fehlende Liebe der eigenen Mutter

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Marie_x_
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fehlende Liebe der eigenen Mutter

Beitrag So., 18.04.2021, 18:24

Hallo ihr Lieben..

Ich hab nach einem Forum gesucht, um mir einfach mal die Sorgen von der Seele schreiben zu können, denn ich weiß, dass ihr mir da nicht groß helfen könnt, aber ich glaube es tut gut, es einfach mal raus zu lassen..

Ich leide schon mein Leben lang darunter, dass meine Mutter sehr kaltherzig ist und mir keine Liebe entgegen bringt. Ich habe schon früh gemerkt, dass das nicht normal ist, da meine Oma der liebevollste Mensch der Welt ist und mir immer alle liebe der Welt gegeben hat. Mich in den Arm genommen hat und mir gesagt hat, dass sie mich liebt. Und immer für mich da ist. Diese Worte oder Gesten habe ich noch NIE von meiner Mutter erlebt.
Es ist so, dass meine Eltern schon immer eine schwierige Beziehung hatten, mein Vater hat meine Mutter betrogen und sie sind trotzdem bis heute verheiratet, mein Vater ist aber nur sehr selten zu Haus. Ich verstehe diese Ehe bis heute nicht.
Sie haben sich immer viel gestritten, wo ich auch sehr drunter gelitten habe als Kind.
Ich frage mich, wie man einem Kind diese eigne Unzufriedenheit so spüren lassen kann und es so verletzen kann. Ich habe seit meiner Kindheit immer wieder starke depressive Phasen und leider unter eine generalisierten Angststörung und ich denke es liegt mit der fehlenden Liebe zusammen, da ich nie andere Sorgen hatte. Das schlimmste ist, wenn ich mal Probleme hatte, zb in der Schule , und ich habe in meinem Zimmer gesessen und geweint, kam meine Mutter ins Zimmer, sieht es, macht die Tür wortlos zu und geht. Ohne jemals zu fragen was los ist, wie es mir geht, mich in den Arm zu nehmen oder so. Das verletzt mich bis heute so sehr und ich kann irgendwie nicht abschließen. Weiß nicht wieso.
Sie hört mir auch nie zu, nicht mal jetzt im Erwachsenen alter. Wenn ich etwas erzähle, antwortet sie meistens garnicht oder nur ‚aha‘ und wenn ich von einem Problem erzählt hab ( was ich nun schon nicht mehr tue) spielt sie es herunter. Egal was es war. Auch die psychischen Probleme hat sie leider mein leben lang verharmlost, auch wenn sie bei schnellerer Behandlung in der Kindheit, sicherlich leichter zu behandeln gewesen wären.
Und wenn ich bei meiner Oma bin, und diese liebe spüre, könnte ich immer weinen , weil es mich so verletzt dass meine Mutter nie so zu mir ist oder war. Ich weiß es klingt bescheuert, damit nicht einfach mal abzuschließen, aber irgendwie ist es einfach so schwer. Es kommt alles immer wieder hoch. So gern hätte ich so eine glückliche Familie mein Leben lang gehabt. Eltern die einen umarmen, und lieben und für einen da sind. Es gibt nichts schlimmeres für ein Kind, als wenn es in der größten Trauer einfach ignoriert wird.. nicht mal gefragt wird, was los ist. Das ist sooo schmerzhaft. Bis heute tut es mir so weh. Ich bin dadurch auch ein sehr stiller mensch geworden, mit wenig Selbstbewusstsein, weil ich immer durch meine Mutter denke; es interessiert sich sowieso niemand für das; was ich sage.
Ich verstehe es nur nicht, denn was materielle Sachen betrifft zum Geburtstag oder so, da gibt sie sich immer viel Mühe, obwohl mir eine Umarmung ja viel wichtiger wäre..
Ich kann mich an keine einzige Umarmung oder ein hab dich lieb‘ in meinem Leben von meinen Eltern erinnern :(
Ich bin so oft als Kind abgehauen, und bin auch den Drogen damals verfallen. Und nie kamen meine Eltern auf die Idee, es könnte ja mit ihnen zu tun haben.
Fals jemand sich dass bis zum Ende durchgelesen hat, hat jemand einen Tip, wie man damit endlich abschließen kann? Ich weiß ich kann es eh nicht ändern und muß nach vorne schauen, aber irgendwie kommt das immer wieder hoch.
Tut mir leid, wenn ich eventuell überempfindlich bin. Ich weiß, andere sind viel schlimmer dran! Mit häuslicher Gewalt oder so. Aber irgendwie empfinde ich das alles als sehr schlimm
Sorry für den langen Text.

Liebe Grüße

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Beitrag So., 18.04.2021, 23:25

Hallo!
Marie_x_ hat geschrieben: So., 18.04.2021, 18:24
Fals jemand sich dass bis zum Ende durchgelesen hat, hat jemand einen Tip, wie man damit endlich abschließen kann? Ich weiß ich kann es eh nicht ändern und muß nach vorne schauen, aber irgendwie kommt das immer wieder hoch.

Ich denke nicht, dass man jemals richtig damit abschließen kann.
Sowas prägt einen extrem, weil man eben noch ein Kind war als man das so erlebte.
Es bleibt immer eine schmerzende Wunde.
Ich denke, das sollte man akzeptieren.
Wahrscheinlich hat es auch deine Mutter nicht anders gerlent und so an dich weiter gegeben. Sie kann Zuneigung vermutlich nur über das Materielle zeigen. Eine Sprache die man als Kind natürlich nicht versteht.
Das einzige, was du tu kannst, darüber reflektieren, damit du es nicht -falls du Kinder möchtest - wieder unrefelektiert weiter gibst.

Man kann lernem damit zu leben. Aber es wird nicht verschwinden.
Du kannst lernen, dich selbst wie jemanden zu behandeln, den du liebst. Zum Beispiel.
Du kannst versuchem zu verstehen, wie deine Mutter so geworden ist. Was es vielleicht leichter macht, es einzuordnen.
Du kannst mit Menschen darüber reden. Dich aussprechen.
Du kannst den Schmerz zulassen.

Aber letztendlich muss man die Vergangeheit und die Spuren die sich hinterlässt, akzeptieren
und damit leben.
"You cannot find peace by avoiding life."
Virginia Woolf

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Lilli-E
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Beitrag Mo., 19.04.2021, 05:49

Liebe Marie,

dass das wirklich schlimm ist, kann ich sehr gut nachvollziehen. Es ist auch nicht einfach zu verstehen, dass ausgerechnet der Mensch, der einem von Geburt an am nächsten steht, aktiv eine so große Distanz herstellt. Müsste es nicht umgekehrt sein? Wäre eine herzliche und warmherzige Beziehung nicht wunderschön? Und kann ich das ausgerechnet von meiner Mutter nicht auch erwarten?

Mir war das auch nicht vergönnt. Das ist schmerzhaft, das weiß ich sehr genau.

Könntest du dir vorstellen, diese Wunde vielleicht nicht zu heilen, aber eine Ausgleich dafür zu schaffen? Indem du dir ein Leben schaffst, in dem du dich selbst magst? Indem du dein Herz nicht mehr an deine Mutter hängen „musst“? Ein Leben, in dem du dich wohl fühlst, dich nach und nach mit Menschen umgibst, die dich mögen und dich schätzen?

Weißt du, was ich sehr schön finde? Dass du eine Oma hattest, die dich von Herzen gern hatte und dir das auch gesagt hat. Ich könnte mir vorstellen, dass deine Oma es möglich gemacht hat, dass du fühlen kannst und lebendig bist (ganz anders als wohl deine Mutter, so wie du sie beschreibst). Das ist richtig viel wert! Ich finde, damit hat dir deine Oma eine Basis ins Leben mitgegeben, auf die du aufbauen kannst - um dir mit der Zeit ein eigenes, glückliches Leben zu schaffen.

Ich wünsche dir alles Gute für deinen eigenen Weg in die Unabhängigkeit.

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Miss_Understood
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Beitrag Mo., 19.04.2021, 06:06

Liebe Marie, das kenne ich. Vielleicht ein wenig anders, aber mir wurde auch NIE gesagt, dass man mich lieb hat. Umarmt - und als Kind auch gestreichelt - das schon, aber ansonsten ging es extrem kühl bis hin zu kalt zu. Und mein Vater hat immer diskutiert bis aufs Messer, er hat immer recht. Auch meine Oma war wie deine - sehr viel warmherziger, wenn auch meist recht pragmatisch.

Ja, das bleibt. Und es gilt - das einfach zu akzeptieren. Ein bisschen mag verstehen helfen. Ein Teil mögen auch noch Kriegstrauma sein, die schon auch über Generationen hinweg wirken können.

Was mir definitiv NICHT geholfen hat, waren unzählige Versuche darüber - oder die zahlreichen Streits und völlig lieblosen Handlungen meines Vaters - zu reden.
Er verschenkte Geschenke an mich, oder kündigte sie an - und dann kamen sie doch nicht - und Ähnliches mehr. Kontinuierlich.

Das führte zu jahrelangen weiteren Auseinandersetzungen über die Auseinandersetzungen. Erst mit Anfang 40 - nach einem neuerlichen Streit und seiner Aussage, ICH würde ja in meiner eigenen Welt leben, war endlich und Gottseidank das Fass übergelaufen. Ich kämpfte an einer Stelle um „Liebe“, die es da schlicht nicht gab! Ich habe den Kontakt auf das nötigste beschränkt. Nachdem in mehreren Therapien dies nur marginal Thema war, hat ein bestimmtes Coaching dann bei mir wirklich einen Durchbruch erwirkt. Ja, womöglich in Zusammenhang mit jahrelanger Bewusstseinsarbeit - und auch den ein oder anderen Fehlversuchen.
Zum Beispiel: Ihm verzeihen müsste man ja - DAS habe ich eine ganze lange Zeitlang geglaubt - und versucht. Es ging nicht. Ich hab mir dann noch eine sehr belastende Schippe Selbstversagen obendrauf gepackt. Kein Wunder, dass das extrem beschwerlich wird.

Fatal war es bei mir auch dahingehend, dass auf die Seite von Lieblosigkeit eine krasse Tendenz dazu kam, mich zu überwachen. Also ein Weg, eine machtvolle Nähe unter dem Deckmantel des Schützenwollens zu erzwingen. Da war auf der faktischen Ebene mein Vater quasi immer dabei; auf der emotionalen hingegen überhaupt nicht.

„Ich liebe und achte mich, auch wenn ich nicht so viel Liebe erhalten habe, wie ich es mir gewünscht habe.“ und der (paradoxe) Satz „Ich liebe und achte mich, auch wenn ich mich manchmal nicht liebe.“ - zusammen mit Coachingsessions in Systemischer Klopfakkupressur haben mir in den letzten Jahre zu großen Durchbrüchen und Akzeptanz verholfen.

Und - das Andenken an meine Oma.
ch-ch-ch-chaaaaaaange

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