Alte Therapie überschattet neue

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Shukria
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Alte Therapie überschattet neue

Beitrag Fr., 14.06.2019, 09:45

Ich schreib das jetzt weil ich gerne wüsste ob jemand ähnliche Erfahrungen gemacht hat oder wie es ihm/ihr damit ging.

Ich bin in einer Traumatherapie und aktuell eher im konfrontativem Teil und der Arbeit mit inneren Anteilen. Und alles immer auf Augenhöhe.
Das kenne ich aus meiner alten Traumatherapie nicht, da ging es fast nur um die Beziehung zur Therapeutin und Stabilisierung. Und jetzt im Nachhinein würde ich sagen wars eher ne Art Nachbeelterung statt das wie jetzt sich 2Erwachsene um Aufarbeitung kümmern.

Aber zur Zeit knallt mir in der neuen immer wieder die negativen Erfahrungen aus der alten dazwischen. Bsp Wir gehen Thema Verlustangst an und mich überrollen alle Emotionen aus der ersten Therapie, was alles schief ging, die Therapeutin die Emotionen aufbrach aber nicht mehr schaffte die wirklich zu bearbeiten, mich mit den offenen Gefühlen alleine ließ.

Also bin ich grad nur in der inneren Klärung wo die Unterschiede liegen. Wie will die aktuelle Therapeutin das Thema angehen, wie stellt sie sich Bearbeitung vor, kann ich mir das vorstellen, unterscheidet es sich und wie von der misslungenen Therapie. Und erst wenn ich die Emotionen sortiert gekriegt habe und verstanden warum es diesmal die Chance hat anders zu laufen, dann kann ich loslassen und inhaltlich noch mal das Thema angehen mit der neuen.

Solange ich das aber nicht sortiert kriege, kann ich nicht mit der neuen Therapeutin dran arbeiten, ich lasse sie dann nicht. Wir besprechen das auch immer offen und schauen was ich jetzt noch brauche, ABER das ist so anstrengend und frisst zusätzlich Zeit und Energie, da immer wieder Vertrauen /Sicherheit im Prozess zu gewinnen das es diesmal anders laufen kann, weil die Erfahrung einfach schon da ist das es schon mal mächtig daneben ging.

Kennt das jemand das altes was schief lief in der neuen Therapie einem so im Weg steht und zuerst das dann bearbeitet werden muss oder könnt ihr das einfach ignorieren /beiseite schieben?

LG
Shukria

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Schnuckmuck
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Beitrag Fr., 14.06.2019, 10:07

Ich vergleiche das mal mit einer Partnerschaft. Da lässt man sich ich auch auf was neues ein. Wenn du dann deine alten Erfahrungen auf den neuen Partner überträgst und dich nur auf das negative fokussierst, wie gut wird die neu Partnerschaft das verkraften?
Zuletzt geändert von Schnuckmuck am Fr., 14.06.2019, 10:08, insgesamt 1-mal geändert.


Jenny Doe
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Beitrag Fr., 14.06.2019, 10:07

Hallo Shukria
Kennt das jemand das altes was schief lief in der neuen Therapie einem so im Weg steht und zuerst das dann bearbeitet werden muss oder könnt ihr das einfach ignorieren /beiseite schieben?
Das kenne ich sehr gut. Auch deine Erfahrung Therapie 1 Beziehung zum Therapeuten und Stabilisierung und Nachbeelterung, anstatt wie eine Erwachsene behandelt zu werden; Therapie 2 Konfrontation und Aufarbeitung und wie eine Erwachsene behandelt zu werden.
Ich habe bei diesem Thema, und vielen anderen, einen ähnlichen Prozess hinter mir, wie der Prozess in dem du grad steckst.
Ich habe das so erlebt, dass das, was der neue Therapeut anders machte als der alte, eine Art Trigger war, der Erinnerungen an die negativen Erfahrungen aktivierte. Sagte er z.B. "Sie sind heute erwachsen", dann kamen Erinnerungen an die Therapien hoch, in denen ich wie ein Kleinkind behandelt wurde; Therapien, die nicht mal ansatzweise geholfen haben. Mit diesen Erinnerungen an alte schädigende Therapien kamen Emotionen wie Wut hoch. Diese Wut hat erst mal verhindert, dass ich mich auf das Neue einlassen konnte. Sie musste erst einmal bearbeitet werden. Erst mit der Zeit, als ich z.B. begriff, dass Stabilisierungstherapie die gängige Methode der Therapeuten ist, Arbeit mit dem "inneren Kind" der neuste Renner auf dem Therapeutenmarkt ist, ... und man Therapeuten, die mit Konfrontation arbeiten, regelrecht suchen muss, ... ließ meine Wut etwas nach. Ich kann mir heute sagen "Ist die neuste Modeerscheinung in der Psychotherapie, wie einst Elektroschocks, Gehirnoperationen usw. der absolute Renner waren". Ich kann heute sagen "Das und das brauche ich, das und das nicht" und mir entsprechend meiner Erfahrungen einen Therapeuten suchen, der zu mir passt. Leider kann man oft erst sagen was man braucht und was einem hilft und was nicht, wenn man ausprobiert hat.
Heute weißt du, dass dir eine Therapie, Beziehung zum Therapeuten und Stabilisierung und Nachbeelterung, anstatt wie eine Erwachsene behandelt zu werden zum Schwerpunkt hat dir nichts bringt. Leider kommt man im Leben oft erst durch Versuch und Irrtum ans Ziel. Aber der Weg dahin kann auch hilfreich sein. Denn du weißt jetzt was genau du brauchst.

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Montana
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Beitrag Fr., 14.06.2019, 10:32

Ich denke auch, das genaue Prüfen und genaue Hinschauen in der neuen Therapie resultiert daraus, dass du in der alten auch einfach die Kompetenz dazu erworben hast. Klar ist das anstrengend. Aber auch sinnvoll. Beispiel Autokauf: ich habe keine Ahnung von Autos, also nehm ich das Blaue, denn das gefällt mir gut. Aber nach zwei Wochen bleibt es mit Motorschaden liegen und ich brauche wieder ein neues. Also, was tu ich? Kein Auto mehr kaufen und alle Autos blöd finden? Kann ich mir nicht erlauben, ich brauche ein Auto. Gut, dann kaufe ich wieder eins, aber ich prüfe den Ölstand und ob das Auto regelmäßig in der Inspektion war usw. Dieser Aufwand wird sich bezahlt machen. Leider ist das oft so im Leben und wenn es um medizinische Dinge geht ist das besonders bitter. Die Erfahrung habe ich bei einer körperlichen Erkrankung gemacht. Die Wut darüber hält immer noch an. Aber ich nutze sie produktiv, indem ich mich im Bereich der Selbsthilfe einbringe und anderen Betroffenen Informationen und Hilfestellungen gebe. So war das doch zu etwas gut.

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Shukria
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Beitrag Fr., 14.06.2019, 11:03

Danke für Eure Antworten!

Wenn ich die so lese, vor allem Jenny Doe, es kommt ja nicht nur die Angst vor Wiederholung hoch und dann genau zu prüfen was ist anders jetzt was brauch ich um mich einlassen zu können, das ist ja sogar inzwischen händelbar, aber es stimmt es kommt auch eine Riesenportion Wut mit.

Wut weil ich so lange in ner lösungslosen Therapie festgehangen habe, weder ich den Absprung geschafft noch die Therapeutin mal gesagt, das kriege ich nicht hin, da ist was /wer anderes sinnvoller. Stattdessen halt immer nur gesagt wurde das ist so, das muss ich aushalten das kann nicht verändert werden. Aber bei ner neuen Therapeutin ist es jetzt möglich die Dinge aufzufangen und zu verändern /zu bearbeiten. Und ich spüre deutlich Entlastung und Veränderung im Alltag.
Und das nur mit ner anderen Haltung und Methoden. Mich frustriert das enorm, diese Verschwendung meiner Lebenszeit und Lebensqualität.

Weiß gar nicht auf wen ich wütender bin, auf sie weil sie mir wortwörtlich gesagt hat das mir damit eh niemand helfen kann und sie damit von vornherein eine lösungsoption (Wechsel) ausgeschlossen hat. Oder auf mich weil ich ihr geglaubt habe statt selbst mal in die Spur zu kommen mich wo anders wenigstens parallel umzuhören. Also selber aktiv zu werden statt dort zu verharren. Ich dachte dann wirklich wenn sie das nicht kann dann klar kriegt das auch niemand anderes hin. Totaler Quatsch im Nachhinein.

Ich glaub, wenn ich das so sacken lasse, ich bin auf mich wütender als auf sie.

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Montana
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Beitrag Fr., 14.06.2019, 11:22

Damit tust du dir aber Unrecht. Denn so einfach ist das ja nicht und du konntest es nicht anders machen. Du hattest nicht das Wissen und die Fähigkeiten, die du jetzt hast. Warum du ihr geglaubt hast? Weil sie glaubwürdig war. Sie hat dich ja nicht angelogen, sondern war selbst von ihrer Aussage überzeugt.

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stern
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Beitrag Fr., 14.06.2019, 11:33

Auf frühere Therapie habe ich so wenig Zeit wie nötig verwendet, d.h. teilweise in der Tat bewusst registriert und beiseite geschoben (um mich auf die aktuelle Therapie einzulassen)... und dann möglichst so, dass ich etwas davon habe. Wie ein neuer Therapeut auf etwas eingeht, merke ich ja... das war höchstens anfangs etwas ungewohnt, mich auf eine veränderte Arbeitsweise umzustellen (zu der Therapeuten aber normal auch etwas erläutern, soweit es wichtig ist).
Liebe Grüsse
stern
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»Die Schönheit der Dinge lebt in der Seele dessen, der sie betrachtet«
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Jenny Doe
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Beitrag Fr., 14.06.2019, 13:09

Hallo Shukria,
Stattdessen halt immer nur gesagt wurde das ist so, das muss ich aushalten das kann nicht verändert werden.
Wenn man zum Arzt geht oder zum Psychotherapeuten, dann vertraut man logischerweise erst mal darauf, dass der, der das studiert hat, weiß was er tut. Wenn Therapeuten sagen, man solle Zeit haben, Geduld haben, dann wird es einem bald besser gehen, ... dann fällt die Entscheidung die Therapie zu beenden nicht gerade leichter. Denn es kann ja sein, dass man tatsächlich zu ungeduldig ist´und Heilung Zeit braucht. Wenn dann noch so Sätze dazukommen wie "Sie müssen das aushalten", "da müssen sie durch", "ist normal, dass es ihnen schlecht geht", ... wie soll man da beurteilen ob es einem jetzt tatsächlich wegen der nicht lösungsoriertierten Therapie schlechter geht oder aus anderen Gründen.
Das alles kann man erst beurteilen wenn die Therapie zu Ende ist. Wenn man dann feststellt, dass es einem nicht besser geht, trotz jahrelanger Therapie, das kann wütend machen. Zu Recht. Denn nicht nur der Klient, sondern auch der Therapeut, hätte sich in all den Jahren mal fragen können ob das, was er tut, dem Klienten hilft und den Klienten ggf. abgeben können.
Was ich so schade finde ist, dass solche Therapeuten dazu beitragen, dass sich Klienten noch nicht mal in der Therapie sicher fühlen können.

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lisbeth
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Beitrag Fr., 14.06.2019, 15:40

Hallo Shukria,
Shukria hat geschrieben:
Fr., 14.06.2019, 09:45
Aber zur Zeit knallt mir in der neuen immer wieder die negativen Erfahrungen aus der alten dazwischen. Bsp Wir gehen Thema Verlustangst an und mich überrollen alle Emotionen aus der ersten Therapie, was alles schief ging, die Therapeutin die Emotionen aufbrach aber nicht mehr schaffte die wirklich zu bearbeiten, mich mit den offenen Gefühlen alleine ließ.

Also bin ich grad nur in der inneren Klärung wo die Unterschiede liegen. Wie will die aktuelle Therapeutin das Thema angehen, wie stellt sie sich Bearbeitung vor, kann ich mir das vorstellen, unterscheidet es sich und wie von der misslungenen Therapie. Und erst wenn ich die Emotionen sortiert gekriegt habe und verstanden warum es diesmal die Chance hat anders zu laufen, dann kann ich loslassen und inhaltlich noch mal das Thema angehen mit der neuen.
dass alte Erinnerungen dazwischen kommen, ist glaube ich ein Stückweit normal. Und ich finde, es ist ein gutes Zeichen, dass du - wenn auch mit Kurven und Schleifen - dir das mit der aktuellen Therapeutin zusammen anschauen kannst und dass du das dann auch mit ihrer Hilfe sortiert bekommst.

Die Unterschiede im Jetzt zur alten Erfahrung sind wichtig, ich würde das nicht unterschätzen. Und es braucht auch Wiederholungsschleifen, damit das bei dir ganz tief drinnen ankommt, dass du in Sicherheit bist.

Irgendwann kommt der Punkt, wo du das alleine machst. Wo du nicht mehr die Hilfe der Therapeutin dazu brauchst. Und irgendwann stellst du dir diese Fragen gar nicht mehr.

Zur Wut auf dich selbst: Ich kann das total nachvolllziehen. Und bei mir kam dann alles ins Schlingern, als die (neue) Therapeutin mich im Vorgespräch (sehr mitfühlend, nicht vorwurfsvoll) fragte: Warum sind Sie da so lange geblieben? Sie müssen doch gelitten haben wie sonstwas?
Dass das lange Ausharren in solch ausweglosen Situationen Teil meines Problems ist, war ziemlich schnell klar. Aber da gibt es ja noch mehr...Vielleicht hilft es, sich das auch nochmal genauer anzuschauen? Denn irgendeinen "Nutzen" wirst du aus der Situation ja trotz allem gezogen haben. Und wenn du den kennst, dann weißt du wieder etwas mehr über dich selbst und wie du so tickst... was in Zukunft dann auch hilfreich sein dürfte, damit du nicht mehr so schnell in solche Situationen kommst?

Alles Gute für dich!
lisbeth
In dem Maß wie wir anfangen, Fragen anders zu stellen, werden wir auch neue Antworten finden.

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Shukria
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Beitrag Fr., 14.06.2019, 21:36

lisbeth hat geschrieben: Die Unterschiede im Jetzt zur alten Erfahrung sind wichtig, ich würde das nicht unterschätzen. Und es braucht auch Wiederholungsschleifen, damit das bei dir ganz tief drinnen ankommt, dass du in Sicherheit bist.

Vielleicht hilft es, sich das auch nochmal genauer anzuschauen? Denn irgendeinen "Nutzen" wirst du aus der Situation ja trotz allem gezogen haben. Und wenn du den kennst, dann weißt du ... was in Zukunft dann auch hilfreich sein dürfte, damit du nicht mehr so schnell in solche Situationen kommst?
Das mit den Wiederholungsschleifen beruhigt mich jetzt irgendwie, also zu wissen, okay es braucht einfach Zeit und ja es geht viel um das Gefühl von Sicherheit ob diese Beziehung jetzt tragfähige ist in ihrem anders sein zumal eben genau dieses anders sein dann die Wunden /unverarbeiteten Gefühle und Situationen aus der alten Therapie so triggert. Ich bin dann auch oft noch geschockt und denke, Häh das geht auch so anders und ist wirklich hilfreich.

Ich merke erst jetzt das hilfreich in einer Therapie nicht gleichzusetzen ist mit Zuwendung bekommen.

Und ja ich weiß das genau das auch der Punkt ist wo mich die alte Therapeutin bekommen hat, wo der 'Nutzen' für mich war : Viel Zuwendung, Geborgenheit, Geschenke, Viel Kontakt per Telefon, Mail aber auch Umarmungen, was anfänglich alles von ihr ausging. einfach direkt meine Bindungsbedürfnisse angesprochen und erfüllt und das wäre glaube noch immer heikel. Da wäre ich vielleicht noch immer nicht gefestigt genug wenn die jetzige Therapeutin auch so arbeiten tät.

Also statt mir zu helfen wie ich mir das selber erfüllen oder ab trauern kann, es direkt anbieten. Und dann nein zu sagen, weiß nicht sicher ob ich da schon die innere Stärke hätte. Momentan wäre es schädlich wieder so "therapiert" zu werden. Ich brauch Augenhöhe und Erwachsrnenstatus um zu lernen gut für mich selber zu sorgen.

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Shukria
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Beitrag Fr., 14.06.2019, 21:58

Jenny Doe hat geschrieben: Das alles kann man erst beurteilen wenn die Therapie zu Ende ist. Wenn man dann feststellt, dass es einem nicht besser geht, trotz jahrelanger Therapie, das kann wütend machen.
Einige Dinge waren besser, aber zentrale Punkte wie Verlassenheitsangst, anderen Menschen vertrauen können (außer ihr), Scham und Schuldgegühle und teils auch Flashbacks, nicht.

Das ist schon frustrierend und richtig ernüchternd wenn in der neuen Therapie bei den Belastungspunkten wos immer hieß, das geht nicht, einem plötzlich 2-3 unterschiedliche Ansätze erklärt werden wie das bearbeitet werden kann und ich mir davon einen aussuchen darf.

Und dann zu merken es hilft auch noch? es ist wirklich bearbeitet worden und im Alltag deutlich Entlastung eingetreten. Das verstört dann richtig. Und das alles ohne besondere Zuwendung. Ohne Umarmungen, Geschenke und Telefonate...wie in der alten Therapie.

Das bringt mich sehr ins Nachdenken. Vielleicht gibt es ja aber für manche therapeutische Arbeit auch ein Zeitfenster. Also ich frag mich ob man vielleicht einfach auch eine bestimmte Reife/Alter haben muss um zb eher distanziert wie jetzt oder eher Richtung Nachbeelterung arbeiten zu können. Ich glaub ich bin jetzt doch wieder verwirrter.

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Pianolullaby
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Beitrag Sa., 15.06.2019, 19:17

Also bei vielen Dingen, v.a. beim Verarbeiten ist es erst möglich, nachdem man doch eine gewisse Grundstabilität und Möglichkeiten zum sich selb gutes Tun schon erreicht hat.
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Shukria
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Beitrag Di., 18.06.2019, 08:01

Wir haben gestern in der Therapie nur über die Grenzüberschreitungen der alten Therapeutin gesprochen. Meine Verwirrung weil ich erst mit der neuen Therapie diese eben erst richtig als solche erkenne und auch jetzt erlebe es geht auch ohne diese, es geht sogar viel besser ohne diese.

Ich bin an meinen Themen dran statt 24/7 die Beziehung zur Therapeutin im Blick zu behalten.

Sie hat mich gefragt ob ich der alten Therapeutin noch was sagen will (imaginär) und ich habe gemerkt nein, gab auch viel gutes ich will nur nicht das es in meiner aktuellen Therapie wieder so verstrickt wird beim Thema Verlassenheitsangst.

Ich möchte einen konstanten Rahmen diesmal von der Therapeutin. Das bedeudet: keine Geschenke, keine Umarmungen, keine Telefonate für Smal Talk und keine Bevormundung also vor gesetzte inhaltliche Entscheidungen die sie im Rahmen der Therapie für mich trifft (Themen, Therapiepausen...) und vor allem mit der Begründung: weil ich das jetzt bräuchte... - stattdessen klare und feste Termine und gemeinsame Absprachen/Klärungen.

Als sie sagte das es genau so, verlässlich ihrerseits und autonom, mitbestimmt meinerseits bleibt, so wie ich es bis jetzt von ihr kenne, sie auch weiterhin die Inhalte und Arbeit bei mir lässt, ist mir ein totaler Stein vom Herzen gefallen.

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diesoderdas
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Beitrag Mo., 01.07.2019, 21:36

Kenne ich auch, dass alte Therapieerfahrungen einen nicht los lassen.

Und das hier, finde ich enorm wichtig, was du geschrieben hast:
Shukria hat geschrieben:
Di., 18.06.2019, 08:01
Ich bin an meinen Themen dran statt 24/7 die Beziehung zur Therapeutin im Blick zu behalten.
Du bist aber weiter als ich, du hast es gewagt, es nochmal zu probieren. Davor habe ich Respekt...


Hummi
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Beitrag Di., 02.07.2019, 14:11

oh, hat nicht ganz gepasst, sorry

Beitrag von mir gelöscht..