Psychotherapie Entscheidung / Indikationen (Photo: Anthony Tran @ Unsplash)

Was sind Indikationen für Psychotherapie - mit welchen Problemen zum Therapeuten?

Wann kann Psychotherapie helfen?

Wer unter persönlichen Problemen oder seelischen Belastungen leidet und diese alleine nicht (oder nicht mehr) in den Griff bekommt, sollte sich ebensowenig wie bei körperlichen Erkrankungen scheuen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Die gilt natürlich vor allem dann, wenn diese Belastungen schon längere Zeit andauern oder sich gar im Laufe der Zeit tendenziell verschlimmerten. Im Zweifelsfall kann die Frage, ob eine Psychotherapie indiziert ist, direkt mit einem(r) Psychotherapeuten(in) oder im Zuge eines psychologischen Tests abgeklärt werden. Entscheiden, ob Sie eine Therapie beginnen möchten, können Sie aber immer selbst - auch ein Wunsch, an sich zu arbeiten oder persönliche Probleme in den Griff zu bekommen, genügt (Selbsterfahrung).
Voraussetzung für den Erfolg einer Therapie ist in jedem Fall, dass man als Klient/in ernsthaft bereit ist, sich mit den anstehenden Problemen auseinanderzusetzen und an deren Beseitigung - unterstützt durch den/die Psychotherapeuten(in) - mitzuarbeiten.

Bewährte Indikationen für Psychotherapie:

  • Psychosomatische Beschwerden (z.B. Magen- und Zwölffingerdarmgeschwür (Ulcus ventriculi, Ulcus duodeni,..), Migräne,..
  • Depression / Erschöpfungszustände
  • sexuelle Schwierigkeiten
  • Folgen von Mißhandlung (sexueller Missbrauch oder körperliche Misshandlungen)
  • Zwangsgedanken und -Handlungen
  • Essstörungen - Anorexie / Bulimie / Adipositas
  • Angstzustände (oder latente Ängste, die Ihre Lebensqualität einschränken)
  • Selbstmordgedanken
  • Leistungsversagen (mit oder ohne aktuellen beruflichen Belastungssituationen)
  • sexueller Mißbrauch
  • Pubertätskrisen
  • Erziehungsprobleme / Schulprobleme
  • Paarprobleme / Beziehungsprobleme / Eheprobleme (⇨ Paartherapie bzw. Paarberatung; Ehetherapie bzw. Eheberatung)
  • posttraumatische Zustände (nach Unfällen, Verlusterlebnissen etc.)
  • begleitend zu medizinischen Maßnahmen bei organischen Störungen
    (z.B. bei chronischen Erkrankungen, starken Schmerzzuständen, neurologischen Störungen, Herz-Kreislauferkrankungen, nach oder vor Operationen u.dgl).
  • funktionelle Störungen (häufig wiederkehrende Beschwerden aller Art wie z.B. Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Atemnot, sexuelle Störungen etc. ohne feststellbare körperliche Ursache)
  • belastenden Entscheidungssituationen (beruflich, privat, ..)
  • Süchte (Abhängigkeiten von Drogen, Alkohol, Tabletten, best. Nahrungsmitteln oder zB. auch Tätigkeiten)
  • Konflikte mit Eltern / Verwandten / Vorgesetzten (⇨ Familientherapie, Coaching,..)
  • Schüchternheit, Kontaktschwierigkeiten sowie Kontaktstörungen wie Asperger-Syndrom, ADHS etc.
  • Psychotherapie kann wesentlich bei der Persönlichkeitsentfaltung und -entwicklung unterstützen

Auf diesen Seiten finden Sie auch einen Selbsttest, der Sie bei der Einschätzung, ob Ihnen eine Psychotherapie helfen könnte, unterstützen kann.

Es kann jedoch auch noch ganz andere Gründe geben, sich für eine Psychotherapie zu entscheiden - hier einige der Ziele, die KlientInnen in meine Praxis führten: "Ich möchte..."
  • .. selbstsicherer werden.
  • .. besser mit meiner Krankheit fertigwerden.
  • .. mich zwischen 2 Beziehungspartnern entscheiden können.
  • .. mich [beruflich od. persönlich] verändern und mehr Klarheit und Sicherheit für die nächsten erforderlichen Schritte gewinnen
  • .. mit einer schwierigen Veränderung, die in meinem Leben stattgefunden hat, besser umgehen können.
  • .. mich gegen Mobbing in der Firma wehren.
  • .. mein Leben verändern - aber wie kann das gelingen?
  • .. ein besseres Verhältnis zu meinen Eltern erreichen
  • .. Unterstützung bei der Erziehung meines Kindes
  • .. mit meinen Aggressionen besser umgehen können.
  • .. mit den Aggressionen von [...] besser umgehen können.
  • .. an meiner beruflichen Überlastung etwas verändern.

Der letzte Punkt betrifft einen speziellen Bereich des psychotherapeutischen Spektrums: den der Sexualtherapie. Folgende Probleme können zum Entschluss führen, eine Sexualberatung oder Sexualtherapie aufzusuchen:

  • sexuelle Lustlosigkeit (Appetenzstörung) - das Verlangen nach Sex wurde immer geringer oder ist gar nicht mehr vorhanden (Frauen und Männer)
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (Frauen und Männer)
  • Erektionsstörungen (Impotenz): der Penis wird nicht mehr (ausreichend) steif (Männer)
  • ausbleibende sexuelle Erregung und Lubrifikationsstörungen (kein Feuchtwerden der Scheide) (Frauen)
  • vorzeitiger Samenerguss (Männer)
  • ausbleibender Samenerguss (Männer)
  • ausbleibender Orgasmus (Anorgasmie) (Frauen und Männer)
  • Scheidenkrampf (Vaginismus) (Frauen)
  • Orgasmus oder Samenerguss mit ausbleibender Befriedigung (Frauen und Männer)
  • sexuelle Aversion - der Gedanke an Sex wird als unangenehm und abstoßend erlebt, "keine Lust auf Sex".. (Frauen und Männer)
  • sexuelle Wünsche oder auch Probleme, die in der Partnerschaft nicht angesprochen werden können (Frauen und Männer)

Auch heute noch ist die Hemmschwelle, speziell ein Sexualberatungsgespräch in Anspruch zu nehmen, meist sehr hoch... selbst in historisch früh "aufgeklärten" Städten wie Wien. Wer ein sexuelles Problem hat, ist außerdem meist überzeugt davon, damit ziemlich allein zu sein - schließlich sind alle anderen doch "normal", sexuell aktiv und rundum zufrieden! ..welch ein Irrtum.

Es muss aber nicht einmal ein eigenes Problem sein, das in die Beratung führt - manchmal gibt es auch Fragen, die einen im Zusammenhang mit einem Problem des Partners/der Partnerin beschäftigen. Oder eine bestimmte Eigenschaft oder Verhaltensweise des Partners oder der Partnerin, die für diese/n überhaupt kein Problem ist, wird für einen selbst zum Problem.

Speziell in der Paartherapie wird darauf geachtet, insbesondere folgende Fähigkeiten auszubauen oder zu entwickeln:

  • Konflikte lösen - und diesbezüglichen "Fallen" künftig gut ausweichen können
  • Erreichen einer ehrlichen, respektvollen "two-way"-Kommunikation, die Auseinandersetzungen zu vermeiden hilft
  • allgemeine Verbesserung der Kommunikation mit anderen
  • Balance und Ausgeglichenheit in der Beziehung zur Familie, zu Freunden, Kollegen und Vorgesetzten
  • Vertrautheit herstellen, ohne die eigene Identität zu opfern
  • vergangene Ereignisse und Verletzungen, die die Gegenwart belasten, verarbeiten und aufklären

Was "bringt" eine Psychotherapie?

Ebenso unterschiedlich wie die Gründe und Auslöser sein können, die in die Psychotherapiepraxis führen, so unterschiedlich und vielfältig sind auch die möglichen Lernerfahrungen und Effekte einer Therapie. Grundsätzlich können Sie davon ausgehen, in der Psychotherapie folgendes zu lernen und zu erfahren:

  • Sie erweitern Ihre Fähigkeiten, Probleme zu lösen und mit Schwierigkeiten umzugehen
  • Sie lernen neue Verhaltensweisen kennen und können diese a) unter "kontrollierten" Bedingungen sowie b) in der für Sie richtigen Geschwindigkeit ausprobieren und erlernen
  • Sie erhöhen Ihr Selbstvertrauen
  • Sie werden mehr an sich, Ihre Träume und Fähigkeiten glauben können
  • ..und gezielt daran zu arbeiten beginnen, Ihre Träume auch zu verwirklichen!
  • Sie erlernen Techniken und Hilfsmittel, die Hürden des Lebens nicht nur zu überstehen, sondern auch positiv zu meistern - und zwar nicht nur während der Therapie, sondern auch danach.

Ein wesentlicher Bestandteil einer Therapie sollte auch sein, die Selbstheilungskräfte, die meiner Erfahrung nach in jedem Menschen vorhanden sind und aktiviert werden können, zu nutzen. Denn die eigenen Ressourcen sowie jene der Umwelt (sie einzubeziehen, ist ein wichtiger und äußerst hilfreicher Ansatz der Systemischen Therapie) sind optimal dazu geeignet, eine individuell "passende" Lösung zu erreichen - und auch nach dem Abschluss der Therapie, im "rauen Alltag", wieder gut weitertun zu können.


Weitere Tipps:

Richard L. Fellner, DSP, MSc.

R.L.Fellner ist Psychotherapeut, Hypnotherapeut, Sexualtherapeut und Paartherapeut in Wien.

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