verliebt in Therapeutin –kann sie mir überhaupt helfen?

Haben Sie bereits Erfahrungen mit Psychotherapie (von der es ja eine Vielzahl von Methoden gibt) gesammelt? Dieses Forum dient zum Austausch über die diversen Psychotherapieformen sowie Ihre Erfahrungen und Erlebnisse in der Therapie.
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Lou Salomé
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verliebt in Therapeutin –kann sie mir überhaupt helfen?

Beitrag Mi., 02.02.2011, 23:04

hallo erstmal

ich weiß, es ist kein neues Thema und ich habe schon haufenweise Beiträge dazu gelesen, trotzdem brauche ich bei ein paar Fragen euren Rat

Seit fast einem Jahr mache ich eine VT und bin im Moment in einem ziemlich tiefen Loch.. trotzdem habe ich mich wie ein kleines Mädchen in meine Thera verknallt mit allem drum und dran – Herzlopfen, zwanghafte Gedanken an sie, Tagträume, Hoffnungen – die Bombe ist voll eingeschlagen.
Ich kann definitiv sagen, dass dieser Zustand die Gespräche blockiert (ständiger Drang gut dazustehen, charmant zu sein etc., verharmlosen meiner Gefühlslage), möchte diese Therapie aber nicht aufgeben, weil sie ihren Job wirklich toll macht und ich ihr absolut vertraue.
Mir ist auch völlig klar, dass das alles Träumereien sind, die nie Wirklichkeit werden können und dürfen, aber abschalten kann ichs einfach nicht und es nervt. Nicht nur das, es tut verdammt weh und verfolgt mich morgens bis abends. Jeden Tag. Und jede Nacht.

Jetzt stapeln sich die Fragen in meinem Kopf:

1. In diesem Forum wimmelt es nur so von dem Wort "Übertragungsliebe". Ich weiß nicht, ob ich den Begriff richtig verstanden habe, aber ist das nur in einer Analyse möglich oder auch in einer VT? Ich kenne die Frau natürlich nicht.. und frage mich wie der Blitz denn dann einschlagen konnte. Dazu muss ich sagen, dass mir schon als ich sie das erste mal gesehen habe dachte "boah ist die hübsch!". Ich könnte mir vorstellen, dass es nur eine körperliche Anziehung ist, weil ich auch schon vorher in Frauen verliebt war.. auf der anderen Seite trau ich mir selbst auch nicht mehr, habe ja meine rosane Brille auf.

2. Soll ich es ihr überhaupt sagen?
Ich habe hier schon so viel gelesen.. von Therapeuten, die unmöglich reagieren.. es nur so hinnehmen und es nie wieder ansprechen.. es toll annehmen, aber sich trotzdem nichts ändert.. ich habe furchtbare Hemmungen es zu sagen, gerade weil ich nicht glaube, dass es mir irgendwie helfen kann. Den Cocktail in meinem Kopf kann sie ja nicht wegreden.. ausserdem habe ich Angst, dass sie sich dann anders verhält, oder auch nur, dass ich mir dann einbilde, dass sie sich distanzierter verhält. Das würde mich verletzen. Und nachher ist da nur

3. Ist Distanz eine Lösung oder verschlimmert es alles?
Ich habe schon versucht es in meinem Kopf wegzuplappern.. "es bringt nichts, denn es hat nichts mit der Realität zu tun.. ich kenne sie nicht.. es ist absolut einseitig.. es ist eine Zweckbeziehung.. sie interessiert sich nicht für mich.. sie trägt einen Ehering.. und ganz vorne an: sie ist meine Therapeutin!! Es darf und kann nicht sein!"
Aber die ganze Vernunft bringt nichts. Ich schmachte wie ein Teenager. Jetzt überlege ich eine Pause zu machen, hat jemand Erfahrungen damit gemacht?

4. (Wie) ist es überhaupt möglich, dass man sich mit einer Depression, also der ganzen Gefühlstaubheit, auf einmal verliebt??

Ach ich hoffe das ist hier alles nicht zu durcheinander, aber ich habe versucht es ganz "kalt" runterzuschreiben. Meine Gedanken spielen verrückt und auch wenn ich weiß, dass hier niemand für mich Entscheidungen treffen kann, wäre ich einfach dankbar über ein paar Worte... ich traue mich nämlich nicht es irgendjemandem zu sagen und brauche einfach ein bisschen Austausch, ich fühle mich damit sehr alleine

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lamedia
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Beitrag Mi., 02.02.2011, 23:33

Hallo Lou Salomé,

aha, Du also auch
Lou Salomé hat geschrieben: Ich kann definitiv sagen, dass dieser Zustand die Gespräche blockiert (ständiger Drang gut dazustehen, charmant zu sein etc., verharmlosen meiner Gefühlslage), möchte diese Therapie aber nicht aufgeben, weil sie ihren Job wirklich toll macht und ich ihr absolut vertraue.
Vielleicht kannst du dieses absolute Vertrauen dann ja auch dazu nutzen, nicht immer nur gut dazustehen, sondern dich wirklich zu zeigen....
Lou Salomé hat geschrieben: 1. In diesem Forum wimmelt es nur so von dem Wort "Übertragungsliebe". Ich weiß nicht, ob ich den Begriff richtig verstanden habe, aber ist das nur in einer Analyse möglich oder auch in einer VT?
Gefühle richten sich ja nicht nach Therapieform , aber eventuell sind die Verhaltenstherapeuten nicht immer so eindringlich darin geschult, mit den Gefühlen, die ihnen gegenüber gebracht werden, bis in die tiefste Tiefe umzugehen, so wie die Analytiker. Aber es entscheidet auch hier nicht die Methode, sondern der Mensch und dessen Reife. Hast Du Vertrauen in ihre Reife?
Lou Salomé hat geschrieben: 2. Soll ich es ihr überhaupt sagen?
... ausserdem habe ich Angst, dass sie sich dann anders verhält, oder auch nur, dass ich mir dann einbilde, dass sie sich distanzierter verhält. Das würde mich verletzen. Und nachher ist da nur
Wie steht es denn hier mit Deinem absoluten Vertrauen, das Du oben erwähnt hast? Im besten Fall nimmt sie Dich damit weiter so an wie jetzt. Und selbst wenn sie dann a... mäßig reagieren sollte, hast Du Realität und Erfahrung und Menschenkenntnis gewonnen, was immer gut ist und dich immer weiterbringen wird. Verletzungen im zwischenmenschlichen Bereich können immer auftauchen.
Lou Salomé hat geschrieben: 3. Ist Distanz eine Lösung oder verschlimmert es alles?
Es kann m.E. nicht langfristig gut sein, sich von sich selbst und eigenen Anteilen distanzieren zu wollen.
Lou Salomé hat geschrieben: 4. (Wie) ist es überhaupt möglich, dass man sich mit einer Depression, also der ganzen Gefühlstaubheit, auf einmal verliebt??
Tolle Frage! Da ruft etwas Lebendiges in Dir! Das ist doch schön...

LG, lamedia

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geronimos secret
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Beitrag Mi., 02.02.2011, 23:33

Liebe Lou,
wenn du das Gefühl hast, dass dein eigentliches Problem durch déine Gefühle für deine Therapeutein in den Hingtergrund geraten, dann hast du nur zwei Möglichkeiten:
1. Sofortige Beendigung der Therapie
2. Geständnis deiner Gefühle (mit der Option diese in der Therapie zu bearbeiten)
Liebe Grüße
Eat Pray Love

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Lou Salomé
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Beitrag Do., 03.02.2011, 00:11

danke lamedia, für deine schnelle Antwort
lamedia hat geschrieben:Hallo Lou Salomé,

aha, Du also auch
ja!!! aber hallo. und wie
lamedia hat geschrieben: Vielleicht kannst du dieses absolute Vertrauen dann ja auch dazu nutzen, nicht immer nur gut dazustehen, sondern dich wirklich zu zeigen....
Das ist ja das Paradoxe an meiner rosa-Welt... ich weiß absolut, dass es alles völliger Quatsch ist und ich mich fallen lassen kann. Und trotzdem verstelle ich mich so unter dem Motto "vielleicht mag sie mich ja so doch mehr."
Ja, von wegen.. aber ich habe es mir für nächste Stunde fest vorgenommen, nur noch ich selbst zu sein, weil ich in erster Linie meiner Seele helfen muss und nicht den Dopamin Männchen in meinem Kopf. Und wie du sagst vertraue ich ihr und das ist eine Stütze.
lamedia hat geschrieben: Gefühle richten sich ja nicht nach Therapieform , aber eventuell sind die Verhaltenstherapeuten nicht immer so eindringlich darin geschult, mit den Gefühlen, die ihnen gegenüber gebracht werden, bis in die tiefste Tiefe umzugehen, so wie die Analytiker. Aber es entscheidet auch hier nicht die Methode, sondern der Mensch und dessen Reife. Hast Du Vertrauen in ihre Reife?
Da kommt ein großes "Ja!" direkt aus meinem Bauch. Aber sie war schon immer sehr distanziert und eher kühl (trotzdem einfühlsam), was bis jetzt auch genau das Richtige für mich war. Aber jetzt habe ich vor dieser Kälte ein wenig Angst.

Ich dachte auch nicht dass Analytiker verliebenswerter sind als VTs Aber mir war oder ist nicht ganz klar inwiefern die Patient-Therapeut Beziehung sich jeweils unterscheidet, und inwiefern solche Gefühle dann auch bei wem "gefördert" werden.

lamedia hat geschrieben:Im besten Fall nimmt sie Dich damit weiter so an wie jetzt.
Da hast du Recht, aber ich glaube ich weiß nicht mal was ich erwarte. Wenn ich mich überwinden würde, dann wäre das für mich so ein großer und mutiger Akt, dass ich danach was ganz Großes erwarten würde, damit sich das auch gelohnt hat. Aber was soll sie schon machen, schreien vor Freude?!?! Im Idealfall würde sie es als Kompliment nehmen und sehr freundlich sein. Und dann?? Dann würde ich mir glaube ich entblöst und leer vorkommen. Aber vielleicht unterschätze ich sie auch.
lamedia hat geschrieben: Es kann m.E. nicht langfristig gut sein, sich von sich selbst und eigenen Anteilen distanzieren zu wollen.
Und die aussichtslos-sinnlos-Verliebtheitsanteile? Du meinst ich soll sie eher umarmen und lieb haben? Du hast vermutlich Recht.

lamedia hat geschrieben:Tolle Frage! Da ruft etwas Lebendiges in Dir! Das ist doch schön...
Das stimmt und ich genieße es auch, habe am Anfang geweint ohne Ende, weil ich es verwirrend aber schön fand. Es war eben da wo vorher nichts war.

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Riniel
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Beitrag Do., 03.02.2011, 00:29

Ich habe das selbe Problem und auch die Fragen.
Mache eine Verhaltenstherapie und am Anfang fand ich sie überhaupt nicht anziehend, total unerotisch, konnte mir nicht vorstellen, was ein Mann an dieser Frau gut finden kann (sie ist verheiratet).
Ich weiß auch nicht wann genau und wie es passiert ist, dass ich mich verliebt habe. Wenn sie Urlaub hat und ich sie dann länger nicht sehe, ist es erträglicher aber wenn ich gerade eine Therapie-Stunde hatte, kann ich dier ersten paar Tage danach diese Sehnsucht kaum ertragen.

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beee
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Beitrag Do., 03.02.2011, 08:24

Hi zusammen

Zuerst einmal Lou Salomé, ich kann dir wirklich nachfühlen

Was mir ein kleines bisschen geholfen hat mit der ganzen Übertragungsgeschichte, ist für mich rauszufinden um "was" für eine Verliebtheit/Liebe es sich bei mir handelt. Und ich konnte für mich rausfinden, dass es sich nicht um eine erotische Liebe handelt sondern um eine Mutterliebe. Es ging dann ein kleines bisschen einfacher, mir A diese Gefühle einzugestehen und B dann anschliessend nach laaaaaaaaangem rumgeeiere, dies so meiner Thera zu sagen, da ich genau in der gleichen Situation war wie du, liebe Lou Salomé, und eine völlige Therapie-Blockade hatte.

Mir hat es vorallem geholfen zu verstehen, was genau eigentlich hinter dieser Übertragung an Gefühlen / Wünsche / Sehnsüchte stehen und mich langsam an diese anzunähern. Aber es war und ist auch heute noch z.T. schmerzhaft und mühsehlig und ich kämpfe auch heute immer noch sehr mit den negativen Anteilen meiner Übertragung, aber ich weiss ich muss da durch denn es lohnt sich.

Also nur Mut, sag es deiner Thera. Sie wird froh sein um deine Offenheit. Meine war schon echt erleichtert, als sie endlich wusste was eigentlich los ist
Liebe Grüsse
beee

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beee
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Beitrag Do., 03.02.2011, 08:37

ach ja noch was vergessen, mir persönlich hat die Distanz nicht geholfen. Zeitweise hat die Distanz es nur verschlimmert. Früher während der Therapie-freien Zeit kam ich fast um vor lauter Sehnsucht und als dann endlich wieder ein Therapietag da war, war ich so verschlossen und blockiert, dass ich fast wie ein trotzendes Kleinkind vor ihr sass und sie überhaupt nicht an mich ran liess. Es hat dann immer eine ganze Weile gebraucht, bis ich die Verbindung zu ihr wieder herstellen konnte.

Heute kämpfe ich weniger mit der Sehnsucht als mit den negativen Anteilen während einer therapiefreien Zeit und zweitweise auch sogar während dem normalen Rhytmus. Sie bzw. die Verbindung zu ihr rutsch mir dann dauernd zwischen den Fingern durch. Aber ich glaube das ganze wird wohl seinen Sinn haben, auch wenn ich ihn noch nicht ganz verstehen kann :
Liebe Grüsse
beee

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AnnaBlume
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Beitrag Do., 03.02.2011, 09:30

Hallo Lou,

willkommen im Club
Ich kann definitiv sagen, dass dieser Zustand die Gespräche blockiert (ständiger Drang gut dazustehen, charmant zu sein etc., verharmlosen meiner Gefühlslage), möchte diese Therapie aber nicht aufgeben, weil sie ihren Job wirklich toll macht und ich ihr absolut vertraue.
Exakt so erlebe ich das auch seit einer Weile. Anfangs war ich kurz davor, die Therapie zu beenden, weil ich einerseits Angst davor hatte, meinen Therapeuten in meine Gefühle einzuweihen und andererseits so aber nicht mehr weitermachen konnte. Ich hab mir viele Vorwürfe gemacht, weil ich in den Stunden saß und so gut wie nichts sagen konnte, weil ich auch gefangen war (bin) von diesem Druck, mich möglichst "attraktiv" zu zeigen und meine eigentlichen Probleme dadurch völlig in den Hintergrund rücken.
Ich bin zwar weit davon entfernt, diese Verliebtheitsgefühle als erträglich zu empfinden, aber ich bin zumindest sehr sicher, dass ein Therapieabbruch keine Lösung ist, da sich diese Übertragung früher oder später wiederholen wird, wenn keine Bearbeitung stattfindet.
Mir ist auch völlig klar, dass das alles Träumereien sind, die nie Wirklichkeit werden können und dürfen, aber abschalten kann ichs einfach nicht und es nervt. Nicht nur das, es tut verdammt weh und verfolgt mich morgens bis abends. Jeden Tag. Und jede Nacht.
Unterschreibe ich
1. In diesem Forum wimmelt es nur so von dem Wort "Übertragungsliebe". Ich weiß nicht, ob ich den Begriff richtig verstanden habe, aber ist das nur in einer Analyse möglich oder auch in einer VT? Ich kenne die Frau natürlich nicht.. und frage mich wie der Blitz denn dann einschlagen konnte.
Nein, Übertragung hat nichts mit der Therapieform zu tun. Ich mache auch keine Analyse. Bei der Übertragungsliebe projiziert man Gefühle und unerfüllte Sehnsüchte aus früheren Beziehungen (oft aus frühkindlichen Beziehungen) auf jemanden, der den Anschein macht, als könne er diese Wünsche und Sehnsüchte erfüllen. Die Tatsache, dass Du Deine Therapeutin eigentlich kaum kennst, trägt entscheidend dazu bei, da Du ja nichts von ihren menschlichen Macken und eventuellen negativen Eigenschaften weißt. Die Therapeuten wirken immer verständnisvoll, uneingeschränkt aufmerksam und geduldig, man öffnet sich oft so weit, wie man es vorher noch nie getan hat, das alles fördert natürlich die Entstehung amouröser Gefühle. Die Kunst ist nun, genau hinzusehen und herauszufinden, was genau diese Liebe begründet, welche Wünsche Du hast, welche Bedürfnisse Deine Therapeutin Dir erfüllt, die Dir bisher vielleicht noch niemand erfüllt hat.
2. Soll ich es ihr überhaupt sagen?
Ich habe hier schon so viel gelesen.. von Therapeuten, die unmöglich reagieren.. es nur so hinnehmen und es nie wieder ansprechen.. es toll annehmen, aber sich trotzdem nichts ändert.. ich habe furchtbare Hemmungen es zu sagen, gerade weil ich nicht glaube, dass es mir irgendwie helfen kann. Den Cocktail in meinem Kopf kann sie ja nicht wegreden.. ausserdem habe ich Angst, dass sie sich dann anders verhält, oder auch nur, dass ich mir dann einbilde, dass sie sich distanzierter verhält. Das würde mich verletzen.
Ich kann Dich sehr gut verstehen. Lange habe ich mich auch mit dieser Frage herumgeschlagen, ob ich es ihm sagen soll oder nicht. Allerdings konnte ich es nicht sagen, sondern habe es ihm schriftlich erklärt. Es gibt hier im Forum ja auch einen Beitrag von mir, der von meinem Frust darüber handelt, dass sich seit meinem "Geständnis" nichts zum Positiven gewandelt hat, was ich natürlich gehofft hatte. Allerdings weiß ich eben auch gar nicht, was ich mir eigentlich im Moment von ihm wünsche. Er kann zur Zeit wohl machen was er will und es würde mir nicht helfen, obwohl er wirklich gut reagiert hat, nämlich einfach verständnisvoll und natürlich weiterhin professionell und distanziert.

Fortsetzung folgt...

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AnnaBlume
Helferlein
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Beiträge: 104

Beitrag Do., 03.02.2011, 09:31

3. Ist Distanz eine Lösung oder verschlimmert es alles?
Ich habe schon versucht es in meinem Kopf wegzuplappern.. "es bringt nichts, denn es hat nichts mit der Realität zu tun.. ich kenne sie nicht.. es ist absolut einseitig.. es ist eine Zweckbeziehung.. sie interessiert sich nicht für mich.. sie trägt einen Ehering.. und ganz vorne an: sie ist meine Therapeutin!! Es darf und kann nicht sein!"
Aber die ganze Vernunft bringt nichts. Ich schmachte wie ein Teenager. Jetzt überlege ich eine Pause zu machen, hat jemand Erfahrungen damit gemacht?
Das alles mit dem Verstand wegschieben zu wollen, funktioniert nicht. Gefühle haben die Macht, sich breit zu machen, ohne dass die Vernunft irgendetwas dagegen tun kann. Glaub mir, ich habe mittlerweile eine Liste mit 100 Argumenten, die gegen diese Liebe sprechen - ändert aber gar nichts
Ich habe gerade diese Woche mit meinem Therapeuten eine Pause vereinbart, weil ich das Gefühl habe, dringend Distanz zu brauchen, um mal wieder zu mir zu kommen. Es gibt ja neben diesem Gefühlschaos auch noch genug andere Probleme in meinem Leben (wie in Deinem sicher auch), die mir viel Energie rauben - diese ewige Beschäftigung mit der Verliebtheit nimmt mir meines Erachtens die Chance, mich auf die anderen Dinge zu konzentrieren. Es ist allerdings wahrscheinlich sehr kurzfristig von mir gedacht. Bestimmt wird mir diese Pause etwas dabei helfen, zu verdrängen und wenn ich ihn eine Weile nicht sehe, tut es vielleicht nicht mehr so extrem weh, aber was kommt dann? Irgendwann sitze ich ihm wieder gegenüber und alles ist so wie immer
Es ist lediglich eine Verschnaufpause für mich, ich bilde mir aber nicht ein, dass mir die Unterbrechung langfristig etwas bringt. Ich muss mir einfach bewusst machen, was genau es ist, dass mich so zu ihm hin zieht und wie ich das in "realistischere" Bahnen lenken kann.
4. (Wie) ist es überhaupt möglich, dass man sich mit einer Depression, also der ganzen Gefühlstaubheit, auf einmal verliebt??
Das frage ich mich auch. Ich denke, dass ist der pure Überlebenswille, der Wunsch, endlich gehört und verstanden zu werden. Und die Tatsache, dass ich zu solchen Gefühlen überhaupt in der Lage bin, stimmt mich trotz allem optimistisch.
Ach ich hoffe das ist hier alles nicht zu durcheinander, aber ich habe versucht es ganz "kalt" runterzuschreiben. Meine Gedanken spielen verrückt und auch wenn ich weiß, dass hier niemand für mich Entscheidungen treffen kann, wäre ich einfach dankbar über ein paar Worte... ich traue mich nämlich nicht es irgendjemandem zu sagen und brauche einfach ein bisschen Austausch, ich fühle mich damit sehr alleine
Keine Sorge, jedes Wort, das Du schreibst, ist für mich absolut nachvollziehbar und keineswegs durcheinander
Ich rede darüber auch mit niemandem (außerhalb dieses Forums), weil ich glaube, dass das ohnehin niemand nachvollziehen kann, der es nicht selbst erlebt (hat). Es hilft schon ungemein zu wissen, dass man damit keineswegs alleine ist.
Halt uns mal auf dem Laufenden!
Alles Liebe wünsche ich Dir!
A.

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lamedia
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Beitrag Do., 03.02.2011, 11:55

Hallo Ihr nochmal!

Was mir auffällt, ist diese starke Verknüpfung von Liebe und Leid bei all dem... Was ist denn eigentlich das Leidvolle an dieser Liebe, dass es zu Kontaktabbrüchen, Sich-Verschließen, Trotz, Angst, Wut, Selbsthaß oder Trauer führt?
Könnte der/ die T mit seiner Reaktion wirklich derart treffen und verletzen, dass ein so großer präventiver Selbstschutz nötig ist? Warum hat er/sie diese Macht?

Fragt sich selbst auch
lamedia

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neko
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Beitrag Do., 03.02.2011, 12:16

ich weiß von mir, dass das viel mit reaktualisierung von kindlichen gefühlen zu tun hat. damals war man ja rea und existentiell abhängig von seinen elterlichen bezugspersonen. und wenn man da das gefhl hatte, die mutter mag mich nicht, die schiebt mich weg, dann löst das panik aus. so erklär ich mir das, die eine starke mutterübertragung in der therapie entwickelt hat - mit all den alten, sich hin und wieder sehr existentiell anfühlenden ängsten, die wieder hochkommen. das paradoxe: ich "weiß" eigentlich, dass meine therapeutin zuverlässiger und zugewandter ist als meine mutter, ich "weiß" eigentlich dass sie mich mag (das gefühl wird gott sei dank ein wenig intensiver grad), ich "weiß" auch, dass die welt nicht untergeht, wenn wir einen disput oder eine differenz haben, weil ich im leben eigentlich ganz gut zu recht komme, aber ich fühle es nicht immer, weil diese blöde alte angst des allein gelassen werdens wieder auftaucht. aber wie gesagt, ganz langsam verändert sich was....


Gast
[nicht mehr wegzudenken]
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Beiträge: 2008

Beitrag Do., 03.02.2011, 12:36

Hallo Lamedia
Könnte der/ die T mit seiner Reaktion wirklich derart treffen und verletzen, dass ein so großer präventiver Selbstschutz nötig ist? Warum hat er/sie diese Macht?
Ich glaube, dass rührt am ehesten daher, dass Menschen in der Übertragung auf 'alte' Gefühle stossen. Die Verletzungen, die (auch) damit einhergingen.

Vielleicht laufen deshalb auch soviele vor Übertragung zunächst davon? Angst, Bedenken? Wären jedenfalls völlig normale Erstreaktionen. Im nachdenken dann wird den meisten ja klar, das weglaufen nix bringen kann und das die (alten) Ängste besser zu bewältigen sind, wenn man sie anguckt

Rosenrot

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lamedia
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Beiträge: 717

Beitrag Do., 03.02.2011, 12:49

Ja, liebe neko und liebe Rosenrot, das erscheint mir einleuchtend. Nur: Dann ist doch das Wichtigste an der "Übertragung" gar nicht die Liebe, sondern die Verlassens- bis hin zur Existenzangst, oder? Um die zu fühlen braucht man sich doch aber nicht zu verlieben.... Man könnte doch auch fühlen, da ist ein für mich sehr wichtiger Mensch, den ich total gern habe, der mich versteht (oder sich darum bemüht, mich zu verstehen) - und ich habe wahnsinnige Angst davor, von ihm enttäuscht und verlassen zu werden.
Stattdessen tauchen erotische und sexuelle Phantasien und reale Lüste auf. Wo kommen die denn plötzlich her? Die hatte man Mutter gegenüber doch auch nicht?
Oder wird die Form der Sexualität nur geliehen, um das Ältere irgendwie verstehen zu können?
Ich weiß es ja auch nicht.
LG, lamedia

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carö
[nicht mehr wegzudenken]
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weiblich/female, 48
Beiträge: 2036

Beitrag Do., 03.02.2011, 12:52

Man könnte doch auch fühlen, da ist ein für mich sehr wichtiger Mensch, den ich total gern habe, der mich versteht (oder sich darum bemüht, mich zu verstehen) - und ich habe wahnsinnige Angst davor, von ihm enttäuscht und verlassen zu werden.
hallo lamedia,

ja ich denke im rahmen dieser übertragungsgefühle taucht lust, begehren, verliebtheit etc.. unter anderem (nicht nur!) als die sozusagen bekannten erwachsenen gefühle auf... als parallelgefühle gewissermassen zu der intensität der "frühen gefühle"

verständlich, was ich ausdrücken will ?

LG
carö
Es ist krass, was man erreichen kann, wenn man sich traut. (Aya Jaff)

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neko
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Beiträge: 599

Beitrag Do., 03.02.2011, 12:54

da kann ich aus eigener erfahrung nix zu sagen. erotische phantasien hatte ich nie. die reine lehre sagt aber, dass die sexualisierung auch eine strategie der abwehr ist, der veruch also, das dahinter liegende drama nicht sichtbar werden zu lassen...keine ahnung. ne freundin von mir konnte damit nach jahren was anfangen. aber erstmal hat sie sich gegen diese deutung heftigst empört.

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