Sterbehilfe für psychisch Kranke?

Was Sie in Bezug auf Ihre eigene Zukunft, oder auch die gegenwärtige Entwicklung der Gesellschaft beschäftigt oder nachdenklich macht.

Eremit
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Re: Sterbehilfe für psychisch Kranke?

Beitrag Di., 01.01.2019, 17:19

mio hat geschrieben:Am Ende wirst Du eh allein sterben. So oder so.
Äh, ja, und? Jedes Lebewesen stirbt für sich allein.

Was aber wieder ein guter Grund für die Legalisierung von Suizidhilfe wäre …


mio
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Beitrag Di., 01.01.2019, 17:22

Suizidhilfe ist prinzipiell nur EH SCHON legal. Nur halt nicht in der Form, die Dir oder anderen vorzuschweben scheint...

Thats the point.


Eremit
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Beitrag Di., 01.01.2019, 17:43

mio hat geschrieben:Nur halt nicht in der Form, die Dir oder anderen vorzuschweben scheint...
Ja, würdevolle, geordnete, saubere, schmerzlose Suizidbeihilfe mit professioneller Unterstützung bleibt auch weiterhin illegal. Und ich vermute, dass das daran liegt, weil die Gruppe sich am Suizidanten rächen will dafür, dass er sich dem Besitzanspruch der Gruppe entziehen will, die meisten Indizien sprechen dafür. Die Egozentrik der Hinterbliebenen steht der Egozentrik des Suizidanten bezüglich Besitzansprüchen um nichts nach. Soviel ich mitgekriegt habe, übertrifft sie sogar regelmäßig die des Suizidanten.


mio
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Beitrag Di., 01.01.2019, 17:47

Ganz ehrlich: Mach einfach mal was selbst...


Eremit
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Beitrag Di., 01.01.2019, 21:10

Um wieder zum eigentlichen Thema des Threads zurückzukehren …

Es gibt mehrere Gründe, die für Suizidbeihilfe sprechen, aber auch mehrere dagegen. Die, die dafür sprechen, orientieren sich mehr an den Bedürfnissen des Suizidanten. Die, die dagegen sprechen, mehr an den Bedürfnissen der Gruppe. Somit ist es eine Frage, wessen Besitzansprüche eine höhere Priorität haben: Die des Individuums oder die des Kollektivs …
Zuletzt geändert von Eremit am Di., 01.01.2019, 21:17, insgesamt 1-mal geändert.

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ExtraordinaryGirl
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Beitrag Di., 01.01.2019, 21:17

Nur dass der Suizidant m. E. Teil dieser Gruppe ist und bleibt - es sei denn, er bringt sich aus eigener Hand um.

Also viel Spaß dabei, genug Menschen zu finden, die für die Sterbehilfe für psychisch Kranke sind.
Hin- und hergerissen.


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Beitrag Di., 01.01.2019, 21:46

ExtraordinaryGirl hat geschrieben:Nur dass der Suizidant m. E. Teil dieser Gruppe ist und bleibt (…)
Spätestens, sobald er den Wunsch äußert, zu sterben, sondert er sich von der Gruppe ab, ist somit nicht mehr ein Teil von ihr. Schon vorher beginnen solche Individuen in der Regel, sich von der Gruppe abzusondern, was nicht selten zu Handlungen wie z.B. Mobbing führt, je nach sozialem Umfeld. Was insofern verständlich ist, da Konformismus unabdingbar für den Zusammenhalt und das Überleben der Gruppe ist. Kranke, nicht leistungsfähige Individuen werden in der Regel verstoßen, sich selbst überlassen. Insofern ist es wieder seltsam, gerade solche Individuen am Suizid hindern zu wollen, obwohl sie keinen Wert mehr für die Gruppe haben und ihr Tod nicht nur für sie selbst, sondern auch oft genug eine Erleichterung für die Gruppe darstellen würde.
ExtraordinaryGirl hat geschrieben:Also viel Spaß dabei, genug Menschen zu finden, die für die Sterbehilfe für psychisch Kranke sind.
Aufgrund des Sachverhalts haben Suizidanten natürlich keine Lobby, die ihre Bedürfnisse durchsetzt. Die Erfolgreichen können nicht klagen weil sie tot sind und die Erfolglosen (die sich auch weiterhin das Leben nehmen wollen) sind weggesperrt und medikamentös ruhiggestellt. Da müsste die Lobbyarbeit schon aus einer anderen Richtung kommen und die Begründungen andere sein, z.B. notwendige Einsparungen im Gesundheitssystem oder Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit …

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ExtraordinaryGirl
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Beitrag Di., 01.01.2019, 21:59

KEINER hindert einen am Suizid. Ich glaube, das ist schon länger gesetzlich festgehalten.

Und es sagt auch niemand Suizidanten, dass sie keinen Anspruch darauf haben, über ihre Körper zu verfügen.

Es geht darum, was sie zum Teil von anderen verlangen. Das ist ja jetzt ein wiederkehrendes Thema.

Natürlich kann man ständig die Verantwortung anderen zuschieben und gleichzeitig erwarten, dass man für voll genommen wird, wenn man dann mal eigenverantwortlich handeln möchte, aber für mich ist das etwas widersprüchlich.
Hin- und hergerissen.

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Beitrag Di., 01.01.2019, 22:02

Aufgrund des Sachverhalts haben Suizidanten natürlich keine Lobby, die ihre Bedürfnisse durchsetzt. Die Erfolgreichen können nicht klagen weil sie tot sind und die
rfolglosen (die sich auch weiterhin das Leben nehmen wollen) sind weggesperrt und medikamentös ruhiggestellt.
Und es gibt niemanden, der es schafft, sich mit Versuchen zurückzuhalten, bis er die erwünschte Hilfe erhalten hat?
Hin- und hergerissen.


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Beitrag Di., 01.01.2019, 22:26

ExtraordinaryGirl hat geschrieben:KEINER hindert einen am Suizid.
Dass es sogar die gesetzliche Pflicht gibt, andere an der Vervollständigung suizidaler Handlungen zu hindern, habe ich schon geschrieben. Hast Du das gar nicht gelesen? Wenn sich ein Mensch z.B. die Pulsadern aufschneidet und dabei ist, zu verbluten, und Du ohne Gefahr für Dich oder andere in der Lage wärst, dieser Person zu helfen, darfst Du diese Person gar nicht ausbluten lassen, Du musst diese Person daran hindern, ihre suizidale Handlung zu vervollständigen. Und das wäre eine Verhinderung des Suizids.
ExtraordinaryGirl hat geschrieben:Und es sagt auch niemand Suizidanten, dass sie keinen Anspruch darauf haben, über ihre Körper zu verfügen.
Schon Nicht-Suizidalen (bzw. Halb-Suizidalen) ist die freie Verfügung über ihren eigenen Körper nicht gestattet. Sonst wäre ja z.B. Drogenkonsum, mit dem man sich letztendlich ins Grab bringt, auch erlaubt.
ExtraordinaryGirl hat geschrieben:Es geht darum, was sie zum Teil von anderen verlangen.
Klar. Ein Suizidant kann verlangen, dass ihm ein würdevoller, schmerzloser Suizid gewährt wird mit professioneller Unterstützung und der Möglichkeit, sich zu verabschieden. Oder er kann die Gruppe einfach vor vollendete Tatsachen stellen. Was ist auf lange Sicht besser? Ist Letzteres wirklich das Optimum, nach dem Motto "Hinter mir die Sintflut"?

Warum soll Suizidanten weniger Würde, Komfort und Selbstbestimmtheit zustehen als z.B. Menschen, die an Krebs sterben? Noch dazu an Krebs, der gar nicht so selten selbst verschuldet ist?
ExtraordinaryGirl hat geschrieben:Natürlich kann man ständig die Verantwortung anderen zuschieben und gleichzeitig erwarten, dass man für voll genommen wird, wenn man dann mal eigenverantwortlich handeln möchte, aber für mich ist das etwas widersprüchlich.
Auf die Widersprüchlichkeit bei der Besitzfrage und der dazugehörenden Verantwortung habe ich auch schon hingewiesen.
ExtraordinaryGirl hat geschrieben:Und es gibt niemanden, der es schafft, sich mit Versuchen zurückzuhalten, bis er die erwünschte Hilfe erhalten hat?
Klar gibt es diese. Dazu gehört auch auf gewisse Weise die Gruppe der "Hilferuf-Suizidanten", die z.B. Schlafmittel schlucken und es so einrichten, dass sie gefunden werden, bevor sie tatsächlich sterben.

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Anna-Luisa
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Beitrag Di., 01.01.2019, 22:41

ExtraordinaryGirl hat geschrieben:
Di., 01.01.2019, 21:59
KEINER hindert einen am Suizid. Ich glaube, das ist schon länger gesetzlich festgehalten.
Doch. ICH würde es tun. Gesetzlich festgehalten ist, dass ich mich der unterlassenen Hilfeleistung schuldig mache, wenn ich in solchen (mir bekannten) Fällen nicht den Rettungsdienst alarmieren würde.
Fordere viel von dir selbst und erwarte wenig von den anderen. So wird dir Ärger erspart bleiben.
(Konfuzius)

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Beitrag Di., 01.01.2019, 23:00

Man kann einer Person beim Sterben zusehen und man kann auch Drogen nehmen. Man muss halt mit den Konsequenzen leben können.

Und dass es die gibt, liegt daran, dass die von dir erwähnten Ansprüche des Individuums dort aufhören, wo sie mit den Ansprüchen eines anderen Individuums kollidieren.
hat geschrieben:Klar. Ein Suizidant kann verlangen, dass ihm ein würdevoller, schmerzloser Suizid gewährt wird.
Und mit welchem Recht verlangt er das?
Oder er kann die Gruppe einfach vor vollendete Tatsachen stellen. Was ist auf lange Sicht besser? Ist Letzteres wirklich das Optimum, nach dem Motto "Hinter mir die Sintflut"?
Vielleicht?

Er wäre nicht der Erste, der nach dem Motto lebt - die Tendenz vonseiten der Gesellschaft geht dann eher in Richtung Wegsperren und Prävention, wobei du zumindest Ersteres kritisierst.
Warum soll Suizidanten weniger Würde, Komfort und Selbstbestimmtheit zustehen als z.B. Menschen, die an Krebs sterben? Noch dazu an Krebs, der gar nicht so selten selbst verschuldet ist?
Vielleicht, weil Krebs berechenbarer ist?
Zuletzt geändert von ExtraordinaryGirl am Di., 01.01.2019, 23:02, insgesamt 1-mal geändert.
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Broken Wing
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Beitrag Di., 01.01.2019, 23:02

Eine andere Verhinderung sind natürlich auch generalpräventive Maßnahmen, zu denen auch die Verunmöglichung eines leichten Todes zählt. Tödliche Medikamente gibt es zwar, aber Menschen mit einer suizidalen Vorgeschichte wird das Zeug nur vor Ort in 1x-Einnahmedosen verabreicht, wenns sein muss.
Dann bezieht man das Zeug eben aus dubiosen Quellen und gehört entweder zu denen, die es wirklich gewollt haben oder zu den Meisten, die schlimmstenfalls als Gemüse aufwachen.
Beginne den Tag mit einem Lächeln, dann hast du es hinter dir. [Nico Semsrott]


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Beitrag Di., 01.01.2019, 23:24

Broken Wing hat geschrieben:
Di., 01.01.2019, 23:02
zu denen auch die Verunmöglichung eines leichten Todes zählt
Wobei erst mal festgelegt werden müsste was ein "leichter Tod" genau sein soll. Woran mißt Du das?

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Beitrag Mi., 02.01.2019, 09:27

Da dieser Thread schon "überlang" ist, würde ich gern mal eine Nachdenkpause von 1-2 Wochen vorschlagen - wenn danach tatsächlich noch weiterdiskutieren möchte, bitte einen neuen eröffnen. ;-)

Liebe Grüße,
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