Pflichtbewerbungen für Beruf den man nicht ausüben möchte

Das Leben ist wesentlich durch unsere Arbeit geprägt. Der Job kann jedoch auch Quelle von Ärger und Frustration sein, oder persönliche Probleme geradezu auf die Spitze treiben...
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Sun_Shine
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Pflichtbewerbungen für Beruf den man nicht ausüben möchte

Beitrag Do., 10.09.2020, 18:52

Hallo,
vielleicht hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht und kann mir weiter helfen.

Ich habe bis Ende Februar als Pädagogin gearbeitet und schlussendlich gekündigt, da mein Job mich belastet hat, mein körperlicher Zustand bedrohlich war, und ich den Beruf eigentlich nie gern gemacht habe. Schon während der Schulzeit habe ich eigentlich gehasst, was ich da lerne, aber mit 14 war ich wohl noch nicht so weit, eine andere Schule in Betracht zu ziehen. (und als Pädagogin hat man nun mal keine anderen Qualifikationen)
Wohlwissend, dass ich nicht ewig als Päd. weiter arbeiten kann und möchte, habe ich nebenbei eine Ausbildung begonnen und im Juni abgeschlossen.
Nun bin ich motiviert und suche im neuen Beruf eine Anstellung, was jedoch nicht einfach ist- es gibt wenig freie Stellen, oft werden auch nur Menschen mit Berufserfahrung bevorzugt eingestellt.
Da ich arbeitslos gemeldet bin, muss ich mich verpflichtend als Pädagogin bewerben, da in dem Bereich Personal immer und überall gesucht wird- da bin ich gerade mit der Zusatzausbildung wirklich noch einmal mehr gefragt und da wird mir hinterhergerannt und ich werde vom AMS mit Pflichtbewerbungen überflutet.
Das Dilemma: ich bin im alten Job krank geworden, ich kann und möchte nicht mehr da hin zurück. Ich hatte schon Bewerbungsgespräche, und ich wollte es versuchen. Als Übergangslösung. Aber mein Körper reagiert sofort stark und sagt mir ganz klar: das nicht mehr.
Ich bewerbe mich für viele Jobs, nicht unbedingt im neu gelernten, nur eben als Pädagogin- das schaff ich nicht. Und bist jetzt hat sich nichts ergeben. (bin seit 2 Monaten wieder "auf dem Markt", davor war ich 3 Monate lang krank gemeldet) Das AMS in Ö wird mir nur irgendwann den Geldhahn zudrehen, weil ich verpflichtet bin, einen Job anzunehmen, der zu meinen Qualifikationen passt.
Gibt es die Möglichkeit, sich speziell für einen Beruf ein Attest ausstellen zu lassen, dass man in dem Bereich arbeitsunfähig ist? Stell ich mir schwierig vor- denn wenn ich psychisch in der Lage bin in einem Beruf zu arbeiten, warum dann denn nicht auch als Pädagogin?
Freue mich über eure Ideen/Meinungen/Erfahrungen
Danke

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Anna-Luisa
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Beitrag Do., 10.09.2020, 19:26

Sun_Shine hat geschrieben: Do., 10.09.2020, 18:52 Gibt es die Möglichkeit, sich speziell für einen Beruf ein Attest ausstellen zu lassen, dass man in dem Bereich arbeitsunfähig ist? Stell ich mir schwierig vor- denn wenn ich psychisch in der Lage bin in einem Beruf zu arbeiten, warum dann denn nicht auch als Pädagogin?
Ja! Du kannst beim Jobcenter den "Betriebsarzt" sprechen. Als Pädagogin bist du in der Regel verpflichtet, die Betreuung, Förderung und Aufsicht für Kinder zu gewährleisten. Wenn du schlüssig erläuterst dies nicht mehr zu können, dürftest du da draußen sein. - Allerdings müsstest du jeden anderen (un)-möglichen Job annehmen, der dir angeboten wird.

Hast du beim Betriebsarzt Erfolg, würde dir auf lange Sicht auch eine Umschulung finanziert werden.
Fordere viel von dir selbst und erwarte wenig von den anderen. So wird dir Ärger erspart bleiben.
(Konfuzius)

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Hiob
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Beitrag Di., 20.10.2020, 17:20

Ja, du kannst dir von einem Arzt bescheinigen lassen, dass du nicht mehr als Pädo arbeiten kannst. Sollte das nicht möglich sein, kannst du dem nächsten Arbeitgeber, der ein Opfer sucht, auch im Gespräch erklären, warum du deine letzte Stelle als Pädo abbrechen musstest.

Ich würd mich einfach auf die neue Stelle im Alternativberuf konzentrieren und das umsetzen. In das alte wird dich niemand zwingen können.

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Regenschild91
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Beitrag Do., 28.01.2021, 09:21

Hi Sunshine

Dieses Problem kenne ich aus meiner Zeit als ich arbeitslos war. Es gibt in meinen Augen zwei Möglichkeiten. Entweder über einen Arzt und das Problem offen ansprechen. Ich könnte mir dabei aber vorstellen, dass es auf wenig Verständnis seitens des Arbeitsamtes stosst. Die zweite Möglichkeit, die ich ebenfalls genutzt habe, ist Bewerbungen nur an Stellen zu senden, die keine neuen Mitarbeiter suchen. Falls du die Arbeitgeber vom Amt vorgegeben bekommst, einfach eine schlechte Bewerbung schreiben ;)
"Psychotherapie ist kein Sinn-Ersatz. Sie ist eine Brücke zwischen Krankheit und Gesundheit, auf der nicht biwakiert, sondern die zügig überschritten werden soll"

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Miss_Understood
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Beitrag Do., 28.01.2021, 10:37

In Deutschland gab/gibt es das. Ich hatte mehrere Jahre neben meiner Freiberuflichkeit im studierten Job eine Festanstellung nebenbei als Callcenteragentin. Als ich mich dann arbeitslos meldete, war ich ziemlich entsetzt zu erfahren, dass man vor dem Amt als DAS zählt, was man zuletzt angestellt gearbeitet hat. (Ich habe dort aufgehört, weil mich das wegen einer Hörerkrankung zu sehr stresste.) Und mir ständig Callcenterjobs vorgelegt wurde auf die ich mich bewerben /musste/. Ich schrieb dann zwar drei, vier, schrieb da aber einfach rein, wie es war: „Mich hat das Jobcenter verpflichtet, diese Bewerbung zu schreiben. Meine letzte Stelle habe ich wegen einer Hörerkrankung aufgegeben.“ Natürlich wurde ich nicht eingeladen. 🤷🏻‍♀️
Nach drei viermal habe ich das dem Jobcenter so gesagt, sie wollten ein Attest, was ich auch bekam - und die Sache war gegessen.
ch-ch-ch-chaaaaaaange

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Wild Mustang
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Beitrag Do., 28.01.2021, 10:48

Die Frage ist halt, dass wenn das so bleibt, also dass du in deinem neuen Beruf einfach keine Stellungen bekommst, was machst du dann?

Und was, wenn du in dem neuen Beruf ebenfalls gesundheitliche Probleme bekommst?

Gruß

Mustang
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candle.
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Beitrag Do., 28.01.2021, 15:55

Regenschild91 hat geschrieben: Do., 28.01.2021, 09:21 Ich könnte mir dabei aber vorstellen, dass es auf wenig Verständnis seitens des Arbeitsamtes stosst.
Naja, warum sollte das Arbeitsamt das tun? Das ist lediglich ein Verwaltungsakt.

Und die anderen: Ich habe festgestellt, dass "man" derart kontrolliert wird mit den Bewerbungen, dass man sich damit auch ein Bein stellen kann, wenn "man" sich offensichtlich "falsch" darstellt und von weiteren Zahlungen erstmal ausgeschlossen wird.

LG candle
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Wild Mustang
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Beitrag Do., 28.01.2021, 16:07

Kannst dich auch mal an den Sozialverband VDK wenden.

Die helfen bei allen Fragen rund um Arbeit, Krankheit, Rente etc.

Gruß

Mustang
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candle.
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Beitrag Do., 28.01.2021, 16:11

Die TE ist ja offenbar aus Österreich, da weiß ich nicht, ob Hinweise aus D da weiterhelfen?

candle
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Wild Mustang
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Beitrag Do., 28.01.2021, 16:18

candle. hat geschrieben: Do., 28.01.2021, 16:11 Die TE ist ja offenbar aus Österreich, da weiß ich nicht, ob Hinweise aus D da weiterhelfen?

candle
Oha, hab ich übersehen. Aber in Österreich kann man z.B. zur Arbeiterkammer gehen. Oder es gibt da vielleicht auch einen Sozialverband oder Beratungsstelle.

Ich wohn an der Grenze und hab drüben auch gearbeitet. Der VDK hat mich auch bzgl Österreich vertreten können.

Gruß

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Malia
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Beitrag Do., 28.01.2021, 18:30

Gibt es die Möglichkeit, sich speziell für einen Beruf ein Attest ausstellen zu lassen, dass man in dem Bereich arbeitsunfähig ist? Stell ich mir schwierig vor- denn wenn ich psychisch in der Lage bin in einem Beruf zu arbeiten, warum dann denn nicht auch als Pädagogin?
Ich durfte, obwohl ich als Krankenschwester ausgebildet und auch in dem Beruf tätig war, eine Umschulung zur Ergotherapeutin machen - aus attestierten gesundheitlichen Gründen (psychisch krank)
Es war nicht einfach, aber ich hab drum gekämpft.
Ich würde an deiner Stelle offen mit der Sachbearbeiterin sprechen.
Vielleicht gibt es auch in Österreich Möglichkeiten.
.

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Charlie Foxtrott
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Beitrag Do., 28.01.2021, 19:11

Hallo Ihr,
wie ist das eigentlich, wenn bspw. ein Überfallopfer in der JVA arbeiten muss oder eben mit der Personengruppe, durch die er/sie getriggert wird? Sozialarbeit oder so? Bei mir ist es so, dass ich nicht dort arbeiten kann, wo ein Überfall (auf mich und eine nahe stehende Person) geschehen ist, wegen dünner Personaldecke aber muss. Ehemaliger Therapeut meinte damals, er schreibt mir was, als es so weit war, hat er nicht reagiert. Und Arbeitsamt meinte nur, interessiert sie nicht und meine Geschichte sei doch gar nicht wahr und so was passiere doch gar nicht.

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candle.
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Beitrag Do., 28.01.2021, 19:47

Charlie Foxtrott hat geschrieben: Do., 28.01.2021, 19:11 Ehemaliger Therapeut meinte damals, er schreibt mir was, als es so weit war, hat er nicht reagiert. Und Arbeitsamt meinte nur, interessiert sie nicht und meine Geschichte sei doch gar nicht wahr und so was passiere doch gar nicht.
Gibt es denn keine Akte dazu bzw. Gerichtsverhandlung? Ich würde es mal probieren mit dem Attest oder ich weiß nicht, ob du innerhalb dessen (Firma) einen anderen Arbeitsplatz bekommen kannst?

Manchmal weiß ich auch nicht, und das meine ich gar nicht mal böse, in welcher Welt manche Therapeuten leben, dass sie manche Lebensereignisse nicht glauben oder verstehen. Ansonsten: :trost: Ich bin auch mal an meinem Arbeitsplatz überfallen worden. Zum Glück hat das keine Spuren hinterlassen.

LG candle
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Charlie Foxtrott
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Beitrag Do., 28.01.2021, 20:21

Danke für Deine Solidarität, gebe ich hiermit gern an alle Betroffenen weiter! Über meine Sache gibt es keine Akte, wurde damals massiv unter Druck gesetzt und habe daher keine Anzeige erstattet. Über den anderen Geschädigten gibt es ein Gerichtsurteil/Pressebelege etc. Passiert ist es also. Nur schlimm finden darf ich es nach Ansicht mancher Leute nicht. Dass es laut ehemaligem Thera angeblich nicht geschehen ist, könnte m.E. an Stigmatisierung von Angehörigen psychisch Kranker liegen. 1 Schizophrener in der Familie heisst ja nicht, alle schizo und wenn, auch die können Gewalt erleben.
@Arbeitgeber: meinte nur, ich wär zu blöd, mich durchzusetzen. Arbeitsamt sagte: Na, dann nehmen Sie es doch nicht mit nach Hause, sind Sie vielleicht empfindlich.

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candle.
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Beitrag Do., 28.01.2021, 20:28

Was hat denn jetzt eigentlich das Arbeitsamt mit dir zu tun?

LG candle
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