Asperger und Depression - welche Therapieform passt?

Hier können Sie Ihre Fragen rund um die Rahmenbedingungen von Psychotherapie (Methoden, Ablauf usw.) anbringen.
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Tallyn
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Asperger und Depression - welche Therapieform passt?

Beitrag Do., 31.10.2019, 13:54

Gibt es hier jemanden, der das Asperger Syndrom hat und wegen einer Depression behandelt wurde?

Bei mir wurde letzte Woche eine schwere klinische Depression festgestellt und ich muss mir nun einen Therapeuten suchen.

Vor einiger Zeit habe ich hier mal reingeschrieben, weil ich Probleme mit meiner damaligen Therapeutin hatte. Verständlicherweise will ich zu ihr nicht zurück und muss jetzt mir jetzt einen neuen Therapeuten suchen.

Ich suche nun nach Tipps, worauf ich im Erstgespräch achten soll bzw. welche Fragen ich stellen könnte, aber auch welche Methoden bei einer ASD sinnvoll sind und welche nicht.

Ich weiß nicht, ob hier überhaupt jemand mit einer ASD ist, aber ich hoffe, wenn ja, dass ihr mir weiterhelfen könnt.
Zuletzt geändert von Tristezza am Do., 31.10.2019, 14:49, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Betreffzeile "Depression und Asperger" präzisiert.

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Kaonashi
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Beitrag Fr., 01.11.2019, 11:57

Man liest oft, dass eine kognitive Verhaltenstherapie für Menschen mit Asperger am besten geeignet sei. Ich finde jedoch, es hängt auch davon ab, worum es geht.
Wenn man vorrangig Erlebnisse aus der Kindheit aufarbeiten möchte, ist eine tiefenpsychologisch fundierte Therapie besser, meiner Meinung nach. Wenn es mehr um die Bewältigung des jetzigen Alltags geht, dann eine Verhaltenstherapie.
Psychoanalyse halte ich nicht für so sinnvoll bei Asperger. Obwohl ich keine persönliche Erfahrung damit habe, denke ich, dass diese Therapieform eine Überforderung ist.

Noch wichtiger als die Therapierichtung ist aber die Sympathie mit dem Therapeuten oder Therapeutin.
Ich persönlich reagiere gut auf sehr offene und zugewandte (freundliche, weniger distanzierte) Therapeuten. Ich entspanne mich dann schneller und kann besser reden. Aber es muss eine ehrliche Zugewandtheit sein, nicht gespielt (übertrieben).
Das ist schwierig zu beschreiben. Am ehesten entscheidet da das Bauchgefühl. Bei manchen Menschen fühlt man sich sofort wohl, und bei anderen spürt man Vorbehalte, selbst wenn man sie gar nicht richtig in Worte fassen kann. Ich glaube, es ist gut, sich auf dieses Bauchgefühl zu verlassen.

Schwierig dabei ist nur, dass jedes Erstgespräch schwer zu kriegen ist und anstrengend ist. Man wird sich evtl. 2x überlegen, ob man ein weiteres auf sich nimmt, oder vielleicht doch bei dem Therapeuten bleibt, bei dem man sofort einen Platz bekommen würde. Aber ob es immer so gut ist, das ist die Frage, oder ob es besser wäre, länger zu suchen.

Gut wäre natürlich, wenn der Therapeut schon den ein oder anderen Klienten mit Asperger vorher gehabt hat, damit man nicht ganz bei Null anfangen muss, die Besonderheiten bei Asperger zu erklären. Deshalb solltest du das auf jeden Fall nachfragen. Vielleicht auch fragen, was er/sie denkt, was bei Asperger in einer Therapie wichtig ist o.ä., um zu testen, ob er wirklich etwas darüber weiß.

Falls es in der Nähe ein Autismustherapiezentrum gibt, könnte man auch fragen, ob es dort die Möglichkeit einer Therapie für Erwachsene gibt, und wie das ggf. finanziert werden kann. In Deutschland kann eine autismusspezifische Therapie nur dann über die Krankenkasse laufen, wenn der Therapeut im Autismustherapiezentrum eine Approbation als psychologischer Psychotherapeut hat, und dann auch nur über das Kostenerstattungsverfahren, weil sie keinen Kassensitz haben. Ansonsten geht es nur über die Eingliederungshilfe und ist dann abhängig vom Einkommen und Vermögen.

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Tallyn
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Beitrag Fr., 01.11.2019, 14:48

Danke für deine Antwort.
Kaonashi hat geschrieben:
Fr., 01.11.2019, 11:57
Man liest oft, dass eine kognitive Verhaltenstherapie für Menschen mit Asperger am besten geeignet sei. Ich finde jedoch, es hängt auch davon ab, worum es geht.
Es geht um eine schwere Depression.
Psychoanalyse halte ich nicht für so sinnvoll bei Asperger. Obwohl ich keine persönliche Erfahrung damit habe, denke ich, dass diese Therapieform eine Überforderung ist.
Ich war einmal bei einer Psychoanalytikerin, die hat mir gesagt, eine Behandlung sei bei mir nicht möglich, da ich mich gegen Gefühle sperre. Ich habe Alexithymie. Ich sperre mich nicht gegen Gefühle. Ich habe sehr intensive Gefühle, aber es fällt mir extrem schwer, diese richtig einzuordnen und zu benennen.
Noch wichtiger als die Therapierichtung ist aber die Sympathie mit dem Therapeuten oder Therapeutin.
Das ist genau mein Problem. Für mich sind erstmal alle Menschen gleich. Es dauert, bis ich Sympathie oder Antipathie entwickle und dann noch etwas länger, bis ich mir dessen bewusst bin.
Das ist schwierig zu beschreiben. Am ehesten entscheidet da das Bauchgefühl. Bei manchen Menschen fühlt man sich sofort wohl, und bei anderen spürt man Vorbehalte, selbst wenn man sie gar nicht richtig in Worte fassen kann. Ich glaube, es ist gut, sich auf dieses Bauchgefühl zu verlassen.
Ich habe so etwas leider nicht (siehe oben), deshalb frage ich hier nach Erfahrungen.
Schwierig dabei ist nur, dass jedes Erstgespräch schwer zu kriegen ist und anstrengend ist. Man wird sich evtl. 2x überlegen, ob man ein weiteres auf sich nimmt, oder vielleicht doch bei dem Therapeuten bleibt, bei dem man sofort einen Platz bekommen würde. Aber ob es immer so gut ist, das ist die Frage, oder ob es besser wäre, länger zu suchen.
Das entpricht so überhaupt nicht meinen Erfahrungen. Man ruft an und kriegt meistens gleich in der Woche drauf ein Erstgespräch.
Gut wäre natürlich, wenn der Therapeut schon den ein oder anderen Klienten mit Asperger vorher gehabt hat, damit man nicht ganz bei Null anfangen muss, die Besonderheiten bei Asperger zu erklären. Deshalb solltest du das auf jeden Fall nachfragen. Vielleicht auch fragen, was er/sie denkt, was bei Asperger in einer Therapie wichtig ist o.ä., um zu testen, ob er wirklich etwas darüber weiß.
Das finde ich gut, danke. Das werde ich machen.
Falls es in der Nähe ein Autismustherapiezentrum gibt, könnte man auch fragen, ob es dort die Möglichkeit einer Therapie für Erwachsene gibt, und wie das ggf. finanziert werden kann. In Deutschland kann eine autismusspezifische Therapie nur dann über die Krankenkasse laufen, wenn der Therapeut im Autismustherapiezentrum eine Approbation als psychologischer Psychotherapeut hat, und dann auch nur über das Kostenerstattungsverfahren, weil sie keinen Kassensitz haben. Ansonsten geht es nur über die Eingliederungshilfe und ist dann abhängig vom Einkommen und Vermögen.
Hab ich schon. Wir haben hier in Österreich doch ein ganz anderes System. Und eine autismusspezifische Therapie für Erwachsene gibt es da, wo ich wohne, leider überhaupt nicht.

Ich habe mir jetzt auch ein Buch über Depressionen bei ASS bestellt. Es ist ein Begleitbuch für Betroffene und Therapeuten. Ich hoffe, dass er sich drauf einlassen kann, dieses Buch miteinzubeziehen.

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nulla
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Beitrag Fr., 01.11.2019, 14:55

Soweit ich mich erinnern kann, bist du aus Österreich. Da gibt es ja eine wesentlich größere Auswahl an anerkannten Therapiemethoden.
Ich fände es auch sehr wichtig, dass der oder die PT schon Erfahrungen mit Menschen mit Autismus hat. Ich habe vor kurzem eine Kundin bei ihrer Suche nach einer PT begleitet, sie selbst ist keine Autistin, aber dabei ist mir aufgefallen, dass viele PT zuvor eine sozialpädagogische Ausbildung hatten und in dem Bereich gearbeitet haben. Vielleicht könntest du in diese Richtung suchen?
Die passende Therapierichtung zu finden, ist sicher schwierig, aber wie Kaonashi sagt, ist vermutlich die passende Person noch wichtiger. Vielleicht könntest du diesmal genauer auf dein Gefühl achten, wenn dich etwas stört (wie z. B. das viele Gerede der PT).
Ich wünsche dir sehr, dass du einen passenden Therapieplatz für dich findest.

Alles Gute
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Beitrag Fr., 01.11.2019, 15:03

Tallyn hat geschrieben:
Fr., 01.11.2019, 14:48
Es ist ein Begleitbuch für Betroffene und Therapeuten. Ich hoffe, dass er sich drauf einlassen kann, dieses Buch miteinzubeziehen.
Also an deiner Stelle würde ich mich nicht darauf fixieren, dass der oder die PT nach einem Buch vorgehen wird, das du mitbringst. Ich würde mir eher sehr genau seine Methode und geplante Vorgehensweise erklären, und dann vielleicht sagen, dass du dieses Buch gelesen hast und ob ihm Dinge daraus vielleicht bekannt vorkommen usw.
Also ein bisschen weniger "entweder oder", sondern eher abwarten
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Beitrag Fr., 01.11.2019, 17:29

nulla hat geschrieben:
Fr., 01.11.2019, 14:55
Ich fände es auch sehr wichtig, dass der oder die PT schon Erfahrungen mit Menschen mit Autismus hat. Ich habe vor kurzem eine Kundin bei ihrer Suche nach einer PT begleitet, sie selbst ist keine Autistin, aber dabei ist mir aufgefallen, dass viele PT zuvor eine sozialpädagogische Ausbildung hatten und in dem Bereich gearbeitet haben. Vielleicht könntest du in diese Richtung suchen?
Das ist eine gute Idee. Darauf werde ich achten.
Die passende Therapierichtung zu finden, ist sicher schwierig, aber wie Kaonashi sagt, ist vermutlich die passende Person noch wichtiger. Vielleicht könntest du diesmal genauer auf dein Gefühl achten, wenn dich etwas stört (wie z. B. das viele Gerede der PT).
Naja, gerade damit habe ich ja Probleme. Vor allem beim Erstgespräch, wo ich sowieso nervös bin. Aber auf sowies wie viel Reden kann ich sicher achten. Und das bringt mich drauf, dass ich ja nicht sofort einen Termin ausmachen muss, sondern sagen kann, dass ich darüber nachdenken möchte. Dann sehe ich auch gleich, ob das jemand ist, der sowas sofort persönlich nimmt.

Das mit dem Buch habe ich natürlich nicht so gemeint, dass er sich nur danach richtet - dann bräuchte ich ja keinen Therapeuten. Aber ich sehe jetzt, dass es so rübergekommen sein könnte. Da muss ich natürlich aufpassen. Ich dachte eher daran, dass mich das Buch z.B. darin unterstützen könnte, wenn ich eben sage, ich brauche mehr Zeit, um meine Gefühle zu identifizieren und definieren und dass das eben auch in diesem Buch steht. Oft glauben einem die Therapeuten ja gerade so etwas nicht und interpretieren dann in ein Gefühl, dass man nicht benennen kann gleich rein, dass das etwas ist, was man verdrängt oder so.

Ich bin nämlich sehr skeptisch, dass ich jemanden finden werde, der sich mit ASS auskennt, allerdings hatte ich vor Jahren eine Therapeutin, die das auch nicht tat. Während ich bei ihr in Therapie war, habe ich dann meine Diagnose bekommen und sie hat mich dann gebeten, ihr ein Buch zu empfehlen, das ihr dabei helfen könnte, mich besser zu verstehen, damit sie ihre Methode daraufhin anpassen bzw. ausrichten kann. Es wäre natürlich schön, wieder so jemanden zu finden.

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Beitrag Fr., 01.11.2019, 18:47

Tallyn hat geschrieben:
Fr., 01.11.2019, 17:29
Naja, gerade damit habe ich ja Probleme. Vor allem beim Erstgespräch, wo ich sowieso nervös bin. Aber auf sowies wie viel Reden kann ich sicher achten.
Ja, da hab ich mich vielleicht auch ungeschickt ausgedrückt. Ich meinte, du kannst auf Dinge achten, die du benennen kannst. Eben das Reden, die Zeit die man dir zum Überlegen gibt, ob die Distanz ausreichend gewährt wird, andere Dinge, die dich vielleicht stören könnten (Praxis, Stimme des PT, Gerüche, etc. Keine Ahnung, was da bei dir ein Thema sein kann). So in diese Richtung. Damit du zumindest die Basissachen abcheckst.
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Beitrag Fr., 01.11.2019, 18:58

Ich glaube, ich verstehe jetzt ganz gut, was du meinst. Ich denke, ich werde mir mal eine Liste machen (eben Dinge, die hier angesprochen wurden) und vielleicht fällt mir noch zusätzliches ein, worauf ich achten kann. Mit dieser Liste im Kopf kann ich dann auch meine Nervosität etwas besser im Zaum halten und mich besser auf bestimmte Dinge konzentrieren, die mir wichtig sind.

Danke, das hat mir jetzt ein gutes Stück weitergeholfen. :)

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Kaonashi
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Beitrag Fr., 01.11.2019, 18:59

Tallyn hat geschrieben:
Fr., 01.11.2019, 14:48
Es geht um eine schwere Depression.
Das hatte ich gelesen. Aber eine Depression kann ja auch verschiedene Ursachen haben. Unter anderem kann es mit den aktuellen Lebensumständen zu tun haben, mit Einstellungen, die man hat, oder mit Dingen, die in der Kindheit passiert sind. Je nachdem ist eine Verhaltenstherapie sinnvoller oder eine tiefenpsychologisch fundierte Therapie. Das meinte ich.

Wobei aber ein guter Therapeut auch mal flexibel ist und nicht nur an seiner Therapiemethode festhängt, wenn er merkt, dass der Klient jetzt gerade was anderes brauchen könnte. Man kann ja z.B. an Dingen aus der Kindheit leiden UND an aktuellen Lebensumständen. Dann ist ein Verhaltenstherapeut, der sich weigert, die Kindheit anzuschauen, keine große Hilfe.
Das ist genau mein Problem. Für mich sind erstmal alle Menschen gleich. Es dauert, bis ich Sympathie oder Antipathie entwickle und dann noch etwas länger, bis ich mir dessen bewusst bin.
Das ist bei mir auch so. Zudem bin ich stark auf Anpassung trainiert und habe nie gelernt, meine Ansprüche gegen andere durchzusetzen, sondern immer nur, mich anzupassen. Deshalb nehme ich ebenfalls schlecht wahr, wenn jemand meine Grenzen überschreitet oder mir sonstwie unangenehm ist. Ich versuche automatisch, jeden gut zu finden, damit ich ja nichts falsch mache. Ich hätte nach meinem ersten Erstgespräch auch direkt eine Therapie bei dem Therapeuten begonnen, obwohl der Typ ein kompletter Idiot war.
Aber mit zeitlichem Abstand kann ich diese Gefühle dann schon wahrnehmen. Und man muss nach einem Erstgespräch ja nicht sofort entscheiden.
Das entpricht so überhaupt nicht meinen Erfahrungen. Man ruft an und kriegt meistens gleich in der Woche drauf ein Erstgespräch.
Dann ist das vielleicht auch ein Unterschied zw. Dtl. und Österreich. Ich hatte angenommen, du bist aus Deutschland. Hier ist es sehr schwer, einen Therapeuten zu finden. Dann hast du zumindest dieses Problem schon mal nicht und kannst mehrere Erstgespräche machen, um Erfahrung zu sammeln und vergleichen zu können.

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lisbeth
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Beitrag Fr., 01.11.2019, 19:24

Kaonashi hat geschrieben:
Fr., 01.11.2019, 18:59
Aber mit zeitlichem Abstand kann ich diese Gefühle dann schon wahrnehmen. Und man muss nach einem Erstgespräch ja nicht sofort entscheiden.
Das würde ich unterstreichen. Bin zwar nicht Asperger-betroffen, aber habe insgesamt Schwierigkeiten mit meiner Selbstwahrnehmung und auch damit, meine Gefühle zu sortieren. Im Laufe der Jahre habe ich gelernt: Ich muss mir für solche Entscheidungen Zeit nehmen und mich nicht unter Druck setzen lassen, dass das sofort entschieden werden muss. Mit mehr Abstand kristallisiert sich bei mir meistens ein deutlicher innerer Trend heraus.

Vielleicht kannst du auch mehrere Gespräche führen, bevor du dich entscheidest? Dann kannst du direkt vergleichen, wenn die Termine nicht so weit auseinander liegen. Ich habe das bei der letzten Suche dann klar gesagt: ich schau mir noch andere Therapeuten an und würde diese Termine gerne noch abwarten. Ist es ok, wenn ich Ihnen am Ende der kommenden Woche Bescheid sage ob ich einen neuen Termin möchte oder nicht? Oder einfach sagen: Ich muss da ein paar Nächte drüber schlafen und melde mich dann bis .... bei Ihnen.

Früher hätte ich mich das nicht getraut, sondern das Gefühl gehabt ich müsste sofort entscheiden. Und da ist dann selten was Gutes bei herausgekommen. Wenn ein Therapeut damit Probleme hat, dass du offen darüber sprichst, dass du dir noch andere anschauen möchtest, dann würde ich ihn sowieso gleich streichen...
In dem Maß wie wir anfangen, Fragen anders zu stellen, werden wir auch neue Antworten finden.

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Tallyn
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Beitrag Sa., 02.11.2019, 07:41

Kaonashi hat geschrieben:
Fr., 01.11.2019, 18:59
Das hatte ich gelesen. Aber eine Depression kann ja auch verschiedene Ursachen haben. Unter anderem kann es mit den aktuellen Lebensumständen zu tun haben, mit Einstellungen, die man hat, oder mit Dingen, die in der Kindheit passiert sind. Je nachdem ist eine Verhaltenstherapie sinnvoller oder eine tiefenpsychologisch fundierte Therapie. Das meinte ich.
Ach so, das hatte ich missverstanden. Allerdings sind die Ursachen für meine Depression vielfältig - berühren praktisch jeden Bereich, den du angesprochen hast. Da brauche ich dann wohl einen Allrounder.
Ich hätte nach meinem ersten Erstgespräch auch direkt eine Therapie bei dem Therapeuten begonnen, obwohl der Typ ein kompletter Idiot war.
Aber mit zeitlichem Abstand kann ich diese Gefühle dann schon wahrnehmen. Und man muss nach einem Erstgespräch ja nicht sofort entscheiden.
Tut mir leid, dass du auch an so einen Idioten geraten bist. Aber ich bin auch ein wenig erleichtert, dass ich nicht die Einzige bin, die auf solche Idioten reinfällt.
Dann ist das vielleicht auch ein Unterschied zw. Dtl. und Österreich. Ich hatte angenommen, du bist aus Deutschland. Hier ist es sehr schwer, einen Therapeuten zu finden. Dann hast du zumindest dieses Problem schon mal nicht und kannst mehrere Erstgespräche machen, um Erfahrung zu sammeln und vergleichen zu können.
Ich habe das jetzt in mein Profil geschrieben. Eigentlich wollte ich das nicht, aber wenn ich mir hier Hilfe suche, muss ich eh viel mehr preisgeben als mir eigentlich lieb ist.

Jetzt fällt mir erst auf, was ich alles falsch gemacht habe. Ich hätte das alles gleich am Telefon klären sollen. Ich weiß nicht, wie das dann mit der Versicherung ist, ob die das Erstgespräch zahlen, wenn man nicht bei dem Therapeuten bleibt. Ach je, warum ist das alles nur so kompliziert? :kopfschuettel:

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Beitrag Sa., 02.11.2019, 07:44

lisbeth hat geschrieben:
Fr., 01.11.2019, 19:24
Vielleicht kannst du auch mehrere Gespräche führen, bevor du dich entscheidest? Dann kannst du direkt vergleichen, wenn die Termine nicht so weit auseinander liegen. Ich habe das bei der letzten Suche dann klar gesagt: ich schau mir noch andere Therapeuten an und würde diese Termine gerne noch abwarten. Ist es ok, wenn ich Ihnen am Ende der kommenden Woche Bescheid sage ob ich einen neuen Termin möchte oder nicht? Oder einfach sagen: Ich muss da ein paar Nächte drüber schlafen und melde mich dann bis .... bei Ihnen.

Früher hätte ich mich das nicht getraut, sondern das Gefühl gehabt ich müsste sofort entscheiden. Und da ist dann selten was Gutes bei herausgekommen. Wenn ein Therapeut damit Probleme hat, dass du offen darüber sprichst, dass du dir noch andere anschauen möchtest, dann würde ich ihn sowieso gleich streichen...
Ja, das käme mir auch das beste vor. Mir wird jetzt erst bewusst, was ich alles am Telefon schon hätte abklären sollen.
Naja, jetzt hab ich ja schonmal das erste Gespräch. Ich werde mir dann für die Entscheidung sowieso erstmal Zeit erbitten und wenn er darauf nicht eingeht, dann ist er sowieso nichts für mich.