Auswahl der richtigen Therapie

Nicht jedem fällt es leicht, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten, "einfach" mal jemanden kennenzulernen oder sich in Gruppen selbstsicher zu verhalten. Hier können Sie Erfahrungen dazu (sowie auch allgemein zum Thema "Selbstsicherheit") austauschen.

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FabianH
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Auswahl der richtigen Therapie

Beitrag So., 05.01.2020, 21:11

Hallo,

ich habe mich nun endlich entschieden, eine Therapie zu machen, um meine sozialen Phobien anzugehen. Dabei habe ich nun mehrere Erstgespräche wahrgenommen. Bei allen Therapien wird es in Richtung Verhaltenstherapie gehen und erste Diagnosen wurden in Richung soziale Phobien (Verdacht) gestellt.

Nun muss ich mich kommende Woche für eine Therapie entscheiden, bin mir aber sehr unsicher, auch weil ich bisher keine Erfahrungen mit Therapien habe.

Therapieplatz 1:
Hier hatte ich bisher drei Gespräche, in denen vor allem Anamnese gemacht worden ist (also auch Ausfüllen und Besprechen der klassischen Fragebögen). Ich konnte viel von mir und meinen auch akuten Situationen erzählen, die Therapeutin hat mir allerdings dann trotzdem auch so Standardfragen gestellt, einfach um alles abzuwägen (also auch im Bereich der Zwänge z.B., depressives Verhalten etc.).
Zur Therapeutin konnte ich sofort ein ziemlich vertrautes Verhältnis aufbauen, sehr sympathisch und wir sind auch von unserem Humor her auf einer Wellenlänge. Vorausschauend wird es eine Langzeittherapie werden, bei der wir vor allem viel sprechen und dann gucken müssen, an welchen Stellen gearbeitet werden kann.
Die Therapeutin hat mir einen Platz angeboten, hätte also Kapazitäten - aber ich müsse bald Bescheid geben.

Therapieplatz 2:
Hier gab es bisher nur zwei Termine. Dabei hatte die Therapeutin ein etwas anderes Vorgehen. Auch hier konnte ich viel von mir erzählen und meine aktuelle Situation schildern. Die Therapeutin ging dann danach oft in eine Metaebene und hat mich versucht aus ihrer Sicht zu spiegeln (Wie sieht sie mich, wie schätzt sie meine Probleme ein). Im zweiten Gespräch hatte ich ein sehr akutes Problem, was ich ihr schildern musste (Beziehungskonflikt), so dass wir direkt darüber gesprochen haben und es erstmal keine Anamnese an sich gab. Im Gegensatz zur ersten Therapeutin hat diese hier mehr von ihrer Methodik gezeigt und mit mir bereits an Sachen gearbeitet, ist mit mir Konzepte durchgegangen.
Wenn ich mich für diesen Platz entscheide, würde es dann die kommenden Wochen mit Anamnesegesprächen/Fragebögen weitergehen und dann ab Februar wahrscheinlich mit der richtigen Therapie (auch Langzeittherapie). Hier hat mir die Therapeutin in Aussicht gestellt, dass es eine Mischung aus Einzeltherapie und Gruppentherapie sein wird - Gruppe, um mich auch zu konfrontieren mit meinen Ängsten und etwas offener zu werden. Die Therapeutin scheint etwas ganzheitlicher zu sein und in Richtung Embodiment zu gehen.

Aus den Konzepten und Gesprächen der zweiten Therapeutin konnte ich mir bisher mehr mitnehmen, was natürlich daran liegt, dass wir wenig Anamnese und mehr konkret gearbeitet haben schon. Von der Sympathie her liegen beide gleich, wobei ich mit der ersten Therapeutin mehr gewitzelt habe und da eben auch einen sehr zeitnahen Therapieplatz hätte.

Ich bin mir dennoch unsicher. Wahrscheinlich kann man mir hier auch gar nicht weiterhelfen oder mir zu etwas raten, weil das letztendlich meine Entscheidung ist.
Ich wollte aber dennoch meine Schwierigkeiten teilen. Vielleicht habt ihr ja Erfahrungen. Danke!

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lisbeth
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Beitrag So., 05.01.2020, 22:50

Hallo Fabian,

erstmal gut für dich, dass du dich entschlossen hast, etwas gegen deine sozialen Phobien zu unternehmen.

Für mich lesen sich beide Optionen ok.
Solange keine überdeutlichen Warnsignale auftauchen, gibt es meiner Meinung nach bei sowas auch nicht richtig oder falsch. Du hast das Gefühl, du könntest mit beiden gut an deinen Problemen arbeiten, eine "richtige" Therapiebeziehung wird sich dann sowieso erst im Laufe der Therapie entwickeln.

Es ist glaube ich eher die Frage, dass du dich für eine Option entscheiden musst, und dann auch alles auf diese Karte setzen musst. Das fühlt sich sicher blöd an, aber ich glaube, wenn du erstmal richtig in den Therapieprozess eingestiegen bist, wird das dann auch immer mehr in den Hintergrund treten.

Alles Gute für dich!
lisbeth
In dem Maß wie wir anfangen, Fragen anders zu stellen, werden wir auch neue Antworten finden.

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diesoderdas
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Beitrag Mi., 08.01.2020, 00:21

Hallo Fabian,

ich finde auch, die klingen beide in Ordnung, auch wenn natürlich recht wenig geschildert wurde.
Ganz spontan würde ich zur zweiten tendieren, da ich die Gruppe als sinnvoll ansehen würde.
Aber ob das die bessere Entscheidung wäre, sei dahin gestellt.

Musst wahrscheinlich "einfach" auf deine Eingebung hören.
Als Tip von mir würde ich dir noch raten, auch weiterhin auf dich zu hören. Nicht zur beim Aussuchen des Therapieplatzes, sondern auch im weiteren Verlauf. Immer mal wieder zu schauen: ist es so, wie ich es erwartet habe? Bringt mir die Therapie etwas? Was ist gut, was hätte ich gern anders? Geht es mir besser?

Auch von mir viel Glück für dich!