Fehldiagnose Narzisstische Persönlichkeitsstörung?

Fragen und Erfahrungsaustausch zu Persönlichkeitsstörungen und Schizophrenie, Bipolaren Störungen ('Manisch-Depressives Krankheitsbild'), Wahrnehmungsstörungen wie zB. Dissoziationen, MPS, Grenzbereichen wie Borderline, etc.
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Joa
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Fehldiagnose Narzisstische Persönlichkeitsstörung?

Beitrag Mo., 29.10.2018, 20:46

Hallo zusammen,

ich richte meine Frage an alle, die ein bisschen Ahnung von der Narzisstischen Persönlichkeitsstörung haben.

Hintergrund ist der, dass meine Therapeutin mir auf Nachfrage diese Diagnose gestellt hat. Ich bin aus allen Wolken gefallen... Einiges kann ich nachvollziehen, wie z.B. übertriebenes Grübeln um sich und die eigenen Probleme, bzw. meinen besonders im letzten Jahr stressbedingt üblen Allgemeinzustand, inkl. häufiger Suizidgedanken.

Darüber hinaus einige Diagnosekriterien, die ebenso bei anderen Krankheitsbildern vorkommen, wie etwa der selbstunsicher-vermeidenden PS. Diese Diagnose hätte ich eher erwartet. Teilweise kann ich die Schlussfolgerungen meiner Thera verstehen. Die für die Narzisstische PS so typischen Hauptmerkmale fehlen bei mir aber. Weder will ich bewundert werden oder im Mittelpunkt stehen (habe eine Sozialphobie!), noch stelle ich mich als besonders oder grandios dar. Am allerwenigsten beute ich Menschen emotional aus oder dergleichen, im Gegenteil.

Die Stunden machen mich immer nervös, was ich vielleicht zu überspielen versuche, damit ich besser mit der Angst klarkomme. Das interpretiert sie als "große Klappe haben", was ich null so empfinde.
Sie glaubt mir u.A. einfach nicht, dass meine langjährige Beziehung eine sehr gesunde ist (absolut glücklich!). Das scheint sie nicht zuletzt an der dicken Mauer festzumachen, die ich besonders in der Stunde um mich habe.

Lange rede, kurzer Sinn - gibt es Formen von Narzisstischer PS, bei denen oben genannte Hauptmerkmale nicht vorhanden sind, sonder quasi nur Nebenmerkmale, wie eben übertriebene Grübelei, starke Angst vor Abhängkeit, mitunter große Unsicherheit etc...?

Eigentlich würde ich da andere Diagnosen zuerst in Betracht ziehen... Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass ich Benzos im Niedrigdosisbereich nehme, was natürlich auch einen gewissen Einfluss auf meine 'Vibrations' in der Stunde hat.

Es dauer noch bis zur nächsten Stunde, daher hier die Frage.

Vielen Dank vorab!
LG Joa

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shesmovedon
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Beitrag Mo., 29.10.2018, 21:00

Google mal Komplementärnarzissmus oder weiblichen Narzissmus vielleicht.

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Joa
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Beitrag Mo., 29.10.2018, 21:10

Danke Schlendrian, schau ich mir mal an!

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Kellerkind
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Beitrag Di., 30.10.2018, 00:16

Das wollte ich gerade auch empfehlen. Der sog. weibliche Narzismus unterscheidet sich auf dem ersten Blick so sehr von der Verkehrsauffassung dieses Begriff, dass man fast meinen könnte, es sei das Gegenteil und es treffe niemals nie nicht zu. Beispiel: unter Narzismus versteht man im Volksmund sehr eingebildete Menschen, ein weiblicher Narzist hingegen ist besonders stolz auf seine Bescheidenheit, schon wird es paradox, weil plötzloch jemand, der sich für "ausserordentlich" bescheiden hält als Narzist bezeichnet wird. Eben vermeintlich typsich weibliche Eigenschaften. Besonders sanft, fürsorglich kreativ, bescheiden, häuslich, sozial.... etcpp. Die Betonung liegt vermutlich darin, dass man sich gemäss seiner Identität für sehr besonders hält. Und ja, wenn sich jemand für aussergewöhnlich bescheiden und unegoistisch hält, dann ist das irritierenderweise ebenfalls ein Hinweis aif die NPS...
"Auch andere Wege haben schöne Steine. "

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spirit-cologne
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Beitrag Di., 30.10.2018, 01:47

Wie begründet sie denn überhaupt die PS? Nicht jeder, der narzisstische Strukturen hat (und die haben seeehr viele Menschen, auch wenn man das, wenn es einen selbst betrifft, nicht so gerne hören mag), hat deshalb gleich *ne PS. Ich bin extrem kritisch gegenüber Therapeuten und vor allem Kliniken eingestellt, die solche Diagnosen wie Smarties verteilen. Am wichtigsten wäre es m.E. unabhängig von der Persönlichkeitsstruktur erst mal zu schauen, dass du von den Benzos wegkommst, so lange du die Dinger nimmst, wir deine eigentliche Persönlichkeit u.U. gar nicht richtig sichtbar und damit auch nicht bearbeitbar.
It is better to have tried in vain, than never tried at all...

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Joa
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Beitrag Di., 30.10.2018, 07:11

Hi Kellerkind,

vielen Dank für deine Erklärungen!

Ja, das macht schon durchaus Sinn was du schreibst bzgl. weiblichem Narzissmus, so paradox es klingen mag. Hab im Internet nachgelesen und kann sagen, dass auch diese beiden Formen - weiblicher und Komplementär - nicht auf mich zutreffen. Ich finde mich nicht mehr oder weniger besonders als jeden anderen auch...

Danke auch dir, Spirit! Naja, wir konnten leider noch nicht sehr ausführlich über ihre Begründung reden. Was jedenfalls zutrifft, ist eben besagtes, übermäßiges um mich und meine Probleme kreisen. Das stimmt, glaube aber, dass das auch in der Natur der Sache liegt, wenn man mit Depressionen, Angst etc. zu kämpfen hat.

Ich befürchte fast, dass da vielleicht ordentlich was schief läuft in der Therapie. Wir haben eine Stunde die Woche, was, wie sie schon von Anfang an gesaagt hat, zu wenig ist. Sollte eine Analyse bei ihrer Kollegin machen, die aber im Moment noch nichts frei hat. Bin allerdings schon ein 3/4 Jahr dort....

Das mit den Benzos seh ich genauso. Also befürchte, dass das mit eine Rolle spielt, dass die Diagnose zustande gekommen ist. Sie sagt ja eben, dass ich in der Stunde angeblich eine große Klappe hätte. Allerdings ist das ja nur ein Weg meine Angst vor den Stunden unter Kontrolle zu halten. Und blöder Weise nehme ich gerade am Therapietag mitunter ein kleeeeein wenig mehr von den Benzos, damit ich blos nicht absage....

So oder so, ein bisschen hat die Diagnose dennoch einen wunden Punkt getroffen, was der Grund ist, warum ich diese nicht komplett in die Tonne klopfen kann. Aber ich weiß nicht, ob das überhaupt groß was mit Narzissmus zu tun hat... ? Nämlich dass irgendwo in mir - wie ihr gegenüber auch erwähnt - ein wütendes, verletztes kleines Kind ist, dass sich im Stich gelassen fühlt und dringend Aufmerksamkeit will. (Was ich wegschiebe, sogut es geht - nicht sehr sinnvoll, ja.) Aber trifft das nicht auf die meisten zu, die mit psychischen Problemen zu kämpfen haben??

Das wurde jetzt lang. Zum Abschluss noch eine Frage - die Diagnose liegt jetzt beim Gutachter hrhr... Find ich spitze. Kann so eine Diagnose ev. irgendwie geartete Nachteile bringen im Bezug auf Krankenkasse etc.? Sowas wird man ja nicht so leicht wieder los, wenn's mal dasteht....

Vielen lieben Dank fürs Lesen!

LG Joa 🙂

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Carpincha
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Beitrag Di., 30.10.2018, 14:25

Ich bin weder Profi noch von der Diagnose betroffen, kann nach dem, was du schreibst, aber gut nachvollziehen, dass du die Diagnose deiner Therapeutin in Frage stellst.
Joa hat geschrieben: Di., 30.10.2018, 07:11 Was jedenfalls zutrifft, ist eben besagtes, übermäßiges um mich und meine Probleme kreisen.
Ich würde auch sagen, dass das ein Merkmal vieler psychischer Erkrankungen ist. Ist irgendwie ja auch klar, dass man, wenn einen was belastet, gedanklich viel damit beschäftigt ist.

Bei mir war es immer so, dass ich mich in den Diagnosen, die mir gestellt wurden, weitestgehend selbst wiederfinden konnte, auch dann, wenn ich nicht als typisches Lehrbuchbeispiel hätte herhalten können. Von daher würde ich da meinem eigenen Gefühl mehr trauen als der Aussage der Therapeutin - zumindest solange sie keine gute und dir einleuchtende Begründung liefert.

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Joa
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Beitrag Mi., 31.10.2018, 20:20

Hi Charpincha,

danke für deine Antwort! Wir konnten das mittlerweile großteils klären. Ihre Diagnose bezog sich nicht auf das klassische Bild eines ausbeuterischen, egoistischen Narzissten, von dem man ja überall ließt, sondern es geht viel mehr um ein grundlegendes Problem mit dem Selbstwert etc....

LG Joa

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