Erfahrungen istdp, Davanloo, is-tdp

Haben Sie bereits Erfahrungen mit Psychotherapie (von der es ja eine Vielzahl von Methoden gibt) gesammelt? Dieses Forum dient zum Austausch über die diversen Psychotherapieformen sowie Ihre Erfahrungen und Erlebnisse in der Therapie.
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Montana
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Re: Erfahrungen istdp, Davanloo, is-tdp

Beitrag Di., 13.08.2019, 19:08

Leider nein. Rein rechtlich ist das bei uns zwar so, aber wir alle haben unser individuelles soziales Umfeld. Und da gilt eben, du darfst machen was du willst, musst aber mit den Konsequenzen leben. Sprich: tust du nicht dieses oder jenes, dann wirst du von der Oma enterbt oder so. Und gegen frühkindliche Prägung kann sich auch kaum jemand zur Wehr setzen. Das wirkt immer auf die eine oder andere Weise das ganze Leben lang fort. Nicht umsonst versuchen alle Religionen, möglichst früh an die Kinder ranzukommen.


mio
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Beitrag Di., 13.08.2019, 20:54

Montana hat geschrieben:
Di., 13.08.2019, 19:08
Sprich: tust du nicht dieses oder jenes, dann wirst du von der Oma enterbt oder so.
Das ist zumindest in D so nicht richtig. Kinder haben ein Recht auf einen Pflichtteil. Wobei ich das ehrlich gesagt grenzwertig finde, denn die Eltern sind den erwachsenen Kindern im Grund auch nichts mehr schuldig. Da wird es wieder freiwillig. Ebenso wie erwachsene Kinder den Eltern nichts schuldig sind, es aber auch da so geregelt ist, dass die nicht einfach so ohne Begründung "aussteigen" können. "Zufällig" im Sinne von wurde halt mal von jemanden so festgelegt bleibt es dennoch.

Ich denke da auch immer eher an so Normen wie "Was ist ein Meter.". Hat sich irgendjemand mal ausgedacht, gilt seitdem. Muss in Bezug auf eine solche Angabe auch nicht groß hinterfragt werden, bei anderen "Normen" macht es hingegen durchaus Sinn die zu hinterfragen.

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Montana
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Beitrag Di., 13.08.2019, 21:25

Ich hab doch von der Oma gesprochen und es war auch nur ein Beispiel. Es könnte auch heißen: "Wenn du dieses oder jenes nicht machst, dann rede ich nicht mehr mit dir." Im engeren Familienkreis reicht das als Druckmittel oft völlig aus, weil sich andere Familienmitglieder dann anschließen.


mio
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Beitrag Di., 13.08.2019, 21:30

Und ich sprach davon dass man selbst entscheidet wovon man sich abhängig macht, wenn einen kein "Gesetz" mehr verpflichtet abhängig zu sein oder zu bleiben.

Wer braucht ein Erbe wenn er selbst für sich sorgen kann?

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Montana
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Beitrag Di., 13.08.2019, 21:41

Meine Güte, das war ein Beispiel! Ich habe Verwandte, die einer Kirche beigetreten sind, weil die hier im weiteren Umkreis bei bestimmten Jobs ein Monopol hat. Die ganz wenigen nicht-kirchlichen Arbeitgeber in dem Bereich werden mit Bewerbungen total bombardiert. Da etwas zu kriegen ist wie ein Sechser im Lotto. Man kann eben nicht alles selber entscheiden, sondern nur zwischen verschiedenen Optionen wählen. Und manchmal sind die eben alle doof.

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Beitrag Di., 13.08.2019, 22:12

Hab glaube ich kapiert, was du meinst Montana. Und stimme dir natürlich auch zu , dass man sich vor allem als Kind kaum wehren kann, gegen das, was da um einen rum passiert und gilt.

Ich hatte mir, was Normen angeht eher so Sachen überlegt wie z.B.: Bei uns ist es üblich, dass man einen Partner hat. Woanders haben die Männer ganz selbstverständlich 5 Frauen oder so. Finden die Frauen dort das also okay und normal? Und fänden wir das normal, wenn wir es von klein auf so kennen würden?

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Montana
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Beitrag Di., 13.08.2019, 22:23

Bestimmt kann das Vorteile haben. Kinderbetreuung gesichert, auch wenn man krank ist. Nicht den ganzen Haushalt alleine an der Backe. Im Idealfall die besten Freundinnen immer da. Wir haben ja eher den Anspruch, dass der Ehemann der beste Freund sein soll und meiner ist das für mich auch. Aber ich kann mir auch andere Konzepte vorstellen. Ich bin da aber auch frei von jeder Moralvorstellung. Ich möchte meinen Mann nicht teilen, aber das ist nur mein eigener Wunsch. Wer anders leben möchte, der soll doch ruhig.
Und bei fünf Frauen für einen Mann haben eher die Männer ein Problem. Die meisten gehen nämlich leer aus.

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Beitrag Di., 13.08.2019, 22:48

mio hat geschrieben:
Mo., 12.08.2019, 19:51
Also für mich lesen sich die von Dir beschriebenen Dialoge eher ganz normal TfP mässig
Bei mir hat niemand auch nur annähernd so gesprochen wie der istdp Therapeut. Und das meine ich nichtmal nur negativ.
In manchem war er auch erfreulicherweise sehr anders, als andere.
Zumindest damals fand ich das gut. Heute eigentlich auch noch, nur dass ich nicht mehr einschätzen kann, ob das was ich gut fand, tatsächlich gut war.

Mio, wenn du schreibst , dass du solche Sätze normal findest - dann wäre es auch möglich, dass bei dir istdp gar nix bringen würde? Denn istdp zielt ja darauf ab, dass du wütend wirst, es werden mit Absicht Sachen gesagt, die den Druck erhöhen sollen in dir. Würdest du alles super und cool finden und ruhig drüber nachdenken, würdest du keine Reaktion zeigen auf die die istdp abzielt, würde ich mutmaßen.
Ich glaube aber tatsächlich, dass du es dir nicht wirklich vorstellen kannst, wie das abläuft und denke, dass auch du - würdest du die Erfahrung selbst machen - das dann nicht mehr als übliches TfP erleben würdest.
Schade, dass wir es nicht ausprobieren können, ob du bei deinem Bild bleiben würdest oder danach anders empfinden würdest. Das fände ich wirklich spannend auszuprobieren.


mio
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Beitrag Di., 13.08.2019, 22:55

Das fände ich schon auch spannend, aber ich würde wohl recht "früh" daraus wieder aussteigen, wenn ich es so empfinden würde (was nur bedingt gut wäre). Ich würde aber sicher nicht bleiben und mich hinterher darüber beschweren, dass ich sozusagen "bleiben musste". Das würde ich sicher nicht tun.

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Beitrag Di., 13.08.2019, 23:23

mio hat geschrieben:
Di., 13.08.2019, 22:55
Das fände ich schon auch spannend, aber ich würde wohl recht "früh" daraus wieder aussteigen, wenn ich es so empfinden würde (was nur bedingt gut wäre). Ich würde aber sicher nicht bleiben und mich hinterher darüber beschweren, dass ich sozusagen "bleiben musste". Das würde ich sicher nicht tun.
Wenn du das tatsächlich so hinbekommen solltest, dann könntest dich ja glücklich schätzen.

Ich habe nicht gesagt, dass ich bleiben musste. Sondern, dass ich es nicht geschafft habe, zu gehen.
Und dass ich es nicht gut finde - auch unabhängig von meinen Erfahrungen - was die istdp zum Thema abbrechen zu sagen hat. Das fördert nämlich genau NICHT die freie Entscheidung des Patienten (wie es dargestellt wird), finde ich. Wenn abbrechen z.B. pauschal als destruktiv bezeichnet wird oder als Verweigerung.


mio
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Beitrag Di., 13.08.2019, 23:36

Das wird aber doch generell so gesehen in Therapien? Es wird nur nicht überall so deutlich gesagt.

Und na ja, ich denke irgendwas ist da schon auch dran. Es muss halt abgewägt werden ob es "konstruktiv" oder eher "destruktiv" für einen Selbst ist. DAS kann einem aber echt niemand abnehmen.

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Solage
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Beitrag Mi., 14.08.2019, 19:02

alatan hat geschrieben:
So., 11.08.2019, 21:41
Solage hat geschrieben:
So., 11.08.2019, 20:02
Wenn Du die Identifikation mit dem Aggressor meinen solltest
Nein, die meinte ich nicht. Die tritt ja auch nur nach extremen Erfahrungen von abhängiger Ohnmacht auf. Es gibt viel alltäglichere und undramatische Traumatisierungen, die reaktiv zu Abwehrformen führen, die später im Leben potentiell selbstschädigend sind.

Natürlich ist kann eine Abwehr auch ein Schutz sein, um so mehr, je strukturell gestörter die Person ist. Und das erfordert dann ein viel kleinschrittigeres differentierteres Vorgehen. Das, was üblicherweise zu lesen ist, ist idR für relativ hochstrukturierte Patienten mit neurotischen Störungen gedacht.
Hallo alatan, woher hast Du solch eine Erkenntnis?
Wer hat Dir das gesagt?
Aus welcher Ecke kommt die Person, die Dir das vermittelte?

Abwehr, nicht nur in der Therapie, sondern im ganz normalen Alltag sagt doch: Ne, so nicht! Da liegst Du falsch usw.
Ganz sicher bedeutet so ganz gesunde, abgrenzende Abwehr nicht, dass da eine Person (strukturell) oder wie auch immer gestört ist!
Vielleicht hat Dir da jemand was eingeredet? Hmm...


mio
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Beitrag Mi., 14.08.2019, 22:47

Solage hat geschrieben:
Mi., 14.08.2019, 19:02
Abwehr, nicht nur in der Therapie, sondern im ganz normalen Alltag sagt doch: Ne, so nicht! Da liegst Du falsch usw.
Nein Solage, so wird Abwehr in der Psychologie nicht verstanden. Da meint das Abwehrmechanismen und derer gibt es vielzählige.

https://www.seele-und-gesundheit.de/psy ... ismus.html

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alatan
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Beitrag Do., 15.08.2019, 06:29

@Solage: Auch die Neigung zu Entwertung ist eine Form der Abwehr, d. h. sie "schützt" in gewisser Weise, wirkt aber (selbst)destruktiv.

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Beitrag Do., 15.08.2019, 06:37

Solage hat nur Fragen gestellt und doch nicht entwertet.
Wenn solages Fragen Entwertung waren, dann entwertet istdp doch ständig

Ich finde so allegemein: Wenn Fragen/Aussagen als Abwehr oder Widerstnad bezeichnet werden, kann es auch sein, dass genau das Abwehr ist.
In der Therapie z.B. ist damit bequermerweise immer der Patient Schuld/krank/kaputt/verkrüppelt oder sonstwas (wenn im Konfliktfall etwas kritisches gesagt wird)