PT-Blog: Auf dem Weg in die soziale Kontrollgesellschaft?

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mio
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Re: PT-Blog: Auf dem Weg in die soziale Kontrollgesellschaft?

Beitrag Fr., 07.08.2020, 21:19

Solage hat geschrieben:
Fr., 07.08.2020, 21:01
Du spürst doch auch, wenn jemand über Deine Grenzen geht. Nach Deiner Aussage müsste man so ein Verhalten einfach stehen lassen oder sogar gut heißen?
1. Ja, aber ich prüfe erst den Sachverhalt und wäge dann ab. Kann ich überhaupt etwas dagegen tun? Wenn ja, WAS konkret kann ich tun? Und WAS konkret würde mich das "kosten" (zB. das Ende der Freundschaft) und wäre es MIR das wirklich wert?

2. Siehe oben, müssen tut man gar nix meiner Meinung nach, aber man kann sich auch nicht "beklagen" wenn man nichts tut oder eh keine Handhabe hat (zB. dem Wetter oder Schicksal gegenüber, das kann ja auch ganz schön "übergriffig" sein in den Augen mancher Menschen ;-) ).

3. Dein Film.

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Solage
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Beitrag Fr., 14.08.2020, 22:20

mio hat geschrieben:
Fr., 07.08.2020, 20:36
Solage hat geschrieben:
Fr., 07.08.2020, 20:06
Ohne die Erkenntnis der eigenen Übergriffigkeit geht das nicht.

Wenn es via Gesetz/Regeln geregelt ist dann ist der Konflikt gelöst. Gibt es nur die Konfliktlösung auf individueller Ebene würde ich persönlich immer meine Maßstäbe zugrunde legen und nicht die meines Gegenübers. Und DA fängt es an "tricky" zu werden.

Denn auch jene Menschen die keine Grenzen kennen definieren "Übergriff", und zwar am Liebsten so dass der andere nicht nein sagen darf zu ihren Forderungen, egal nach was.

Nach mehr Geld oder Besitz oder Macht, aber auch nach Verständnis, nach Höflichkeit, nach Rücksichtnahme, nach Bevorzugung, nach Schonung. Und DAS ist der "große Quatsch" bei der Sache wenn dann auf "persönliche Freiheit" gepocht wird die mit der "Wertschätzung" durch den anderen "endet".

Niemand hat das Recht einem anderen einen Übergriff nachzusagen nur weil der ein anderes Wertsystem hat als er selbst, DAS ist dann übergriffig. DA wird sich dann erhoben.

Würde man den Quatsch endlich mal lassen innerhalb einer Gesellschaft so ginge es meiner Meinung nach viel friedlicher zu.
Mio, wenn Du Dich liest, dann widersprichst Du Dir selbst.
Ein Gesetz kann einen Konflikt nicht unbedingt lösen.

Wenn Du Deine Maßstäbe zugrunde legst, die ich völlig in Ordnung finde, dann widerspricht dem aber, wenn Du schreibst, dass niemand das Recht hat einem anderen einen Übergriff nachzusagen.
Schau, wenn ein übergriffiger Mensch, der über Deine Grenzen latscht, weil er ein anderes Wertesystem hat, Dich eben null wertschätzt, UND Du sagst dann: "Nein, das möchte ich nicht. Hau ab!" Da hast Du doch sehr wohl das Recht, Dich vor einem Übergriff abgrenzend zu distanzieren.
Jeder Mensch hat das Recht, einem übergriffigen Menschen gegenüber den Übergriff zu benennen und das ist keine Überhöhung, sondern eine gesunde Gegenwehr!

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stern
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Beitrag Sa., 15.08.2020, 10:37

Das Gesetz in Ö lässt noch auf sich warten. Es sickert aber schon durch:
"Forenbeiträge in österreichischen Medien sind nicht das Problem, hier wird bereits zuverlässig gelöscht", meint Maurer. Wären auch die Zeitungsforen erfasst, würde das einen "existenzbedrohenden Mehraufwand" bedeuten. Für die Grünen sei die Verpflichtung für österreichische Medien daher immer ein No-Go gewesen. Maurer: "Ich bin froh, dass die ÖVP nun in diesem Punkt eingelenkt hat."
https://www.vienna.at/foren-heimischer- ... en/6706860

Weil es ja gerne Grünen oder Linken "vorgeworfen" wird, federführend (bzgl. Hassvorschriften) zu sein und es auch im Artikel vom Herrn Admin etwas durchklingt: Die Schwarze (bzw. türkise) ÖVP wäre hier wohl noch weitergegangen.

In D wurden keine neuen Tatbestände geschaffen. Es ging mehr um die Durchsetzung des ohnehin bestehenden Rechts. Daher auch der Name NetzwerkDURCHSETZUNGsgesetz. Und "Netzwerk", weil es praktisch tatsächlich eher die großen sozialen Netzwerke wie Facebook, Twitter, YouTube, Insta, etc. betrifft. Mit im Inland (D) mehr als zwei Millionen registrierten Usern. Dieser Schwellenwert ist in Ö, meine ich, noch nicht fix, es waren aber geringere im Gespräch.
Liebe Grüsse
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Solage
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Beitrag Di., 25.08.2020, 20:54

Admin hat geschrieben:
Sa., 11.07.2020, 10:15
Die freie Meinungsäußerung ist extrem wichtig für den gesellschaftlichen Frieden und die Fortentwicklung einer Kultur und der Menschen, die in ihr leben. Unsere Ideen und Gedanken müssen frei sein, aneinanderzugeraten, sich zu duellieren und Konflikte aufzulösen. Nur über diese Kanalisierungsmöglichkeit der Sprache ist es möglich, bewaffnete Konflikte zu vermeiden. Leider werden die Freiräume zum sprachlichen Diskurs jedoch zunehmend beschnitten und eingeengt.

https://www.psychotherapiepraxis.at/pt- ... ellschaft/
Meine Meinung in der Pandemie ist jetzt, dass einerseits Menschen in ihrer Angst vor einem unkontrollierten Virus sich in Verschwörungsideologien flüchten. Da ist dann das Virus nicht so böse und mächtig, sondern da gibt es einen anderen "Bösen". Z. B. Bill Gates.
Jetzt beschneiden Politiker unsere Freiheit und das schmeckt nicht gut.
Das schmeckt nicht den Personen, die sich zu Unrecht beschnitten fühlen, weil das Virus vielleicht gar nicht so schlimm ist, vielleicht gar nicht existiert.
Das schmeckt aber auch denen nicht, die sich an Hygieneregeln halten und andere Personen das eben nicht tun. Dann gibt es pauschal Sanktionen.

Mein Gedanke: Es gibt die Pandemie aufgrund eines unberechenbaren Virus!
Es gibt aber auch durchaus Menschen, die differenziert, informiert, und verantwortungsbewusst damit umgehen .

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Solage
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Beitrag Di., 25.08.2020, 21:10

Wenn ich die Politiker so betrachte, dann habe ich das Gefühl, dass es denen, egal welcher Couleur, nicht tatsächlich um das Volk und deren Wohlergehen geht, sondern auch wieder nur um sich!: "Wähle mich, ich bin der Beste."

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Beitrag Mi., 02.09.2020, 11:45

Diese Woche soll dass Gesetz endgültig vorgestellt werden:

https://m.oe24.at/oesterreich/politik/h ... /444439381


Anstelle sozialer Kontrolle übernehmen diese anscheinend Richter direkt (in Ö):
Konkret soll es für Betroffene von Hass im Netz die Möglichkeit geben, einfach und unbürokratisch – über ein Online-Formular auf der Website der Justiz – einen sogenannten Unterlassungsbefehl zu beantragen. Ein Richter entscheidet dann im Eilverfahren, ob das betreffende Posting gelöscht werden muss. Anwalt braucht es keinen.
Quelle: siehe Link oben
Liebe Grüsse
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Beitrag Fr., 13.11.2020, 23:52

Solage hat geschrieben:
Fr., 14.08.2020, 22:20
Wenn Du Deine Maßstäbe zugrunde legst, die ich völlig in Ordnung finde, dann widerspricht dem aber, wenn Du schreibst, dass niemand das Recht hat einem anderen einen Übergriff nachzusagen.
Nein, Solage, das widerspricht sich nicht wenn man sich an der SACHE orientiert und nicht am GEFÜHL. Und für die Klärung von Sachlagen gibt es nun mal Gesetze. Gefühlslagen lassen sich nicht so einfach "klären" weil die immer viel zu subjektiv sind. Es gibt keinen wirklich objektiven Blick auf Gefühle weshalb es auch keine wirklich objektive Auseinandersetzung dazu geben kann. So meinte ich das.

Solage hat geschrieben:
Fr., 14.08.2020, 22:20
Jeder Mensch hat das Recht, einem übergriffigen Menschen gegenüber den Übergriff zu benennen und das ist keine Überhöhung, sondern eine gesunde Gegenwehr!
Wenn es denn WIRKLICH ein Übergriff ist. Der muss ja irgendwie definiert werden.

Und mir persönlich reicht da als Definition der Umstand "Aber das hat mich doch verletzt!" nicht aus. Selbst dann nicht wenn das so war. Da braucht es für meine Begriffe schon ein bisschen mehr, nämlich eine INHALTLICHE Begründung.

Es geht darum "subjektiv" und "objektiv" besser zu differenzieren bei der Frage. Und im Moment kippen wir für meine Begriffe als Gesamtgesellschaft sehr in eine subjektive Richtung, die ich für grundverkehrt halte weil es sowas wie eine "subjektive Einigung" nicht geben kann.

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Solage
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Beitrag Sa., 21.11.2020, 00:11

mio hat geschrieben:
Fr., 13.11.2020, 23:52


Nein, Solage, das widerspricht sich nicht wenn man sich an der SACHE orientiert und nicht am GEFÜHL. Und für die Klärung von Sachlagen gibt es nun mal Gesetze. Gefühlslagen lassen sich nicht so einfach "klären" weil die immer viel zu subjektiv sind. Es gibt keinen wirklich objektiven Blick auf Gefühle weshalb es auch keine wirklich objektive Auseinandersetzung dazu geben kann. So meinte ich das.
Ich bin sehr nahe an der Sache und das Gesetz hat mir Recht gegeben!
Es gibt wohl einen objektiven Blick auf gesetzwidriges Verhalten, das mich durchaus bestätigt.
Es wurde Gesetz gebrochen!

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Solage
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Beitrag Sa., 21.11.2020, 00:18

mio hat geschrieben:
Fr., 13.11.2020, 23:52
Übergriff zu benennen und das ist keine Überhöhung, sondern eine gesunde Gegenwehr!

Wenn es denn WIRKLICH ein Übergriff ist. Der muss ja irgendwie definiert werden.

Und mir persönlich reicht da als Definition der Umstand "Aber das hat mich doch verletzt!" nicht aus. Selbst dann nicht wenn das so war. Da braucht es für meine Begriffe schon ein bisschen mehr, nämlich eine INHALTLICHE Begründung.

Es geht darum "subjektiv" und "objektiv" besser zu differenzieren bei der Frage. Und im Moment kippen wir für meine Begriffe als Gesamtgesellschaft sehr in eine subjektive Richtung, die ich für grundverkehrt halte weil es sowas wie eine "subjektive Einigung" nicht geben kann.
Mio, Gott sei Dank bist Du nicht das Gesetz und vertrittst es nicht! Gott sei Dank!


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Beitrag So., 22.11.2020, 23:37

Ein einzelner Mensch sollte NIE das Gesetz sein und vertreten, das ist ja gerade meine Rede. Was Du inhaltlich daran nicht zu verstehen scheinst erschließt sich mir hingegen nicht, außer dass DU diejenige zu sein scheinst die dafür plädiert "Individualgesetzgebung" einzuführen.