Liebe Menschen ignorieren

Nicht jedem fällt es leicht, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten, "einfach" mal jemanden kennenzulernen oder sich in Gruppen selbstsicher zu verhalten. Hier können Sie Erfahrungen dazu (sowie auch allgemein zum Thema "Selbstsicherheit") austauschen.
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Margarete Beck
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Liebe Menschen ignorieren

Beitrag Di., 30.04.2019, 18:56

Liebe Leser,

Dies ist mein erster Beitrag in diesem Forum und ich freue mich euch kennen zu lernen.
Der Grund für meine Registrierung in diesem Forum ist folgende Frage:

Was ist falsch mit mir?

Ich weiche sozialen Kontakten aus, gehe Bekannten aus dem Weg, ignoriere meine Freunde, bin nie zuverlässig erreichbar (ob per Handy, email, etc.), erfinde Ausreden dafür, dass ich angeblich keine Zeit habe. Obwohl mir viele Menschen sehr, sehr wichtig sind, und ich ihnen viel Raum in meinem Kopf und in meinem Herzen gebe, vermeide ich den Kontakt zu ihnen. Wenn jemand versucht mich zu kontaktieren oder sich mit mir zu verabreden, fühle ich Angst und Stress und bekomme das Bedürfnis zu flüchten. Je mehr mich die Person mag, und je mehr ich sie mag, desto mehr. Gerade bei erster Konstellation (die Person mag mich sehr) ist es für mich am schlimmsten.

Dabei genieße ich die Zeit mit Anderen sehr (jedenfalls mit den Menschen, die ich mag - logisch). Und ich gewinne mit meiner offenen Art auch sehr schnell Leute für mich. Oft vertrauen sich mir auch andere Personen an und erzählen mir ihre tiefsten Geheimnisse und Sorgen, welche sie vorher mit noch niemandem geteilt haben. Vielleicht merken sie, dass ich nichts und niemanden verurteile oder als `seltsam` ansehe und aufrichtiges Interesse habe ihnen zuhören und zu helfen. Menschen schätzen mich besonders für meinen Humor und die Ratschläge, die ich ihnen geben kann.

Wenn ich in einer sozialen Phase bin, dann bin ich sehr glücklich. Die meiste Zeit bin ich jedoch sehr introvertiert und einzelgängerisch. Nicht aus Mangel von sozialen Kompetenzen, sondern, weil ich einfach irre gerne Zeit mit mir alleine verbringe. Den Tag auf sich zukommen lasse, frei spontane Entscheidungen treffen, seinen Gedanken nachhängen, kreativ sein, schreiben, lesen, podcasts hören etc.
Formelle, berufsorientierte Kontakte fallen mir deutlich weniger schwer als private. Der Abstand machst.

Das alles ist ja eeeigentlich auch kein großes Problem, wenn nur dieses schlechte Gewissen nicht wäre: andere Menschen durch Ausweichen und Ignorieren zu kränken tut mir im Herzen weh. Besonders dann, wenn mir diese Menschen viel bedeuten. Je mehr ich mich zurückziehe, umso größer wird die Hürde zurück in die soziale Welt. Ich bin ein recht vermeidender Typ. Und ich merke nach einiger Zeit auch, wie sehr mir sozialer Kontakt fehlt - eine einfache Umarmung oder ein kurzes Gespräch, welches nicht nur aus „diese Äpfel bitte“ - „das macht 2,50€“ - „bitte“ - „danke“ - „schönes Wochenende“ - „gleichfalls“ besteht. Das macht mich dann auch unglaublich traurig.
Mein Vater tickt ähnlich und hat sich über die Jahre von vielen alten Freunden zurückgezogen, welche sich (zu Recht) verletzt fühlen.

Ich möchte das nicht - was kann ich tun?
Kennt ihr ähnliche Probleme?
Hat das einen Namen?
Kann ein Therapeut da weiterhelfen?
Und wenn ja, nach welcher Therapieform sollte ich Ausschau halten?

Ich hoffe sehr, ihr könnt mir weiterhelfen…

Alles Liebe und vielen Dank fürs lesen meiner Problechmchen,
Margarete


theweirdeffekt
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Beitrag Di., 30.04.2019, 19:04

Hallo und willkommen Margarete,

du klingst nach einem sehr empathischen Menschen. Hattest du dieses Problem schon immer oder wurde es mehr im Laufe der Zeit?

Bist du alleine nicht glücklich?

Was genau verursacht dir Stress und Angst, wenn sich jemand meldet? Dasdu ihn verletzt? Er deine Spontanität, dein Treiben lassen unterbricht?

Alles Gute
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candle.
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Beitrag Di., 30.04.2019, 19:04

Hallo Margarete und Willkommen!

Wie lange ist das denn jetzt so?

LG candle
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Margarete Beck
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Beitrag Di., 30.04.2019, 19:19

Hallo Candle, vielen Dank!

Hmmm, also einen genauen Zeitpunkt festzulegen ist schwierig, da sich das eher entwickelt hat, als, dass es plötzlich da war. Ich würde jedoch sagen, das das so mit +/-13 Jahren angefangen hat. In dieser Phase hatte ich eine Esstörung und habe mich viel zuhause "verkrochen", da die Schule (und meine Mitschüler) schon fordernd genug waren. Als ich das Essverhalten dann in die Gegenrichtung umgeschlagen ist (von zu wenig nach zu viel), habe ich mich als so unschön wahrgenommen, dass ich andere Menschen nicht treffen wollte, da ich nicht so gesehen werden wollte. Das ging ein paar Mal so hin und her. (Bei ca.170cm zwischen 35kg und 63kg). Hat sich zum Glück irgendwann in einen guten Bereich eingependelt.
Mit 18 habe ich mich verliebt und wollte nur "in meiner besten Verfassung" gesehen werden. Eine Art Perfektionismus, die dazu geführt hat mich nur mit der Person zu treffen, wenn ich mich `perfekt`gefühlt habe. Dieses Verhalten hat sich aber auch im Zusammenhang mit anderen Personen gezeigt. Je unattraktiver, uninteressanter - und auch anspruchsloser - eine Person für mich ist, desto leichter fällt es mir, sie zu treffen. Keine Erwartungen ihrerseits/seinerseits, keine Zuneigung meinerseits/beiderseits, kein Problem.
Zuletzt geändert von Margarete Beck am Di., 30.04.2019, 19:38, insgesamt 1-mal geändert.

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candle.
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Beitrag Di., 30.04.2019, 19:37

Margarete Beck hat geschrieben:
Di., 30.04.2019, 19:19
Je unattraktiver, uninteressanter - und auch anspruchsloser - eine Person für mich ist, desto leichter fällt es mir, sie zu treffen. Keine Erwartungen ihrerseits/seinerseits, keine Zuneigung meinerseits/beiderseits, kein Problem.
Du schreibst ja auch von Freunden, die muß man sich ja auch erstmal "erarbeiten", also sind da ja Menschen, die dich auf jeden Fall mögen.

Das ist so ein kleiner Widerspruch.

Nun ist die Frage in welche Richtung du gehen willst? Ich bin ja auch ein Typ der gerne allein unterwegs ist und es gibt auch Freunde, die das durchaus vertragen. So kann man sich sein Umfeld "einrichten". Oder du sagst, dass du das eigentlich gar nicht bist und sich das irgendwie manifestiert hat mit den Essstörungen und versuchst eine Therapie.

Ein schlechtes Gewissen mußt du jedenfalls nicht haben!

LG candle
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Margarete Beck
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Beitrag Di., 30.04.2019, 19:48

Liebe Candle,

viel herzlichen Dank für deine Antwort. :)

Ja, da hast du Recht, das klingt zuerst einmal unstimmig. Vielleicht lässt es sich besser verstehen, wenn ich sage, dass ich zwar sehr leicht Kontakte knüpfe, sie aber schlecht pflege. Zu Schulzeiten war das einfacher, da man sich ja regelmäßig gesehen hat, wenn man auf die selbe Schule gegangen ist. Sowie beim Job. Und wenn ich schon mal unter Leuten bin, dann ist da ja auch kaum eine Hürde.
Sonst ist es auch so, dass ich eher in sozialeren Phasen Freundschaften knüpfe/aufrechterhalte, in unsozialeren Phasen dann aber blockiert bin.

Die Frage nach der Richtung: ich glaube auch, dass es nicht verwerflich ist, wenn man gerne alleine ist. Überhaupt nicht. Es ist etwas sehr Wertvolles, wenn man seine eigene Gesellschaft genießt. Aber es wäre doch schön, wenn einem keine Ängste/Blockaden im Weg stehen, wegen denen man sich von seinen Freunden abkapselt. Die sind einem immerhin wichtig. Und extrem viel alleine sein tut auch nicht gut. Jedenfalls mir nicht. Und ich glaube, dass kein Mensch so ganz ohne menschliche Wärme auskommt. So gerne er auch alleine ist...

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Margarete Beck
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Beitrag Di., 30.04.2019, 20:06

Hallo theweirdeffect,

vielen herzlichen Dank auch für deine Antwort - ich habe sie eben erst gesehen.

Ja, das hast du ziemlich gut eingeschätzt... Nicht nur die Empathie (ich wünschte, ich wäre weniger empathisch und generell weniger gefühlvoll, das kann nämlich oft ganz schön überfordern, so viel Emotion), sondern auch das Gefühl von Stress und Angst. Tatsächlich ist es auch so, dass es sich Anfühlt wie eine Unterbrechung der Spontanietät und des Treibenlassens. Auch wie eine Einschränkung in meiner Freiheit, ein herausreißen aus einem Tagtraum. Andererseits ist auch die Angst jemanden zu verletzen sehr present. Kaum etwas ist für mich schlimmer als die Vorstellung, dass jemand (emotional) von mir abhängig ist. In meiner letzten Beziehung habe ich mich gefühlt, als würde ich kaum noch Luft bekommen und war furchtbar unglücklich und innerlich angespannt.
Aber auch bei Freundschaften ist das der Fall. Besonders, wenn ich eine der engsten Freunde dieser Person bin. Diese soziale/emotionale Verantwortung löst einen unglaublichen Druck in mir aus, welchem ich entfliehen will, da ich weiß, dass ich die Erwartungen nicht erfüllen kann. Mittlerweile kenne ich mich ja sehr gut und weiß, dass ich öfters mal eine ganze Weile untertauche und dann nicht erreichbar und weg vom Fenster bin...
Der Schmerz plus die Enttäuschung der anderen Person und das Mitleiden mit dieser plus das eigene schlechte Gewissen schrecken ab. Die Personen denken dann ja, sie hätten etwas falsches gesagt und ich sei sauer auf sie oder hätte das Interesse an ihrer Person komplett verloren und würde stattdessen mit anderen Leuten vor lauter Spaß keine Lust mehr haben ihnen zu antworten...oder, oder, oder... Bei manchen Leuten mache ich mir da nicht allzu große Sorgen, denn sie sind selbstbewusst und haben einen stabilen Freundeskreis. Aber bei anderen habe ich das Gefühl, das sie sehr verletzlich und sensibel sind und mich als Freundin brauchen.
Zuletzt geändert von Pauline am Di., 30.04.2019, 20:20, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Absätze für bessere Lesbarkeit angebracht.


theweirdeffekt
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Beitrag Di., 30.04.2019, 20:20

Gerne :)
Das klingt als würde es dir auch wichtig sein, dass du niemanden enttäuschst und es allen recht machen willst (nicht böse gemeint)? Tust du dir denn schwer damit nein zu sagen, wenn du etwas nicht willst, oder ist dein "nein" sozusagen der zwischenzeitliche kontaktabbruch, damit du es nicht verbalisieren musst? Denn wenn ich immer entweder meine Bedürfnisse nicht befriedigen kann oder den Kontakt abbrechen muss, um es zu tun, würds mich auch stressen.

Ich habe einen Freund, an den du mich erinnerst und wir haben darüber einfach mal gesprochen. Das nahm mir das Unverständnis und "sich-vor-den-kopf-gestoßen-fühlen" und ihm den Druck. Wenn ich jetzt mal nichts höhre, denk ich mir nicht, dass ich ihm nicht wichtig bin, sondern einfach, das er zeit für sich braucht. Schwierig wärs für mich, wenn ich gar nicht weiß was los ist. Vielleicht wär das eine idee?
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Pianolullaby
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Beitrag Di., 30.04.2019, 20:43

es gibt eine ängstlich vermeidende Persönlichkeitsstörung.
Ob du darunter leidest, bzw. das eine Diagnose sein könnte, wirst Du mit einem Arzt / Therapeuten besprechen müssen.
Träume nicht Dein Leben, lebe Deinen Traum

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Margarete Beck
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Beitrag Di., 30.04.2019, 21:29

@theweirdeffect
Da hast du auf jeden Fall mit ins Schwarze getroffen. Besonders, wenn es um das nein sagen geht, was jemanden verletzen würde. Denn, wenn ich etwas verspreche/zusage, dann möchte ich es natürlich auch einhalten. Natürlich. Aber manche Leute kosten bestimmte Dinge weniger Energie und manche mehr. Deshalb ist es wichtig für mich mir bloß nicht zu viel "aufzuhalsen", was ich nicht problemlos erfüllen kann. In zwischenmenschlichen Beziehungen zu anderen geht es auch erstrangig darum, dass sie sich in meiner Gegenwart wohlfühlen und erst zweitrangig darum, das ich mich auch in ihrer Gegenwart wohlfühle. Gemocht zu werden tut gut(macht aber auch Druck), mögen kann wehtun (...da man verletzt werden kann oder verletzt).

Dass du und dein Freund darüber gesprochen habt finde ich eine sehr gute Idee. Ich habe das zufällig heute auch getan. Gab es bei euch einen Auslöser, wie z.B. eine längere Phase ohne Kontakt? Hat er dich darauf angesprochen oder umgekehrt.
Bei mir war es so, dass nach vielem "beschäftigt" sein, "keine Zeit haben" und Nachrichten "nicht gelesen" haben so ein mieses Gefühl der Person ((m)einem Freund und engstem Vertrauten hier während meines halbjährlichen Auslandsaufenthaltes, welcher nächste Woche etwas früher als gedacht vorbei ist und er das immer noch nicht weiß...ich Idiot...) gegenüber hatte - vor allem, wenn man sich selbst auch mal so gefühlt hat und weiß, wie das ist - das war sehr erleichternd und hat super gut getan. Beiden Seiten, glaube ich.
Was hast du denn gedacht, als du da mit besagtem Freund drüber geredet hast? Warst du (vorher) sauer auf ihn? Hast du dirSorgen gemacht?

Liebe Grüße und einen schönen Abend!

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Margarete Beck
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Beitrag Di., 30.04.2019, 21:40

@pianolullaby

Danke für den Tip! Habe mir dazu etwas durchgelesen, teilweise passt es sehr, teilweise gar nicht... Jedenfalls wert darüber nachzudenken... :)

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Beitrag Mi., 01.05.2019, 00:54

Margarete Beck hat geschrieben:
Di., 30.04.2019, 18:56
. Wenn jemand versucht mich zu kontaktieren oder sich mit mir zu verabreden, fühle ich Angst und Stress und bekomme das Bedürfnis zu flüchten. Je mehr mich die Person mag, und je mehr ich sie mag, desto mehr.

Vielleicht hast du auch einfach Angst vor echter Nähe? Weil sie einen verletzlich macht?

Vielleicht hast du irgendwann mal erlebt, dass Nähe nicht gut ist...

Klassiker wäre als Kind...
Wenn die Eltern nicht immer daa geben was es braucht...
Fängt schon damit an einen Säugling schreien zu lassen (um ihn zur Ruhe zu erziehen)...
Geht weiter mit Emotionen nicht wirklich ernst nehmenn usw... das kann einen innerlich so verletzen, dass man keine Nähe mehr so einfach zulassen kann...

Oder man erlebt später etwas negatives, wenn man einen Menschen nah an sich heranlässt...

Also solche und ähnliche Dinge führen dazu...
Wie wenn man einmal auf ne heiße Herdplatts gefasst hat und es tat weh.... muss man ja dann auch nicht unnedingt noch mal machen.
"You cannot find peace by avoiding life."
Virginia Woolf


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Beitrag Mi., 01.05.2019, 08:12

Margarete Beck hat geschrieben:
Di., 30.04.2019, 21:29
In zwischenmenschlichen Beziehungen zu anderen geht es auch erstrangig darum, dass sie sich in meiner Gegenwart wohlfühlen und erst zweitrangig darum, das ich mich auch in ihrer Gegenwart wohlfühle. Gemocht zu werden tut gut(macht aber auch Druck), mögen kann wehtun (...da man verletzt werden kann oder verletzt).
Das verursacht natürlich mega Druck, wenn man das Gefühl hat sich hinten anstellen zu müssen. Ich hab die Erfahrung gemacht, dass gerade Menschen die auch mal Nein sagen können und auch schauen, dass sie selbst nicht zu kurz kommen zufriedener und ausgeglichener sind. Das verleiht Kontur und hat auch mit Grenzen ziehen was zu tun. Möglicherweise hättest du dann gar nicht mehr das Gefühl, soviel alleine machen zu wollen. Weil die Zeit mit Bekannten/Freunden für dich dann auch nicht soviel Energie kostet. Die Menschen fühlen sich mit dir wohl, genauso wie du bist, sonst wären sie nicht mit dir befreundet.

Eine Freundschaft ist ja keine Geschäftsbeziehung in der man sich aushalten "muss", wenn was nicht passt kann man sie notfalls auch beenden. In Anbetracht dessen, dass du aber ein gutes soziales Netz hast und sehr empathisch bist, geh ich davon aus, dass du für sie wichtig bist. Und dann will man auch, dass es dem Gegenüber gut geht, akzeptiert auch ein Nein etc.

Wegen der Verletzung: das ist wahr, für beide Seiten. Aber will man deshalb auf tiefergehende Beziehungen verzichten, oder Dinge die wehtun, aber für die Entwicklung gut sind, versäumen?
Margarete Beck hat geschrieben:
Di., 30.04.2019, 21:29
Gab es bei euch einen Auslöser, wie z.B. eine längere Phase ohne Kontakt? Hat er dich darauf angesprochen oder umgekehrt.
Genau so war es. Er hat sich ewig nicht gemeldet und auf nichts reagiert. Zuerst hab ich mir Sorgen gemacht. Irgendwann hat er sich wieder gemeldet. Da hab ich bemerkt, dass er nicht tod, oder irgendwas passiert ist, was mir den Kontaktabbruch verständlich gemacht hätte. Dann war ich so wütend, dass ich die Freundschaft beenden wollte. Letztendlich war das Gespräch aber ganz gut.
Margarete Beck hat geschrieben:
Di., 30.04.2019, 21:29
Was hast du denn gedacht, als du da mit besagtem Freund drüber geredet hast? Warst du (vorher) sauer auf ihn? Hast du dirSorgen gemacht?
Danach hab ichs verstanden und war auch nicht mehr böse. Ich hab ganz klar auch deponiert, wies mir mit seinem Verhalten geht. Das sorgt ja auch für Sorgen und Unsicherheit. Jetzt kann ich ihn so nehmen wie er ist. Er muss sich nicht verstellen und ich fühl mich nicht "angegriffen" oder "zurückgesetzt" weil er mal Zeit für sich braucht. Wir haben allerdings auch ausgemacht, dass ich kein komplettes Abtauchen mehr akzeptiere. Also eine Antwort, damit ich mich auskenne, muss schon kommen. Und wenn das nur ein lapidares: "Brauch gerade Zeit für mich, meld mich dann wieder" ist. Wie ists dir mit dem Gespräch gegangen? Fühlst du dich besser?

Alles Liebe
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Lilli81
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Beitrag Sa., 04.05.2019, 18:00

Hi Margarete

in gewisser Weise war ich auch so. Ich konnte zwar nie so gut wie du Kontakte knüpfen, aber wenn es mir zuviel wurde, ging ich auch auf Abstand. Hast du das Gefühl, dass du evt Dinge nicht erzählen möchtest oder bist du da offen? Vielleicht möchtest du dich auch unbewusst bestrafen, dass du die Kontakte nicht verdient hättest? Oder du hast zuviele Freunde, sodass du kaum zur Ruhe kommst. Wenn du gut Kontakte knüpfen kannst, bist du bei deinen Freunden wahrscheinlich sehr gefragt.

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Beitrag Mo., 24.06.2019, 11:39

Hallo Leute,

Ich kenne dieses Probem ganz gut. Nur aus anderer Sichtweise;

Ich habe vor jetzt ziemlich genau einem Jahr während eines KLinikaufenthaltes jemanden kennengelernt. Wir haben uns prima verstanden (keine Beziehung oder irgendwas in dieser Richtung).
Auch nach dem Aufenthalt haben wir uns noch ein paar Mal getroffen.

Dann hatten wir aber ohne jeden ersichtlichen Grund so gut wie überhaupt keinen Kontakt mehr.
Ich habe dann über eine dritte Person nachfragen lassen, was denn nun eigentlich los sei.
Als Antwort kam dann zurück, ihr gehe es gut und ich würde mir sowieso viel zu viele Sorgen machen.
An einem Kontakt mit mir wäre sie aber interessiert.

Seitdem höre ich von ihr direkt eigentlich gar nichts mehr, nicht mal per SMS.
Von anderen, gemeinsamen Bekannten habe ich erfahren, daß sie ein solches Verhalten öfter an den Tag legen würde und sich manchmal sogar dafür entschuldigt.

Ich glaube nicht, sie tut sowas aus reiner Bösartigkeit, sondern ich denke, es steckt Angst und/oder Unsicherheit dahinter.
Diese Sache beschäftigt mich sehr und hat mich auch irgendwie ziemlich verletzt.

Mit euren Forumsbeiträgen habt ihr mir geholfen diesen Menschen zumindest ein wenig zu verstehen.
Trotzdem bin ich immer noch zirmlich perplex, ich möchte diese Sache echt geklärt haben, möchte aber auf keinen Fall aufdringlich sein.

Vielleicht hat ja auch jemand einen ganz guten Tipp für mich?

Schönen Gruss von Mytch
I am one of those
neurodramatic fools
-neurotic to the bone-
no doubt about it!