychotherapeutischen" Methoden entwickelt, doch nur die wenigsten davon sind heute auch wissenschaftlich anerkannt.

Um die Wissenschaftlichkeit einzelner Methoden zu untermauern, wurde von einzelnen Psychotherapieforschern (wie z.B. Grawe, Dawes etc.) in jüngerer Vergangenheit versucht, die jeweils "optimale" Psychotherapieform für spezielle psychische Problembereiche zu finden und den Grad der Wirksamkeit einzelner Therapiemethoden zu ermitteln.

Wie sich gezeigt hat, gibt es kaum signifikante Unterschiede hinsichtlich der Wirksamkeit der in Österreich anerkannten Therapierichtungen bei den meisten Störungsbildern.
Unterschiede existieren vor allem hinsichtlich der Konzepte der einzelnen Ansätze, der Arbeitsweisen der TherapeutInnen sowie in Bezug auf Therapiedauer, Nachhaltigkeit des Therapieerfolgs und verschiedenen anderen Aspekten, die ich hier versucht habe, übersichtsartig darzustellen: [->Psychotherapie-Methoden: Übersicht].

Persönliche Probleme etwa sind eben nicht mit einer simplen Halsentzündung zu vergleichen, die man mit einer Tablette (ein paar speziellen "Techniken") ausmerzen kann. Wenn eine Psychotherapie langfristigen Erfolg haben soll, dann muß sie "passen" - und hier erwies sich in Wirksamkeitsstudien vor allem ein positives, vertrauensvolles Verhältnis zwischen Klient(in) und Therapeut(in) als relevanter Faktor. Somit kann selbst, wenn zwei Klientinnen das gleiche Problem haben, die Therapieform, die sie optimal unterstützen kann, eine unterschiedliche sein. Ebenso muß ein Therapeut, der einer bestimmten Person gut weiterhelfen konnte, nicht unbedingt hilfreich für eine andere sein - nicht einmal in Bezug auf das gleiche Problem!

Anerkannte Psychotherapie-Methoden

Auf der Suche nach Lösungen, den heilenden Einsatz von Psychotherapie im österreichischen Gesundheitssystem zwar zu fördern, dabei aber die Unterstützung von "Quacksalbern" auszuschließen, hat man sich hierzulande entschieden, die Förderung auf die größten und durch Forschungsarbeiten fundiertesten Psychotherapiemethoden zu beschränken. Wenn Sie sich bei einem(r) Psychotherapeuten(in) in Therapie begeben, der/die einer der folgenden in Österreich anerkannten Methoden angehört und darüber hinaus (wichtig!) auch in der beim Gesundheitsministerium geführten Therapeutenliste steht, könnten Sie von der Krankenkasse einen Teil Ihrer Kosten refundiert erhalten - diese sind in Österreich vom Bundesministerium für Soziale Sicherheit und Generationen anerkannt:

Systemische Orientierung:

Tiefenpsychologisch-psychodynamische Orientierung / Psychoanalytische Methoden:

Tiefenpsychologisch-psychodynamische Orientierung / Tiefenpsychologisch fundierte Methoden:

Imaginativ mit kognitivem Ansatz:

Humanistisch-existenzielle Orientierung:

Verhaltenstherapeutische Orientierung:

[-> Methodenvergleich (anerkannte Psychotherapie-Methoden in D/Ö/CH)]

Voraussetzung für einen solchen Kostenersatz ist weiters, daß der Grund Ihrer Psychotherapie eine sogenannte "Störung mit Krankheitswert" ist (Lebens-, Erziehungs- oder Eheberatung, Paartherapie u.dgl. etwa werden von den Krankenkassen nicht unterstützt). Sollte diese Teil-Rückvergütung durch Ihre Krankenkasse also für Sie von Bedeutung und auch von der Kasse her möglich sein, hat sich die Anzahl der in Frage kommenden Therapiemethoden bereits auf ein überschaubares Maß reduziert.

Es können jedoch auch Gründe dafür sprechen, auf eine Krankenkassen-Vergütung von vornherein zu verzichten - etwa, um eine Aufnahme des dafür erforderlichen Arztbesuches oder der therapeutischen Diagnose in die Datenbanken der Krankenkassen zu vermeiden oder aus anderen persönlichen Gründen.

Die einzelnen genannten psychotherapeutischen Ansätze detailliert zu erklären, würde an dieser Stelle allerdings zu weit führen - ich kann nur auf die umfangreiche einschlägige Literatur sowie meine recht umfangreiche Link-Liste verweisen.

Und hier noch einige Tips für den weiterführenden Entscheidungsprozeß: Zurück zum Anfang .

Finden und Erkennen des(der) "richtigen" Therapeuten(in)

Mindestens genauso wichtig wie die angewandte Psychotherapiemethode ist - wie bereits oben erwähnt - die Person des Therapeuten. Denn Psychotherapie geschieht als Arbeit, als Prozeß zwischen zwei Menschen, bei der die jeweilige Methode angewandt wird - Psychotherapie kann also nur dann optimal wirken, wenn diese Beziehung stimmt. Basis für den gemeinsamen Weg ist immer Vertrauen, ein Gefühl von Sicherheit und gegenseitigem Respekt.

Wenn Sie etwa ein Gefühl hätten, Ihrem Therapeuten/in nicht alles sagen zu können, was Ihnen auf dem Herzen liegt, könnte das bedeuten, daß dies nicht der/die richtige Therapeut/in für Sie ist. Es mag jedoch auch sein, daß Sie prinzipiell große Probleme haben, sich anderen Menschen gegenüber zu öffnen (etwa bei sozialen Ängsten oder bei großer Skepsis 'Helfern' gegenüber) oder einen "Vorschuss an Vertrauen" zu erbringen - dann dürfte es sinnvoll sein, gewissermaßen "ins kalte Wasser zu springen" und sich zunächst auf den Therapieprozess bestmöglichst vertrauensvoll einzulassen, um überhaupt erst die Voraussetzungen für eine Verbesserung zu schaffen. Ganz ohne Vertrauen und beidseitige Bemühung, eine konstruktive Zusammenarbeit zu etablieren, wird Verbesserung nicht möglich sein...

Die folgenden Hinweise sollen Ihnen allerdings zusätzliche Orientierungshilfen bieten, wie Sie einerseits an professionelle Psychotherapeuten(innen) gelangen können, und Sie darüber hinaus ermutigen und befähigen, etwaig auftauchende Schwierigkeiten im Zuge einer bereits laufenden Psychotherapie ernstzunehmen und frühzeitig zu erkennen.

Bei wem soll ich einen Termin vereinbaren?

Im Zuge des ersten Gesprächs ('Erstgespräch') klären:

Das Erstgespräch dient dazu, einander gegenseitig kennenzulernen, fallweise auch schon einem ersten Einstieg in die Facetten der Therapie-Themen. Aus dem Erstgespräch leitet sich üblicherweise noch kein Therapievertrag ab, außer es wird bereits einer vereinbart. "Schuldig" sind Sie höchstens das Honorar für das Gespräch, können sich aber nachher noch entscheiden, die Therapie beim jeweiligen Therapeuten doch nicht zu beginnen. In Österreich können Sie bei einer Teilrückerstattung der Therapiekosten bis zu 4 Einheiten auch bei unterschiedlichen Therapeuten "bewilligungslos" absolvieren, in Deutschland bis zu 5 Sitzungseinheiten (meist á 50 Minuten).

Während der Therapie: von Zeit zu Zeit "Zwischenbilanzen" führen.

All dies ist natürlich nicht als Checkliste, die bei jeder einzelnen Sitzung durchzugehen wäre, gedacht .. dies würde die zwischenmenschliche Begegnung zu einer TÜV-Inspektion denaturieren. Vielleicht ist es ja bei der Wahl eines(r) Psychotherapeuten(in) gar nicht so sehr anders wie bei der Auswahl eines Arztes: es gibt keine Indikatoren, die absolute Sicherheit bieten, sondern man ist im Wesentlichen auf Tips von Freunden, auf Artikel wie diesen, vor allem aber das eigene Gefühl angewiesen... die hier angeführten Tipps sollen in diesem Sinne nur eine Orientierung für Gesichtspunkte bieten, die man prinzipiell beachten sollte.

Meiner Erfahrung nach kann es aber dennoch von elementarer Bedeutung für den Erfolg Ihrer Psychotherapie sein, daß Sie - egal, nach welcher "Methode" Ihr(e) Psychotherapeut(in) arbeitet - Punkte, die Sie negativ beantworten mußten, mit Ihrem(r) Therapeuten(in) besprechen. Selbst, wenn Sie ein solches Manko akzeptieren und in Kauf nehmen, sollten Sie für sich genau abklären, warum Sie dies tun, und wie weit Sie ggf. dabei gehen würden, ohne diese Therapie zu beenden.

Das Therapieende

Im idealen Fall wird eine Psychotherapie dann beendet, wenn das angepeilte Ziel, die angepeilte Lösung erreicht wurde oder ein befriedigender erster Schritt dorthin vollzogen werden konnte (Therapieunterbrechung). Besonders nach längerdauernden Therapien ist es meist üblich, dann in einer speziellen Abschlußstunde den beschrittenen Weg nochmals zu reflektieren und die erreichten Schritte zu "ankern". Die letzte Stunde stellt für beide, Therapeut(in) und Klient(in) eine Möglichkeit dar, die Beziehung zu normalisieren, häufig ist das dann insbesondere nach längeren Therapien ein bewegender Moment, blickt man auf das Geschaffte zurück.
Ebenso, wie es unpassend wäre, wenn ein Therapeut "einfach so" plötzlich die Therapie abbricht, ist es ein ungünstiges Zeichen, wenn Klienten "mal eben" anrufen und mitteilen, daß es ihnen schon besser gehe und sie daher die Therapie beenden wollen. Erfolgreiche Therapie kann auch heißen: sich Zeit zu nehmen, es sich wert zu sein, und sich auch damit zu konfrontieren, einen letzten Schritt ganz bewußt zu vollziehen, ja auszukosten.

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Weitere Tipps:

Eine Zusammenfassung, die speziell die entsprechende Situation in Deutschland berücksichtigt, finden Sie auf den themenverwandten Seiten von Paul Hiss, Eberhard Schneider und Wolfram Dorrmann. Von den ersteren beiden Websites habe ich auch einige der hier angeführten Tips auszugsweise zitiert, sofern es mir der Vollständigkeit halber sinnvoll erschien - danke für deren Zustimmung.