Ständige Angst vor negativer Bewertung

Nicht jedem fällt es leicht, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten, "einfach" mal jemanden kennenzulernen oder sich in Gruppen selbstsicher zu verhalten. Hier können Sie Erfahrungen dazu (sowie auch allgemein zum Thema "Selbstsicherheit") austauschen.
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Mind20
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Re: Ständige Angst vor negativer Bewertung

Beitrag Do., 08.10.2020, 10:28

Hallo!
Bei mir ist auch so. Ich mache oft Gedanken darüber, was die Anderen von mir halten. Das hat für mich aber viele Grenzen aufgebaut. Deshalb versuche ich seit einem halben Jahr wenigen über die Meinung von den Anderen nachzudenken. Einen positiven Effekt habe ich in Wirklichkeit auf meinem psychischen Zustand bemerkt. Allerdings gilt es, dass die Menschen, die mich wahrnehmen und mich richtig kennen, werden nichts Schlechtes an mich denken.

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Montana
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Beitrag Do., 08.10.2020, 12:27

Mind20 hat geschrieben:
Do., 08.10.2020, 10:28
Allerdings gilt es, dass die Menschen, die mich wahrnehmen und mich richtig kennen, werden nichts Schlechtes an mich denken.
Es ist gut, wenn du das so sehen kannst. Du hast also mehr Angst vor dem Überbewerten von Äußerlichkeiten, richtig? Und wer dich besser kennt, der bewertet ganz anders. Find ich super.

Bei mir ist es genau andersrum. Wer mich sieht, der denkt sich vielleicht: ja, ok, sieht ganz nett aus. Schlankes blondes Mädel, passt. Aber wer mich näher kennenlernt, der lernt meine schlechten Seiten kennen. Außen hui, innen pfui sozusagen, auch wenn ich jetzt nicht toll aussehe, sondern normal. Ich hab halt keine auffälligen optischen "Problemzonen" im Sinne von Übergewicht oder Segelohren oder einer riesigen Nase oder so. Wer mich nur sieht, der vergisst mich sofort wieder (was ich gut finde). Aber wenn ich Leuten ein zweites Mal begegne oder gar regelmäßig, dann bekomme ich Probleme.

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shoutinglisa
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Beitrag Fr., 09.10.2020, 14:16

Montana hat geschrieben:
Do., 08.10.2020, 12:27

Es ist gut, wenn du das so sehen kannst. Du hast also mehr Angst vor dem Überbewerten von Äußerlichkeiten, richtig? Und wer dich besser kennt, der bewertet ganz anders. Find ich super.
Ich wünschte das wäre bei mir auch so. Ich finde mich äußerlich und innerlich scheußlich.
Wenn Freunde fragen ob wir was unternehmen, dann denke ich immer sie wollen doch gar nichts mit mir machen. Ich bin einfach so sterbenslangweilig.
Natürlich, wenn sie auch so denken würden, würden sie mich nicht fragen, aber ich bekomme den Gedanken einfach nicht los.

Jetzt ist es zusätzlich so, dass ich bei dem Therapeuten noch nicht so lange bin. Ich finde ihn sehr kompetent und auch nett und kann mit ihm auch gut reden und lachen, allerdings trauere ich irgendwie meiner letzten Therapeutin hinterher, bei der ich abgebrochen habe. Sie hat mich irgendwie auf einer ganz anderen Ebene berührt, irgendwie emotionaler. Es ging mehr darum wie ich mich fühle, zu lernen Gefühle überhaupt zu benennen. Bei meinem jetzigen Thera läuft es eher wie in einer Verhaltenstherapie (ist aber keine).
Ich weiß nicht ob ich wieder zu meiner alten Therapeutin zurück soll oder ob das eventuell die rosarote Rückblickbrille ist, die mich da was anderes wahrnehmen lässt?

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chrysokoll
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Beitrag Fr., 09.10.2020, 16:06

warum hast du denn die letzte Therapie abgebrochen (also nur wenn du das hier schreiben magst) ?

So Therapeutenhopping ist nie gut, es ist schon sinnvoll bei einem Therapeuten zu bleiben, grade wenn du ihn als gut und kompetent empfindest.
Und ja, er hat recht, so hart das ist: Diese Dinge dauern
Du kannst nur intensiv dran arbeiten, da ist eine Form von Verhaltenstherapie gar nicht so schlecht

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shoutinglisa
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Beitrag Fr., 09.10.2020, 16:52

chrysokoll hat geschrieben:
Fr., 09.10.2020, 16:06
warum hast du denn die letzte Therapie abgebrochen (also nur wenn du das hier schreiben magst) ?
Wie soll ich sagen, ich war da in einer Situation in der mein Studium (technisches) grade in der Hochphase war. Für mich war es die erste Therapie, das erste Mal dass ich überhaupt jemandem irgendwas erzählt habe. Mich hat das ganze so aufgewühlt, dass ich mich auch während der Stunden damit beschäftigt habe. Es ging dann einfach nicht anders, da ich auch beim Lernen immer abschweifte.


Aber wie hör ich auf ihr hinterherzutrauern? Sie hatte irgendwie so feine Antennen für jede Regung, merkte sofort wo sie nachfragen muss.

Mein jetziger thera ist da eben bisschen anders. Er deutet schon oft Dinge falsch und wenn ich sie richtig stelle, passts natürlich wieder. Ich weiß nicht, manchmal hab ich das Gefühl so alle Themen die ich bespreche versteht er nicht so ganz.
Und da kommt wieder mein Problem zum Tragen, der mag mich sicher nicht, der denkt ich bin dumm etc...

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chrysokoll
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Beitrag Fr., 09.10.2020, 20:26

ja, das kenn ich durchaus, ich denke auch oft die Therapeutin KANN mich gar nicht mögen etc.
Aber sie schafft es immer wieder mir zu vermitteln dass sie gern mit mir arbeitet
Und mir hilft es immer mal wieder mir zu sagen "egal, ich geh da jetzt hin, das ist ihr Job"
Klingt grob, aber mir hilft das manchmal so.

Und vielleicht hilft es dir auch dir zu sagen dass das jetzt deine Therapie ist, dass du dich dafür entschieden hast und du das jetzt machst.
Es kann auch eine Form von ausweichen, sich nicht einlassen sein immer heimlich von einer anderen Therapie, einer anderen Therapeutin zu träumen. Verstehst du was ich meine?

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shoutinglisa
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Beitrag So., 11.10.2020, 22:56

chrysokoll hat geschrieben:
Fr., 09.10.2020, 20:26
Es kann auch eine Form von ausweichen, sich nicht einlassen sein immer heimlich von einer anderen Therapie, einer anderen Therapeutin zu träumen. Verstehst du was ich meine?
Ja ich versteh was du meinst und das ist sicher auch irgendwo der Punkt.
Aber ich denke der Hauptaspekt ist, dass ich Angst habe die falsche wahl getroffen zu haben. Dass ich mit der Therapeutin auf der richtigen Wellenlänge war und sie mir vor allem beim Thema Gefühle besser helfen hätte können. Ach ich weiß auch nicht, es ist so eine Verfahrene Situation

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rainman33
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Beitrag Mi., 14.10.2020, 00:43

shoutinglisa hat geschrieben:
Di., 06.10.2020, 18:36
Hallo an alle,

Eine Frage ist bei mir ständig präsent. Was denken andere über mich?
Hallo,

ich möchte dazu auch ein paar Zeilen schreiben, da ich mit diesem Problem spätestens seit dem frühen Erwachsenenalter kämpfe. Und ich kann aus meiner eigenen Lebenserfahrung nur bestätigen, was hier teilweise schon angeschnitten wurde. Menschen, die sich in der Öffentlichkeit ständig beobachtet fühlen, sich kritisiert und ausgeschlossen fühlen, Probleme damit haben, sich vor anderen (vor allen fremden) Menschen zu äußern, egal auf welcher Ebene, leiden so gut wie immer an einer tiefen Selbstwert- und Identitätproblematik, die aus meiner Sicht auch relativ langfristig aufzuarbeiten ist.

Denn das Problem dabei ist: Je tiefer verwurzelt und komplexer so eine Selbstwertproblematik ist (vor allem, wenn sie psychotherapeutisch noch nie richtig bearbeitet wurde), desto mehr neigen solche Menschen ihre tiefen Unwertgefühle, Schuldgefühle, diesbezügliche Ängste (alles natürlich auf unbewusster Ebene) auf die Außenwelt zu projizieren, weil das einfach ein natürlicher Schutzmechanismus unserer Psyche ist (nach dem Motto: alles was unangenehm und kompliziert ist, lieber externalisieren, weil dann kann es in uns (vermeintlich) weniger Schaden anrichten).

D.h. es es ist zunächst mal wichtig, zu realisieren, dass es nicht die anderen sind, die das Problem darstellen, sondern deine (vermutlich völlig verzerrte und negative) Selbstwahrnehmung und (vermutlich auch kognitiv) soziale Einordnung. Je mehr sich ein Mensch selbst nicht widerspruchsfrei und positiv akzeptieren kann, desto mehr wird er das in der äußeren Realität (natürlich vor allem dort, wo das am leichtesten möglich ist, also bei fremden oder wenig vertrauten Menschen) wiedergespiegelt bekommen.

Ich selbst kämpfe bis heute (obwohl ich mehrere Therapien gemacht hab) immer noch bis zu einem gewissen Grad damit, dass ich das Gefühl hab, dass mich andere Menschen nicht mögen, seltsam finden, dass ich nicht attraktiv genug bin (vor allem natürlich in Bezug auf Frauen), usw. Das sind alles nichts als Krankheitssymptome..

Und daher kann ich ebenfalls nur sagen, dass es für dich extrem wichtig wäre, dich im Rahmen der Psychotherapie mit dir selbst, deinen wahren Gefühlen, Bedürfnissen und Ängsten, und vor allem deiner verzerrten Selbstwahrnehmung auseinanderzusetzen, und zwar nicht auf der Ebene, wer du vermeintlich sein solltest, sondern wer du tatsächlich bist (mit all deinen Eigenheiten, Besonderheiten, Schwächen, usw.) bzw. wer du u.U. gerne sein möchtest (oft sind nämlich auch überhöhte Vorstellungen von einem zu sehr idealisierten Selbstbild die Ursache, dass man für sich selbst quasi ständig nur als Versager gelten kann, da diese idealisierten Anforderungen an sich selbst oft zu übertrieben sind, so nach dem Motto: Erst wenn ich dies oder jenes im Leben erreiche, kann ich wirklich wichtig und wertvoll sein!)..

In der Psychotherapie geht es ja schließlich nicht darum (ganz vereinfach ausgedrückt), eine perfekte Selbstwahrnehmung zu entwickeln (und schon gar nicht, eine bestimmte Art von sozialer Anpassung zu erlernen), sondern viel mehr darum zu lernen (im Sinne einer natürlichen Selbstliebe und wertfreien Selbstwahrnehmung), dass es völlig legitim und normal ist, als Mensch mit Ecken und Kanten akzeptiert, geliebt und anerkannt zu werden. Erst wenn deine Psyche das auf einer grundlegenden Ebene akzeptiert und realisiert hat, wirst du merken, dass du andere Leute weder dazu brauchst, deine eigene vermeintliche Unzulänglichkeit widerzuspiegeln, noch dazu, deinen eigenen Wert zu bestätigen (also dadurch quasi zu sehr von sozialen Bindungen abhängig zu sein)..

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Montana
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Beitrag Mi., 14.10.2020, 11:29

Ein schönes Beispiel, finde ich, sind die kleinen "Makel" die einem besonders in Erinnerung bleiben, wenn man Menschen neu kennenlernt. In einer neu zusammengewürfelten Gruppe normal aussehender Leute fällt vielleicht einer mit kleiner Zahnlücke so auf, dass man sich dessen Namen als ersten merken kann. Und mit der Zeit, wenn man den Menschen mag, ändern sich die Assoziationen zu Zahnlücken. Sie werden positiver.
Und genau darum finde ich es absurd, ein Ideal anzustreben. Mein Mann sagt immer: "besser ist gut, das nehm ich". Aber ideal ist viel zu viel. Nicht nur unerreichbar, sondern bei genauerer Betrachtung überhaupt nicht wünschenswert!

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Beitrag Di., 20.10.2020, 16:19

Er meint auch immer wieder, dass ich vorerst mal akzeptieren muss, dass es diese Gedanken gibt. Und dass ich nicht immer darüber nachdenken soll wieso andere Leute damit anscheinend kein Problem haben. Jeder Mensch ist verschieden und geht auch verschieden mit Diversen Situationen um.
Naja das Thema ist jetzt auch noch nicht so lange in Bearbeitung (dadurch dass zuerst mein Essverhalten bisschen reguliert wurde - aber da besteht ja ein Kausalzusammenhang). Das Problem das jetzt zusätzlich hinzukommt ist, dass es mir wahnsinnig schwer fällt überhaupt noch zu den Therastunden zu gehen. Nicht nur die Anfahrt (mit der U-Bahn), sondern auch das sitzen dort, das reden, die Blicke sind ganz schwer zu ertragen. Egal was ich sage, wie ich es sage, wie ich da sitze, wie ich ausschaue, das alles ist einfach falsch bei mir.
Hallo an euch alle,

ich bin neu hier im Forum und lese mich eben in die spanneden Themen hier ein. Zu diesem Thread würde ich gerne sagen, dass wie du das so gut formuliert hast, es tatsächlich schwerwiegende Auswirkungen geben kann, wenn man sich zunehmend ausgeschlossen fühlt. Es hat meiner Meinung nach wirklich nur den Anschein, dass andere kein Problem damit haben. Ich denke jeder Mensch sucht auf seine Weise Anschluss. Und wenn es sich dann so auswirkt, dass man sich regelrecht nicht mehr ansieht, oder anderen Blicken nur noch ausweicht, oder gar Esstörungen usw. entstehen, dann ist doch wirklich was im Argen, oder? Es entsteht doch dann der Eindruck, dass etwas grundlegend mit einem nicht stimmt und dass alles "falsch" ist.

Was ich sehr hilfreich finde, ist die EFT (Emotional Freedom Technique oder Tapping) Methode. Sie ist recht unaufwändig und damit kann man eigenen Glaubenssätze umprogrammieren. Also aus dem eigenen inneren oder auch unterbewussten System werfen. Eine Methode, die man super auf Video Plattformen findet, zum Mitmachen sozusagen. Ich habe das in Lebensphasen gemacht, wo ich total aus dem Lot war und mich wirklich alles und jeder verunsichert hat. Ich empfehle es auch gerne weiter, weil man dabei nicht wirklich was verkehrt machen kann.

Liebe Grüße

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Asystoly
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Beitrag Do., 22.10.2020, 06:25

Montana hat geschrieben:
Mi., 14.10.2020, 11:29
Ein schönes Beispiel, finde ich, sind die kleinen "Makel" die einem besonders in Erinnerung bleiben, wenn man Menschen neu kennenlernt. !
Natürlich Montana, ich finde das bei anderen ja auch toll, kleine Neurosen, kleine Unregelmäßigkeiten und ich bin auch nicht oberflächlich was andere betrifft. Ich finde an jedem was schönes.
Nur wenn diese kleinen Makel nicht vereinzelt auftreten, sondern wie bei mir (und vlt ja auch bei Lisa) in einer Gesamtheit, dann ist das schon ein Problem. Es gibt keinen einzigen Teil meines Körpers und auch der große Teil meines Charakters den ich mag bzw akzeptieren kann. Das ist dann schon eine andere Liga. Ich hab auch mal eine Umfrage gesehen in denen Frauen befragt wurden welchen Bereich ihres Körpers sie nicht so gerne mögen und dass sie das auf einem Bild darstellen sollen. Bei mir wäre der ganze Zettel angemalt gewesen.

Es ist schwer sich vorzustellen dass es dahingehend jemals besser wird. Aber ich arbeite daran, und lisa dass solltest du auch.