Glauben oder auf dem Weg in die Psychose?

Fragen und Erfahrungsaustausch zu Persönlichkeitsstörungen und Schizophrenie, Bipolaren Störungen ('Manisch-Depressives Krankheitsbild'), Wahrnehmungsstörungen wie zB. Dissoziationen, MPS, Grenzbereichen wie Borderline, etc.
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klingelbeutel
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Glauben oder auf dem Weg in die Psychose?

Beitrag Di., 26.11.2013, 20:29

hallo zusammen,

zu mir: mir wurde vor etwa 2 Jahren eine paranoide Schizophrenie diagnostiziert, die zur Zeit mit Abilify und Risperidon behandelt wird.

Ich war/bin medikamentös gut eingestellt, doch seit vorgestern bin ich mir nicht mehr so sicher.

Es begann so, dass ich abends gebetet habe und plötzlich Gott zu mir sprach. Ich habe ihn gesehen, gehört und gespürt. Er stupste mich ein paar Mal an und erzählte mir, dass ich die Bibel lesen soll, damit ich ein richtiger Christ werde. (ich muss dazu sagen, dass ich zwar an einen "Gott" glaube, aber nicht an Jesus). - bis ich die Bibel gelesen habe, darf ich nur 666 Kalorien täglich zu mir nehmen. Die Zahl 666 steht in der Bibel für Antichristen, wofür Gott mich hält. Es ist sozusagen eine kleine Strafe für meine Ungläubigkeit. Weiter wird er mir nicht mehr helfen, bis ich die Bibel gelesen habe. Und anschließend wird er mir erzählen, wie es weitergeht.

Heute gab er mir die nächste Aufgabe: Ich soll mich selbst kreuzigen. Ich muss das erstmal verdauen. Gott denkt, ich würde dann eher an Jesus glauben, wenn ich selbst mal am Kreuz hängen würde.

Ich kann das alles nicht einschätzen und bin total verwirrt.

Momentan kann ich das alles noch ganz nüchtern betrachten. Ich werde mir nun also keine Holzbretter kaufen und mich daran festnageln. Aber dass Gott mit mir redet kann ich nun nicht einfach beiseite schieben und ich weiß nicht, wie es weitergeht:
a) Gott hört auf, mit mir zu sprechen
b) Gott redet weiter mit mir und ich werde aufhören an ihn zu glauben, weil er so "unmögliche" Dinge verlangt
c) ich verlier die Kontrolle wie bei meinen bisherigen Psychosen und mache, was Gott mir sagt.

A und B... ok, alles im Lot. Aber was, wenn Fall C eintritt?

Ist das noch normaler Glauben, wenn Gott so mit einem spricht oder bin ich auf dem Weg in die Psychose?

Danke schonmal.

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Nico
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Beitrag Di., 26.11.2013, 20:31

Ich würde dir dringend raten dich in professionelle Hände zu begeben.
Wenn ich alt bin, möchte ich nicht jung aussehen, sondern glücklich!

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Madja
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Beitrag Di., 26.11.2013, 20:39

Ich weiß nicht, wer da zu Dir spricht, aber Gott ist das bestimmt nicht.
Wenn Du mir nicht glaubst, gehe zu einem Priester und frage ihm, was er davon hält.
LG.
M.
Freiheit heißt Verantwortung. Deshalb wird sie von den meisten Menschen gefürchtet. - George Bernard Shaw

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(V)
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Beitrag Di., 26.11.2013, 21:04

... oder Möglichkeit D: es ist irgendeine Entität, die sich als Gott/Jesus ausgibt. Machen die Viecher furchtbar gerne. Ich hatte schon so einige Götter bei mir, hab ihnen allen gezeigt, wo... wie sagt man so schön... der Maurer ein Loch in der Wand gelassen hat, durch das man verschwinden kann.

Weißt du, für mich wäre tatsächlich weniger das Problem, dass da irgendeine "Entität" zu mir spricht, sondern wieso zur Hölle du ihr den Schwachsinn glaubst. Ich meine, da könnte ja jeder kommen! Wenn mir mein Nachbar erzählt, er sei Batman, heißt das noch lange nicht, dass ich dem das glauben muss. Da sagt ich eher: "Geh, schleich di!".

Aber solange du nicht bewusst und im Vollbesitzt deiner geistigen Kräfte in entsprechenden Weltbildern und Kreisen unterwegs bist, die sich gezielt und willentlich damit beschäftigt, empfiehlt sich dringend der Weg zum Psychiater.

Und bis dahin: Glaub doch nicht jeder dahergelaufener Stimme!

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Fify
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Beitrag Di., 26.11.2013, 21:47

Würde es dir denn was helfen, wenn ich dir sagen würde, dass du mal zum Arzt gehen solltest? Ich denke, dass es immer gut ist, wenn man etwas abklärt, was sich nicht natürlich erklären lässt.
Ich bin auch Christ. Ich wüsste nicht, was ich tun würde, wenn ich hörbar Gottes Stimme hören würde. Wahrscheinlich würde ich zu meinem Hausarzt gehen und mit ihm darüber reden. Bei ihm weiß ich, dass er mich ernst nimmt und ich weiß, dass ich mit ihm über meinen Glauben reden kann.

Ich weiß ja nicht, wie das bei dir ist. Mein Papa hat auch Schizophrenie und wenn er Stimmen hört, dann hält er sie für echt und denkt auch, dass mit allen anderen etwas nicht stimmt und nur er recht hat. Ihm hilft es nichts wenn ich sag, dass er sich das nur einbildet. Denn aus seiner Sicht hat er recht.

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Broken Wing
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Beitrag Di., 26.11.2013, 22:00

Hi,

Also definitionsgemäß ist es so:
- du sprichst mit Gott, das nennt man Gebet
- Gott spricht mit dir, das nennt man Psychose.
- Beides trifft zu, die Psychose hat Vorrang vor dem Gebet. Zumindest, was die Behandlung angeht.

Ich hoffe, das hilft dir weiter.
Beginne den Tag mit einem Lächeln, dann hast du es hinter dir. [Nico Semsrott]

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Danica
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Beitrag Di., 26.11.2013, 22:16

Hi,

Gott würde so nicht mit dir sprechen.
Geh zum Psychiater. Je früher, desto besser.
LG

Danica

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Broken Wing
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Beitrag Di., 26.11.2013, 22:55

@ Danica: Und woher weißt du das? Kennst du ihn persönlich? Wenn ja, welchen? Den mit dem alten oder neuen Testament?
Also jemandem, der eine üble Welt schafft mit üblen Kreaturen nach seinem Bilde und selbigen Qualen überirdischen Ausmaßs in Aussicht stellt, dem ist sowas durchaus zuzutrauen.

Geh trotzdem zum Psychiater.Gott spricht nicht, mit den meisten zumindestens. Die Wahrscheinlichkeit ist höher, dass dein Hirn verrückt spielt.
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klingelbeutel
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Beitrag Mi., 27.11.2013, 05:46

Hallo ihr,

danke für eure Antworten!

vorerst: die Frage, ob es Gott ist oder nicht, stellt sich *so* für mich gar nicht. Ich wusste, dass er es ist, weil es ja das erste Mal im Gebet passiert ist.

Die Frage ist eher: soll ich das so hinnehmen oder gleich gegensteuern, zum Arzt gehen und mit einer erhöhten Medikamentendosis wieder nach Hause gehen und Gott somit "ausschalten".

@ Madja: ich habe tatsächlich schon darüber nachgedacht, in die Kirche zu gehen und mit einem Pfarrer zu sprechen. Weiß nur nicht, ob es fair wäre, da fremde Leute mit reinzuziehen.

@ Fify: Ja, ich kann mir vorstellen, wie es deinem Vater während eines Schubes geht. Mir ging es auch immer so. Ich habe keinem geglaubt und hatte selbst Recht. Dieses Mal ist es zwar auch so, dass ich nicht in Frage stelle, ob es Gott ist oder nicht. Ich weiß aber hingegen, dass ich ihn mit Medikamenten wahrscheinlich zum schweigen bringen kann.

Bin total unsicher, was ich machen soll. Wenn Gott das mit dem Kreuzigen nicht gebracht hätte, könnte ich ja damit leben. Wobei ich aber sagen muss, dass Gott unser Verhältnis mit seinem "Lies die Bibel, sonst helf ich dir nicht mehr"-Geschwafel ziemlich kaputt gemacht hat. Von wegen "Vor Gott sind alle gleich"....

Wie auch immer... mein Freund hat vorgeschlagen, dass ich die Medikamentendosis einfach selbstständig wieder erhöhe (hab vor kurzem in Absprache mit dem Arzt reduziert) und dann erstmal 2 Wochen abwarte, was passiert. So werd ich es jetzt machen. Mal sehen, ob es was bringt.

lg

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Fify
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Beitrag Mi., 27.11.2013, 07:51

Hallo Klingelbeutel,
was hat denn dein Arzt gesagt, sollst du deine Medikamente selbständig wieder erhöhen? Ich würde ihn aufsuchen.
Und zum Thema Gottes reden. Gott kann reden, ob du deine Medikamente hochsetzt oder auch nicht. Er ist Gott und doch nicht darauf angewiesen, wie starke Medikamente du nimmst. Und wenn du merken solltest, dass durch eine Höherdosierung, die Stimme wegnimmt, dann würde ich mich fragen, ob es wirklich Gott war. Denn für Gott ist es doch kein Problem auch mit Medikamenten zu sprechen. Gott spricht zu mir auch, nicht in hörbarer Stimme, aber anders, so dass ich ihn verstehen kann.
Lieber Gruß Fify

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Fify
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Beitrag Mi., 27.11.2013, 07:55

Nachtrag:
In der Bibel kannst du lesen, dass jeder Mensch wunderbar von Gott gemacht ist. Die Bibel zu lesen ist immer gut. Ich empfehle dir dazu eine Bibellesehilfe zu benutzen. Das hilft immens die Texte bess.er zu verstehen. Wenn du Tipps brauchst, lass es mich wissen. Und ich denke, dass Gott nie etwas von dir verlangen würde, was schlecht für dich wäre.

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Danica
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Beitrag Mi., 27.11.2013, 08:48

Broken Wing hat geschrieben:@ Danica: Und woher weißt du das? Kennst du ihn persönlich? Wenn ja, welchen?


Mein Gott, deswegen:
klingelbeutel hat geschrieben:Bin total unsicher, was ich machen soll. Wenn Gott das mit dem Kreuzigen nicht gebracht hätte, könnte ich ja damit leben. Wobei ich aber sagen muss, dass Gott unser Verhältnis mit seinem "Lies die Bibel, sonst helf ich dir nicht mehr"-Geschwafel ziemlich kaputt gemacht hat. Von wegen "Vor Gott sind alle gleich"....
Es solches Gottesverständnis ist zerstörerisch, auch wenn du es zu teilen scheinst. Aber mit einer "wie-oder-was-ist-Gott-Diskussion" und damit, eine "üble Welt mit üblen Kreaturen nach dem Bilde Gottes und Qualen überirdischen Ausmaßs" heraufzubeschwören, ist hier niemandem geholfen, am allerwenigsten der TE!

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Madja
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Beitrag Mi., 27.11.2013, 09:04

klingelbeutel hat geschrieben:@ Madja: ich habe tatsächlich schon darüber nachgedacht, in die Kirche zu gehen und mit einem Pfarrer zu sprechen. Weiß nur nicht, ob es fair wäre, da fremde Leute mit reinzuziehen.
Ich finde, in diesem Falle sind das keine "fremde Leute". Der Pfarrer oder Priester (auf Deine Stelle werde ich einen alten Priester der Katholischen Kirche wählen) sind dafür da. Sie sind die Verbindung zwischen uns und Gott also die Ansprechpartner wenn um Glaubensfragen geht.
Liebe Grüße,
M.
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Sinarellas
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Beitrag Mi., 27.11.2013, 09:45

Aber das was du da beschreibst ist doch genau deine Schizo! Das ist deine Krankheit und kein Gott oder irgendwas übersinnliches, sondern dein Kopf will dir das glauben machen und du glaubst dem freilich,s chließlich ist es für dich Realität du siehst und spürst das, ja hörst das sogar, aber es ist eben nur deine Krankheit.
Ist dir das nicht klar? Wenn dir das nicht klar ist, dann bitte erkundige dich mal genauer über deine Erkrankung, les mal Bücher darüber und bleib weiter in medikamentöser und psychotherapeutischer Therapie, denn so wirst du immer tiefer reinrutschen und dich selbst stark verletzen oder noch schlimmer andere.
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klingelbeutel
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Beitrag Mi., 27.11.2013, 10:05

@ Fify: nee, hab keine Rücksprache mit dem Arzt gehalten. Ich hatte erst vor 2 Wochen einen Termin und hab danach runterdosiert. Mir ists total peinlich, jetzt schon wieder da aufzukreuzen oder anzurufen

Vor allem ists dieses Mal wirklich schwierig für mich. Meine letzten Psychosen hatten Krieg und Mörder als Inhalt. Da war eindeutig, dass ich einfach wieder "spinne". Dieses Mal ist es halt Gott, an den ich ja grundsätzlich glaube. Warum also sollte er nicht mit mir reden..

Danke für den Tipp mit der Lesehilfe. Die werd ich sicher brauchen. Wobei ich gar keine Lust habe, das fette Teil zu lesen.

@ Madja: ich glaub, du hast Recht. Zumindest kann es schonmal nicht schaden. Vielleicht kann er mir ja weiterhelfen. Oder ich warte bis zu meinem nächsten Therapeutentermin. Das lustige ist nämlich, dass mein Therapeut auch noch Theologie studiert hat

@ Sinarellas: ich weiß sehr viel über meine Krankheit. Dennoch habe ich noch lange nicht alle Wahninhalte kennengelernt, die es geben könnte. Wenn neue auftauchen ist es jedes Mal das erste Mal und wird erstmal nicht mit Psychose in Verbindung gebracht. Wenn es so einfach wäre, hätte jeder Schizophrene nur einen Schub, weil er die darauffolgenden Schübe ja einordnen und abfangen können müsste. Ist aber nicht so, dazu ist es zu komplex. Ich bin froh, dass ich Menschen um mich habe, die mir "sanft" zu verstehen geben, dass ich gerade nicht "richtig ticke".

Nur dieses Mal ist es einfach so schwer, weil ich ja an Gott glaube und auch glaube, dass er mit einem sprechen kann. Das einzige, was mich in Richtung Psychose lenkt ist das, WAS er von sich gibt.