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Wie wirksam ist eine Therapie wirklich?

Hier können Sie Ihre Fragen rund um die Rahmenbedingungen von Psychotherapie (Methoden, Ablauf usw.) anbringen.

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Feuerflummi
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Wie wirksam ist eine Therapie wirklich?

Beitrag Mo., 29.10.2018, 16:36

Moin,
also ich bin seit einiger Zeit in Therapie, freiwillig.
Ich kann in einigen Punkten auch durchaus Verbesserungen feststellen.
Meine Frage bezieht sich auf die Wirkung von Therapie:
DASS sie wirkt, steht denke ich außer Frage, ist durch zahlreiche Studien auch belegt.
Was ich allerdings auffällig finde, ist, dass diese Studien, soweit ich das bisher überblicken kann, alle nur kurzfristige Therapieauswirkungen beschreiben.
Also: Die Symptome sind verschwunden und kehren z.B. zwei Jahre nicht zurück.

Was ist denn aber mit langfristigen Auswirkungen-nach zehn, 15, 40 Jahren?
Das wäre doch eigentlich interessant: Geht bspw. der Narzissmus auf null zurück und der Narzisst wird ein normaler Mensch?
Geht die Depression dauerhaft zurück?
Die längste Studie, die ich gefunden habe, bezog sich leider nur auf 46 Monate nach der Psychotherapie-die Symptome von Depression seien demnach bei 43% verschwunden, bei Patienten, die allerdings weiter Medikamente nahmen.
Ich finde, das ist nicht gerade eine überzeugende Quote :kopfschuettel: . Aber vielleicht kann mich ja jemand aufklären, dass ich was falsch verstehe.
Wenn ich das allerdings richtig verstehe, würde ich daraus schließen, dass sehr dringend eine neue Form von Füreinander da sein in unserer Gesellschaft benötigt wird, denn das ist etwas, was glaube ich zumindest in meiner Therapie einen großen Teil der Wirkung ausmacht: Zuhören, Zustimmung, Mut machen, Zusammenhalt, echtes Mitgefühl-alles leider Dinge, die ich Zuhause und berufich kaum erlebe.
Auch das ist nur eine Theorie, die ich gerne zur Diskussion stelle :-D


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Feuerflummi
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Beitrag Mo., 29.10.2018, 16:43

Ich darf leider noch keine Links posten. Spiegel online hat einen Artikel über "Die Dunkle Seite der Psychotherapie" geschrieben.
Im Wikipedia-Artikel zur Psychotherapieforschung #Wirksamkeit
und im Aerzteblatt. de "Depression: Kognitive Verhaltenstherapie langfristig wirksam und kosteneffektiv" habe ich was gefunden

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spirit-cologne
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Beitrag Di., 30.10.2018, 00:46

Na ja, mit Studien über so eine lange Zeit ist es halt schwierig, Drop-out, also Studienteilnehmer, die irgendwann keine Lust mehr haben mitzumachen, wegziehen, vergessen die Fragebögen zurückzuschicken usw. sind bei Langzeitstudien eh' schon ein Problem, und über so einen langen Zeitraum dürfte das schwierig sein. Ich kann daher nur aus meiner Erfahrung antworten (mit mir selbst und einigen anderen Betroffenen, die ich kenne): Umso mehr Zeit vergeht, umso mehr verändert sich. Oft sind die eigentlich erwünschten Effekte erst nach vielen Jahren zu beobachten. Der Mensch ist halt ein Gewohnheitstier und tief eingebrannte Muster lassen sich meist nicht in wenigen Wochen oder Monaten auflösen. Meine erste Therapeutin hat mir mal gesagt, so lange, wie die Störung andauert, so lange braucht sie auch, bis sie wieder verschwindet. Damals habe ich sie für bekloppt gehalten, konnte es mir nicht vorstellen, dass ich es so lange noch mit meinen Symptomen aushalten können solle, aber auch heutiger Sicht hat sie leider Recht behalten. Ich bin nach langer Therapiezeit erst seit einigen Jahren soweit, dass es mir wirklich besser geht, auch wenn ich mich immer noch auf der Reise befinde. Also zu deiner Frage: JA, Therapie wirkt langfristig, nach meiner Erfahrung sogar hauptsächlich langfristig.
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RoboCat
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Beitrag Di., 30.10.2018, 14:29

Hallo Feuerflummi,

ich lese im Subtext heraus, dass du dir die Frage stellst: Lohnt es sich für mich (weiter) Therapie zu machen. Ich denke, das ist eine sehr individuelle Frage. Erschwerdend kommt hinzu: Heute geht man im Allgemeinen davon aus, dass die Persönlichkeit des Therapeuten zum Heilerfolg entschieden beiträgt.

Es ist also schwierig bis unmöglich eine klare Aussage darüber zu treffen, ob Therapie nun wirkt oder nicht. Davon ab gibt es einen Haufen wirkungsloser Therapien da draußen, aber auch eine Menge fähige Therapeuten. Letztlich hängt es auch an der Veränerungsbereitschaft des Klienten, wie viel ihm die Therapie bringt.

Aber ums mal deine Perspektive aufzugreifen: Wäre Therapie perse wirkungslos, würden kaum die Krankenkassen in Deutschland dafür Gelder locker machen ;-)
:axt:

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Anna-Luisa
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Beitrag Di., 30.10.2018, 14:50

RoboCat hat geschrieben:
Di., 30.10.2018, 14:29
Aber ums mal deine Perspektive aufzugreifen: Wäre Therapie perse wirkungslos, würden kaum die Krankenkassen in Deutschland dafür Gelder locker machen ;-)
Wäre das wirklich so? Es gibt z.B. keine ernstzunehmende Studie, die die Wirksamkeit für Homöopathie belegen kann. Trotzdem werden für Sie Unsummen locker gemacht....
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Scars
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Beitrag Di., 30.10.2018, 15:29

Persönlich finde ich das mit Studien in dem Bereich etwas schwierig, da einfach eine Vielzahl von Faktoren, kurzum das Leben auf den Menschen einwirkt und um und wie genau Psychotherapie wirkt, müsste man meines Erachtens den gleichen Menschen das gleiche Leben nur ohne Therapie nochmal leben lassen - was natürlich nicht geht. Dass eine gute Psychotherapie an sich etwas bewirkt, würde wahrscheinlich jeder, der ein solches mal erfahren hat, bestätigen; allerdings würde ich, nur für mich gesprochen, behaupten, dass es zu meiner Entwicklung bisher genauso viel, nur eben anderes, beigetragen hat wie andere wichtige Beziehungen, in denen ich mich bewegt habe.

Dass unsere Gesellschaft mit Werteverlust, Leistungsturbo etc. und unser zivilisierter Lebenstil nicht unbedingt zur Gesundheit des Menschen beitragen, würde ich definitiv unterschreiben. Weshalb mir vielleicht die Studien auch schon wieder aufstoßen, ich mag diese Quantifizierung von allem und jedem nicht besonders. LG scars
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RoboCat
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Beitrag Di., 30.10.2018, 19:22

Anna-Luisa hat geschrieben:
Di., 30.10.2018, 14:50

Wäre das wirklich so? Es gibt z.B. keine ernstzunehmende Studie, die die Wirksamkeit für Homöopathie belegen kann. Trotzdem werden für Sie Unsummen locker gemacht....
Ich hatte geahnt, dass das käme :roll:

Leider kann ich dazu keine Stellung beziehen, da ich nicht weiß, ob es tatsächlich "keinerlei Studien" gibt. Jedoch bin ich mir sicher, dass es Studien über die Wirksamkeit von Psychotherapie zuhauf gibt.

Ich finde, es kommt immer drauf an, was man selbst draus macht. Nicht jedem hilft alles. Manchen hilft Homöopathie ja ganz hervorragend. Warum muss denn immer alles bis in die letzte Ecke erforscht und ergründet werden? Das nimmt dem Leben auch den Zauber. :anonym:
:axt:

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Kaonashi
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Beitrag Mi., 31.10.2018, 00:52

Studien zur Homöopathie gibt es schon, aber die haben alle gezeigt, dass es nicht besser wirkt als Placebo. Soviel ich weiß, zahlen aber die meisten Krankenkassen doch auch keine Homöopathie, oder hat sich das neuerdings geändert?

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Anna-Luisa
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Beitrag Mi., 31.10.2018, 06:05

Kaonashi hat geschrieben:
Mi., 31.10.2018, 00:52
Soviel ich weiß, zahlen aber die meisten Krankenkassen doch auch keine Homöopathie, oder hat sich das neuerdings geändert?
Meine Kasse übernimmt die Kosten komplett. Auch vor ca. 20 Jahren schon. Vor wenigen Jahren haben, mit wenigen Ausnahmen, alle Kassen die Kosten übernommen. Heute so ca. die Hälfte nicht mehr.
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Anna-Luisa
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Beitrag Mi., 31.10.2018, 06:19

RoboCat hat geschrieben:
Di., 30.10.2018, 19:22
Leider kann ich dazu keine Stellung beziehen, da ich nicht weiß, ob es tatsächlich "keinerlei Studien" gibt. Jedoch bin ich mir sicher, dass es Studien über die Wirksamkeit von Psychotherapie zuhauf gibt.
(...)
Manchen hilft Homöopathie ja ganz hervorragend. Warum muss denn immer alles bis in die letzte Ecke erforscht und ergründet werden? Das nimmt dem Leben auch den Zauber. :anonym:
Es gibt beides. Studien, die die Wirksamkeit von Psychotherapie belegen ebenso wie Studien, die die Wirksamkeit von ihr widerlegen. Zweitere werden aber weniger gern veröffentlicht.

Einigen Menschen hilft Homöopathie, einigen Psychotherapie. Und einigen helfen auch Placebos gegen starke Schmerzen ganz hervorragend.

Meinem Leben nimmt die Forschung gewiss keinen Zauber. Aber ich fände es ganz schrecklich, wenn man in Zukunft von pharmakologischen Forschungen absieht, da gewisse Medikamente augenscheinlich Erfolg bringen und man sie keinesfalls mit ggf. ernüchternden Ergebnissen entzaubern will.
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Kaonashi
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Beitrag Mi., 31.10.2018, 08:26

Anna-Luisa hat geschrieben:
Mi., 31.10.2018, 06:05
Meine Kasse übernimmt die Kosten komplett. Auch vor ca. 20 Jahren schon. Vor wenigen Jahren haben, mit wenigen Ausnahmen, alle Kassen die Kosten übernommen. Heute so ca. die Hälfte nicht mehr.
Das finde ich in der Tat einen Skandal, dass das übernommen wird. Nachdem sonst die Krankenkassen immer auf Wirkungsnachweise pochen und selbst sinnvolle Behandlungen nicht übernehmen. Die Kostenübernahme für Autismustherapien wird z.B. konsequent abgelehnt. Was soll das?
Naja, ich kann es mir schon denken, sie spekulieren, dass die Leute mit den billigen Globuli zufrieden sind, was ja bei einer Erkältung und ein bisschen Kopfweh als Placebo auch ausreicht.
Aber gut, wenn wenigstens einige Kassen das geändert haben.

https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2 ... eit-studie
Anna-Luisa hat geschrieben:
Mi., 31.10.2018, 06:19
Es gibt beides. Studien, die die Wirksamkeit von Psychotherapie belegen ebenso wie Studien, die die Wirksamkeit von ihr widerlegen. Zweitere werden aber weniger gern veröffentlicht.
Hast du einen link zu einer Studie, die zu dem Ergebnis kommt, dass Psychotherapie nicht hilft?
Ich kann mir dieses Ergebnis nämlich nicht vorstellen, weil wenn man 100 Leute fragt, wird immer ein gewisser Prozentsatz sagen, dass es geholfen hat. Es wird nie rauskommen, dass keiner dieser 100 Leute in irgendeiner Weise profitiert hat.
Schon alleine das Reden hilft ja vielen, es muss noch nicht einmal echte therapeutische Interventionen geben, schätze ich.

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Blume1973
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Beitrag Mi., 31.10.2018, 08:37

Wie wirksam eine Therapie wirklich ist, kommt meiner Meinung nach, darauf an, in wie weit man sich selbst versteht und die Ursache der Erkrankung.

Dann glaube ich, dass es auch darauf ankommt, wie sehr man nach einer Therapie auch alleine weiter tut. Das Erlernte immer wieder beachtet und auf sich selbst eingeht und was man für sein Wohlbefinden/Heilung tut.

Einfach hingehen und sich denken, mach mal, heile mich, wird wohl nicht funktionieren.
Es ist wie das Arbeiten an einer Beziehung. Immer wieder dran bleiben.

Lg Blume
Die einzigen wirklichen Feinde des Menschen, sind seine negativen Gedanken.

Albert Einstein

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Anna-Luisa
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Beitrag Mi., 31.10.2018, 12:48

Kaonashi hat geschrieben:
Mi., 31.10.2018, 08:26
Nachdem sonst die Krankenkassen immer auf Wirkungsnachweise pochen und selbst sinnvolle Behandlungen nicht übernehmen. Die Kostenübernahme für Autismustherapien wird z.B. konsequent abgelehnt. Was soll das?
Das ist vermutlich darin begründet, dass Autismus keine Krankheit ist. Allerdings werden die Kosten im Rahmen der Integration oft doch von anderen Stellen übernommen. Kinder haben in vielen Fällen auch Anspruch auf eine Schul - bzw. Kindergartenbegleitung.
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Pinguin Pit
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Beitrag Mi., 31.10.2018, 14:15

Soso, Autismus ist keine Krankheit.
Weshalb steht sie dann in der ICD, der Internationalen Klassifikation der Krankheiten?
Die Vergangenheit ist nicht tot - sie ist nicht einmal vorbei. (William Faulkner)

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Anna-Luisa
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Beitrag Mi., 31.10.2018, 15:00

In den ICD geht es nicht ausschließlich um Krankheiten. Hast du das nicht gelesen? Es geht auch z.B. um tiefgreifende Entwicklungsstörungen. Hier ist auch Autismus mit gelistet.
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