Therapie nur weil Partner es wünscht?!

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solanine
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Therapie nur weil Partner es wünscht?!

Beitrag Mi., 24.07.2019, 18:46

Hallo! Ich brauche mal euren Rat, weil ich gerade nicht weiter weiß.


Zum Hintergrund:
Ich habe meinen Mann vor über 20 Jahren kennengelernt.
Ich nehme seit 18 Jahren Antidepressiva und mache seit 6 Jahren Psychotherapie. Ich hatte eine zeitlang 2 Stunden pro Woche, seit Oktober wieder nur eine.
Das Medikament versuche ich seit 2 Jahren auszuschleichen, bin aktuell bei einer täglichen Dosis von 4 mg (ehemals 150 mg).

In der Beziehung ging es immer auf und ab, aber wir sind verheiratet und haben zwei Kinder.
Momentan haben mein Mann und ich sehr viel Streit und aktuell ist es so, dass wir uns zwischendurch gar nicht mehr versöhnen. Mir fehlt im Umgang miteinander der Respekt, er wird teilweise sehr ausfallend, er würde wahrscheinlich das gleiche über mich sagen.
Er will jetzt eine Entscheidung von mir, natürlich so schnell wie möglich.
Er ist der Meinung, alle Beziehungsprobleme liegen an mir und meiner Krankheit. Ich soll also mehr von dem Medikament nehmen, Psychiater*in wechseln, mehr Therapie machen, dann könnte er sich vorstellen, die Beziehung aufrecht zu erhalten.
Er ist der Meinung, er müsse sich und die Familie schützen vor meiner Krankheit.

Ich weiß nicht, was ich machen soll...
Die Stimme der Vernunft ist leise, aber sie ruht nicht, ehe sie sich Gehör verschafft hat.
Sigmund Freud

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Beitrag Mi., 24.07.2019, 20:42

solanine hat geschrieben:
Mi., 24.07.2019, 18:46
Mir fehlt im Umgang miteinander der Respekt, er wird teilweise sehr ausfallend, er würde wahrscheinlich das gleiche über mich sagen.
Er will jetzt eine Entscheidung von mir, natürlich so schnell wie möglich.
Er ist der Meinung, alle Beziehungsprobleme liegen an mir und meiner Krankheit.
Zu Beziehungaproblemen tragen immer beide Partner etwas bei.
Und deshalb sollten auch beide daran arbeiten.
Ich denke in Beziehungen sollte man ein Team bilden und sich nicht einseitig die Schuld zu schieben.

Klar, kann es sein, dass deine psych. Probleme Schwierigkeiten in die Beziehung bringen, aber er wird wohl auch irgendwas dazu beigetragen haben.

Ihr solltet beide gemeinsam deine Therapiestunden in Anspruch nehmen. Um ein paar klärende Gespräch zu führen.
Ansonsten macht das ja so langfristig gesehen keinen Sinn.
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cinikus
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Beitrag Mi., 24.07.2019, 22:16

solanine hat geschrieben:
Mi., 24.07.2019, 18:46
Er will jetzt eine Entscheidung von mir, natürlich so schnell wie möglich.
Was für eine Entscheidung?
Auch der Anblick des Schlechten kann eine Schulung für das Gute sein! Niccolò Tommaseo

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Kellerkind
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Beitrag Mi., 24.07.2019, 22:40

Wenn du ihn seit 20 Jahren kennst und seit 18 Jahren Anti-Depressiva nimmst, dann ist er sicherlich nicht Teil der Lösung, sondern eher Teil des Problems.

Ich denke schon, dass im Falle psychischer Krankheit die Belastung für eine Beziehung durchaus auch EINSEITIG sein kann. Eine Depression wird bisweilen als "grundlose Niedergeschlagenheit" definiert. Wenn der Grund in der Beziehung liegt, wäre es ja nicht grund-los; und wenn einen Depressionen einfach so überfallen können, dafür niemand was könne, dann eben auch nicht der Partner. Dementsprechend: nein, zu einer Depression gehören NICHT immer zwei.

ABER... in diesen Fall hier kommt mir sofort der Begriff Co-Abhängigkeit in den Sinn. Wenn man so lange (Jahrzehnte!) erfolglos in Behandlung ist, dann handelt es sich wohl um ungesunde, gegenseitige Muster, mit denen man sich gegenseitig gefangen hält. Zum Beispiel einer ist immer der Starke und Helfer, der andere immer schwach und bedürftig. Um solche Muster aufzubrechen, müssen beide daran arbeiten. So weit in der Theorie, klappt in der Praxis aber i.d.R. selten. Am Ende zerbricht es dann doch...

Positiv ist: er scheint DEFINITIV was ändern zu wollen, auch wenn er sein Mitwirken (noch) nicht erkennt. So ein Ultimatum mag zwar nicht der richtige Weg sein, aber immerhin signalisiert er sehr klar und deutlich, dass er nicht mehr gewillt ist... egal ob bewusst oder unbewusst... die Muster weiterhin wie bisher aufrechtzuerhalten. Koste es, was es wolle. Auch wenn er noch nicht versteht, nicht weiß, wie, wann und wo, aber zumindest zieht er einen klaren Cut.

Ich kann es verstehen, dass er die Familie schützen will. Ich frage mich eher: warum erst jetzt?! Beziehungsweise, wenn das Problem seit über 18 Jahren besteht,wieso dann überhaupt eine Familie gegründet wurde. Irgendwas scheint sich da bei ihm geändert zu haben, dass zu dem Schluss kam: "Es reicht!". Nachvollziehbar, dass man nach knapp 20 Jahren ohne echten Fortschritt, resigniert bzw. endlich mal Nägel mit Köpfen sehen will. Vor allem, wenn man selbst inkl. Familie davon mit-betroffen ist.

Um es ganz hart zu sagen: in so festgefahrenen Situationen ist es oft die einzige Lösungen, so weh es beiden Parteien tut, den Partner fallen zu lassen. Bevor überhaupt auch nur die Chance gegeben ist, dass sich an den eingefahren, krankhaften Muster was ändern.

Anders gesagt: Erpressen lassen würde ich mich an deiner Stelle nicht. Aber ich denke, eine Trennung/Beziehungspause käme euch beiden zugute!

Es ist i.d.R. ohnehin die häufigste Reaktion auf solch ein Ultimatum: der emotional Erpresste macht Schluss, sinngemäß mit den Worten: "Ja, okay, hast Recht, ich muss jetzt mal NUR auf mich und MEINE Heilung konzentrieren. Tschö mit ö". Würde ich dir zumindest empfehlen. Kling dich mal für ein paar Wochen bis Monate aus und gehe in eine Klinik. Versuch mal was Neues. Denn wie heißt es so schön? Eine Definition von Wahnsinn ist, immer wieder dasselbe zu versuchen, und auf andere Ergebnisse hoffen. Soll heißen: noch mehr ambulante Therapie, noch mehr Anti-Depressiva werden das Ding ohnehin nicht rocken, werden nicht schaffen, was über 18 Jahre lang, versagte. Von daher, wenn überhaupt, versucht etwas, was ihr bisher NOCH NICHT versucht habt.

(Um es vorweg zu nehmen, für den Fall pot. Reha-Verweigerer: 20 Jahre Leiden zulasten von Partner und Kindern versus 2 bis 3 Monate Klinik? Wo ist denn bitte da Verhältnis? Dann opfere ich doch lieber mal 6 bis 8 Wochen bei dem Versuch als weitere 20 Jahre so weiter zu machen.)
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solanine
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Beitrag Do., 25.07.2019, 01:10

Vielen Dank für eure Antworten.

@ Kokette Krokette: Ich soll mich entscheiden, ob ich intensiver Therapie mache (Medis und Gesprächstherapie), sonst sieht er schwarz für die Beziehung.

@ Kellerkind: Danke dir!
Wahrscheinlich hab ich die Depression schon viel länger, sie wird halt erst seit 2001 behandelt bzw. gab es da einen Zusammenbruch durch meinen damaligen Job.
Ich hatte eigentlich seit ein paar Monaten das Gefühl, es geht jetzt psychisch aufwärts bei mir, habe auch vor 16 Monaten aufgehört Alkohol zu trinken (was ich bis dahin auch benutzt habe um Sachen zu verdrängen).
Ich glaub, dass du recht haben könntest mit der Vermutung, dass er immer der starke Partner war und ich jetzt da nicht mehr so rein passe in dieses "alte" Beziehungsschema.
Allerdings habe ich auch die Befürchtung, dass ich nie mehr richtig gesund werde :( aber das spräche ja dann auch eher für eine Beziehungspause.

Jetzt gerade geht es mir gar nicht gut, ich schlafe kaum noch und bin ziemlich down, weil ich die ganze Zeit über dieses Ultimatum nachdenke.
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Emily_Erdbeer
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Beitrag Do., 25.07.2019, 06:45

Hallo,
was wäre wenn er mal eine Therapie macht in der er Dinge über sich herausfindet?
Die Verantwortung alling jmd. anderem zuzuschustern um sich gemütlich zurückzulehnen kann keine Dauerlösung sein.

Beziehung hat immer eine Dynamik zu der 2 gehören. Selbst wenn der Partner krank sein sollte, so gibt es den Gegenpart dazu.

Es ist einfach sich hinter seinem ‚kranken‘ Partner zu verstecken. Kann auch dazu führen sich selbst aus dem Fokus zu nehmen.
Wie überaus praktisch 🤷🏻‍♀️

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EasyLuck
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Beitrag Do., 25.07.2019, 07:33

Ich würde mal ein Paargespräch mit einem Therapeuten machen und schauen wer was will und was wem helfen könnte.

18 Jahre Depressionen die trotz Behandlung nicht heilen, finde ich auch merkwürdig.

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Kellerkind
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Beitrag Fr., 26.07.2019, 06:24

Emily_Erdbeer hat geschrieben:
Do., 25.07.2019, 06:45
Beziehung hat immer eine Dynamik zu der 2 gehören. Selbst wenn der Partner krank sein sollte, so gibt es den Gegenpart dazu.
Schön unterschieden. Ja, für eine Beziehung/Ehe gehören zwei dazu, aber für die psychische Krankheiten des anderen ist man nicht mitverantwortlich. Sollte man nicht verwechseln.
Es ist einfach sich hinter seinem ‚kranken‘ Partner zu verstecken. Kann auch dazu führen sich selbst aus dem Fokus zu nehmen. Wie überaus praktisch 🤷🏻‍♀️
Wohl wahr! Das ist ein sog. "geheimer Nutzen" der Erkrankung, manchmal auch sekundärer Krankheitsgewinn genannt. Weshalb die vermeintlich gesunden Partner UNBEWUSST Muster entwickeln, um den StatusQuo am Laufen zu halten. Das kann sehr subtil und sehr unbewusst sein. Nicht selten auch hinter einem Helfer-Syndrom getarnt.

Wie ich schon sagte: nach so langer Zeit, wenn sich die gegenseitigen Muster so eingeschliffen habe, kann ich mir nur äußerst schlecht vorstellen, diese INNERHALB der Beziehung aufzubrechen. Da muss mMn zumindest vorübergehend eine Trennung rein.
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Emily_Erdbeer
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Beitrag Fr., 26.07.2019, 08:01


Schön unterschieden. Ja, für eine Beziehung/Ehe gehören zwei dazu, aber für die psychische Krankheiten des anderen ist man nicht mitverantwortlich. Sollte man nicht verwechseln.
Ja, da gebe ich dir vollkommen recht und das habe ich damit auch nicht gemeint.
Als Angehöriger ist es schwer und das Abgrenzen ebenso. Ich meinte damit, dass es einfach ist, den Angehörigen zum Therapeuten abzuschieben, in der Hoffnung dieser regelt das schon.

Und in dem oben beschriebenen Fall kommt es ja einer Erpressung gleich.

Entweder du machst mehr Therapie und nimmst Medis oder ich bin weg.
Mit Druck und Gewalt löst sich so ein Problem sicher nicht.

Fühlt man sich diesem nicht gewachsen muss man halt gehen. Das was der Partner da tut ist Erpressung.

Wenn es nur noch Streit gibt, die Kommunikation respektlos und verletzend ist, dann frage ich mich, was der Grund ist an dieser Beziehung festzuhalten.

Irgendwas haben beide davon 🤷🏻‍♀️

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solanine
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Beitrag Fr., 26.07.2019, 15:43

Danke @Emily!
Ich glaub, das trifft es ganz gut. Ich hab das lange mit mir machen lassen und da hat sich eine krasse Dynamik entwickelt.
Ich war zuletzt ehrlich geschockt von seinem Vorwurf, ich würde schon so lange Tabletten nehmen und Gesprächstherapie machen, und trotzdem würde sich unsere Beziehung nicht verbessern. Ich hab ihm dann gesagt, dass das auch nicht der Grund ist für meine Therapie, sondern dass ich Therapie mache, damit es MIR besser geht. Ich hab das Gefühl, ich soll für ihn einfach "funktionieren"

Er macht Druck in Bezug auf die Kinder nach dem Motto "Kein Richter lässt die Kinder nach der Trennung zur kranken Mutter". Das ist auch noch ein Punkt.


Danke für eure Antworten.
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Montana
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Beitrag Fr., 26.07.2019, 22:56

Ich habe von meinem Partner nach 14 Jahren Beziehung ähnliches gehört. Zum Glück waren da keine Kinder im Spiel. Und im Unterschied zu dir war ich die ersten 10 Jahre dieser Beziehung nie krank (zumindest nicht bewusst). Er verlangte dann sehr offen, ich solle mich ändern/bessern und garnierte das mit so Forderungen wie, dass ich mehr Gartenarbeit machen solle. Kam ich von der Arbeit, war er oft nicht da. Wenn er dann kam, erzählte er von Gesprächen mit seinen Eltern über mich und was die alles über mich gesagt hätten und dass er das ja auch so sähe. Schlussendlich dann der Vorwurf, ich würde mich dann irgendwann später von ihm finanzieren lassen, denn bestimmt könne ich irgendwann nicht mehr arbeiten. Da wurden mir also schon Dinge vorgeworfen, die noch gar nicht passiert waren. Tabletten waren böse und damit würde ich mir das Leben nur "schön machen". Ich würde es auch ohne schaffen. Das ging noch unendlich weiter und wurde immer bizarrer.
Es kam dann zur Trennung und danach wurde ich natürlich nicht plötzlich gesund, aber ich hatte echt ein Problem weniger. Oder besser drei: ihn und seine Eltern.
Die Forderungen deines Mannes fallen für mich irgendwo in die gleiche Kategorie: DU allein sollst das Problem sein und die Lösung ist natürlich total einfach. Du musst EINFACH nur mehr Tabletten nehmen und mehr Therapie machen. Denn wie wir alle wissen: viel hilft natürlich auch viel.
Kann es vielleicht sein, dass du in der Therapie Fortschritte gemacht hast und darum sein Wunschbild von dir immer weniger erfüllst? Das ist eigentlich eine geradezu klassische Therapienebenwirkung. Du veränderst dich in deinem Sinne, aber wer vorher von deiner Schwäche profitiert hat, der wird das nicht gut finden.
Der oben genannte Vorschlag, DEINE Stunden zu zweit wahrzunehmen, ist natürlich nicht machbar. Sollte er überhaupt zu so etwas bereit sein, dann muss es ein neutraler Therapeut sein (der von beiden vorher nichts weiß und damit auch von beiden als neutral anerkannt ist). Sonst geht das in die Hose.

PS: wie alt sind die Kinder? Heutzutage dürfen die bei einer Trennung über das Sorgerecht mitreden, je nach Alter.

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alatan
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Beitrag Sa., 27.07.2019, 04:56

solanine hat geschrieben:
Mi., 24.07.2019, 18:46
Das Medikament versuche ich seit 2 Jahren auszuschleichen, bin aktuell bei einer täglichen Dosis von 4 mg (ehemals 150 mg).
Sorry, etwas OT aber interessehalber: welches AD ist es?

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solanine
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Beitrag Sa., 27.07.2019, 07:36

@alatan: Es ist Venlafaxin retard :)

@Montana: Oje das tut mir sehr leid für dich. Vielen Dank fürs Teilen.


Ich habe das Gefühl, bei mir läuft es so ähnlich wie bei dir.
Wir waren bereits zweimal bei einer Paartherapie, aber ich habe auch da den Eindruck, dass er immer wieder als Begründung für die Probleme in der Beziehung nur meine Depression thematisiert. Er hat da meine halbe Kindheits- und Krankheitsgeschichte ausgebreitet (er geht da "sehr offen" mit um). Bei sich sieht er weder problematisches Verhalten noch die Notwendigkeit, etwas z.B. an seinem Verhalten zu ändern. Er ist das "Opfer und er reagiert nur auf mich und mein Verhalten".
Das ist ja tatsächlich unrealistisch, dass nur einer von uns komplett Schuld ist (am Scheitern der Beziehung). Das wurde hier auch schon mehrmals geschrieben.

Die Kinder sind nicht mehr so klein, zum Glück. Leider ist es mir momentan in seiner Gegenwart nicht möglich, entspannt zu sein und mit den Kindern locker umzugehen. Ich bin teilweise sehr gestresst und ungeduldig. Wenn ich mit den Kindern allein bin, ist es ganz einfach und normal, würde ich sagen. Wir haben ein sehr gutes, vertrautes und liebevolles Verhältnis zueinander.

Vielen Dank für eure Antworten!
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Beitrag Sa., 27.07.2019, 11:55

solanine hat geschrieben:
Sa., 27.07.2019, 07:36
Bei sich sieht er weder problematisches Verhalten noch die Notwendigkeit, etwas z.B. an seinem Verhalten zu ändern. Er ist das "Opfer und er reagiert nur auf mich und mein Verhalten".
Na, da hast du ja schon die Antwort auf die Frage, was er von der ganzen Sache hat. Er inszeniert sich als das moralisch überlegene Opfer, du bist die Täterin, die Schuld am Problem ist. Damit ist er raus aus der Sache. Er kann eine Beziehung führen, in der er sich nicht selbst in Frage stellen muss. Eine "gesunde" Partnerin würde ihm sicherlich bei auftretenden Problemen deutlich stärker mit seinem eigenen Problemverhalten konfrontieren und auch Erwartungen hinsichtlich Verhaltensänderung an ihn stellen. Bei dir kann er sich entspannt zurücklehen, du bist ja an allem Schuld, was nicht funktioniert, ist doch sehr bequem.... ;)

Ich würde 'nen Hunni darauf wetten, dass sollte es zur Trennung kommen, er sich eine neue Beziehung suchen würde, wo es wieder genauso läuft, scheint nicht so auf Selbstreflexion und Beziehungsarbeit zu stehen dein Herr Gatte...
It is better to have tried in vain, than never tried at all...

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Montana
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Beitrag Sa., 27.07.2019, 13:22

Liebe solanine, es braucht dir nicht leid tun. Diese Beziehung war wirklich in vielerlei Hinsicht nicht gut, aber ich war selbst nicht zu einer Trennung in der Lage. Obwohl ich unglücklich war. Im Nachhinein bin ich jedoch froh, dass es ein Ende gab, auch wenn es ein Ende mit Schrecken war. Interessanterweise wurde kurz danach eine Freundin von ihrem Mann im Stich gelassen. Sie war ein paar Tage bei mir zu Besuch, und bei ihrer Rückkehr war er weg. Inzwischen sind wir beide neu verheiratet und haben beide eine kleine Tochter. Wollten wir beide schon vorher, aber mein Mann konnte nicht und ihrer wollte nicht. Die Welt ist schon verrückt. Ich glaube, wir mussten beide durch dieses Jammertal einmal durch, um dann die Möglichkeit zu haben, das zu tun, was wir uns gewünscht haben. Von allein schafft man das selten, denn man ist bequem geworden, ängstlich vor dem Neuen und man hat sich an die krassesten Dinge gewöhnt. Im Nachhinein sieht man das und fragt sich, WARUM man sich so viel hat gefallen lassen.