Bittet Ihr in der Therapie um etwas?

Haben Sie bereits Erfahrungen mit Psychotherapie (von der es ja eine Vielzahl von Methoden gibt) gesammelt? Dieses Forum dient zum Austausch über die diversen Psychotherapieformen sowie Ihre Erfahrungen und Erlebnisse in der Therapie.
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Solage
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Beitrag Fr., 04.02.2022, 22:24

Ich bitte konkret manchmal und ich habe es bis jetzt immer bekommen. Was mich selbst erstaunt!

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Shukria
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Beitrag Sa., 05.02.2022, 07:48

Koala141 hat geschrieben: Fr., 04.02.2022, 14:09 Viele schreiben, was ich machen könnte... Ich möchte jedoch keine Tipps.
Sondern: Ich möchte wissen:...
Wie macht Ihr das?
Würde mich freuen über weitere Erfahrungeschichten.
Du schreibst am Ende deines Eingangsposts das du lernen willst wie das geht, daher die Tipps für dich...

Grundsätzlich ist es doch egal ob es in der Ich oder du Form geschrieben wurde. Die Tipps die dir gegeben wurden kommen eh immer aus dem eigenen Erfahrumgshintergrund.

Außerdem wäre auch wichtig zur Beantwortung des "wie macht ihr das" zu wissen ob du damit die faktische Handlungsebene meinst (bitten) oder die emotionale (welche Gefühle begleiten dies und wie gehe ich mit diesen um) oder die kognitive (was denke ich dabei und hilft mir das oder hindert mich das... Sollte ich das anders betrachten/denken )


Zu welchen Teil davon willst du etwas wissen? Übrigens es gibt hier schon Erfahrungsberichte auf die du mit keinem Wort inhaltlich eingehst.
Das fühlt sich unangenehm an nur selber aufzumachen wenn auf der Ebene der Selbstoffenbarung deinerseits nichts zurück kommt.


Waldschratin
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Beitrag Sa., 05.02.2022, 10:07

Koala hat geschrieben:Sondern: Ich möchte wissen:
Bittet Ihr in der Therapie um etwas? (Falls ja: Worum? Bekommt ihr's?)
Wie macht Ihr das?
Genauso, wie ich das auch sonst im Leben mache.
Ob ichs bekomme, hängt nicht nur von meiner Bitte an sich ab, sondern auch davon, wie ich bitte (was den "Unterton" angeht), und v.a. natürlich von meinem Gegenüber, oder das dann geben will oder nicht. Auch da : Egal, ob das in der Therapie ist oder sonst im Leben.

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Gespensterkind
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Beitrag Sa., 05.02.2022, 10:56

Shukria hat geschrieben: Sa., 05.02.2022, 07:48 Grundsätzlich ist es doch egal ob es in der Ich oder du Form geschrieben wurde. Die Tipps die dir gegeben wurden kommen eh immer aus dem eigenen Erfahrumgshintergrund.
Sehe ich auch so. Die Tipps kann man nur geben, wenn man das selbst so erfahren hat - darauf gehst Du null ein! Ich komme mir da irgendwie komisch vor.
Shukria hat geschrieben: Sa., 05.02.2022, 07:48 Zu welchen Teil davon willst du etwas wissen? Übrigens es gibt hier schon Erfahrungsberichte auf die du mit keinem Wort inhaltlich eingehst.
Das fühlt sich unangenehm an nur selber aufzumachen wenn auf der Ebene der Selbstoffenbarung deinerseits nichts zurück kommt.
Es hat ein bisschen was wie eine wissenschaftliche Studie: schreibt mal alle, wie ihr das macht und ich werte das dann für mich aus.
Jeder macht es anders - es kommt auf den Erfahrungshintergrund an, auf die eigenen Charaktereigenschaften, auf die des Therapeuten, vielleicht auch auf die Therapieform, auf das was ich brauche, auf das, wie sehr ich es brauche etc. etc.

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Montana
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Beitrag Sa., 05.02.2022, 11:22

Ja, an sowas hatte ich gedacht, als ich schrieb, der Raum an sich gibt Hinweise und evtl. eine Einladung, etwas zu fragen. Ein früherer Therapeut von mir hatte eine Decke im Raum. Die lag gefaltet auf einer Truhe. Dort hätte ich also fragen können. Der neue Therapeut dagegen hat einfach keine und darum wäre die Antwort schon vorher klar, ohne dass das eine persönliche Zurückweisung beinhalten würde.

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DieBeste
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Beiträge: 924

Beitrag Sa., 05.02.2022, 15:35

Ich frage kronkret:
Könnten wir es so machen, dass …
Darf ich das Kissen haben…
Könnten sie das Fenster schließen…
Ginge es wenn ich…
Mir würde grade helfen wenn sie…
Glauben sie, dass sie mir…
Ich hätte gerne, dass sie

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Koala141
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Beiträge: 24

Beitrag Sa., 05.02.2022, 20:03

Gemach, gemach. Ihr habt hier aber auch ein Tempo drauf :-P . Da komm ich ja nicht hinterher mit Antworten. Ich arbeite Vollzeit, habe Familie, bin noch in Weiterbildung; ich kann nicht täglich posten. Und dann ist mir noch meine lange Antwort gestern abgestürzt bzw. das Ding hatte sich ausgeloggt.
Danke allen bisher Antwortenden, auch für die Erfahrungsberichte. Ich versuch hier mal drauf einzugehen. Um es für mich zu sortieren, und vielleicht bringt es ja auch anderen etwas.
Also, hier nochmals ein Antwortversuch:

@Antwort mit der Decke bei der Analytikerin, @"Zuwendung, die in dieser Geste lag", @sie hat mir da viele kleine Brücken gebaut:

Das klingt sehr, sehr schön. Trotzdem weiss ich, dass ich das nicht annehmen würde (auch wenn ich das gerne würde). Ich hätte nein gesagt zur Decke. Auch wenn ich sie mir sehr gewünscht hätte. Warum? Mir wäre das peinlich. Ich käme mir nackig vor.Ich versuche grade herauszufinden, warum.

"habe zunächst erst einmal immer direkt "nein, will ich nicht" gesagt. Es war ein Prozess, Dinge, die mir angeboten werden vom Therapeuten auch annehmen zu können und das auzuhalten, dass ich jemand in dem Moment Gedanken um mich macht und sich um mich kümmern möchte"

Genau darum geht's. Es aushalten. Ich habe keine Ahnung, warum das so schambesetzt ist. Ich glaub, ich fühle mich dann so klein, so minderwertig. Bin aber nicht sicher. Ich sage immer sofort nein zu Angeboten der Thera (sie sind selten).

"Wovor hast du Angst, wenn du um etwas bittest? Dass du "schwach" bist, oder "darfst" du nicht "bedürftig" sein, weil das von anderen ausgenutzt werden könnte?"

Ja, ich glaube, daran liegt's. Ob ich Angst habe, dass das ausgenutzt werden könnte, weiss ich nicht. Aber ich habe definitiv Angst vorm Bitten und auch - und das ist der Hammer - Angst vorm Bekommen.
Ich glaube, ich habe Angst davor, entlarvt zu werden: Wenn ich bitte, wenn ich bekomme, dann merkt mein Gegenüber, dass ich gar nicht so stark bin, wie ich vorgebe. Vielleicht sowas? Bin noch nicht sicher.

Du könntest als erstes anfangen, Angebote wahrzunehmen, die du vielleicht schon bekommst. Und nicht als solche erkennst. Das sind einmal direkte Fragen, wo du gleich ablehnst. Das ist aber z.B. auch das, was du im Raum sehen kannst. Wenn es da eine Decke gibt, dann liegt die da bestimmt nicht als reine Dekoration, sondern sie ist eine Einladung, zu fragen. Und kannst du nicht fragen, ob du sie nehmen darfst, dann geht vielleicht ein Umweg. "Sie haben da eine Decke liegen. Wofür ist die hier?"

Never ever würde ich das fragen. Never! Ich sehe z.B., dass da eine Schüssel steht mit kleinen Figuren, die garantiert für Rollenspiele benutzt werden. Gern würde ich sowas mal machen. Ich würde aber NIE danach fragen.
Ich finde mich da selbst bescheuert, aber es geht irgendwie nicht.

"Kleine Schritte? Auszuprobieren wie es sich anfühlt, etwas anzunehmen, was Dir angeboten wird."

Ja, das wäre wohl der Weg. Müsste mich mal getrauen. Seufz.

Fragt dich der Therapeut denn nicht, was du grade brauchst oder was du dir wünschst?

Nö. Meist fängt's mit "wie ging es in der Zeit seit der letzten Stunde?" an, und ich habe meist auch eine Idee, worüber ich sprechen will (nicht über Alltag). Aber DARUEBER (über das Thema dieses Threads) kann ich nicht mal sprechen.

@"Könnten wir es so machen, dass …
Darf ich das Kissen haben…
Könnten sie das Fenster schließen…
Ginge es wenn ich…
Mir würde grade helfen wenn sie…
Glauben sie, dass sie mir…
Ich hätte gerne, dass sie"


Hier sehe ich langsam, warum ich das nicht kann. Ich glaube, ich würde mich "fordernd" erleben. "Manipulierend" (obwohl das von aussen betrachtet ja überhaupt nicht stimmt, nichts an diesen Fragen ist manipulierend - es geht um mein Gefühl, dass ich manipulierend wäre mit solchen Fragen). Zum Beispiel fände ich "mir würde grade helfen, wenn Sie..." eine total coole Art, Bedürfnisse zu formulieren. Aber in mir sträubt sich alles, wenn ich mir vorstelle, das auszusprechen. Ich glaube, ich hätte totale Angst vor einem Nein und wäre beschämt.
Das muss irgendein altes Gefühl sein, ich krieg's nur in diesem wabernden Chaos in meinem Kopf nicht richtig zu fassen.

Danke erstmal für alle eure Antworten!

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Montana
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Beitrag Sa., 05.02.2022, 22:05

Diese Gedanken habe ich bei mir mal etwas erforscht und bin darauf gekommen, dass es einen sehr konkreten Grund zur Vorsicht gibt. Ich habe erlebt, als Kind, wie solche Informationen verwendet wurden um mir das Leben schwerer zu machen. Meine Schwächen oder Bedürfnisse wurden ausgenutzt, wenn sie bekannt waren. Später hat mein Ex mir immer dann bei etwas nicht geholfen, wenn ich um Hilfe gebeten habe. Nach dem Motto: Wenn du etwas nicht kannst, dann musst du es lernen, und ich helfe dir, indem ich dir Hilfe verweigere. Im Ergebnis wundert sich mein heutiger Ehemann immer noch, warum ich jeden noch so schweren Schrank bewegen kann (allein, während er auf der Arbeit ist) und noch mehr darüber, warum ich es überhaupt mache.
Das ist so gelernt, über Jahrzehnte. Das zu begreifen ändert es aber nicht.
So nach und nach gewöhne ich mich vielleicht um. Ich glaube, ein bisschen ist es schon besser geworden.

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lisbeth
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Beitrag Sa., 05.02.2022, 23:11

Koala141 hat geschrieben: Sa., 05.02.2022, 20:03 Trotzdem weiss ich, dass ich das nicht annehmen würde (auch wenn ich das gerne würde).
Koala141 hat geschrieben: Sa., 05.02.2022, 20:03 Mir wäre das peinlich. Ich käme mir nackig vor.Ich versuche grade herauszufinden, warum.
Koala141 hat geschrieben: Sa., 05.02.2022, 20:03 Ich habe keine Ahnung, warum das so schambesetzt ist. Ich glaub, ich fühle mich dann so klein, so minderwertig. Bin aber nicht sicher. Ich sage immer sofort nein zu Angeboten der Thera (sie sind selten).
Ich finde das liest sich ziemlich traurig. So als ob du darin gefangen bist, ein "ideales" Bild von dir aufrecht zu erhalten, das aber so ganz und gar nicht deinem Inneren entspricht. Natürlich kannst du immer so weiter machen. Und dir alles verwehren, wonach du Sehnsucht hast und was du dir im Innersten wünschst. Damit verletzt du aber vor allem dich selbst. Oder du kannst anfangen, etwas zu verändern. Du bist die einzige, die das in der Hand hat. Und wo, wenn nicht in der Therapie wäre ein Ort, um das auszuprobieren?

Ein erster Schritt könnte zB sein erstmal nur darüber zu reden: Dass es dir so unendlich schwer fällt, um etwas zu bitten. Das wird ja nicht nur in der Therapie so sein vermute ich. Und dann mal genauer hinzuschauen, zusammen mit der Therapeutin, wo diese Scham herkommen könnte, dieses Gefühl, dass du klein und minderwertig bist, warum du dir selbst nichts gönnen magst.
When hope is not pinned wriggling onto a shiny image or expectation, it sometimes floats forth and opens.
― Anne Lamott

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Koala141
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Beitrag So., 06.02.2022, 10:43

Danke, dass ihr euch Gedanken gemacht habt. Ich habe da einiges rausgezogen.
lisbeth hat geschrieben: Sa., 05.02.2022, 23:11. Oder du kannst anfangen, etwas zu verändern.
Modell-Lernen ist eine effektive Lernmethode. Genau das habe ich hier versucht; von anderen zu lernen, wie SIE das machen.

lisbeth hat geschrieben: Sa., 05.02.2022, 23:11 dieses Gefühl, dass du klein und minderwertig bist, warum du dir selbst nichts gönnen magst.
Das ist ja nicht grundsätzlich so, im Gegenteil. Das kommt dann, wenn ich in diesen Zustand gerate, und auch nur darauf bezogen. Es geht nicht um "sich nichts gönnen". Es geht um: es steht mir nicht zu.
Montana hat geschrieben: Sa., 05.02.2022, 22:05 bin darauf gekommen, dass es einen sehr konkreten Grund zur Vorsicht gibt. Ich habe erlebt, als Kind, wie solche Informationen verwendet wurden um mir das Leben schwerer zu machen. Meine Schwächen oder Bedürfnisse wurden ausgenutzt, wenn sie bekannt waren. (...) Das zu begreifen ändert es aber nicht.
In diese Richtung geht es bei mir auch. Umlernen.

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