I-Pension und nun ?

Nicht jedem fällt es leicht, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten, "einfach" mal jemanden kennenzulernen oder sich in Gruppen selbstsicher zu verhalten. Hier können Sie Erfahrungen dazu (sowie auch allgemein zum Thema "Selbstsicherheit") austauschen.
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Ella45
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I-Pension und nun ?

Beitrag Fr., 20.12.2019, 12:28

von euch hier schon jemand in I-Pension? und wenn ja wie alt seid ihr?

ich war fünf Jahre jetzt im Rehageld, zwischenzeitliche hochs aber auch wieder tiefs. Zwei mal auf Reha fort, die dritte heuer abgelehnt worden. Berufliche Neuorientierung seitens PVA ebenfalls abgelehnt, daher privat bezahlt für den Fall wenn man mal abgeschrieben werden würde, ein berufliches neues Standbein zu haben. Alles umsonst.
Das ich gar in Pension geschickt werden würde, damit hätte ich ja niemals gerechnet.

Und nun kam es genau so. Sie schicken mich in I-Pension.

meine Therapeutin findets cool. Ich weis nicht was ich sagen soll. Eine Mischung aus entsetzen, Schock, Wut und weis nicht was. Soll es das etwa gewesen sein? Ich weiß ja nicht mal wie und ob ich mein weiteres Leben finanzieren kann.

Und auch privat reißt diese Entscheidung alles über den Hauffen. Und wem erzählt man schon gern, wenn man gefragt wird, was machst du so - öhm ich bin in Pension?! oberpeinlich einfach nur.

geht s noch wen so?

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lisbeth
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Beitrag Sa., 21.12.2019, 09:35

Hallo Ella,

könntest du es nicht auch anders betrachten? Als Möglichkeit, dass du dich erstmal ganz auf dich selbst konzentrieren kannst und darauf, wieder mehr Stabilität zu finden?

Ich weiß nicht, wie es in Österreich ist, aber hier in Deutschland kriegt man die Erwerbsunfähigkeitsrente (was glaube ich eurer Invalidenrente entspricht) nicht gerade hinterhergeworfen. Heißt: Es gibt wahrscheinlich schon gute Gründe, warum dir das bewilligt wurde.

Dass es aktuell so ist, muss ja auch nicht heißen, dass es immer so bleibt. Es kann ja sein, dass du in der Zukunft nochmal einen neuen Anlauf unternimmst um beruflich wieder Fuß zu fassen, und der dir dann auch gelingt.

Wäre es eine Möglichkeit, mit deiner Therapeutin zu schauen, wie du diesen Freiraum für dich aktiv nutzen kannst? Vielleicht kannst du auch irgendwo ein paar Stunden in der Woche etwas ehrenamtlich machen? Irgendeinen Verein, ältere Menschen, das Tierheim unterstützen? Etwas, was dir einfach Spaß macht? Denn Zeit genug hast du ja. Und vielleicht entwickeln sich ja auch aus so einem Ehrenamt neue Möglichkeiten, die dich erfüllen.
In dem Maß wie wir anfangen, Fragen anders zu stellen, werden wir auch neue Antworten finden.

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Hiob
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Beitrag Sa., 21.12.2019, 10:41

Einfach mal wirken lassen. Wenn der weggefallene Druck, im Hamsterrad Geld auftreiben zu müssen und sich an äußere Gegebenheiten anzupassen, in dir innerlich Ruhe und Frieden einkehren lässt, aus dem sich später neue Ideen und Gestaltungsdrang entwickelt, dann wäre das schön.

Wenn du dich nun aber abgestempelt und kalt gestellt fühlst und sich da auch nach und nach keine Ruhe einstellt, blöd. In letzterem Falle würde ich die Pension dennoch als Lebensgrundlage verstehen und nebenberuflich selbständig ein paar Schillinge dazuverdienen und einfach etwas schönes machen, was du gerne tust. Ideen sammeln und dich irgendwann aufraffen, mit aller Sensibilität, dich dennoch nicht zu sehr zwingen.

Hiob

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Beitrag Sa., 21.12.2019, 11:45

danke Hiob für deinen Beitrag

das mit der Selbstständigkeit ist eine gute Idee und wäre mein berufliches Ziel gewesen, jetzt in Pension nicht mehr verwirklichbar denke ich.

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Rosenstock
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Beitrag Sa., 21.12.2019, 12:39

Servus Ella,

Warum soll eine Selbständigkeit jetzt nicht mehr verwirklichbar sein? Soweit ich rausgelesen habe, bist eh erst am Anfang und bis du soviel verdienst, dass die Pension gestrichen wird, das dauert. Ich kenne einige in meinem Umfeld, die sich srlbständig gemacht haben.
Was die anderen Leute bzgl Pension sagen, kann dir egal sein. Ganz ehrlich, du hast geschrieben, dass du davor Reha-Geld bezogen hast. Leute, die sich über Pension wundern, oder vielleicht sogar blöd darüber reden, die tun das über Rehageld genauso.
Versuch es zu genießen, dass der Druck nun draussen ist und - wenn du möchtest - kannst dur immer wieder etwas selbständig dazu aufbauen.
Lg Rosenstock

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Hamna
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Beitrag Sa., 21.12.2019, 12:56

Hallo Ella,

ich bekomme volle Erwerbsminderungsrente und das mit der Scham kenne ich gut, wenn ich gefragt werde, was ich denn so mache. Ich habe da auch noch keine Lösung, wie ich am besten auf diese Frage reagieren soll. Offen und ehrlich sein? Das ist dann so ein Seelenstriptease, ich will ja auch nicht jeden in meine psychischen Probleme einweihen, es wird dann ja auch gleich weitergefragt, warum und wieso. Lügen mag ich aber auch nicht. :-(
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Broken Wing
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Beitrag Sa., 21.12.2019, 13:13

In der Tat ist es so, dass sie einem die I-Pension nicht nachschmeißen. Ich habe sie nicht bekommen, allen Anstrengungen zum Trotz.

Die Scham kenne ich in dieser Hinsicht gar nicht, habs mir nicht ausgesucht. Ich würde sogar noch mehr vom Staat zu holen versuchen und mich auf diese Einnahmequelle spezialisieren. Wie überall gilt: damit nicht hausieren gehen, es gibt Neider.

Warum antwortet ihr nicht einfach, auf Arbeitssuche zu sein? Ihr findet halt nichts.
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Hamna
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Beitrag Sa., 21.12.2019, 13:40

Broken Wing hat geschrieben:
Sa., 21.12.2019, 13:13
Warum antwortet ihr nicht einfach, auf Arbeitssuche zu sein? Ihr findet halt nichts.
Das fände ich mindestens genauso beschämend.
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Coriolan
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Beitrag Sa., 21.12.2019, 17:39

I-Pension ist Invaliden-Pension?

Ich kann verstehen, dass dich das "umhaut", denn so hat man doch von "offizieller" Seite bestätigt bekommen, dass man wirklich sehr krank ist, und - wie gesagt - so leicht bekommt man die sicher auch in Österreich nicht. Das quasi noch einmal so deutlich vor Augen geführt zu bekommen, ist sicher sehr schmerzhaft. :trost:

Ist sie denn zeitlich befristet?

Tja - wie geht man damit um? :dunno:

Ich denke, du weißt, dass es keinen Grund gibt, für den du dich schämen musst - auch wenn ich sehr gut nachvollziehen kann, dass das nunmal so ist. Und (Scham-) Gefühle können so verdammt stark sein.

Echte Freunde wissen doch mit Sicherheit schon längst von deiner Situation - du bist ja nicht von heute auf morgen da "gelandet". Und für die flüchtigen Bekanntschaften, die man auf der Straße trifft, würde ich mir irgendeine Antwort vorher überlegen. Klar, kommt's drauf an, wen man da trifft, aber so bist du auf die Frage gut vorbereitet und kommst nicht in Verlegenheit, wenn jemand nachfragt.

Niemand ist gerne krank und auch das mit dem Schamgefühl kann ich so gut nachvollziehen. Schließlich wird man von manchen (oberflächlichen) Menschen gerne in die "zu faul zum Arbeiten-Ecke" gestellt. Wobei da ja die Frage ist, ob dass "nur" deine Befürchtung ist oder ob das wirklich Menschen in deinem Umfeld tun/getan haben. Falls das nur deine Befürchtung ist, kannst du ja evtl. mal gezielt nachfragen, wenn du dich da hingestellt fühlst. Und wenn diese Menschen dich deswegen komisch behandeln sollten, dann sind's für dich und deine Situation vielleicht auch einfach nicht (mehr) die richtigen Kontakte.

Es ist sicher eine große Umstellung, nicht mehr nur einzelne freie Tage, sondern Monate sinnvoll füllen zu müssen. Ich kann mich da den anderen nur anschließen. Such dir ein Ehrenamt, vertiefe deine Hobbies, probiere ggf. neues aus (was dann vielleicht ein neues Hobby werden könnte).

Es ist nicht einfach - die Arbeit nimmt ja in der Regel einen zeitlich hohen Raum im Leben eines Menschen ein. Der muss ja erstmal wieder gefüllt werden. Persönlich denke ich, das schlechteste ist, den ganzen Tag (alleine?) zuhause zu verbringen - da kommen oft bei vielen Menschen nur ungute Gedanken früher oder später bei raus.

Was machst du denn gerne bzw. würdest du gerne machen? Wofür hattest du während deines Arbeitslebens immer zu wenig Zeit? Klar ist es ja auch ein großer finanzieller Einschnitt, aber nicht jedes Hobby oder jeder Kurs an einer VHS ist gleich ultra-teuer.

Oft gibt's ja auch von sozialpsychiatrischen Diensten Angebote, die sehr wenig oder gar nix kosten. Auch da könntest du dich erkundigen, was es in deiner Nähe so gibt. Hier gibt's zum Beispiel ein Arbeitslosenfrühstück (das heißt nur so - aber die Leute dort sind aus unterschiedlichen Gründen eben nicht - mehr - im Arbeitsleben).

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Broken Wing
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Beitrag Sa., 21.12.2019, 18:08

Warum ist es beschämend, nichts zu finden? Als Psycho würde ich hingegen nicht betrachtet werden wollen, weil ich mich auch nicht gern mit psychisch kranken umgebe. Fremden lüge ich einfach ins Gesicht.
Die Menschen von heute sind echt strange. Es gibt so viele, die arbeiten wollen. Warum nicht ihnen den Vortritt lassen? Aber Fremde, die Arbeitsfaule schräg anschauen, verstehe ich noch weniger. Ist doch super, wenn der andere auch ohne Erwerbsarbeit ein Leben hat.

Die Frage ist, was du mit deiner Zeit machen kannst/willst. Den ganzen Tag rumzulungern wäre wenig.
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Beitrag Sa., 21.12.2019, 18:12

Broken Wing hat geschrieben:
Sa., 21.12.2019, 18:08
Aber Fremde, die Arbeitsfaule schräg anschauen, verstehe ich noch weniger.
Ach, daher weht der Wind. Alles andere hätte mich bei dir auch gewundert!
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Beitrag Sa., 21.12.2019, 18:14

Broken Wing hat geschrieben:
Sa., 21.12.2019, 18:08
Warum ist es beschämend, nichts zu finden?
Wer nichts findet, der taugt auch nichts in seinem Job. Ja, das fände ich in meinem Fall beschämend, weil ich immer sehr gut war in meinem Job.
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Coriolan
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Beitrag Sa., 21.12.2019, 18:24

Es ist halt wirklich schwierig.

Lügen ist irgendwie blöd.

Deswegen ja die Idee, sich eben vorher zu überlegen, was man in so einem Fall sagen könnte, denn oft ist man in der Situation selbst ja dann nicht besonders schlagfertig.

Aber selbst beim Frisör kommt ja oft die Frage, ob man frei hat, Urlaub hat oder warum man sonst um 11:00 Zeit hat.

Und ein "darüber möchte ich nicht reden" muss man erst einmal hinbekommen. (Abgesehen davon, dass man damit andere auch leicht ziemlich vor den Kopf stößt, was in dem Fall aber erstmal nebensächlich wäre). Gerade weniger sensible Menschen merken es nämlich nicht und fragen einfach selbst beim 3. knappen "Antwort-Nein" noch nach.

Und gerade die ferneren Bekanntschaften sind ja nicht ohne Grund nur fernere Bekanntschaften, denen man auf der Straße eben nicht auf's Brot schmieren möchte, warum bzw. dass man jetzt Pension bezieht.

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Beitrag Sa., 21.12.2019, 18:25

Broken Wing hat geschrieben:
Sa., 21.12.2019, 18:08
Als Psycho würde ich hingegen nicht betrachtet werden wollen, weil ich mich nicht gern mit psychisch kranken umgebe
erkläre mir bitte den Begriff "Psycho" und für welchen Personenkreis du diesen verwendest.. und weshalb du dich solche Vorurteile hast dich nicht mit solchen umgeben zu wollen


Und Lügen wie du es bezeichnest, einfach ins Gesicht zu lügen ist grundsätzlich nicht meine Art weil ich ein grundehrlicher Mensch bin.

Jetzt bin ich aber mal gespannt auf deine Psycho-Erklärung :kopfschuettel:

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Beitrag Sa., 21.12.2019, 18:29

Vorhin in meinem Blog habe ich mir die Antwort darauf selbst gegeben: ich sage das, was ich tatsächlich gerade mache, und irgendwas mache ich immer. Im Moment bin ich Dozentin für MS Office, weil ich meiner Cousine privaten Unterricht gebe. Im Frühjahr bin ich vielleicht freie Autorin, weil ich hobbymäßig schreibe. Dass ich noch nie was veröffentlicht habe, ist ja keine Schande. Und wenn man ehrenamtlich Hunde ausführt, Senioren vorliest oder what ever, irgendwas kann man immer tun - und dann auch sagen. Dass man dafür kein Geld bekommt, muss man ja nicht betonen. :-P
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