Starke Panikattacken

Fragen und Erfahrungsaustausch zu Phobien, Zwängen, Panikattacken und verwandten Beschwerden.
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Hailey00
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Starke Panikattacken

Beitrag Do., 14.10.2021, 16:10

Hallo zusammen,

Schon seit circa meinem 13. Lebensjahr (mittlerweile 21), leide ich unter panikattacken. Diese treten meist vor Situationen auf wie lange zugfahrten, prüfungen, vorstellungsgesprächen, wenn ich weiter weg fahre und in der umgebung mit vielen Menschen.
Ich weiww nicht wieso ich sie habe, weiss auch nicht mit was sie angefangen haben.
Mittlerweile bin ich es einfach nur leid jedes mal da durch zu müssen.
Ich bin seit 3 Jahren in einer fernbeziehung (6h entfernung) und ich bin nicht oft bei meinem freund gewesen weil die zugfahrt der reinste horror für mich ist. Ich kann nicht atmen, mir wird sehr schlecht und mir wird sehr schwindelig. Seit neustem kommt auch ein Druckgefühl in der brust hinzu. Manchmal fängt diese Art von panikattacke auch schon 1 Tag vor der Abfahrt an wenn ich daran denke dass es morgen los geht. Und genau so geht es mir auch jetzt gerade. Morgen fahr ich zu ihm und ich habe heute noch nichts gegessen da mir jetzt schon schlecht ist.
Häufig habe ich dann auch vieles abgesagt, weil ich wusste dass die panikattacke mich einnehmen wird. Weshalb ich meine Jugend null genießen kann. Parties? Nein danke, bevor ich mich dort quäle, bleibe ich lieber zuhause.

Ich war in einer psychotherapeutischen Gruppe, doch die haben mir nicht richtig zugehört und mir nur Schwachsinn zugeredet. Das hat mich nur noch trauriger gemacht, weshalb ich gegangen bin..

Jetzt bin ich erneut am Anfang und weiss nicht was ich tun soll.. ich kann das einfach nicht mehr..

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Lillern
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Beitrag Do., 14.10.2021, 17:29

Hallo liebe Hailey,

es tut mir sehr leid, dass du da durch musst! Ich kann deine Ängste sehr gut nachempfinden und teile einige von ihnen.
Ich weiß nicht genau wie eine psychotherapeutische Gruppe funktioniert, aber hast du mal darüber nachgedacht eine einzeltherapie zu machen?
Mir bspw. hilft eine gesprächstherapie extrem und ich sehe schon deutlich Fortschritte. So im Einzel-Setting liegt der Fokus dann ja auch ganz auf dir.
Da könntest du dir dann bspw überlegen ob du lieber eine VT oder gesprächstherapie machen möchtest.
Mir war bspw. schon klar (so ganz grob) woher meine Ängste kommen und das sie sehr tief sitzen wo dann die gesprächstherapie das Richtige für mich war. Vlt kannst du da nochmal in dich hinein horchen und einen Zusammenhang zu deinem Leben finden, meist haben Ängste ja schon einen Grund würde ich sagen.
Aber generell würde ich sagen, dass eine Therapie (jeder Form) auf jeden Fall weiterhelfen kann wenn man dafür offen ist. Denn vermeiden der Situationen macht es im Endeffekt nur schlimmer, auch wenn ich das sehr gut nachempfinden kann.

Ich möchte dir für morgen auf jeden Fall mit zusprechen!

Weisst du denn, was genau dir am Zug fahren so Angst macht?

Liebe Grüße !

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Hailey00
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Beitrag Do., 14.10.2021, 17:38

Da ich die gruppentherapie beendet habe, darf ich keine andere Art von Therapie im Moment machen. Ich habe sozusagen eine 3 Jahres Pause.

Die Angst entsteht hauptsächlich davon dass ich Angst habe mich übergeben zu müssen. Ich habe auch im allgemeinen Angst vor dem übergeben. Ich kriege dann immer wenig Luft wenn es so weit ist und Panik total. War schon von klein auf so. Aber im Zug kommt dann noch dazu dass ich Angst davor habe dass mir keiner hilft wenn mich sehr schlecht sein sollte, oder dass die leute sich vor mir ekeln und schlecht über mich reden/ denken. Eine kombo aus Angst vor übergeben wegen der knappen Luft und Panik + was abdere von mir denken = die panikattacke die ich sehr häufig habe.
Ich suche mir dann immer Pläne um zu entkommen. Plan a: eine Station früher austeigen und irgendwo mich alleine hinsetzen oder plan b: mich in der zugtoilette einsperren und meiner panikattacke vollen Lauf geben obwohl ich dann wiederum Angst habe dass ich da ohnmächtig werde und mich dann keiner findet..

Schreckliche gedanken

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saffiatou
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Beitrag Do., 14.10.2021, 17:43

Du kannst die Therapieform wechslen, dann ist es meines Wissen nicht nötig zu warten.

Außerdem gibt es häufig Selbsthilfegruppen, die jedenfalls ein wenig Unterstützung bieten. Eventuell kannst Du auch eine Beratungsstelle in Deiner Nähe finden. Ein Psychiater könnte da helfen das Richtige zu finden.

Alles Gute
never know better than the natives. Kofi Annan

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Beitrag Do., 14.10.2021, 17:51

Ich finde deine Gedanken zu 100% nachvollziehbar! Das ist auch ein Teil meiner panick, schrecklich wäre es mich übergeben zu müssen und dann nicht raus zu kommen bevor es passiert und was denken bloß alle wenn’s im Zug passiert?!
Du bist damit also absolut nicht alleine!
Was mein Therapeut mich immer fragt ist: wie oft ist das denn schon passiert? Vlt hilft es dir ja wenn du dich das selbst auch mal fragst. Plus ich sage es jetzt mal so: wir finden das so schrecklich mit dem übergeben, aber die meisten Leute haben damit nicht so ein Problem das versuche ich mir auch immer vor Augen zu halten. Was mir mal geraten wurde war eine Tüte dabei zu haben für den Fall der Fälle (für mich war das jetzt keine Option aber vlt würde es dir ka helfen?)
Was ich generell mache ist, ich habe immer Medikamente gegen Übelkeit dabei (bspw reisekaugummis, vomex..). Ich versuche immer das nicht zu nehmen denn im Endeffekt ist es ja nur die panick, aber mir hilft es schon extrem das dabei zu haben, quasi als Sicherheit falls mir jetzt wirklich schlecht werden sollte dann schmeiß ich das Kaugummi ein und mir kann dann theoretisch garnicht mehr schlecht werden… also so ein bisschen die Psyche austricksen..

Und Fluchtpläne parat zu haben finde ich auch gut! Denn im Endeffekt kannst du jederzeit überall aussteigen und im Notfall jemanden anrufen der dich abholen soll. Vlt hilft es dir ja auch im Zug zu telefonieren, bspw mit deinem Freund und ihm immer zu sagen wo du grade bist, sowas gibt mir auch manchmal Sicherheit ..

Ich hoffe ich konnte dir damit etwas weiterhelfen ..

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Beitrag Do., 14.10.2021, 18:03

Ja ich habe immer eine Tüte dabei. Das letzte mal hab ich da immer wieder rein gespuckt. Es war aber nur würgen und normale spucke. Zudem hab ich mich noch nie übergeben müssen aber das würgen ist so schlimm.. Tabletten habe ich auch immer dabei. Diese nehme ich auch sehr oft aber dann knockt es mich aus. Ich bin sehr dünn und werde davon immer so müde. Manchmal schlafe ich dann auch ein aber wenn meine panikatzackr sehr schlimm ist dann schlafe ich nicht ein sondern bin sehr müde + mir geht es übel und sobald ich dann bei meinem freund bin schlafe ich bis zum Ende des Tages.. Natürlich nicht gut weil es eine Verschwendung des Tages ist.

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Beitrag Do., 14.10.2021, 18:19

Ist die letzte Zugfahrt denn schon wieder lange her?
Die Müdigkeit ist natürlich eine Nebenwirkung solcher Tabletten, ich finde aber ein kleiner Preis, ihr könnt euch ja auch einfach einen gemütlichen Tag machen, versuch das vllt. nicht so negativ, sondern positiv zu sehen, sodass du dich trotz der Müdigkeit auf die Ankunft freuen kannst.
Ich drücke dir auf alle Fälle die Daumen, dass es morgen erträglicher wird! Und du kannst ehrlich gesagt auch stolz sein, dass du die Zugfahrt gebucht hast, das ist ja nunmal schon der erste Schritt.

Aber wenn es so ist wie saffiatou sagt, dann schau doch vielleicht wirklich mal ob du im Rahmen eines Therapieformwechsels nochmal eine passende Therapie in Angriff nehmen kannst? Es kann ja schon sehr entlastend sein jemanden zu haben der mit einem gemeinsam daran arbeitet, sodass man nicht mehr so verloren und alleine in der Angst ist.

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Hailey00
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Beitrag Do., 14.10.2021, 18:30

Die letzte zugfahrt ist circa 1 monat her und da war es so schlimm dass mein freund mich abholen musste 1h vor Ankunft. Er war leider nicht so erfreut darüber..

Ja ich werde mal nach einer einzeltherapie suchen. Ich war da wegen meiner Angst aber wurde dann als magersüchtig abgeschrieben. Obwohl ich nicht mal Probleme mit dem essen habe. Das liegt einfach in meiner Familie aber ich musste mir sachen anhören wie "trink mehr Cola, ess mehr süßes" wo ich mir nur dachte.. "dagt mal hört mir wer zu?"
Ich werde aufjedenfall einzeltherapien suchen.
Vielen dank!

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Beitrag Do., 14.10.2021, 18:51

Ja gut das ist natürlich schade, aber wenn es eben sein muss dann muss es sein.

Mal ganz unabhängig davon, ob da nun Magersucht im Spiel ist finde ich die Aussage "trink mehr Cola, ess mehr süßes" sehr fragwürdig. Das sollte bei einem vernünftigen Therapeuten wohl nicht passieren, und deine Ängste werden sicherlich ernst genommen.
Viel Erfolg bei der Suche, und auch morgen!