Erstmals Traum in Analyse erzählt, jetzt ziemlich fertig.

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Erstmals Traum in Analyse erzählt, jetzt ziemlich fertig.

Beitrag Fr., 18.01.2019, 20:11

Hallo ihr Lieben,

schon lange lese ich hier immer wieder mit und habe dadurch viel Hilfe gefunden und von Euch gelernt. Bisher habe ich mich nie getraut, selbst einen Thread zu eröffnen.... Ehrlich gesagt auch deshalb, weil es hier ja auch manchmal etwas hoch her geht und ich Angst habe, dass mich das total verunsichert. Heute springe ich aber trotzdem über meinen Schatten und hoffe, dass Ihr mir vielleicht mit Eurem Erfahrungsschatz helfen könnt.

Also Folgendes: Nachdem ich wegen starker Angst und Depressionen mehrere Jahre Verhaltenstherapie gemacht habe, musste ich wegen eines Wohnortwechsels die Therapie beenden. Ich habe viel mitgenommen, dennoch hatte ich oft das Gefühl, dass wir eher an der Oberfläche gekratzt haben. Deshalb habe ich mich nach einer Pause dazu entschlossen, noch mal eine tiefenpsychologische Therapie anzufangen, da vor allem die depressiven Phasen immer schlimmer werden. Schon nach einigen Stunden sind meine Thera und ich zu dem Schluss gekommen, dass 1 Stunde die Woche nicht ausreicht, weswegen wir jetzt seit kurzem auf 2 Stunden die Woche gegangen sind - deshalb auch der Wechsel auf die analytische Therapie.

Schon in meiner ersten Therapie hatte ich ganz arge Probleme, mich zu öffnen und Vertrauen zu fassen. Nähe ist ganz schwierig für mich, obwohl ich es mir sehr wünsche. Es hat Jahre gedauert und jetzt, mit der neuen Thera, fängt alles wieder von vorne an. Damit mir das Reden leichter fällt, liege ich auf der Couch, was auch tatsächlich hilft.

Momentan fühle ich mich echt labil, Weihnachten hängt mir immer noch nach und es gibt neben den Depressionen und Ängsten einfach viele Baustellen, an denen ich im "echten Leben" zu kämpfen habe. In den letzten Stunden hat meine Thera jeweils Klinik bzw. den Besuch beim Psychiater und eventuell Medikamente vorgeschlagen. Das hat mich total geschockt, obwohl ich ja selbst merke, wie mir alles zu viel wird.

Heute war auf jeden Fall wieder Sitzung. Weil ich ganz schlecht die Kontrolle aufgeben kann, hatte ich bisher immer vorher geplant, was ich ansprechen wollte. Heute hatte ich zum ersten Mal irgendwie keine Gelegenheit zu planen. Ich habe also aufs Blaue hinein erzählt, dass die kleine Ableger-Pflanze, die sie mir vor den Weihnachtsferien gegeben hat, in ihrem Glas jetzt anfängt Wurzeln zu schlagen und ich mich darüber freue. Daraus, ich hätte es eigentlich wissen müssen, entspann sich dann ein Gespräch über unser therapeutisches Verhältnis. Mir ist sowas ganz schnell zu nah, peinlich, etc., doch heute ging es erstaunlich gut. Ich hatte bis dato noch nie einen Traum erzählt, doch weil es heute so stimmig war, habe ich mich dann tatsächlich getraut zu sagen, ich hätte letztens von der Therapie geträumt.

Meine Thera kriegt natürlich sofort ganz große Ohren und fragt, ob ich den Traum erzählen kann...während ich schon wieder Angst vor meiner eigenen Courage bekomme. Ich erzähle ihr also, dass ich geträumt habe, wir hätten eine Sitzung, alles hätte sich total stimmig angefühlt und zum Schluss (und das hab ich echt kaum rausgekriget) hätte sie mir ein Gute Nacht Küsschen auf die Wange gegeben..... Puh, was war mir das unangenehm... so viel Nähe, und dann auch noch drüber reden. Sie hat dann gefragt, wie ich den Traum interpretieren würde. Weil mich das alles so emotional aufgewühlt hat, ist mir dann irgendwie erst mal rausgerutscht, dass es ja eigentlich ein guter Traum war und dass ich ja nichts dafür kann, was ich träume. Da ist sie dann etwas sehr insistierend geworden und hat gesagt, dass ich damit nicht davon kommen würde, dass ich schon in der 16. Stunde sei und sie das nicht zählen lässt. Ich hab mich in dem Moment instinktiv wie ein scheuendes Pferd gefühlt, dem man das Boxengitter vor der Nase zuknallt. So nach dem Motto "Jetzt hast Du angefangen zu erzählen, jetzt musst Du auch liefern".

Trotzdem haben wir dann noch ein ganz gutes Gespräch gehabt und ich möchte auch wirklich, wirklich glauben, dass sie die Äußerung nicht so gemeint hat und ich das nur so interpretiert habe, weil ich so angespannt war. Ich werde wohl nicht drumrum kommen, mit ihr nächste Stunde darüber zu reden, und hoffe sehr, dass ich das schaffe. Konflikt ist meine größte Schwäche und das weiß sie.

Nach der Stunde bin ich wie ein Zombi durch die Stadt gelaufen, habe im Auto erst mal geweint und fühle mich jetzt irgendwie....wie soll ich sagen... roh. Und dabei war objektiv gesehen ja alles ganz gut.

Hmmm, was ist jetzt eigentlich meine Frage? Allein das Schreiben hat mir schon geholfen, meine Gedanken zu sortieren. Aber vielleicht könnt ihr mir mal berichten, wie es Euch ergangen ist, als ihr das erste Mal Träume erzählt habt. Wie habt ihr es erlebt, wie habt ihr Euch hinterher gefühlt? Ich habe das Gefühl, einen Traum zu erzählen ist noch viel persönlicher, als über Gedanken zu sprechen, die man hat. Über Gedanken hat man ja quasi wenigsten noch etwas Kontrolle....
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Montana
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Beitrag Fr., 18.01.2019, 21:14

Ich habe schon öfter erzählt, welcher Art meine Träume sind. Aber die sind eben ganz anders und spiegeln meine Verlustängste. Es geht darum, dass Katastrophen passieren (Flut, Vulkanausbruch, der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt) und ich einen aussichtslosen Kampf kämpfe, die zu retten, die ich liebe. In den allermeisten Träumen sind das meine Katzen. Da ist nichts peinliches dran. Darum fällt mir das nicht schwer. Solche Träume habe ich wieder und wieder in den wildesten Variationen.

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Beitrag Fr., 18.01.2019, 21:25

Ja, das kenne ich auch, Montana. 99,99% meiner Träume sind Albträume. Die habe ich mir zwar angefangen aufzuschreiben, aber mich noch nicht getraut in der Therapie zu erzählen. Der Traum, den ich heute erzählt habe, war der einzige, an den ich mich erinnern kann, der kein Albtraum war.
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Beitrag Fr., 18.01.2019, 21:34

Liebe grüne Erdbeere ;) ,

hm, vermutlich macht es Dir nicht die Tatsache, dass Du einen Traum erzählt hast, so schwer, sondern eher die, dass darin ganz deutlich ein Bedürfnis Deiner Therapeutin ggü. zum Ausdruck kam...? Über die Alpträume hättest Du vielleicht sogar leichter sprechen können?
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Beitrag Fr., 18.01.2019, 21:40

Naja, ein Gute Nacht Küsschen wie von der Mutter. Oh dear....
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Beitrag Fr., 18.01.2019, 21:48

Hm ja... Solche Sehnsüchte entstehen ja nicht selten Therapeuten gegenüber. Bei jemandem, der so sehr auf einen eingeht, einen sieht und annimmt - kein Wunder, wenn da Sehnsucht nach einem Elternteil aufkommt, das man so vielleicht nie erleben durfte.

Meinst Du, sie hätte vielleicht von Dir erwartet, dass Du es konkret als Sehnsucht ihr gegenüber benennst - bzw. dass Du siehst, dass man den Traum so deuten könnte? Wobei das in der 16. Stunde schon recht viel verlangt wäre, oder...? Fand ich etwas seltsam beim Lesen, dass sie an der Stelle anscheinend so hart insistiert hat.
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Beitrag Fr., 18.01.2019, 22:33

Ja, fand ich auch sehr fordernd und deshalb irgendwie einschüchternd.Als wäre es mir nicht schon schwer genug gefallen, überhaupt den Traum zu erzählen. Obwohl es ja echt ein angenehmer Traum war und ich es auch hauptsächlich deswegen erzählt habe, weil er mir irgendwie gezeigt hat, dass mein Unterbewusstesein im therapeutischen Verhältnis quais schon weiter ist als ich. Klar, dass es ein Küsschen wie von der Mutter ist, war mir ja selbst schon aufgefallen, aber ich hab's einfach nicht geschafft, das auch noch explizit zu sagen. Das wollte sie wahrscheinlich. Sie hat mich dann auch immer wieder gefragt, was denn meine Wünsche sind...das war alles etwas viel und ich wusste gar keine Antwort.
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Beitrag Fr., 18.01.2019, 23:04

Das ist aber doch eine Erkenntnis: Wünsche und Bedürfnisse zu haben ist für dich etwas so ungeheuerliches, dass das höchstens mal in einem Traum vorkommen darf. Und dann sagt man das besser nicht. Ist das nicht eigentlich total bekloppt? Wenn man da mal drüber nachdenkt? Die meisten Menschen haben kein Problem damit, sich zum Beispiel ein bestimmtes Auto zu wünschen und das auch zu sagen. Aber ein Küsschen? Uhhh. Dabei ist sowas ein menschliches Grundbedürfnis.

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Beitrag Fr., 18.01.2019, 23:34

Ja, es ist eigentlich total bekloppt, da hast Du Recht, Montana!
Wenn ich es mir genau überlege, könnte ich mich damit anfreunden zu sagen, dass ich Sehnsucht nach Nähe, Vertrauen und Angenommen werden habe. Also ein Küsschen im übertragenen Sinne quasi. So habe ich das noch gar nicht gesehen, vielen Dank!

Ps: Ich finde den VW Tiguan ganz toll 😉
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Beitrag Sa., 19.01.2019, 08:17

Ich nehme mal an, dass du jetzt nicht jeden Traum erzählen wirst. Aber Träume sind wirklich ein genialer Weg, um sich dem Unbewussten zu nähern und sich selbst besser zu verstehen.
Deshalb finde ich es hilfreich, in solchen Zeiten der intensiven Beschäftigung mit sich selbst eine Art Traum-Tagebuch zu führen. Vielleicht erstmal nur für dich allein (und nicht gleich zu viel deuten ::?) - und ab und zu einen Traum auch erzählen.

Irgendwann kannst du so über deine Träume einen Zugang zu dir selbst finden - wenn du die Sprache deiner Träume verstanden hast. Das ist eine echte Chance!

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Beitrag Sa., 19.01.2019, 10:55

Ja, sie hat mir gestern auch vorgeschlagen, Träume ab jetzt aufzuschreiben. Hatte ich eh schon manchmal gemacht. Letzte Nacht dann wieder die vertrauten Albträume. Pferd stirbt an Kolik, Schiff sinkt, Autounfall, etc. Seufz...
Aber ich glaube, ihr habt auch da Recht. Wenn ich mir vorstelle, das in der nächsten Stunde zu berichten, fällt es mir wahrscheinlich weniger schwer.
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Beitrag Sa., 19.01.2019, 11:04

Ich fand die Träume mit der Analytikerin auch stets schön im Vergleich zu meinen Albträumen, die ich sonst immer hab. Die meisten hab ich ihr erzählt. Ich finde, es ist doch ein wirklich sehr symbolisch schöner Traum. Du willst es ja nicht in echt von ihr. Aber es zeigt, wie sehr du ihr auch vertraust. Ich denke, deswegen wollte sie auch, dass du mehr sprichst - das Insistieren finde ich aber auch unnötig von ihr.
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Beitrag Sa., 19.01.2019, 11:13

Als ich den Traum geträumt hatte, ist auch genau das zurück geblieben. Ein symbolisch schöner Traum. Ich hatte da gerade 2 Wochen Pause wegen Weihnachten und habe den Traum wie einen kleinen Schatz in mir aufbewahrt. Ich habe lange gezögert, ihn in der Therapie zu erzählen, weil ich irgendwie Angst hatte, dass dann durch die Peinlichkeit die Magie verloren geht. Ist jetzt auch ein wenig so. Versteht ihr, was ich meine?
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Beitrag Sa., 19.01.2019, 11:14

Heute ist mir aufgefallen, dass zu denen, die mir viel bedeuten, ganz offensichtlich auch mein Auto gehört. Denn heute war es (nicht zum ersten Mal) ein Auto-Albtraum. Nachdem ich es geschafft hatte, in einem teilweise überfluteten Parkhaus das richtige Parkdeck zu erreichen, war mein Auto nicht mehr da. Halt, doch, da ganz an den Rand war es geschleppt worden und böse Männer hatten es schon halb auseinander genommen.

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Green Strawberry
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Beitrag Sa., 19.01.2019, 11:22

Das könnte ich auch genau so träumen. In meinem Auto-Traum bin ich letzte Nacht zu schnell gefahren, dann, mit meinem Vater, der im echten Leben schon gestorben ist, als Beifahrer eine Sanddüne runtergestürzt. Unten gerade noch mal die Kurve gekriegt, bevor ich noch einen Strandspaziergänger mitgenommen hätte.
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