Ritzen als Erwachsene??

Körperliche und seelische Gewalt ebenso wie die verschiedenen Formen von Gewalt (wie etwa der Gewalt gegen sich selbst (SvV) oder Missbrauchserfahrungen) sind in diesem Forumsbereich das Thema.
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chrisalex39
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Ritzen als Erwachsene??

Beitrag Sa., 11.08.2018, 20:25

Hallo! Ich bin gerade ziemlich verwirrt, und verunsichert! Ich bin 39 Jahre, und habe mich heute nach einem heftigen Streit mit meiner besten freundin, mit dem Messer in den Arm geritzt. Und das zum ersten Mal! Bisher hab ich mich nur manchmal in den Arm gekniffen, wenn aggression und Anspannung so hoch waren.
Aber Ritzen? Ich bin doch kein Teenager! 😟
Noch kurz zu mir. Ich habe die Diagnose rezidivierende depressive Störung, und habe auch Anteile von ner emotional instabilen Persönlichkeitsstörung, aber eben nur Anteile. Borderline war schon im verdacht.

Hat jemand von euch Erfahrungen mit Ritzen im Erwachsenenalter??
Wenn innerer Druck zu gross wird?
Vg, Christiane

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saffiatou
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Beitrag Sa., 11.08.2018, 20:35

Hallo Christiane,

Ich kenne das Ritzen als Erwchsene auch. Bereits als Kind oder Teenager habe ich mich verletzt, allerdings nie mit Messer oder ähnlichem. Wie bei dir wird der Druck auch bei mir durch Stress ausgelöst. Diese “Strategie” hat nichts mit Teenagern zu tun. Wichtig ist dass, du dich nicht zu schwer verletzt, und hinterher gut behandelst. Bist du in Behandlung (Therapie, Psychiater?) dort solltest du das ansprechen, sie können dir dann Hilfe geben.


Saffia
never know better than the natives. Kofi Annan


Fighter1993
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Beitrag Sa., 11.08.2018, 20:47

Hi,
ich hab im Grunde auch erst mit 23 angefangen - bin aber seit 9 Monaten Ritzfrei sozusagen. Hab es aber auch nie wirklich regelmäßig getan. Da musste schon vorher sehr viel passiert sein, damit ich es getan habe: Stress, Streit, Flashbacks. Mittlerweile bin ich wieder in Therapie, nehme regelmäßig Antidepressiva und habe eine Bedarfsmedikation die ich nehmen soll, wenn ich den Drang nach Selbstverletzung verspüre. Toi toi toi musste ich die Tabletten noch nicht nehmen.

Das Selbstverletzen hat nichts mit Teenie oder anderem zu tun. Entweder man tut es, oder nicht. Dafür gibts keine Altersgrenze. Und Ritzen ist ja auch nicht der einzige Weg der Selbstverletzung.
Kämpferin Glückskind Wunderfinder

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chrisalex39
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Beitrag Sa., 11.08.2018, 20:50

Danke euch! Ich hab am montag Termin bei meiner psychologin . Da werd ichs ansprechen.
Vg, Christiane


shesmovedon
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Beitrag Sa., 11.08.2018, 20:56

Ich hoffe halt für dich, dass es jetzt nicht Alltag wird, sondern du dich im Griff behältst. Selbstverletzung kann auch zu einer Art Sucht ausarten, wenn man erstmal merkt, dass es einen in gewissen Situationen entlastet. Irgendwann dient es dann auch gar nicht mehr zur Entlastung, sondern zur Befriedigung.
So zumindest erscheint es mir, nach allem, was ich davon vor allem Dingen bei anderen mitbekommen haben.
Versuch es jetzt, wo es noch am Anfang ist, in den Griff zu bekommen. Je öfter du es machst, desto schwieriger wird es wohl.

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CrazyChild
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Beitrag Sa., 11.08.2018, 21:45

Hat nichts mit dem Alter zu tun. Ich bin Ü50 und es passiert von Zeit zu Zeit immer noch. Es ist eine Art Bewältigungsstrategie die relativ schnell zwanghaft werden kann. Man muss lernen die Anspannung anders abzubauen oder diese erst gar nicht so gross werden lassen.
LG, CrazyChild

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Malia
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Beitrag Sa., 11.08.2018, 22:13

"Ritzen" kann auch etwas mit Nachahmung zu tun haben.
Ich habe es nur als ganz junge Frau gemacht (und auch erst, nachdem ich damit in einer Klinik in Berührung kam) und später die entsprechenden Impulse meistens unter Kontrolle gehabt, weil es mir einfach peinlich war.
Auf jeden Fall habe ich es dann für mich behalten, damit es keine Bedeutung, keine Dramatik von außen erhalten konnte.
Alles wird wieder gut.
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Das Leben ist wie Fahrradfahren: um die Balance zu halten, muss man in Bewegung bleiben.


Maskerade
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Beitrag Sa., 11.08.2018, 23:04

Liebe Christiane,

auch ich bin der Meinung, dass Ritzen nichts mit dem Alter zu tun hat, sondern mit der ganz persönlichen Entwicklung eines Menschen. Also vielleicht besser mit der Entwicklungsverzögerung u/o Entwicklungsstörung.

Habe früher schon Selbstverletzungstendenzen gehabt und mich auf die ein oder andere Art verletzt, aber eben in andern, harmloser erscheinender Formen.
Das Ritzen nahm dann mit der Zeit extreme Formen an. Von Ritzen war da längst nicht mehr zu sprechen … Mittlerweile, nach harter Arbeit, guter Unterstützung meiner Therapeutin und noch einigen anderen Menschen, habe ich es wider erwarten ( laut der Behandler ) und meiner eigenen Einschätzung nach, geschafft, zumindest diese ganz heftige Form bleiben zu lassen. Nicht, dass ich kein Verlangen mehr danach gehabt hätte, aber ich wollte diesem Handlungsmuster

Ich würde Dir raten wollen, wenn es in Deiner Macht liegt, schauen, dass ich da erst gar nicht in diesen Teufelskreis hineinzugeraten. Denn wie oben auch schon gesagt wurde hat SV deutliche Tendenzen einer Sucht,

Wünsche Dir einen guten Weg, der für DICH
Liebe Grüße, Maskerade

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chrisalex39
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Beitrag So., 12.08.2018, 08:32

Danke euch allen, für eure Ratschläge!

Lg, Christiane

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Chakotay
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Beitrag So., 12.08.2018, 22:03

... das erste Mal, da war ich 46,...
Und jetzt, mit Ü50, passiert es leider auch manchmal noch...
Wenn ich mich niederwerfen würde,weinen u.erzählen,was wüßtest Du v. mir mehr als v. der Hölle,wenn jmd erzählt,sie ist fürchterlich.Darum sollten wir voreinander so ehrfürchtig,nachdenklich,liebend stehn wie vor dem Eingang zur Hölle.(Kafka,gekürzt)

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Malia
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Beitrag Mo., 13.08.2018, 18:32

Chakotay hat geschrieben:
So., 12.08.2018, 22:03
.,...
Und jetzt, mit Ü50, passiert es leider auch manchmal noch...
Es passiert nicht, du machst es.
Ich will dich nicht korrigieren, nur vielleicht bewusst machen, dass es immer eine Entscheidung ist, sich zu verletzen oder einen anderen Weg zu gehen.
Und sich über etwas bewusst zu werden, kann schon bei der Wortwahl anfangen.
Alles wird wieder gut.
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Chakotay
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Beitrag Mo., 13.08.2018, 19:17

Nein, es ist keine bewusste Entscheidung.
Wenn ich mich niederwerfen würde,weinen u.erzählen,was wüßtest Du v. mir mehr als v. der Hölle,wenn jmd erzählt,sie ist fürchterlich.Darum sollten wir voreinander so ehrfürchtig,nachdenklich,liebend stehn wie vor dem Eingang zur Hölle.(Kafka,gekürzt)


Maskerade
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Beitrag Mo., 13.08.2018, 19:30

In gewisser Weise schon,
Chakotay,

ich hatte das geauso empfunden. " Es passiert einfach, habe ich gesagt. Und wie Du auch sagst, es ist keine bewusste Entscheidung. Mittlerweile bin ich mir nicht mehr sicher, dann ich habe ja vor Jahren damit aufgehört. Zuerst war das auch keine bewußte Entscheidung, doch als der Impuls da war, begann ich erst, es bewusst nicht zu zu tun. Also scheint es doch Zusammenhänge zu geben. Vielleich fühlt man sich mehr oder weniger ausgeliefert, hilflos usw. ... aber irgndwann, wenn man damit arbeitet, merkt man, dass es schon ein die eigene Entscheidung war, wenn auch mehr oder weniger erst mal unbewusst.
Liebe Grüße, Maskerade

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Fighter1993
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Beitrag Mo., 13.08.2018, 19:55

Sicherlich ist es irgendwo die eigene Entscheidung. Ich für mich kann sagen, dass ich, wenn ich es getan habe, nicht bei mir war. Ich kann zwar zu fast allen Situationen sagen, was der Auslöser war, aber was zwischen Auslöser und dem wahrnehmen der Wunden liegt, kann ich nicht sagen. Das ist weg.
Ich kann auch nicht 100%ig sagen, dass ich mich jetzt bewusst dagegen entschieden habe es zu tun. Ich habe mich bewusst dafür entschieden, etwas im Alltag zu finden, um Anspannungen gar nicht erst so groß werden zu lassen. Dennoch würde ich nicht sagen, im Ausnahmefall mach ich es nicht mehr. Dafür würde ich meine Hand nicht ins Feuer legen, ich könnte es nicht garantieren. Ich kann jedoch jetzt im Vorfeld bewusst dafür sorgen, dass es gar nicht so weit kommt: Sport, Lösungsstrategien zu kennen, mich aus der Gefahrenzone rausbewegen. Bei mir war es oft, dass sich viel angestaut hat und ich hab es ja auch nur zuhause getan, weil ich weiß, da ist alles zur Wundversorgung da. Mittlerweile weiß ich, ich muss daheim raus oder mich erst abreagieren, bevor ich nach Hause gehe um eben so etwas zu vermeiden. Das ist ganz klar bewusst und mir auch nur durch meine eigene Reflektion möglich.
Daher kann ich persönlich nur sagen, bei mir ist/war es teilbewusst wohl.


Maskerade
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Beitrag Di., 14.08.2018, 00:03

Hi Fighter,

also eine Garantie könnte ich auch nach mittlerweile 5-6 Jahren noch nicht geben.
Denn ich weiß natürlich, wie schnell man da wieder rein geraten kann. Ich versuche einfach, dem nicht zu viel Wert beizumessen. Und wenn ich heute in Situationen komme, in denen ich am liebsten … würde, dann habe ich gelernt, mich zu distanzieren. Was nicht heißt, dass ich in einer Extremsituation nicht doch zur Tat schreiten würde.

Und was da bewusst und unbewusst stattfindet, ist letztendlich schwer zu differenzieren. Und es ist auch nicht immer gleich. Auch wenn mir manche Dinge bewusst geworden sind, heißt das nicht gleichzeitig, dass ich bei SV auch anwesend bin.
Da war ich früher meist sehr weit weg. Sonst hätte ich mich gar nicht so krass verletzen können.

Ich hab es auch nur zu Hause gemacht, bzw. in der Klinik.

Habe mir die Verletzungen dann verbunden und bin selbst zum Krankenhaus fahren und dann wurden sie chirurgisch versorgt. Ja und dann bin ich wieder nach Hause gefahren.
Mit der Zeit haben mich die heftigen Verletzungen auch nicht mehr geschockt, obwohl die Behandler meist kreidebleich wurden …. Für mich war das ganz normal, nichts besonderes. Ich wusste halt, dass immer genäht werden musste und es mir dann erst einmal besser ging. Aber das hat halt auf Dauer nicht angehalten. Die positive ( destruktive ) Wirkung hat immer mehr nachgelassen. Genauso die Schmerzempfindlichkeit haben mit der Zeit immer mehr nachgelassen. Und da setzte das Bewusstsein ein. Da realisierte ich erst, welch ein gefährliches Spiel ich da spielte und wie viel Glück ich bislang hatte, dass ich mir keine schlimmeren Folgeschäden davon getragen habe ( z.B.ein gelähmtes Bein, … )
Liebe Grüße, Maskerade

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