Bindungsangst

Nicht jedem fällt es leicht, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten, "einfach" mal jemanden kennenzulernen oder sich in Gruppen selbstsicher zu verhalten. Hier können Sie Erfahrungen dazu (sowie auch allgemein zum Thema "Selbstsicherheit") austauschen.
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Lilli81
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Bindungsangst

Beitrag Sa., 05.05.2018, 12:17

Hi ich bin neu hier und möchte mich über Bindungsangst austauschen. Ich würde gerne verstehen warum ich mich so verhalte und wie ich das ändern kann. Ich gehe schon flüchten, wenn ich einen interessanten Mann kennenlerne, sodass es mir derzeit unmöglich ist einen Mann kennenzulernen.

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candle.
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Beitrag Sa., 05.05.2018, 12:36

Hallo du Neue!

Wie war es denn früher?
So kann ich jetzt nichts dazu sagen, nur, dass es sich nicht zwangsläufig um Bindungsangst handeln muß.

candle
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Le_na
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Beitrag Sa., 05.05.2018, 16:46

Liebe Lilli,
ich würde mich den Fragen von candle anschließen. Wie war es früher? Hattest du (längere) Beziehungen? Gab es aus deiner Sicht einen "Auslöser" für dein "flüchten" jetzt?

Ich habe mich aufgrund meiner eigenen Situation recht viel über Bindungsangst informiert und teile da in erster Linie die Meinung, dass Bindungsangst seine Ursachen immer in der Kindheit/in der Beziehung zu den Eltern hat. Auch spätere schlechte Erfahrungen in Beziehungen können natürlich zu einem Vermeidungsverhalten führen, aber meiner Meinung nach ist das dann nicht so tiefgreifend. Dazu mag es aber unterschiedliche Meinungen geben, die vielleicht auch alle für sich ihre Richtigkeit haben.
Spannend wäre, ob du dieses "flüchten", wie du es beschreibst, schon immer von dir kennst oder ob dir das neu ist. Und wie schaut dieses "flüchten" aus? Vermeidest du es von vornherein, in Kontakt zu potentiell interessanten Männern zu treten oder "flüchtest" du wenn es enger wird, usw. Vielleicht möchtest du ja ein wenig mehr über dein Problem erzählen.

Alles Liebe,
Le_na

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Lilli81
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Beitrag So., 06.05.2018, 09:29

Ich bin Scheidungskind seit ich 6 war. Ich bin bei meinem Vater aufgewachsen. Mutter Alkoholikerin. Die Erziehung verlief kalt ohne Umarmungen und nette Worte. Allerdings wurde ich umsorgter behandelt als meine Geschwister, weil ich anhänglicher und ängstlicher war. Meine ersten Erfahrungen mit Männern waren so um die 19. Ich habe Sozialphobie, die in dem Alter gerade erst diagnostiziert wurde. Ich denke, ich habe unbewusst die falschen Männer kennengelernt. Dazu war ich noch sehr ruhig, konnte meine Meinung nicht vertreten. Wollte immer gefallen. Dadurch habe ich nur negative Erfahrung gemacht. Die Männer verlierten immer schnell das Interesse. Einer nutzte mich auch aus. Wir waren allerdings nur einen Monat zusammen. Die Männer, die ich sonst so kennenlernte, machten schnell deutlich, dass ich nur Sex wollen und ich fühlte mich wertlos und nur auf diese eine Sache reduziert. Ich gab ihnen aber nicht was sie wollten, jedoch sank mein weniges Selbstwertgefühl, da ich mich fragte, was stimmt nicht mit mir, dass Männer mich nicht für eine Beziehung sehen? Dadurch hielt ich erstmal paar Jahre Abstand, bis ich jemanden kennenlernte, der auch Sozialphobie hatte. Mit ihm war ich 2 Jahre zusammen, aber da konnte ich mich nicht wirklich fallen lassen, weil die Beziehung auch kalt war. Als wir uns trennten, habe ich wieder Männer gemieden, weil ich merkte, dass meine körperlichen Symptome immer sehr stark waren (Erröten, zittern) sodass ich Probleme hatte überhaupt mit Männern in Kontakt zu treten. Dies war beim Sozialphobiker auch schon so, aber da wir über unsere Ängste sprechen konnten, war die Hürde kleiner. Als ich an jemandem Interesse hatte, der auch Interesse hatte, war eine Kommunikation überhaupt nicht möglich. Ich war so blockiert. Irgendwann gibt es auch der hartnäckigste auf.

Ich frage mich halt, was genau löst diese Symptome aus? Die negative Erfahrung? Das Verhalten meiner Eltern? Bücher wie Jein kenne ich schon, leider fehlen mir die Lösungsansätze.

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Krümmelmonster
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Beitrag So., 06.05.2018, 10:08

Hallo Lilli81,
ich lebe in einer ähnlichen Beziehung wie früher meiner Eltern. Ich habe es Jahre lang nicht bemerkt und es lief schief.
Ich holte mir Hilfe und später erfahre ich und spürte dass in der Beziehung vieles falsch lief.
Ich wusste aber nicht warum.
Dann bekam ich endlich eine tolle liebe volle Therapeutin wo ich sehr viel gelernt habe und ich Begriff ganz viel und ändere auch vieles so konnten wir unsere Beziehung retten.
War ein ganz langer Prozess trotzdem bin ich jetzt glücklicher denn je.
Ich hätte es nicht gedacht, dass ich es auch begreife, natürlich habe ich noch Defizite, nur die Abstände werden kürzer. Wo es mir nicht gut geht!

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Le_na
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Beitrag So., 06.05.2018, 11:06

Liebe Lilli,
danke, dass du etwas genauer beschrieben hast, wie dein Problem aussieht. Warst du in Therapie wegen deiner Sozialphobie? Bzw. bist du es jetzt aktuell?

Ich kenne auch die ganzen Bücher wie "Jein" usw., ich habe mich da immer in vielem erkannt, aber mir fehlen wie dir die Lösungsansätze. Noch mehr fehlen mir überhaupt positive Geschichten, Erfolgsgeschichten davon wie Bindungsangst überwunden werden kann. Aber wie dem auch sei, ich habe mich entschieden eine Therapie zu beginnen und mir anzuschauen, was bei mir dazu geführt hat.
Lilli81 hat geschrieben: So., 06.05.2018, 09:29 Ich frage mich halt, was genau löst diese Symptome aus? Die negative Erfahrung? Das Verhalten meiner Eltern?
Vielleicht auch beides. Das Verhalten der Eltern prägt natürlich das eigene Bindungsverhalten ganz stark. Sie sind ja unsere ersten Bindungspersonen im Leben. So ungerne ich das auch wahrhaben wollte, Arbeit in der Therapie an meinem aktuellen Problem mit Beziehungen bedeutet auch nochmal mit meiner Beziehung zu meinen Eltern zu arbeiten. Und ansonsten kann ich dir nur ein bisschen von mir berichten, ich befürchte auch bei jedem/jeder mit Bindungsangst ist das Problem bzw. sind die Auslöser ganz individuell in der eigenen Biographie zu finden. Und somit auch die "Lösungen".

Ich bin mit einer sehr lieblosen und vermutlich depressiven Mutter aufgewachsen, was mein Vater jedoch als ich ein Kind war wohl sehr gut kompensieren konnte. Er war bis ich ca. 10/11 Jahre alt war sehr liebevoll und empathisch. Das hat sich zu dem Zeitpunkt als ich in die Pubertät kam und nicht mehr nur das "nette kleine Mädchen" war, schlagartig gewandelt. Ich habe das als tiefen Einschnitt in mein bisheriges Leben empfunden, der einzige Mensch in meiner Familie, der mir bis dahin liebevoll begegnet ist, hat plötzlich begonnen mich zu demütigen, zu beschimpfen und abzuwerten. Ich entwickelte eine ganze Palette an Symptomen in den nächsten Jahren. Ich konnte mich damals weder auf Freundschaften einlassen, noch waren Beziehungen überhaupt ein Thema. Ich hatte große Verlustängste und durch mein Klammern, zerbrachen meine Freundschaften. Das ging ein paar Mal so. Bis ich im Laufe meiner Therapie gelernt habe, wieder gesunde Freundschaften zu führen. Ich habe damals gelernt meine Ängste und Befürchtungen offen anzusprechen und durfte die Erfahrung machen, dass ich gemocht werde. Und von Jahr zu Jahr wurden die Verlustängste, die immer wieder mal ausgelöst wurden, kleiner. Heute kann ich mich auf neue Freundschaften einlassen ohne Angst und habe zugleich ganz stabile langjährige Freundinnen. Das ist die Erfahrung, die mir auch im Hinblick auf Beziehungen Hoffnung macht :-D

Denn da blieb es sehr schwierig. Meine ersten Beziehungserfahrungen sammelte ich auch wie du mit ca. 19 Jahren. Ich habe mich damals in den Bekannten einer Freundin verliebt. Er sich auch in mich und es startete alles ganz wunderbar. Aber: je näher es wurde, umso schwächer wurden meine Gefühle. Was vorher ein euphorisches Verliebtheitsgefühl war, wandelte sich in Angst und Panik und ich war immer mehr auf der Flucht, bis ich das ganze beendete. Eine zweite Beziehung folgte, die nach dem gleichen Muster lief. Und dann hatte ich beschlossen, dass Beziehungen nichts für mich sind, dass ich darauf keine Lust habe und vielleicht auch nicht jeder Mensch für Beziehungen geschaffen ist. Das habe ich ganz schön lange so aufrecht erhalten (ich würde meinen, diese Ablehnung von Beziehungen insgesamt, war Teil meines Selbstschutzes). Bis ich heuer einen neuen Beziehungsversuch wagte, der wieder nach genau dem gleichen Muster scheiterte. So sehr ich mir wünsche mich einfach mit allen Risiken und Chancen auf eine Beziehung einzulassen, irgendeine riesige Blockade hindert mich daran.
Das ist Status Quo. Ich vermute, dass der "Verlust" meines Vaters (als einzige liebevolle Bezugsperson in meiner Familie) und seine Ablehnung zu der Bindungsangst geführt haben und dass es darum geht, mich vor neuerlichem Verlust zu schützen. Lasse ich eine Beziehung gar nicht so eng werden, ist das der beste Schutz. Allerdings bedeutet das eben auch, dass ich gar keine Chance habe, eine andere, "heilende" Erfahrung zu sammeln.

Ich denke es kann fast nur einen Weg geben: Die eigenen biographischen Erfahrungen, die zu den Symptomen in der Gegenwart führen, in einer Therapie aufzuspüren und damit zu arbeiten. Muster und Schutzmechanismen zu erkennen und zu schauen, woher sie kommen und wofür sie mal gut waren. Die Lösung für das eigene Problem mit Beziehungen wird vermutlich in keinem Buch zu finden sein, sondern am ehesten bei sich selbst.

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Lilli81
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Beitrag So., 06.05.2018, 11:30

Ich bin ein Mensch, der sich gerne selbst reflektiert, um aktiv an mir zu arbeiten und Lösungen zu finden. Bisher ist mir das auch immer gelungen, jedoch bei solchen Emotionen wie Bindungsangst, Verlustangst, ist auch mir das irgendwie zu komplex und ich verzweifle. Bei Jein konnte ich mich bei verschiedenen Verhaltensweisen wiederfinden. Leider habe ich nichts rausgeschrieben, sodass ich nicht mehr genau weiß, was genau mein Problem ist. Ich denke bei mir sind es verschiedene Probleme. Das fängt damit an, dass ich verschiedene Bereiche Arbeit und Privat grundsätzlich nicht mische. Auch Freunde und Verwandte nicht. Dann die Angst vor Veränderung. Jetzt plötzlich mit einem Mann auftauchen, wo ich doch vorher nie mit einem Mann rumgelaufen bin? Dann das offenbaren. Ich habe den Anspruch an mich normal zu wirken (Typische Frage von Therapeuten Was ist normal?) Ich meine halt nicht auffällig, seltsam zu wirken. Irgendwie muss man aber dann doch über seine Ängste sprechen, um eine vernünftige, offene Partnerschaft zu führen. Das würde bedeuten, ich muss meine Ängste offen legen, die so niemand kennt. Keine Freunde (außer Gleichgesinnte), keine Familie. Ich war immer stark. Versuche dies aber gerade zu ändern. Ich habe bereits 2 Therapien hinter mir. Die soziale Phobie an sich ist nicht mehr mein Hauptproblem. Den Knoten, den ich nun lösen muss, ist die Bindungsangst, Verlustangst, Angst vor Veränderung. Ich denke, wenn ich genau weiß, was das Problem ist, kann ich es besser verstehen. Die derzeitige Therapie hilft mir viel, wobei das Thema Bindunsangst bisher nicht aufkam. Ich habe es mich selbst hinterfragt, ob dem so ist, da ich früher immer nur dachte, dass die Leute, die innerhalb einer Beziehung weglaufen, nur Bindungsphobiker sind. Das man sich unbewusst selbst so sabotieren kann, war mir bisher nicht bekannt.

Das größte Problem sind zurzeit die körperlichen Symptome. Dazu kommt, dass ich mich danach minderwertig fühle. Dieses Adrenalin in mir, macht mich dann irgendwie fertig, egal wie rücksichtsvoll der Mann mich in dieser Situation behandelt hat. In der Situation zu bleiben und es auszuhalten ist für mich schwierig, da oft andere noch mit da rumstehen und ich mich dann ziemlich klein fühle. Ich denke ohne diese körperlichen Symptome würde ich es eher schaffen mich den Dingen zu stellen.

Allein wenn sich Leute über Partnerschaften unterhalten, habe ich Angst, dass ich auch gefragt werde. So hoch ist der Leidensdruck. Das Seltsame ist, dass ich keine Einsamkeit verspüre. Als ob ich dieses Gefühl ausgeblendet hätte. Ich denke, dass ich mir unbewusst einrede, dass ich keinen Partner brauche und daher nicht das Verlangen habe mir einen zu suchen. Wenn es mich dann jedoch erwischt hat, dann schwärme ist aus der Ferne, aber sobald er auch Interesse zeigt, gehen bei mir die Alarmglocken an und ich will flüchten.

Sobald ich merke, mich könnte jemand irgendwo ansprechen, gehen bei mir die Alarmglocken an und ich möchte nur noch weg.

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stilleswasser
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Beitrag Sa., 12.05.2018, 23:26

Hallo Lilli,

jetzt möchte ich mich auch mal an einer Antwort versuchen. Wie du ja weißt, habe ich auch Bindungsangst und habe in der Richtung schon einiges unternommen und erfahren und kann durchaus etwas berichten.

Was mir am meisten gerade hilft, ist zu wissen, in welchen Situationen ich überhaupt bindungsängstliches Verhalten zeige. Denn nur wenn ich es bemerke, kann ich es ändern. Ich bin überhaupt nicht gut in Freundschaften finden und behalten, ersticke viele im Keim oder verhalte mich so, dass es irgendwann im Sande verläuft oder unschön wird. Mittlerweile verstehe ich besser, warum ich Kontakt zu bestimmten Menschen suche und warum viele Kontakte nicht so ganz zufriedenstellend verlaufen und warum bzw. wann keine emotionale Bindung zustande kommt.
Mein Weg hat auch mit Büchern angefangen. Ich habe einige gelesen (Stefanie Stahl, Levine und Heller, Anne-Ev Ustorf, Hannah Cuppen und ein eher wissenschaftliches für Therapeuten ausgelegtes Buch, aber auch sehr spannend und hochaktuell: Entwicklungstrauma heilen: Alte Überlebensstrategien lösen - Selbstregulierung und Beziehungsfähigkeit stärken - Das Neuroaffektive Beziehungsmodell zur Traumaheilung NARM) und mir fällt nun viiiiel mehr auf an Verhalten bei mir und anderen. Ich denke, dieses Sehen von bindungsängstlichen Verhaltensweisen macht einen großen Schritt in Richtung Besserung aus. Dann kommen Erfahrungen, was vielleicht nicht so ganz einfach ist, weil man dafür wieder ein selbstbewusstes Gegenüber braucht und inszenierte Übungen machen einen kleinen Teil aus. In den Büchern sind ein paar praktische Sachen drin, sie sind ganz nett. Anfangs wollte ich auch Übungen von meiner Therapeutin, aber sie gab mir keine, u.a. auch deshalb weil ich die dann letztendlich eh nie gemacht habe :-> Ich glaube, sie meint, dann kam man auch etwas die Verantwortung von sich schieben und auf hilflos machen "Ich versuche ja Übungen zu machen, aber die sind so schwer und bringen ja eh nichts und du musst mir andere Übungen geben." Ich mache jedenfalls selten bis gar nicht Übungen zuhause, höchstens Denkaufgaben.

Bindungsangst steckt in so vielen Situationen. Was mir bei mir aufgefallen ist:
+ kaum richtige enge Freunde. Probleme welche zu finden und dauerhaft zu halten.
+ in Kontakt mit Menschen: Entweder bin ich gehemmt und kann nicht so wirklich frei reden oder ich versuche die Kontrolle über Nähe und Distanz zu behalten, lasse mich also nicht auf die Person ein, sondern bin eher dominant. Oder ich versuche die Person zu ändern. Oder ich bedränge die Person und möchte mehr Kontakt und gehe dann auch über Grenzen. Oder ich erzähle anfangs viel zu viel privates und intimes von mir, was ja für einen normalen Freundschaftsverlauf eher unüblich ist. Oder ich finde jemanden ganz toll und als Vorbild und idealisiere ihn und projiziere einen Vaterfigur in ihn und bin dann ganz aufgeregt. Oder ich möchte jemanden retten. Bei manchen habe ich auch Angst, manche interessieren mich nicht und manche finde ich anziehend. Ich denke alles aus der verqueren Bindungsangst heraus. Vor allem denke ich, die Menschen, die ich anziehend finde, haben ebenfalls Bindungsangst.
+ Auf Facebook sich z.B. auf keine Diskussionen einlassen. Oder kaum etwas auf Beiträge antworten. Ich poste zwar auch ab und zu etwas, aber erwarte nie, dass jemand was dazu schreibt und würde vermutlich auch nicht antworten oder irgendwann nicht mehr. Wenn das allerdings fremde Menschen sind und ich mir sicher bin, dass meine Freunde diese Diskussion nicht mitbekommen würden, fiele mir eine Diskussion leichter. Aber mit Freunden nicht, da diese so ein diskussionsfreudiges Verhalten von mir nicht gewöhnt sind.
+ Mir fällt es auch hier im Forum schwer mich zu beteiligen oder länger mitzudiskutieren. Ich war mal ein paar Jahre aktiv, dann nicht mehr und jetzt wieder (Bindungsangst :) )
+ Großes Thema Erwartungen, was typisch für Bindungsängstler ist. Ich mag überhaupt keine gesellschaftlichen Erwartungen. Z.B. hasse ich es, wenn jemand Geburtstag hat und erwartet wird, dass man gratuliert. Oder Geschenke besorgt. Oder sich Klamottentechnisch auf Arbeit anpassen. Oder wenn ich Menschen kennenlerne und die oft schreiben, dann nervt es mich irgendwann, weil ich denke, jetzt muss ich schon wieder antworten. Weihnachten hasse ich und hab ich jedes Jahr Stress mit diesem Geschenkethema. Oder z.B. bei meinen Freunden, wenn die aus dem Urlaub zurückkomme, dann denke ich auch, jetzt muss ich fragen, wies war. Oder Begrüßungen von Gruppen. Grusel.
+ Langfristig an Sachthemen binden. Kriege ich auch nicht hin. Ich fange vieles begeistert an und höre dann irgendwann auf mit Halbwissen. Z.B. Tango, Salsa, Reiten, Schwimmen, Radeln, Laufen, Gitarre, Hunde, Ernährungssachen. Fitnesscenter habe ich nach ein paar Monaten keine Lust mehr drauf. Alles nur halbherzig.
+ Meine Wohnung hübsch gestalten. Hab ich mir auch nie viel Mühe gegeben. Streichen, tapezieren? Noch nie gemacht. Bilder? Keine. Blumen? Zum ersten Mal vor ein paar Wochen bewusst gekauft. Ich hänge überhaupt nicht an meiner Wohnung. Diese hat keinen emotionalen Wert für mich.
+ Mein Einzelbüro habe ich nun auch zum ersten Mal etwas persönlicher gestaltet mit Blumen und ein paar Bildchen. Und das nach 1,5 Jahren. Aber so richtig gebunden fühle ich mich auch daran nicht.
+ Auf Arbeit halte ich mich natürlich meistens zurück und mag es gar nicht, wenn Leute zwischendurch viel erzählen wollen. In der Kantine hingegen geht das. Zum Glück habe ich da genügend Freiheit, dass ich individuell zwischen Nähe und Distanz pendeln kann.
+ Verträge. Bis vor ca. 6 Monaten hatte ich immer nur einen Prepaid Vertrag. Nie einen festen.
+ Ich halte mich aus vielem raus, bloß kein Stress haben oder mich irgendwo reinziehen lassen. Oder wenn, dann will ich meine Lösungen durchboxen.
+ sich nicht festlegen gehört bei mir auch dazu.
+ Plötzliches Desinteresse.

# Ich denke, ich könnte noch mehr Dinge finden und ich denke, von Person zu Person sind die Ausprägungen auch unterschiedlich. Aber es ist spannend zu sehen, wo überall Bindungsangst drin steckt und ich z.B. kann bereits an weniger schwierigen Sachen üben wie z.B. mehr an der Wohnung machen oder bewusst mit sich reden und durchatmen "nein, ich lasse mich jetzt nicht verbiegen und beuge mich den Erwartungen, sondern ich entscheide frei und selbst zu antworten" oder eben mal anders handeln als sonst (durchdacht).

Und was auch noch wichtig ist. Welche Situationen hätte ich denn gerne anders? Wo bin ich unzufrieden? Das ist auch nicht immer ganz klar und vielleicht erstmal eher schwammig. Es gibt es ja verschiedene Arten von Bindungstypen und manchmal wirkt es vielleicht etwas wirr.

Wenn ich dein Verhalten hier so beobachte, dann könnte ich da durchaus auch bindungsvermeidenes Verhalten feststellen. Kann stimmen, muss aber nicht, ist nur mein Gefühl :) Z.B. benutzt du keine Anrede und auch keinen Schlussgruß, was aber viele User machen und etwas persönlicher wirkt. Du gehst kaum auf die Antworten ein, sondern schreibst ganz viel Text runter, wo man sich erstmal mühsam einlesen und Antworten finden muss. In dem Thread passiert nichts mehr und du warst auch seit einer Woche hier nicht mehr online. Du willst nur deine Lösungen und interessiert dich sonst nicht für das Forum. Und da du mir das schon erzählt hast, du hüpfst zwischen verschiedenen Internetforen hin und her und lässt dich auf keins richtig ein.

Momentan bin ich nicht mehr so stark am Thema Bindungsangst dran. Ich bin dadurch etwas steif geworden und war zu sehr im Kopf und habe fast jedem daher gelaufenen von dem Thema erzählt und das Thema ständig erwähnt. Dadurch ist die Leichtigkeit und der Flow etwas abhanden gekommen, darum lese ich nichts mehr darüber. Ich denke, ich weiß auch schon genug. Man braucht auch mal Zeit um die Dinge zu verarbeiten. Ich könnte auch noch mehr schreiben, aber ich warte mal ab und irgendwie denke ich, über die Bindungstypen will ich nichts erzählen, steht doch alles im Buch :-> :cool: :anonym: :lol: Achja, und nicht alles muss Bindungsangst sein. Manches kann auch eine bewusste, durchaus "gesunde" Verhaltenweise sein. Also nicht verrückt machen :)

Gute Nacht!
stilleswasser
*
Ich bin gerade sehr empfindsam und schnell verletzt. Ich bitte dies zu berücksichtigen, wenn du mir antworten möchtest, da mir achtlose, grenzüberschreitende Kommentare sehr weh tun können u ich aber weiterhin im Forum bleiben möchte. Danke.
*

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Lilli81
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Beitrag So., 13.05.2018, 07:08

Hi Stilleswasser,

das ich mich hier nicht eingeloggt habe, liegt daran, dass ich keine Antwortmail bekommen habe und somit keinen Grund gesehen habe, das Forum zu besuchen. Ist nicht jeder User erstmal an seiner Lösung interessiert? Das ist doch der Grund für die Anmeldung. Ich kenne niemanden, der sich in einem Forum anmeldet, nur um anderen zu helfen und meist sind es diejenigen, die anfangen auf andere Threads zu antworten, die schon länger im Forum dabei sind. Da ich ein ausgeprägtes Helfersyndrom habe, beuge ich hier vor. Da ich bereits damit in der Vergangenheit übertrieben habe und mehr helfen wollte, als an meinen eigenen Problem zu arbeiten. Das ich zwischen ein paar Foren hin und her hüpfe liegt daran, dass ich Antworten suche. Ich möchte mein Problem verstehen und nicht immer findet man das richtige Forum dafür. In einem anderen Forum fühlte ich mich ziemlich mißverstanden. Muss ich mich dann deshalb an dieses Forum gebunden fühlen und darf kein zweite ausprobieren? Es ist wie im wirklichen Leben. Nicht immer findet man direkt nette, verständnisvolle Menschen. Was das Thema Bindungsangst angeht, denke ich schon, dass hier in diesem Forum viele Menschen sind, die einem sehr gut zu diesem Thema weiterhelfen können.

Das ich kein Anschreiben und Grußformel benutzt habe, hatte ich durch irgendwelchen anderen Nachrichten so übernommen. Das mache ich eigentlich nie. Was ich eher daraus erkennen kann ist, ich habe mich angepasst, weil ich vorher solche Beiträge ohne Anschreiben und Grußformel gelesen hatte.

Das ich kaum auf die Antworten eingehe, sehe ich nicht so. Vielleicht kannst du mir dazu näheres schreiben. Ich denke schon, dass ich die Fragen der User beantwortet habe.
stilleswasser hat geschrieben: Sa., 12.05.2018, 23:26Was mir am meisten gerade hilft, ist zu wissen, in welchen Situationen ich überhaupt bindungsängstliches Verhalten zeige. Denn nur wenn ich es bemerke, kann ich es ändern.
Da achte ich mittlerweile auch drauf. Ich scheine sie nicht zu pflegen. Sie machen es aber auch so. Ich denke, wenn man mehrere kennt, fällt es so auch gar nicht auf. Wenn man allerdings nur eine handvoll hat, legt man den Fokus zu sehr darauf. Ich denke auch, dass ich meine Freunde gar nicht so richtig kenne und mir Freunde aussuche, die kaum was mit mir gemeinsam haben.

Ich merke beim Thema Freunde oder Unbekannte, dass es auch irgendwie an der Art der Kommunikation liegt. Ich kommuniziere oberflächlich. Einmal lernte ich jemanden kennen, den ich als sehr ruhig empfand. Als diese Person jedoch mit einer anderen Person sprach, war diese Person plötzlich lebendig. Da frage ich mich: Was strahle ich aus? Was mache ich in der Kommunikation falsch? Warum muss ich immer diejenige sein, die das Gespräch lenkt? Oder hält man durch die Art der Kommunikation automatisch eine Mauer hoch, wo draufsteht: "Nur sachliche Themen bitte."

Warum bist du aufgeregt, wenn du jemanden als Vaterfigur projezierst? Ich habe auch das Gefühl, dass ich manchmal zu dominant oder eher gesagt forsch rüberkomme. Dies passiert immer dann, wenn ich genervt bin.

Gesellschaftliche Erwartungen mag ich auch nicht, außer dass ich mir totalen Druck mache, wenn jemand auf der Arbeit Geburtstag hat und ich Angst habe ihm zu gratulieren. Ich traue mich nicht mal eben rüber zu gehen. Ich warte bis einer anfängt und dann folge ich dem Schwarm. Das machen andere Kollegen zum Teil genauso.

Langfristig an Sachthemen binden: das hatte ich auch irgendwo schon von jemand anderem gelesen. Das das mit Bindungsangst zu tun hat, wusste ich nicht. Früher konnte ich mich ohne Probleme mit Dingen beschäftigen, aber irgendwann fing das an, dass ich ein neues Hobby wollte und zuviele Dinge angefangen, aber nie zuende gebracht habe. Im Hinterkopf war teilweise auch so eine Art Fremdbestimmung. Manche Fremdsprachen, die ich mir ausgesucht hatte, waren eher für den Lebenslauf als wirkliches Interesse. Manche technischen Interessen waren eher so ein "Hey das hört sich doch cool an". Ich kann mich gut pseudobegeistern. Hat das auch irgendwas mit anpassen zu tun? Oder vielleicht auch angeben? Ich hatte immer wieder den Ehrgeiz mit weiterzubilden, war aber zu faul, es wirklich durchzuziehen. Dies hat mich echt 10 Jahre immer wieder beschäftigt.

Wenn ich eine Idee habe, überlege ich mittlerweile, möchte ich das wirklich oder habe ich andere Hintergedanken dadurch. zB wenn ich jetzt überlegen würde einen Salsakurs zu machen, würde ich mir überlegen, bin ich wirklich an Salsa interessiert oder mache ich das damit ich sagen kann, ich geh zu einem Salsakurs. Bin ich wirklich interessiert oder eher pseudointeressiert?

Gruß
Lilli81

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stilleswasser
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Beitrag Mi., 16.05.2018, 17:00

Hallo Lilli,

hier bin ich wieder :) Ein bisschen Zeit ist vergangen. Bindungsangst denke ich. Ich brauchte Abstand, weil ich unsicher wurde. Brauchte Zeit, bis ich den Kontakt zu mir wieder gestärkt habe.

Lilli81 hat geschrieben: So., 13.05.2018, 07:08das ich mich hier nicht eingeloggt habe, liegt daran, dass ich keine Antwortmail bekommen habe und somit keinen Grund gesehen habe, das Forum zu besuchen.
Lilli81 hat geschrieben: So., 13.05.2018, 07:08 Das ich kein Anschreiben und Grußformel benutzt habe, hatte ich durch irgendwelchen anderen Nachrichten so übernommen. Das mache ich eigentlich nie.
Lilli81 hat geschrieben: So., 13.05.2018, 07:08 Das ich kaum auf die Antworten eingehe, sehe ich nicht so. Vielleicht kannst du mir dazu näheres schreiben. Ich denke schon, dass ich die Fragen der User beantwortet habe.
Naja, das Verhalten von dir, was ich beobachtet und benannt habe, ruft auf jeden Fall keine emotionale Bindung hervor. Weder bei dir, noch bei anderen Usern. Da kann ich keinen Bindungswunsch feststellen. Wenn man sich binden möchte, interessiert man sich nicht nur für einen ganz speziellen Faktor, sondern auch für alles andere und man geht in emotionalen Kontakt mit anderen Menschen. Bezieht sich auf sie. Wird persönlich. Das machst du nicht. Ob du das bewusst gemacht hast oder unbewusst (d.h. aus bindungsängstlichem Verhalten heraus), musst du selbst wissen :)
Dass du kaum auf die Fragen der User eingegangen bist: Vom Gefühl her fehlen mir Zitate, einzelne Sätze, auf die du dich beziehst. Das wirkt übersichtlicher, konkreter, man geht dann oft auch tiefer. Und halt ansprechen der User wirkt auch oft netter. Auf sie eingehen. Vielleicht auch Fragen stellen. Sich einlassen.
Lilli81 hat geschrieben: So., 13.05.2018, 07:08 Warum bist du aufgeregt, wenn du jemanden als Vaterfigur projezierst?
Ich schätze, weil ich nie einen richtigen Vater hatte. Jedenfalls keinen, der emotional für mich da war. Ich habe mich danach gesehnt und sehne mich auch jetzt noch danach und suche diese Eigenschaften. Und wenn mir dann so ein Mann über den Weg läuft, der genau diese Eigenschaften hat. Hui! Dann ist das erstmal super aufregend. Wird mein Wunsch wahr? Bekomme ich endlich das, was ich mir schon immer so sehnlichst gewünscht habe? Werde ich wieder enttäuscht? Und das macht mich dann so aufgeregt und ängstlich.
Lilli81 hat geschrieben: So., 13.05.2018, 07:08 Ich scheine sie nicht zu pflegen. Sie machen es aber auch so. Ich denke, wenn man mehrere kennt, fällt es so auch gar nicht auf.
Doch, es fällt auf :) Man wird immer als Individuum gesehen, als einzelne Person. Und je öfter und regelmäßig du emotional mit jemanden in Kontakt trittst, desto mehr Bindung entsteht. Und wenn du diese dann nicht pflegst, fällt das leider auf und die Bindung lässt nach.
Ach, ich weiß, ich finde das auch anstrengend. Mir fällt das auch schwer. Bzw. erstmal Menschen finden, mit denen es funkt. Auf beiden Seiten. Dann läuft es in der Regel von ganz alleine. Bei losen Kontakten muss ich mich meistens dazu zwingen. Was ich aber selten mache. Obwohl ich diese Menschen durchaus mag. Aber das mit der Bindung fällt schwer. Wenn es nicht so recht fliesst. Wenn ich mich nicht so richtig wahrgenommen fühle. Gruppeneinladungen. Mag ich nicht so gerne.
Lilli81 hat geschrieben: So., 13.05.2018, 07:08 Wenn man allerdings nur eine handvoll hat, legt man den Fokus zu sehr darauf.
Eigentlich nicht. Das passiert nur, wenn man zu sehr im Kopf ist, bei Ängsten, etc.
Lilli81 hat geschrieben: So., 13.05.2018, 07:08 Einmal lernte ich jemanden kennen, den ich als sehr ruhig empfand. Als diese Person jedoch mit einer anderen Person sprach, war diese Person plötzlich lebendig. Da frage ich mich: Was strahle ich aus? Was mache ich in der Kommunikation falsch? Warum muss ich immer diejenige sein, die das Gespräch lenkt? Oder hält man durch die Art der Kommunikation automatisch eine Mauer hoch, wo draufsteht: "Nur sachliche Themen bitte."
Tja, diese Fragen kannst du dir sicherlich selbst beantworten :)
Lilli81 hat geschrieben: So., 13.05.2018, 07:08 wenn jemand auf der Arbeit Geburtstag hat und ich Angst habe ihm zu gratulieren. Ich traue mich nicht mal eben rüber zu gehen. Ich warte bis einer anfängt und dann folge ich dem Schwarm. Das machen andere Kollegen zum Teil genauso.
Ich glaube, ich habe noch keine bevorzugte Strategie. Oft mache ich es gar nicht. Manchmal gehe ich auch mit anderen mit. Ansonsten versuche ich mich einfach zu überwinden und ein paar nette Worte zu wechseln und zu hoffen, dass das Gespräch nicht unangenehm ist. Mit dem Schwarm gehe ich nicht so ganz gerne. Weil ich schon ein paar Worte wechseln möchte und das fällt mir schwer, wenn noch andere da sind. Und ich möchte nicht jemand sein, der nur kurz die Hand schüttelt, sich ein paar Süßigkeiten nimmt und dann wieder geht.
Lilli81 hat geschrieben: So., 13.05.2018, 07:08 Langfristig an Sachthemen binden: das hatte ich auch irgendwo schon von jemand anderem gelesen. Das das mit Bindungsangst zu tun hat, wusste ich nicht.
Das hat damit zu tun, welcher Bindungstyp du bist. Das ist eher bei ambivalenten so. Weil sie ständig nach einer Bindungsperson suchen und dadurch das Interesse an Sachthemen vermindert ist. Die anderen Bindungstypen können sich da besser festlegen. Entweder wollen sie sich ganz stark binden oder überhaupt nicht (in der Reinform).
Lilli81 hat geschrieben: So., 13.05.2018, 07:08 Manche Fremdsprachen, die ich mir ausgesucht hatte, waren eher für den Lebenslauf als wirkliches Interesse.
Das klingt so, als ob du damit andere Menschen beeindrucken möchtest? Nach Anerkennung suchst? Nach Liebe, geliebt werden?
Lilli81 hat geschrieben: So., 13.05.2018, 07:08
Wenn ich eine Idee habe, überlege ich mittlerweile, möchte ich das wirklich oder habe ich andere Hintergedanken dadurch. zB wenn ich jetzt überlegen würde einen Salsakurs zu machen, würde ich mir überlegen, bin ich wirklich an Salsa interessiert oder mache ich das damit ich sagen kann, ich geh zu einem Salsakurs. Bin ich wirklich interessiert oder eher pseudointeressiert?
Du kannst ja mal überlegen: Wenn du dafür keinen Menschen benötigst, niemand würde es mitbekommen, was du machst, du erzählst es niemanden, hast du dann noch Freude daran oder nicht? Wenn du die freie Wahl hättest?
Bei mir sind die Themen eher zweitrangig. Wenn es eine Aktion mit Freunden wäre, dann wäre auch mein Interesse da. Also wenn ich das Gefühl habe, ich werde gesehen und es ist was intimeres, nur für uns Freunde, es ist was gemeinsames und wenn mir nicht gerade nach Abstand ist, dann würde ich mitgehen. Weil ich tendenziell ja Bindung möchte. Wenn ich für mich bin, dann mache ich nur Dinge, die mir gefallen. Da kann ich sehr unabhängig sein bzw. wird dies immer stärker. Mein Freiheitsgefühl. Das ist ein tolles Gefühl. Kann ich dir nur empfehlen ;)

Liebe Grüße!
stilleswasser
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Ich bin gerade sehr empfindsam und schnell verletzt. Ich bitte dies zu berücksichtigen, wenn du mir antworten möchtest, da mir achtlose, grenzüberschreitende Kommentare sehr weh tun können u ich aber weiterhin im Forum bleiben möchte. Danke.
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Lilli81
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Beitrag Do., 17.05.2018, 21:30

Hi Stilleswasser,

ist die Frage, ob man in einem Forum grundsätzlich eine Bindung herstellen möchte. Ist das generell so? Ich sehe nicht in allem was ich tue eine Bindung. Das wäre mir dann viel zu anstrengend jedes Mal darüber nachzudenken. Zu persönlich möchte ich in einem Forum auch nicht werden, schließlich weiß man nie, ob man nicht irgendwann erkannt wird. Es ist für jeden einsehbar. Das mache ich dann lieber per PN. Mir sind keine genauen Fragen eingefallen, die sich auf das Vergangenheitsbild mit meinem decken und ich möchte auch keine Fragen stellen, nur um ein Pseudointeresse auszudrücken.
stilleswasser hat geschrieben: Mi., 16.05.2018, 17:00 Doch, es fällt auf :) Man wird immer als Individuum gesehen, als einzelne Person. Und je öfter und regelmäßig du emotional mit jemanden in Kontakt trittst, desto mehr Bindung entsteht. Und wenn du diese dann nicht pflegst, fällt das leider auf und die Bindung lässt nach
Ich habe es früher oft versucht und mich oft gemeldet. Wenn jedoch die andere Person sich kaum meldet, gebe ich es dann nach ein paar Versuchen auf. Ich finde, das Melden sollte abwechselnd sein und wenn die andere Seite sich nicht meldet, dann möchte die andere Seite auch keine Bindung. Dann bin ich froh, wenn man sich überhaupt mal alle 2 Monate trifft. Wenn das gegenüber keine Bindung möchte, dann muss ich das akzeptieren.
stilleswasser hat geschrieben: Mi., 16.05.2018, 17:00 Lilli81 hat geschrieben: ↑
So., 13.05.2018, 08:08
Manche Fremdsprachen, die ich mir ausgesucht hatte, waren eher für den Lebenslauf als wirkliches Interesse.

Das klingt so, als ob du damit andere Menschen beeindrucken möchtest? Nach Anerkennung suchst? Nach Liebe, geliebt werden?
Ich denke nicht, dass ich beeindrucken wollte, da ich es nicht immer erzählt habe. Ich wollte mir selbst was beweisen. Ich hatte immer so eine innere Unruhe mehr erreichen zu wollen. Zum Glück hat sich das gelegt. Mir geht es nicht unbedingt darum jemanden das zu erzählen. Ich habe in dem Moment wirklich Interesse daran, aber sobald ich anfange, ist das Interesse weg. Vielleicht hat das auch was mit Bindung zu tun? Etwas was man anfängt zuende zu bringen?

Gruß
Lilli

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Aussagen
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Beitrag Mi., 23.05.2018, 05:19

Kennenlernen heißt ja nicht gleich binden, oder? Ich war nach einigen schlechten Erfahrungen bei der Partnersuche auch dann eher vorsichtig. Bin ja ein sehr treuer Mensch, und wenn ich mich binde dann sollte das schon sehr lange halten.

Also was spricht gegen das Kennenlernen?

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crybaby
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Beitrag Do., 04.02.2021, 22:31

Hallo, liebe Leser. Ich leide unter Bindungsangst. Ich habe intensive und heftige Angst, innige Beziehungen einzugehen. Mit Freundschaften komme ich klar, solange sie mir Freiraum geben. Aber eine Beziehung ist undenkbar für mich.
Ich wurde in meiner Kindheit emotional vernachlässigt und in meiner Jugend sexuell missbraucht und nun ist mein Fähigkeit Beziehungen zu anderen Menschen zu haben, eingeschränkt.
Mir wird richtig übel vor Angst, wenn jemand auch nur Andeutungen macht, dass er mich mögen könnte. Ich will dann am liebsten ganz weit weg rennen.
Ich finde das echt belastend, da ich noch jung bin und bisher erst eine Beziehung hatte. Ich habe das Gefühl, ich verpasse etwas durch diese Angst.
Selbst in Freundschaften kapsel ich mich ab, um niemandem zu nahe zu kommen...
Hat jemand eine Idee, was man dagegen tun kann?
Ich bin dankbar für eure Hilfe.

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chrysokoll
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Beitrag Fr., 05.02.2021, 11:12

Bei deiner Vergangenheit wäre mit und ohne Bindungsangst eine Therapie ganz sicher hilfreich.
Vermutlich eine Traumatherapie.
Da du noch sehr jung bist, ist es sehr gut das früh anzugehen
Dann verfestigt sich das noch nicht so sehr, dann hast du viel Lebenszeit um das was du erlebt hast entsprechend zu bewältigen und umzulenken und letztlich auch Beziehungen führen zu können

Geh das an, das kann nur helfen!

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Tröte
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Beitrag Fr., 05.02.2021, 13:18

schließe mich meiner Vorgängerin an, dass Dir eine Therapie gut helfen kann. Du hast in Deinem Leben viele negative Dinge erlebt, die Dich geprägt haben. In einer Therapie, kann man diese "Wunden", "säubern" und dann ein dickes Pflaster draufkleben, damit alles gut heilen kann.
Zusätzlich gibt es natürlich auch viele Bücher darüber. Ich kann Bücher von Stefanie Stahl empfehlen.

Meine Partnerin hat übrigens auch Bindungsangst und sie hat schon tolle Fortschritte gemacht und bearbeitet dieses Thema auch innerhalb einer Therapie.
"But these stories don't mean anything, when you got no one to tell them to. It's true, I was made for you "