Paruresis u. Parcopresis (Kloprobleme)

Fragen und Erfahrungsaustausch zu Phobien, Zwängen, Panikattacken und verwandten Beschwerden.
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maxm
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Paruresis u. Parcopresis (Kloprobleme)

Beitrag Di., 11.08.2009, 23:42

Hat jemand Tips, wohin man sich wenden kann (Wien), wenn man mit Paruresis und Parcopresis zu kämpfen hat?
Die konkrete Situation ist, dass ich nicht urinieren oder sch*** kann, wenn andere in der Nähe sind. Ich bin in der Arbeit aber gezwungen, eine Gemeinschaftstoilette zu benutzen, und für mich ist jeder Tag in der Arbeit ein Horror.
Aber bitte nicht den Ratschlag, mir eine andere Arbeit zu suchen. Das wäre so schon nicht einfach, und ich habe keine Idee, welche Arbeit es gäbe, wo ich nicht diese Probleme hätte.
Was ich allerdings weiss, ist, dass ich dann allen Leuten erklären müsste, warum ich eine andere Arbeit suche, und dass ich dann wieder alle Leute anlügen müsste.
Es kotzt mich so an und deprimiert mich so, dass diese Sache so mein Leben bestimmt, dass ich mein Leben damit verbringe, diese Sache zu vertuschen und alle anzulügen.
Aber es geht nicht um Heilung. Mag sein, dass es Fälle gibt, wo das, wie es behauptet wird, mit einer sogenannten Verhaltenstherapie heilbar ist, ich sehe für mich keine Möglichkeit einer Heilung. Für mich geht es nur darum, damit zurechtzukommen.


Eremit
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Beitrag Di., 11.08.2009, 23:48

Ich habe das selbe Problem.

Mehr als Lügen (Verstopfung) und warten, bis niemand mehr in der Nähe ist, ist mir bis jetzt auch nicht eingefallen...

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Honigkuchenpferd
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Beitrag Mi., 12.08.2009, 13:26

Hallo!
Oft reicht es schon, ganz in der Nähe der Arbeit zu wohnen - also eher der Arbeit nachzuziehen als selbige darauf abzustimmen.
Bei mir geht es meist so, dass ich vier Stunden arbeite, dann gehe ich in der Pause zur Toilette (zu Hause) und dann gehe ich wieder zur Arbeit.
Ich habe jedoch mit dem Stuhlgang weit größere Probleme, Harn lassen kann ich in der Arbeit; wobei ich anmerken muss, dass sich bei uns vor der Toilette nie eine Schlange bildet, da wir uns vorher mit einer Art Codesatz abmelden, damit uns keiner sucht. Diese positive Überraschung habe ich erst bemerkt, als ich meine Stelle bereits dort hatte.
In einem größeren Betrieb geht das mit der Verschleierung des Geschehens wahrscheinlich schlechter.
Lg, das H.

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luftikus
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Beitrag Mi., 12.08.2009, 13:56

Das Problem Paruresis habe ich auch - und es scheinen mehr Leute zu haben als man denken würde.

Dennoch ist es den meisten Ärzten, Psychotherapeuten und Urologen nicht bekannt, was die Möglichkeiten einer Behandlung stark einschränkt.

Du hast geschrieben, Du möchtest die Stelle nicht wechseln. Aber warum wäre das nicht wenigstens ein mittelfristiges Ziel? Und beim Vorstellungsgespräch könnte man ja ganz gut unauffällig versuchen herauszufinden, wie es um die jeweilige Toilettensituation bestellt ist. Ich selbst habe beispielsweise das Glück, dass es bei uns eine wenig frequentierte Toilette im Kellergeschoss gibt, die ich meistens nutze...

Die Idee mit der Wohnungssuche in der Nähe des Arbeitsplatzes ist natürlich auch gut.

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maxm
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Beitrag Sa., 15.08.2009, 22:36

Es ist eigentlich ein Hammer. Laut Zähler haben bisher weniger als 100 Leute das gelesen und 3 schreiben, dass sie es auch haben.
Das sind sicher zuwenig Daten für eine Hochrechnung, und vielleicht ist die Leserschaft hier auch nicht repräsentativ, aber man kann es schon als Hinweis sehen, dass viele Menschen davon betroffen sind.
Ich finde das so skandalös, dass die "offiziellen" Stellen (Medizin, Psychologie, Medien) die Sache so ignorieren und totschweigen, und man erst durch das Internet die Möglichkeit hat, herauszufinden, dass man damit nicht alleine ist, und sich darüber zu informieren.

"der Arbeit nachzuziehen" - das klingt ziemlich "unbehaust".
Bei mir wäre es wahrscheinlich einfacher, die Wohnung zu wechseln als die Arbeit. Einfach weil ich von meinen Wohnbedürfnissen nicht so spezialisiert bin wie im Beruf durch die Ausbildung. Ein Vorteil ist auch, dass man Maklern, Vermietern, usw., im Gegensatz zu Arbeitgebern, nicht erklären muss, warum man wechseln möchte.
Aber ein Problem ist, dass es mir in der Arbeit ziemlich schlecht geht, und ich permanent damit rechne, hinausgeworfen zu werden. Das sind 2 Gründe, die dagegen sprechen, wegen der Arbeit umzuziehen.

Bei der Methode, die Luftikus für die Arbeitssuche vorgeschlagen hat, sind mir die Erfolgsaussichten einfach zu gering. Es bringt mir nichts, mir die Situation anzuschauen, wenn ich dann doch nur sehe, dass es für mich nicht möglich ist. Und das wenig frequentierte Klo im Keller, das mich vielleicht retten würde, das würde ich bei dieser Methode nicht finden.

Zu der Vertuschungs- und Lügen-Problematik:
Aus dem kurzen Text von Eremit geht hervor, dass er versucht, die Sache zu vertuschen, und dazu die Leute anlügt. Aus den anderen Beiträgen kann ich dazu nichts herauslesen.
Luftikus, mich würde da schon einiges interessieren: Sind die Leute informiert? Wenn nicht, ist das noch nicht aufgefallen?, bist du noch nicht mit Fragen konfrontiert worden, warum du dich jeden Tag ein paar Mal in den Keller verziehst?, und was hast du dann gesagt?

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Honigkuchenpferd
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Beitrag So., 16.08.2009, 18:09

Ich muss vielleicht noch hinzufügen, dass ich dein Alter nicht gelesen und deshalb nicht einmal daran gedacht habe, du könntest dich irgendwo schon fix niedergelassen oder gar eine Familie haben.
Darum war das für mich die Lösung, die ich als am wenigsten kompliziert empfinden.
Warum fürchtest du täglich, hinausgeschmissen zu werden? Hast du etwas angestellt oder ist es "nur" die Wirtschaftskrise?


montagne
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Beitrag Mo., 31.08.2009, 19:50

Ich habe den Eindruck, die Erfahrung es ist eine Ausprägung der sozialen Angst und die ist ja recht gut zu behandeln.
Ich kann mir nicht vorstellen, das ein gewöhnlicher Therapeut, der paar Erfahrungen mit sozialen Ängsten hat und nicht zuuu eingefahren ist, einem da nicht helfen kann.

Auf dem Höhepukt meiner sozialen Ängstlichkeit hatte ich ähnliche Probleme. Gar nicht mal auf ganz öffentlichen Toiletten, sondern eben dort wo man mich kannte, Uni, Sportstudio. Als ich anfing etwas gegen die soziale Angst zu tun, legte sich das Problem von selbst, bzw. es wurde automatisch Teil meines Anti-Scham-Trainings.

Und so ich es verstanden habe, haben das Problem wirklich sehr viele Menschen. Es kommt vielleicht noch häufiger vor, als andere Formen der sozialen Angst (Angst in der öffentlichkeit zu essen, Angst davor zu riechen, Sprechangst usw.) Allerdings kommt es eben nicht selten auch in Kombination mit anderen sozialen Ängsten vor.
Es wird aber viel wneiger drüber geredet, was nicht verwunderlich ist, denn der Toilettengang ist für die meisten ein Schamthema.

Man kann es selbst beobachten. man wird mehr Leute über ihre Krebserkrankungen klagen hören, als über ihre Hämorrhoiden und Analfissuren. Ohne die Zahlen zu kenne, würde ich mal sagen Hämorrhoiden kommen wesentlich häufiger vor als Krebs.
Aus Scham lassen sich viele Leute einen Blumenkohl am Po wachsen, bevor sie zum Arzt gehen. Okay, ich glaube es wird klar, worauf ich hinaus will....
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Beitrag Mo., 31.08.2009, 20:02

Vallée, Du hast leicht reden.

Jeder Arzt, dem ich von diesem Problem erzählt habe, meinte nur:

"Das wird schon nicht so schlimm sein."

Deshalb: Keine Behandlung, keine Lösung des Problems. Also: Weiterlügen.


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Beitrag Mo., 31.08.2009, 20:46

Eremit, das glaube ich dir sofort, das man es bisher nicht ernst genommen hat. Weil Ärzte es nicht kennen und weil es im Grunde eben auch kein medizinisches, sondern ein psychischen Problem ist. Und Ärzte sind keine Psychologen.
Ich denke das wissen hier eh alle, sonst wären sie nicht hier.

Leicht reden habe ich allerdings, klar, ich habe das Problem ja nicht mehr. Aber ich hatte es und habs überwudnen, emhr wollte ich ja nicht sagen.
Weil mir eben klar wurde, das es Teil meiner sozialen Angst ist und ich habe es so behandelt wie alle anderen sozialen Ängste auch.
Habe beim Training gesagt: "Ich geh mal zum Klo, glaub ich muss abscheißen." Ebenso wie ich in der Prüfung sage: "Sorry bevor wie anfangen, muss ich nochmal zur Toilette, ist nur die Aufregung." Dann wissen es alle, dann ist die Luft raus. Und schon manches mal, habe ich erlebt, das Leute froh sind, wenn etwas offen und zwangos angesprochen wird, was sonst ein Tabuthema ist.
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Beitrag Mo., 31.08.2009, 21:54

Vallée, hast Du das Problem mit einer Therapie wegbekommen, oder ohne?

EDIT: Den Spruch habe ich übrigens auch schon von Psychologen gehört. Soviel dazu.


montagne
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Beitrag Mo., 31.08.2009, 22:42

Eremit: Ich war wärend dessen in Therapie ja, bin es noch. Habe es aber so direkt nie angesprochen, eben auch wegen Scham und weil es nun wirklich nicht mein hauptthema war. Aber ich bekam eben Tipps zum Üben gegen soziale Ängste allgemein. Und der allgemeine Hinweis lautet eben, gegen die Angstbezogenen gednaken anüben. Wenn man Angst davor hat, das andere Mitbekommen was man wie auf dem Klo produziert, muss man das eben von sich aus zum Thema machen.

Wenn man Angst hat in der Öffentlichkeit zu zittern und auch wirklich zittert, kann man sagen: "Ach Gott, jetzt bin ich so aufgeregt da sich zittere, hoffentlich verkippe ich den Kaffee nicht."

Was das Klothema angeht habe ich die Angst an sich eben zum Thema gemacht und auch über meine Toilettengewohnheiten an sich vom leder gezogen. Habe jedes mal festgestellt, das es ein lebhaftes Gespräch ergab und einige gerne und viel von ihren Toilettengewohnheiten und Problemen erzählt haben und nur wenige pikiert waren.

Versteht sich von selbst, das man sinnvoll abschätzen muss wo welches Gespräch angemessen ist. Gibt Situationen, wo man sich sicher zu recht schämen könnte es anzusprechen.
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Beitrag Mo., 31.08.2009, 23:00

Im Endeffekt kann ich also nichts tun, außer, weiterhin zu lügen.


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Beitrag Mo., 31.08.2009, 23:15

Damit geräts du noch tiefer in das Problem und es werden andere soziale Ängste hinzukommen. Klüger wäre es gegen die Angst zu handeln,w enn du nicht drüber reden kannst, handeln. Trotzdem zur Toilette gehen usw.
Das ist natürlich hier so leicht gesagt und so einfach ist es nicht. Wie bei jeder solide festsitzenden Angst ist sicher therapeutische Begleitung angesagt. Nur weil ein Therapeut dir nicht helfen konnte, heißt es ja nicht, das keiner es kann. Manchen hilft es auch, in dem Zuge, die Ursache der Angst aufzuklären.
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Beitrag Mo., 31.08.2009, 23:22

Eine Therapie kann ich mir weder finanziell noch zeitlich leisten.

Für eine Buchempfehlung wäre ich aber dankbar.

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luftikus
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Beitrag Di., 01.09.2009, 09:57

maxm hat geschrieben:
Luftikus, mich würde da schon einiges interessieren: Sind die Leute informiert? Wenn nicht, ist das noch nicht aufgefallen?, bist du noch nicht mit Fragen konfrontiert worden, warum du dich jeden Tag ein paar Mal in den Keller verziehst?, und was hast du dann gesagt?
Bitte entschuldige die späte Antwort, aber ich war zwischenzeitlich im Urlaub...

Nein, niemand ist über mein Problem informiert.

Aber warum sollte das jemandem auffallen, wohin ich auf die Toilette gehe? Es folgt mir ja normalerweise niemand. Ich gehe raus aus dem Büro, runter in den Keller (das ist nicht weit, da wir im Erdgeschoss arbeiten), und wieder zurück. Hier an meinem Arbeitsplatz wird aber sowieso jedem Mitarbeiter eine gewisse Individualität zugestanden, die ich durchaus zu schätzen weiß.