Zwischen Liebe und Neid

Nicht jedem fällt es leicht, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten, "einfach" mal jemanden kennenzulernen oder sich in Gruppen selbstsicher zu verhalten. Hier können Sie Erfahrungen dazu (sowie auch allgemein zum Thema "Selbstsicherheit") austauschen.
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wildeskeks
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Zwischen Liebe und Neid

Beitrag Sa., 27.07.2019, 15:20

Hallo zusammen,

mir ist vor einigen Wochen etwas passiert, dass eigentlich ja viel Freude machen sollte: ich habe jemanden kennen gelernt und mich verliebt. Jetzt wird sich so mancher bzw manche Fragen "was ist dein Problem?" - berechtigte Frage.
Ich beginne mal von vorne. Ich habe in der Firma, in der ich arbeite, jemanden kennen gelernt. Ich arbeite noch nicht lange dort und ich habe normalerweise auch das Motto "never f*** the company" - doch dieser Mensch ist irgendwie anders. Er gefällt mir und ich bin gerne mit ihm zusammen. Ich finde man merkt auch durch stressige Situationen und teilweise gemeinsamen Projekten, dass man selbst in diesen Momenten gut zusammen passt. Er gefällt mir einfach. Optisch entspricht er nicht meinem normalen Beuteschema, aber trotzdem gefällt er mir wirklich gut. Er hat eine Art, die mir wirklich zusagt.
Jetzt kommt der unangenehme Teil. Er ist etwa 5 Jahre älter als ich und wesentlich erfolgreicher. Er arbeitet in der selben Branche, in jedoch einer anderen Spezialisierung. Er hat jedoch wesentlich mehr Erfolg im Berufsleben als ich. Er hatte es auch immer beruflich und ausbildungstechnisch etwas leichter, was ich aus Erzählungen von ihm mitbekomme. Das Leben hat ihm aber teilweise übler mitgespielt als mir.
Trotzdem kommt bei mir eine Art Neid und Angst hoch. Ich fühle mich richtig schlecht neben ihm, als wäre meine Leistung nichts wert. Es entstehen daraus keine Projekte oder Konzepte wie bei ihm, die ich an Firmen verkaufen kann. Ich empfinde mich da selbst als schwach und unfähig. Er bietet mir zwar seine Hilfe an, aber die will ich wiederum nicht annehmen, weil es dann - so in meinem Kopf - nicht mehr meine Leistung ist, sondern schon wieder die seinige.

Es ist mir bewusst, dass dies unter anderem ein Problem mit meinem Selbstwertgefühl ist, aber ich weiß nicht wie und ob ich das los werden kann oder wie ich damit umgehen soll. Ich habe die Befürchtung, immer als die dumme, kleine Frau neben ihm dazustehen. Und nebenbei beunruhigt mich, dass ich nicht weiß, wo die Prioritäten bei ihm liegen. Er sagt mir zwar, dass Beruf und Ausbildung niemals vorgehen würden, aber ich habe so ein schlechtes Gefühl dabei, was ich bisher nicht los wurde.

Dazu muss man allerdings auch erwähnen, dass ich bereits vor einigen Jahren eine Beziehung beendete, die sehr schädlich für mich war und sehr schlecht ausging. Es endete damit, dass ich das Vertrauen zu fast allen Menschen verlor. Ich misstraue mir bzw meinem Urteilsvermögen oftmals selbst, was es nicht einfacher macht zu eruieren, was mein Gegenüber nun wirklich will, meint oder denkt.

Auf der anderen Seite sagt er mir oft, dass er mich liebt, dass er selbst meine paar überschüssigen Pfündchen liebt, die ich immer an mir kritisiere, und schon lange nach einer Frau wie mir gesucht hat und mich nicht mehr los lassen will. Wenn ich ihm sage, wie es mir geht, versucht er mich zwar zu beschwichtigen, allerdings tut er dass, indem er sagt, dass ich halt einfach Leistung bringen müsse, damit Ergebnisse da wären. Das kränkt mich dann wieder zutiefst, weil das mich hinstellt, als wäre ich faul und würde keine Leistung abgeben, dabei gebe ich immer alles und tue auch viel für meine berufliche Weiterbildung im Privaten. Ich habe nur leider keine beruflich interessanten Kontakte, kenne nicht so viele Menschen aus dieser Branche und hatte auch nicht das Glück, dass er bisher in seiner Laufbahn hatte.

Ich fühle mich einfach verloren zwischen meinen Gefühlen. Die eine Seite liebt ihn, die andere zeigt offen Neid und Missgunst, wofür ich mich wieder selbst hasse, weil mir das sonst auch nicht passiert ist bisher. Nur weil er mir wichtig ist, will ich nicht unter ihm stehen, sondern auf Augenhöhe.

Habt ihr Erfahrung mit so einer Situation? Ist mein Empfinden normal und kann diese Beziehung niemals gut gehen? Oder kann und sollte man daran arbeiten, anders zu empfinden? Und wenn ja, wie stelle ich das an?

Liebe Grüße,
wildeskeks


Candykills
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Beitrag Sa., 27.07.2019, 18:31

Keine Ahnung, wie du das in den Griff bekommst, ich kann's nicht wirklich nachvollziehen. Bei uns ist es auch so, dass meine Freundin Karriere macht, die ich aus Krankheitsgründen nicht machen kann. Das ist halt so. Ich fühle mich deswegen nicht minderwert, als sie. Ich bringe auch meine Leistung, aber eben nicht im Beruf, sondern im Alltag. Ich mache den Haushalt, kümmere mich ums Essen und Einkauf. Bald kommt unser Kind, um dass ich mich dann kümmere.

Das Leben spielt nicht jedem gleich mit. Sie hatte auch viel Glück und ein super Leben bis dato, das freut mich einfach für sie.

Ich schätze Neid ist etwas, was auch teilweise angeboren ist. Dir wird nix übrigbleiben, als deine Gefühle und dein Verhalten zu reflektieren, immer wieder.
"Aber ich wusste von Anfang an, dass die Arbeit mit Schizophrenen bedeutete, das Rätsel zu studieren, ein Mensch zu sein und seinen Verstand verlieren zu können". (Christopher Bollas)

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Miss_Understood
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Beitrag Sa., 27.07.2019, 19:52

Hey wildeskeks (super nickname!) - eigentlich schön, schreibst du ja auch. :-)

Also: das Problem steckt wie du ja auch erkennst in deinem Selbstwert. Ich glaube, du machst das schon ganz richtig - dass du kritisch bleibst, ihm und dir gegenüber und ich würde dir schon raten, auch jedes 'Hilfsangebot' im Einzelnen zu prüfen, ob das okay geht. Ich hatte auch mal eine Phase in der ich ALLE Hilfsangebote schroff zurückwies, das ist dann auch nicht wirklich zum Weiterkommen sinnvoll. Ich würde /schon/ jene zurückweisen, die er 'aus Beziehungsgründen' macht - und jene nicht, die dir einen inhaltlichen und auch netzwerktechnischen Vorteil bieten. Ich hatte mit einem Partner mit dem ich (das allerdings selbständig) zusammengearbeitet habe damals etwas übertrieben mit der beruflichen Distanz (okay, da spielte mir meine Beziehungsangst quer), aber was wir gut hinbekamen, war das darüber reden und selbst Regeln festlegen.

Letztendlich kann ein Partner in der gleichen Branche einem durchaus Türen öffnen - ABER 1. durchgehen und 2. überzeugen muss man dann schon selber. Womöglich meinte er auch das?

Dein Partner ist ja nun mal auch 5 Jahre länger im Job und das macht schon was aus. Willst du denn da auch hin? WAS hinderte dich dann genau ihn auch als Mentor zu betrachten? Ja, das KANN sich dann anfühlen wie 'nicht auf Augenhöhe' - aber das ist ja nicht ALLES in der Beziehung, sondern nur EIN Bereich - oder? Womit gleicht sich das denn aus?

Mein damaliger Freund beneidete mich zb auf eine gewisse Weise um mein Studium - OBWOHL er deutlich mehr verdiente in seinem vorherigen Job, bevor wir uns ja gemeinsam selbständig machten. OBWOHL sein Wissen absolut dem eines diplomierten Menschen gleich kam, da sah eigentlich keiner einen Unterschied, er hatte halt bloß kein Papier auf dem 'Diplom' stand.
:!!: :!!: :!!:

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Schnuckmuck
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Beitrag So., 28.07.2019, 07:23

Wieso definierst du dich nur mit Leistung?
Ihn auch!
Es gibt doch weitaus mehr Seiten an einem Menschen als Leistung.

Es gibt immer jemanden der besser ist als man selber, es gibt aber auch jemanden der nicht so gut ist wie man selber. Das ist nunmal so.

Dass du mitbekommen hast, dass er es im Leben nicht immer leichthatge, im Berufsleben aber schon, würde ich nicht so sehen. Er hat Erfolgsdruck. Das ist sicher nicht immer angenehm. Alles hat zwei Seiten. Auch Erfolg

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rainyday
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Beitrag So., 28.07.2019, 14:59

Hallo wildeskeks,

was würde denn dabei rauskommen, wenn du dich mal nicht vergleichst, sondern nur deinen eigenen Maßstab anlegst? Also:
Was denkst du, zu wieviel % du deine Aufgabenbeschreibung erfüllst?
Wie zufrieden ist der Chef mit dir?
Was genau möchtest du im Leben?
Bist du vielleicht ein bisschen perfektionistisch?

Ich denke, man sollte arbeiten um zu leben, nicht umgekehrt.

LG Rainy
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Beitrag So., 28.07.2019, 15:45

wildeskeks hat geschrieben:
Sa., 27.07.2019, 15:20
Habt ihr Erfahrung mit so einer Situation? Ist mein Empfinden normal und kann diese Beziehung niemals gut gehen? Oder kann und sollte man daran arbeiten, anders zu empfinden? Und wenn ja, wie stelle ich das an?
Es ist eben die Frage, ob man es sinnvoll findet, sich in dieser Art mit anderen Menschen zu vergleichen und dann den Fokus so krass auf das zu legen, was man nicht hat und das ungerecht zu finden.

Natürlich wäre es sinnvoller sich darauf zu konzentrieren, was man erreicht hat.

Und dann im 2. Schritt darauf zu konzentrieren, was man realistischerweise erreichen kann und will. Und seine Energie dann in die ersten Minischritte zu stecken, die man sich für diesen Weg überlegt hat.

Und man könnte an seinem Selbstwertgefühl arbeiten. Da gibt's ja wahrscheinlich auch Millionen Ratgeber.

Als dumme, kleine Frau siehst du dich ja hauptsächlich selbst. Warum?
"You cannot find peace by avoiding life."
Virginia Woolf

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Fairness
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Beitrag Mo., 29.07.2019, 12:46

wildeskeks hat geschrieben:
Sa., 27.07.2019, 15:20
Nur weil er mir wichtig ist, will ich nicht unter ihm stehen, sondern auf Augenhöhe.
Woher kommt bei dir dieser Gedanke, dass du unter ihm stehst? Neid und Missgunst klingen für mich im Allgemeinen nach einem Wunsch nach mehr Kontrolle, weniger nach Augenhöhe. :neutral: Könnte es sein, dass du Angst hast, dass er dich verlassen könnte?
Wenn ich mir etwas wünschen könnte, wäre das die Offenheit... gerade, wenn es bekannt zu sein scheint.
🌟


theweirdeffekt
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Beitrag Mo., 29.07.2019, 14:40

Ich denke er kann gar nicht richtig antworten. Wiederspricht er dir, dann glaubst du ihm nicht, sagt er dir du sollst mehr leisten unterstellst du ihm, er würde denken du wärst faul (was er wahrscheinlich nicht tut). Der liebt dich. Was genau macht dich denn abgesehen von der Leistung am Arbeitsplatz wertvoll? Was sind deine Stärken etc. Und warum stehst du deinem eigenen Glück so im Weg?

Alles Gute
Kopf hoch... Sonst kannst du die Sterne nicht sehen

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wildeskeks
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Beitrag Di., 30.07.2019, 17:17

Hallo zusammen,

wow, das sind richtig viele Antworten geworden. Danke schonmal dafür.

Vorab vielleicht ein paar Dinge: ich finde es schrecklich, wenn ich ihn aus diesem Winkel betrachte. Wäre dem nicht so, würde ich hier kaum einen Beitrag schreiben und versuchen, herauszufinden, was mich denn so stört an ihm.
Ich hab ihn wirklich immens lieb gewonnen, aber wir sehen uns beide noch nicht so fix zusammen. Also habe ich keine Angst ihn zu verlieren. Es wäre schade, das auf jeden Fall, aber wenn es nicht sein soll, dann eben nicht. Man kann da nichts erzwingen, muss dem Zeit geben und sehen wie es sich entwickelt. Da mach ich keinen Druck.

Ich hatte bis jetzt mal Zeit darüber nachzudenken und es fiel mir auf, dass das sehr viel mit meinem Umfeld und mit meiner Jugend zu tun hat. Als Kind kannte ich solche Gefühle nicht, es hat mich auch nicht interessiert, was der Rest um mich herum tut. Aber in meiner doch schweren Jugend war es nicht immer einfach. Ich hatte nur Leute um mich herum, die mir sagen, was ich alles nicht kann. Es spornte mich an, dann nur umso mehr Energie rein zu stecken. Daraus entwickelte sich mein Perfektionsdrang schätze ich.

Ich bin, ein bodenständiger Mensch mit guten Werten. Das kann ich so sagen, weil ich sehr oft schon für etwas eingestanden bin, wo mir keiner half, teilweise schon für andere. Und dafür habe ich auch so manches einstecken müssen. Ich bemühe mich wirklich ein guter Mensch zu sein, aber es sehen eben nur selten andere. Ich erzähle auch nicht jedem von irgendwelchen guten Taten. Das behalte ich für mich und freue mich, wenn sich über die Geste oder den Gefallen ein anderer freut. Aber leider definiert die Gesellschaft einen Menschen oftmals über die Leistung. Und das macht mir sehr oft zu schaffen.

Ich finde dann einen Weg, mit mir selbst zufrieden zu sein. An diesen Ort im Herz kommt sonst niemand ran. Außer er. Er dackelt da an und bringt da Hektik und Stress rein und zerstört so meinen heiligen Ort. Ich weiß nicht, wie ich das besser erklären könnte - ich hoffe mal, ihr versteht was ich meine. Einerseits tut er mir gut - Liebe ist ja etwas wunderschönes. Aber er bringt mich so dermaßen aus meinem Gleichgewicht und ich verstehe nicht warum.

Er hat auch Erfolgsdruck, den er aus Ereignissen aus der Vergangenheit aufgebaut hat. Ich habe es heute wieder gemerkt. Er ist teilweise enorm gestresst. Das färbt dann auf mich und meine Kollegen ab und macht die Sache nicht einfacher. Er lässt sich dann auch nicht beruhigen oder bestätigen. Er steigt dann nur noch.

Das mit seinem Können und meinem Können, beziehungsweise persönlichen Stärken ist so eine Sache: wir haben gemeinsame Interessen, aber bei fast allem weiß er mehr, kennt er mehr, ist mir um Jahre voraus. Ich habe einfach nichts, worüber ich mich bei ihm definieren kann und ihn ergänzen kann. Komme mir daher auch eher wie ein Klotz am Bein als eine Bereicherung vor. Ich weiß, dass er das nicht so sieht. Nur verstehe ich nicht warum. Und er kann mir auf diese Frage auch keine Antwort geben. Das irritiert mich doch schwer. Und hinzu kommt, dass ich mich dann nicht wohl fühle. Ich muss alles an mir hinterfragen: aus Selbstzweifel heraus meine Entscheidungen und meinen Lebensweg, aus der argwöhnischen Reaktion ihm gegenüber heraus mich und meine Wertvorstellungen und ob ich ungerecht bin oder ob ich auch eine Reaktion haben darf.

Mir dröhnt von dem ganzen Nachdenken schon immens der Kopf und ich weiß einfach nicht wie ich das bewerkstelligen soll. Ich habe auch mit ihm geredet, aber er tut sich da eben leichter. Er steht nicht auf der Stufe. Er findet auch nichts worin ich besser wäre oder zumindest gleich gut. Außer im mich selbst kritisieren.

Bin echt verzweifelt. Ich will ihm das nicht antun, weil er es nicht verdient hat. Aber ich werde dieses beschissene Gefühl nicht los und es arbeitet total in mir. Mir kommt auch irgendwie vor, ich stünde ganz alleine da mit dem Gefühl ... :cry:

Was würdet ihr mir raten was ich tun sollte? Wie kann ich das Problem gut angehen? Gibt es jemanden der damit Erfahrung hat und weiß wie man das bekämpfen kann?

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rainyday
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Beitrag Di., 30.07.2019, 21:16

wildeskeks hat geschrieben:
Di., 30.07.2019, 17:17

Er hat auch Erfolgsdruck, den er aus Ereignissen aus der Vergangenheit aufgebaut hat. ·[...]
Komme mir daher auch eher wie ein Klotz am Bein als eine Bereicherung vor. Ich weiß, dass er das nicht so sieht. Nur verstehe ich nicht warum. Und er kann mir auf diese Frage auch keine Antwort geben.
Als ich unter Erfolgsdruck stand und immer latent ein Gefühl von Inkompetenz mit mir herumtrug, habe ich mich dabei ertappt, über das Versagen anderer erleichtert zu sein. Ich will damit sagen: wenn du etwas besser könntest als er, würde das ggf. Druck für ihn aufbauen, dich übertreffen zu "müssen". Solange ihm keiner das Wasser reichen kann, ist er auf der "sicheren Seite".
Und: ist er denn glücklich damit, überall perfekt sein zu müssen? Was geschähe mit seinem Selbstwert, wenn er von heute auf morgen seinen Beruf nicht mehr ausüben könnte? Würde dann sein Selbstwert evtl. gnadenlos in den Keller rauschen? Ist er wirklich so beneidenswert, wenn du hinter die Fassade schaust? Wird er das Pensum dauerhaft aufrecht erhalten können ohne seiner Gesundheit zu schaden?
Er findet auch nichts worin ich besser wäre oder zumindest gleich gut. Außer im mich selbst kritisieren.
Na, da kann er sich ja mal 'ne fette Scheibe abschneiden! :lol:

Versuch' es mal mit: "Danke, dass du mir meinen Schachpunkt spiegelst."
Letztlich ist es doch egal, wer worin der Beste ist. Die Frage ist: wozu? Wem nützt es, wenn er eine Goldmedaille im Schwimmen abgreift wobei er doch viel lieber Gärtner geworden wäre?
Was ist deine Lebensaufgabe, was willst du selbst? Wenn du das weißt, ist es egal ob dein Mann Prof. Dr. Dr. mit 80 Pokalen und Medaillen im Schrank ist oder Kundenberater bei IKEA. Wie heißt es so schön: "Liebe dich selbst und es ist egal, wen du heiratest" (nicht, dass ich es je gelesen hätte...)

Liebe Grüße
rainy
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Beitrag Mi., 07.08.2019, 11:02

Hallo,

eine späte Antwort aber immerhin. Ich möchte das hier nur festhalten, falls jemand mal am selben Punkt wie ich stehen sollte und nach Antworten sucht.
Ich bin dahinter gekommen, was nicht stimmt. Von Anfang an lief es so, dass ich mich so oft wie nur möglich mit ihm treffen wollte - verständlich, ich war ja auch verliebt. Er jedoch nicht. Er stellte jedes Mal Kleinigkeiten vor: einen Server updaten, ein Skript anpassen, etc... alles Dinge die nicht lange dauern oder ihm ohnehin nicht davon laufen. Alles private Dinge, die nicht wichtig genug sein sollten und wie gesagt eh kein riesiger Aufwand (laut seiner eigenen Aussage) sind.
Auf meine Versuche hin, wenigstens telefonisch am Abend diese Konflikte zu lösen, vertröstete er mich immer auf den nächsten Tag. Schon eigenartig, weil mir sowas unter den Nägeln brennt und mich nicht schlafen lässt und er kann seelenruhig zu Bett gehen. Dann kommt die Ausrede, dass er nicht so lange in der Firma bleiben kann, weil er weniger Stunden als ich hat und er sonst zu viele Stunden zusammen bekommt. Aber er kam nicht auf die Idee, dann wenigstens am Ende meiner Arbeitszeit vorbei zu schauen oder sich einfach kurz in der Garage für 10 Minuten zu treffen.
Langsam kommen wir der Sache näher. Er sagte dann noch er müsse die Arbeit ohnehin für sein Studium reduzieren und wenn dann noch Zeit bleibt könnten wir diese ja gerne zusammen verbringen. Da wusste ich was mich so stört: ich wies ihm den Stellenwert zu, den ein Partner haben sollte - war ja verliebt und nichts war mir wichtiger. Immerhin kündigt sich eine Liebe nicht an und man kann sein Leben danach umstellen - nein man ist zack verliebt und man tut alles um mit dem Menschen Zeit zu verbringen, ohne Aufforderung - einfach weil man das selbst so will. Das tut er jedoch nicht. Alleine der Satz oben zeigt, was mich immer störte. Er schiebt alles vor mich, weswegen ich ihm auch die Freude und Erfolge an der Arbeit nicht gönnte. Ich tue das ja auch bei sonst niemanden, nur bei ihm. Und jetzt weiß ich endlich wieso.

Ich habe ihm gesagt, dass er bereits in einer Beziehung mit sich selbst und seiner Arbeit ist und ich keine Lust habe, zweite, dritte oder letzte Geige zu spielen weil in meinen Augen, und zwar gerade am Anfang, wo man noch frisch verliebt ist, eigentlich der Partner automatisch die Hauptrolle einnehmen sollte. Das wird eh weniger wenn man mal einen gemeinsamen Trott entwickelt, aber wenn das schon am Anfang so ist, kann das niemals gut gehen. Aber Fakt ist, dass es eigentlich schon traurig ist, dass ich sowas von ihm verlangen müsste und das nicht von ihm selbst kommt. Er sollte das selbst wollen und sich selbst bemühen, jede freie Minute mit mir verbringen zu können, wenn er denn schon so verliebt ist. Aber das tut er nicht und damit ist die Geschichte für mich nun gegessen.

Ich hoffe, das hilft wenigstens jemanden weiter, der/die vielleicht in einer ähnlichen Lage steckt und an sich selbst zweifelt.

LG wildeskeks

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Beitrag Mi., 07.08.2019, 16:30

Oh wildeskeks,

das war ja nun kein schöner Groschen, aber gut, dass er gefallen ist!
Und gut für dich, dass du die Konsequenzen ziehen konntest.

Alles Gute für dich!
LG rainy
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