irritiert im Therapeutengespräch

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malerin
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irritiert im Therapeutengespräch

Beitrag Mi., 25.11.2020, 02:10

Hallo,

wie erkläre ich meinem Therapeuten, dass ich manche Dinge die er gemacht hat, wahrgenommen habe aber trotzdem nicht darauf reagiert habe, weil sie mich irritiert und verunsichert haben.

Es waren oft nur Kleinigkeiten, z.B. hat er plötzlich vor mir mit dem Fuß feste aufgestammpft oder er hat Worte plötzlich ganz deutlich sehr laut eindringlich gesagt oder bekannte Menschen (Schauspieler, Sänger usw.) die meiner Meinung nach gar nichts mit dem Thema zu tun haben erwähnt und vieles anderes mehr. Er guckt mich dann immer sehr Erwartungsvoll an, als wenn er auf eine Reaktion von mir wartet aber ich bin dann immer so durcheinander und verwirrt, dass ich mir gar nicht sicher bin, ob meine Wahrnehmung mich täuscht und ich mir das alles nur eingebildet habe oder ob das wirklich geschehen ist.

Ich hab aber immer den Eindruck, dass er mir irgendwas mitteilen will oder damit indirekte Fragen stellt und ich das in dem Moment nicht verstehe. Ich will ihn darauf ansprechen, weil ich das Gefühl habe, dass unsere Kommunikation im Moment schwierig ist - nur find ich nicht die richtigen Worte dafür. Ich wollte schon beim letzten mal mit ihm darüber sprechen aber ich war so gehemmt, dass ich kein Wort heraus bekommen habe und dann über etwas ganz belangloses gesprochen habe.

Kennt ihr sowas, dass ihr nicht wißt, wie ihr es eurem Thera sagen sollt, was in euch vorgeht? Eigentlich habe ich ein ganz gutes Klient - Therapeut verhältnis aber bei manchen Dingen trau ich mich immer noch nicht, sie ihm zu erzählen.

LG malerin

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Shukria
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Beitrag Sa., 28.11.2020, 06:32

Ja kenn ich. Manchmal sag ich einfach das mich das jetzt verwirrt, oder ich frag direkt wie sie das meint. Manchmal bin ich so verwirrt in dem Moment das ich es erst hinterher schaffe ihr eine kurze Mail zu schreiben und genau das anzusprechen und da noch mal zu fragen wie sie das meinte.

Letztlich ist es so das es immer leichter wird solche Verunsicherungen direkt zu äußern je öfter es passiert und man sich traut die zu thematisieren.

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Vivy
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Beitrag Sa., 28.11.2020, 07:07

Kenn ich gut.

Bei mir ist es oft so, dass ich, wenn ich dissoziiere plötzlich die einfachsten Sätze nicht mehr verstehe. Manchmal sind das nur ein paar Sekunden in denen ich entweder nichtmal mehr mit den Worten was anfangen kann oder den Sinn nicht verstehe.

Inzwischen geht das, dass ich dann sagen kann, dass ich das jetzt nicht kapiert habe und er es doch bitte nochmal sagen soll.
Wenns ganz heikel ist, passiert das dann auch mit den gleichen Sätzen mehrmals. Er wiederholt es dann inzwischen so oft, bis ich es kapiert habe. Und wenns zu heikel ist, ändert er die Wortwahl oder vereinfacht die Sätze oder das, was er sagen wollte.

Wenn ich es erst nach der Stunde merke, dass ich was nicht kapiert hab, dann frage ich ihn per Mail.

Mir gehts da wie shukira, je öfter ich es anspreche, desto leichter wird es, vor allem auch, weil er mich immer besser kennt und ich weiß, dass er deshalb nicht verwirrt ist.
»Man versteht nur die Dinge, die man zähmt«, sagte der Fuchs.
aus: Der kleine Prinz, Antoine de Saint-Exupéry

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malerin
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Beitrag So., 29.11.2020, 09:42

Hallo Shukria, hallo Vivy,

manchmal frage ich auch direkt nach aber manchmal merke ich es nicht sofort und er ist dann im Thema schon wieder weiter, so dass ich mich darauf konzentrieren muss, damit ich nicht völlig den Faden verliere und irgendwann hab ich dann den Eindruck jetzt ist es zu spät, da nochmal nachzuhaken und denke, ist ja nicht so wichtig aber irgendwie kreist es dann Zuhause doch in meinem Kopf rum, was er denn damit gemeint hat oder was er denn da von mir hören wollte.

Es ging z.B. in einer Sitzung um meine extreme Abneigung gegen meine Mutter und er sagte, er wolle erstmal ein paar theoretische Dinge zu diesem Thema erklären aber er sprach über Dinge, wo ich gar keinen Zusammenhang über das eigentliche Thema erkennen konnte.

Ich wollte ihn aber nicht unterbrechen, weil ich dachte, er kommt schon noch wieder auf das eigentliche Thema zurück (manchmal macht er das so), doch stattdessen kamen wir völlig vom Thema ab.
Er erzählte mir was von Ängsten und Zwängen und betonte manche Wörter sehr laut und eindringlich und schaute mich dann Sekunden lang dabei an. Ich hab wohl zwischendurch auch kurz abgeschaltet, so dass ich nicht alles mitbekommen habe und mir sind nur die eindringlichen Worte im Kopf geblieben.

Ich hab auch schon überlegt, ob ich ihm eine E-Mail schreibe aber er möchte nicht, dass ich Mails schreibe (das darf ich nur im Notfall). Er möchte, dass ich es in den Sitzungen anspreche, weil er keine Zeit hätte alle Mails von seinen Klienten zu lesen, wenn die auch alle Mails schreiben würden.

Ich grüble jetzt die ganze Zeit nach, wie ich es ihm erklären soll, finde aber die richtigen Worte nicht, damit er versteht, was ich meine. Es ist bei ihm oft schwer, alte Sachen wieder anzusprechen, weil er ja inzwischen schon wieder viele andere Gespräche gehabt hat und sich an Einzelheiten die mir aufgefallen sind nicht mehr erinnern kann.
Ich überlege schon, ob ich es überhaupt noch ansprechen soll aber wenn ich es nicht mache, kommen vielleicht noch weiter Dinge dazu.

Danke für eure Rückmeldung!

LG malerin

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diesoderdas
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Beitrag So., 29.11.2020, 10:50

Druck dir doch einfach den Text hier aus und lass ihn das lesen.
Oder formuliere daraus einen neuen Text, falls du nicht willst, dass er weiss, dass du es in einem Forum geschrieben hast.

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Beitrag So., 29.11.2020, 15:23

@ diesoderdas
Ja, ich könnte versuchen es aufzuschreiben und ihm dann vorlesen (er liest es selber nicht, macht er nie,sondern läßt mich vorlesen), oder zumindest könnte ich mir Stichpunkte aufschreiben. Dies hier ausdrucken möchte ich tatsächlich nicht.
Danke!

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diesoderdas
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Beitrag So., 29.11.2020, 15:29

Ja, schreib doch einfach los. Und falls es wirr ist, dann schreib doch einfach weiter ;-)
Ob er dann kapiert, was du meinst, wäre dann ja auch erstmal sein Problem. Zumindest wärt ihr im Gespräch.
Viel Erfolg, falls du es so ausprobierst!

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Beitrag So., 29.11.2020, 19:11

Könnte es sein, dass der Therapeut mit diesen Fragen bestimmte Themen von mir indirekt erfragen/"abklopfen" will, wie so der Stand der Dinge dort im Moment ist?

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diesoderdas
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Beitrag So., 29.11.2020, 19:17

So wie du hier erzählt hast, kann ich persönlich da gar nichts zu sagen, da der Zusammenhang fehlt.
Wenn ich höre, er stampft mit dem Fuß auf oder nennt Schauspielernamen, dann fällt mir dazu nichts ein. Aber du sagst ja selbst, dass es nichts mit dem eigentlichen Thema zu tun hat.

Erzähl doch mal eine konkrete Situation komplett, in der für dich komische Reaktionen von ihm kamen. Vielleicht kann man dann eher etwas dazu sagen.

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Anti Lope
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Beitrag So., 29.11.2020, 22:14

malerin hat geschrieben:
Mi., 25.11.2020, 02:10

Es waren oft nur Kleinigkeiten, z.B. hat er plötzlich vor mir mit dem Fuß feste aufgestammpft oder er hat Worte plötzlich ganz deutlich sehr laut eindringlich gesagt oder bekannte Menschen (Schauspieler, Sänger usw.) die meiner Meinung nach gar nichts mit dem Thema zu tun haben erwähnt und vieles anderes mehr. Er guckt mich dann immer sehr Erwartungsvoll an, als wenn er auf eine Reaktion von mir wartet aber ich bin dann immer so durcheinander und verwirrt, dass ich mir gar nicht sicher bin, ob meine Wahrnehmung mich täuscht und ich mir das alles nur eingebildet habe oder ob das wirklich geschehen ist.
kann es vielleicht sein, dass du in dem Moment etwas abgedriftet bist und er dich mit dem Fußstampfen und lautem Sprechen versucht aus diesem Zustand zurückzuholen?
"Vegangenheit ist, wenn es nicht mehr wehtut." Mark Twain

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malerin
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Beitrag So., 29.11.2020, 22:33

Hallo Anti Lope,

ja, als er mit dem Fuß aufstampfte befand ich mich tatsächlich in einem dissoziativen Zustand (Derealisations und Depersonisationzustand). Möglich, dass er mich so zurückholen wollte.

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lisbeth
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Beitrag So., 29.11.2020, 22:35

malerin hat geschrieben:
So., 29.11.2020, 09:42
Er erzählte mir was von Ängsten und Zwängen und betonte manche Wörter sehr laut und eindringlich und schaute mich dann Sekunden lang dabei an. Ich hab wohl zwischendurch auch kurz abgeschaltet, so dass ich nicht alles mitbekommen habe und mir sind nur die eindringlichen Worte im Kopf geblieben.
Kann es sein, dass du da dissoziiert bist, weil es um ein "schwieriges" Thema ging = "kurz abgeschaltet"?
Bei mir ist es bei dissoziativen Zuständen manchmal so, dass ich Dinge verzerrt wahrnehme, manches sticht stark heraus (laut und eindringlich), während ich anderes nur gedämpft oder gar nicht höre. Auch dass du dich nicht mehr an alles erinnern kannst, könnte dafür sprechen.

ps letzten Beitrag noch nicht gelesen.
Solange wir leben, bleibt das Beste immer möglich.

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malerin
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Beitrag So., 29.11.2020, 22:45

lisbeth:
ja, könnte sein, ich merke das nicht immer bzw. ist mir das nicht immer bewußt.

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lisbeth
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Beitrag So., 29.11.2020, 23:13

malerin hat geschrieben:
So., 29.11.2020, 22:45
lisbeth:
ja, könnte sein, ich merke das nicht immer bzw. ist mir das nicht immer bewußt.
Könnte es sein, dass da der Hund begraben liegt?
Beim Dissoziieren ist auch deine Fähigkeit eingeschränkt, Dinge wirklich zu verstehen bzw. zu behalten.
Du nimmst Vieles verzerrt und verschoben wahr.
Dinge können sich anders anhören.

Dass dann manches aus dem Therapiegespräch bei dir Irritationen weckt, finde ich daher eher "normal" und nachvollziehbar.
Ich glaube, anstatt dich zu fragen: Was um Himmels Willen meinte der Therapeut nun damit und was wollte er damit bezwecken? Könntest du ihn auch fragen, ob er mit dir diesen oder jenen Punkt aus der letzten Stunde nochmal durchgehen kann bzw dir bestimmte Zusammenhänge nochmal erklärt? Kannst ja auch dazu sagen, dass du da wohl etwas dissoziiert warst und das deshalb eher verschoben wahrgenommen hast oder nicht alles behalten hast.
Als Therapeut sollte ihm sowas nicht unbekannt sein und er sollte mit sowas umgehen können.
Solange wir leben, bleibt das Beste immer möglich.