Emotional auf der Suche nach Bezugsperson

Fragen und Erfahrungsaustausch zu Persönlichkeitsstörungen und Schizophrenie, Bipolaren Störungen ('Manisch-Depressives Krankheitsbild'), Wahrnehmungsstörungen wie zB. Dissoziationen, MPS, Grenzbereichen wie Borderline, etc.
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Scars
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Emotional auf der Suche nach Bezugsperson

Beitrag Fr., 29.01.2021, 15:28

Hallo zusammen. :-D

Ich habe ein Problem und zwar leide ich unter einem Phänomen, dass ich innerlich immer auf der Suche nach Eltern bin. Das ist nichts Neues, besonders in bestimmten Verhältnissen, z.B. Vorgesetze/r, Kollegen/innen mit größeren Altersabständen, Lehrer/innen, kam es immer schon vor, dass dieser „Kinder-Modus“ aktiviert wird. Es ist nicht nur ein bisschen, sondern wirklich starke Gefühle. Ich habe regelmäßig Angst die Kontrolle über diese Gefühle zu verlieren, fühle mich in Gegenwart dieser Personen verunsichert und entsprechend eingeschränkt in meinem Verhalten. Ich kann dem kein konkretes Gefühl zuordnen, es ist mehr einfach das Bedürfnis nach Kontakt/einer Bezugsperson, aber sehr kindlich.

Ich hatte gehofft, dass es mit zunehmendem Alter besser werden würde. :roll: Stattdessen habe ich das Gefühl das es mehr wird und ich innerlich regelrecht enthemmt bin was das angeht. Inzwischen habe ich regelrecht Angst davor und vor Begegnungen, die das auslösen können (sehr ungünstig mit Kollegen), weil ich einfach nicht mehr damit umgehen kann, es immer aushalten und mich zusammenreißen muss.

Hat jemand von euch ähnliche Erfahrungen gemacht? Wird es doch irgendwann besser? Habt ihr Ideen zum Umgang in direkten Situationen oder wie ich das wegbekommen oder diese Bedürftigkeit zumindest abmildern könnte?

LG scars
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candle.
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Beitrag Fr., 29.01.2021, 16:19

Hallo Scars!

Was denkst du denn was mit dem Kollegen als Beispiel passieren könnte?

LG candle
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Scars
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Beitrag Fr., 29.01.2021, 16:43

Hallo candle! Meine Befürchtungen beziehen sich nicht auf das „Objekt meiner Begierde“ :lol: sondern auf meine Reaktion auf diese Gefühle. Z.B. auf der Arbeit kann mich dann in Gegenwart der Person nicht mehr konzentrieren, werde sehr durcheinander und fahrig und kann dann einfach nicht mehr ordentlich arbeiten. Oder muss soviel Energie aufwenden das zu unterdrücken das es sehr anstrengend ist und bin dadurch behindert. Ich kann mit diesen Menschen auch nicht mehr unbefangen umgehen und verhalte mich komisch (zumindest kommt es mir so vor beschwert hat sich noch niemand) weil ich mich so verstecken muss und einfach Angst habe, dass das jemand mitbekommt.
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Fairness
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Beitrag Fr., 29.01.2021, 16:58

Liebe Scars, was magst du an diesen Menschen, was spricht dich an, dass sie zum 'Objekt deiner Begierde' werden? Was wünschst du dir von ihnen?
Es gibt nur zwei Tage im Jahr, an denen man nichts tun kann. Der eine ist Gestern, der andere Morgen. Dies bedeutet, dass heute der richtige Tag zum Lieben, Glauben und in erster Linie zum Leben ist. Dalai Lama

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candle.
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Beitrag Fr., 29.01.2021, 17:14

Scars hat geschrieben: Fr., 29.01.2021, 16:43 Z.B. auf der Arbeit kann mich dann in Gegenwart der Person nicht mehr konzentrieren, werde sehr durcheinander und fahrig und kann dann einfach nicht mehr ordentlich arbeiten.
Aus meiner Sicht klingt das ja wie Verliebtheit?!
(zumindest kommt es mir so vor beschwert hat sich noch niemand)
Ja, vielleicht kannst du das ja mal abklären? Bei mir ist es jedenfalls aufgefallen, auch wenn der Grund nicht der wie bei dir ist.

Vielleicht könnte dann auch persönlicher Kontakt zu dieser Person das Problem lösen?

LG candle
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Candykills
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Beitrag Fr., 29.01.2021, 17:30

Ja, ich hab' immer in meiner Kindheit und Jugend meine Ersatzmütter gehabt. Also Frauen, die mir tatsächlich auch zur Seite standen und die Mutterrolle übernommen haben ein Stück weit.
Aufgelöst hat sich das dadurch, dass ich heute ein gutes Verhältnis mit meiner Mutter habe. Wir haben die letzten Jahre viel, viel, viel geredet. Und dann war ein wichtiger Punkt die Therapie, in der wir die Therapeutin in die Mutterrolle drängten und sie uns auch teilweise nachbeeltert hat, aber Grenzen setzte.
Durch diese beiden Punkte hat sich das aufgelöst und ich hab' dieses Problem nicht mehr. Ob das wirklich für immer und ewig vorbei ist, weiß ich natürlich nicht, aber jetzt Stand der Dinge ist, dass es sich dadurch auflöste.

Also ja, man kann es auflösen.
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Scars
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Beitrag Fr., 29.01.2021, 20:06

candle. hat geschrieben: Fr., 29.01.2021, 17:14 Aus meiner Sicht klingt das ja wie Verliebtheit?!
On point!! Auch mein Gedanke. Aber das finde ich tatsächlich sehr seltsam...

Es geht gerade nicht explizit um eine Person, sondern das taucht einigermaßen wahllos auf, weshalb ich das mit dem „enthemmt“ meinte. Also sind es eigentlich mehrere. Im Grunde reicht es schon, dass jemand mit mir spricht, ein gewisser Altersunterschied (>10 Jahre eher 20-30) besteht und wir miteinander zu tun haben. Ärzte sind auch typisch und Therapeuten sowieso. Eine gewisse Sympathie ist auch nötig. Ein Bedürfnis nach privatem Kontakt hatte ich allerdings noch nie. Es gibt das schon auch in meinem Freundes-/Bekanntenkreis, da haut es aber irgendwie hin.

Abklären finde ich irgendwie schwierig, was soll ich da denn fragen? Letztlich bin ich ja immer etwas komisch...
Fairness hat geschrieben: Fr., 29.01.2021, 16:58 Liebe Scars, was magst du an diesen Menschen, was spricht dich an, dass sie zum 'Objekt deiner Begierde' werden? Was wünschst du dir von ihnen?
Das weis ich gar nicht so genau. Ich denke es sind oft Menschen, wo ich irgendwie das Gefühl habe Halt zu finden. Genau das suche ich auch. Halt, Zuwendung und auch so etwas wie entwicklungsförderlich/Vorbildfunktion. Deswegen würde ich sagen: Bezugsperson/elterliche Zuwendung.
Candykills hat geschrieben: Fr., 29.01.2021, 17:30 Aufgelöst hat sich das dadurch, dass ich heute ein gutes Verhältnis mit meiner Mutter habe. Wir haben die letzten Jahre viel, viel, viel geredet. Und dann war ein wichtiger Punkt die Therapie, in der wir die Therapeutin in die Mutterrolle drängten und sie uns auch teilweise nachbeeltert hat, aber Grenzen setzte.
Das klingt schön. Ich hatte leider so richtig niemanden und sehe es nicht kommen, dass ich ein gutes Verhältnis zu meiner Mutter aufbauen könnte. In der Therapie ist dieses Phänomen natürlich auch aufgetaucht, da waren die Gefühle aber auch so stark, dass es mit der Therapeutin nicht geklappt hat (war in einer Gruppe deswegen ging es trotzdem). Bräuchte ich jetzt auch nicht nochmal. Seitdem weis ich aber wenigstens was es ist (ist ja so eine Art Übertragung?) beziehungsweise wo es herkommt, vorher war ich einfach nur lost und dachte mir bei Lehrern z.B. nur was eigentlich verkehrt bei mir ist...

Also alles in allem befürchte ich ja, dass ich einfach so bedürftig bin, dass das nicht weggehen wird... :neutral:
Wieso es aber dann immer an so unpassenden Stellen so extrem ist... es betrifft übrigens sowohl Frauen als auch Männer, wobei es bei Frauen stärker ausgeprägt ist.
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Candykills
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Beitrag Fr., 29.01.2021, 22:02

Ja, die Gefühle in der Einzeltherapie waren bei uns auch extrem. Aber das braucht es, man muss wirklich richtig durch den Sumpf durch - so meine Erfahrung. Es war schlimm und ich hatte das Gefühl, dass es niemals mehr Boden gibt. Aber nach Jahren wurde es langsam besser.
Du brauchst halt den/die richtige/n Thera damit es klappt.
Von alleine geht das nicht weg.
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candle.
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Beitrag Fr., 29.01.2021, 22:43

Scars hat geschrieben: Fr., 29.01.2021, 20:06
candle. hat geschrieben: Fr., 29.01.2021, 17:14 Aus meiner Sicht klingt das ja wie Verliebtheit?!
On point!! Auch mein Gedanke. Aber das finde ich tatsächlich sehr seltsam...
Ich auch, vor allem was danach kommt wie du sagst, dass es wahllos ist, dass du eben keine Beziehung aufbaust zu den Leuten. Bist du denn an denen generell interessiert in Beziehung zu treten?

Passiert das denn täglich? Immer bei den selben Kollegen? Bist du in einer Partnerschaft?
Abklären finde ich irgendwie schwierig, was soll ich da denn fragen? Letztlich bin ich ja immer etwas komisch...
Etwas weg von deiner Selbstbewertung wäre vielleicht gut oder magst du lieber komisch sein, was immer das auch sein soll?
Das weis ich gar nicht so genau. Ich denke es sind oft Menschen, wo ich irgendwie das Gefühl habe Halt zu finden. Genau das suche ich auch. Halt, Zuwendung und auch so etwas wie entwicklungsförderlich/Vorbildfunktion. Deswegen würde ich sagen: Bezugsperson/elterliche Zuwendung.
Nur, dass du es ja nicht bekommst, wenn du keinen Kontakt haben möchtest.
In der Therapie ist dieses Phänomen natürlich auch aufgetaucht, da waren die Gefühle aber auch so stark, dass es mit der Therapeutin nicht geklappt hat (war in einer Gruppe deswegen ging es trotzdem).
Und das tritt mit deiner Mutter auch auf?
Seitdem weis ich aber wenigstens was es ist (ist ja so eine Art Übertragung?) beziehungsweise wo es herkommt, vorher war ich einfach nur lost und dachte mir bei Lehrern z.B. nur was eigentlich verkehrt bei mir ist...
Du weißt was es ist, aber da ist ein Fragezeichen bei der Übertragung. Ich würde auch gerne wissen was es ist? Hat dir das ein Therapeut erklärt? Da wäre ich jetzt wirklich gespannt!

LG candle
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Wild Mustang
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Beitrag Sa., 30.01.2021, 09:50

Ich versteh das Problem nicht.

Ist es ein Bedürfnisse nach Kind-sein, oder ein Bedürfnisse nach Versorgung durch Eltern?

Wieso Angst vor Gefühlen, die da hochkommen? Wieso Angst vor Verunsicherung und dass man kaum noch denken und sprechen kann?

Was willst du denn erreichen, was wäre dein Wunsch, dein Ziel? Was bist du noch nicht, willst es aber mal werden?

Was müsste sich ändern? Was könnte passieren, wenn es sich nicht ändert?

Gruß

Mustang
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Scars
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Beitrag Sa., 30.01.2021, 10:38

@candle: meine Selbstbewertung „komisch“ passt schon, die habe ich mir nicht selbst zugeschrieben. :lol:

In der Therapie hieß es „Mutterübertragung“.

Wenn ich ansatzweise bekomme, was ich mir wünsche, halte ich das nicht aus.
Das Gefühl ist dauerhaft, es gibt da auch keinen Gewöhnungseffekt.

Gegenüber meiner Mutter habe ich eigentlich so richtig keine Gefühle mehr. Ich habe aber schon ein paar mütterliche/väterliche Menschen in meinem Leben, das scheint nicht ausreichend zu sein... Partnerschaft habe ich keine, gegenüber denjenigen, die da in der Vergangenheit mein „Objekt der Begierde“ waren, waren die Gefühle aber zum Glück auch ganz anders!

@Mustang: das Problem ist, das es im Kontext Arbeit völlig unangemessen ist und negative Auswirkungen hat.

Ihr dürft euch das jetzt nicht so vorstellen, als würde ich „einfach nur fühlen“, auf mich wirkt das desintegriert und vllt deswegen auch so überwältigend. Ich möchte z.B. einfach nur in Ruhe arbeiten, da bin ich im Normalfall auch souverän, kann kommunizieren etc. und dann ist es wie eine Art Panikattacke aber statt mit Angstgefühle eben dieses Kindliche. Ständig plärrt mir das dazwischen. Wenn ich da nicht gegensteuern würde, würde ich wahrscheinlich heulend in der Ecke sitzen. Ich möchte auch einfach nicht, dass sich auf der Arbeit jemand um mich kümmern muss.

Ich möchte gerade eigentlich keine Therapie mehr machen, weil ich ansonsten so weit stabil bin. Hatte gehofft es schreibt jetzt jemand, dass er es selbst in den Griff bekommen hat... oder zumindest verbessert.
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Fairness
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Beitrag Sa., 30.01.2021, 11:09

Scars,

ich kenne den Ausmaß nicht, frage mich jedoch, ob du diesen Gefühlsdruck spürst, gerade weil du diese Gefühle so weg haben möchtest. Falls dein Alter im Profil stimmt, bist du noch sehr jung, auch beruflich am Anfang, das ist normal, dass du Vorbilder suchst.. um Orientierung zu haben, best practices zu finden.. und könnte mir vorstellen, dass das irgendwann mit der Zeit nachlassen wird, wenn du nach und nach selbstsicherer wirst.

Die meisten würden von einem so jungen Menschen keine ausgeprägte berufliche Erfahrung erwarten.. mehr die Neugier und Fragen. Deswegen meine ich, habe keine Sorge deine Unsicherheiten zu zeigen, probiere das und hole dir ein Feedback: die Bestätigung, wenn du etwas korrekt bearbeitet hast oder konstruktive Kritik, um Verbesserungsvorschläge zu deiner Bearbeitung von Aufgaben zu hören, wenn du solche Begleitung brauchst.. das ist der Tipp von mir, das würde ich an deiner Stelle tun.
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Wild Mustang
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Beitrag Sa., 30.01.2021, 11:51

mhm, das klingt für mich aber nach ganz was anderem, als wie du es benennst oder interpretierst.

Glaube kaum, dass du da mit Tipps und Ratschlägen via Internet weiterkommst. :!!:

Gruß

Mustang
Zuletzt geändert von Wild Mustang am Sa., 30.01.2021, 12:26, insgesamt 2-mal geändert.
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Beitrag Sa., 30.01.2021, 12:22

Ich muß dem Mustang recht geben, dass ich es nicht durchschaue was mit dir passiert, glaube auch dass da etwas anderes hintersteckt und die einzige Erklärung "Mutterübertragung" da zu kurz greift.

Wenn das jetzt schon ein Dauerzustand ist, würde ich zu einem Arztbesuch raten. Vielleicht hat das eine physische Ursache.

LG candle
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Waldschratin
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Beitrag Sa., 30.01.2021, 12:40

scars hat geschrieben: Hatte gehofft es schreibt jetzt jemand, dass er es selbst in den Griff bekommen hat... oder zumindest verbessert.
Es klingt mir immerhin Meinem ähnlich, obs dasselbe ist, kann ich nicht sagen.

Aber vertraut klingt es mir schon. V.a. die Intensität, die heftig ist, aber "ungebunden" an etwas Anderes wie einen Zustand oder einen Trigger etc.

Ich hab das für mich so aufgedröselt : Erstens ist es was ganz Normales, grade für jemand wie mich, der bindungslos zu Menschen aufgewachsen ist. Das erklärt mir die Heftigkeit, Intensität und das Überflutende an den Gefühlen. Zuwendung, Resonanz v.a.! ist ja was Existentielles, da kann ich nicht drüber diskutieren oder entscheiden, ob ich das haben will oder nicht, das "ist". Punkt.

Deshalb steht für mich auch fest, dass es ein "Weghaben" dieser Gefühle nicht geben wird. Das wäre ähnlich, als wenn ich mir den Durst abgewöhnen wollte, weil ich nichts zu trinken finde. Geht einfach nicht.

Da nimmt es für mich den Anfang : Akzeptieren, dass diese Intensität etc. nicht weggehen wird. Weil : Existenziell Nötiges war nicht und ist in dem Maß wie nötig auch nicht nachholbar.

Aber : Es gibt dennoch "Antworten" auf diese Gefühle, auch im Jetzt meines fortgeschrittenen Alters von Mitte 50.

Da bin erstmal ich selber, die ich lernen musste und muss, mir eine gute Mutter zu sein. Jetzt nicht (nur) im Hinblick auf "inneres Kind" oder so, denn die Gefühle, die du da beschreibst, sind bei mir nicht an was Kindliches im Erleben per se gebunden.

Dann hol ich da viel in meiner Phantasie nach : Hab seit Kindertagen schon eine Phantasiewelt, die ich mir so zurechtdenke, wie ich das grade brauche. Idealwelt halt. :-)
Ist natürlich nichts für Menschen, die sich eh gern in Phantasien verlieren dann oder Phantasie und Realität leicht vermischen.

Und dann nehm ich da schon auch mit, was es vom Außen geboten bekommt, mein Inneres. Z.B. auch aus der Beziehung zum Thera oder auch zu Freunden. Bis jetzt nie groß diskutiert mit den Betreffenden, da irgendwie nie wirklich nötig. Vielleicht, weil mir eh schnell klar war, dass es das, was ich da brauche, 1:1 eh nie geben wird, da ist die Zeit dafür einfach vorbei. Ich kanns nicht sagen, aber bisher hatte ich noch nie weder Anlass noch Bedürfnis, das mit den Betreffenden zu bereden oder auszusprechen ihnen gegenüber.

Da es auch nicht an das Kindliche per se bei mir gebunden ist, beherrscht es dann auch nicht die jeweilige Beziehung oder wird zum Benutzen resp. "Aussaugen" des Betreffenden. Das ist eher sowas ganz ganz Frühkindliches, das sich eh nicht in Worte packen ließe oder via Körper ausdrücken in Gestik, Mimik, Tun etc.
Ich nehm da dankbar, wenn ich was bekomme, das mir eh "mitgeliefert" wird in der Beziehung.

Inzwischen jedenfalls.
Anfangs ging es mir so wie dir : Da war jedes Bissl, das ich mitgeliefert bekam, nur Qual, weil es die Bedürftigkeit an sich so dermaßen spürbar gemacht hat... Find ich auch keine Worte dafür.

Am ehesten vergleichbar mit einem fast Verdursteten, der grad aus der Wüste kommt und die ersten Schlucke Wasser trinken will : Tut höllisch weh, schlucken geht kaum und der Körper wehrt sich erstmal gegen das Wasser, obwohl ers so dermaßen braucht.

Seit ich mehr mit dem Vegetativen in mir direkt arbeite, beruhigt sich auch das zunehmend, bzw. kann ichs leichter "runterreguliert" bekommen, auch die Intensität.
Jede Liebe, die von einer Sache abhängig ist, hört auf, wenn die Sache aufhört; die aber, die von keiner Sache abhängig ist, hört niemals auf.
Talmud

Ich scheue mich nicht zu sagen, es ist die Wissenschaft für uns Religion geworden
Rudolf Virchow