Ekel vor der Mutter seit frühester Kindheit

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merveilleuse
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Ekel vor der Mutter seit frühester Kindheit

Beitrag Fr., 07.06.2019, 22:44

Ich weiß nicht genau, wohin ich dieses Thema packen soll - aber ich suche nach Impulsen, Assoziationen, Ideen.

Seitdem ich denken kann, empfinde ich einen tiefgreifenden Ekel vor meiner Mutter, der alle Bereiche unseres Kontaktes durchdringt. Ich ertrage ihren Geruch nicht, ich versteife, wenn sie sich neben mich setzt, ich kann kaum ihr beim essen zusehen, ihr Körper widert mich an. Besonders ihr Bauch. Ich glaube, sie ist gar nicht wirklich so dick und unförmig, wie ich sie empfinde, aber sie erscheint mir immer, wie eine gigantische fette Spinne, der ich in seltsamen Starre zusehen muss und bei der ich den Blick nicht abwenden kann. Ich kann da nur wenig mit meinem Verstand gegensteuern.

ich kann recht gut mit ihr telefonieren und habe durchaus eine starke Sehnsucht nach ihr, wenn sie nicht da ist, einfach weil ich den Ekel dann immer wieder vergesse, verdränge. Aber seitdem ich mehr in Therapie bin, vergesse ich den Ekel einfach nicht mehr. Was sicher auch gut ist. Wir haben ein paar Ideen, was es sein kann, aber ich habe immer das Gefühl, so ganz sind wir noch nicht am Kern angekommen. Außerdem habe ich manchmal den Eindruck, dass kaum jemand solche Gefühle seiner Mutter gegenüber kennt - was ich mir aber andererseits auch nicht vorstellen kann.

Das Problem ist: ich würde gerne meine Beziehung zu ihr normalisieren, sie war keine so wahnsinnig gute Mutter, aber es gab sicher viel schlimmere.

Aber der Ekel verhindert jede Normalisieung, weil er so basal, so ursprünglich ist. Ich kann ihr davon auch nicht erzählen - denn was soll ich sagen? Mami, ich muss leider immer mit dem Brechreiz kämpfen, wenn ich dich sehe, deswegen bin ich schon immer etwas distanzierter zu dir, bitte stelle dich nicht hinter mich und setzte dich auch nicht neben mich, weil mir sonst schlecht wird?

Ich frage mich immer, warum empfinde ich so? Was erzählt das über unsere (frühe) Beziehung? Welche Schritte muss ich durchlaufen, um das loszuwerden. Es belastet mich sehr, diesen permanenten Ekel zu spüren.

Any ideas?

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candle.
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Beitrag Fr., 07.06.2019, 23:08

merveilleuse hat geschrieben:
Fr., 07.06.2019, 22:44
Wir haben ein paar Ideen, was es sein kann, aber ich habe immer das Gefühl, so ganz sind wir noch nicht am Kern angekommen.
Und was sind das für Ideen?

candle
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Jenny Doe
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Beitrag Sa., 08.06.2019, 06:58

Hallo merveilleuse
Außerdem habe ich manchmal den Eindruck, dass kaum jemand solche Gefühle seiner Mutter gegenüber kennt - was ich mir aber andererseits auch nicht vorstellen kann.
Ich kenne das auch. Genauso wie du es beschreibst, so habe auch ich empfunden: Ekel vor meiner Mutter, vor ihrer Körpermasse, ihrem Geruch, ... Ich bekam Brechreiz wenn sie mich berühren wollte. Ich ekelte mich vor ihrem Körper.

Warum das so war, .. da kann ich nur mutmaßen. Ich vermute, dass es einfach daran lag, dass sie von ihrer Person her ein ekeliger Mensch und noch mehr eine ekelige Mutter war.

Eine Zeitlang dachte ich, dass ich wohl ein Mensch bin, der sich vor dicken Körpern ekelte.
Doch das stellte sich im Lauf der Zeit als Irrtum heraus. Als ich eine Person kennenlernte, die von ihrer ganzen Persönlichkeit her liebenswert war, war es mir völlig egal, dass sie kräftiger ist. Umgekehrt lernte ich mal eine sehr schlanke Person kennen, die ich anfangs mochte. Doch je mehr ich sie und ihre ekelige Persönlichkeit kennenlernte, desto mehr ekelte mich auch ihr Körper an. Ich konnte sie buchstäblich nicht mehr riechen und bekam Brechreiz, wenn sie mich berühren wollte.
Das Problem ist: ich würde gerne meine Beziehung zu ihr normalisieren, sie war keine so wahnsinnig gute Mutter, aber es gab sicher viel schlimmere.
Vielleicht liegt hier der Knackpunkt?

Bei mir lag er genau an dieser Stelle. Einerseits Kontakt haben wollen, andererseits jedoch nicht, aufgrund der Tatsache, dass meine Mutter eine schlechte Mutter war.
Was mir gehofen hat war für mich klarzukriegen, warum ich trotz meiner Abneigung ihr gegenüber auch als Erwachsene immer noch den Kontakt zu ihr suchte. Ich fand schließlich heraus, dass ich mich auch als Erwachsene immer noch nach dem sehnte, was meine Mutter mir in meiner Kindheit nicht gegeben hat, nämlich Liebe, Körperwärme, ....
Als ich erwachsen war, da kam sie plötzlich an und wollte sich an mich kuscheln, mich berühren, ... doch ich bekam Brechreiz. Einerseits sehnte ich mich nach der Befriedigung unbefriedigter kindlicher Bedürfnisse, anderseits war es dafür längst zu spät. Ich war erwachsen, ihr plötzliches Nähesuchen passte nicht mehr.
Das war ein Konflikt, in dem ich steckte. Ich vermute, dass so der Ekel vor ihrem Körper entstand.

Als meine Mutter starb hatte sich das Thema erledigt, so dass ich mich nicht mehr weiter damit beschäftigte.

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reddie
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Beitrag Sa., 08.06.2019, 11:42

Hallo Merveilleuse,

ich kenn das so nicht, aber es hört sich nach einer sehr ambivalenten Beziehung an.

Mir kam ein Bild in den Sinn. Deine Mutter konnte sich in deiner Babyzeit aus Gründen, die in ihrer Geschichte liegen, nicht auf DEINE Bedürfnisse einstellen. Kam aber - wenn SIE es brauchte und hat dich an sich gedrückt. Diese Mischung aus nicht DA-SEiN, wenn DU sie gebraucht hättest und zu fest drücken, wenn sie es brauchte, könnte so einiges erklären. Babys erleben extreme Gefühle und viel davon kommt im Erwachsenenalter immer wieder unkontrolliert hoch.

Alles Liebe
reddie